Der Gebirgskrieg in der Schweiz 1798 und 1799

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Von H. Zähringer in Luzern.

Den Anstoss zu dem nachfolgenden Versuch erhielt ich auf meinen Wanderungen durch das Gotthardgebiet bei dem Anblicke des bekannten Suwarow-Steines. Ich wollte mir Klarheit über die daselbst stattgefundenen Kämpfe verschaffen und bei den Forschungen in den mir zugänglichen Quellen entstand ungesucht die folgende topographische Kriegsgeschichte. Wenn ich nun meinen Versuch im Jahrbuch des S.A.C. mittheile, so leitet mich dabei der Wunsch, es möchten die Clubisten bei ihren Wanderungen und Schilderungen auf historische Einzelheiten achten und zu dem hier gelieferten allgemeinen Eahmen ausfüllende und ergänzende Illustrationen ausarbeiten. In meinem Versuch waltet durchaus das topographische Moment vor; ich gebe alle mir bekannt gewordenen Orte an, wo entweder Truppen durchgezogen oder wo Kämpfe stattgefunden haben; es ist nun Sache ergänzender Arbeiten,

entweder das politische oder das militärische Moment bei Einzelschilderungeu mehr in den Vordergrund treten zu lassen. Es dürften mancherorts aus der mündlichen Tradition noch interessante Umstände zu erheben sein, welche in geschickter Verarbeitung mit den Erlebnissen einer Gebirgswanderung dem Darsteller den Beifall seiner Leser erwerben werden. Zudem bietet die Schweizergeschichte noch andere Gebirgs-kämpfe dar, namentlich in Graubünden und Wallis, welche noch wenig bekannt sind und zu deren Bearbeitung ich hiemit ebenfalls den Anstoss gegeben zu haben wünsche.

Die von mir benützten Quellen sind ausser den schweizerischen Militärzeitschriften, namentlich der « Revue militaire suisse » von Lecomte, die bekannten Kriegsgeschichten von Erzherzog Carl, General Jomini, Mathieu Dumas, Clausewitz und Miliutin, dann die weniger bekannten Memoiren der Marschälle Soult und Masséna, endlich eine Reihe schweizerischer historischer und militärischer Schriften von Oberst Wieland, Lohbauer, Lusser, Emanuel von Rodt, Gut, Freuler, Boccard und verschiedene Jahrbücher historischer Vereine.

Der grosse Sturm, genannt die französische Revolution, welcher am Ende des vorigen Jahrhunderts Europa durchtobte, liess auch die Schweiz nicht unberührt » Trotz fortschreitender Bildung, trotz zunehmenden Wohlstandes, trotz aller Warnungen hellsehen-der Männer beharrten die schweizerischen Regierungen in ihrer " « natürlichen Bevormundung » namentlich des Landvolkes und der Vogteien oder Unterthanenlande.

Noch ehe der französische Ruf « Freiheit und Gleichheit » über Europa hinhallte, regte sich das Volk der schweizerischen Kantone in seinem Streben nach der Abschüttlung unwürdiger Fesseln; aber nur gering war der Erfolg seiner Mühen, und es bedurfte des Eingriffes französischer Gewalt, um das morsche Staatsgebäude der alten Eidgenossenschaft zu zertrümmern. In dem Kriege, den Frankreich gegen Oesterreieh führte, erklärte die Tagsatzung die Neutralität der Schweiz; aber sie war nicht im Stande, die nöthigen Truppen aufzubringen, so sehr war der Zusammenhang der Bundesglieder bereits gelockert. Aufstände des Volkes brachen überall aus und innere Parteiungen lähmten die Kraft der Regierungen. Mülhausen, Biel, das Bisthum Basel Und Genf wurden von der Eidgenossenschaft losgetrennt und mit der französischen Republik vereinigt; Veltlih, Cleven und Worms wurden der verhassten Herrschaft der drei Bünde in Rhätien entrissen und mit der cisalpinischen Republik vereinigt, ehe im eigentlichen Gebiet der 13 alten Orte der Eingriff der französischen Republik, welche allen Völkern, die nach Freiheit und Gleichheit rangen, ihre Unterstützung versprach, erfolgte. Alle Unterthanenlande wurden freigegeben, aber die Absichten des französischen Direktoriums gingen noch auf anderes als auf Freiheit und Gleichheit. Die Städtekantone, namentlich Bern, Solothurn und Freiburg, hatten durch Sparsamkeit grosse Staatsschätze aufgehäuft und die Schweiz bot für Kriege gegen Oesterreieh eine unentbehrliche Verbindung mit Italien dar.

Die Schweiz musste also im Interesse der Kriegführung ihre Schätze hergeben und ein Vasallenland der französischen Republik werden. Den ersten Anlass zum Einmarsch in die Schweiz bot den Franzosen die Revolution der Waadtländer am 24. Januar 1798. Waad't wurde von Frankreich als Lemanische Republik anerkannt. Vergebens beschwor die letzte Tagsatzung zu Aarau die alten Bünde, vergebens wurden die Kontingente der Kantone aufgeboten; der alte Geist der Eintracht war verschwunden und jeder Kanton dachte nur an seine eigene Rettung. Der französische General Brune verlangte Einsetzung provisorischer Regierungen in Bern, Freiburg und Solothurn und Entlassung der Truppen. Wie aber zwischen den einzelnen Bundesgliedern keine Eintraeht mehr herrschte, so dass jedes Glied nur an sich selbst dachte, so war auch der Geist der Eintracht aus den Rathsälen verschwunden: die einen wollten das Ultimatum Brunes annehmen; die andern wollten mit den Waffen in der Hand siegen oder sterben. Die Verhandlungen zogen sich indie Länge, die Truppen erhielten widersprechende Befehle und ehe Brune ein entschiedenes Ja oder Nein erhielt, rückte er aus dem Waadtland gegen Freiburg. und Bern vor, während Schauenburg aus dem Bisthum Basel gegen Solothurn aufbrach. Die ersten Märztage sahen mancherorts Beweise altschweizerischer Tapferheit, aber das Vertrauen zwischen Truppen und Führern war verschwunden und die Kontingente aus den mittleren und östlichen Kantonen nahmen an dem Kampfe nicht den mindesten Antheil. Freiburg, Solothurn, Bern kapite- lirten und setzten provisorische Regierungen ein.

Es liegt nicht in unserer Aufgabe, die den Kapitulationen vorausgehenden Kämpfe zu schildern; in den Bereich des Gebirgskrieges, den wir ausschliesslich zu verfolgen. gedenken, fallen nur die Kämpfe in den Ormonts-thälern.

Beim Abfall des Waadtlandes von der Herrschaft

Bern's bleiben die Ormontsthäler und das welsche

Saanenland bei Bern; die Gemeinde Leysin rief

( 11. Februar ) den Schutz Bern's gegen die Tyrannei

der revolutionären Komites an. Bei der Aufstellung

der Berner'schen Streitkräfte bildete deren äusserster

linker Flügel ein Korps von 1600 Mann mit mehreren

Stücken Geschütz unter dem Dragoner-Oberst Tscharner,

Alt-Landvogt von Aigle. Die Mannschaft bestand aus

einem Bataillon und einer Scharfschützenkompagnie

Simmenthaler, einem Bataillon Ormonter und einer

Scharfschützenkompagnie welscher Saanenländer. Dieses

Korps sollte gegen Aigle vorrücken, um dadurch den

Feind für Vivis besorgt zu machen und ihn zu hindern,

dem General Brune Verstärkung zuzusenden. Beim

Ausbruch der Feindseligkeiten ( 1. März ) nahm das

Korps folgende Stellungen ein: Im untern Ormont war

der Hauptposten zu Sepey unter dem Oberst Chablais,

einem Ormonter, der vom Wachtmeister zum Oberst

befördert worden war; die linke Flanke dieser Position

sollte einen jenseits des Bergstromes der Grande Eau

bei der Forclaz aufgestellten Posten decken. Vorwärts

Sepey war ein verschanzter Posten bei Leysin, der

eine Vorwache bis Veyge, an der Strasse nach Aigle,

vorgeschoben hatte. Im obern Ormont hatte sich ein Theil der Mannschaft im Dörfchen Aux Plans gesammelt und eine Vorwache gegen die Berghöhe La Croix d' Arpille ( deutsch Kreuzberg ) vorgesandt, um von dort aus die Gegend gegen Grion und Bex hin zu beobachten.

Die Posten des welschen Saanenlandes: Rougemont, Château d' Oex und Rossinières waren ebenfalls besetzt. An Geschütz waren an verschiedene Posten sechs Zweipfünderstücke und eine kleine Haubitze zugetheilt.

In solcher Bereitschaft befand sich das kleine Korps, als am 4. März, nach der Einnahme von Freiburg und Solothurn und der theilweisen Auflösung des Bernerheeres, zwei feindliche Kolonnen von Aigle und von Bex aus sich in Bewegung setzten, um in Verbindung mit den anderwärtigan Operationen der französischen Heeresmacht die ihnen gegenüberstehenden Berner anzugreifen, und die Unterwerfung der mit diesen vereinigten Bewohner aus der Landschaft Aigle zu bewirken. Die eine jener Kolonnen, aus 6- bis 800 Mann Franzosen und Waadtl&ndern bestehend, unter dem Kommando des Generals Châtel, ging am 4. März, Leysin links lassend, nach den Staffeln von Planbuit am linken Ufer der Grande Eau. von wo sich des folgenden Tages früh vor Tagesanbruch die Avantgarde, unter Anführung des Waadt-länders Clavel, gegen die Forclaz zuwandte^ um von hier aus den Berner'schen Hauptposten bei Sepey auf dessen linken Flanken zu umgehen, während das Hauptkorps über Pont de la Tine gerade auf Sepey los-marsehirte. Nach einem lebhaften Gefechte musste die bei der Forclaz aufgestellte Mannschaft dem Angriffe des überlegenen Feindes weichen und sich vers l' Eglise zurückziehen, ünterdess hatte das Hauptkorps der feindlichen Kolonne die bei Exergillod aufgestellte Berner'sehe Torwache nach einigem Widerstände zurückgetrieben, den Pont de la Tine überschritten und die vor dem Dorfe Sepey aufgestellten Truppen angegriffen.

Die zwei Simmenthaler Kompagnien nöthigten ihren Kommandanten Fischer durch meuterische lAuftritteu sie aus dem Kampfe zurückzuziehen. Die Ormonter unter Chablais hielten noch eine Zeitlang Stand; als aber Chablais bemerkte, dass er durch Räumung der Forclaz umgangen war, schloss er mit dem Feinde eine Kapitulation, in deren Folge die unteren Ormonter die Waffen niederlegten. Das gleiche that hierauf ein Theil der oberen Ormonter, der nach der Räumung der Forclaz dem Feind vers l' Eglise noch einmal Stand gehalten, dann aber kapitulirt hatte. Die Berner, welche bei dieser Abtheilung gestanden, zogen sich über den Höhenzug zwischen Ormonts und Saanenland nach La Lécherette im Bezirk Château d' Oex.

Die zweite feindliche Kolonne, aus Franzosen, Waadtländern und Unterwallisern bestehend, unter dem Befehle des Waadtländers Forneret, marschirte von Bex aus über Grion am 4. März nach der unbewohnten Hütte von Taveannaz, wo sie, nach einem mühsamen Marsche durch tiefen Schnee, ihr Nachtquartier bezog, um des folgenden Tages früh ihren beschwerlichen Zug über die Höhe de la Croix d' Arpille ( 1739 m ) nach dem obern Ormont fortzusetzen. Kaum hatte aber die Kolonne ( 5. März ) den Berg überstiegen,

als sie Sur le Masot auf die ormontische Torwache

27 stiess, die sogleich durch einen Eilboten die im Dörfchen Aux Plans liegende Mannschaft vom Anmärsche des Feindes benachrichtigen liess und vor diesem sich plänkelnd zurückzog.

Auf den Schall der Lärmtrommel hatte jene Mannschaft sogleich die Waffen ergriffen und sich 30—40 Mann stark in Marsch gesetzt, bis sie mit der Yorwaeht zusammenstiess. Der vereinigte Haufe stellte sich bei den Staffeln La Chadise hinter einen Graben, am Rande eines Waldes auf, um in der günstigen Position den herannahenden Feind zu empfangen. Vergebens suchte Forneret seine Kolonne auf einem durch Berg und Wildbach eingeschlossenen Raum zu entwickeln. Schon waren mehrere seiner Leute durch die wohl gezielten Schüsse der hinter Baumstämmen stehenden Ormonterschützen gefallen, als der Anführer selbst von einer Kugel durchbohrt zu Boden sank. Nach dem Falle des Anführers zog sich die ganze Kolonne auf Bex zurück. Aber auch die Sieger konnten ihren Yortheil nicht verfolgen; denn der Feind war bis vers l' Eglise vorgerückt und die Hauptmacht der Ormonter hatte sich zerstreut. So zogen sich auch die Sieger von La Chadise nach ihren Wohnungen zurück. Unter den Waffen stand am 5. März einzig noch der Posten bei Leysin; aber nach der Unterwerfung der Ormonter zog sich dieser Posten am 6. März nach Lécherette zurück, wo er sich mit den noch übrigen Bernertruppen vereinigte. An Widerstand wurde nicht mehr gedacht. Bern hatte am 5. März kapitulirt, und am 12. März wurde der letzte Posten der -Berner,, die Festung Aarburg, übergeben.

Nach Einstellung der Kämpfe war das erste Ge~ schäft der französischen Machthaber, die Plünderung der Zeughäuser und Schatzkammern und des weitern die Einführung der helvetischen Einheitsverfassung.

Schon am 9. Februar hatte Waadt diese Verfassung angenommen; am 15. März folgten Basel und am 26. März Luzern. Das Machtgebot Frankreichs bewirkte die Annahme auch der anderen Kantone, so dass am 12. April die Repräsentanten von zehn Kantonen, Aargau, Basel, Bern, Freiburg, Leman, Luzern, Oberland, Schaff hausen und Zürich, in der neuen Hauptstadt Helvetiens, Aarau, zusammentreten konnten. Aber die demokratischen Orte wollten die neue Verfassung trotz wiederholter Aufforderungen und Drohungen Frankreichs nicht annehmen und rüsteten sich zum Widerstände gegen die französischen Truppen; nur Obwalden und das Engelbergthal nahmen, während sich ihre Nachbarn in Nidwaiden bereits zum Kampfe rüsteten, die Einheitsverfassung an. Die übrigen demokratischen Orte stellten 10,000 freilich zum Theil sehr mangelhaft bewaffnete Krieger auf und die Leitung übernahm ein Kriegsrath in Selrwyz, neben welchem aber der Kapuziner Paul Styger und der Pfarrer Mamanus Herzog eine hervorragende Rolle spielten. Der Kriegsrath wollte den Franzosen im Angriffe zuvorkommen und stellte folgenden Plan auf: die erste Abtheilung, die Mannschaften von Glarus. Sargans, Gaster, Utznach, March und Höfe, unter Paravicini, sollte längs des Zürichsee's nach Zürich vorrücken; die zweite Abtheilung, Zuger und Freiämtler, unter Anderwert, sollte durch das Freiamt hinunterziehen und sich mit der ersten Abtheilung vereinigen; die dritte Abtheilung,

unter Alois Reding, Schwyzer, Zuger und Nidwaldner umfassend, sollte nach Luzern vordringen und die Entlibueher an sich ziehen; die vierte Abtheilung, aus Schwyzern, Urnern, Nidwaldnern, Gersauern und GlJtrnern bestehend, unter Zeiger und Hauser, sollte durch Obwalden über den Brünig in 's Haslithal ziehen, sich mit Oberwallis in Verbindung setzen und nach Thun vorrücken. Aber auch Schauenburg, der den Oberbefehl über die französische und die mit denselben vereinigten helvetischen Truppen führte, hatte sich zum Kampfe gerüstet und rückte auf beiden Ufern des Zürchersee's und längs der Reuss gegen Zug und Luzern vor.

i, Zuerst setzte sich die vierte Abtheilung in Bewegung; sie zog am 22. April nach Obwalden und die dortige Landsgemeinde trat am 23. April wieder von der helvetischen Verfassung zurück und stellte ihre Streitmacht zu den Verbündeten. Der Sattelpass gegen das Entlibuch wurde besetzt und die Hauptmacht rückte über den Brünig nach Meyringen und Brienz, den Befehl erwartend, gegen Bern zu marschiren und sich mit dçn Oberwallisern zu verbinden. Nach der vierten Abtheilung setzte sich auch die zweite Abtheilung unter Aaderwert in Bewegung; aber am 26. April wurde dieselbe bei Mägglingen und Muri von den Franzosen geschlagen und am 29. April zogen die Franzosen in Zug ein. Die erste Abtheilung dehnte sich am 28. April bis Rapperswyl aus und Reding erschien mit der dritten Abtheilung am 29. über Küsnacht vor Luzern auf dem Wesemlin und gleichzeitig Zeiger mit den Nidwaldnern auf der Birk.egg. Luzern kapitulirte und sein Zeughaus wurde von den Ländlern geplündert.

Aber der Siegestaumel währte nur kurze Zeit; Redrog vernahm die Einnahme Zugs, die Besetzung Zürichs und das Vorrücken der Franzosen gegen Rapperswyl und Wolleratt. Er räumte Luzern und zog nach Küsnacht. Am 30. April besetzten die Franzosen Luzern und nahmen nach heftigem Kampfe Rapperswyl. Gleichen Tages griffen sie auch " Wollerau an und nahmen es trotz kräftiger Vertheidigung ein. Die Glarner zogen sich zurück und unterhandelten einen Waffenstillstand. Der Kriegsrath dachte nur noch an die Vertheidigung von Schwyz und stellte es der vierten Abtheilung anheim, sich über den Brünig nach Obwalden zurückzuziehen oder in die Heimat zurückzukehren. Diese Abtheilung wählte das letztere und die Urner unter Schmid eilten durch das Gadmerthal über den damals noch fast unwegsamen Sustenpass in 's Mayenthal, wo sie mit Sturmläuten empfangen wurden, indem der Landsturm sie für feindliche Berner hielt, welche einen Einfall in 's Urnerland machen wollten. Nun war Schwyz am meisten bedroht. Am 1. Mai wurden Küsnacht und Immensee von Risch, Meyerskappel, Adligea-schwyl und Meggen aus angegriffen und trotz helden-müthiger Gegenwehr eingenommen. Die Schwyzer zogen sich hinter Arth zurück. Rechts vom obersten Gipfel des Rossberges bis unter St. Adrian am Zugersee war das Bataillon Abyberg aufgestellt, links am Schattenberg stand Oberst Fälchlin; Arth war stark besetzt und auf dem Rigi lag ein Wachposten. Weiter nach Osten beim Sehornothurm und auf den Höhen von Morgarten standen Urner und Schwyzer, auf dem St. Jostenberg Schwyzer und Zuger, an der Schindellegi befehligte Reding und am Etzel der Pfarrer Herzog.

Am 2. Mai griffen die Franzosen die Stellungen der Schwyzer am Etzel, an der Schindellegi, am Jostenberg und am Morgarten mit grösser Uebermacht an. An der Schindellegi, wo Reding kommandirte, wurden die Franzosen zurückgeschlagen, aber mitten in der Freude des glücklichen Erfolges kam die niederschlagende Nachricht, dass der Pfarrer Herzog ohne Gegenwehr mit seiner Mannschaft den Etzel verlassen habe und dass die Franzosen in Einsiedeln eingezogen seien. Um nicht abgeschnitten zu werden, sah sich Reding's tapferes Häuflein zum Rückzuge nach dem Rothenthurm genöthigt. Gleichzeitig mit dem Angriffe gegen Schindellegi hatten sich die Franzosen theils von Hütten, theils von Aegeri her des St. Jostenberges und der Anhöhen von Morgarten bemächtigt und die kleine Zahl der dort stehenden Truppen zog sich vor der Uebermacht an den Rothenthurm zurück. Dort vereinigte sich Reding mit ihnen und stellte sich dem über die Schindellegi anrückenden Feinde nochmals entgegen. Auf der Ebene vor dem Dorfe entwickelte sich die französische Schlachtordnung. Das Geschütz der Schwyzer wurde nur einmal losgebrannt, dann stürzten sich die Bataillone über die Ebene hin im Sturmlauf auf den viermal stärkern Feind. Eine Viertelstunde dauerte der blutige Kampf, bis die Franzosen, erschüttert durch den ungewohnten Angriff mit Bajonetten und Kolben, zurückgeschlagen waren und die Schwyzer sich der Höhen wieder bemächtigten. In den nämlichen Stunden wurde der Morgarten noch einmal wie im Jahr 1315 durch die Niederlage eindringender Feinde berühmt.

Nach Bezwingung des Jostenpasses hatte eine längs der Angreifer vordringende französische Heeresabtheilung die Höhe des Morgarten erstiegen und näherte sich schon dem Dorfe Sattel. Mit dem von Rothenthurm kommenden Schwyzer Bataillon vereinigten sich 300 Urner und der Landsturm von Steinen, und auch hier entschied schnell ein stürmischer Angriff mit Bajonett und Kolben. Erschrocken wandten sich die Franzosen zur Flucht und bis Aegeri hinab wurden sie von den Siegern verfolgt.

Am Tage nach diesen siegreichen Gefechten fanden noch Vorpostengefechte bei Arth statt, die ebenfalls nachtheilig für die Franzosen ausfielen. Früh Morgens am 3. Mai griffen die Franzosen auf beiden Ufern des Zugersee's die Zugänge zum Flecken Arth an, aber am Rossberg und am Rigi wurden sie zurückgeschlagen. So waren die Grenzmarken des alten Landes Schwyz behauptet, einzig Einsiedeln nebst den äussern Bezirken war in der Macht der Franzosen. Am 4. Mai versammelte sich die Landsgemeinde; nur die Mannschaft in Arth wollte ihren Posten nicht verlassen; die von Schauenburg, vorgeschlagene Kapitulation wurde angenommen und Schwyz beugte sich unter die Einheitsverfassung. Bald nahmen auch Glarus, Uri und Obwalden und am 12. Mai auch Nidwaiden die neue Verfassung an. Unterdess war auch der Osten der Schweiz, Sargans, Rheinthal, Appenzell, St. Gallen, Thurgau und Toggenburg der Einheitsverfassung beigetreten und nur noch die Oberwalliser leisteten Widerstand. Sie nahmen am 7. Mai die Stadt Sitten ein und die helvetischen Behörden flohen nach St. Moritz.

Aber Franzosen, Waadtländer und Ünterwalliser unter General Lorges rückten sofort gegen die Aufständigen vor. Die Vorhut der Oberwalliser stand bei Daillon und wurde am 15. Mai auf die Hauptmacht, welche hinter der Morge, die von den Gletschern des Wildhorns herunterströmt, aufgestellt war, zurückgeworfen. Sie stand unter dem Befehl Courten's. Hier entspann sich ein heftiger Kampf; zweimal wurden die Franzosen über den Gletscherbach zurückgetrieben, aber endlich mussten die Oberwalliser der Uebermacht weichen; während des Kampfes langte eine Colonne Franzosen aus den Ormontthälern über den Col de Pillon und den Sanetsch an, umging die bereits weichenden Oberwalliser bei Mont-Orge, brachte die höchste Verwirrung in ihre Reihen und machte zahlreiche Gefangene.

Die alte Eidgenossenschaft war, unter Verlust mehrerer Glieder: des Münsterthaies, Biels, des St. Immer-thales, Mühlhausens und Genfs, in eine neue Staatsform übergegangen; das Schicksal von Graubünden war noch unentschieden; seine Unterthanenlande: Veltlin, Cleven und Worms, waren mit der eisalpini-sehen Republik vereinigt, nur die drei Bünde waren eingeladen, der helvetischen Republik beizutreten, aber die Gemeinden hatten hierüber noch nicht entschieden. Der Name « Schweiz » sollte so viel möglich ausser IJebung kommen und der neue Staat « die Eine und untheilbare helvetische Republik » heissen. Alle Unter-thaneiiverhältiiisse waren aufgehoben und die Kantone waren nicht mehr Mitglieder eines Staatenbundes, sondern Verwaltungsbezirke des einheitlichen Staates »

Solcher Kantone waren es 18, nämlich: Aargau, Baden, Basel, Bellinzona, Bern, Freiburg, Leman, Linth, Lugano, Luzern, Oberland, Säntis, Schaffhausen, Solothurn, Thurgau, Waldstätten, Wallis, Zürich, zu denen als 19. später noch Graubünden hinzukam. Die neue Verfassung war von Anfang an einem grossen Theile der Bevölkerung verhasst, theils weil sie mit Waffengewalt aufgedrungen war, theils weil sie mit allen bisherigen Einrichtungen und Gewohnheiten im Widerspruche stand. Wir verfolgen die Handlungen der helvetischen Behörden hier nicht weiter, ebensowenig das räuberische Gebahren der französischen Generale und Kommissäre; nur des Bundes mit Frankreich vom 24. August 1798 müssen wir kurz gedenken, weil dieser Bund es mit verschuldete, dass Helvetien zwei Jahre lang zum Kriegstheater wurde. Die helvetischen Behörden wollten nur, wie früher, Werbungen gestatten, dabei aber ihre alte Neutralität bewahren. Frankreich ging hierauf nicht ein, sondern verlangte ein Offensiv-bündniss, das dann auch abgeschlossen wurde und nach welchem jede der beiden Republiken im Falle eines Krieges die andere zur Mitwirkung auffordern konnte. Frankreich wurde im weitem der freie und ewige Gebrauch von zwei Militärstrassen zugesichert: die eine längs des Rheines zum Bodensee, die andere von Genf durch Wallis nach der cisalpinischen Republik. Schon dieser Bund erregte in den Gebirgskantonen vielfache Unzufriedenheit, welche noch gesteigert wurde, als die helvetischen Rathe beschlossen, es sei die ganze Bevölkerung zur Beschwörung der neuen Verfassung aufzufordern. Mancherorts entstanden heftige Bewe- gungen gegen Leistung des Bürgereides, doch konnten die Bevölkerungen überall wieder beruhigt werden mit Ausnahme Nidwaldens, wo einige fanatische Priester die Bevölkerung zu einem Kampfe auf Leben und Tod für Religion und Vaterland zu entflammen wussten.

General Schauenburg erhielt den Auftrag, mit 16,000 Mann, grösstenteils Franzosen, jedoch auch Luzerner, Waadtländer, Zürcher und Obwaldner, das aufständische Volk von Nidwaiden zu unterwerfen. Oberbefehlshaber der 2000 Nidwaldner war der Fischer Ludwig Fruonz von Stansstad, ehemaliger Wachtmeister in französischen Diensten. Zuzüger waren nur aus Schwyz und Uri da. Der Kapuziner Paul Styger hatte mit 212 Schwyzern die in Brunnen aufgestellte Wache überwältigt, sich der Quartierfalme von Brunnen bemächtigt und die Ueberfahrt nach Nidwaiden erzwungen; ihm schlössen sich 27 Urner, meist von Selisberg, an. Der Kriegsrath von Nidwaiden, der am 29. August vou der Landsgemeinde in Wyl eingesetzt worden, liess alle Landesgrenzen besetzen und theilweise durch Gräben, Verhaue und Schanzen befestigen. Doch war nicht das ganze Land mit diesem Widerstände einverstanden: Engelberg hatte den Eid geleistet, ebenso Hergiswyl, und Wolfenschiessen versicherte insgeheim seine Anhänglichkeit an die neue Verfassung. Ein Gesandter, der an die österreichischen Generale Hotze und Auffenberg nach Bregenz gesandt wurde, brachte Versicherungen österreichischer Hülfe heim.

Die Nidwaldner erwarteten den Hauptangriff von Obwalden und vom See her, doch besetzten sie auch ihre übrigen Grenzen. Gegen Uri stellten sie Posten in Emmetten und in Oberrickenbach auf;

am See besetzten sie Beggenried, Buochs, die. untere Nase, die Matt, den Mattgrat, die Hametschwand, Kehrsiten, Zingel und Hüttenort, den Tritt, Obbürgen, Stansstad, das durch Pallisaden geschützt wurde, Rotzloch und Rüti am Alpnachersee, Acheregg und den Lopperberg: der Renggpass war nach dem Abfalle HergiswyFs in den Händen der Franzosen; gegen Obwalden bese|zten sie den Mutterschwanderberg und die March im Kernwald, hinter welcher bei St. Jakob, Rohren, Allweg und am Rotzloch Schanzen und Yerhaue angelegt waren, dann Grossächerli zwischen Stanserhorn und Arvigrat, endlich die Pässe aus dem Melchthal: Storegg und Juchli, ferner das Joch, sowie die Alpen Arvi, Lautersee und T.rübsae. Die Hauptmacht der Nidwaldner unter Fruonz stand am Kernwald, etwa 600 Mann; Geschütze waren auf dem Allweg, bei Stansstad, bei Kehrsiten und an der Nase.

Schauenburg hatte sein Hauptquartier in Hergiswyl, unter ihm befehligten Mainoni und Müller. Die Franzosen kamen aus dem Berner Oberlande über den Brünig, aus dem Entlebuch über die Schwendi und von Luzern über die Reuss nach Obwalden zum Hauptangriff gegen die March am Kernwald unter Mainoni und zur Umgehung der Nidwaldner über Grossächerli unter Müller. Von der Seeseite sollte von Hergiswyl, " Winkel ,'Spissen und Luzern aus eine Landung in Stansstad und Kehrsiten versucht werden. In den ersten Septembertagen, als die Streitmacht der Franzosen zu Land und zu Wasser versammelt war, wurden verschiedene Angriffe am Lopperberg und. am Kern- wald, bei Stansstad und bei Kehrsiten gemacht, aber alle erfolglos;

die Franzosen wurden überall zurückgeschlagen. Endlich am Sonntag den 9. September fand der allgemeine Angriff am Grossächerli, an der March, am Mutterschwanderberg, bei Stansstad und bei Kehrsiten statt.

Schon um Mitternacht zog eine Abtheilung mit Führern aus Obwalden von Kerns aus gegen den Arvigrat und Grossächerli, um über diese südliche Fortsetzung des Stanzerhornes nach Dallenwyl und in 's Aathal zu gelangen, die Hauptstellung der Nidwaldner in Ennetmoos zu umgehen und Stanz von Süden her zu erreichen. Nach hartnäckigem Widerstände wurden die Nidwaldnerposten von; Gebirgskamm vertrieben, worauf die Franzosen über Wiesenberg, Dallenwyl und Buren gegen Stans und Buochs vorrückten. Unterdessen hatte die Hauptmacht der Franzosen unter Mainoni die Stellungen am Mehlbach. bei St. Jakob und am Mutterschwanderberg angegriffen und die Nidwaldner zurückgedrängt. Mordend und brennend kamen sie bis Rohren und auf das Drachenried. Hier wurden zwei Angriffe der Franzosen zurückgeschlagen und erst als die Flügel der Franzosen an der Blumalp und am Betti vordrangen, zogen sich die Nidwaldner auf Allweg, zwischen Rotzberg und Stanzerhorn, zurück, wo sie noch einmal Stand hielten. An den Ribenen, zwischen Rohren und Allweg, am Fusse der Blumalp, standen die Urner und Schwyzer. Beim Durchbruche der Franzosen auf dem Drachenried wurden diese Zuzüger von den Nidwaldnern getrennt. Diese letztem zogen sich nach Stans und Buochs zurück und die Urner und Schwyzer zogen sich längs der steilen Halden des Stanzerhornes nach Buren, durchbrachen dort die Stellung der Franzosen und wandten sich über Nieder-Rickenbach, das Buochserhorn und die Alp Spiess nach Emmetten und Seelisberg;

die Schwyzer kehrten von dort über Morschach in ihre Heimat zurück.

Während dies auf lern Lande vorging,war eine Abtheilung Franzosen in Schiffen und Flössen vor Stansstad und Kehrsiten erschienen. In Stansstad war die Landung wegen der Pallisaden unmöglich, dagegen gelang sie bei Hüttenort und Zingel, zwischen Stansstad und Kehrsiten. Eine Abtheilung wandte sich gegen Kehrsiten, wo nun auch gelandet werden konnte, und eine Abtheilung erstieg unter grossem Verlust über die drei Zingel den Bürgenberg; die in Kehrsiten gelandete Abtheilung erstieg den Bürgen über den Tritt, aber in Obbürgen dauerte der Kampf fort, bis auch von Stansstad Franzosen heraufrückten und so die Nidwaldner zwischen zwei Feuer kamen. Stansstad wurde nicht von der Seeseite genommen, sondern von der Abtheilung, welche über den Mutterschwanderberg unter der Drachenfluh über Zingel und Rüti in'sKotz-loch vorgerückt war und mit der sich dann auch Theile der Hauptmacht vom Drachenried her durch die Schlucht vereinigt hatten. Heftig wogte der Kampf im Ried und besonders in der Schlucht, bis sich endlich die Nidwaldner zerstreuten und den Franzosen den Weg nach Stansstad öffneten. Nun gelang auch die Landung, nachdem einige Pallisaden abgesägt worden waren; und die Nidwaldner waren um 2 Uhr aus allen ihren Stellungen vertrieben. Unangefochten waren die Posten gegen Uri, an den Melchthalpässeii und auf dem Lopperberg.

Die Franzosen rückten von Ennetmoos, von Stansstad und von Buren gegen Stans vor und besetzten das ganze Land; die Nidwaldner zerstreuten sich. Schauenburg kam am folgenden Morgen nach Stans und besichtigte die Schlachtfelder, welche seine Truppen so schwere Opfer gekostet, dass er sagen musste, der 9. September sei sein heissester Tag gewesen.

Am 7. Oktober leisteten die Nidwaldner den Bürger-eid; Uri, Schwyz und Glarus wurden von den Franzosen besetzt.

Das traurige Loos Nidwaldens vermehrte die Abneigung, welche bei einem grossen Theile der Bevölkerung gegen die helvetische Regierung herrschte, und bis zum Ausbruche von Aufständen steigerte sich dieselbe, als im November 1798 die Verordnung erschien, dass alle waffenfähige Mannschaft vom 18. bis 25. Jahre verzeichnet und in der Waffe geübt werden soll. Da Alles auf den Ausbruch eines neuen Krieges gegen Oesterreich hindeutete, so verbreitete sich die Ueberzeugung, dass diese Truppen an Frankreich überlassen werden sollen.

In Graubünden dauerten während dieser Zeit die Streitigkeiten zwischen den Patrioten oder Anhängern der Franzosen und deu Altgesiimten oder Anhängern Oesterreichs fort. Nach dem Bundestag in Ilanz am 12. September bewaffneten sich beide Parteien. Da aber die Franzosen und die btindnerischen Flüchtlinge sich den Grenzen Graubündens näherten, so beschloss der Kriegsrath der Altgesinnten, die Hülfe Oesterreichs nachzusuchen.

Am 19, Oktober rückten 10 Bataillone Oesterreicher unter Auffenberg ein und besetzten alle Pässe.

In banger Erwartung sah die helvetische Republik dem Ausbruch des drohenden Krieges entgegen. Ein grösser Theil der Einwohner hoffte von demselben Befreiung von dem drückenden Joche der Franzosen. Die Anstalten, welche das helvetische Direktorium zu entschiedener Theilnahme am Kriege machte, vermehrten die Missstimmung. Am 27. Februar 1799 liess sich das Direktorium von den Rathen Tollmacht ertheilen zur Aufstellung und Ausrüstung der Truppen. Die französischen Machthaber forderten zu thätiger Mitwirkung auf und gestatteten die Zurückgabe von 4 bis 500 Kanonen, welche aus den Zeughäusern der Schweiz nach Frankreich abgeführt worden waren. Allein die Anstalten und die Aufgebote der Regierung beförderten die Flucht über den Rhein der waffen* fähigen jungen Männern. Es war keineswegs Furcht vor dem Kriegsdienste, was diese Auswanderungen bewirkte, sondern Hass gegen die Franzosen und die helvetische Regierung; denn diese Flüchtlinge sammelten sich zu Ravensburg um den Schultheissen Steiger von Bern, welcher nach dem Gefecht im Grauholz am 5. März 1798 über Thun und den Brünig nach der Ostschweiz entflohen war und nun in Deutschland rastlos thätig war für die Befreiung der Schweiz von den Franzosen, Aus den Ausgewanderten wurde eine Legion gebildet, welche sich unter dem Befehl des Obersten Roverea in den Gefechten gegen die Franzosen wiederholt auszeichnete. Es waren also Schweizer gegen Schweizer zum Kampfe gerüstet und man muss gestehen, dass die Ausgewanderten sich tapferer schlugen als die Hülfstruppen der Franzosen, welche oft batail-lonsweise davon liefen und in ihre Heimath zurückkehrten.

Der Krieg gegen das revolutionäre Frankreich im Jahr 1799 wurde von Oesterreich, England und Russland geführt; das Kriegstheater waren Deutschland, die Schweiz und Italien. Die Yerbündeten stellten drei Armeen auf: Erzherzog Karl bei Ulm, Bellegarde im Tyrol nebst dem Korps Auffenberg's in Graubünden; Kray in Italen. Die Russen rückten erst später in die Linie. Die Franzosen stellten dem Erzherzog Karl die Donauarmee unter Jourdan entgegen, in der Schweiz befehligte Masséna und in Italien Scherer. General Auffenberg hatte sein Hauptquartier in Chur und hielt das Rheinthal und das Innthal besetzt; auf der Luziensteig, sowie auf den Pässen gegen Glarus und Uri, auf dem Spltigen und Bernhardin waren Posten. Der Rhein zwischen Luziensteig und Bodensee war beiderseits stark besetzt. Die Franzosen standen bei Wildhaus, bei Appenzell zur Bewachung des Passes zwischen Kamor und Hohenkasten, bei Gais zur Bewachung des Stosses, und bei Rorschach.

Masséna, der in erster Linie Graubünden zu erobern hatte, stellte seinen Unterfeldherren folgende Aufgaben: der linke Flügel unter Xintrailles hatte die Verbindung mit der Donauarmee aufrecht zu erhalten; das Centrum unter Ménard sollte zwischen Fläsch und Reichenau über den Rhein setzen; unter Ménard befehligte Démont, welcher über den Kunkelspass nach Reichenau gelangen sollte;

der rechte Flügel unter Lecourbe sollte die Brigade Loison von Urseren nach Dissentis vorschieben und mit dem Hauptkorps von Bellinzona aus den Splügen und den Bernhardin nehmen und sodann in 's Engadin eindringen. Ein Détachement der italienischen Armee unter Dessolles sollte durch 4as Veltlin nach Bormio und in 's Münsterthal zu gelangen suchen.

Am 1. März 1799 eröffnete die französische Donauarmee unter Jourdan den Krieg durch den Uebergang über den Rhein bei Basel und Kehl. Am 6. März wurde Auffenberg von Masséna aufgefordert, Graubünden zu räumen; aber ohne eine Antwort abzuwarten, begann der Angriff der Franzosen. Loison marschirte von Urseren nach Dissentis, wurde jedoch von den Oesterreichern und Graubündnern zurückgeschlagen; er kam mit grossem Verlust nach Urseren zurück. Démont rückte über Ragatz und Vättis auf den Kunkelspass, vertrieb den dort stehenden Posten, schlug die Oesterreicher bei Tamins und Reichenau und sandte eine Abtheilung gegen Dissentis, welche es Loison möglich machte, wieder in 's Vorderrheinthal zu gelangen. Démont überschritt den Rhein, wurde jedoch von den Oesterreichern bei Ems zurückgeschlagen und konnte nicht gegen Chur vordringen. Oudinot setzte bei Werdenberg über den Rhein und besetzte den Schellenberg gegen Feldkirch. Während Ménard das Hauptkorps Auffen-bergs zwischen Rhein und Landquart beschäftigte, setzte Masséna bei Balzers über den Rhein, um die Luziensteig zu erstürmen. Nach Abschlagung von vier Stürmen gelangten die Umgehungskolonnen bei Guscha

28 und am Fläscherberg in die Verschanzungen und die Luziensteig war für die Oesterreicher verloren.

Dadurch war Auffenberg von Hotze abgeschnitten, der in Feldkirch lag. Auffenberg zog sich hinter die Landquart und stellte sich bei der oberen Zollbrücke auf, während eine siegreiche Abtheilung bei Ems gegen Démont stehen blieb. Am 7. März wurden die Oesterreicher von Masséna angegriffen; die obere Zollbrücke wurde bald verlassen, ebenso eine zweite Aufstellung bei Zizers und eine dritte bei Malans. Ehe Masséna die Oesterreicher bei Chur angriff, sandte er eine Kolonne über den Hochwang in das Schanfiggerthal, um ihnen den Rückzug in 's Engadin abzuschneiden. Diese Kolonne besetzte Maladers und Malix und sperrte dadurch den Weg sowohl nach Davos als auch in 's Albulathal. So war Auffenberg fast vollständig eingeschlossen und musste sich sammt der bei Ems stehenden Abtheilung ergeben. Von den 6000 Mann Auffenberg's konnten sich nur acht Kompagnien in 's Domleschg retten, von wo sie durch das Albulathal in 's Engadin gelangten.

Am gleichen Tage versuchte Oudinot die Verschanzungen Hotze's bei Feldkirch zu erstürmen, wurde aber zurückgeschlagen.

Während dieser Vorgänge im Centrum der französischen Aufstellung war Lecourbe mit dem rechten Flügel gegen das Engadin aufgebrochen. Der österreichische General Loudon konzentrirte seine Truppen im Unterengadin, besetzte Nauders, Tauffers und St. Maria, zog in Zernetz die Trümmer von Auffenberg's Korps an sich und stellte Posten auf den Scaletta> den Flüela und den Tschierfs-Pass.

Ein Bataillon wurde nach Bormio verlegt und Premadio und Trepalle wurden besetzt. Lecourbe setzte sich am 6.. März gegen den Bernhardin in Bewegung und am 7. wurde der Berg bei einem wüthenden Schneesturm überschritten. Die kleine Besatzung in Hinterrhein wurde vertrieben; Mainoni besetzte Hinterrhein, Daumas besetzte Nufenen und die Vorposten gelangten bis nach Splügen. In der Erwartung, den Feind hier in ziemlicher Stärke zu treffen, hatte Dessoles ein Bataillon von Chiavenna durch das Jakobsthal über den Splügen gesandt. Aber Lecourbe wurde mit dem Feinde allein fertig und sandte das Bataillon wieder über den Splügen zu Dessolles. Am 8. war das Hauptquartier Lecourbe's in Andeer, am 9. in Thusis. Von hier zog Lecourbe durch den Schyn nach Tiefenkasten, wo er sein Korps in zwei Kolonnen theilte. Die eine, unter Mainoni, ging über den Julier nach Silvaplana und sandte eine Abtheilung über den Septimer nach Casaccia, um sich des Maloja-Passes zu versichern; die dort stehenden Oesterreicher wurden theils gefangen, theils über den Muretto-Pass getrieben; diese letzteren, sowie die in Puschlav stehenden Oesterreicher ,'wurden von Truppen der italienischen'Armee gefangen genommen. Die andere Kolonne, unter Lecourbe, zog längs der Albula, schlug den Feind im Bergün und gelangte über den Albulapass nach Ponte; eine Abtheilung von Lecourbe's Kolonne zog nach Davos, um den Scaletta- und Flüela-Pass zu nehmen. Am Abend des 11. März war Lecourbe in Ponte und am Morgen des 12. wurde er von Loudon angegriffen und auf die Höhe des Albulapasses zurück- getrieben.

Lecourbe behauptete sich auf den höchsten Punkten und unterdessen gelangte die nach Davos entsandte Abtheilung auf den Scaletta- und Flüela-Pass, vertrieb die dort stehenden Oesterreicher und stieg in 's Engadin hinab. Loudon, zwischen zwei Feuer genommen, zog mit Hinterlassung zahlreicher Gefangener bis Martinsbruck zurück, hielt jedoch die Pässe in 's Münsterthal besetzt. Am 13. marschirte Lecourbe nach Schuls, um am 14. Martinsbruck und Finstermünz anzugreifen. Er liess eine Besatzung in Zernetz, um die Ausgänge des Livigno- und Münsterthaies zu bewachen. Mainoni sollte sich zwischen Schuls und Livigno aufstellen und das Scarlthal besetzen. Lecourbe griff am 14. März Martinsbruck an, ohne eine Umgehungskolonne über das Gebirg abzusenden, und wurde zurückgeschlagen. Am 15. griffen die Oesterreicher in drei Kolonnen an: die erste bei Martinsbruck, die zweite unter Loudon bei Schuls, welche aus dem Münsterthal über das Searljoch vordrang und den General Mainoni bei Schuls gefangen nahm, die dritte bei Zernetz, welche aus dem Münsterthal über den Ofenpass vordrang. Alle drei Kolonnen wurden von den Franzosen zurückgeschlagen und zogen sich in ihre früheren Stellungen zurück.

Am 17. März griff Lecourbe abermals Martinsbruck an; er entsandte zwar eine Umgehungskolonne über den Novellasteig am Südabhang des Piz Mondin, aber dieselbe wurde gefangen, und so misslang auch dieser Angriff. Lecourbe entschloss sich nun, seine Angriffe einzustellen, bis er Unterstützung von Dessolles erhielte. Dieser war erst am 13. März von Tirano aufgebrochen, hatte am 16. den Feind von Bormio, Premadio und Trepalle vertrieben und gelangte am 17. über das Wormserjoch in 's Münsterthal, während Lecourbe eben bei Martinsbruck kämpfte.

Nun zog sich Loudon nach Taufers zurück und die Franzosen besetzten Münster am 18. März. Lecourbe und Dessolles standen über den Ofenpass und das Scarljoch mit einander in Verbindung.

So war in 12 Tagen Graubünden erobert. Der Kriegsrath wurde entsetzt, das Volk entwaffnet und Graubünden unter dem Namen Kanton Rhätien am

24. April mit der helvetischen Republik vereinigt. Aber das Kriegsglück wendete sich. Die wiederholten

Angriffe von Masséna auf die Stellung der Oesterreicher bei Feldkirch wurden abgeschlagen. Der blutigste war derjenige vom 23. März; Oudinot griff in der Front, vom Schellenberg ausgehend, an; eine Kolonne sollte den Feind über den Royaberg umgehen; aber Jellachich liess die Umgehungskolonne selbst umgehen und die Franzosen wurden dadurch, trotz der Erfolge Masséna's bei Gallmist, zurückgeschlagen.

Jourdan verlor am 25. März bei Stockach eine Schlacht gegen den Erzherzog Karl und wurde zum Rückzüge über den Rhein genöthigt.

Noch vor dem Angriff auf Feldkirch hatte Masséna dem rechten Flügel befohlen, Finstermünz und Glurns zu nehmen. Beides gelang den Generalen Lecourbe und Dessolles am Tage der Schlacht bei Stockach, am

25. März. Lecourbe entsandte Loison bei Glamaschott über den Inn und liess ihn durch das, Gufrathal die Stellung von Nauders, die Rückzugslinie der Oester- reicher von Martinsbruek, umgeben;

eine zweite Kolonne sollte von St. Norbert aus die Verschanzungen angreifen; Démont sollte Martinsbruek auf dem Novella-stieg umgehen und Finstermünz nehmen; Lecourbe wollte Martinsbruek von vorn angreifen. Alle Operationen gelangen; die Oesterreicher unter General Brey konnten sich aber mit grossem Verlust nach Landeck zurückziehen, indem Démont zu spät nach Finstermünz kam, um ihnen auch hier den Rückzug abzuschneiden.

Nicht minder glücklich war Dessolles bei seiner Unternehmung auf Glurns. Die Oesterreicher, 700 Mann unter Loudon, hielten Taufers, das Trafoithal und Bundweil besetzt und ihre Vorposten standen am Vallarola-Bach, der vom Piz Cotschen herunterströmt. Am 25. März griff Dessolles mit nur 500 Mann bei Vallarola an; das Bett des Rambachs, der fast trocken lag, diente einer Abtheilung zur Umgehung der Oesterreicher. Diese, zwischen zwei Feuer genommen, wurden grösstentheils gefangen und Loudon floh mit etwa 400 Mann nach Burgeiss, und als er auf der Reschenscheideck die Niederlage Brey's erfuhr, wandte er sich in das Langtaufererthal und über den Gabatschgletscher durch das Kaunerthal nach Landeck. Dessolles kam am 26- nach Glurns und liess die Höhen vor Schluderns besetzen; dieses Dorf selbst blieb jedoch in den Händen der Oesterreicher. Die Franzosen standen üter die Reschenscheideck, welche das Etschthal vom Innthal trennt, in Verbindung.

Nachdem Masséna bei Feldkirch zurückgeschlagen und Jourdan bei Stockach besiegt worden war, befahl Masséna den Generalen Lecourbe und Dessolles, ihre Operationen einzustellen.

Am 30. März zog sich Lecourbe auf Remüs und Dessolles auf Taufers zurück, indem sie die Verbindung zwischen Innthal und Etschthal aufgaben. Am 4. April wurde Dessolles bei Taufers von den Oesterreichern unter Bellegarde mit Uebermacht angegriffen und gleichzeitig wurde ihm durch eine Umgehungskolonne, welche durch das Trafoithal auf das Stilfser- und Worniserjoch gelangte, der Rückweg in 's Yeltlin über das Wormserjoch abgeschnitten, so dass er mit Verlust seiner Artillerie über den Ofenpass in 's Engadin abziehen musste. Ein Theil seiner Truppen ging über den Bernina und nach Chiavenna. Die Oesterreicher hielten das Münsterthal besetzt. Lecourbe stand bei Remüs, Ménard im Prättigau, Lorges im Rheinthal; Masséna hatte sein Hauptquartier in Chur und hielt die Luziensteig besetzt. Auf öster-. reichischem Gebiete standen keine Franzosen, dagegen war -von schweizerischem Gebiete das Münsterthal in den Händen der Oesterreicher.

Die Gefechte bei Taufers und Feldkirch fanden so ziemlich in den gleichen Stellungen statt, wie die bekannten Schlachten auf der Malserheide und bei Frastenz im Jahr 1499.

In Italien hatte der Kampf etwas später begonnen als in Deutschland und in der Schweiz; aber hier war das Kriegsglück nicht auf Seite der Franzosen. General Scherer, welcher die Franzosen befehligte, musste vor den Oesterreichern unter Kray, später unter Melas, mit welchen sieh die Russen unter Suwarow im April vereinigten, von der Etscfa bis nach Turin zurückweichen. Den. rechten Flügel der Oesterreicher in den Alpenthälern führte Oberst Strauch.

Seherer wurde durch Moreau ersetzt und Masséna erhielt den Oberbefehl über die Armeen der Donau und Helvetiens. Masséna hielt sich auf der Defensive und errichtete bei Zürich ejn befestigtes Lager. Die Fortschritte der Russen unter Suwarow in Italien veranlassten ihn, den General Xintrailles mit Truppen in 's " Wallis zu senden, um die nach Italien führenden Pässe offen zu halten. Dem Vorrücken der Verbündeten in Deutschland und Italien sollte nun auch ein Vormarsch des Centrums in Tyrol unter Bellegarde folgen. Am 22. April sollte der Angriff auf die Stellungen Lecourbe's bei Remü& unternommen werden. Aber ein am 21. frisch gefallener Schnee nöthigte Bellegarde, die schon gegebenen Befehle zurückzunehmen. Darüber ging ein Detaschement Landesschützen ( etwa zwei Bataillone ) grösstenteils verloren, das sich schon in Marsch gesetzt hatte und den Gegenbefehl nicht mehr erhielt. Diese Landesschützen waren von Ischgl im Pazn^unthal aufgebrochen über den Fimberberg in 's Sinestrathal nach Manas hinuntergestiegen und unvermuthet in die französischen Kantonirungen bei Remüs gefallen. Zweimal nahmen sie diesen Ort und zweimal wurden sie wieder daraus vertrieben. Die Franzosen erhielten immer mehr Verstärkungen, weil sie in ihren übrigen Stellungen nicht angegriffen wurden, und so konnten die Landesschtftzeii grösstenteils gefangen werden. Bellegarde setzte seine Unternehmungen auf acht Tage aus. Am 30. April setzte er sich in Bewegung, um Lecourbe aus dem Engadin zu vertreiben, wie er am 4. April Dessolles aus dem Münsterthale vertrieben hatte.

Lecourbe hatte sich hinter den Ramosch- oder Varana-Bach, der aus dem Sinestrathal bei Remüs dem Inn zuströmt, verschanzt und seine Yorposten standen bei Schieins und Glamaschott. Die Oesterreicher rückten in vier Kolonnen vor: der rechte Flügel .kam von Ischgl im Paznaunthal über den Fimberpass, das Centrum rückte an beiden Ufern des Inn vor und der linke Flügel unter Haddik kam vom Münsterthale her theils durch das Scarlthal gegen Schuls, theils über den Ofenpass gegen Zernetz. Das Wormserjoch war bewacht. Die Franzosen wurden bei Remüs von Bellegarde hinter den Ramoschbach zurückgetrieben, behaupteten aber ihre dortigen befestigten Stellungen. General Haddik fand auf dem Scarljoch und den mit Schnee und Eis bedeckten Wegen grosse Schwierigkeiten, obgleich seine Mannschaft mit Steigeisen versehen war. Er kam erst bei einbrechender Nacht an den Inn, als Bellegarde das Gefecht gegen Lecourbe bereits abgebrochen hatte. Die Kolonne, welche über das Tschierfserjoch gegen Zernetz marschirt war, wurde von den Franzosen mit einem Verluste von 500 Gefangenen zurückgeschlagen. Trotz dieser Erfolge zog sich Lecourbe in der Nacht nach Süss zurück. Bellegarde folgte ihm und griff ihn am 2. Mai an; Lecourbe wurde verwundet und Démont gefangen. Die Franzosen zogen sich nach Ponte zurück. Lecourbe ging, nachdem er seine Kanonen in Schleifen gelegt und die Laffeten verbrannt hatte, über den Albulapass nach Lenz, liess jedoch eine Besetzung in Davos und bewachte den Flüela, den Scaletta, den Septimer, den Julier und d:;V Wcissenstein auf dem Albula.

Eine Division lag in Nufenen und hielt den Bernhardin und den Splügen besetzt. Die Division Loison lag in Poschiavo und Chiavenna. rnusste sich aber vor den Oe st erreichern, welche sich unter Strauch aus dem Veltlin gegen Chiavenna und unter Rohan über Porlezza gegen Lugano bewegten, mit Zurücklassung ihrer Geschütze theils über den Splügen in 's Rheinthal, theils über den Balnisciopass nach St. Giacomo im Misoxerthal zurückziehen. Lecourbe ging von Lenz durch den Schyn nach Thusis, übergab die Bewachung der Pässe dem General Chabran, überschritt den Bernhardin, vereinigte sich in Misox mit Loison und kam am 10. Mai, 8000 Mann stark, nach Bellinzona, von wo er am 6. März ausgezogen war.

Gleichzeitig mit dem Vorgehen Bellegarde's im Engadin sollte Hotze die Luziensteig angreifen. Bellegarde sandte zu diesem Zwecke eine Verstärkung von fünf Bataillonen unter Oberst St. Julien durch das Montafun, Nach der Einnahme der Luziensteig sollte dieses Korps durch Prättigau und Davos wieder zu Bellegarde im Engadin stossen. Um diese Expedition zu erleichtern, sollte ein Detaschement am Tage der Unternehmung von Gargellen aus über Schlappina nach Klosters vordringen und den dortigen französischen Posten aufheben.

Der Angriff auf die Luziensteig sollte am 1. Mai von vier Seiten erfolgen. Eine Kolonne ging aus dem Gamperthonthal über die kleine Furka in die Meyen-felderalpen, um von hier aus dem Feind in den Rücken zu fallen; eine zweite Kolonne erstieg den Falknis oberhalb Guscha, um den Feind in seiner rechten Gebirgskrieg.

Flanke anzugreifen; eine dritte Kolonne sollte von Balzers aus vorrücken; eine vierte Kolonne, diejenige von St. Julien, sollte von Mels aus den Fläscherberg nehmen und sich bei Meyenfeld mit der ersten vereinigen. Die erste Kolonne gelangte nicht an ihren Bestimmungsort; sie hatte sich verirrt. Die zweite und die dritte konnten nicht vordringen und einzig St. Julien erfüllte seine Aufgabe; er nahm Fläsch und erwartete in.Meyenfeld die Ankunft der Gamperthonthalkolonne. Statt, dieser kamen aber die Reserven der Franzosen unter Ménard, welche ihn nach schwerem Verlust zurückwarfen. Am 2. Mai ging St. Julien nach Bludenz und von dort erreichte er über Galthür das Epgadin. Das Detaschement, welches über Schlappina nach Klosters gelangen sollte, erfüllte seine Aufgabe vollkommen, vertrieb die Franzosen aus dem Prättigau und hielt sich daselbst, bis die Nachricht vom Fehlschlagen der Unternehmung auf die Luziensteig anlangte. Das Detaschement zog sich am 3. Mai nach Gargellen zurück, um nicht eingeschlossen zu werden. Die Fortschritte der. Oesterreicher und der Russen gegenüber den Franzosen ermuthigten die Anhänger des Alten, namentlich in den Gebirgskantonen, zum Aufstande gegen die helvetische Regierung, welche damals ihren Sitz in Luzern hatte. Die Ausgewanderten, an deren Spitze Steiger und Roverea standen, schürten das Feuer nach Kräften, ebenso die österreichischen Generale, besonders Hotze, welche in den Aufständischen mächtige Hülfstruppen gegen die Franzosen zu finden hofften. Masséna erkannte seine Gefahr und traf energische Massregeln zur Unterdrückung der'Auf- stände, die er auch, mit Ausnahme desjenigen in Wallis, binnen wenigen Tagen bewältigte.Verweilen wir etwas bei diesen Aufstünden.

Nach der Schlacht bei Stockach ( 25. März ) erwartete man in Helvetien allgemein den Vormarsch der Oesterreicher über den Rhein. Das Direktorium suchte die 18,000 Mann Hülfstruppen zu ergänzen, schrieb eine Kriegssteuer aus und verlangte von den Rathen eine Kriegserklärung gegen Oesterreich, welche jedoch abgelehnt wurde. Das Truppenaufgebot zur Besetzung der Grenzen veranlasste Aufstände in den Kantonen Oberland, Freiburg, Luzern, Solothurn und Säntis, die aber durch französische und helvetische Truppen rasch unterdrückt wurden. In den inneren demokratischen Kantonen hatten angesehene und begüterte Männer die vereinzelten Ausbrüche zu verhindern gesucht, sich aber dadurch den Verdacht der Anhänglichkeit an die Franzosen zugezogen. Dieser Verdacht traf besonders den Flecken Altorf, dessen Reichthum ohnedies schon lange Neid erregt hatte. Als daher am 5. April 1799 eine Feuersbrunst daselbst ausbrach, welche ein heftiger Föhn über den ganzen Flecken verbreitete, so leistete ein grösser Theil des Landvolkes wenig oder gar keine Hülfe.

Gefährlicher wurde die Lage, als die österreichische Hauptarmee endlich am Rhein erschien und am 13. und 17- April Schaffhausen und Eglisau besetzte. In den Waldstätten war ein Aufstand in geheimen Zusammenkünften verabredet worden und man zählte darauf, dass die Oesterreicher nun alsobald in die. Schweiz eindringen werden. Am 26. April brach der Aufstand in IM aus.

Eine Anzahl Franzosen wurden von den Aufständischen unter Vincenz Schmid niedergemacht, die übrigen flohen nach Flüelan, wo sie von waadtländischen Truppen aufgenommen wurden. Zwei Tage später ( am 28. April ) begann zu Schwyz der sogenannte Hirtenhemdlikrieg. Mehrere tausend mit Hirtenhemden bekleidete Männer, unter Anführung Balz Holdener's, erschienen zu Schwyz und vertrieben die Franzosen über Brunnen. Dasselbe geschah zu Arth. Gleichzeitig erhoben sich die Verschworenen zu Menzingen und Aegeri und bedrohten Zug, wo sich die französische Besatzung zur Gegenwehr bereit hielt. Auch in Unterwaiden entstand Gährung, und eine kleine Schaar junger Leute sammelte sich zu Emmetten unter Anführung ZundelnaziV und drohte die im Lande zerstreuten französischen Besatzungen anzugreifen. In Lugano mordeten die Aufständischen unter Pietro Bossi und die Liviner unter Camossi standen in Verbindung mit den Urnern.

Statt der Oesterreicher rückten nun aber die Franzosen vor. General Soult zog über Rapperswyl nach Einsiedeln und die bei Rothenthurm aufgestellten Landleute streckten nach einigen Unterhandlungen am 2. Mai die Waffen. Zug unterwarf sich. Einzelne Abtheilungen eilten nach Uri, welches die Unterwerfung verweigerte.. Aber die ganze Macht der Urner und der ihnen zugezogenen Schwyzer, Zuger und Unterwaldner betrug nur 2000 Mann und vier Kanonen. Sie hatten, sich bei Flüelen verschanzt und an ihrer Spitze stand Vincenz Schmid. Auf den 9. Mai hatte Soult den Angriff festgesetzt. Eine Kolonne sollte von Schwvz aus durch das Muottathal und über den Kinzig-#pass nach Spirigen gelangen, um den Urnern in den Rücken zu fallen.

Diese Kolonne musste jedoch wegen eingetretenen Schneefalles ihren Zug aufgeben. Eine zweite Kolonne landete bei Sissingen und zog sich über die Tellskapelle und die Felsen oberhalb Flüelen gegen die rechte Flanke des Feindes. Eine dritte Kolonne kam von Stanz über Seelisberg und sollte theils über Bauen nach Seedorf und Attinghausenr theils in 's Isenthal gelangen. Soult selbst schiffte sich in Brunnen ein, landete bei Seedorf und am Grunthal bei Flüelen und schlug mit Unterstützung der beiden Umgehungskolonnen die Urner nach heftigem Widerstände. Schmid war gleich bei Beginn des Gefechtes am Grunthal gefallen. Die Urner zogen sich fechtend theils in 's Schächenthal, theils nach Wasen zurück. Diese letztere Abtheilung, circa 700 Mann stark, erhielt einen Zuzug von 400 Wallisern und vertheidigte sich am 11. Mai energisch gegen Soult, dem sie besonders durch herabgewälzte Felsblöcke empfindlichen Verlust beibrachte, bis sie von den Franzosen umgangen wurde. Ein Theil zerstreute sich in 's Meyen-und Göschenenthal und die übrigen zogen sich nach Urseren zurück, von wo die Walliser über die Furka nach ihrer Heimat marschirten. Soult blieb am 12. Mai in Hospenthal. Die Urner, welche eine Verstärkung von 200 Livinern unter Camossi erhalten hatten, stellten sich beim Mätteli an der Gotthardstrasse auf und hier wurden sie am 13. Mai von Soult angegriffen, aber erst nach einer gefahrvollen Umgehung über das Mattenalpeli zurückgeworfen. Auf der Höhe des Gott- hardes hielten die Urner noch einmal Stand, wurden aber auch hier durch eine Kolonne, welche über den Blauberg ging, umgangen und stiegen gegen Airölo hinab.

Auch hier wurden sie vertrieben. Soult reiste über den Gotthard zurück nach Zürich und befahl dem General Bontems, die Urner weiter zu verfolgen und sich dann mit Lecourbe, der am 10. Mai nach Bellinzona gekommen war, zu vereinigen. Die Urner und Liviner stellten sich noch einmal bei Ambri und erst am 15. Mai zerstreuten sie sich, meistens in 's Maggiathal.

Inzwischen hatten die Männer von Isenthal ihr stilles Thälchen mannhaft vertheidigt und mehrere Angriffe, welche waadtländische Truppen von Bauen aus gegen die Bärki, oberhalb Meten, unternahmen, blutig zurückgewiesen. Sie erhielten eine ehrenhafte Kapitulation, nach welcher sie ihre Waffen behalten durften.

In Graubünden war der Aufstand am 1. Mai, am Tage des Angriffes der Oesterreieher auf die Luziensteig, ausgebrochen. In Dissentis wurden die Franzosen überfallen und theilweise niedergemacht; neue Verluste erlitten sie in Ilanz und Eeichenau. JBald standen 6000 Graubtindner vor Ghur, General Ménard griff sie an und schlug sie bei Ems und Reichenau; eine Kolonne Aufständischer, welche über den Kunkelspass gegen Ragatz vordringen wollte, wurde von den über Häffers anrückenden Franzosen nach Tamins zurückgetrieben und in dem benannten Dorfe vernichtet. Die Franzosen drangen in 's Vorderrheinthal vor, nahmen Hanz und Dissentis und, um ihre gemordeten Kameraden zu rächen, verbrannten sie Dorf und Kloster Dissentis.

( 5. Mai. )

Zugleich mit Graubünden hatte sich auch das Oberwallis erhoben. An der Spitze der Aufständischen drang der Graf von Courten bis nach Martinach vor, von wo aber die Oberwalliser bald durch Franzosen, Waadtländer und Unterwalliser wieder vertrieben wurden. Die Franzosen unter Xintrailles bezogen ein Lager bei Siders, das die Walliser am 27. Mai angriffen, aber ohne Erfolg. Am 28. Mai griff Xintrailles seinerseits bei Leuk an, schlug die Walliser und trieb sie theils gegen den Simplon, theils gegen die F.urka. Eine Abtheilung Oberwalliser, welche die Höhe oberhalb Yaren « bei den Leitern » besetzt hielt, war durch die Niederlage bei Leuk abgeschnitten. Sie zogen über das Leukerbad in 's Lötschenthal, über die Lötsehen-lücke, den Aletsch- und Vieschergletscher in 's Oberwallis. ' Xintrailles verfolgte die Oberwalliser und brachte ihnen neue Niederlagen. bei Vispach und Brieg ( an der Massa ) bei; aber zur Unterwerfung brachte er sie nicht. Eine Abtheilung Oesterreicher, welche über den Simplr.n zur Unterstützung der Oberwalliser gekommen war, zog sich nach dem Gefechte bei Vispach in 's Saasthal zurück. Bei Saas wurden sie von den nachrückenden " Franzosen angegriffen und grösstentheils gefangen genommen; der Rest erreichte Macugnaga über den Monte Moro.

Mit Ausnahme von Schaffhausen, Engadin und Oberwallis war um- die Mitte Mai's wieder ganz Helvetien in der Macht der Franzosen, und die Auf-wiegelungen hatten nur unsägliches Elend hervor- gebracht.

Aber die Stellung der Franzosen war keines-* wegs eine günstige, als die Oesterreicher ihre Angriffe auf Graubünden erneuerten. Am 14. Mai griff. Hotze die Luziensteig in ähnlicher Weise wie am 1. Mai wieder an; aus dem Gamperthonthal gingen zwei Kolonnen über die kleine Furka: die eine unter Jellachich wandte sich gegen Meyenfeld, die andere unter Hiller gegen Seewis und das Thal der Landr quart. Diesmal gelangten alle Kolonnen an ihren Bestimmungsort; die Franzosen unter Ménard wurden überwältigt, verloren die Luziensteig und büssten 3000 Gefangene nebst 15 Geschützen ein. Hotze marschirte nach Chur und die Franzosen zogen sich theils nach Ragatz, theils nach Eeichenau.

Gleichzeitig mit Hotze rückte auch Bellegarde in vier Kolonnen aus Montafun und Engadin vor. Die erste Kolonne unter Oberst Plumket ging von Galthür und Gargellen über Schlappina, vertrieb die Franzosen aus Klosters und rückte gegen Davos vor. Die zweite Kolonne ging von Süss über den Flüela und gelangte am 13. Mai bis Tschuggen; am 14. wurden die Franzosen in Davos angegriffen und die Kolonne ging, nach Vertreibung der Franzosen, theils über den Strela in 's Schanfigg, theils dem Landwasser nach gegen Alveneu. Die dritte Kolonne unter Bellegarde ging von Ponte über den Albula nach Bergün und Filisur. Die vierte Kolonne ging zum Theil von Silvaplana über den Julieiy zum Theil über den Maloja und Septimer nach Tiefenkasten. Hier vereinigten sich alle Kolonnen Bellegarde's; und ein Theil zog weiter in 's Rheinthal. Bellegarde wurde bald darauf mit einem Theile seiner Armee

29 4Ö0.Zähringer.

nach Italien abberufen und ging am 18. Mai über den Splügen, Julier und Septimer an den Comersee.

Die Reste der Division Lecourbe marschirten über den Bernhardin nach Bellinzona. Suchet wurde bei Reichenau von Hotze angegriffen, durch das Vorderrheinthal hinaufgetrieben und gelangte nach schweren Verlusten und nach Einbüssung seines Geschützes am 19. Mai nach Urseren, wo er wieder in Verbindung mit Lecourbe stand. Ein Theil der Franzosen hatte sich nach der Einnahme der Luziensteig bei Ragatz gesammelt. Hier wurden sie von den Oesterreichern angegriffen und gegen Wallenstadt gedrängt, von wo sie am linken Ufer des Wallensee's Glarus erreichten.

Lecourbe hatte nach seiner Ankunft in Bellinzona die .Oesterreicher unter Rohan auf dem Monte Ccnere ( 13. Mai ) angegriffen und bis Ponte Tresa zurückgeworfen. Aber die Eroberung Graubündens durch die Oesterreieher, und besonders das Vordringen Strauch's im Misoxerthal, sowie die neuen Angriffe Rohan's bei Taverne ( 18. Mai ), von wo Loison bis hinter Bellinzona zurückgeworfen wurde, nöthigten ihn zum Rückzug und am 24. Mai war er in Altorf, nachdem er Besatzungen in Biasca, Airolo, Urseren und Wasen unter Loison zurückgelassen.

Die Oesterreicher drängten vorwärts, um den Gotthard zu erobern. Eine Kolonne unter Gavazzini, bei welcher die Legion Roverea stand, war den Franzosen unter Chabran nach Glarus gefolgt und trieb diese über den Pragel in 's Muottathal. Suwarow sandte den General Haddik, unter welchem Strauch, Rohan und St. Julien befehligten, gegen den Gotthard. Strauch kam von Cleven und vereinigte sich in Lugano mit Rohan;

sie kamen am 23. Mai nach Bellinzona, das von den Franzosen geräumt war. St.'Julien stand im Vorderrheinthal und sollte ein Korps über den Kreuzlipass nach Amsteg senden, und mit der Hauptmacht über Dissentis nach Urseren gelangen, während Haddik die Franzosen im Livinerthal angriff. Am 27. Mai erfolgte der Angriff bei dem Défilé von Dazio grande und die Franzosen unter Loison mussten sich auf Airolo zurückziehen. Am 28. erfolgte ein zweiter Angriff bei Airolo und Loison zog sich über den Gotthard nach Hospenthal, wo er am 29. den Oesterreichern noch Widerstand leistete, als St. Julien über die Oberalp in seinem Rücken erschien. Nun musste sich Loison durch das Urnerloch zurückziehen. Der Feind folgte unter stetem Gefecht bis nach Wasen.

Rohan war vom Lago maggiore nach Domo d' Ossola gezogen, um den Simplon zu bewachen und Strauch hatte vom Bedrettothal aus den Nufenenpass und die Furka besetzt.

Lecourbe, der in Altorf stand, rückte nun zunächst gegen G-avazzini in 's Muottathal und schlug diesen am 28. Mai über den Pragel zurück. Sodann wandte er sich gegen St. Julien, der unterdess bis Amsteg vorgerückt war und vertrieb diesen am 1. Juni von Amsteg; aber bei Wasen und Grösehenen leisteten die Oesterreicher noch zwei Tage tapferen Wiederstand; doch wurden sie schliesslich nach Urseren zurückgeworfen, wobei sie einen Theil der Teufelsbrücke zerstörten, um die Franzosen von der Verfolgung abzuhalten. Auf dem Rückmarsehe nach Amsteg traf Lecourbe auf die Kolonne Oesterreicher, welche über den Kreuzlipass und durch das Etzlithal in 's Maderanerthal vorgedrungen war, schlug sie und jagte sie über den Kreuzlipass zurück.

Bei der nun folgenden Räumung Uri's wurde Lecourbe von den Oesterreichern nicht belästigt.

Während dieser Vorgänge im Centrum der Schweiz war auch der Kampf im Wallis fortgesetzt worden. Die Oberwalliser hatten über den Nufenenpass Verstärkungen von Strauch erhalten und standen bei Lax. Hier wurden sie am 1. Juni von Xintrailles angegriffen und geschlagen, aber ihr Widerstand war damit noch nicht gebrochen. Xintrailles besetzte den Simplon und den Grossen St. Bernhard, während der Nufenen- und der Griespass in der Hand der Oesterreicher blieben. Strauch stand in Oberwald und Rohan in Domo d' Ossola. während Xintrailles sein Hauptquartier in Brieg hatte.

Die Fortschritte der Oesterreicher zwangen Masséna, seine Streitkräfte mehr zu concentriren; der Rhein wurde verlassen und der Rückzug nach dem verschanzten Lager bei Zürich angeordnet. Am 20. Mai ging der Erzherzog Karl bei Stein und am 22. Hotze bei Meiningen ( Vorarlberg ) über den Rhein; schon am 19. war General Bay gegen Werdenberg vorgerückt und hatte die Franzosen über Wildhaus in 's Toggenburg zurückgedrängt. Während Hotze über den Stoss nach St. Gallen zog, rückte Bay durch das Toggenburg vor und eine Kolonne unter Jellachich ging über den Hummelwald nach Utznach, um die Operationen Gavazzini's an der Linth zu unterstützen und die Franzosen unter Ménard vom obern Zürchersee zu vertreiben.

Es erfolgte nun eine Reihe von Gefechten bei Bülach, Embrach, Andelfingen, .Frauenfeld. Winterthur und Pfungen. In den meisten Gefechten hatten auf beiden Seiten Schweizer mit grösser Tapferkeit gefochten. Allein da schon vorher unter den helvetischen Aus-zügern durch das Ausbleiben des Soldes und durch schlechte Verpflegung grosse Unzufriedenheit entstanden war, so lief jetzt, während des Eückzuges, der grössere Theil derselben auseinander.. Die vereinigte österreichische Armee folgte dem Rückzuge gegen Zürich. Am 2. Juni wurden die Höhen von Wytikon von den Oesterreichern genommen: am 3. folgten einzelne Gefechte in der Umgegend von Zürich. Am 4. griff der Erzherzog Karl die Stellung der Franzosen > ringsum an. Auf dem rechten Flügel dieser Stellung drangen die Oesterreicher unter heftigen Kämpfen über Hirslanden und Riesbach bis an die Wälle und in die Vorstadt von Zürich vor, mussten sich dann aber Avieder zurückziehen. Besonders blutig war der Kampf auf dem linken Flügel von der Glatt her, wo zwar die Franzosen von Schwamendingen und dem linken Glattufer an den Fuss des Berges zurückgeschlagen wurden, aber die Bestürmung der Schanzen und die Ueberschreitung der Verhaue gänzlich misslang. Am 5. Juni rüstete sich Erzherzog Karl zu einem neuen Angriff auf die folgende Nacht. Allein Masséna wagte nicht, die Gefahr eines neuen Kampfes zu bestehen. Am Abend des 5. und in der Nacht liess er alle Vorräthe von Zürich abführen. Dann zogen während des Vormittags die französischen Truppen in bester Ordnung nach Baden und Bremgarten. Erst Nach- mittags verliess auch Masséna die Stadt und ihm folgte die Nachhut.

Die Oesterreicher beunruhigten den Abzug der Franzosen nicht und zogen friedlich in Zürich ein. Diese Vorgänge sind in der Geschichte unter dem Namen der « ersten Schlacht bei Zürich » bekannt.

Das französische Heer bezog nun die Stellung auf Albis und Uetliberg, sich bei Altstetten an die Limmat anlehnend und Limmat, Aare und Rhein bis Basel besetzt haltend; der rechte Flügel lag am Vierwaldstättersee und dehnte sich bis in 's Wallis aus. Lecourbe hatte sein Hauptquartier von Altorf nach Luzern verlegt, Loison hielt Nidwaiden besetzt; er hatte Besatzungen in Bauen, Seelisberg, Engelberg und auf der Surenen. Gudin bewachte das Haslithal und stand über den Brünig mit Loison in Verbindung. Schwyz und das Muottathal wurden geräumt. Xintrailles stand bei Brieg und bewachte den Simplon und den Grossen St. Bernhard. Das Hauptquartier Massenais war in Lenzburg.

Die Oesterreicher hatten ihren rechten Flügel bei Waldshut, das Hauptquartier in Kloten und der linke Flügel reichte bis über den Gotthard hinaus. General Jellachich besetzte den Etzel, Schindellegi, Einsiedeln, Aegerisee, Sattel, Steinen, Schwyz und Brunnen; General Bay besetzte das Reussthal und Strauch bewachte den Gotthard, Furka, Grimsel und Nufenen; Rohan stand in Doino d' Ossola und auf dem Simplon; Haddik stand im Aostathal zur Bewachung der beiden Bernhardspässe.

In dieser Stellung verharrten die beiden Armeen bis Mitte August, also über zwei Monate, und nur im Anfange, des Monats Juni fanden einige Kämpfe um den Besitz von Albisrieden, Altstetten und Schlieren statt, welche den Franzosen den Besitz dieser Stellungen sicherten.

Auch der Gebirgskrieg ruhte mit Ausnahme zweier Waffenthaten am Vierwaldstättersee, am 3. und am 29. Juli. Auf diesem See hatten sowohl die Oesterreicher als die Franzosen bewaffnete Schiffe und die erstem hatten keine andere Verbindung zwischen Flüelen und Brunnen als zu Schiff. Lecourbe trachtete diese Verbindung zu unterbrechen.

Am 3. Juli liess er d*ie Qesterreicher von Arth aus gegen Schwyz, von Aegeri aus gegen den St. Jost-berg und von Gersau aus längs des Urmiberges gegen Brunnen angreifen, während er selbst mit seiner Flotille die in Brunnen liegenden österreichischen Schiffe zu erobern trachtete. Die Landangriffe wurden zwar zurückgeschlagen, aber es gelang Lecourbe, einen. Theil der österreichischen Schiffe wegzunehmen. Nach dieser Schwächung der österreichischen Flottille setzte sich Lecourbe mit einer Schiffsstation in Bauen fest und beherrschte nun den Urnersee.

Der österreichische General Bay, der im Eeussthal kommandirte, suchte die Verbindung zwischen Flüelen und Brunnen wieder herzustellen und die Franzosen vom Urnersee zu vertreiben. Am 29. Juli rückte er in vier Kolonnen gegen Isenthal und Bauen vor. Die erste Kolonne ging, von einem Seedorfer geleitet, durch das Gitschenthal, überstieg das Gebirge zwischen dem Gitschen und dem Urirothstock, gelangte aber zu spät und so ermüdet in 's kleine Isenthal, dass sie ohne Müh« von den Franzosen gefangen wurde. Die zweite Kolonne zog durch die Geige aufwärts, um über den Wangberg in 's Isenthal einzudringen und die dritte Kolonne schlug den gewöhnlichen Weg in 's Isenthal ein.

Durch diese beiden Kolonnen wurden die Franzosen anfangs zurückgedrängt, aber die Verstärkungen, welche die Franzosen von Wolfenschiessen her über die Schonegg erhielten, konnten nicht nur das Isenthal wieder säubern, sondern auch die erste Kolonne gefangen nehmen und über die Bärki gegen Bauen vorrücken. Mit der vierten Kolonne t nahm Bay Bauen ein und rückte gegen Seelisberg vor; ihn unterstützten die Bauener, während die Seelisberger den Franzosen Hülfe leisteten. Bay vertrieb die Franzosen aus Seelisberg und folgte ihnen gegen Emmetten, wo er aber von den aus Stanz anrückenden Verstärkungen umzingelt und gefangen wurde. Auch die in Bauen zurückgelassene Abtheilung wurde von den aus dem Isenthal über die Bärki anrückenden Franzosen gefangen, und nur die zweite und dritte Kolonne kamen Abends wieder nach Altorf. Bay hatte seinen Zweck nicht erreicht — er selbst war gefangen — und die Verbindung zwischen Brunnen und Flüelen blieb für die Qesterreicher unterbrochen.

Kleinere Gefechte fanden auch am 31. Juli am obîern Zugersee und bei Arth statt, wo die Franzosen unter Soult und Molitor österreichische Vorposten vertrieben und vorteilhaftere Stellungen einnahmen.

Im Uebrigen herrschte Waffenruhe bis zum 14. August, auf welchen Tag Masséna %einen allgemeinen Angriff auf die Stellungen der Oesterçeieher im Gebirg angeordnet hatte, um die Verbindungen der Oester- reicher und der Russen zu unterbrechen, ehe die von ihnen erwarteten Verstärkungen unter Korsakow anrückten.

Die Stellung der Oesterreicher war folgende: In Schwyz vom Etzel bis Brunnen stand Jellachich; im Reussthal von Flüelen bis Hospenthal stand Simbschen, der Nachfolger Bay's; auf dem Gotthard, in Oberwallis und auf der Grimsel stand Strauch; in Domd d' Ossola und auf dem Simplon stand Rohan; die Hauptmacht Strauch's lag zwischen Münster und Aernen; die Vorposten in Ried und Rosswald standen in Verbindung mit Rohan. Der Angriffsplan der Franzosen war folgender: Turreau, der Nachfolger Xintrailles, sollte die üesterreicher vom Simplon und aus dem Oberwallis vertreiben und gegen den Gotthard vorrücken; Gudin sollte von Guttannen aus die Grhnsel nehmen; Loison sollte über den Sustenpass in 's Reussthal vordringen; Daumas sollte von Engelberg über den Surenen in 's Reussthal gelangen; Person sollte von Bauen über Isenthal und Seedorf nach Altorf rücken und eine Kolonne unter Forgues sollte das Isenthal von den österreichischen Posten am Charti, an der Wang und am Fusse des Urirothstocks säubern; Lecourbe wollte bei Brunnen landen, während eine Abtheilung von Gersau aus längs des Urmibergs ebenfalls nach Brunnen gelangen sollte; Boivin sollte von Arth und Aegeri aus Schwyz und das Muottathal nehmen; Chabran sollte über Schindellegi nach Einsiedeln vordringen, während Soult und Lorges die Hauptmacht des Feindes vor Zürich zu beschäftigen hatten.

Mit überraschender Präcision wurde dieser ganze Plan ausgeführt. Am 13. August bewegten sieh die französischen Truppen im Wallis und am 14. war die ganze Linie von der Rhone bis zum Zürchersee in Bewegung, am gleichen Tage, an welchem Suwarow die Franzosen unter Joubert und Moreau bei Novi besiegte.

Turreau griff am 13. bei Rosswald, auf der Höhe der Simplonstrasse, an, trieb die Oesterreicher hinter die Binne, nahm den Simplon, und Rohan inusste nach Domo d' Ossola zurückgehen. Am 14. rückte Turreau gegen Aernen vor, wurde aber von Strauch zurückgeschlagen. Strauch konnte jedoch seinen Vortheil nicht verfolgen, denn die Franzosen unter Gudin hatten die Grimsel genommen, stiegen in 's Wallis herab und drohten ihn von seiner Rückzugslinie abzuschneiden. Gudin hatte nämlich die Oesterreicher und Walliser, welche auf der Grimsel standen, unter Führung des Wirthes Fahner von Guttannen längs des Gelmersee's und über das Nägelisgrätli umgehen lassen und sodann mit schwerem Verlust in 's Rhonethal hinunter getrieben; Gudin bivouakirte Abends am Fusse der Fürka. Strauch zog sich über den Nufenenpass, durch das Bedrettothal und, da die Franzosen nun auch vom GoJtthard herunterkamen, durch das Livinerthal nach Bellinzona, wo er am 17. August anlangte. Ein Theil seiner Truppen zog in 's Binnenthal, ging am 16. über den Albrun, zog durch das Formazzathal, überstieg die Crinerfurka und gelangte über Bosco am 19. nach Locarno und am 21. nach Bellinzona. Turreau war nun Meister im Wallis und Gudin zog über die Furka. Loison hatte seine Truppen am 13. in Gadmen zusammengezogen; ein Theil kam von Engelberg über das Joch und ein Theil aus dem Melchthal über den kleineren Lauberstock.

Am 14. zog er durch das ( gadmenthal aufwärts, überstieg unter grossen Schwierigkeiten den Sustenpass und stiess erst Abends auf den Feind in der Meyensehanze. Die Oesterreicher hatten diese Schanze, welche früher von den Urnern gegen die Berner am Ausgange des Meyenthales* aufgeführt worden war, wiederhergestellt und mit zwei Kanonen versehen. Am 14. konnte Loison nicht vordringen. Am 15. liess er die Schanze von der Waadtländer Kompagnie Morier umgehen und von seinen Grenadieren stürmen \ aber erst der fünfte Sturmangriff vertrieb die Oesterreicher aus der Schanze und sie zogen sich das Reussthal aufwärts; .während Loison Wasen besetzte.

Die Kolonne Daumas, welche über die Surenen kam, traf den Feind in Attinghausen und dieser zog sich, nach Zerstörung der Reussbrücke, in 's Schächenthal. Die Kolonne von Person, welche von Bauen über Isenthal vorrückte, traf den Feind in Seedorf, warf ihn gegen Altorf, konnte ihn aber, nach Zerstörung der Brücke, nicht weiter verfolgen. Um 6 Uhr Abends erschien Lecourbe mit seiner Flottille vor Flüelen, nachdem er am Kampfe bei Brunnen und Schwyz theilgenommen. Die Landung war schwierig, aber während des Kampfes erschien die Umgehungskolonne, welche am Morgen von Sissingen aus über den Axenberg gegangen, im Rücken der Oesterreicher und diese flohen theils in 's Schächenthal, theils nach Amsteg. Die ersteren. wurden an der Balmwand am folgenden Tag ( 15. ) von den Franzosen unter Führung eines Schächenthalers angegriffen; aber, erst eine Umgehung über Hauptmannseck und Käseren konnte die Stellung tler Oesterreicher, bei denen auch Urner Schützen standen, sprengen.

Sie zogen über die Marchalp oder den Urnerboden nach Glarus.

Am gleichen Tage ( 15. ) griff Lecourbe die Oesterreicher bei Amsteg an und als Loison von Wasen aus den Oesterreichern in den Rücken kam, so zogen diese sich in 's Maderanerthal und erreichten über den Kreuzlipass am 16. das Vorderrheinthal. Lecourbe zog das Reussthal hinauf, wo Simbschen noch Göschenen und die Teufelsbrücke behauptete. Aus Göschenen wurde Simbschen vertrieben, aber hinter der Teufelsbrücke, die er theilweise zerstört hatte, schlug er alle Angriffe Leeourbe's ab. Erst das Vorrücken Gudin's tiber die Furka zwang ihn, seine Stellung hinter der Teufelsbrücke aufzugeben. In der Nacht vom 15. auf den 16. August zog sich Simbschen nach-Urseren zurück und am 16. nahm er Stellung auf dem Oberalppass neben dem See. In der Nacht hatte Lecourbe, der vom Vorrücken Gudin's nichts wusste, zwei Umgehungskolonnen abgesandt; die eine sollte aus dem Göschenenthal über den Bätzberg, die andere am rechten Beussufer über den Gütsch ( Kirchberg ) in den Rücken Simbsehens gelangen. Aber beide waren ohne einheimische Führer, indem sich die ganze Bevölkerung geflüchtet hatte. So verirrte sich die erste und kam wieder nach Göschenen zurück; die andere erreichte Andermatt, aber zu spät, nämlich als Simbschen bereits auf der Höhe des Oberalppasses stand.

Nachdem Lecourbe die Teufelsbrücke wieder hergestellt, rückte er nach Urseren vor, vereinigte sich Gebirgshrieg.481

mit Gudin, sandte ein Bataillon über den Gotthard nach Airolo und griff Simbschen an. Dieser widerstand bis Abends 5 Uhr, wo eine Umgehungskolonne über den Badus in seinem Rücken erschien. Simbschen wurde gänzlich geschlagen und die Trümmer seines Heeres sammelten sich im Tavetsch, von wo sie am 20. August, vereint mit der über den Kreuzlipass gekommenen Kolonne in Chur anlangten.

Der Angriff auf Brunnen erfolgte zu Land und zu Wasser. Eine Kolonne rückte von Gersau längs des Urmiberges heran und Lecourbe erschien mit seiner Flottille vor Brunnen. Beide Angriffe gelangen, die Oesterreicher räumten Brunnen und zogen in 's Muottathal. Lecourbe wandte sich gegen Schwyz, wo die von Arth über Seewen angekommenen Franzosen unter Boivin die Oesterreicher nicht zu vertreiben vermochten. Nach der Ankunft Lecourbe's von Brunnen her und nach der Ankunft einer dritten Kolonne Franzosen, welche von Aegeri aus über den Hackenpass anlangte, wurden die Oesterreicher in 's Muottathal geworfen. Hier wurden sie am 15. wieder angegriffen und über den Pragel in 's Klönthal getrieben. Nachdem Lecourbe den vollständigen Erfolg bei Sehwj7z gesehen, schiffte er sich mit seinen Grenadieren nach Flüelen ein, wo er gegen Abend ankam.

Der linke Flügel der französischen Aufstellung griff am 14. in drei Kolonnen an: bei Morgarten, St. Jost und Schindellegi. Die beiden ersten Kolonnen trieben die Oesterreicher über Rothenthurm und den Katzenstrick nach Einsiedeln und von hier weiter auf den Etzel; die dritte Kolonne konnte nicht vorrücken.

Aber am 15. erneuerten die Franzosen ihren Angriff auf den Etzel und sandten gleichzeitig eine Umgehungskolonne in 's Wäggithal, welche im linken Flügel der Oesterreicher erschien; diese wurden über die Linth bei Grynau'getrieben. Sie besetzte das rechte Ufer der Linth, während die Franzosen Reichenburg und Bilten besetzte. Glarus blieb in der Gewalt der Oesterreicher bis zum 29. August.

Während dieser Angriffe zwischen der Rhone und der Linth, bei welchen die Oesterreicher 8000 Mann und 15 Geschütze verloren, hatte Soult die Oesterreicher vor Zürich ernsthaft beschäftigt. Er liess sie bei Woüishofen und Wiedikon angreifen und ging erst am 15. Abends in seine Stellungen zurück. Unterdess war Korsakow mit einem russischen Hülfsheer in Schaffhausen angekommen, von wo er sich gegen Zürich wendete; die Oesterreicher in Glarus und an der Linth erhielten Verstärkungen. So konnte Masséna die Erfolge seines rechten Flügels im Gebirge nur wenig ausnutzen.

Der Erzherzog Karl wollte in der Nacht vom 16. auf den 17. August die Offensive auf dem geschwächten linken Flügel der Franzosen durch einen Uebergang über die Aare bei Döttingen angreifen. Er sammelte eine bedeutende Truppenmacht zwischen Aare und Rhein, aber die Ungeschicklichkeit seines Geniekorps und die Wachsamkeit zweier Zürcherischer Schützen-kompagnien, denen der Erzherzog selbst das grösste spendete, während er sein Geniekorps tadelte, vereitelten das Schlagen der Brücken bei Döttingen und der Erzherzog gab die Offensive wieder auf.

Am 21. August unternahm Hotze auf dem linken Flügel einen Vormarsch. Eine Kolonne unter seiner persönlichen Führung ging bei Grynau über die Linth und trieb die Franzosen gegen den Etzel hinauf; eine zweite Kolonne unter Jellachich sollte über den Pragel in 's Muottathal vordringen; aber die aus dem Schächenthal vordringenden Franzosen drohten diese Kolonne abzuschneiden und so rückten sie nicht vor,; eine dritte Kolonne unter Simbschen sollte von Chur durch das Vorderrheinthal gegen den Oberalppass vordringen, gelangte aber nur bis Dissentis.

Unterdess war von der Coalition festgesetzt worden, dass der Erzherzog Karl nach Deutschland abziehe, dass die Bewachung der Schweiz den Russen übergeben werden, zu welchem Zwecke Suwarow Italien zu verlassen und sich mit Korsakow zu verbinden habe, und dass der Kampf in Italien von den Oesterreichern allein unter Melas fortgeführt werde. Am 6. September war General Mallet über den kleinen St. Bernhard und Xintrailles über den Simplon gegangen, so dass Haddik nach Jvrea zurückging und Rohan von Domo d' Ossola vertrieben wurde. Suwarow überliess es den Oesterreichern, die hier verlorenen Stellungen wieder zu erobern.

Für den Uebergang Suwarow's aus Italien in die Schweiz war festgesetzt, dass er am 21. September Bellinzona verlasse und mit Unterstützung Strauch's den Gotthard angreife; eine Kolonne Oesterreicher sollte von Dissentis über den Kreuzlipass nach Amsteg vordringen. Suwarow wollte am 25. in Altorf am 26. in Schwyz und am 27. in Luzern sein, wo sich eine aus dem Reussthal über die Surenen nach Engelherg zu entsendende Kolonne wieder mit ihm vereinigen sollte.

In der Disposition für die Offensivbewegung der russischen Truppen von Piémont nach der Schweiz ( geschrieben in Asti am 6. September 1799 ) heisst es: « Nachdem die russischen Truppen von Italien her in die Schweiz eingedrungen sind, werden dieselben mit aller Entschiedenheit längs des linken und rechten Ufers des Luzernersees bis Luzern selbst vordringen und dann in Verbindung mit den Generalen Linken und Hotze die rechte Flanke des zwischen dem Zürcher-und Zugersee stehenden Feindes angreifen und zurückwerfen. » Von den Oesterreichern erwartete Suwarow, dass Hotze von Utznach nach Einsiedeln vordringe, dass eine Kolonne von Flims über den Panixerpass nach Glarus gelange, um weiter gegen das Muottathal vorzudringen, und dass der Angriff Korsakow's auf die Stellung der Franzosen am Albis unterstützt werde.

Masséna war jedoch nicht gesonnen, die Vereinigung Korsakow's, welcher die Stellungen der Oesterreicher bei Zürich ein genommen hatte, mit Suwarow vor sich gehen zu lassen. Schon auf den 30. August hatte er einen Angriff auf die Russen an der Limmat und einen Vormarsch im Gebirge angeordnet; aber nur der letztere kam zur Ausführung und brachte Glarus in die Gewalt der Franzosen. Am 29. August nämlich rückten französische Truppen unter Molitor aus dem Muottathal über den Pragel, von Iberg her und von Lachen aus gegen Glarus und trieben die Oesterreicher unter Hotze nach heftigem dreitägigem Kampfetheils nach " Wesen, theils über den Panixerpass nach Graubünden.

Masséna wählte den 25. September zum Angriff auf die russischen Stellungen an der Limmat. Sein Zweck war, wo möglich Korsakow zu schlagen, ehe Suwarow das Gebirge überschritten und diesen letztern dann im Gebirge zu vernichten. Die Limmat sollte in der Nacht vom 24. auf den 25. September bei I)ie-tikon überschritten werden. Der erforderliche Brücken-train wurde von Bremgarten über den Mutsehellenberg geschafft. Um die Russen zu täuschen, wurden bei Vogelsang, unterhalb Baden, Vorbereitungen zu einem Limmatübergang getroffen. Bei Dietikon sollten die Divisionen Ménard und Lorges übergehen; Mortier sollte die Russen bei Wollishofen beschäftigen und Soult sollte einen Angriff an der Linth machen, um Hotze von der Unterstützung Korsakow's abzuhalten,

Alle Anordnungen Maséna's wurden mit vollendeter Präcision vollzogen. Morgens 4 Uhr bestiegen die Franzosen die bereit gehaltenen Kähne, um das rechte Ufer der Limmat bei Dietikon zu gewinnen, um 6 Uhr waren die Russen vom Plateau beim Kloster Fahr vertrieben und um 7 Uhr war die Schiffbrücke vollendet, auf welcher die Hauptmacht übergehen sollte. Korsakow in seiner Sorglosigkeit betrachtete diesen Uebèr-gang als eine Demonstration und liess die Angriffe Mortier's bei Wollishofen und Wiedikon mit überlegener Macht zurückschlagen. Aber durch das Vordringen gegen den Uetliberg wurden die Russen in ihrer Flanke von den über Altstetten vorrückenden Franzosen bedroht und mussten sich nach Zürich zurückziehen. Mit « inbrechender Nacht war die ganze Armee Korsakow's in Zürich und ihre Rückzugslinie an den Rhein war

30 besetzt.

Ain 26. September mit Tagesanbruch griffen die Russen an, um sich einen Weg gegen Winterttmr zu-bahnen, was ihnen auch nach hartem Kampfe gelang. Beim Eindringen in die Stadt Zürich verlor der ehrwürdige Lavater sein Leben. Die genannten Kämpfe, welche unter dem Namen der zweiten Schlacht bei Zürich bekannt sind, kosteten Korsakow 8000 Mann, 100 Kanonen, die Kriegskasse, die Kanzlei und die Ka-peile. Er zog sich mit dem Reste seines Heeres an den Rhein, von den Franzosen, welche selbst stark gelitten, nur massig verfolgt. Masséna begab sich nach dem Abzüge der Russen nach Schwyz.

Gleichzeitig mit dem Uebergange Masséna's bei Dietikon sollte Soult einen Uebergang über die Linth bei Bilten und Grynau erzwingen. Hotze stand anf dem rechten Ufer der Linth, Jellachich bei Sargans und Wallenstadt und Linken war von Chur über das Gebirge nach Glarus gekommen. Soult setzte am 25. September Morgens zwischen 3 und 4 Uhr bei Bilten über die Linth — die erste Abtheilung schwamm hinüber — und schlug die Oesterreicher bei Schännis, wobei Hotze und sein Generalstabschef Plumket fielen. Petrasch übernahm das Kommando und zog sich theils nach Wesen, theils nach Lichtensteig zurück. Der Uebergang bei Grynau und die Landung bei Schmerikon gelangen den Franzosen unter Laval ebenfalls am Morgen des 25. September, aber'bei Utznach wurden sie von Titon zurückgeschlagen. Als jedoch in der Nacht die Kunde von den Ereignissen bei Zürich und Schännis eintraf, zog sich Titon nach Gauen zurück und am Morgen des 26. konnten die Franzosen auf allen Punk- GebirgsJcrieg.46?

ten vorrücken. Wesen wurde genommen durch Front-angriff von Godinot und durch eine Umgehung über Amden. Titon wurde bei Gauen. geschlagen und zog nach Konstanz; Petrasch wurde bei Lichtensteig geschlagen und zog über St. Gallen in 's Vorarlberg. Rapperswyl wurde eingenommen und daselbst neben grossen Vorräthen auch die bewaffnete Flottille von Williams erbeutet. Die Oesterreicher hatten wohl die Hälfte ihrer Truppen verloren, dazu 20 Kanonen und die Flottille.

Am gleichen Tage, den 25. September, an welchem Masséna mit seinem Centrum an der Limmat und an der Linth angriffsweise vorging, rückte auch der linke Flügel der Oesterreicher vor, um nach den Anordnungen Suwarow's das Gebirge von den Franzosen zu säubern. Jellachich ging von Sargans und Wallenstadt aus und ein Corps rückte von Murg über Fronalp und Schild nach Netstall; ein Corps drang in das Weisstannenthal, um über den Foopass ( oder Raminafurk-len 2235 m ) mit Linken bei Elm in Verbindung zu bleiben; ein drittes Corps ging von Mühlehorn über den Kerenzenberg nach Mollis. Es gelang den Oesterreichern nur in Mollis einzudringen; die Brücken von Näfels und Netstall konnten sie nicht nehmen. Noch am 26. dauerte der Kampf, als Jellachich die Erfolge der Franzosen bei Schännis und Wesen erfuhr. für seine Rückzugslinie besorgt wurde und den Rückzug antrat. Er kam am 28. nach Ragatz und ging an 's rechte Ufer des Rheines. Die Franzosen verfolgten ihn nicht über den; Kerenzenberg hinaus, weil Linken noch im obern Linththal stand.

Linken war am 23. September von Cliur abmarschirt und hatte sein Corps, das aus 5 Bataillonen bestand, in 3 Kolonnen getheilt; die erste überschritt von Flims aus den Segnespas ( 2626 m ) neben dem Martinsloch und gelangte über die Tschingelalp nach Elm; die zweite überschritt von Panix aus den Panixerpass ( 2410 m ) und gelangte durch den Jätzschlund am Rinkenkopf in die Wichlenalp, wo damals noch ein Badhaus ( Schwefelquelle ) stand; die dritte Kolonne überschritt von Brigels aus den Kistenpass ( 2590 m ) und gelangte auf den Limmernboden. Die zweite Kolonne stiess allein auf Widerstand; ein französisches Bataillon lag in der Wichlenalp, wurde aber durch das Erscheinen der ersten Kolonne in seinem Kücken bei Matt zur Niederlegung der Waffen gezwungen. Am 26. September vereinigte Linken seine 3 Kolonnen bei Schwanden, während Jellachich bereits auf dem Rückzuge nach Wallenstadt war. Am 27. wurde Linken von Molitor angegriffen, der letztere aber nach Glarus zurückgeworfen. Linken suchte sich nun des Eingangs in 's Klönthal zu bemächtigen, indem er sich über den Pragel mit Suwarow in Verbindung setzen sollte. Aber Molitor blieb nach heftigem Kampfe Meister des Klönthales. Am 28. geschah nichts; Linken hatte keine Nachrichten von Suwarow, obgleich er eine Abtheilung über den Klàusenpass in 's Schächenthal gesandt, und die Franzosen waren erschöpft. Gegen Mittag erfuhr Molitor das Erscheinen der Kosaken auf dem Pragel. Anfangs dachte er an eine Umgehungskolonne, welche Linken durch das Bisithal in seinen Rücken geschickt, aber bald zeigte ihm eine Depesche Lecourbe's an, dass es die Vorhut Suwarow's war.

Rasch entschloss sich Molitor, die Oesterreicher unter Linken anzugreifen und wo möglich zu schlagen, ehe Suwarow ankam.

Mit Tagesanbruch am 29. September griff Molitor die hinter Glarus mit Anlehnung an die beiden Thalhänge aufgestellten Oesterreicher an und mit Hülfe zweier Umgehungskolonnen, welche am Glärnisch und am Schild vorrückten, brachte er die Oesterreicher zum Weichen und verfolgte sie bis Engi im Sernftthal. Linken blieb ohne Nachricht von Suwarow, dagegen erfuhr er den Rückzug Jellachich's, und so zog er sich noch denselben Abend in die Wichlenalp zurück. Am 30. September zog Linken, obgleich er nicht weiter verfolgt wurde, theils über den Segnespass, theils über den Panixerpass in 's Vorderrheinthal, welches er bis Dissentis hinauf besetzt hielt; stärkere Posten standen bei Panix, Flims und Tamins zur Bewachung des Pa-nixer-, Segnes- und Kunkelspasses; die Hauptmacht zog nach Chur.

Wir sind dem Gang der allgemeinen Ereignisse etwas vorausgeeilt, um die Vorgänge an der Limmat und an der Linth im Zusammenhange darzustellen. Wir greifen nun hier wieder etwas zurück. Masséna wusste, dass Suwarow in die Schweiz kommen sollte und er beeilte sich, Korsakow vor der Ankunft Suwarow's zu schlagen, um sieh diesem dann mit verstärkter Macht im Gebirge entgegenstellen zu können. Suwarow setzte sich am 11. Sept. gegen die Schweiz in Bewegung; er wählte als Uebergang über die Alpen den Gotthard, wohl weil er der kürzeste war und offenbar auch im Glauben, es führe eine Strasse von Flüelen nach Schwyz und nach Luzern.

Er kam am 16, September nach Taverne, südlich vom Monte Cenere, mit 18,000 Mann Infanterie, 4000 Kosaken und 25 Zweipfünderkanonen, welche von Maulthieren getragen wurden. Die Feldartillerie wurde nach Como gesandt und sollte über Chiavenna, den Maloja, durch das Engadin und das Montafun nach Feldkirch gelangen. Der ganze Train wurde über Verona durch Tyro! und Vorarlberg an den Bodensee geschafft. Die Brigade Strauch, 6000 Mann stark, stand im Livinen- und Maggiathal. Die Franzosen standen im Wallis, am Gotthard und im Reussthal von Hospenthal bis Altorf. Suwarow wurde 5 Tage in Taverne durch die Vorbereitungen zum Uebergang über den Gotthard aufgehalten. Er wrohnte bei Antonio Gamba, der ihn auf dem ganzen Zuge bis Chur begleitete. Die Armee sollte für 10 Tage Lebensmittel mitnehmen und es fehlte an Pferden; er erhielt nur 400 anstatt der verlangten 1400. So mussten die Kosaken ihre Pferde zum Transport der Lebensmittel und der Munition hergeben. Die Kosaken wurden sodann statt mit Lanzen mit Flinten bewaffnet und thaten den Dienst der leichten Infanterie. Rosenberg ging am. 19. September mit 6000 Mann nach Bellinzona, und sollte über den Lukmanier nach Dissentis gelangen. Er war'am 22. in St. Maria im Medelserthal und 23. in Dissentis. Dort stand Auffenberg mit 2000 OesteiTeichern. Auffenberg sollte über den Kreuzüpass nach Amsteg und Rosenberg über die Oberalp nach Urseren vordringen, um die Angriffe Suwarow's auf den Gotthard und sein Vordringen im Reussthal zu unterstützen.

Suwarow stand am 21. in Bellinzona, am 22. m Giornieo; er vereinigte sich am 23. mit Strauch in Dazio grande. Er hatte jetzt 22,000 Mann. Die Franzosen unter Gudin hatten nur 3 Bataillone zur Bewachung des Gotthards; 1 Bataillon stand auf der Furka und eine kleinere Abtheilung auf der Oberalp. Am 24. September bildete Suwarow seine Angriffs-kolonne: er selbst wollte mit der Hauptmacht über Airolo durch das Tremolathal gegen den Hospiz vordringen; der rechte Flügel unter Bagration, mit einer Vorhut unter Scliweikowsky, geführt von einem Gemsjäger, sollte durch Val Canada über den Scipsius und durch das Sellathal die Passhöhe erreichen; der linke Flügel unter Strauch ging in 's Bedrettothal und rückte gegen den Nufenenpass vor, während Haddik gegen die übrigen Walliserpässe demonstrirte, um General Turreau zu beschäftigen.

Airolo, das von 1000 Franzosen vertheidigt wurde, war bald genommen, ebenso Cima del Bosco oberhalb Airolo ,'aber im Tremolathal und besonders in der Nähe des Hospizes wogte der Kampf bis gegen 4 Uhr, als Scliweikowsky mit der Vorhut Bagrations aus dem Sellathal hervorbrach und die Franzosen über die Passhöhe hinübertrieb. Beim Mätteli suchten sich die Franzosen noch einmal zu halten, aber sie wurden schliesslich nach Hospenthal hinuntergeworfen. Am Abend des 24. September stand Suwarow in Hospenthal, während Massena die Vorbereitungen zum Uebergang bei Dietikon traf.

Rosenberg war am 24. September Nachmittags am Oberalpsee und kämpfte dort bis gegen Abend mit den Franzosen.

Erst mit einbrechender Nacht gelang es ihm, von der Qberalp herab nach Urseren zu gelangen, wo er bei der alten Kirche auf die Reserven Lecourbe's stiess, welche sich durch das Urnerloch an die Teufelsbrttcke zurückzog. Lecourbe stand zwischen Aadermatt und Hospenthal und da er weder das Vordringen Suwarow's gegen Hospenthal noch das Vordringen Rosenberg's gegen Andermatt hatte verhindern können, so befand er sich mit einbrechender Nacht zwischen zwei feindlichen Feuern. Um dem Feinde seine Kanonen zu entziehen, warf er sie in die Reuss und zog sich dann gegen Zumdorf, von wo er während der Nacht über den Bätzberg in 's Göschenenthal gelangte. Am folgenden Morgen verstärkte er die Abtheilung, welche die Teufelsbrücke bewachte, und zog mit dem Hauptcorps rückwärts, um von Auffenberg, der aus dem Maderanerthal hervorbrach, nicht abgeschnitten. zu werden.

Auffenberg war am 24. September von Dissentis aufgebrochen, über den Kreuzlipass gegangen und war Abends im Maderanerthal angelangt. Die Ermattung seiner Truppen nöthigte ihn, hier zu rasten. Am 25, drang er über Bristen nach Amsteg vor und verjagte die dort stehenden Franzosen. Während des Kampfes erschien Lecourbe mit 6000 Mann und warf Auffenberg nach Bristen und Frenschenberg zurück. Aus dieser Stellung konnte Auffenberg nicht vertrieben werden und Lecourbe zog nach Altorf.

Am Morgen des 25. September vereinigte sich Su-warow.bei Andermatt mit Rosenberg und suchte nun durch das Reussthal hinabzttdringen. Der Eintritt in das Urnerloch war unmöglich;

die Spitze der Kolonne wurde mit Geschütz- und Gewehffeuer empfangen. Die Russen bildeten daher zwei Umgehungskolonnen; die eine unter Oberst Trubnikoff, 300 Mann stark, erstieg von der alten Kirche aus den Gütsch, um gegen die Schöllenen hinabzusteigen; die andere unter General Kamensky überschritt oberhalb des Urnerloches die Reuss und erkletterte den Bätzberg, um gegen Göschenen hinabzusteigen. Die erste Kolonne erschien zuerst auf der andern Seite des Urnerloches und die dort stehenden Franzosen mussten sich über die Teufelsbrücke zurückziehen, so dass nun auch der Anmarsch der Hauptmacht durch das Urnerloch möglich war. Aber um den Besitz der Brücke stritt man sich noch, bis Abtheilungen der zweiten Kolonne am linken Reussufer vom Bätzberg herabstiegen und den Franzosen in den Bücken fielen. Die Franzosen zerstörten noch vor ihrem Rückzuge einen Anbau an die Brücke, so dass dieselbe von den Russen nicht passirt werden konnte. Es ging bis Abends 4 Uhr, bis die Brücke nothdürftig wieder hergestellt war. Suwarow kam in der Naeht nach Wasen.

Am 26. September Morgens brach Suwarow von Wasen auf und vereinigte sich in Amsteg mit Auffenberg, während Korsakow bei Zürich kämpfte. Suwarow rückte gegen Altorf vor; am Schächenbach suchten sich die Franzosen noch zu halten, aber geworfen, zog sich Lecourbe auf das linke Ufer der Reuss, theils auf Seedorf, theils nach Isenthal und Seelisberg zurück. Seine Arrièrgarde stand bei Seedorf und die Pässe über die Surenen, Schönegg und Seelisberg waren in seiner Hand, sowie auch die sämmtlichen Schiffe in Flüelen.

Suwarow vertrieb die Franzosen nicht vom linken Reussufer.

In der Nacht vom 26. auf den 27. September lagen in dem kleinen Uri 22,000 Russen, 6000 Oesterreieher und 7000 Französen, zusammen 35,000 Mann. Andermatt und Hospenthal hatten binnen Jahresfrist 683,000 Mann einquartirt oder durchschnittlich täglich 1800 Mann, d.h. ungefähr ebenso viele als die Landschaft Einwohner zählt.

Suwarow fand weder eine Strasse längs des Sees, noch Schiffe in Flüelen und entschloss sich daher, über den Kinzigpass in 's Muottathal zu gehen, um von dort aus Schwyz zu erreichen. Am 27. September, während Korsakow geschlagen auf dem Rückzuge nach dem Rhein war, und Masséna mit Verstärkungen nach Schwyz marschirte, setzte sich Suwarow, ohne seinen Truppen Rast zu gönnen, nach dem Schächenthal in Bewegung, erkletterte von Spiringen aus den felsigen und steilen Kinzigpass ( 2070 m ) und stieg gegen das Muottathal hinab. Abends 5 Uhr, nach einem zwölfstündigen Marsch erschien die Avantgarde unter Bagration in Muotta, wo sie. die kleine französische Besatzung überraschte und theils zersprengte, theils gefangen nahm. Suwarow selbst langte am 28. morgen in Muotta an, während die letzten Lastthiére erst am 30. Abends daselbst eintrafen. Lecourbe hatte die Arrièregarde unter General Fertsch angegriffen, war aber zurückgeschlagen worden, und nachdem die Lastthierkolonnen abgezogen, setzte Lecourbe seine Angriffe nicht mehr fort. Masséna war am 29. selbst im Schächenthal und ging von hier über Flüelen und Brunnen nach Schwyz.

Lecourbe wurde zur Rheinarmee abberufen.

Suwarow stand, ohne Nachrichten von Korsakow, von Hotze, von Jellachich und von Linken, im Muottathal, dessen Ausgang von den Franzosen unter Mortier bewacht war, während Molitor im Klönthal stand. Linken, der den* Russen die Hand über den Pragel reichen sollte, war am 29. geschlagen worden und zog sich am 30. über den Segnes- und Panixerpass in 's Vorderrheinthal. Suwarow hatte gerüchtsweise erfahren, Linken steh.e siegreich bei Grlarus und da er nicht an den Siegen Korsakow's, Hotze's und Jellachich's zweifelte, so sandte er eine Abtheilung Kosaken über den Pragel, um eine Verbindung mit den Oesterreichern m suchen. Molitor vertrieb die Kosaken und besetzte den Pragel. Der rückkehrende Kosakenoffizier brachte die ersten Nachrichten von den Misserfolgen der Russen und Oesterreicher, welche bald von Schwyz aus bestätigt wurde. Suwarow entschloss sich zum Marsch über den Pragel und in Glarus hoffte er Linken hinter Molitor zu finden. Am 29. September, während Molitor siegreich bei Grlarus mit Linken kämpfte, marschirte Auffenberg mit der Avantgarde gegen den Pragel, vertrieb die Franzosen und Abends lagerte er sieh am Klönthalersee. Am 30. ging auch Suwarow über den Pragel und Rosenberg blieb mit der Nachhut im Muottathal, um die zahlreichen Nachzügler noch an sich zu- ziehen.

Masséna hatte den Vormarsch der Russen aus dem Muottathal gegen Schwyz erwartet und da sie nicht erschienen, rückte er am 30, September zum Angriff vor, noch ehe die letzten Russen über den Kinzigkulm im Muottathal angekommen war, wurde aber von Rosenberg beim Dorfe Muottathal zurückgeschlagen und durch Ingenbohl verfolgt.

Am folgenden Tage ( 1. October ) erneuerte Masséna seinen Angriff mit verstärkter Truppenzahl, aber er wurde nach Schwyz, Seewen und Brunnen zurückgeworfen nach einem mörderischen Gefechte im Engpass bei der Brücke.

Am 30. September hatten auch Auffenberg und Molitor am Klönthalersee gekämpft, aber ohne Entscheidung; hingegen am 1. October gelang es, nachdem die Hauptmacht der Russen nachgerückt, die Franzosen am Abhänge des Mättlistoekes, nördlich vom Klönthalersee, zu umgehen und nach Netstall und Näfels zurückzudrängen. Hier stand die Hauptmacht der Franzosen, kleinere Corps beobachteten in Engi den Rückzug Lin-ken's und am Kerenzenberg den Rückzug Jellachichs. In Näfels fanden noch heftige Kämpfe um den Besitz der Brücke statt und die Russen wurden besonders durch die Tapferkeit der helvetischen Bataillone, welche auf dem ruhmvollen Boden von Näfels sich ihrer Väter würdig erzeigen wollten, nach Netstall zurückgetrieben. Die Franzosen hielten, trotz 6 Mal erneuertem Angriff, Näfels und Mollis.

Suwarow blieb am 2., 3. und 4. October in Glarus. Jellachich war unterdess wieder über den Rhein zurückgekommen und stand in Wallenstadt. Er sandte am 2. October ein Détachement auf den Kerenzenberg und vertrieb die dort stehenden Franzosen. Da er aber von Suwarow nichts vernahm, so zog er sich wieder zurück und besetzte Flums und das Weisstannenthal,

während die Franzosen Murg und Mühlehorn besetzten. Petraseh vereinigte seine Truppen am 4. October bei Meyenfeld, um Jellachich zu unterstützen, aber die zuwartende Stellung Suwarows in Glarus, der seine Nachhut unter Rosenberg abwartete, verurtheilte die österreichischen Feldherren zum Stillstand. Als die Oesterreicher endlich erfuhren, dass Suwarow auf den Vormarsch gegen den Wallenstattersee verzichtet, zogen sie sich wieder auf das rechte Ufer des Rheines zurück, indem sie nur Ragatz, Vättis und den Kunkelspass besetzt hielten.

Suwarow erführ nichts vom Vorrücken der Oesterreicher und wählte endlich, nachdem Rosenberg mit der Nachhut in Glarus angekommen, die Rückzugslinie durch das Sernftthal. Am 3. October ging Auffenberg mit der Vorhut über den Panixerpass, am 4. folgte die Last-thierkolonne und am Morgen des 5. October früh 3 Uhr, setzte sich die Hauptmacht in Bewegung. Molitor, welcher aus dem Schächenthal Verstärkungen von Loison erhalten, und zu dem auch Motier aus dem Muottathal gestossen war, folgte den Russen. Er suchte den Sool-berg, am Défilé in 's Sernftthal zu besetzen, wurde aber von den Russen zurückgeschlagen; die Angriffe der Franzosen auf die Arrièregarde unter Bagration bei Schwanden und bei Engi wurde ebenfalls abgeschlagen. Am 6. October zogen die Russen, nachdem sie die Nacht in Elm zugebracht, von den Franzosen fortwährend beunruhigt und im Schneegestöber bivouakirend, mit grossem Verlust über den frischverschneiten Panixerpass. Ihre Kachhut wurde von den Franzosen angegriffen, aber nicht ernstlich verfolgt. Abends war die Vorhut und das Hauptquartier in Panix;

aber der grösste Theil des Heeres befand sich noch zu beiden Seiten des Berges, ohne irgend welchen Schutz für die Nacht. Am 7. October kam das ganze Heer in 's Vorderrheinthal, mit demselben auch die 1400 mitgeschleppten gefangenen Franzosen, welche den Oesterreichern übergeben wurden. Am 8. October war das Hauptquartier in Chur und damit der denkwürdige Zug Suwarow's über die Alpen abgeschlossen.

Sobald sich die Russen vom Gotthard entfernt hatten, liess Masséna diesen wichtigen Punkt, den Strauch bewachte, wieder erobern, um die Verbindung mit dem Wallis und den dort stehenden Franzosen herzustellen. Strauch hatte seine Hauptmacht in Bellinzona, 2 Bataillone in Dazio grande und kleinere Posten in Airolo, im Bedrettothal, im Gotthardhospiz, im Tavetsch und in Dissentis, den letzteren zur Sicherung des Lukmanierpasses. Die Division Loison, früher Lecourbe, rockte am 10. October das Reussthal hinauf, verjagte die österreichischen Posten und besetzte Oberalp, Gotthard und Furka; Gudin hatte übrigens Furka und Grimsel seit seinem Rückzuge vor Suwarow nicht verlassen.

Während Turreau das Wallis und Loison Urseren bewachte, rückte Mortier nach Sargans und Mels und besetzte das Weisstannenthal; Soult stand bei Rheineck, Gazan bei Constanz, Lorges bei Stein und Ménard bei Kloster Paradies; Masséna hatte sein Hauptquartier in Andelfingen. Korsakow war schon am 27. und 28. Sept. bei Eglisau und Schaffhausen über den Rhein zurückgegangen, so dass anfangs October die ganze Schweiz, mit Gétnrgskrieg.4W

Ausnahme der Kantone Schaffhausen, Graubünden und Tessin, in der Hand der Franzosen war. Der Erzherzog: Karl stand in Donaueschingen. Einige Gefechte fanden noch am Rhein statt, aber zu einer grösseren Schlacht kam es nicht mehr; Suwarow und der Erzherzog Karl konnten sich nicht einigen. Suwarow war am 12. October in Feldkirch, am 16. in Lindau und am 30. bezog er sein Winterquartier zwischen Lech und Hier, wo ihn auch sein schweres Geschütz, das durch Engadin und Montafun gegangen war, sowie sein Train, das über den Brenner kam, wieder einholte. Aber schon um die Mitte Dezembers brach er auch von hier auf, um nach Russland zurückzukehren. Seine Ansicht, dass seine Missgeschicke dem Verrathe der Oesterreicher zuzuschreiben seien, hatte auch am russischen Hofe Eingang gefunden und der Kaiser Paul zog sich von der Coalition zurück. SuwTarow kam am 2. Mai des folgenden Jahres krank in Petersburg an und starb daselbst am 18. Mai 1800, 71 Jahre alt,

Nach dem Abzüge der Russen suchte Masséna Graubünden wieder zu erobern, wo die Oesterreicher unter Auffenberg noch einige Posten hatten. Am 31. October drang ein Theil der Division Mortier von Ragatz in 's Taminathal und griff den Posten auf dem Kunkelspass an, während eine Abtheilung Franzosen von Elm über den Segnespass nach Flims vorrückte und Loison über die Oberalp gegen Ilanz herabkam. Die Oesterreicherr überall geworfen, zogen sich bei Reichenau über den Rhein zurück. Die Franzosen drangen am 7. November über Reichenau und Bonaduz in 's Domleschg und auf den Heinzenberg und verjagten die Oesterreicher von Thusis.

Aber Strauch sandte auch Truppen über den Lukmanier nach Dissentis, und Linken über den Savierberg in 's Savierthal und über den Valserberg in 's St. Petersthal, so dass sich die Franzosen aus dem Hinter-rhein- und dem Vorderrheinthal zurückziehen mussten, sowohl vor dem Feinde, als vor der strengen Jahreszeit weichend. Wieland erzählt aus diesem Winterfeldzug :- « Ein französisches Détachement ward von St. Petersthal gegen das Hinterrheinthal auf Recognoscirung ausgesandt; es wurden Landleute mit Schaufeln aufgeboten, um den Weg durch den Schnee zu bahnen. Als die Truppe mühsam hinter den Arbeitern her den Gebirgsrücken erstiegen hatte, erblickte sie eine österreichische Abtheilung auf einige hundert Schritte vor sich, welche auf ähnliche Weise den jenseitigen Abhang erklommen. Es ward Feuer gegeben, die Arbeiter beider Gegner flohen und diese standen sich gegenüber, durch hohen Schnee getrennt, ohne einander näher kommen zu können. Beide Abtheilungen mussten endlich umkehren. »

Der einzige Erfolg dieser Winterexpedition war für die Franzosen der Besitz des Kunkelspasses und des Taminathales. Die feindlichen Heere bezogen ihr Winterquartier und Masséna ging bald darauf nach Italien.

Die Siege der Franzosen hatten die helvetische Republik fast in ihrem ganzen Umfange wieder hergestellt, aber die Eintracht und die Harmonie zwischen Volk und Regierung fehlte. General Bonaparte war am 9. October von seinem abenteuerlichen Zug nach Egypten zurückgekommen und am 9.'November ( 18. Brumaire ) als erster Consul an die Spitze der zerrütteten französischen Republik gestellt worden.

Bei der helvetischen Regierung erfolgte am 7. Januar 1800 eine Umwälzung, welche die schon bestehenden Pafteikäaipfe noch erbitterter machte und eine Reihe von Umwälzungen nach sich zog, in deren Gefolge auch der Bürgerkrieg ausbrach. Noch standen 70,000 Franzosen in der Schweiz, deren Verpflegung auf dem Lande lastete. Im Februar 1800 kam der französische Gesandte Reinhard nach der Schweiz mit der scheinbaren Instruktion, sich aller Einmischung in die innern Angelegenheiten zu enthalten, in der That aber, um die Einführung einer definitiven Verfassung zu hindern, indem Bonaparte bis zum Frieden freie Hand bewahren wollte. Es musste der französischen Regierung daran liegen, alle Aufstände in der Schweiz zu verhindern, indem mit dem Frühjahr 1800 der Krieg gegen die Coalition, welche noch aus Oesterreich und England bestand, wieder aufgenommen und die im Vorjahr in Deutschland und in Italien erlittenen Niederlagen wieder gut gemacht werden sollten.

Vom 25. April 1800 an setzte sich die französische Armee am Oberrhein und in der nördlichen Schweiz unter Moreau in Bewegung; Lecourbe befehligte den rechten Flügel. Am 1. Mai wurde Schaffhausen eingenommen. Moreau drängte dann die Oesterreicher unter Kray vom Bodensee weg, schlug sie bei Stockach, Mösskirch und Biberach, und drang bis Anfangs Juli unter wiederholten Gefechten bis München vor.

Während Moreau in Schwaben vordrang, machte JBonaparte am 20. Mai mit der bei Dijon versammeJr

31 482 .Zähringer.

ten Armee von 35,000 Mann seinen berühmten Uebergang über den grossen Bernhardsberg und am 25. Mai war dieselbe um Força versammelt, von wo sich Bonaparte gegen Mailand wandte. Gleichzeitig vertrieb eine französische Abtheilung unter Bethencourt die Oesterreicher vom Simplon und zogen 20,000 Mann Franzosen unter Moncey über den Gotthard und vertrieben die Oesterreicher aus der italienischen Schweiz. Ferner zog Chabran über den kleinen St. Bernhard und Turreau über den Mont Cenis und den Mont Genèvre.

Am 24. Juni erfolgte die Schlacht bei Marengo, in deren Folge der österreichische Feldherr Melas das Gebiet der cisalpinischen Republik bis an den Mincio räumte. Am 13. Juli wurde Jellachich von Molitor aus Feldkirch vertrieben und nach Bludenz geworfen. Am gleichen Abend zog Dormenan über den Kunkelspass und vertrieb dieOessterreicher von.Reiche-nau, ging Jordan bei Azmoos über den Rhein und nahm die Luziensteig. Auffenberg, der in Graubünden kommandirte, räumte Chur und zog in 's Engadin. Lecourbe war aber im Begriffe, ihm dahin zu folgen, als am 15. Juli 1800 der Waffensstillstand in Pars-dorf zwischen Kray und Moreau abgeschlossen wurde, nach welchem die Franzosen die Strasse von Chiavenna über den Splügen nach Thusis und Chur, die Luziensteig und das Vorarlberg, die Oesterreicher hingegen das Engadin und das Münsterthal besetzt hielten. Der dazwischen liegende Theil von Graubünden sollte neutral bleiben.

So war nun ( im Juli 1800 ), mit Ausnahme eines Theiles von Graubünden, wieder das ganze Gebiet der helvetischen Republik von den Oesterreichern geräumt.

Die Franzosen setzten den Kampf gegen die Coalition, nach Ablauf des Waffenstillstandes, mit Qltick in Deutschland und in Italien fort und im Dezember 1800 wurde Oesterreich genöthigt, der Verbindung mit England zu entsagen. Die Schweiz betrifft nur der Uebergang Macdonald's über den Splügen und die Räumung des Engadins. Im October war die erste Division der französischen Armee unter Baraguay d' Hilliers über den Splügen marschirt und am 27. November sollte die Hauptmacht unter Macdonald nachfolgen. Aber ein Schneesturm trieb sie zurück und hielt sie drei Tage in Splügen fest. Ami., 2. und 3.Dezember konnte endlich der Uebergang stattfinden und am 6. Dezember stand die Armee in Chiavenna. Gleichzeitig wurde Davos, Klosters und Oberhalbstein besetzt, und Truppen in 's Engadin vorgeschoben. Von diesen letztern wnrde eine Abtheilung bei Zutz von Auffenberg's. Truppen unter General Bachmann gefangen, aber es rückten sofort neue französische Abtheilungen theils über den Julier, theils über den Bernina in 's Engadin, welche die Oester-l'eicher und Schweizer bei Zernetz angriffen und nach Martinsbruck zurücktrieben, von- wo sie weiter durch das Etschthal hinuntergingen und nur durch den Fide-densschluss von der Gefangennehmung bewahrt wurden.

Am 9. Februar 1801 kam der Separatfrieden von Luneville zwischen Frankreich und Oesterreich zu Stande und am 27. März 1802 dann auch der Friede zu Amiens zwischen Frankreich und England. Der 11. Artikel des Friedens zu Luneville ertheilte dem helvetischen Volke die Berechtigung zu freier Annahme einer beliebigen Verfassung.

Dass aber der erste Consul es mit diesem nicht ernstlich meinte, zeigte sich bei einer dem helvetischen Gesandten am 30. April zu Malmaison ertheilten Audienz, wo er äusserte, die Schweiz bedürfe nicht wie Frankreich einer starken Centralgewalt. Dabei übergab er den Gesandten einen andern Verfassungsentwurf, den man Entwurf von Malmaison nennt, und liess merken, dass er dessen unbedingte Annahme erwarte. Dieser Entwurf hielt die Mitte zwischen einer einheitliche:i und einer föderativen Verfassung und räumte den Kantonen für ihre innere Verwaltung viele Freiheit ein. Die Schweiz nebst Graubünden war nun in 12 Kantone eingetheilt, aber das Wallis nicht mehr als Bestandtheil Helvetiens genannt. Für die Abtretung dieses wichtigen Landes sollte die Schweiz durch das kleine Frickthal entschädigt werden; zugleich liess man Herstellung der ehemaligen Neutralität und Aufhebung des Offensivbünd-nisses hoffen. Der Entwurf von Malmaison konnte zwar nicht durchgeführt werden, wohl aber die Abtrennung des Wallis. General Turreau hatte den Auftrag, die Bevölkerung auf alle Art zu quälen, damit sie den Anschluss an Frankreich begehre; aber vergebens; die Walliser wollten Schweizer bleiben. Im Jahr 1801 hatte Bonaparte den Bau der Simplonstrasse begonnen, die ihn bis zu ihrer Vollendung im Jahr 1806 nahezu 18 Millionen Franken kostete, und er wollte diese Strasse auf französischem und nicht auf schweizerischem Gebiete besitzen. Er erklärte daher am 4. April 1802 das Wallis für eine unabhängige Be-publik, welche unter den Schutz der französischen, der helvetischen und cisalpinischen Republik gestellt wurde.

Am 27. Februar 1802 waren 50 Abgeordnete des Wallis über die Gemmi nach Bern gegangen, um wo möglich das ihrem Vaterlande drohende Schicksal abzuwenden; aber vergebens, Wallis wurde von der Schweiz losgerissen. Dieser Zustand französischer Vormundschaft dauerte bis 1810, wo Wallis durch ein Dekret des Kaisers Napoleon — Bonaparte war am 18. Mai 1804 Kaiser geworden — mit Frankreich vereinigt wurde. General Berthier kam am 12. November 1810 ( bei einer Temperatur von — 16° ) mit 30,000 Mann über den grossen St. Bernhard, um dem Willen seines Kaisers Nachdruck zu geben.

Am 13. Juli 1802 wurde der helvetischen Regierung der Entschluss des ersten Konsuls angezeigt, alle französischen Truppen von der helvetischen Republik zurückzuziehen. Am 30. Juni begann der Abmarsch und am 8. August war er vollendet. Der Grund dieser Massregel ist kaum in etwas anderem zu suchen, als in der Erwartung, dass die entstehenden Verwirrungen die schwache Regierung nöthigen werden, die Hülfe des ersten Konsuls zu suchen und dass diesem dadurch Gelegenheit gegeben werde, als erbetener Schiedsrichter und Vermittler zwischen die Parteien zu treten, und unter dem Scheine, die Unabhängigkeit des Landes zu achten, einen entschiedenen Einfluss auf dasselbe dauernd zu begründen. Noch ehe die französischen Truppen die Schweiz gänzlich geräumt hatten, kam in Schwyz und Unterwaiden der schon länger vorbereitete Aufstand zum Ausbruche. Die helvetische Regierung sandte Truppen unter Andermatt nach Lu- zern, und die Unterwaldner besetzten ihre Grenzen, diesmal auch den Renggpass, den sie 1798 wegen des Abfalles von Hergiswyl nicht besetzen konnten.

Die helvetischen Truppen nahmen am 19. August den Pass ein und besetzten ihn mit 2 Kompagnien. Aber in der Nacht vom 27. auf den 28. August wurde diese Besatzung von 450 Unterwaldnern sowohl von Alpnacht als von Stansstad aus, zu Land und zu Wasser, angegriffen und mit Verlust von 7 Todten, 2 Gefangenen und 25 Verwundeten vertrieben. Die Unterwaldner stellten sich bei Hergiswyl auf. Die helvetische Fregatte « Einheit » beschoss am folgenden Tage Stansstad ohne Erfolg. Wir verfolgen den weitem Verlauf des Aufstandes nicht, der sich bald auch auf andere Kantone ausdehnte und eine dritte Waffenthat bei Zürich herbeiführte, die Beschiessung der Stadt am 10. und 13. September, durch die helvetischen Truppen unter General Andermatt. Um diese Zeit bestand die helvetische Republik noch aus Waadt und Freiburg und ihre Truppen unter Andermatt wurden am 3. Oktober von den sogenannten eidgenössischen Truppen unter Bachmann bei Pfauen geschlagen. Am 4. Oktober erschien zu Lausanne, wo die helvetische Regierung sass, der französische General Rapp mit einem nicht an die Regierung, sondern an die 18 Kantone gerichteten Machtgebots des ersten Konsuls, die Waffen niederzulegen. Am 21. Oktober rückten französische Truppen über Basel, über Lugano und über den Splügen ein und allmälig verbreiteten sich etwa 20,000 Franzosen durch die ganze Schweiz unter dem Befehl des Generals Ney.

Bonaparte hatte nun Mittel und Wege gefunden, als Vermitler aufzutreten, und am 10. März 1803 wurde die Mediationsverfassung eingeftthrt, unter welcher die Schweiz zehn Jahre der Buhe und des Friedens verlebte, wenn auch unter französischer Vormundschaft. Die Schweiz zählte wieder 19 Kantone, nämlich die 13 alten Orte und 6 neue Kantone ( Aargau, Graubünden, Waadt, St. Gallen, Thurgau und. Tessin ). Das Frickthal kam zu Aargau, Gersau zu. Schwyz und Engelberg zu Obwalden. Wallis war abgetrennt und auch die schon früher losgerissenen Gebiete: Bisthum Basel, St. Immerthal,. Biel, Genf, Mülhausen, Veltlin, Cleven und Worms, blieben abgetrennt, Im Februar 1804 verliessen die letzten französischen Truppen die Schweiz. Im Jahr 1806 kam das Fürstenthum Neuenburg von Preussen an Frankreich und Napoleon schenkte es dem General Berthier. Wallis kam 1810 an Frankreich als Departement Simplon. Gleichzeitig liess Napoleon auch den Kanton Tessin besetzen, angeblich wegen mangelhafter Zollordnung. Um diese Zeit wurde auch die Militärstrasse durch das Dappenthal angelegt, wozu Waadt eine kleine Strecke Gebietes abtreten musste. Tessin wurde von den Franzosen erst nach der Schlacht bei Leipzig geräumt, als eine eidgenössische Division Graubünden und Tessin besetzte. Der Streit wegen des Dappenthales wurde erst vor wenigen Jahren unter Kaiser Napoleon III. erledigt.

Beim Einmarsch der Alliirten in die Schweiz kam auch eine Abtheilung Österreicher unter Simbschen vom Waadtland aus in 's Wallis. Die Franzosen entflohen am 25. Nov. 1813, theils über den grossen St. Bernhard, theils über den Gol de la Forclaz und den Col de Bahne.

Oesterreicher und Walliser unter Graf Courten besetzten den grossen St. Bernhard und den Simplon und drangen bis Domo d' Ossola vor. Wallis wurde wieder mit der Schweiz vereinigt. Ebenso Genf, Neuenburg, Biel, St. Immerthal, Bisthum Basel. Die Graubündner zogen am 4. Mai 1814 über den Splügen, um ihre alten Unterthanenlande Veltlin, Cleven und Worms wieder zu erobern; aber sie wurden von den Oesterreichern zurückgewiesen und ihre früheren Besitzungen blieben bei der Lombardei. Nach dem ersten Pariser-frieden ( 30. Mai 1814 ) verliessen die verbündeten Truppen die Schweiz, und die Schweizer besetzten Graubünden, Bisthum. Basel, Wallis, Genf und Tessin. Die Schweiz erhielt im neuen Bundes vertrag 22 Kantone.

Noch einmal zogen die Truppen der Verbündeten durch die Schweiz nach Frankreich. General Frimont überschritt am 19. Juni 1815 den Simplon mit 60,000 Mann und das Regiment Esterhazy kam von Aosta über den Bernhardsberg; aber am 18. Juni war das Schicksal Napoleons bei Waterloo entschieden worden.

In Nidwaiden, das dem neuen Bund nicht beitreten wollte, rückten am 17. August 1815 zwei schweizerische Bataillone unter Oberst Hess über Stansstad, Beckenried und Buochs ein und besetzten alle Gemeinden. Am 24. August trat die Landsgemeinde dem Bunde bei.

IV.

Kleinere Mittheilungen.

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