Ueber einige Ortsbenennungen und Sagen des Eringerthales

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des Eringerthales

Von. 22ife.

jitine von den vielen Aufgaben unsers Clubs betrifft die Ortsbenennungen, deren richtige Schreibart, Vervollständigung und Herkunft, welche vielfach mit merkwürdigen Sagen in Verbindung steht. Auch nach diesen soll der Clubist forschen, bei Grossmütteiiein und ergrauten Sennen und Gemsjägern, aber man zögere damit nicht länger; denn auch in unsern abgelegensten Bergwinkeln verschwinden die Sagen immer mehr und mehr.

In Betreff der Ortsbenennungen sind selbst in unsern jetzigen, so vortrefflichen Karten, in den besten topographischen Werken überhaupt viele unrichtig geschrieben, andere fehlen ganz, und es ist beides besonders der Fall in dem in jeder Hinsicht so merkwürdigen Eringerthale ( Val d' Hérens ).

Viele Fehler in der dortigen Ortsbenennung stammen aus dem schwer verständlichen sogenannten Patois, das in Schrift oft kaum dem Laut ganz entsprechend wiederzugeben ist.

Es sei nur beispielsweise bemerkt, dass namentlich das Patois dieses Thales viele Kehl- und Hauchlaute besitzt. Die Doppellaute werden anders ausgesprochen als im Französischen; ai, ei, oi ungefähr wie im Deut- sehen, au oft fast wie ao u. s. w. Das i klingt manchmal wie e oder ei, das s wie das französische ch u. s. w. So hört man Chion, Chaillon, Chalin, Cheilon sagen für Sion, Saillon, Salin, Seilon u. s. w. Gleichwohl schreiben die Einwohner diese und andere Ortsnamen nicht mit ch, sondern mit einem S. An der Stelle des französischen ch hingegen finden wir das z. Damit ist 's aber nicht mehr bloss Sache der Ausprache.

Sie sagen z.B. zaté für château, zan für champ, zapé für chapeau u. s. w. Unrichtig ist 's, Chaté, Chan oder San etc. zu schreiben; das ist weder ganz französisch noch Patois. Man sollte also Zanrion ( Bagnes ) schreiben und nicht Chanrion, Zanfleu-ronChampfieuri, am Sanetsch ) und nicht Sanfleuron, auch Zermontana und nicht Chermontana etc.

Einige Lokalnamen haben auch im Laufe der Zeit die Form verändert oder sind zusammengeschrumpft. So ist aus dem Mont nuoble, dem Wolkenberg, ein Montnoble geworden und der schöne Namen des Baches und Thales von Nendaz, die Esperenza, die Hoffnung, hat sich in la Prinze verkrüppelt u. s. w.

Nach diesen allgemeinen Vorbemerkungen wollen wir nun unsere Rundschau halten über die Benennungen verschiedener Gipfel, Gräte, Gletscher, Alpen und Dörfer des Eringerthales.

Die Dent Blanche sei unser Ausgangspunkt. Es ist der schönste und höchste Gipfel des Eringerthales. Von ihr geht die Bergkette aus, welche dieses Thal vom Eifi-scher- und Reschythale trennt.

In dieser Kette reihen sich, von Süden nach Norden gehend, unter andern folgende Gipfel und Einsattelungen aneinander:

Auf die Dent Blanche folgen zuerst der Col de la Dent Blanche und der Grand-Cornier, unter dessen Namen jener Col auch bekannt ist.

Ferner:

Die Pointe de la Bricolla mit dem gleichnamigen Gletscher, von der Montagne ( Alp ) de la Bricolla also genannt. Abricolla ist unrichtig. Ueber dieser Alp ist auch noch der kleinen Spitze la Maya zu erwähnen, ein Namen, der in diesem Thale wiederholt vorkömmt.

Der Pointe de la Bricolla folgt die Pointe de Mourti, mit dem kleinen Gletscher dieses Namens, ebenfalls von einer Alp, der Montagne de Mourti genannt; sie ist auf den Karten namenlos, bloss mit der Höhenzahl 3570 m bezeichnet.

Nun kommt die Spitze, die auf den Karten den hübschen, aber unrichtigen Namen La Zatelana ( la châtelaine, die Kastelanin ) trägt. Eigentlich heisst sie etwas prosaisch Za-de-Vâno, von der an ihrem Fusse liegenden Alp ( deutsch Eselalp ). Za findet sich in diesem Thale bei sehr vielen Alpen, so die Za de Volovron, la Za d7Eisonr la Za de Vendes und. viele andere. Während man unter Montagne die ganze Alp überhaupt versteht, bildet die Za einen ( oft sehr hohen und wilden ) Theil derselben, mit dem Rechte, Rinder, Schafe, auch Maulesel ( Za-de-l'âno ) zu sommern.

Unsere Wanderung fortsetzend ", kommen wir nun zur Couronne de Bréonna und dem Col de Bréonna, von der Alp Bréonna ( nicht Bréona ) benannt. Dann zur Serra nëire, oft wie cherra neïre ausgesprochen und so auf den Karten geschrieben. Serra bedeutet eine Gipfel- oder Zackenreihe ( die Sierra der Spanier ), und wir haben also* auch hier die „ schwarzen Berge ".

Es kommt nun wieder ein Pass, der Col de Zatér über der Alp Zote ( franz. Château ). Im Eifischerthale heisst er Col de Zatelet, von der dortigen Alp Zatélet-Prâ

auch Col de Sombayna, von einem Staffel dieser Alp. ( Za télet und Präwaren früher zwei Alpen und sind in eine vereint worden. )

Zwischen den Cols de Zaté und de Torrent erheben sich einige Gipfel aus dem Grate, die auf den Karten namenlos sind; so die Pointe de Zaté, bei der Zahl 3083, und die Pointe de Preylet, bei 3004 m, von den Alpen dieses Namens benannt.

TJeber dem Col de Torrent erhebt sich die Sasseneire, was nichts anderes bedeutet als: der schwarze Fels, sasso nero. Am nördlichen Fusse derselben der

Pas de Lona, die seereiche Alp Lona, und über dieser die Becs de Bosson u.a.

Die letzten und nördlichsten Spitzen in der Ostkette des Eringerthales sind endlich:

La Maya, die Becca de Lovegnoz, dann der Maserey, der Mont Nuoble ( Wolkenberg ), bekannt als Mont Noble, und neben diesem der Mont Gautier über der Alp dieses Namens, unrichtig Gotière geschrieben.

Am Abhänge und Fusse dieser Kette sind noch folgende Ortsnamen zu berichtigen und zu ergänzen:

Salay, nicht Salés ( beim Ferpècle-Gletscher );

Mayens de Lassiores, nicht Latiore;

Cotter, nicht Cothère ( Alp unter dem Col de Torrent );

Mayens de Zandulin, nicht Près de Chandolin;

Trogne, statt Troyne;

Lovegnoz, statt Loveynoz;

Probe ( Schönmatte ), statt Pralet

bei St. Martin;

( dim. von Prä ) 1940;

Sivannes und nicht Chavan ( bei Mage ).

Der von der Sasseneire gegen Evolena ( Evolène ist

* ) Zatélet ( dim. von ZatéSchlösslein; Prä = Wiese, Weide. Schweizer Alpenclub.24

französisirt ) herabstürzende Bach heisst Torrent de Martemoz; der Bach zwischen Suen und Mage Torrent de Mannes, mit den Moulins de Mannes.

Bei 2507 ob Volovron ist die Za de Volovron, zwischen 2430 und 2360, unter der Maya, die Za de Lovegnoz u. s. w.

Bei Haudères gabelt sich das Eringerthal in zwei ISTebenthäler, beide mit ungeheuren Gletschermassen. Das östliche Nebenthal heisst

Val de Ferpècle, von der Alp Ferpècle, das westliche

Val de VAroila y das Thal der Arve ( arole, pinus cèmbra ).

Im erstem Thale sind die grossen Gletscher Ferpècle und Montminé, durch den felsigen Montminé von einander getrennt.

Ueber jenen führt der Col d' Hêrens nach Zermatt, nördlich der Tête Manche.

Die Dent d' Hérens .gehört nicht zum Eringerthal. In Evolena nennt man sie Dent de Bong, von einem dortigen Familiennamen, in Folge einer sagenhaften Besteigung. In Italien heisst sie Mont Tabor.

Die beiden Thäler von Ferpècle und Arolla sind durch die schroffe, wildgezackte Kette der Dents von einander getrennt.

Die nördlichsten Gipfel dieser Kette heissen:

Petite Dent de Veisivi, 3187 m, und

Grande Dent de Veisivi, 3425 m. Die Bezeichnung grande et petite Dent de Veisivi wird in Folge optischer Täuschung unpassend oft in verkehrter Weise gebraucht, indem man die vordere, niedrigere la grande Dent nennt.

In St. Martin nennt man beide zusammen Becca dei peiroz ( becca = Bergspitze, peiroz = Paar ).

In den Karten steht unrichtig Pointe de Visivir, Véjui etc.

Am Fusse der petite Dent liegt die Alp Veisivi, was von veisivic ( parc des chèvres ) stammt. Yeisic heisst die Ziege im Backfischalter * ).

Zwischen diesen beiden Dents de Veisivi ist der Col de Zarmine, 3062 m, von welchem das Gletscherlein La Biegnette gegen Ferpècle abfällt. Biegnette ist das Diminutiv von Biegno, Gletscher.

Kühn schwingt sich über die Dents de Veisivi, mit denselben eine herrliche Partie bildend, die

Dent Perrocempor, d. i. der steinerne Zahn ( das Steinighorn ). Von ihr stürzt jäh der Glacier de Zarmine herunter auf die Alp Zarmine ( bei 2349 ), welche auch jenem Col den Namen gibt.

Weiter südwärts folgen in derselben Kette: Die Dent de Zallion, bei 3518 m über den Mayens dieses Namens, dann die sehr scharf gespitzte

Avuüetta ( Aiguillette ) de la Za, über Alp und Gletscher La Zadie Dauva blantz, d. i. der weisse Gratmit gleichnamigem Gletscher, und tiefer als Vorposten gegen Arolla noch eine Maya.

Nun folgen die Dents de Bertol, mit dem Col de Ber iol, zwischen den Spitzen 3628 und 3507,. und dem Bertoletscher.

* ) Vorher heisst die Ziege zevrec, nachher als erwachsene Ziege zevra. So heisst auch der junge Stier im ersten Jahre anor, im zweiten tor, im dritten trator.

Man würde noch richtiger Pirroc schreiben; pirra der Stein. Die Aussprache lautet zwischen e und i.

Dauva ist Fassdaute ( franz. douve ), in der Jägersprache aber auch Thiergrat ( Gemsengrat ). Blantz, weiss.

24* Endlich kommen die drei auf den Karten unbenannten Dents des Bouquetins ( 3536, 3783, 3848™ ) und an deren südlichem Fusse der Col du Mont Brûlé.

Oestlich von ihnen ( v. 3783 ) der Col des Bouquetins.

Diese Gegend sei früher sehr reich gewesen an Steinbocken, daher die Benennung Dents des Bouquetins ( Steinboekhörner ).

Vom Col du Mont Brûlé steigen wir nun hinab auf die weite Fläche der vergletscherten Za-de-Zan, in den Karten ganz unrichtig und verdreht les champs ( zan ) de chau genannt. Sie bildet den Hintergrund des grossen Aroila- Gletschers.

Dieses Eisthal wird südwärts vom Mont Brûlé mit der Aiguille de VAurier noire überragt. Westwärts thürmt sich darüber ein sonderbares Gipfeltrio:

der Mont Collon ( nicht Colon ), eine imposante Fels-massedann zwischen zwei tiefen Einschnitten ein namenloser, ungemessener Gipfel und über Za-de-zan der Eveque, bei 3738 m. So nennen ihn die Hirten von Prä gras und andern höhern Alpen, weil er von da aus einer Mitra ähnlich sieht. Unten von den Mayens de VArolla aus gesehen, duckt er sich gar sehr hinter dem Collon und heisst dort le Petit Mont Collon * ), wohl unpassend, da er fast 100 m höher ist als der Mont Collon ( Grand Mont Collon ). Hinter dem Evoque ein Col, der von ihm den Namen erhalten hat ( Col de VEveque ) und in dessen Nähe der altbekannte, von den Evolenern viel besuchte Col de Collon.

Ueber dem untern Ende des Glacier de l' Arolla, neben dem Abstürze des Glacier de Vuibez, erheben sich noch die Vuinietfe 3200 m ( auf den Karten unbenannt ) und der Vuibez und hoch darüber thront der

Pigno de l' Arolla.

* ) Nicht zu verwechseln mit der Spitze 8545 der Karten.

Von ihm senken sich zwei Gletscher gegen Arolla herab, der Glacier de Pièce oder Torgnon und der Biegno ( Glacier ) de la Zigiore-nouve. Cigorenore ist unrichtig, La Zigiore ist die Sennhütte, nouve = neu. ( Giétroz hingegen entspricht dem französischen les gîtes, Nachtlager, Ställe für 's Vieh; daher Glacier de Ziêtroz in Bagnes Gétroz ist verderbt ).

Zwischen dem Pièce- und Zigiore-nouve-Gletscher, die beide auffallend abgenommen haben, senkt sich vom Pigno ein Felskamm ab, der Loitecondoi genannt wird. Vom Gletscher de Pièce kömmt man über den Col de Zer-mortana auf den gewaltigen Gletscher Hautemma, was die hohe Amme bedeute, die Ernährerin vieler Gewässer. In den Karten u. s. w. hat sich das unvollständige Otem- ma eingebürgert.

Ein würdiger Nachbar des Pigno jenseits der Cols de Breney und de la Serpentine ist der

Montblanc de Sèilon. Er hat wie der Col und Glacier de Seilon den Namen von der Alp Salon, im Hintergrunde der Val des Dix. Diese Alp sei einst so fett gewesen, dass jede Kuh beim Melken das Melkfass füllte, woher diese Alp den Namen erhielt, denn Seilon heisst Melkfass. In den Karten steht unrichtig Cheilonman hört zwar oft Cheilon aussprechen, nicht aber Cheillon, und in allen Alpenakten steht Seilon geschrieben.

Mit dem wichtigen Knotenpunkte Pigno de l' Arolla beginnt die Westkette des Arolla- und Eringerthales.

Wir nennen in derselben, ebenfalls von Süd nach Nord gehend:

Nach dem Pigno den Zinareffien, den Pas des Chèvres, den Pas de Riedmatten, nördlich darüber den Mont rouge; den Mont Dolltn, neben diesem den Mont de Guiza ( auf den Karten unrichtig Gyea ) und dann la Roussette; — den Glacier des Ignes, von welchem die Cascades des Ignes 160 m tief hinabstäubt in den Hintergrund der Alp Loussey ( Aussprache Louehey ).

In dieser Alp liegt zwischen Alprosen verborgen ein lieblicher See, la Gdillê pair genannt ( Lac bleu, GoïlléSee, auch Pfütze, französisch gouille. pair = blau ).

Ueber der Alp Loussey erheben sich die unheimlichen Felsgestalten der Aiguilles rouges, mit dem Gletscher gleichen Namens am östlichen Abhänge. An ihrer Westseite über Yal des Dix ist der Glacier de Darbonneire* Derbonneyre ist unrichtig.

Im Grate von Darbonneïre sind die Pointe und der Col de Darbonne'ire zu erwähnen, beide auf den Karten nicht angegeben. Letzterer führt von Evolena nach Val des Dix. Ihre Lage ist zwischen den Aiguilles rouges und der weissen

Pointe de la Vouasson.

In der Nähe der Mont de l' Etoile, der einen Kamm bildet und dessen höchste Punkte sich bei 3333 m und 3375 m befinden und nicht bei 2932™.

Der nördliche Ausläufer dieses Kammes heisst la Mell de la Nivaz von dem Montagne de la Nivaz, auch Dent d' Arbey von der Alp Arbetj ( nicht Arbès ).

Unter dem Mont de l' Etoile sind die Montagnes de la Crettaz, de la Contaz etc.

Der Grat ist sehr zertrümmert, was durch la Mell ( alt, Patois ) bezeichnet wird.

Von der Pointe de la Vouasson stürzt der Glacier de la Vouasson in das interessante Seitenthälchen des Merdasson, d.h. des ( von schwarzen Glanzschiefern oft ) schmutzig gefärbten Baches, der bei Lannaz ( Langna ist unrichtig ) in die Borgne mündet. In diesem Thälchen sind die Alpen: la Vouasson, la Meïna und Arzinol.

La meïna heisst Bergwerk ( mine ). Nach einer Sage aber stammt der Name dieser Alp von la Meindra; ein Vater hinterliess nämlich seinen drei Kindern drei Alpen, Vouasson dem erstgebornen Sohne, Arzinol dem zweiten und die dritte Alp der Tochter à la meindra, d.h. der Geringsten. Man sagt dort noch:

Vouasson le coraillon, Arzinol fait encor, La Meïna la meindra.

Doch soll La Meïna jetzt nicht mehr die Geringste dieser Alpen sein.

Als versöhnendes Pendant zur Zurücksetzung der Kinder weiblichen Geschlechts bei der Erb vertheilung sei hier aber auch erwähnt, dass ein anderer Vater seiner guten Tochter, à la sage, die Gegend über Evolena gab, wo jetzt das daher benannte Dorf La Sage steht.

Von der Alp la Meïna hat der Col de la Mèina seinen Namen ( Maigna ist falsch ). Man nennt ihn auch Col d' Arzional. Nördlich darüber erhebt sich der Gipfel Sex blanc ( die weisse Fluh ), auch unter dem Namen Pic d' Arzinol bekannt. Noch nördlicher die Pointe de Mandelon, von der Alp Mandelon im Her eme nee-Thale. Man-dalon ist falsch ( auch sollte es dort nicht Maqueblan, sondern Marquéblan heissen u. s. w. ).

Zwischen Evolena und Vex, dem Hauptorte, sind westlich der Borgne noch einige Localnamen zu berichtigen:

Vendes, nicht les Vendes, Alp de Vmides, nicht des Vendes, dort die Za de Vendes,

Crettaz es Flans, nicht Crettaz des Plans,

Useigne, nicht Enseigne,

Sauterot, statt Chauderon,

Hêremence, und nicht Hèremence u. s. w.,

Mit diesen beiden letztgenannten Orten sind wir an der Mündung des Heremence-Thales angelangt. Wir haben dasselbe mehrmals en passant berührt und eben die vom Pigno de l' Arolla ausgehende Bergkette durchlaufen, die es vom Eringerthale trennt.

Der Hintergrund des Thales von Héremence trägt den Namen Val des Dix, von zehn Räubern, die laut der Sage einst dort hausten und bis gegen Evolena herüber herrschten.

Daher trägt auch der Thalfluss den Namen La Di-xense.

Der Montblanc de Seïlon bildet den Schlussstein des Thales. Von da zieht sich die Kette weiter, welche das Thal von Héremence von den Thälern von Bagnes und Nendaz trennt, mit mehrern Pässen, Gletschern und hohen Gipfeln, wie der Mont Pleureur, La Halle, Le Parrain, die Rosa blanche, der Métallier ( von der Alp Metall benannt ) und viele andere.

Der Schlussgrat dieser Kette trägt die Namen: Crête d' Esserce, 2408 und 2328 m, über der Alp und dem Seelein Esserce ( Esserse ist fehlerhaft ), und zuletzt Crête de Thyon, bei 2484 m, ob der Alp Thyon ( nicht Tion ). Auf den Karten sind diese beiden Höhen namenlos.

Damit wollen wir unser trockenes Namensregister schliessen, um die clubistische Geduld nicht länger zu missbrauchen. An das bereits Erwähnte anknüpfend, wollen wir zum Schlüsse noch einige Sagen folgen lassen.

Das Eringerthal ist sehr reich an Sagen: Feen, gute und böse Geister, Gespenster, Ungethüme jeder Art, auch verborgene Schätze und Räuber, selbst König und Prinzessirufehlen nicht.

La Cavernes des F dies d' Arzinol ist, wie die Sage erzählt, von Feen mitten in eine luftige Felswand hineingebaut und lange Zeit von ihnen bewohnt worden.

Auch im Torrent de Martemoz wohnte eine Fee; sie besass in der dortigen sonderbaren Felspyramide unermessliche Schätze und verhiess einem Weibe, dass Einer aus der Familie Quarroz in Evolena den Schlüssel zur Pyramide unter einem nahen, verdorrten Wachhol derbusch finden werde. Der Letzte der dortigen Quarroz aber starb, ohne Schlüssel und Schatz geholt zu haben.

Eine Menge von Ungeheuern hausten in der Luft, auf den Bergen, im Thale.

La Vuivra heisst ein Ungethüm mit einer Krone von Diamanten, Flügeln von Feuer und dem Körper eines Drachen. Sie haust abwechselnd in den Alpseen von Lona, von Larduzan und von Esserce. Im Winter frieren diese Seen zuim Frühling hört man dann ein fürchterliches, unheimliches Krachen in der Tiefe: das thut die Vuivra, die das Eis durchzubrechen sucht, um nach einem andern dieser drei Seen zu fliegen. Im Fluge zieht sie einen langen Feuerschweif hinter sich her. Ihre Nahrung besteht aus Goldsand, der den Grund dieser Seen decke.

Der Gratzug, la Synagogue, zieht auch in diesem Thale über Berge und Gräte.

Durch die Lüfte jagt der wilde Reiter, le Cavalier; man hört dann deutlich Hufegestampf und Wagengerassel.

Nachts bei Mondschein ziehe die Todtenprozession, la procession des morts, herum. Man will eine solche gesehen haben, die sich von der Kapelle La Garde bis nach Vex ausdehnte. Wer ihr begegnet, ist gleich in kleine Fetzen zersägt;

wer sich aber in.den Schatten eines Baumes flüchten könne, dem vermöge sie nichts anzuthun.

Ueberhaupt gibt 's von den Revenants eine Menge unheimlicher Geschichten.

Bisweilen komme zu nächtlicher Zeit ein verstorbener Senne ( Pater ) in seine ehemalige Alp, gebe dem Vieh, das in der Remoinze ( im Staffel ) versammelt ist, aus seiner angehenkten Gelecktasche zu lecken und gehe dann bergab; die ganze Heerde folge ihm nun, die Reina ( Königin bei den Kühen ) voran. Wem es gelinge, einen Stock oder sonst etwas Körperliches vor die Heerde zu werfen, der könne das Weiterlaufen derselben verhüten. Wenn also Nachts die Kühe plötzlich unruhig werden und fortrennen, dann sei der Pater da gewesen.

Zu den Ungethümen des Eringerthales gehört ferner der sogenannte rothe Stier, welcher so fürchterlich brülle, dass die Küchengeräthschaften wackeln. Ihm folge stets ein kleiner schwarzer Hund ( der Teufel ).

Bisweilen ziehe auch ein ungeheuerliches Mutterschwein herum, welchem zwölf Ferkel nachfolgen.

Auch Schlangenbanner scheinen dieses Thal besucht zu haben. Das Arollathal ist reich an Schlangen, aber keine darf über die Brücke von Pralovin; sie sind des Todes, wie sie dieselbe berühren. Daher keine Schlangen auf Veisivi.

Die Vergletscherungs-Sagen kommen hier auch wie in andern Gegenden vor. Von manchen Gletschern wird erzählt, sie hätten einst schöne, grüne Alpen begraben. Daher kommt der Name des Gletschers Prâ fleuri, d.h. Blummatt, Blümlisalp unter der Rosa blanche ( Héremence- Thal ). Daher auch die Za-de-zan und andere.

Eigenthümlich ist folgende Sage über das Vorrücken der Gletscher:

An der Stelle des grossen Ferpècle-Gletschers war einst die schöne, blumenreiche Alp Montagne de Leisette. Der Montminnê dort war das Schloss eines Königs, des Be Bor ah und seiner schönen Tochter. Noch sehe man da Treppen, Eingang, Gänge; daher der Name des Berges. Das Kälterwerden des Klimas wurde bereits befürchtet, wie es scheint; denn Re Borah hatte seiner Tochter dringend befohlen, ihn zu benachrichtigen, sobald das Eis den Wasserbehälter ( le bassin ) decken würde. Die Prinzessin vergass es und wurde dafür vom Yater in den Grund des See's von Lona verflucht, wo sie noch jetzt als Sirene hause und ihrer Erlösung harre. Die Alp aber verschwand alsbald unter ewigem Eis.

Es ist nun Sache der Alpenclubisten, die Prinzessin zu erlösen und den Schatz der Fee von Martemoz zu heben.

Man hüte sich aber, in den Bergen gewissen blutigen Fusstritten im Schnee zu folgen: sie führen unfehlbar zum Verderben.

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