Mehr Rettungseinsätze wegen Corona Weniger Notfälle bei Schneesportarten, aber höhere Unfallzahlen beim Bergwandern

Das bisherige Corona-Jahr 2020 hinterlässt auch beim Bergsport deutliche Spuren: Es gab mehr Unfälle. Während der ersten neun Monate mussten fast so viele Bergsportler wie im gesamten Vorjahr gerettet werden. Wesentlich weniger Notfälle wurden bei den Schneesportarten verzeichnet. Mehr Rettungseinsätze gab es beim Bergwandern, auf Klettersteigen und beim Mountainbiken.

Gemäss den Empfehlungen des Bundesrates hat auch der SAC während des Lockdowns im Frühling von anspruchsvollen alpinen Aktivitäten abgeraten. Dies widerspiegelt sich in den Unfallzahlen: Obwohl es im März und April so gute Skitourenverhältnisse gab wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr, hielten sich viele Bergsporttreibende offensichtlich an die Empfehlungen. Die rückläufigen Zahlen im Not- und Unfallgeschehen lassen dies deutlich erkennen. Nach den Lockerungen im Mai waren die Aktivitäten hoch, was wiederum bei den vermehrten Bergrettungseinsätzen eindeutig feststellbar ist. So mussten bis und mit dem dritten Quartal 2020 insgesamt 2893 Bergsporttreibende gerettet oder geborgen werden – fast so viele wie im ganzen Vorjahr.

 

Erwartungsgemäss war der Anteil der betroffenen Schweizer Berggängerinnen und Berggängern höher als jener der ausländischen Gäste: 2019 lag der Wert der Schweizerinnen und Schweizern bei  63 Prozent, 2020 bei 73 Prozent.

Deutlich mehr Notfälle auf Klettersteigen und beim Mountainbiken

Als Folge des Lockdowns war das Not- und Unfallgeschehen bezogen auf die Aktivitäten bei allen Schneesportarten tiefer als im Vorjahr. Bei allen anderen Bergsport-Aktivitäten hingegen sind die Zahlen zum Teil deutlich höher. Interessanter als die absoluten Zahlen sind aber die relativen Veränderungen: Beim Bergwandern kam es zu einem Anstieg an Unfällen von mehr als 40 Prozent, beim Klettern zu einem Plus von 29 Prozent, das Mountainbiken verzeichnete einen Anstieg von 61 Prozent. Mit einem Plus von 138 Prozent gab es bei den Klettersteignotfällen den höchsten Anstieg.  

Die Zahlen generell zu interpretieren, ist schwierig. Man kann vermuten, dass diverse ambitionierte Neueinsteiger vor allem beim Mountainbiken und auf Klettersteigen die spezifischen Anforderungen unterschätzt hatten. Der SAC empfiehlt weiterhin, sich gut vorzubereiten und die persönlichen Ressourcen richtig einzuschätzen. Gerade Naturliebhaber, welche die Berge neu für sich entdecken, sollten nicht alleine in die Berge gehen, sondern sich erfahrenen Bergsportlerinnen und Bergsportlern anschliessen oder einen Ausbildungskurs besuchen. 

Schnee und vereiste Stellen bis in tiefere Lagen

Mit unten grau und oben blau, lockt auch der Spätherbst 2020 mit einem perfekten Martini-Sommer zum Bergwandern. Konnten noch bis Mitte November auf über 2000 m ü.M. Wanderungen im T-Shirt gemacht werden, haben sich die Verhältnisse mit den Niederschlägen und den tiefen Temperaturen schlagartig verändert. Bereits ab einer Höhe von 1200 m ü.M. ist mit Schnee zu rechnen. Im Schatten kann es vereiste Stellen bis in tiefe Lagen geben. Der SAC empfiehlt auch für einfachere Bergwanderungen gutes Schuhwerk und warme Kleidung. Eine sorgfältige Tourenplanung ist unbedingt nötig.

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