Bergbilder- Erinnerungen an Markus Liechti

Peter Marthaler, Zimmerwald

Der auch den ALPEN-Lesern bekannte Bergfotograf starb am 18.4.1993 im Alter von 46 Jahren ( Text ) Markus Liechti t, Bern ( Fotos ) Unterwegs auf der Direttissima Schweiz: Mittellegihütte am Eiger Ein ungewöhnlicher Bergfotograf Den typischen suchte man vergeblich bei Markus Liechti. Er trat nicht mit bedruckter Schirmmütze, werblich genutzter Umhängetasche und vier verschieden bestückten Spiegelreflexkameras auf. In den Bergen wirkte er eher wie einer der vielen Alpinisten, die ( halt offenbar noch einen Fotoapparat dabeihaben ). Markus Liechti drückte auch weniger in jenen Momenten ab, bei denen in den Bergen meistens geknipst wird: während der Rast oder nach einem Imbiss. Seine Sujets waren eben deshalb so ungewöhnlich, weil er Situationen festhielt, in denen der normale Berggänger mit anderem beschäftigt ist, mit sichern, Tritt fassen, Regen und Schnee und anderem mehr.

( Warum gibt es fast nur Schönwetterbilder von den Bergen ?) fragte Liechti einmal. ( Nicht weil das Gebirge im Schneesturm zu wenig intensive Sujets abgäbe, sondern weil es da niemandem angenehm ist, sich zusätzlich noch mit Kameras herumzuschlagen. ) Immer auf der Suche nach Perfektion Markus Liechti lernte als erstes, sich mit dem Berg, mit der Natur, mit ihren Schönheiten und ihren Gesetzmässigkeiten auseinanderzusetzen. Seine Eltern nahmen ihn und seinen Bruder von klein auf mit zu den Bergfahrten. Er war gewohnt, draussen zu sein. Als Jugendlicher entdeckte er das Fotografieren; knipsen war ihm jedoch entschieden zuwenig. Perfektionist, der er war, wollte er Bergfotograf Markus Liechti 118.4.1993 es auch da zu etwas bringen. Autodidaktisch bildete sich der gelernte Buchdrucker stetig fort, richtete sich ein Labor ein und pröbelte tagelang in der Dunkelkammer, um seinen Aufnahmen technisch noch zusätzlich neue Effekte zu verleihen.

An Wettbewerben belegte Liechti in den siebziger und achtziger Jahren regelmässig vorderste Plätze. Auch die Eidgenössische Kunstkommission wurde auf den rührigen Fotografen aus Köniz ( BE ) aufmerksam und zeichnete sein Schaffen verschiedentlich aus.

Vorliebe für Schwarzweissfotografie Am meisten Aufsehen erregte sein Schwarzweiss-Bildband Alpinistische Augenblicke, den er 1985 im Eigenverlag herausgab. Schwarzweiss, wo doch heutzutage jedes Kind perfekte Farbbilder produziert?

Markus Liechti liebte den Schwarzweisskontrast im Gebirge. ( Wenn man den blauen Himmel und die roten Socken der Bergsteiger weglässt, verpasst man nicht viel ), charakterisierte er einmal seine Schwarzweiss-vorliebe. Erfand stets neue Möglichkeiten, Strukturen, Schatten, Kontraste für den späteren Betrachter aufzuspüren und sie im attraktivsten Licht festzuhalten.

Unterwegs zu neuen Welten und neuen Motiven Liechti fand seine Sujets beileibe nicht nur in den Schweizer Alpen. Sein Drang, immer wieder zu neuen Ufern aufzubrechen, führte ihn allmählich in fast alle Gebirgsregionen dieser Erde. Zahlreiche Expeditionen leitete er selber. Nach Spitzbergen, seinem Lieblingsziel, reiste er erstmals 1975.

Reisen und fotografieren fasste er künftig berufsmässig in seinem kleinen Ein-Mann-Reiseunternehmen natura phantastica ) zusammen.

In kleinen Gruppen führte er stets begeisterte Teilnehmer an ausgewählte Orte dieser Welt: in die Wüste Sahara, in die Weiten Kanadas, in die wilden Schluchten des Colorado River. Mit Liechti gab es keinen Fünf-Stern-Komfort, dafür Natur ( pun, Erlebnisse, wie sie der Massentourismus nicht zu bieten vermag.

Auf diesen Reisen lernte und lehrte er den subtilen Umgang mit der Kamera. Das Erkennen des Sujets. Das setzt natürlich auch allerhand Wissen voraus: Liechti war ein exzellenter Kenner von Fauna und Flora. Mit seiner hemdsärmligen, volksnahen und träfen Bild- und Wortsprache war Liechti ein begnadeter . Sei es unterwegs mit der Gruppe oder nach der Reise im vollgefüllten Vortragssaal, Liechti vermochte sein Publikum zu fesseln. Er wirkte nie lehrerhaft, sondern immer kollegial, als einer, der eben viel gesehen und erlebt hat.

In der Familie verwurzelt Dabei wurde Liechti kaum je von Rekordsucht getrieben. Er musste nicht den höchsten Schwierigkeitsgrad wählen, die verwegenste Route, die längste Wand, um etwas zu erleben. Er sah auch noch im steilsten Couloir die seltene Blume, freute sich nicht nur daran, sondern wusste auch deren Namen und scheute den Aufwand nicht, sie zu fotografieren.

Er war nicht ein ( Messner-Typ>. Er brauchte den Kitzel der Gratkletterei zwischen Leben und Tod nicht, um in den Bergen ein erfüllendes Erlebnis zu haben. Daheim erwarteten ihn seine Frau und seine beiden Kinder, die ihm dafür Kraft gaben, seine neuen Projekte in Angriff zu nehmen.

Direttissima Schweiz Nur einmal wollte er die ( Direttissima ) wählen, die direkteste Linie. 1983 durchquerte er die Schweiz auf dem Kilometer 160 des schweizerischen Koordinatennetzes. 333 Kilometer von West nach Ost. Zwei, abschnittweise drei, Kameraden begleiteten Markus Liechti während der 23 Tage geradewegs durch die Schweizer Alpen von Le Brassus im Jura nach Müstair im Graubünden. Liechti verhalf mit seinen farbigen und schillernden Reportagen der Sendung Direttissima Schweiz von Radio DRS zum Grosserfolg. Über 100 Sendungen strahlte das Team zum Thema aus und gewann für diese Leistung den Zürcher Radiopreis 1985.

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