Erratischer Block

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Von Peider Lansel.

Du alter Granit, den der Gletscher so weit Von der rätischen Heimat getragen, Im Walde stehst du voll Traurigkeit Und träumst von schöneren Tagen.

Sag Alter, dem Licht und die Luft nun geraubt, Von grünendem Dämmer umwoben, Denkst du noch des Tages, da dein schimmerndes Haupt Du hoch in die Wolken gehoben?

Die herrlichste Krone, sie schmückte die Stirn Aus Schnee und strahlender Sonne, Hoch über die andern ragte dein Firn In prunkender Herrscherwonne.

Vom Bergwald herauf umspielten dich mild Die herben heimischen Düfte, Nur des Adlers Schrei klang trotzig und wild Durch die grosse Stille der Klüfte.

In blitzumfunkelter Herrlichkeit Standst du, wenn dich Wetter umgrollten Und mächtig aus heiliger Einsamkeit Die Donner wiederrollten.

Weisst du noch, o GranitJetzt stehst du allein Ruhmlos im Wald und vergessen, Die moosige Decke hüllt schweigend dich ein — Wer weiss noch, was einst du besessen?

Ein Fremder wie du, voll Sehnsucht und Leid, Steh auch ich an freudloser Stätte — Und denk, o Granit, wie liegt sie so weit, Meiner Berge leuchtende Kette!

Anmerkung: Die freie Übertragung dieses Gedichtes findet man in Gian Bundi « Engadiner Nelken », eine Sammlung rätoromanischer Lyrik. Verlag Manatschal Ebner & Cie., Chur 1920. Darin enthalten sind Gedichte von Conradin v. Flugi, Zaccaria Pallioppi, Gian Fadri Caderas, Gian Singer, Simeon Caratsch, Andrea Bezzola, Florian Grand, Chasper Po, Clementina Gilly, Peider Lansel, Otto Planta-Wildenberg und Gian Gianett Cloetta. Scherzhaft fragt Caratsch Ils poets engiadinais:

« Ist's die Schuld der Gletscherwinde, die durch unsre Täler wehn, ist 's der feurige Veltliner, dem wir selten widerstehn, dass Poeten gross und klein, wachsen hier wie wilder Wein ?»E. J.

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