Neuere Bestrebungen auf dem Gebiete der Kartographie

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Neuere Bestrebungen auf dem Gebiete der Kartographie Erläuterungen zur Karte des Kantons Glarus.

In den Beilagen.

Von Fr. Becker, Ingenieur ( Section Tödi ).

Der Schweizer Alpenclub hat sich von seiner Grlindung an immer lebhaft um das Kartenwesen interessirt und dasselbe in vielen Beziehungen reich gefördert. Dieses Interesse spiegelt sich vor Allem in der Herausgabe vorzüglicher Karten, die als Excursionskarten an die Clubisten vertheilt dem Jahrbuche beigelegt werden; aber auch im Texte des Jahrbuches sowie in manchen Itinerarien finden sich mannigfache kartographische Aufsätze und Notizen. So in den Jahrbüchern VII, VIII, XV und XVII die Berichte über die Dufourkarte und den Siegfriedatlas u. A. m.

Wenn so der S.A.C. auch sein Theil dazu beiträgt, die Schweiz. Kartographie zu heben und für möglichste Verbreitung guter Karten unter das Volk zu sorgen, so erfüllt er dadurch eine hohe Aufgabe, die allseitige Förderung der Landeskenntniß, und er erfüllt sie besser als durch Anbringung allerlei Wegweiser an Orten, wo entweder ein kundiger Führer « der dann ein gutes Verständniß einer guten Karte der beste Wegweiser ist. Sein Land besser kennen zu lernen, heißt, es mehr lieben zu lernen.

Das diesjährige Jahrbuch bringt uns eine Karte in neuer Bearbeitung, die in erster Linie nach dem Ziele strebt, unsere Karten noch populärer, namentlich für die breiten Schichten des Volkes verständlicher zu machen. Diese Karte soll einen Fortschritt in der Kartographie anbahnen, auf dem Gebiete, auf dem ein solcher Fortschritt zunächst noch möglich und nothwendig ist. Wir haben in unsern neuesten Karten die technische, wissenschaftliche Vervollkommnung auf eine hohe Stufe gebracht, wir werden auch kaum so bald bessere Methoden der Terraindarstellung erfinden, als die jetzige durch Horizontalcurven; wir sollen aber auch die Kunst in unsere Dienste nehmen, die noch andere Mittel hat als diejenigen, welche in der Zeichnung und Gravure der Karte zum Ausdrucke gelangen. Die naturähnliche Terraindarstellung ist so schwierig, daß sich gewiß all' unser Wissen und Können dabei bethätigen muß. Wenn wir an die Kunst appelliren, so werden wir uns auf viele Schwierigkeiten gefaßt machen müssen; es wird uns nicht gleich von Anfang an gelingen, sie in Verbindung mit den technischen Anforderungen zur glücklichen Mitwirkung zu bringen. Unsere ersten Werke werden Versuche « ein, welche die Lösung der Frage näher bringen sollen. Jn diesem Sinne bitten wir auch diese neue 21 Karte aufzunehmen, über deren Vorzüge und Mängel wir uns keineswegs täuschen.

Um gleich von Anfang an zu erklären, wie wir auf die Karte des Kantons Glarus gekommen sind,, mögen die folgenden Gründe angeführt werden.

In erster Linie handelte es sich darum, dem Jahrbuche als Ersatz für die dieses Jahr ausfallende offizielle Excursionskarte, ohne allzu große Belastung des Budgets eine andere größere Karte als Beilage geben zu können. Eine Neubearbeitung irgend einer Karte wäre zu kostspielig gewesen, obschon das-natürlich unsern Zwecken am besten gedient hätte ^ man mußte also darnach trachten, auf irgend einer bestehenden Grundlage aufbauen zu können. Als-solche zeigte sich die von dem bekannten Kartographen J. M. Ziegler in Curven- und Schraffenmanier behandelte Karte des Kantons Glarus, im Maßstabe von 1: 50,000, welche nach den Originalaufnahmen1 des Siegfriedatlas zusammengestellt und von der Firma Wurster, Kandegger & Comp. in Winterthur ausgeführt worden war. Von dieser Karte konnte die topographische Grundlage benutzt werden. Der sogen, schwarze Stein enthält die Terrainzeichnung in Curvenmanier mit den Felsen, ferner die gesammte Situation, Gewässer, Oertlichkeiten und Communicationen, sowie die Schrift und die Höhenzahlen. Der Wald wurde noch nachgetragen, ebenso die in der Neuzeit eingetretenen Aenderungen. Hr. Randegger, der jetzige Inhaber der genannten Firma, offerirte uns diesen Hauptstein in anerkennenswerthester Weise zur freien Benützung.

Außer der finanziellen Frage fiel das darzustellende Object in 's Gewicht, indem dasselbe möglichst alle Stufen von der Ebene an durch 's Mittelgebirge in 's Hochgebirge enthalten sollte, dazu Alles in günstiger Gruppirung. Da wäre nun schwer ein anderes Gebiet zu finden, das eine so hübsche Gliederung zeigt wie das Glarnerland mit seiner Umgebung, einen so raschen, aber doch vermittelten Aufbau aus der Ebene in 's Hochgebirge, mit starken Gegensätzen von Höhe und Tiefe und schöner Gruppirung der Gebirge untereinander.

Wahrscheinlich zum guten Theile aus diesem Grunde war der Kanton Glarus das Versuchsgebiet des verdienten Kartographen Ziegler, welcher ja gerade darauf ausging, die Curvenkarten in Bezug auf ihre plastische Wirkung zu vervollkommnen, resp. mit der geometrischen auch noch eine gewisse künstlerische Zeichnung zu verbinden. Er klebte allerdings noch an den Schraffen und der Schummerung, anstatt den frischen Schritt zu Farbtönen zu machen. Wenn nun der Kanton Glarus noch die Heimat Desjenigen ist, der auf dem von Ziegler betretenen Wege fortfahren will, wenn gerade die heimatlichen Gebirge mit größter Klarheit vor dem Auge des Verfassers stehen, so möge auch dieser Umstand die Wahl des Objectes weiter erklären.

Freilich sind wir gerade durch die getroffene Annahme in vielen Richtungen gebunden und müssen damit Mängel in den Kauf nehmen, die wir sonst gerne vermieden hätten; unser Ideal zu erreichen, war uns also nicht möglich. Wir werden auf diese Mängel zurückkommen.

Man hätte auch daran denken können, Blätter des Siegfriedatlas als Unterlage zu benützen, wie dies bei den beiden Karten der Niesen- und Stockhornkette in den Jahrbüchern XX und XXII geschehen ist. Das hätte aber die Arbeit wesentlich erschwert. Die Siegfriedblätter sind so gehalten, daß sie ähnlich wie es bei einem Holzschnitte der Fall ist, durch die Zeichnung wirken sollen, die wie der Holzschnitt keine verbindenden Töne erfordert; die Töne, z.B. in den Felspartien, sind in denselben durch Strichlagen ersetzt. Man hätte nun auf alle Fälle die scharf gravirten Felsen der Siegfriedblätter im Drucke anders behandeln müssen, wodurch ihre Deutlichkeit, namentlich in den feinern Partien, gelitten hätte; gleichzeitig wäre die Schrift beeinflußt worden. Dazu hätte man aus je drei Steinen Üeberdrucke machen müssen; was zwei Steine der Glarnerkarte, als Süd- und Nordhälfte, enthalten, hätte man aus 24 Steinen des Siegfriedatlas zusammendrucken müssen. Das waren alles Gründe, die uns auf eine Benutzung einer solchen Grundlage verzichten ließen.

Wenden wir uns nun zu der Betrachtung der Bestrebungen, wie sie in der vorliegenden Karte zum Ausdruck zu gelangen suchen.

Wir wissen, daß der Aufschwung unserer Kartographie am Anfange dieses Jahrhunderts durch die Bearbeitung der Meyer'schen Reliefs ( durch die Ingenieure Müller von Engelberg und Weiß von Straß- Neuere Bestrebungen auf dem Gebiete der Kartographie. 326 bürg ausgeführt ) hervorgerufen wurde. Auf einem durch Müller in genialer Weise ausgeführten Relief der Schweiz, im Maßstab 1: 60,000, fußte der sogen. Meyer'sche Atlas der Schweiz, eine Karte in 16 Blättern, im Maßstab von circa 1 :125,000. Diese Karte zeigte zum ersten Mal eine ordentliche topographische Zeichnung, eine gewisse Naturähnlichkeit, welcher Umstand namentlich dem außerordentlichen Talente Müller's, die Gebirgsformen im Relief treu darzustellen, zu verdanken war. Es war möglich, nach einem solchen Vorbilde eine Karte zu zeichnen, aus welcher umgekehrt das dargestellte Object wieder erkenntlich war. Es ist das die Periode der Kartographie, wo man die Natur zuerst in einem kleinen Maßstabe nachmodellirte und dann nach diesem körperlichen, natürlichen Bilde seine Zeichnung direkte entwerfen konnte. Man wird zugeben, daß diese Methode zu einer Zeit, wo die Hülfsmittel der Terrainver-messung noch nicht so entwickelt waren, wie heute, eine ganz logische war.

Auf den Meyer'schen Atlas, welcher das Interesse für das Kartenwesen in hohem Maße angeregt und nun wirklich nach einer von Grund aus genauen Karte rief, folgte der Dufouratlas mit seinen vielen Neu- aufnahmen. Man vermaß und zeichnete die Karte direkt, nicht erst durch das Mittel eines Reliefs. Die Bodengestaltung sollte durch eine plastische Zeichnung zum Ausdrucke gelangen, und dazu wählte man die Schraffen, die nach gewissen mathematischen Regeln, aber zugleich auch nach Principien der Kunst ausgeführt wurden. Die nicht schon vorhandenen, neu zu erstellenden Originalien selbst wurden aber nicht oder nur theilweise in Schraffen ausgeführt, sondern in Horizontalkurven, in der Art, daß sie genügen sollten für eine nachherige Kartenzeichnung in einem kleinern Maßstabe und in Schraffenmanier. In der von Dufour aufgestellten Instruction heißt es darüber:

„ Dans le figure du terrain, on s' attachera plutôt aux formes principales qu' aux petits accidens du terrain qui disparaissent, en partie, par la petitesse de l' échelle, et qui d' ailleurs ont très peu d' importance dans un pays de hautes montagnes. Il faut surtout s' attacher à rendre le caractère distinctif de chaque montagne en imitant, autant que possible, la nature et se garant de ce qu' on appelle la „ manière ". Les rochers, les arrachemens, les ravins, les moraines et toutes les formes brusques et irrégulières se représenteront directement au moyen des hachures. Les pentes générales, les grandes formes, plus où moins régulières ou arrondies, seront au contraire représentées par les courbes horizontales, qui sont beaucoup plus expéditives.

Also die Bodenunebenheiten gab man an durch Schraffen, nur bei größern, mehr oder weniger regelmäßigen Flächen wählte man die Horizontalkurven, „ weil sie ausgiebiger sind ".

Daß Dufour seine Karte in Schraffenmanier und dazu noch in sogen, schiefer Beleuchtung ausführen ließ, zeugt davon, daß er nicht sowohl ein rein geometrisches Bild der Bodenconfiguration geben wollte, als ein in erster Linie möglichst plastisch-naturähn-liches anstrebte. In der That macht die Dufourkarte neben der brillanten Detailausführung namentlich in Folge der angewandten schiefen Beleuchtung einen so reliefähnlichen Eindruck, wie ihn kaum eine andere Karte der Welt gibt; eben deßhalb ist sie so beliebt geworden, weil man sie leicht verstehen konnte.

Um dem Bilde eines Körpers plastische Wirkung zu geben, um aus ihm einen Körper erkennen zu lassen, müssen wir ihm die nämliche Beleuchtung geben, die der Körper in Natur auch hat. Nun sehen wir nie einen Körper, der in einem Lichtraum sich befindet, an den Stellen dunkler, an denen seine Flächen den steilsten Winkel zur Horizontalebene bilden; er ist überall, wo er nicht aufliegt oder durch einen andern Gegenstand beschattet wird, gleich hell beleuchtet. Stellen wir ein Relief gegen ein Fenster, durch das Licht eindringt, also unter perpendikuläre Beleuchtung, so sehen wir gar keine Formen, es ist Alles gleich hell und gleich dunkel. Bringen wir aber das Relief in eine schiefe Lage zum eindringenden Lichte, so sehen wir sofort die Formen sich abheben und zwar durch die ungleiche Beleuchtung, durch die Schattenbildung.

Welcher Maler malt ein Bild ohne bestimmte Beleuchtung, welcher Bildhauer stellt seine Büste dorthin, wo von allen Seiten Licht zutritt? Warum thun wir das bei Karten, wo ja die deutliche Darstellung des Objectes ohnehin noch viel schwieriger ist? Weil wir bei den Karten uns zu sehr von der Natur entfernt und in 's rein Geometrische, Schematische oder hypothetisch Ausgerechnete verbohrt haben. Es gereicht Dufour zur hohen Ehre, daß er für seine Karte eine natürliche Beleuchtung angewendet, trotz aller Einwände und Kritiken theoretischer Kartographen. Seine Karte erfreut sich denn auch einer großen Beliebtheit und sie hat gewiß ihre Aufgabe in hohem Maße erfüllt.

Freilich Alles kann man nicht mit einem Male erreichen. Für Diejenigen, welche gerne an Hand der topographischen Karte technische Projecte studirten, wie z.B. die Anlage von Straßen und Eisenbahnen, Flußcorrectionen, Wildbachverbauungen etc., war der Mangel an geometrischer Genauigkeit und Handlichkeit fühlbar. So machten namentlich die Straßenbauten der Schweiz in den Vierziger= bis Sechzigerjahren eine in Curvenmanier ausgeführte Karte wünschbar, aus welcher mit leichter Mühe Längsprofile entnommen, in welche der allgemeine Verlauf des Straßenzuges hinein projectirt werden konnte. Solche und viele andere Forderungen riefen immer mehr nach einer geometrisch besser ausgeführten Karte, nach einer Curvenkarte, die für technische Zwecke, Straßen- und Wasserbau, Forstwesen, Geologie etc. ausreichende Genauigkeit und Bequemlichkeit zu bieten im Stande war. Dazu trat der glückliche Umstand, daß die meisten der Originalaufnahmen in 1: 50,000 und 1: 25,000 so vorzüglich und über die aufgestellten Instructionen hinaus detaillirt ausgeführt worden waren, daß es Schade gewesen wäre, so kostbares nützliches Material in den Schränken unbenutzt liegen zu lassen. Das Resultat der Bestrebungen in der Schweiz. Kartographie, namentlich unter Oberst Siegfried, war denn auch die Herausgabe des topographischen Atlas im Maßstabe der Originalaufnahmen.

Darf die Schweiz. Kartographie nach Vollendung und Evidenthaltung dieser Siegfriedkarte und etwaiger Ausdehnung der Aufnahmen im Maßstabe von 1:25,000 weiter in 's Gebirge hinein bei dieser Publikation stehen bleiben? Durchaus nicht. Wir verkennen die Vorzüge dieser Karte gewiß nicht, aber eine Karte für das Volk ist sie nicht und wird es nie werden. Sie ist nicht einmal eine Karte, die den militärischen Anforderungen richtig entspricht. Diese verlangen hauptsächlich ein klares, leichtverständliches und übersichtliches Bild, in das man sich nicht erst theoretisch hineinstudiren muß, aus dem sich z.B. eine Truppen- aufstellung sofort aus den deutlich zum Ausdruck gelangenden Terrainformen ergibt, wo wir nicht lange aus den Curven abzählen müssen, wo etwa ein übersichtlicher Punkt sich findet, aus der solche Punkte unmittelbar herausspringen. Ein rascher Blick auf die Karte soll uns sofort das Terrain deutlich vor Augen treten lassen. Für die gewöhnlichen taktischen Anforderungen genügt auch der Maßstab von 1:50,000 vollständig, für spezielle Zwecke hat man ja immer den größern von 1: 25,000. Auch für den Touristen und gewöhnlichen Bürger genügt der kleinere Maßstab, ja er bietet wesentliche Vortheile, und so kommen wir zu dem Verlangen nach einer Karte der ganzen Schweiz im einheitlichen Maßstabe von 1: 50,000 mit plastischer Terrainzeichnung. Dieses Bedürfniß wird sich ganz sicher aufdrängen und wir erblicken darin auch die nächste Aufgabe der Schweiz. Kartographie.

Sehen wir nach, wie tief bisher, d.h. in bald 20 Jahren nach dem Erscheinen der ersten Blätter, die Siegfriedkarte in 's Volk eingedrungen ist, so müssen wir uns leider gestehen, daß sie ihm noch recht fremd geblieben ist. Wohl treffen wir sie in den technischen Bureaux, bei Gelehrten, Militärs und Touristen; aber der gemeine Mann kauft sie nicht, da er sie nicht versteht, da sie ihn auch nicht anspricht. In den Militärschulen müssen wir unendlich viel kostbare Zeit verlieren, um die Schüler dahin zu bringen, aus den Curven die Formen zu erkennen, was sofort ohne alle Theorie möglich wird, wenn die Karte eine plastische Zeichnung hat. Das große Publikum kauft viel weniger Karten, als man erwarten sollte; von der Dufourkarte weiß es, daß nunmehr eine neue Karte publicirt und damit die erste mehr oder weniger antiquitirt ist; mit der Siegfriedkarte weiß es aber auch nicht, was anfangen, also bleibt es ohne Karten. Man sollte aber gerade meinen, bei der lebhaften Behandlung aller politischen und volkswirthschaftlichen Fragen, wie wir sie jetzt treffen, sollten Landkarten mehr als je gekauft werden. Ist das Publikum daran Schuld? Nein, wir Kartographen, daß wir es nicht besser verstehen, genaue und zugleich leicht verständliche Karten zu bearbeiten!

Und erst die Schule! Was kämpfen wir da mit diesen Karten, von der ersten Stufe, da man Heimatkunde betreibt, bis in die Hochschule hinauf! Wie viel Noth der Lernenden und Lehrenden könnte da erspart werden durch eine vollendetere vernünftigere Kartenzeichnung!

Welchen Anklang fand an der Landesausstellung von 1883 die alte Giger'sche Karte des Kantons Zürich vom Jahre 1664Da sei ja Alles viel schöner und deutlicher drauf, als auf den heutigen Karten, meinten die Bauern.

Wir erinnern uns, wie apathisch wir vor den Schulkarten der Schweiz gesessen und diese Korallen-gebilde in ihrer Gliederung auswendig lernten; aber wir zitterten vor freudiger Aufregung, als wir die erste in Curvenmanier und Schummerung ausgeführte Ziegler'sche Karte des Kantons Glarus erblickten. Und 20 Jahre später klopfte unser Herz wieder vor Freude, als Schulknaben, die noch keinen Geographieunterricht erhalten, aber ihr eigenes Thal schon durchwandert hatten, aus einer ihnen vorgelegten Kartenskizze sofort ihre Heimat erkannten und sich orientirten. Es war diese Skizze eine Aquarellstudie in 1: 25,000, die wir gemacht, um zum Voraus zu ersehen, welchen Effect ein Relief des Kantons Glarus in diesem Maßstabe machen würde. Kinder, die zur Karte geführt wurden, fragten nicht zuerst: „ was ist das ?" oder: „ ist das eine Karte ?" sondern sie riefen sich gleich zu: „ lueg, lueg, wettig Berg !" Sie erkannten bloß aus der Zeichnung, ohne Schrift, das Hauptthal und die Nebenthäler und fanden die Lage der Ortschaften, ohne daß solche eingezeichnet waren. Das gleiche Interesse wie die Knaben zeigten auch die Mädchen, die sonst bis in ihr höheres Alter nicht sonderlich für Landkarten schwärmen, es sei denn, sie wollen suchen, wo ein gewisser Jemand gerade weilt.

Heutzutage geben alle Erziehungsbehörden viel Geld aus, um den Schulen gute Karten zu verschaffen; sie flihlen den Werth, der in diesem Bildungsmittel liegt; aber wie viel Karten können wir aufzählen, die den Kindern und ihren Erziehern lieb geworden sind, die zum Studium anregen, wo Niemand Einen dazu zwingt? Die Aufforderung zum Studium soll nicht allein vom Lehrer ausgehen, sie soll zum guten Theil in der Karte selbst liegen.

Sicher ist, daß keine Schulbehörde für den geographischen Unterricht nur reine Curvenkarten benutzt, obschon ja diese theoretisch Alles enthalten, was die andern Karten geben; ebenso wenig verlassen sich Verkehrsanstalten, Gesellschaften und Behörden, welche ihr Land oder Operationsgebiet möglichst bekannt machen möchten, nur auf die Wirkung der Curvenkarten. Sie alle rufen nach verständlichem unmittelbar wirkenden Darstellungsmanieren. Sie haben das Gefühl, eine plastischere, malerische Bearbeitung würde ihnen besser dienen, da diese eine richtigere Idee von der dargestellten Landesgegend geben kann. So entstehen dann Karten, wie z.B. die neueste Reliefkarte der Centralschweiz von Ingenieur Imfeid ( Zürich 1887 ), die ein sprechender Beweis ist, wie das große Publikum wünscht, daß die Karten behandelt werden. Die Auftraggeber kamen wohl zu der etwas sonderbaren Idee, die Gebirge, ähnlich wie es Delkeskamp gethan, in schiefer Ansicht darstellen zu lassen, weil ihnen noch keine Karte bekannt war, welche in der gewohnten Oberansicht ein genügend verständliches und zugleich schönes Bild gab. Aber wir fragen: wenn auf der genannten Karte das Terrain in reiner Horizontalprojection, im Uebrigen aber mit gleicher künstlerischer Auffassung und Vollendung dargestellt wäre — würde sie nicht ebenso gut oder noch besser wirken? Die in schiefer Ansicht zu einiger Geltung gelangenden Kammlinien der Berge würden wir gerne tauschen gegen eine bessere Darstellung der vom Beschauer abgewendeten Bergseiten und gegen einen gleichen Längen-und Breiten-maßstab.

Wir können hier auch an die berühmte Karte der Montblancgruppe von Viollet-le-Duc ( Paris 1876 ) erinnern. Dort tritt sehr deutlich das Bestreben hervor, das Kartenbild nach künstlerischen Principien zu gestalten; der Erfolg ist aber nur ein halber. Einmal ist die künstlerische Durchführung nicht gelungen, indem namentlich die bindenden Töne in den Gletscherpartien fehlen, welche bewirken, daß Gletscher und Fels als eine Oberfläche eines Körpers erscheinen; anstatt daß der Gletscher weich und natürlich auf den Felsen liegt, hängen die Felsen selbst als unruhige Fetzen in der Luft, etc. Dann aber fehlt namentlich das geometrische Element in Bezug auf richtige Vorstellung über Neigung resp. Höhenunterschiede; wir können weder richtige Längs- noch Querprofile daraus entnehmen oder gar ein genaues Relief darnach construiren. Ohne Zweifel war aber der ausführende Zeichner ein wirklicher Künstler.

Von einer andern Karte, derjenigen von Interlaken und Umgebung von Hodler, ( 2. Auflage ergänzt durch P. Risold, Bern 1882 ), könnten wir das Gleiche weniger behaupten; aber auch diese strebt darnach, deutlicher als die übrigen vorhandenen Karten zu sein, und trotz mangelhafter Ausführung hat sie schon eine neue Ausgabe erlebt.

Endlich vergessen wir nicht unsere eigenen Clubkarten, die mit Tönen versehenen Curvenkarten. Von dem Systeme, durch sogen, senkrechte Beleuchtung dem Curvenbilde plastische Wirkung zu geben, durch eine im Verhältniß zur Steilheit helle oder dunkle Schattirung der Abhänge, ist man mit Recht abgegangen. Abgesehen davon, daß ein solches Bild, wie wir schon gezeigt haben, in der Wirklichkeit nie entstehen kann, schaden die Töne durch zu starke Verdunkelung der topographischen Zeichnung mehr, als sie auf der andern Seite nützen. Am meisten stören die starken Schatten auf beiden Seiten der höchsten Kämme, wie der tiefen Schluchten, wo ja die Hänge am steilsten sind; außerdem erscheinen beide, die doch Widersprüche darbieten, im Bilde gleich. Wir haben einmal in solchen Sachen den der Natur abgelauschten Grundsatz, daß an den dem Beschauer zunächst liegenden Partien eines Objectes, also in den Karten an den höchsten Gräten und Gipfeln, die hellsten Lichter und die dunkelsten Schatten anzubringen sind. Die Kraft des Schattens nimmt ab vom höchsten Grate an gegen das Thal, das in einem Mittelton liegt, und dieser Mittelton nimmt dann wieder an Dunkelheit ab, resp. an Helligkeit zu, bis auf den höchsten Grat hinauf, so daß dort die größten Gegensätze zwischen hell und dunkel sich bilden, also die kräftigste Wirkung entsteht. Das Thal, das ja die beiden Berghänge verbindet, darf nicht hell bleiben, sondern muß eben die Verbindung zwischen den beidseitigen Hängen bilden, beide zu einem Körper vereinigen. Man muß dann nur darauf bedacht sein, diesen verbindenden Mittelton der Thalsohle nicht so anzubringen, daß er der Situationszeichnung, die im Thale am dichtesten ist, Eintrag thut, resp. sie zu stark verdunkelt.

Was wir an einem natürlichen Körper, wie z.B. » an einem Relief, in irgend einer Beleuchtung nie sehen, sollen wir auch in keiner Karte anwenden, überhaupt keine Darstellungsarten wählen, die gegen die Natur sind. Wir thun ja das in andern Gebieten auch nicht, wo es sich darum handelt, ein natürliches Object im Bilde naturwahr darzustellen; wir machen 's sonst auch, wie 's die Natur selbst uns zeigt. Wenn wir im technischen Zeichnen, Bau- und Maschinenzeichnen gewisse Principien der Beleuchtung anwenden, die nur hypothetisch und conventionell sind, so ist das kein Grund, die gleiche Manier im Kartenzeichnen einzuhalten.

Die Clubkarten im Sinne der Blätter Wimmis-Thun ( Jahrbuch XX ) und noch mehr der Blätter Boltigen-Guggisberg ( Jahrbuch XXII ) sind schon viel gelungener und dem Ideal einer Karte näher. Der Effect ist der eines in graugrünem Tone bemalten Curvenrelief8; den Eindruck einer wirklichen Landschaft erhalten wir aber nicht, da die topographische Zeichnung der Karte noch zu stark vorherrscht und die angebrachten Farbtöne nur conventioneile sind. Namentlich fehlt uns die Vorstellung, daß wir uns wirklichen Bergen in einer großen Distanz gegen- über befinden. Wir sehen factisch nur ein Relief, das die Größe der Karte hat; weil wir aber wissen, daß die gezeichneten Formen Berge sein sollten, scheinen sie uns Berge.

Wir wollen keine langen Erörterungen darüber anstellen, warum reine Curvenkarten nicht für alle Leute verständlich sind. Daß sie für ihr Verständniß Schwierigkeiten bieten, wissen wir Alle nur zu gut; wir wollen ehrlich sein und gestehen, daß wir oft nur glauben, die Terrainconfiguration richtig aufgefaßt zu haben, während sie uns, wenn wir das Terrain wirklich sehen, doch wesentlich anders erscheint. Die Curvendarstellung ist überhaupt auch noch keine ideale. Die Niveaulinien laufen so horizontal um die Berge herum, daß wir schließlich vergessen, daß die eigentlichen Formenlinien der Berge doch von oben nach unten laufen, den Wasserläufen entsprechend. Das Ein- und Ausspringen der Curven für sich allein gibt uns die Gräben und Kämme zu wenig deutlich an — wie ganz anders, natürlicher erscheint uns die Bergform, wenn wir diese ein- und ausspringenden Partien noch durch einen Strich mit dem Wischer oder Pinsel von oben nach unten angeben! Auch der beste Kartenkenner, der Topograph selber, wird überrascht sein, welch'Bild sich ihm gestaltet, wenn er ein Gebiet nach der Karte modellirt, das er noch gar nie anders als in der Karte gesehen.

Wo es doch so natürlich ist, die Verständlichkeit des Curvenbildes zu heben durch eine dazu ausgeführte plastische Zeichnung — warum thun wir es nicht für allgemeine Zwecke grundsätzlich?

Es fragt sich nun, wie sollen wir diese plastische Zeichnung ausführen, daß sie erstens der geometrischen Genauigkeit keinen Eintrag thut und zweitens das geometrische Bild uns zu einem körperlichen Bilde werden läßt? Schraffen anzuwenden, wäre ein Mittel, aber kein günstiges, da bei richtig ausgeführten Schraffen die Horizotalcurven wieder mehr oder weniger unnöthig würden. Auch thun sich so senkrecht zu einander stehende Linien gegenseitig wehe — es kommt keine Ruhe in das Bild. Die Schraffen folgen der Linie von oben nach unten, sie geben natürlich aussehende Abhänge, die aber in ihrer Wirkung gestört werden durch die querlaufenden Niveaulinien. Dann verlangen die Schraffen eine besondere Fertigkeit des Zeichners, in die er sich extra einführen muß, da sonst in andern Gebieten des Zeichnens sie nirgends angewendet werden. Wie würde wohl ein menschliches Gesicht in Schraffur-tnanier aussehen? Gewöhnliche Strichlagen, wie sie im Holzschnitt und Kupferstich etc. vorkommen, sind auch schwer anzubringen, sie lassen zu wenig eingehen in 's Detail und verdunkeln oder verwischen zu sehr die Linien der Situationszeichnung ( vide Montblanckarte ). Es bleiben also, wenn wir von der mehr oder minder rußigen Schummerung und andern Special-manieren absehen, hauptsächlich die sogen, flachen « der glatten Töne, die weder in Linien noch in Punkte aufgelöst sind. Diese Töne werden den Linien der Zeichnung keinen Eintrag thun, sie im Gegentheil lieben und zu richtigem Zusammenwirken bringen.

Nun kann man zwei Wege einschlagen; entweder 22 betrachtet man das darzustellende Object als sozusagen neutralen Körper ohne irgend welches Colorit, und gibt nur Licht und Schatten in irgend einer neutralen Farbe an oder man nimmt den Gegenstand, wie er ist, nach Form und Farbe und stellt ihn auch in Farben dar. Das Letztere wird das Vollkommenste sein und nach dem müssen wir streben. Erleichtert ist uns die Aufgabe durch die in natürlichen Formen und Farben ausgeführten Reliefs, die wir in Bezug auf das Malerische einfach nachzeichnen können. So dient hier wieder das Relief der Kartographie.

Die Aufgabe scheint daher einfach — und doch ist sie es nicht so ganz. Wie wir ein Relief nicht mit den Farben malen dürfen, wie sie die betreffenden Gesteinsproben und Grasbüschel zeigen, sondern in denen, in welchen uns eine Terrainpartie aus einer gewissen Entfernung erscheint, so ist es auch mit der Karte.

Das geometrische Bild einer Karte ist nicht so gezeichnet, wie es von einem Standpunkte aus erscheint, perspectivisch, sondern in sogen. Parallel-projection, wo der Augenpunkt jeweilen senkrecht über jedem Terrainpunkt liegt, also für jeden Terrainpunkt veränderlich ist. Von jedem solchen Augen-punkte aus würden die nicht senkrecht unter ihm liegenden Partien verzerrt erscheinen. Nun nehmen wir beim Ansehen einer Karte gewisse Stellungen mit dem Auge ein, möglichst senkrecht zu der Partie, die wir gerade ansehen wollen. Soll uns das Bild richtig erscheinen, so dürfen wir mit der Nase nicht zu nahe auf die Karte heran, sondern müssen in einer Distanz bleiben, daß die Sehstrahlen vom Auge möglichst senkrecht zum Bilde stehen, also möglichst mit den projicirenden Strahlen der Abbildung übereinstimmen. Wir gehen also so weit vom Bilde weg, als es unser deutliches Sehen erlaubt.

Auf der Dufourkarte in 1:100,000 vermag ein normales Auge bei reinem Drucke noch auf 50 cm alle Schrift zu lesen und die kleinsten Bäche zu erkennen. Auf diese Distanz müssen wir auch gehen, um eine Fläche von 10-20 Kilometer im Geviert noch ohne merkliche Verzerrung zu sehen. Das macht aber in Wirklichkeit 50 Kilometer aus, d.h. in 50 Kilometer Höhe über den Bergen erscheinen sie uns so groß, wie sie in der Karte gezeichnet sind. Auf diese Entfernung verschwinden uns auch bei guter Beleuchtung die meisten Farbenunterschiede, die Luft stimmt alle Farben zusammen, alle Töne nähern sich dem neutralen. Malen wir daher das Relief oder nur das Kartenbild so, wie die darzustellende Gegend auf diese Distanz uns wirklich erscheint, so bekommen wir umgekehrt aus dem Bilde die Vorstellung, jene Gegend in der That zu sehen; die Vertiefungen und Erhöhungen des Bildes erscheinen uns als Thäler und Gebirge.

Ein solches Bild, jeweilen aus der Distanz gemalt, wie sie dem Maßstab der Karte bei normaler Sehweite entspricht ( z.B. 30-50km für 1:100,000 km für 1:50,000, 12"™ für 1:25 km für 1 :10,000 ), wäre das Ideal einer Karte, den Begriff Karte nur als Landschaftsbild, von oben herab gesehen, aufgefaßt. Die Farbenscala muß sich der Distanz des Beschauers vom Objecte anpassen. Je größer die Distanz ist, je gedämpfter, neutraler die Farben; einige Farben verschwinden früher als andere, lange hält sich namentlich blau. Abstufungen im Grün sind nicht mehr zu erkennen; Wald, wenn es nicht ganz dunkler Tannenwald neben hellen Ackerflächen oder Kiesgriinden ist oder bei Schneelandschaften, hebt sich erst vom Uebrigen ab, wenn er durch seine Formen wirken kann, d.h. so nahe ist, daß diese letztem gegenüber den Terrainformen zur Geltung gelangen können. Im Allgemeinen erkennen wir den Wald aus der dunklern Färbung der betreifenden Terrainpartien; diese Wirkung übt aber viel weniger die Farbe des Waldes aus, als die sich in ihm bildenden Schatten. Diese Schatten mit ihrem bläulichen oder röthlichen Tone, je nachdem die Baum-farbe mehr oder weniger lebhaft grün ist, lassen den Wald selbst bis auf kurze Distanzen violett erscheinen. Angenommen, wir haben für jeden bestimmten Maßstab die Farbenscala gefunden. Wollen wir nun eine Landschaft recht deutlich, d.h. so, wie wir sie gewöhnlich auch sehen, darstellen, so müssen wir die Distanz für das Auge nicht zu groß wählen; da können wir entweder nur ein beschränktes Stück abbilden, um es aus einem Standpunkte richtig zu sehen, oder wir müssen die Standpunkte verrücken, um das Bild größer zu machen. Nehmen wir eine Distanz, wie wir sie in einem gewöhnlichen Landschaftsbild oder Panorama bis zum Mittelgrunde haben, so entspricht dies einem Maßstabe von 1: 25,000 bis 1:10,000. Eine Kartenbearbeitung im Maßstabe von 1:25,000 ist denn auch wirklich eine ungemein effectvolle, sofort packende.

Nun verstehen wir aber unter einer Karte nicht bloß ein Landschaftsbild allein. Eine Karte soll uns mehr und Alles dazu noch deutlicher geben, als wir es aus der dem Maßstab entsprechenden Distanz ohne künstliche Mittel erkennen. Ferner möchten wir aus der Karte allerlei herausmessen, in horizontalem und verticalem Sinne. Dazu ist ein gewisses geometrisches Gerippe nothwendig; wir haben dasselbe in den Niveaulinien und Höhenzahlen. Endlich wollen wir auch bei jedem Objecte seinen Namen anbringen.

Mit der Schrift ist es immer eine heikle Geschichte. Je nachdem der Kartenzeichner mehr oder weniger Geschmack und Verständniß für seine Arbeit hat, wird die Schrift mehr oder weniger das Bild beeinträchtigen. Schaden thut sie ihm immer, genau wie wenn auf einem Gruppenbilde Jedem sein Name über die Brust oder Stirne geschrieben ist. Um diesen Uebelstand zu heben, würde sich empfehlen, die Schrift mit dem Hauptgerippe der Zeichnung auf ein Extra-blatt zu drucken, was außer den Kosten des Papiers nicht erheblich mehr Ausgaben veranlassen würde, da sie doch meist einen eigenen Druck erfordert. Es würde sich dieses System namentlich für Schulen sehr gut eignen. Die Frage: Wo liegt Zürich? würde sich ganz anders gestalten, wenn der Name nicht bei der Stadt stünde. Ein anderer, vielleicht noch besserer Ausweg wäre, die Namen nur in Haarschrift einzu-drucken, so daß man sie nicht sieht, wenn man sie überhaupt nicht sucht.

Alle diese verschiedenen specifisch-geographischen Forderungen zwingen uns, mehr in die Karte zu zeichnen, als wir sonst in ein Landschaftsbild aufnähmen; wir müssen wegen der leichtern Unterscheidung die Objecte kräftiger zeichnen, als ihnen sonst zukäme, die getreue landschaftliche Behandlung wird darunter leiden müssen. Das Malerische muß mit dem Geometrischen stimmen; wir können unserer künstlerischen Auffassung nicht so freien Lauf lassen; auf viele Mittel des Landschafts-zeichners müssen wir ganz verzichten, wie z.B. auf alle Schlagschatten.

Alles in Allem betrachtet, ist die Bearbeitung einer nach beiden Richtungen vollkommenen Karte eine schwierige — aber sie sollte keine unmögliche sein. Studien und Versuche werden uns allmälig zum Ziele führen. Dann werden wir es erleben, daß der gemeine Mann sich seine Landkarte kauft wie seinen Kalender, daß sie ihm unentbehrlich wird, und damit würden auch die Früchte der Landesvermessung erst eigentlich unter 's Volk gelangen.

Fragen wir uns noch, in wie weit die vorliegende Karte des Kantons Glarus dem aufgestellten Ideale nahe kommt, so müssen wir freilich gestehen, daß wir das Ideal noch nicht erreicht haben. Es liegt das an verschiedenen Gründen.

Um eine Karte zu bearbeiten, die den Intentionen des Autors ganz entspricht, muß die gesammte Arbeit aus seiner eigenen Hand, aus einem Gusse stammen, namentlich müssen Zeichnung und Colorit harmonisch zusammen stimmen. Das war in unserm Falle nicht möglich, da die Zeichnung schon vorhanden war, und zwar in einer Art, wie sie dem Coloristen nicht sonderlich gefiel. So viel als möglich ist allerdings an der Felszeichnung corrigirt worden, aber am Grundilbel leidet sie immer noch, daß sie zu schablonenhaft ausgeführt ist, Alles über einen Leist. Auch war die Curven- und Situationszeichnung nicht berechnet auf ein solches Colorit, ferner die Schrift nicht immer dort placirt, wo sie die Ruhe des Bildes am wenigsten beeinträchtigt. {Die Schrift sollte immer zu allerletzt gemacht werden. ) Endlich ist der Künstler, der die Farben lithographirt, nebenbei gesagt, der gleiche, der die Imfeld'sche Reliefkarte der Centralschweiz ausführte, noch wenig in diesem Genre geübt, resp. mit dem Autor zusammen-gewöhnt, um voll und ganz die Intentionen desselben wiederzugeben.

Wie es uns gelungen ist, die gestellte Aufgabe zu lösen, mögen die Clubisten und ein weiteres Publikum entscheiden. Wir unsererseits danken dem S.A.C. auf 's Angelegentlichste, daß er uns diesen Versuch ermöglichte, durch den wir auch ihm Ehre machen wollten. Die Frage der Einführung der Kunst, des malerischen Elementes in die Kartographie wird über kurz oder lang zu einer brennenden werden.

Wir hoffen auch, daß wir bei den rein wissenschaftlichen Kartographen nicht auf zu harte Kritik stoßen werden; wollen wir ja gerade die Curvenkarte zur allgemeinen Karte erheben, dadurch, daß wir das Verständniß für sie erleichtern.

Für jeden bestimmten Zweck wird man immer seine bestimmte Manier anwenden müssen; wer nament- lieh deutliche Waldlisièren etc. sehen will, dem dürfen wir allerdings nicht mit Luftperspective und dergleichen Dingen kommen; wer aber in erster Linie sein Land erkennen möchte, in seiner großen ganzen Erscheinung,, der wird uns dankbar sein, wenn wir ihm dazu verhelfen durch Anwendung der vornehmsten Mittel, die uns Überhaupt zu Gebote stehen.

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