Das Expeditionsmaterial

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VON GENY STEIGER

Das 4,5 Tonnen schwere Material, welches aus:

Lebensmitteln, allgemeiner Ausrüstung, persönlicher Ausrüstung, wissenschaftlicher Ausrüstung, Apotheke bestand und aus der Schweiz mitgenommen werden musste, da nur weniges in Peru beschafft werden konnte, beschäftigte uns während mehrerer Monate. Glücklicherweise kamen uns die Erfahrungen anderer Expeditionen zunutze und konnten wir somit langen Diskussionen aus dem Wege gehen. Leider wussten wir damals noch nicht, dass wir in zwei verschiedenen Gruppen und Gebieten arbeiten würden. Auf dem Schiff aber hatten wir genügend Zeit unser gesamtes Material, vorläufig auf dem Papier, in drei Teile zu teilen, wobei der dritte Teil als Reserve für die zweite Hälfte der Expedition vorgesehen war.

Die Lebensmittel, welche wir bis auf Kartoffeln, Reis, Frischfleisch und Gemüse restlos aus der Schweiz mitnahmen, wurden von unserm Arzt, Dr. Hans Thoenen, zusammengestellt. Die Angriffspackungen ( für Hochlager in Blechbüchsen sehr gut und handlich ) und die Menus, hauptsächlich für die Basislager, waren, in Teerpapier luftdickt in Holzkisten verpackt, auf die lange Seereise geschickt worden.

Da hauptsächlich die Verpflegungskisten ziemlich schwer, aber nicht gross waren ( 11-28 kg ), gab es dann beim Maultiertransport Meinungsverschiedenheiten. Unsere Arrieros ( Maultiertreiber ) luden die Kisten nach der Grosse und nicht nach dem Gewicht, so, dass es oft vorkam, dass der arme Muli oder Esel auf der einen Seite 20, auf der andern aber 50 kg zu « buckeln » bekam. Das führte natürlich zu ewigem Neuaufbasten und Vertauschen der Lasten.

Die allgemeine Ausrüstung, Gebirgs- und Trägerausrüstung, Küche, Zelte, Luftmatratzen und Matten, Funkgeräte, Werk- und Nähzeug, Orientierungsgeräte usw., wog 1723 kg mit der Verpackung.

Unsere Gebirgsausrüstung war ein Posten, der sehr gut überlegt sein musste. Bei den Seilen gingen wir nicht ganz den Weg anderer Expeditionen und entschieden uns für 60 m lange 6, 9 und 11 mm Kernmantelseile. Dies, weil wir wussten, dass die Abstiege meist nur sich abseilend über- wunden werden konnten. Daneben hatten wir aber auch ca. 1000 m Hanfseile von 5 und 8 mm, welche meist als fixe und Geländerseile gebraucht wurden. Nebst Stehschlingen, Eis- und Felshaken, nahmen wir auch Eisschrauben und ca. 60 cm lange Zeltheringe mit, welche wir ebenfalls als Sicherungshaken im Eis verwenden wollten. Sehr gute Dienste leisteten uns Holzpflöcke aus Eschenholz von 50-90 cm Länge, die wir « Schwirren » bezeichneten. Auch gehörten Holzkeile für schwierige Felspartien dazu. Ferner Karabiner verschiedenster Art, wie « Allain » ( Leichtmetall ), « Marva », « Cassin », dann Felshämmer, Pickelhämmer, Charletpickel, Bhendeishauen ( für Wächtendurch-brüche ) und Simondsteigeisen aus Leichtmetall, welche wir alle nie hätten missen wollen. Das « Lawinenmaterial » bestand aus Lawinensonden, Schaufeln und Schnüren. Selbst Sprengstoff zum Absprengen von Wächten oder für den Biwakbau im Eis hatten wir vorgesehen, verzichteten dann aber darauf. Diese Ausstattung ergänzten wir noch mit 6 Paar Kurzski und Skistöcken; letztere leisteten uns später, sei es auf Eis oder Schnee, über Moränen oder Grasflanken sehr gute Dienste. Zum Markieren von Eisbrüchen usw. hatten wir 300 bunte Fanions mit. Mit all diesen Ausrüstungsgegenständen durften wir uns an technisch ziemlich schwierige Probleme heranmachen, hatten wir doch viel, ja fast alles, was es dazu braucht.

Das Material der Träger, welche während der ganzen Expeditionszeit bei uns blieben, wurde ebenfalls aus der Schweiz mitgenommen. Nebst Rucksack, Schuhen, Airexjacken, Berghosen, Luftmatratzen, Schlafsack, erhielten sie auch Unterwäsche, Hemden usw. Um ihre eigenen Gewohnheiten beibehalten zu können, bekamen sie sogar eine eigene Küche, wo sie ihre Lebensmittel ( Kartoffeln, Mais, Fleisch ) nach ihrem Geschmack zubereiten konnten. Die Träger für die Wissenschafter mussten ebenfalls mit Kleidern ausstaffiert werden. Hosen und Jacken erhielten wir aus den Beständen unserer Armee, was diesen Leuten solchen Eindruck machte, dass sie morgens jeweils forsch salutierten. Den Rest der Trägerausrüstung hatten wir privat ergänzt, so dass meist eine farbenfreudige Gesellschaft zu sehen war.

Von der Küchenausrüstung gäbe es allerhand zu erzählen, doch ganz allgemein hätte uns wahrscheinlich manche Hausfrau um solchen Besitz beneidet. In den Basislagern kochten wir zur Hauptsache mit Benzin, Butagas und Holz. Das Gas hatten wir schon aus der Schweiz in den üblichen Stahlflaschen mitgebracht, dagegen konnten wir das Benzin in Peru von Lastwagenchauffeuren einhandeln. Für die Hochlager benutzten wir meist Gas in kleinen, wegwerf baren Blechbehältern und Metatabletten. Nebst normalem Kochgeschirr verwendeten wir auch « Duromatic »-Kochtöpfe, welche selbst auf Höhen von 4600 und 5700 m, wo wir uns meistens aufhielten, den härtesten Reis ( inklusive Steinchen und sonstigen Einlagen ) weichkochten.

An Zelten hatten wir: 8 Wico-3er-Zelte mit Doppeldach für Anmarsch und Basislager, 2 Messezelte als Aufenthalts-«Räume » ( die einzigen ohne Boden ). Für die Küche und zum Schütze des Materials nahmen wir 6 Blachen mit Ösen und Teleskopstangen mit. Für die Hochlager wurden 3 Jametzelte für je 4 Personen mitgenommen.

Um uns vor Feuchtigkeit und Kälte von unten zu schützen, versahen wir uns mit Gummimatratzen.

Einfache Daunenschlafsäcke aus Nylon und Baumwolle genügten für den Anmarsch. Für die Hochlager jedoch benötigten wir auch den zweiten Sack, um uns wohl zu fühlen.

Für etwas zivilisierte Wohnlichkeit im Basislager sorgten ein paar Campingtische und Stühle.

Die Werk- und Nähzeugkisten enthielten so ziemlich alles, was es zum Reparieren und Auswechseln brauchte. Da gab es: Schrauben, Muttern, Nägel, Nieten, Draht, Isolierband, Zangen, Hämmer, Rollgabelschlüssel, Meissel, Feilen, Bohrer, Schraubenzieher, Beile, Holz- und Eisen- sägen. Dann Klebstoff für Leder und Stoffe. Ersatzreissverschlüsse für Zelte und Jacken und schlussendlich Nähzeug für kunstgerechte Flicke.

Leider kam die Federwaage, welche wir für die Maultierlastenverteilung mitgenommen hatten, kurz nach dem Auspacken in Mollepata abhanden.

Die Beleuchtung durfte natürlich bei so langer Abwesenheit von aller Zivilisation nicht vergessen werden. Hier dienten uns zwei Butagas-, mehrere Taschen- und Stirnlampen und Kerzenlaternen.

Weiter verfügten wir selbstverständlich über Orientierungsgeräte, wie Höhenmesser, Bussolen, und sogar zwei Feldstecher fehlten nicht.

Manch weiten Weg ersparten uns die vier Funkgeräte SE 101, welche wir ebenfalls leihweise von unserer Armee hatten. Sie verbanden unsere beiden Basislager Pumasillo und Panta über 25 km Luftlinie und mehrere Ketten, so dass wir ständig beidseitig über Wohlergehen und Taten im Bild waren. Auch hätte eine allfällige ärztliche Hilfe dadurch um die Hälfte früher erfolgen können.

Der Transistoren Radio-Empfänger verkürzte uns manche Stunde. Wenn jeweils Freitags um 18 Uhr 45 die Nachrichten aus der Heimat von Albert Eggler aus Bern durchgegeben wurden, fühlten wir uns eigentlich gar nicht so weit von zu Hause weg. Wir freuten uns riesig an den Grüssen und Berichten von daheim.

Unsere persönliche Ausrüstung war in einer separaten, abschliessbaren Kiste verpackt und enthielt unsere sämtlichen Bekleidungsstücke und sonstigen Notwendigkeiten; angefangen bei den Suvalbrillen, Sonnenschutzhut und -cremen, Mützen, Socken, Daunenfinken, Woll-, Seiden- und Protektorhandschuhe, Hemden, Leibchen, Unterhosen, Berghosen, Pullover, Protektorjacke und Windhosen ( in grellen Farben, um weithin sichtbar zu sein ), Jäger- und Vollgamaschen; bis zu Berg- und Lagerschuhen war alles vorhanden. Ganz besondere Aufmerksamkeit hatten wir auch unserem Schuhmaterial zugewandt. Die Firma Raichle hatte uns einen silikongegerbten Bergschuh mit Gummisohle angefertigt, welcher sogar unsere kühnsten Hoffnungen übertraf. Natürlich fehlten auch Feldflaschen, Taschenmesser, Zündhölzer und Feuerzeuge, Papier- und andere Taschentücher nicht. Ferner WC-Papier, Verbandpatronen und elastische Binden, Schreibzeug usw. Über die Kleinigkeiten waren wir erst recht froh, als wir aller Zivilisation weit entfernt waren.

Dass wir eine Wissenschaftergruppe in Gesellschaft hatten, spürten wir vorwiegend, wenn Kiste Nr. 27 herumzuschieben war. Sie wog « nur » 222 kg!

Der Botanikprofessor Terrier hatte nebst seinen sechs Pflanzengitterpressen und 1500 Blatt unbeschriebenem Zeitungspapier, Fläschchen mit Karminazetat, Eisenazetat, Milchsäure usw. und selbstverständlich noch ein Mikroskop mit sich.

Der Kartograph Ing. Ernst Spiess führte 456 Topoplatten, einen Universaltheodoliten, einen Phototheodoliten, Photokammer, Kompasse und Stative mit. Ferner brauchte er Taschenlampenbatterien für die Beleuchtung seiner Instrumente bei Nachtarbeit.

Klein war der Umfang des Materials von Dr. Fricker, dem Geologen, dafür brachte er aber gewichtige Gesteinsproben mit nach Hause!

Die Apotheke wurde vom Arzt, Dr. Thoenen, zusammengestellt und war in Blechbüchsen luftdicht verpackt. Da war so ziemlich alles vorhanden, was eventuell hätte gebraucht werden müssen, von der Taschenverbandsbüchse bis zum Hirnbohrer.

Hätte uns aber die Stiftung für Alpine Forschung in Zürich, ganz besonders aber Herr Braun, unser Material nicht versandbereit auf dem Papier und in Kisten zusammengestellt, wären wir wahrscheinlich heute noch mit Packen beschäftigt. Dafür besten Dank!

Es war unmöglich, im Rahmen dieses kurzen Artikels alle die Firmen namentlich zu erwähnen, die uns mit verbilligten, oft unentgeltlichen Lieferungen und mit Rat und Tat beigestanden sind. Sie alle sind auf der Gönnerliste am Schluss dieses Heftes angeführt.

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