Über Talbildung In den Alpen

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( Eine Entgegnung an Herrn Ä. Ludwig. )

Dr. F. Nußbaum ( Sektion Bern ).

Von Mit 12 Textbildern und 1 Vollbild.

Vor einigen Jahren habe ich in einer geographischen Studie „ Die Täler der Schweizeralpen"1 ), gestützt auf einschlägige Literatur und eigene Beobachtungen, ausgeführt, daß die meisten Alpentäler ein stark gestuftes, also unausgeglichenes Längsprofil und einen trogförmigen Querschnitt besitzen und daß die Haupt- täler gegenüber den Seitentälern „ ü b e r t i e f t " sind, indem letztere in der Regel eine ausgeprägte Stufenmündung aufweisen. Diese eigentümlichen Formen wurden, nach dem Vorgang hervorragender Forscher, als Erosionswirkungen der eiszeitlichen Gletscher erklärt. Neben der Tätigkeit des fließenden Wassers soll also auch die Gletschererosion einen erheblichen Anteil an der Ausgestaltung der Alpentäler gehabt haben. Dem Text waren zur besseren Veranschaulichung zahlreiche Abbildungen, Längs- und Querprofile und ausgewählte photographische Ansichten von F. Rohr und H. Mettler, beigefügt. Von gleichen Gedankengängen ließ ich mich auch bei der Abfassung der Abhandlung über die „ Tal- und Bergformen des Vispgebietes " leiten, die im 46. Bd. des Jahrbuchs des S.A.C. erschien; auch diesmal stellte mir Herr F. Rohr in Bern seine prachtvollen Aufnahmen freundlichst zur Verfügung.

Wie es scheint, sind die beiden Abhandlungen von den Klubgenossen beachtet worden; sie haben wohl auch anregend gewirkt, allerdings in einem Fall in einer Weise, die nicht ohne weiteres zu erwarten war. Da geht Herr A. Ludwig, Mitglied der Sektion St. Gallen, ebenfalls ins Vispgebiet, beobachtet die gleichen Tal-und Bergformen, illustriert seinen Aufsatz 2 ) ebenfalls mit prächtigen Bildern von Herrn Rohr — gelangt aber in jeder Hinsicht zu ganz anderen ErgebnissenEin anderes Mal besucht Herr A. Ludwig die Gruppe des Piz Linard3 ), betrachtet auch hier mit kritischem Auge jede Eigentümlichkeit der Täler und Gletschermulden 1 4 T I und sucht sie auf eigene Art zu erklären. Dabei läßt es Herr A. Ludwig nicht bei der Betrachtung der lokalen Verhältnisse bewenden, sondern gelangt zu allgemeinen Kernsätzen, wie beispielsweise zu den folgenden: „ Ich halte jetzt die bequeme und bestechende Theorie von der glazialen Erosion für einen der großartigsten und merkwürdigsten Irrwege, die eine Erfahrungswissenschaft je gegangen ist. " ( Jahrbuch 48. Jahrgang, pag. 56. ) Ferner: „ Die bestechende Lehre von der Glazialerosion läßt sich überhaupt nicht halten. Sie schlägt den Tatsachen direkt ins Gesicht..., mit einem Worte, sie steht im Widerspruch mit den zu beobachtenden Landschaftsformen. " ( Jahrb., 49. Jahrg., pag. 216. ) Herr A. Ludwig bekennt sich als Schüler von Prof. Alb. Heim1 ), der immer und immer wieder betont hat, daß sich die heutigen Formen des alpinen Landschaftsbildes bzw. der Alpentäler durch die Wassererosion befriedigend erklären lassen. Der Verfasser vertritt dagegen die von Ed. Richter, A. Penck, W. M. Davis und E. Brückner aufgestellte Lehre von der Glazialerosion, nach der, wie bereits angegeben, auch die mächtigen Gletscher der Eiszeit eine bedeutende Wirkung bei der Gestaltung der Alpentäler gehabt haben2 ).

Es stehen sich also heute noch zwei verschiedene Auffassungen gegenüber. Welcher von beiden ist nun der Vorzug zu geben? Wem sollen die Schweizer Klubisten glauben? Doch wohl einem der ihrigen, vor allem dem Altmeister Heim, der in lebenslanger Forscherarbeit das Alpenge- birge besser kennt als jeder andere; dann auch Herrn A. Ludwig, der sich als Bergsteiger und Naturforscher einen Namen gemacht hat. Überdies werden die Alpenklubisten eher den Vielerfahrenen und Ergrauten glauben als dem jüngeren Klubgenossen, der die Berge vielleicht mehr nur aus den Büchern kennt! Wenn der Verfasser, als dieser Jüngere, es trotzdem wagt, seine Meinung hier zu verfechten, so geschieht dies aus folgenden Gründen:

Erstens hat die Lehre von der Gletschererosion in wissenschaftlichen Kreisen, namentlich unter den Geographen aller Länder, eine große Zahl von Anhängern gefunden und sie an allen schweizerischen Hochschulen vertreten.

Als Privatdozent der Geographie, speziell Morphologie, an der Universität Bern, hat der Verfasser seit 10 Jahren diesen Problemen seine volle Aufmerksamkeit geschenkt und nicht nur einen großen Teil der Schweizeralpen durchwandert, sondern auch andere Gebirgsländer, wie Norwegen, den Apennin, den algerischen Atlas, das Felsengebirge und die Sierra Nevada in Nordamerika, bereist3 ).

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Zweitens glaube ich annehmen zu dürfen, daß sich Herr A. Ludwig auch diesmal belehren lassen werde, da er, wie er selber bekennt, ja schon früher seine Meinung zugunsten der Tatsachen geändert hat1 ).

Drittens glaube ich nachweisen zu können, daß Herr Ludwig in der Auslegung seiner Beobachtungen von Irrtümern nicht frei ist und gelegentlich ohne gründliche Prüfung neue Behauptungen aufgestellt hat.

Viertens hoffe ich, daß auch andere Klubgenossen, die gewohnt sind, beobachtend und denkend die Alpentäler zu durchwandern, durch die folgenden Auseinander- setzungen angeregt werden, die Tatsachen mit den Theorien zu vergleichen diese auf ihre Richtigkeit zu prüfen.

Herr A. Ludwig behauptet:

1. „ Die Lehre von der Glazialerosion schlägt den Tatsachen direkt ins Gesicht; sie steht im Widerspruch mit den zu beobachtenden Landschaftsformen; sie erklärt nicht die reiche Talverzweigung. "

Dazu habe ich zunächst zu bemerken, daß die Lehre von der Glazialerosion aus der Notwendigkeit entstanden ist, die eigentümlichen Tatsachen in der Gestaltung der Alpentäler logisch zu deuten. Ferner ist zu sagen, daß weitaus die meisten Anhänger der Glazialerosion dem fließenden Wasser die größere Bedeutung bei der Bildung der alpinen Täler zuerkennen als den eiszeitlichen Gletschern, daß insbesondere die reiche Talverzweigung auf die Flußerosion zurückzuführen sei, wie hiernach noch näher angegeben werden soll.

Ein Blick auf jede gute Übersichtskarte der Schweiz ( Dufourkarte oder Generalkarte ) lehrt, daß die Alpen außerordentlich stark durchfurcht und durchtalt sind und daß jedes Talsystem eine reich gegliederte Verästelung aufweist. Den großen Flüssen strömen zahlreiche Nebenflüsse zu, die ihrerseits wiederum aus einer großen Zahl von Quell- und Seitenbächen hervorgehen. Zwischen der Größe dieser Gewässer und der Breite und Tiefe der Talfurchen besteht im allgemeinen ein gerades Verhältnis: je größer ein Fluß ist, desto weiter und flacher ist das Tal, das er durchströmt; je kleiner der Bach, desto schmäler und steiler ist sein Tal. Talengen und Weitungen sind in der Regel vom Charakter der Gesteinsschichten abhängig, die durchschnitten wurden: in harten treffen wir Engen, in weichen Weitungen an.

Es kann demnach kein Zweifel über die Ansicht bestehen, daß die Alpentäler ihre Entstehung in erster Linie den Wirkungen des fließenden Wassers verdanken. Die im allgemeinen mit der Länge zunehmende Weite und Tiefe der Täler und die bis ins kleinste gehende Talverzweigung beweisen, daß die Talbildung in den Alpen schon außerordentlich lange angedauert hat und daß durch die normalen Abtragungsvorgänge, Verwitterung, Abspülung und Flußerosion, ganz ungeheure Gesteinsmassen fortgeführt worden sind. Nirgends sind breitere Flächen der ursprünglichen Oberfläche der Alpen mehr vorhanden.

Überall erheben sich zwischen benachbarten Tälern zugespitzte Kämme oder messerscharfe Grate, ähnlich wie solche auf der Abbildung 1 zu erkennen sind, die ein Diagramm der Niesenkette darstellt. In den zentralen Teilen reichen auch die höchsten Spitzen nicht mehr bis zur ursprünglichen Oberfläche hinauf; dort sind Schichten von mehreren tausend Metern abgetragen worden. Die Abtragung hat gerade die höchsten Teile der Alpen am stärksten angegriffen, obwohl diese heute noch die höchsten sind, und durch mechanische Verwitterung, Abspülung und Wassererosion sind gewaltige Gesteinsmassen entfernt worden. Was noch dasteht, stellt den kleineren Rest des ehemaligen Gebirgskörpers dar. Die Talbildung ist sehr weit fortgeschritten; sie ist keine jugendliche mehr, sondern eine völlig ausgereifte. In allen Gebirgen, in denen die Talbildung die Reife erlangt hat, wie im Napf-gebirge1 ) ( siehe Abbildung 2 ), im Apennin8 ), in den Karpathen u.a., treffen wir übereinstimmende Merkmale an:

« 1. Die Flußläufe besitzen ein ausgeglichenes Gefälle.

2. Die Seitentäler münden gleichsohlig in die Haupttäler ein, und 3. Die Abhänge sind im allgemeinen gleichmäßig abgeböscht; größere Steilheiten finden sich auf härteren Gesteinsbänken, ebenso Talengen. In der Regel besitzen solche Täler ein V-förmiges Querprofil, namentlich im Mittel- und Oberlauf, während im Unterlauf fast stets ein ebener Talboden vorhanden ist. Dieser nimmt talaufwärts gleichmäßig an Breite ab.

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Diese Merkmale beruhen auf den Gesetzen der Flußerosion 1 ). Jeder Fluß hat das Bestreben, seinen Talweg mit seinem Volumen und seiner Kraft ins Gleichgewicht zu setzen: Je größer die Wassermenge, um so geringer ist, relativ genommen, die Reibung, um so mehr Kraft wird frei zur Erosion und zum Transport von Gerollen. Daher beginnt jeder Fluß, jeder Bach, jedes Bächlein von unten an sein Bett einzuschneiden und ein ausgeglichenes Gefälle zu schaffen. Diese Tatsache ließ sich besonders deutlich im Jahre 1714 feststellen, als die Kander in den Thunersee geleitet wurde, wobei an der Mündung zuerst ein starkes Gefälle bestand. Sehr rasch schnitt der Fluß in die Tiefe, wusch eine 40 m tiefe Schlucht aus und erodierte viele km weit talaufwärts, ein neues, tiefes Bette bildend, bis ein ausgeglichenes Gefälle hergestellt war. Stets ist im Anfang bei starkem Einschneiden das Flußbett schmal und schluchtartig, wie Abbildung 3 zeigt; allmählich werden die Gehänge durch die Abspülung abgeböscht; das Tal erhält ein V-förmiges Profil ( vergleiche Abbildung 4 ). Im Oberlauf, wo die Wassermenge klein ist, ist die Reibung relativ groß; daher kann dort das Wasser keine starke Stoßkraft entwickeln; deshalb ist dort das Gefälle immer am größten, während es flußabwärts mit zunehmendem Volumen abnimmt. Daraus ergibt sich also das Gesetz: Je größer die Wassermenge, um so schwächer ist die Neigung des Talweges; je kleiner die Fig. 3. Enges Flußtal.

( Schlucht der Emme. ) Wassermenge, um so steiler ist das Tal. Kein Fluß kann sein Bett tiefer einschneiden, als der Spiegel des Sees liegt, in den er mündet. Der Seespiegel ist seine Erosion sb a s i s; ebenso ist die jeweilige Höhe des Hauptflusses die Erosionsbasis der Seitenflüsse an ihrer Mündung. Wenn die Flüsse ihr Gefälle nahezu ausgeglichen haben, sie also nicht mehr in die Tiefe schneiden, beginnen sie an den Außenseiten der Krümmungen den Talhang zu unterschneiden und auf diese Weise einen breiten Talboden zu schaffen 2 ). Solche Verhältnisse sind auf der Fig. 5 angedeutet; die breiten Flußtäler besitzen dann ein kastenförmiges Querprofil.

rigen Merkmale der Reife zu finden. Dem ist aber nicht so; im Gegenteil lassen sich folgende eigentümliche Tatsachen feststellen:

1. Kein Tal hat ein ausgeglichenes Gefälle; alle zeigen ausgesprochene Stufen.

2.Die meisten Seitentäler münden mit Stufen in die Haupttäler ein.

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3. Viele Alpentäler haben einen trogförmigen Querschnitt; über den sehr steilen seitlichen Talhängen dehnen sich in bedeutenden Höhen breite, weniger steile Ge-hängestücke aus, hohe Terrassen, wie bei Wengen und Mürren zu beiden Seiten des Lauterbrunnentales oder die Haslibergterrasse im Aaretal bei Meiringen. ( Vergleiche Fig. 6. ) Der Taltrog hört in vielen Tälern plötzlich mit einer breiten, halbkreisförmigen Steilwand auf, dem Trugschluß1 ).

Wie lassen sich diese Erscheinungen erklären?

Nach der Auffassung von Prof. A l b. Heim und L. R ü time y er2 ) würden sich die Vorgänge folgendermaßen abgespielt haben: Im Laufe langer Zeiträume sind durch Verwitterung und fließendes Wasser breitsohlige, ausgeglichene Täler entstanden. Hierauf hat das gesamte Gebirge eine bedeutende Hebung erfahren; infolgedessen wurden die Flüsse veranlaßt, neu einzuschneiden. So entstand zunächst in jedem breiten Talboden ein schmaler, tiefer Einschnitt, wie Fig. 7 zeigt, der durch rückschreitende Erosion des Hauptflusses allmäh- lieh weit talaufwärts rückte. Wo er aufhörte, bildete sich eine Talstufe.

Weil die Hauptflüsse mehr Erosionskraft besaßen als die Seitenflüsse, so schnitten sie rascher ein als ihre Zuflüsse, die infolgedessen mit Stufen in die Haupttäler einmündeten. Zu beiden Seiten des neuen Tales blieben Stücke des alten Talbodens als Terrassen stehen ( siehe Fig. 7 ). Nach und nach erweiterte der Fluß sein neues Tal, so daß die Stücke des früheren Talbodens, also die Terrassen, immer schmäler wurden. Dieser Vorgang ist auf Fig. 8 dargestellt. Nach einer längeren Periode erfolgte eine nochmalige Hebung des ganzen Gebirges; daher trat ein nochmaliges Einschneiden der Flüsse ein; wieder kam es zu Terrassen- und Stufenbildung. Diese Vorgänge sollen sich Fig. 6. Trogtal mit Trogschluß.mehrmals wiederholt haben. Prof. Heim findet in den Gebieten der Reuß, der Linth und des Rheins 5 verschieden hohe Terrassensysteme3 ). ( Seine Schüler haben eine noch größere Zahl — bis 17 — alter Talböden feststellen zu können geglaubt. ) Diese Theorie hat ohne Zweifel ihre volle Berechtigung in den Erosionslandschaften, wo ausschließlich das fließende Wasser tätig gewesen ist, wie im Napfgebiet; sie erklärt jedoch die trogförmigen Täler der Alpen und die breiten Trogschlüsse nicht restlos, ebensowenig die Stufenmündungen der Seitentäler und die Ungleichartigkeit in der Höhe und Breite der hohen Terrassen. Bis ein Hauptfluß sein Bett so stark verbreitert hat, wie wir es in vielen Alpentälern wahrnehmen, müßten sich auch die Seitenflüsse auf das Niveau des Hauptflusses eingeschnitten Über Talbildung in den Alpen.

und ein ausgeglichenes Gefälle erreicht haben, wie auf Abbildung 8 ( ein Diagramm des Emmentals ) dargestellt ist. Dies trifft jedoch in den Alpen nicht zu; denn die meisten Seitentäler münden mit deutlichen Stufen in die breiten, „ übertieften " Haupttäler ein. Solche Stufenmündungen sind nicht nur da vorhanden, wo eine harte Gesteinsbank der Tiefenerosion großen Widerstand entgegensetzt, sondern auch in den Zonen weicher Gesteine, so z.B. im Flyschgebiet 1 ).

Daraus ergibt sich, daß die Lehre von der Flußerosion, logisch angewendet, den Tatsachen nicht gerecht wird. Dagegen läßt sich die „ Ü b e r t i e f u n g " der Haupttäler durch die Annahme erklären, daß sie von den mächtigen Gletschern der Eiszeit, deren Existenz nicht bestritten werden kann, bewirkt worden sei. Viele Forscher haben festgestellt, daß sich die Ausdehnung der alten Gletscher mit der Verbreitung der übertieften Haupttäler deckt. Die Gletscher der Eiszeit besaßen zu ver- schiedenen Epochen eine ganz gewaltige Mächtigkeit, wie man aus der Lage von erratischen Blöcken schließen muß. Große Alpentäler sind um 600—800 m übertieft; das macht aber nur etwa den vierten Teil der gesamten Taleintiefung aus; vertikal gemessen, hat das fließende Wasser eine mehrfach größere Abtragungsarbeit geleistet als die diluvialen Gletscher.

Aus obigen Angaben dürfte hervorgehen, daß einerseits die Lehre von der Gletschererosion den Tatsachen gerecht zu werden sucht, und anderseits die Forscher, die sie vertreten, die Bedeutung der Flußerosion wohl einzuschätzen wissen. Wenn also Herr A. Ludwig behauptet, daß die Lehre von der Gletschererosion die Talverzweigung nicht erklären könne, so ist ihm zu entgegnen, daß kein ernst zu nehmender Mor-phologe eine derartige Auffassung verrtreten hat; Herr Ludwig möge die Ausführungen von Ed. Richter2 ), A. Penck3 ) und Ed. Brückner4 ) nachlesen: Überall wird die Ansicht geäußert, daß die Talbildung in den Alpen bereits die Reife erlangt hatte, als die Eiszeit begann.

2. Herr A. Ludwig behauptet ferner, die „ oft betonte Trogform sei oft nur eine scheinbare, die halbzylindrische Hohlform werde durch die am Fuße der Berg- seiten liegenden gewaltigen Schuttmassen vorgetäuscht ". In Wirklichkeit sei das Querprofil mehr oder weniger V-förmig. Als Beleg seiner Behauptung führt er die Taltröge von Randa und Saas-Grund und das Lötschental an und bringt gute Ansichten der beiden letzten, auf denen das U-Profil deutlich hervortritt.

Herr A. Ludwig gibt also zu, daß die Trogform vorhanden ist; er glaubt jedoch, sie anders deuten zu sollen, als dies von einer großen Zahl von Forschern geschehen ist. Es trifft zu, daß in den meisten Trogtälern der Fuß der Trogwände von mächtigen Schuttmassen bedeckt ist, von Wildbachschuttkegeln, Lawinenschutt und Absturzschutt. Allein in den meisten Trogtälern konnte die Trogform auch im felsigen Untergrund nachgewiesen werden, z.B. an mehreren Stellen des Haslitales und seiner Nebentäler; so zeigt auch das Vollbild zu pag. 142 eine schön ausgeprägte Trogform im Protogin-Granit des Die c h ter t a l e s. Überall finden sich am Boden und an den Wänden solcher Trogtäler Gletscherschliffe; daraus ergibt sich, daß die Trogformen mit den ehemaligen Gletschern in Beziehung gestanden haben. Die Taltröge waren von mächtigen Eisströmen angefüllt, die abschleifend und aushobelnd gewirkt haben. Da nun die Taltröge weder nach Längs- noch nach Querprofil Talformen des fließenden Wassers darstellen und überdies stets da auftreten, wo die Täler „ übertieft " sind, so müssen sie durch die Gletscher ausgehobelt, ausgeschliffen worden sein. Dabei ist zu beachten, daß, wie Fig. 6 zeigt, ein altes, „ präglaziales " Tal schon vorhanden war und daß in vielen Fällen ein neuer, schmaler Taleinschnitt des Flusses dem vorstoßenden Gletscher den Weg gewiesen hat1 ).

Außer von den hiervor angeführten ausländischen Forschern sind die Trogtäler auch von vielen Schweizern erkannt worden. Vorab führe ich den verstorbenen Geologen F. J. Kaufmann von Luzern an, der bereits 1872 auf den bedeutsamen Unterschied zwischen den Flußtälern und den alten „ Gletschertälern " aufmerksam gemacht hat; ferner sind zu nennen Prof. J. Früh und Prof. A. de Quervain in Zürich, Prof. Walser in Bern, Dr. O. Frey und Dr. S. Blumer in Basel, Prof. E. Chaix in Genf u.a.

Höchst lehrreich sind die folgenden Ausführungen von Professor J. Früh in Zürich2 ):

„ Durch Schutthalden kann das Trogtal allmählich in ein scharfes V-Tal verwandelt erscheinen, z.B. stellenweise das untere Murgtal; allein bei der ersten Brücke ob Murg tritt das ursprüngliche Felsenbett unter dem Schutt zutage. Umgekehrt kann durch Schutthaldenfüße ein fluviales Trogtal scheinbar in ein glaziales U-Tal umgeformt werden. "

„ Am schärfsten sind die Trogtäler im kristallinen Gebiet erhalten ( Wallis, Tessin, Graubünden etc.ein Blick auf eine topographische Karte des Gotthardgebietes, Zermatt u.a. läßt die steifen, bandförmigen, wie mit einem Hohleisen auf einmal ausgearbeiteten Tröge sofort erkennen ( Val Maigels, Val Cornera, Val Nalps usw. ). Eindrucksvoll erscheinen mit ihren höckerigen Felsensohlen die Ausgänge hangender Seitentröge, wie die ideale Valletta di Samaden bei Spinas im Val Bevers, das Passtal des Julier ob Silvaplana vom Hahnensee aus, Albula, Val Fex und Fedoz, Muretto, Val Roseg — Tal des Gelmersees an der Grimsel — Über Talbildung in den Alpen.

Guspistal an der Gotthardroute — Murgtal im Verrucano usf. Den ersten überzeugenden Eindruck eines Kalktroges gab mir das Imfeldsche Relief der Jungfraugruppe mit dem Lauterbrunnental; feierlich ist das Gasterental. "

3. Wenn Herr Ludwig sodann leugnet, daß das Gletscherbett in jedem Falle oder auch nur in der Mehrzahl der Fälle ein Trog sei, so muß ihm entgegengehalten wer- den, daß er Trogtäler von V-Tälern nicht zu unter- Phot. Aufnahme des Verfassers.

scheiden vermag. Er möge sich einmal die Mühe nehmen und die Täler unserer größeren Alpengletscher nach ihrem Querprofil betrachten; er wird überall eine ausgesprochene Trogform erkennen. Gestützt auf eigene Anschauung, sowie auf das Studium guter Abbildungen und genauer Karten behaupte ich, daß die folgenden Talgletscher in trogförmigen Tälern liegen: Unteraargletscher ( vgl. Fig. 10 ), Oberaargletscher, Gauligletscher, Triftgletscher 1 ), Großer Aletschgletscher, Ober-Aletschgletscher, Mittelaletschgletscher, Langgletscher, Fieschergletscher, Ober- und Unter-Grindelwaldgletscher2 ), Bächligletscher, Kehlegletscher, Wallenbühlgletscher, Hüfigletscher, Bifertengletscher " ), Morteratschgletscher, Fornogletscher4 ), Roseggletscher, Albignagletscher5 ), Findelengletscher, Gornergletscher, Zmuttgletscher, Ferpèclegletscher, Gl. de Miné, Glacier d' Arolla, Gl. de Moiry, Gl. de Durand, Gl. de Breney, Gl. de Valsorey 6 ), Gl. de Corbassière, Gl. de Saleinaz 7 ), Gerengletscher, Otemmagletscher, Gl. de Trient, GI. d' Argentière, Mer de Glace, GI. du Géant8 ).

Aber auch von anderen Hochgebirgen läßt sich nachweisen, daß die Talgletscher meist in ausgeprägten Trogtälern liegen; schöne Beispiele davon kennt man aus dem Kaukasus 5 ), aus dem Tian-Schangebirge und aus den Hochgebirgen Alaskas.

Dabei hat man sich naturgemäß zu vergegenwärtigen, daß die Trogform in den verschiedenen Fällen in verschiedenen Typen erscheint; es gibt schmale und * tiefe, breite und dabei weniger tiefe, steilwandige und endlich stark geböschte Taltröge ( vergleiche Fig. 11 ). Diese Unterschiede sind in erster Linie durch den Gesteinscharakter ( Kalk, Schiefer, Granit etc. ), in zweiter durch die Dauer der glazialen Eintiefung bedingt.

Die Behauptung des Herrn A. Ludwig enthält insofern Wahrheit, als die meisten unserer Gletscher nicht Talgletscher, sondern Gletscher II. Ordnung, Hänge-, Joch-oder Kargletscher sind, die in mehr oder weniger ausgeprägten Mulden und nicht in Trogtälern liegen. Daß aber die großen, für die Hochregionen unserer Alpen so charakteristischen Firnmulden ihre Entstehung hauptsächlich eiszeitlichen Abtragungsvorgängen verdanken, hat bereits Ed. Richter1 ) überzeugend dargetan.

4. Herr A. Ludwig behauptet, die Lehre von der Glazialerosion erkläre die plötzliche Knickung am Rande des angeblichen Troges nicht. Gemeint ist darunter die Stelle, wo die Trogwand in die Trogschulter übergeht. Die Erscheinung dieser Knickung ist von den Morphologen mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt worden. Es hat sich nämlich herausgestellt, daß nach der Verbreitung des erratischen Schuttes die eiszeitlichen Gletscher weit über die Trogschulter hinaufgereicht haben müssen; ihr Volumen war bedeutend größer als der Hohlraum des eigentlichen Troges. Daraus geht hervor, daß dieser nicht ausschließlich das Werk der mächtigen Eisströme in ihrer maximalen Entwicklung sein kann; sonst müßte die Trogschulter mit der oberen Grenze der alten Gletscher zusammenfallen. Zur Erklärung dieser Erscheinung stehen zwei Möglichkeiten offen:

a ) Die Anlage des schmalen Troges ist auf die Wirkung kleiner Gletscher zurückzuführen, die jeweilen längere Zeit zu Beginn und am Ende der eigentlichen Eiszeiten und wohl auch während der Interglazialzeiten existiert haben. Diese Auffassung, der wir schon bei Ed. Richter2 ) begegnen, ist jüngst von A. Philippson klar zum Ausdruck gebracht worden8 ).

Nehmen wir an, sagt er, in Fig. 12 sei PsP der Querschnitt eines flach V-för-migen präglazialen Tales. Ein Gletscher der beginnenden Vereisung bedeckt zunächst nur den unteren Teil dieses Profils bis gg und verharre eine Zeitlang in ungefähr dieser Mächtigkeit, in die Tiefe erodierend; so wird er einen zunächst kleinen Trog gSg einschleif en. Wächst dann der Querschnitt des Gletschers bis GG, so wird der größere Gletscher in dem schon vorgearbeiteten Troge gSg, infolge seiner hier größeren Mächtigkeit, stärker in die Tiefe arbeiten als auf den seitlichen Teilen des Bettes Gg, und zwar wird, wie die Eismächtigkeit, so auch der Betrag der Tiefenerosion ( in der Zeiteinheit ) am Rande des im ersten Stadium vorbereiteten Troges, bei g, ziemlich sprungweise wachsen. Nimmt dann der Gletscher an Mächtigkeit ab, so wird er sich in einem gewissen Stadium wieder in den Trog zurückziehen, ihn weiter vertiefen, während die Schulter wieder unberührt bleibt. Nicht nur die größere Eismächtigkeit, sondern auch die längere Zeit der Eiswirkung wirkt in dem Sinne der immer stärkeren Differenzierung von Trog und Schulter, sobald ersterer einmal angelegt ist.

1 ) Geomorphologische Untersuchungen in den Hochalpen. Ergänzungsh. Nr. 132, Peter- manns Mitteilungen. 1900, pay. 60.

z ) Geomorphologische Untersuchungen in den Hochalpen, pag. 52.

3J Der glaziale Taltrog, Petermanns geographische Mitteilungen 1912, Novemberheft.

b ) Eine etwas andere Auffassung vertritt H. Lautensach 1 ), der das Tessingebiet einer gründlichen morphologischen Untersuchung unterzogen hat. Er führt aus, daß uns die Übertiefung der mittleren Talteile verständlich wird, sobald wir eine, wenn auch sehr kleine Einkerbung entlang der Mitte des alten Gletscherbodens annehmen. Dann war eine Unstetigkeit der Zunahme der Gletschermächtigkeit gegen die Talmitte zu an den Rändern der Kerbe gegeben, und diese Unstetigkeit mußte eine Unstetigkeit in der Zunahme der Erosionstätigkeit notwendig zur Folge haben, derart, daß der Unterschied zwischen dem erosiven Effekt auf der Talschulter und dem im Bereich der Kerbe sich mit der Zeit immer mehr potenzierte. Fragen wir nun, welche Kraft eine solche Einkerbung in das präglaziale Talsystem hervorgebracht haben kann, so kommt nur fluviatile Wirkung in Betracht. ( Vergleiche Fig. 13a. ) Diese Theorie scheint mir geeignet, die Erscheinung ineinander geschachtelter Taltröge, wie sie im Querprofil vieler Alpentäler festgestellt wurde ( siehe Fig. 11 d ), zu erklären: Nach dem Rückzug der Gletscher älterer Eiszeiten schnitten die Flüsse auch in den Boden des ersten Taltroges eine Kerbe ein, die dann von den später vorstoßenden Gletschern erweitert und vertieft wurde. ( Vergleiche Fig. 13 6. ) Als Ursache des Neueinschneidens der Flüsse kann wiederholte Hebung des ganzen Gebirges oder, nach Lautensach, ungleichmäßige Entfaltung der Übertiefung angenommen werden. Aber auch die von Richter und Philippson vertretene Auf- fassung dürfte in vielen Fällen zur Erklärung alpiner Taltröge beigezogen werden. Es geht nicht an, die ganze Frage mit einer einfachen Behauptung, wie sie von Herrn A. Ludwig aufgestellt wurde, abzutun.

5. Ebenso verhält es sich mit dem Satze des Herrn A. Ludwig: Einen Beweis gegen die talbildende Kraft der Gletscher bilden die mitten aus den heutigen Talsohlen sich erhebenden Inselberge. Mit ebenso großem Recht könnte man sagen, die Flüsse sind nicht imstande, Täler auszuwaschen, denn in vielen Flußbetten trifft man Felsinseln an; man denke an die Kataraktlandschaften des Nil. Der Vergleich zwischen Fluß und Gletscher ist noch weiter zu ziehen: In jedem Bach- und Flußbett finden wir tiefe und untiefe Stellen. Erstere sind häufig kessel- oder becken-förmig; man nennt sie Kolke. Jeder Kolk wird talabwärts von einer Schwelle abgeschlossen, die den Riegeln des Gletscherbettes entspricht2 ). Jede Ungleichheit im Talgefälle ist von den Gletschern verstärkt worden. Unterhalb der Stufen war die Geschwindigkeit und daher auch die Erosionskraft der Gletscher größer als anDie Übertiefung des Tessingebietes. Geographische Abhandlungen, Berlin 1912, pag. 131. 2 ) Vergleiche J. Früh, „ Über Form und Größe der glazialen Erosion ". Verh. Schw. Nat. Ges. St, Gallen 1906, pag. 33 des Sep.Abd.

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andern Stellen. Deshalb vermochte er dort stärker zu erodieren; es entstanden Becken, die den Kolken des Flußbettes entsprechen. Solche Ungleichheiten konnten in den ausgeglichenen präglazialen Tälern durch kleine Gletscher zu Beginn und am Ende der eigentlichen Eiszeiten entstehen, ähnlich wie dies für das Querprofil gezeigt wurde. Überdies kommt auch hier die während der Interglazialzeiten eintretende rückschreitende Erosion der Flüsse in Betracht. Diese machte in der Regel in harten Gesteinszonen Halt; dort entstand eine Stufe.Viele Riegel finden sich da, wo. das Tal von einer harten Felsbank durchquert wird l ).

6. Herr A. Ludwig bestreitet, daß ein Kausalzusammenhang zwischen den kleinen zahlreichen Alpenseen und den eiszeitlichen Gletschern bestehe; er behauptet, daß fast alle diese Seen auf andere Entstehung zurückgeführt werden können ( Abdämmung, Lösung, Spalten, Klüfte ). Gewiß sind viele Hochgebirgs-seelein durch Moränen oder Bergsturzmassen abgedämmt; gewiß verdanken andere ihre Entstehung den Lösungsvorgängen in Kalk- oder Gipsfelsen, wobei durch Bildung von Höhlen darüber lagernde Felsmassen 6.

zum Einsturz gebracht werden. Allein es gibt denn doch eine große Zahl von Seebecken, die in undurchlässiges Gestein, in Gneis oder Granit oder Flysch, eingeschnitten und deren Schwellen von Gletscherschliffen bedeckt sind; es ist kaum denkbar, daß solche Becken, wie z.B. das des Gelmersees, durch andere Kräfte als durch die eiszeitlichen Gletscher ausgeschliffen worden seien.

H. Lautensach2 ), der das Tessingebiet gründ- lich untersuchte, hat dort unter 84 Hochseen 45 Seen in Felsbecken festgestellt, die nur durch Gletschererosion entstanden sein können; andere sind durch Gletschererosion und Lösung gebildet worden und 22 werden als Ab-dämmungsseen bezeichnet.

Professor M. Lugepn und Elisabeth Jerémine haben 258 hochgelegene Becken-formen der Schweizeralpen beschrieben und festgestellt, daß hiervon 38% glazialer Entstehung sind3 ).

7. Herr A. Ludwig behauptet, die Lehre von der Glazialerosion erkläre nicht das Auftreten von Schluchten, wo man Tröge erwarten sollte. Gewiß bietet diese Erscheinung Schwierigkeiten in der Erklärung; doch ist die Frage bereits ausführlicher behandelt worden. Ich verweise Herrn A. Ludwig auf meine Darstellung in „ Die Täler der Schweizeralpen ", pag. 77— 79; ebenso in „ Die Tal- und Bergformen des Vispgebietes ". Jahrbuch S.A.C. 46, pag. 250.

8. Herr A. Ludwig gibt für die hohen und breiten Terrassen, die sich zu beiden Seiten über den Trogschultern ausdehnen, eine neue und sehr eigenartige Erklärung. Wie sich aus den Profilen ergibt, kann man diese Terrassen in der großen Mehrzahl als Reste des präglazialen oder interglazialen Tales auffassen; andere sind durch die Abschweifung der eiszeitlichen Gletscher entstanden, namentlich da, wo die Gesteinsart und die Schichtenlagerung diese Abtragung begünstigte, und wieder andere können als sogenannte Karterrassen betrachtet werden1 ).

Herr A. Ludwig geht dagegen ohne weiteres über alle diese Erklärungsversuche hinweg und gelangt zu dem folgenden, ganz unwahrscheinlichen Ergebnis 2 ), „ daß die seitlichen Terrassen in den Alpentälern nichts anderes sind als die etwas erniedrigten, stark umgewandelten ( abgeschrägten ) Reste von Nebentälern, die, jeweilen durch einen immer niedriger werdenden sekundären Bergzug vom Haupttale getrennt, dem letztern annähernd parallel verliefen ". Da, wo wir heute Taltröge antreffen, existierten nach A. Ludwig früher Bergrücken. „ Auch über Randa war einst ein fast nördlich verlaufender Rücken vorhanden " ( 1. c. p. 223und das trogartige Lötschental soll aus mehreren Paralleltälchen entstanden sein ( 1. c. p. 231 ). „ Deutlicher als anderswo erkennen wir im Gebiet zwischen Rhone und Binnenalpen, daß die ungeheure Breite des oberen Hohlraumes der großen Alpentäler in der Tat hervorgegangen ist und noch hervorgeht ans der,sukzessiven Einbeziehung von seitlichen Paralleltälchen " ( I. c. p. 230 ).

„ Während wir heute ein einheitliches Tal erblicken und es auch einheitlich entstanden wähnen, wäre nach der soeben geäußerten Ansicht jedes größere Tal hervorgegangen aus der seitlichen Vereinigung oder Verschmelzung mehrerer Paralleltäler, von denen die schwächeren jeweilen von den stärkeren überwältigt und mit diesen schließlich zu einem einzigen Hohlraum verbunden wurden. Diese Entstehungsweise würde nicht nur für die Alpen- und Molassetäler, sondern überhaupt für alle Erosionstäler Geltung haben " ( Jahrbuch 47, pag. 58 ).

Leider macht Herr A. Ludwig keinen Versuch, durch eine zeichnerische Darstellung seinen Gedankengang besser zu veranschaulichen. Man ist auf seine eigene Phantasie " angewiesen. Zu dem Gesagten ist zu bemerken, daß die Anlage der Paralleltäler in die Präglazialzeit zu verlegen wäre. Aber auch dann müßten die trennenden Bergrücken bis zum Eintritt der Eiszeit vollständig abgetragen worden sein; denn die Gletscher folgten den vorhandenen Talfurchen. Dies alles setzt eine lange Dauer der präglazialen Talbildung voraus, die man ja auch annehmen darf. Dagegen ist das Auftreten zahlreicher größerer Paralleltäler in reifen Erosionslandschaften nicht ohne weiteres anzunehmens ). Im Gegenteil ist man eher geneigt, die Entstehung von Paralleltälern auf die Ablenkung von Flüssen durch die eiszeitlichen Gletscher zurückzuführen, wie dies bei den Tälern der Sihl und der Gürbe besonders deutlich hervortritt; kleinere, ähnliche Einzelfälle sind mir auch aus den Alpen bekannt.

Es ist wohl möglich, daß die von A. Ludwig aufgestellte Theorie in einzelnen kleinartigen Fällen Geltung hat; aber ich glaube nicht, daß es angeht, diese Entstehungsweise überhaupt auf alle Erosionstäler anzuwenden.

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