Das Engelberger Tal

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Mit 1 Bild ( 125Von M. Oe.

In einer grossen Mulde liegt dieses wunderliche Obwaldner Tal, umstellt von Felsbergen mit Wald und " Weiden, Firn und Gletschern, mit hohen Übergängen zum Morgen, Mittag und Abend und dem Haustor ins Tal von Nid-demwald. Hier treffen sich die Bergsteiger aus dem Kreis des SAC zu ihrer 90. Abgeordnetenversammlung, am Fuss des Titlis, von dem vor zweihundert Jahren der Berner Fürsprech Gottlieb Sigmund Grüner geschrieben hat, wenn man vom Urner Lande her über die Waldnacht und Surenen geschritten ist, die « kleinen und die grossen Spanneten » zur Linken, und durch das Tal, in welchem « ein langes, fast ebenes Eisfeld liegt, ringsherum mit Eisbergen umschlossen, wo ungeheure Lasten von veraltetem Schnee sich aufhäufnen »:

« An der Mittagseite... folgt der grosse Tütlisberg mit seiner hutför-michten First, der Nolle genennt. Dieser First ist um und um, in einer erstaunlichen Höhe, mit einem schönen Eismantel umgeben, der nicht nur in Ansehn seiner Grösse, sondern auch wegen seiner hohen Lage und schönen blauen Farbe merkwürdig ist. Er besteht aus einem weitläufigen Eisfelde, welches mit grässlichen Spalten durchschnitten ist, und sich in schöne Eisschründe endet, die an verschiedenen Orten durch ihre abgebende Schmelzwasser das Aawasser vergrössern. Wer dieses erstaunliche und stolz in die Wolken emporragende Eisgerüst von unten betrachtet, der würde nicht glauben können, dass es möglich wäre, die First des Nollens zu besteigen. Dennoch haben sich vor verschiedenen Jahren zweene Waghälse bis zu oberst auf diese First über die Eiswände gewagt, und von dem Gottshause Engelberg, welches an ihrem Fusse liegt, 8. Stunden zugebracht. Sie haben aber wegen den vielen und breiten Schrunden in dem Eise viele Mühseeligkeit und Gefahr ausgestanden. » - In Johann Conrad Füesslins « Staats- und Erdbeschreibung der ganzen Helvetischen Eidgnoßschaft » ist ein Bericht des Statthalters zu Sins, des damaligen Subpriors Magnus Waaser, zu lesen, den dieser an Füesslin gerichtet hatte und dem zu entnehmen ist, dass anfangs Juli 1744 Klosterleute von Engelberg den Titlis erstmals bestiegen. ( Siehe Jahrbuch XXXII, Seiten 322/323. ) Grüner bezieht sich wohl auf diese Meldung. Andere Angaben datieren die Bezwingung des Titlis ins Jahr 1739.

Das Tal von Engelberg hat J. C. Fäsi in seiner Beschreibung der Eidgenossenschaft, 1766 ( zum Teil mit wörtlicher Übernahme von Gruners Anno 1760 erschienenen « Die Eisgebirge des Schweizerlandes », wenigstens betreffend die Gebirge ) wie folgt gezeichnet: « Das Engelberger Thal, oder die weltliche Herrschaft der Abtey Engelberg, ist fast ringsumher mit sehr hohen Bergen und fruchtbaren Alpen umschlossen... Die weltliche Herrschaft des Klosters, oder das Engelberger-Thal erstreckt sich auf 4 Stunden in die Länge; die Breite kann wegen den Bergen nicht wol bestimmt werden. Gegen Anfang grenzet sie an den Canton Uri, da die hohen Surenen-Alpen die Scheidung machen; gegen Mittag an den Canton Bärn; das so genannte Joch macht Die Alpen - 1951 - Les Alpes23 auf dieser Seite die Grenzen; gegen Abend und Mitternacht an den Canton Unterwaiden nid dem Wald bey Bein-Strass, und mehreren andern Orten, auch an dem Theil ob dem Wald...

Die Landschaft verdient in Ansehung ihrer Natur-Merkwürdigkeiten besonderer Achtung. Wenn man von der Urner- und Unterwaldner-Seite in das Engelberger-Thal reisen will, ist man zuvor 2 Stunden stark Bergan zu steigen gemüssiget. In den Klüften der Berge findet man Gletscher, Eis-Thäler und Eis-Felder. Auf der Abend-Seite der weitschichtigen Surenen-Alpen liegt ein gewaltiger Satz von Bergen; ihr Umfang macht einen so weiten Kreis aus, dass derselbe schwerlich in einem ganzen Tag könnte umgangen werden...

... In dem Thal, oder eigentlicher in dem gewaltig grossen Kasten, welchen die Vertiefungen zwischen allen diesen Bergen gestaltet, liegt ein wildes, grässliches Eis-Thal; dasselbe beträgt über 2 Stunden in der Länge, und ebenso viel in die Breite. Es zieht sich gegen Morgen an das Engelberger-Thal; gegen Abend an den Canton Unterwaiden. » - Fäsi beschreibt hier das Horbistal mit dem « End der Welt ». Wie noch um die Mitte des 18. Jahrhunderts diese Welt voll Zauber und Unnahbarkeit gewesen sein muss, geht aus der weitern Beschreibung hervor: « Das Eis-Thal, welches anfänglich von dem Faulhorn herabhängt, verliert sich in eine lange, fast ebene Oberfläche, auf deren sich kleine Eishügel befinden. In ihrer Mitte haben sie eine merkwürdige Erhöhung; hin und wieder sind sie durch hervorragende Fels-Klippen unterbrochen, an verschiedenen Orten aber von ungeheuren Schrunden durchschnitten. Zwischen dem Gemsenspiel und dem Planggengrat mittag-werts öffnet sich das Eis-Thal; es senkt sich über den Unterruk und Gries-boden. Hier ertheilt es einem Bach den Ursprung, der " sich in den Aa-Fluss ergiesst. Das Eis ist meistens durchsichtig, sehr hart, seine Farbe dunkelblau; ein Beweis, dass dasselbe aus dem Schmelz-Wasser entstanden ist, welches von den herumstehenden Bergen zusammenrinnt. Die Anwohner geben dieser Eis-Lage den Namen des Firnsteli, oder eigentlicher des Firnseeli. In der Vertiefung des Wildbergs, welcher aus verschiedenen wilden Flächen besteht, liegt zu oberst eine besondere Eis-Lage, oder Gletscher, ringsumher mit steilen Felsen eingezäunt. » Fäsi beschreibt dann den « Engelberg », den « Hannen-Berg » mit den steilen Felsen und fruchtbaren Alpen an deren Fuss. Der Name « Hannen-Berg » sei schon bei der Einweihung des Klosters abgeändert worden: « Man beredte sich damals: die Engel des Himmels haben auf demselben eine Musik gemacht », und deshalb heisse der Fels « Engel-Berg. » Auf der Mittagseite steht der « Tittlisberg », den Fäsi gemäss der Beschreibung Gruners schildert. Ihm schliessen sich der « Lauber-Grat » an, der bis zum « Galti-Berg » und « Ober-Blatti » reiche und dem sich, mit einem Eisfeld verbunden, der Wendenstock anfüge, mit den « Gratstöcken », die wie « seltsam ausgekerbte Felsen » aussehen und die « 2. Hörner wie Finger gerade in die Höhe recken ». Besonders hebt der Chronist auch den « Ochsenstock » hervor, der mitten im Jochpass wie ein « pyramidenförmiger First » stehe.

So wollen wir, wenn wir im Engelberger Tal tagen, dieser Altvordern gedenken, die uns aus frühem Jahrhunderten solche Überlieferungen gaben.. Der Engelberger Eugen Joachim Müller hat von den ersten Gebirgsreliefs geschaffen ( 1752-1833 ) und Xaver Imfeid, der allen bekannte Alpinist und Topograph, ist in diesem Gebirgsland gross geworden.

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