Die Rolle der Frau im Bergsteigen und Klettern

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Blättert man die neusten Ausgaben der verschiedenen Bergsport-Zeitschriften durch, kommt man unweigerlich zum Schluss, dass der Bergsport in seinen extrem-alpinen und expeditionsmässigen Ausprägungen eher eine reine Männersache ist. Frauen treten nur sehr

Zu diesem Thema haben sich in der bisherigen Fachliteratur erst wenige geäussert. Welche Schlussfolgerung soll man daraus ziehen? Ja, hat man sich diese Frage so direkt überhaupt schon gestellt oder hat sie sich in der Form bisher nur noch nie aufgedrängt?

Bisher vertrat zweifellos ein bestimmter Frauentyp das weibliche Geschlecht in den verschiedenen Formen des Bergsteigens. Viele bevorzugen hier Gruppenunternehmungen, die (nebst den allgemeinen und speziellen Themen und Aktivitäten gewidmeten Kursen) besonders in den Bereichen des Skitou-renfahrens, der klassischen Hochtouren sowie der Expeditionen und Trekkings organisiert werden. Andere konzentrieren sich lieber auf einen einzelnen Partner sobald die Passion zielorientiert wird. Denn mit der Zeit würde man mit verschiedenen Partnern ohnehin in ein etwas schiefes Licht geraten. Dabei wagen nur wenige, auch für extremere Unternehmungen und Klettereien den Schritt zur reinen Frauenseilschaft zu vollziehen. Und wo dies geschieht, erfolgt der Zusammenschluss zum gemeinsamen Abenteuer im allgemeinen weniger aus Mangel an fähigen Seilpartnern oder aus der Überzeugung, einer Gefährtin mehr Vertrauen entgegenzubringen, als vielmehr aus Gründen der Selbstbestätigung. Ein Verhalten, das sich aus dem gängigen Rollendenken und -verhalten ergibt, das aber der einzig richtige Ansatzpunkt zur natürlichen Selbständigkeit sein könnte.

Im Zug der rasanten Entwicklung in allen Bereichen des Sportes wäre es nun aber durchaus denkbar, dass sich auch im Bergsport, und vielleicht etwas ausgeprägter in dessen neuen Spielformen, die Rolle der Frau nicht unwesentlich verändern könnte. Gerade das Sportklettern und neuerdings auch das Gleitschirmfliegen scheinen attraktiv genug zu sein und in ihren Erscheinungsformen der dynamischen und weniger mit Vorurteilen belasteten Frau entgegenzukommen.

Am Tête de Chien in der Barre inférieure bei Monaco ( F )

vereinzelt auf, meist als Begleiterin ihres Mannes oder Freundes, ganz selten aber in eigener Regie. Einige Spezialistinnen scheinen aber durchaus ihren Mann oder eben ihre Frau zu stellen. Ihnen werden oft gleich mehrere farbenprächtige Bildseiten eingeräumt, wenn sie sich hervorragend <gestylt>, wie es sich für eine Frau gehört, in buntschillernden Gymnastikanzügen in voller Aktion dem staunenden Leser präsentieren.

Man(n ) bemüht sich also tatsächlich um das Bild der Frau. Sie erscheint gleichzeitig mit ihrem gepflegten Äusseren wie auch mit einer gewissen Portion Selbstvertrauen, dem nötigen Ehrgeiz und dem unvermeidlichen Konkurrenzdenken. Kurzum: genau so, wie sie dem Leser nicht attraktiver dargestellt werden könnte. Dabei lässt uns aber der Eindruck nicht los, dass all diese Artikel nur höchst selten aus eigenem Antrieb und eigenem Mitteilungsbedürfnis heraus entstanden sind. Vielmehr scheint eine offensichtlich nicht unbedeutende Werbewirkung ausschlaggebend zu sein. Das kletternde Mäd- chen also als Supergirl, als Spielball der Werbung und nicht zuletzt auch als unnahbare, attraktive Konkurrenz für die Männer, die ob den zweifellos hervorragenden Leistungen einiger Spitzenkönnerinnen vor Neid erblassen.

Auch die gerade in jüngster Zeit auf dem Markt erschienenen Bildbände zur Geschichte und Faszination des Freikletterns helfen uns in unserer Fragestellung leider nicht viel weiter. Im Gegenteil, die Frau scheint inexistent zu sein oder wurde schlichtweg vergessen! Ein bedenkliches Armutszeugnis.

Zum Glück waren in der Klärung unserer Frage aber dennoch einige Artikel in nicht kletterspezifischen Magazinen aufzutreiben- die Frau scheint also doch noch eine eigene Vorstellung von der Angelegenheit zu haben. Sie macht sich sogar Gedanken zu ihrer Tätigkeit. Sie findet Gefallen an starken Naturerlebnissen, sie hat ihre Lieblingsgebiete, sie kennt ihre Stärken und Schwächen und formuliert auch ihre Ziele. Sie betrachtet die Kletterei als ideale Ausdrucksform ihres Bewegungs-drangs. Sie bekundet Mühe mit der leistungsorientierten Planung. Sie betrachtet sich als manchmal etwas kompliziert und lässt sich weniger gut führen. Sie wähnt sich aufgrund der biologischen Voraussetzungen oft von vornherein im Nachteil und wird dadurch schnell unsicher. Deshalb unterwirft sie sich viel lieber dem Prinzip der Lust und Laune, auch wenn sie dabei oft auf Unverständnis stösst - bei der Männerwelt natürlich, denn deren Auffassung hat nach wie vor wegweisend zu sein.

Die Frau eignet sich demnach durchaus als attraktive, oft auch überaus gewandte und lernfähige Begleiterin. Nicht aber als Spitzen-bergsteigerin oder Leistungskletterin. Diese Schlussfolgerungen ergeben sich aus den oben gemachten Beobachtungen. Oder ist jemand anderer Meinung? So bleibt auch alles schön beim alten. So ergeben sich auch weit weniger Probleme, als wenn sich die Frauen plötzlich überall aus diesem vertrauten Bild lösen sollten.

Nicht wenige Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts werden uns in diesen Punkten beistimmen. Die bekannten Top-Athletinnen sollen weiterhin ihren männlichen Kollegen nachrennen und untereinander um das Prestige der ersten Damenbegehung dieses und jenes 10ers kämpfen - ihre Weiblichkeit haben sie ohnehin schon längst verloren. Entspricht dies der Tatsache oder ist dies lediglich Ausdruck des eigenen schmerzlich nagenden Neides? Bestätigt sich damit die Behauptung, dass es nichts Schlimmeres gibt als sich konkurrenzierende Frauen?

Besinnung auf die eigenen Möglichkeiten Immer mehr Fragen und immer noch keine eindeutigen Antworten. Die Rolle der Frau im Bergsteigen scheint also doch ein Problem zu sein. Aber wessen Problem? Gewisse Frauen scheinen aussergewöhnliche Leistungen zu vollbringen - man hat davon gehört. Einige haben es sogar mit eigenen Augen gesehen. Grenzenlose Begeisterung für die mutige Vor-stiegsleistung eines kleinen Mädchens, im achten Schwierigkeitsgrad! Doch was ist das heute noch. Etwas Besonderes, weil es eben doch nur vereinzelt geschieht, etwas Selbstverständliches, weil objektiv betrachtet, die Möglichkeiten wohl meist noch weit höher liegen würden.

Bisher wurden die bergsteigerischen Leistungen an den Einzelpersonen gemessen. Eine Achttausender-Sammlerin übertrifft alle anderen ihres Geschlechts bereits nach wenigen Gipfelerfolgen. Eine Extremalpinistin verblüfft durch eine Eigernordwand-Durchstei-gung. Eine Spitzenkletterin bewältigt Ger-Rou-ten und realisiert in den Alpen bemerkenswerte Klettereien, alles erste Damenbegehun-gen. Aus der Sicht des Frauenbergsteigens durchwegs aussergewöhnliche Leistungen, im Feld des gesamten Alpinismus aber doch nichts Erstaunliches, zumal dem weiblichen Geschlecht in gewissen Bereichen immer wieder ungleich grössere Leistungsfähigkeit vorausgesagt wird.

Doch hier liegt es einzig und allein bei der Frau selbst, diese Chance wahrzunehmen. Eine Chance, die sich fast überall, besonders aber in den neuen Zweigen des Bergsports bieten. Wenn Frauen an Kletterwettkämpfen gleiches Preisgeld wie die Männer verlangen -bei zurzeit ungleich kleinerer Leistungsdichte -, müssen sie sich auch durch eine entsprechende Klettereinstellung profilieren. Die vielfältigen Trainingsmöglichkeiten bis hin zu den neuen Kletterwänden in den Städten bieten allen dieselben Voraussetzungen. Wohl noch nie war die Chance so gross, die persönlichen Fähigkeiten voll auszuspielen. Vorurteile sind nicht mehr am Platz. Junge Mädchen verfügen oft über ein weit besseres Bewegungsgefühl als Knaben ihres Alters. Ihre meist viel grössere Beweglichkeit vermögen sie aber erstaunlicherweise nur in den allerwenigsten Fällen auszunützen. Dann fehlt es aber meist einzig und allein an der Bereitschaft und Entschlossenheit, die eigenen Stärken und Schwächen zu akzeptieren, sich darauf einzustellen und daran zu arbeiten.

Klettern, ein Frauensport?

Ohne Talent, nötige geistige Einstellung und eine innere Ausgeglichenheit vermag sich heute auch im Bergsport kein Mann mehr her- vorzutun. Er wird an seinen Leistungen und an seinem Charakter, mitunter auch an seinem Lebensstil gemessen und beurteilt. Wollen Frauen gleich behandelt werden - und diesen Anspruch erheben sie ja immer wieder -, wird auch ihre Einstellung den kritischen Beobachtungen ausgesetzt sein. Die neuen Spielformen, die weniger das überle-benswichtige Teamwork des klassischen Bergsteigens bedingen, sollten ihren Individualitäten eigentlich stärker entgegenkommen. Nicht mehr ausschliesslich im entbehrungsreichen Vagabundenleben praktizierbar, bleibt neben der Auseinandersetzung mit der Sportart genügend Zeit und Freiraum zum Nachdenken, zur Bewältigung der eigenen Unsicherheit und Unentschlossenheit. Wo Frauen sich leicht hinter ihren Männern verstecken können, glauben sie oft zuwenig an sich und lassen das nötige Selbstvertrauen vermissen. Allzu schnell entschuldigen sie ihr Zögern mit fehlendem Mut und mangelnden athletischen Fähigkeiten, auch wenn sie vielleicht über Reserven verfügen würden, die für die Bewältigung des Problems ebenso nützlich sein könnten. Mut und Kraft gelten in weiten Kreisen zwar nach wie vor als Hauptkennzeichen des Kletterns, doch beginnt sich, neben der nötigen psychischen Einstellung, die Gewichtung des Bewegungsgefühls und der geistigen und körperlichen Beweglichkeit immer mehr in den Vordergrund zu schieben. Elemente, die der Frau durchaus stark entsprechen und die sie motivieren könnten, sich mit grösserem Selbstvertrauen nicht nur in der Breitenentwicklung, sondern auch an der Leistungsspitze zu behaupten.

An der Oberdörflerkante im Solothurner Jura

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