Das Dilemma mit dem Airbag

Airbags als Lebensretter im Schneesport. Die Idee ist nicht neu. Mittlerweile ist Bewegung in den Markt gekommen: Verschiedene Hersteller haben unterschiedliche Systeme entwickelt (S. 20). Airbags sind nach wie vor die einzige realistische Möglichkeit, im Falle eines Lawinenabgangs eine Totalverschüttung zu verhindern. Die Vorteile gegenüber allen anderen Systemen liegen somit ganz klar auf der Hand.

Wo liegt denn der Nachteil? Ausser vielleicht darin, dass die zusammengefalteten Ballone und das Antriebssystem gross und schwer sind? Schliesslich haben Airbags schon Leben gerettet und vermutlich schwerere Verletzungen verhindert.

Wahrscheinlich ist einmal mehr der menschliche Kopf der Knackpunkt: Wird mit den Rettungsmitteln mehr ­Risiko eingegangen als ohne? Die Diskussion kennen wir seit der Einführung des LVS.

Überlegungen wie die folgenden schaffen vermeintlichen Spielraum bei der Entscheidung «fahren oder nicht fahren»: In offenem, auslaufendem Gelände kann mit einem Airbag doch gar nicht allzu viel passieren, denken wohl viele. Der Lawinenabgang würde zur Schlittenfahrt auf dem Ballon.

Seit ich durch die Zusammenarbeit mit einem Hersteller von Airbags auch so einen Rucksack habe, stecke ich selbst mitten im Dilemma. Wann nehme ich ihn mit? ­Sicher nicht auf Skihochtouren oder mehrtägige Unternehmen. Das Ding ist schlicht zu schwer, und der Rucksack hat zu wenig Platz für alles Material. Schon eher auf Tagestouren oder gar nur zum Variantenfahren. Ist mein Risikomanagement dann anders?

Der Selbsttest wäre nicht schwierig: Einfach auf der nächsten Skitour bei Gefahrenstufe «erheblich» Airbag, LVS, Schaufel und Sonde zu Hause lassen und dann schauen, wie gross der Appetit auf Risiko noch wäre.

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