Höhenmessungen

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E. Gubler

Die ersten Höhenmessungen sind in der Schweiz von Joh. Jakob Schcuchzer zu Beginn des 18.Jahrhunderts mit Hilfe von Quecksilberbarometern durchgeführt worden. Sie waren allerdings noch sehr ungenau, weil über die Abnahme des Luftdruckes mit zunehmender Höhe noch keine klaren Vorstellungen bestanden. Es blieb späteren Generationen vorbehalten, diese einfache Messmethode weiterzuentwickeln, und zwar so weit, dass heute der Alpinist mit einem Blick auf seinen Taschenhöhenmesser die Höhe seines Standortes mit ausreichender Genauigkeit feststellen kann. Schon 1788 bestimmte Joh. Georg Tralles im Rahmen seiner Triangulation des Berner Oberlandes die Höhen der bekanntesten Gipfel. Er fand, dass die Jungfrau sich 1 1 092 Fuss oder 3603 Meter über den Thunersee erhebe, ein Resultat, das nach den heutigen Messungen nur um 3 Meter zu hoch war.

Es liegt nahe, die Höhen von einer einheitlichen Bezugsfläche abzuleiten, also zum Beispiel von der freien Oberfläche eines ruhenden Gewässers, am besten vom Meeresspiegel oder im Binnenland Schweiz vom Wasserspiegel eines grossen Sees. Es ist deshalb kein Zufall, dass Dufour als Ausgangspunkt für die schweizerische Höhenmessung einen Bronzefixpunkt ( franz. repère ) auf einem erratischen Block im Hafen von Genf, dem sogenannten « Pierredu Niton », gewählt hat ( abgekürzt RPN; Photo 7b ).

Im Zusammenhang mit der Triangulation für die Dufour-Karte sind in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch die notwendigen Höhenwin- Messungen durchgeführt; in einer ersten Phase werden die Punkte i.3. Ordnung und anschliessend auch die Punkte 4. Ordnung neu bestimmt. Hier besteht nun die Möglichkeit, auch die neuen elektronischen Mittel einzusetzen; ein entsprechendes Distanzmessgerät ist in Photo 6 b zu sehen. Die so bestimmten Triangulationspunkte dienen in erster Linie als Grundlage für die Grundbuchvermessung, doch werden sie auch für verschiedene andere Zwecke benützt, wie z.B. für Absteckungen aller Art, das Artillerieschiessen und ebenso für die Landeskarten.

kel gemessen worden, womit zum erstenmal einheitliche Höhen für die ganze Schweiz zur Verfü-gungstanden. Die Meereshöhen sind aus französischen Angaben für den Chasseral abgeleitet worden. Für den RPN fand man die Höhe 376,64 Meter. Im Alpengebiet bot die Topographie einer genauen Vermessung enorme Schwierigkeiten. Viele Berggipfel waren unzugänglich. Es erstaunt deshalb nicht, dass z.B. das Fletschhorn, südlich von Brig, in der ersten Ausgabe der Dufour-Karte von 1854 noch mit einer Höhe von 3917 Metern angegeben war. ( Der Name stand allerdings damals noch an der Stelle des heutigen Lagginhorns. ) Schon 1862 wird die Höhe auf 3988 Meter korrigiert.

In den Jahren 1864-1891 lässt die Schweizerische Geodätische Kommission über das ganze Land ein grobmaschiges Präzisionsnivellement messen, dessen Genauigkeit allen kartographischen Ansprüchen gerecht wird. Beim Nivellement handelt es sich um ein einfaches, sehr genaues Verfahren zum Messen von Höhenunterschieden. Das Nivellierinstrument besteht aus einem Fernrohr, das sich, auf ein Stativ montiert, frei um eine senkrechte Achse drehen lässt. Mit einer Libelle oder einer Automatik kann die Ziellinie genau waag-rechteingestellt werden. Zielt man mit diesem Instrument eine senkrecht aufgestellte Messlatte an, so kann auf ihrer Teilung direkt die Höhendifferenz zwischen dem Fuss der Latte und dem Fadenkreuz des Instruments abgelesen werden. Den Höhenunterschied zwischen zwei Latten-standorten kann man deshalb sehr einfach als Dif- H - hi+hi-hj«-h*-hi

h2;

1

\

\

hi /

ferenz zweier Ablesungen berechnen. Der Beobachter wechselt dann seinen Standort und bestimmt weitere, anschliessende Höhendifferenzen. So kann über beliebige Entfernungen ein genauer Höhenunterschied durch Aneinanderreihen von Einzelhöhendifferenzen bestimmt werden ( Photo 7a ).

Die Meereshöhen gehen nach wie vor auf dieselbe Höhe des Chasserais zurück. Das Nivellement ergibt für den RPN die Höhe 376,86 Meter, den sogenannten alten Horizont, der ab 1879 den Dufour- und Siegfried-Karten zugrunde gelegt ist. In der ersten Ausgabe der Siegfried-Karte wird die Höhe des Fletschhorns mit 4001 Metern angegeben. Sie beruht auf einer neuen Vermessung aus den Jahren 1886 und 1887. Damit hat das Fletschhorn die ominöse 4000-Meter-Grenze überschritten, sehr zur Freude aller Alpinisten, die diesen Gipfel bezwingen.

Im Jahre 1902 findet J. Hilfiker beim Studium der von den Nachbarländern an ihre Mee-respegel angeschlossenen Nivellemente für den RPN die Höhe von 373,60 Metern. Dieser Wert stimmt sehr gut mit dem in Marseille angeschlossenen französischen Nivellement überein. Er wird als neuer Horizont allen Vermessungen zugrunde gelegt.

Im Hinblick auf die kommenden Arbeiten, insbesondere die Grundbuchvermessung, erstellt die Eidgenössische Landestopographie in den Jahren 1903-1925 das sogenannte Landesnivellement. Die Netzanlage erfährt gegenüber den von der Schweizerischen Geodätischen Kommission gemessenen Linien noch einige -vor allem im Jura gelegenen - Ergänzungen. Es umfasst rund 13000 Fixpunkte ( Bronzebolzen ), die den Nivel-lementslinien entlang, meist in Gruppen von drei Bolzen, gesetzt worden sind. Als Hinweis auf die erreichte hohe Messgenauigkeit kann die Tatsa- h5 ehe gelten, dass keine der durchschnittlich 200 Kilometer langen Nivellementsschleifen einen grösseren Fehler als 35 Millimeter aufweist. Auf dieses Nivellement stützen sich die Höhenbestimmung aller trigonometrisch vermessenen Punkte, die Grundbuchvermessung, der Übersichtsplan und die neuen Landeskarten. Im Jahre 1920 wird rund 120 Meter südwestlich des Fletschhorngipfels ein Triangulationspunkt 3. Ordnung im Fels versichert. Die Triangulation 4. Ordnung von 1930 ergibt, gestützt auf das Landesnivellement, seine heute gültige Höhe. In der 1941 publizierten Landeskarte 1150000 wird die Höhe des Fletschhorngipfels, sehr zum Leidwesen aller Alpinisten, nur noch mit 3996 Metern angegeben. Die Verminderung ist zum einen Teil auf die um 3,26 Meter geringere Höhe des RPN zurückzuführen; der Rest dürfte durch Abschmelzen des Schneekammes auf dem Gipfel verursacht sein; denn die Nachführung von 1970 ergab sogar nur noch eine Höhe von 3993 Metern.

Die meisten Höhenfixpunkte des Landesnivellements liegen entlang den Hauptstrassen. Deshalb gehen immer wieder Punkte bei Bauarbeiten verloren. Ein permanenter Nachführungsdienst ersetzt verlorengegangene Punkte und verlegt gefährdete Punkte vor ihrer Zerstörung. Trotzdem müssen von Zeit zu Zeit alle Linien des Landesnivellements erneut gemessen werden. Zwischen 1943 und 1978 ist gut die Hälfte aller Linien ein zweites Mal mit derselben Sorgfalt gemessen worden. Ein Vergleich dieser Wiederholungen mit den Ausgangsmessungen hat überraschende Resultate gezeitigt. Wenn wir davon ausgehen, dass das Schweizerische Mittelland und der Jurasüdfuss ihre Höhe nicht geändert haben, finden wir für den Alpenraum Hebungen, die sich im Zeitraum von 5ojahren in der Grössenordnung von fünf bis acht Zentimetern bewegen:

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