Das Gebirge Nepals

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Von Toni Hagen

Mit 7 Bildern ( 88-94 ) und 3 SkizzenKathmandu und Lenzerheide ) Der Gurkha Himal wird durch die Flüsse Buri Gandaki im Norden, Nordosten und Osten und durch den Marsyandi im Westen natürlich begrenzt. Er ist nicht Wasserscheide zwischen dem tibetischen Tsangpo und dem südlich gelegenen Ganges-Gewässernetz. Die Wasserscheide liegt weiter nördlich, im Larky a Himal und Kutang Himal. Die Hauptkette des Himalayas wird durch den Buri Gandaki und den Marsyandi-Fluss in gewaltigen Schluchten von Norden nach Süden durchbrochen.

Landschaftlich ist der Gurkha Himal etwas vom Schönsten im Nepal-Himalaya. Der Himalchuli beispielsweise erhebt sich ohne Vorgebirge aus dem dicht besiedelten nepalischen Mittelland um Gurkha. Der Manaslu anderseits ist von allen Seiten gut zugänglich: Von Westen her führt der - im oberen Teil zum Säumen geeignete - Weg ins Gletscherdorf Bimtakothi ( 3880 m ), am grossen Gletscher gleichen Namens. Bimtakothi ist nur Sommersiedlung, jedoch wichtig als Umschlagplatz für den Satehandel aus Tibet. Von hier aus führt nämlich ein guter Saumweg über den vergletscherten Larkya-Pass ( 5212 m ) in den obern Teil des Buri-Gandaki-Tales, aus dem zwei Hoch-Pässe über die tibetische Wasserscheide nach Norden leiten. Es sind dies der Gya-Pass ( 5612 m ) und der Lajing-Pass ( ca. 5700 m ). Es ist auffallend, dass der Salzhandel über die beiden genannten Pässe nicht direkt durch das Buri-Gandaki-Tal nach Süden führt, sondern über den schon genannten Larkya-Pass ins westliche, benachbarte Marsyandi-Tal abschwenkt. Aber wer das Buri-Gandaki-Tal in seiner ganzen Länge begangen hat, begreift dies: es ist eines der wildesten Durchbruchstäler, und über die Regenzeit dürfte der Teil zwischen Gurkha Himal und Ganesh Himal meist nicht begehbar sein. Der Oberlauf dagegen, von den Dörfern Prok ( 2400 m ) an, also nördlich des Gurkha Himal, ist in einem lieblichen Tal eingebettet. Das grosse Dorf Sama, mit seiner tibetischen Bevölkerung, liegt in einem weiten, von Moränen-formen und lichten Arven- und Lärchenwäldern beherrschten Talkessel, in dessen Hintergrund die stolze Pyramide des Manaslu sich weiss in den tiefblauen Himmel erhebt. Zweifellos einer der schönsten Flecken des Himalayas!

Die Gebiete nördlich Larkya zeigen zunehmend tibetischen Charakter. Dies hängt mit dem ariden Klima zusammen: Die Flüsse führen zu wenig Wasser, um den Schutt aus den Tälern fortzuräumen. Im Larkya Himal ragen die niedrigeren Kalkgebirge als nackte Bastionen aus ihrem Schuttgürtel. Von den hohen Grenzpässen aus geniesst man herrliche Blicke in die unendliche tibetische Weite. Die Stille wird nur unterbrochen durch das Herdengeläute der Yak-Karawanen, welche weit von Norden her Salz nach Nepal bringen, und von den sie begleitenden, jodelnden und pfeifenden Tibetern. Prachtvolle, verwegene Gestalten trifft man unter diesen Tibetern, wie sie unter den südlicheren Himalayavölkern unbekannt sind. Es ist unmöglich, von ihnen Auskunft zu erhalten, woher das Salz kommt. Durch die Etappeneinteilung des Salztransportes kennt der einzelne Yaktreiber nicht die ganze Strecke, sondern er bereist immer nur dieselbe Tagesetappe zwischen zwei Salzdepots. Die Salzlagerstätten dürften ungefähr drei bis vier Wochen Marsch entfernt in den ausgetrockneten Salzseen in Tibet liegen. Brücken und Wege sind im Bereich der tibetischen Karawanen auffallend gut angelegt und auch gut unterhalten. Nach Süden, Nepal zu, nimmt die Qualität dann rasch ab. Auf der Larkya-Route z.B. können Yaks zum Transport benutzt werden bis halbwegs zwischen Bimtakothi und Bagarchhap. Bis Bagarchhap ist der Weg noch für lastentragende Schafe begehbar. Von dort wird das Salz von Nepalesen abgeholt, die es auf schwindelerregenden Wegen und auf äusserst primitiven Bambus-Seilbrücken durch die Marsyandi-Schlucht hinunter transportieren. Der Transport auf nepalischer Seite ist jedoch nicht organisiert: Von jedem nepalischen Haushalt geht jährlich mindestens ein Mitglied einmal auf 10-20tägigen « Salz-trip » zu den Salzdepots der Tibeter im Himalaya. Eine Verschwendung der Arbeitskraft ohnegleichen, was übrigens, mangels an primitivster Organisation, für die gesamte nepalische Wirtschaft charakteristisch ist! Aus dem gleichen Grunde wird anderseits Salz per Flugzeug von Indien nach Pokhara geflogen!

Geologie. Der Verfasser erforschte den Gurkha Himal auf zwei Expeditionen. Die erste führte im Vorsommer 1952 vom Marsyandi-Tal nach Bimtakothi, an der Westseite des Manaslu. Die gründliche Aufnahme erfolgte jedoch im Herbst 1953 auf einer glanzvollen Expedition, während welcher das ganze Gebiet nördlich des Ganesh Himal und des Gurkha Himal, einschliesslich aller Grenzpässe und mehrerer Gipfel an der tibetischen Grenze, begangen wurde. Zum Schlüsse wurde der Manaslu über den Larkyapass umgangen und Ende November noch die ganze Südflanke des Gurkha Himal bis zum Rupina-Pass kartiert.

Geologisch zeigt der Gurkha Himal selbst keine besonders interessanten Merkmale. Kristallinkomplexe von ziemlich eintönigem Charakter bauen ihn auf. In den Hochgipfeln, vor allem im Manaslu, herrschen Granite vor.

Höchst interessant wird dagegen die Geologie bei Betrachtung der Stellung des Gurkha Himals im weiteren Rahmen des Nepal-Himalayas. Schon die topographische Gliederung und die Nordnordwest-Ostsüdost verlaufende Gipfelflur verrät ein beträchtliches Abweichen vom normalen Nordwest-Südost-Verlauf der Hauptkette. Das geologische Streichen ist ebenfalls im gleichen Sinne verdreht: der Schubbogen des Gurkha Himal liegt quer vor demjenigen der Annapurna; ja, er stösst sogar fast im rechten Winkel an den Lamjung Himal, den östlichen Ausläufer der Annapurna-Kette.

Die kristalline Schubmasse des Gurkha Himal nimmt ihren Ursprung im Granitmassiv von Mustang. Es wurde im vorhergehenden Kapitel ( Annapurna ) schon auf diese Granitmasse von Mustang hingewiesen, welche das komplizierte, von Formationen silurischen bis obermesozoischen Alters ausgefüllte Synklinorium von Manangbhot im Norden begrenzt. Bei Mustang besitzt der Granit den Charakter eines Stockes, welcher kaum Spuren einer Tektonik zeigt. An seinem Südrand ist er vorwiegend in Schichten vom Rhät an aufwärts eingedrungen, mit Gängen und Ausläufern bis gegen Torungtse-Muktinath ( vgl. die Profile durch die Annapurna ).

Im ca. 30 km südöstlich Mustang gelegenen Damodar Himal zeigt sich jedoch schon eine bemerkenswerte, nach Südwesten gerichtete Verfaltung, in welche die Granitgänge mit einbezogen sind. Gleichzeitig ergreifen die Granitintrusionen - es ist ein Turmalin-granit - nach Südosten fortlaufende tiefere Schichtglieder, nämlich Karbonphyllite bei Phugaon und endlich die silurischen Kalke in der Tilje. Im Himlung Himal ( nördlich Bimtakothi ) ist der Granit seibst zwar noch massig, doch ist er in der Tilje und im namenlosen, nordwestlich davon gelegenen Gipfel 22 997 Fuss ( 7009 m ) schon auf die Sedimentserie des Manangbhot-Synklinoriums aufgeschoben. Gegen Südosten, gegen Manaslu und namentlich gegen Himalchuli zeigt er zunehmende Tektonik und entwickelt sich vom Himalchuli an nach Osten zu einer richtigen Deckenwurzel: zur Wurzel der Kathmandu-Decke 5.

Das von Sedimenten ausgefüllte Synklinorium von Manangbhot wird durch die östliche Konvergenz der nördlich und südlich begrenzenden Kristallinkomplexe nach Osten rasch schmaler. Ein damit ( bei Pisang ) verbundener flexurartiger axialer Anstieg nach Osten bewirkt ein Zutagetreten tieferer Schichten. In der Tilje ist die Kalksynklinale schon stark nach Süden überkippt. Im Dudh-Khola-Tal erreicht sie den Talboden nicht mehr, und östlich der Baudha keilt sie ganz aus. Der Gurkha Himal ist somit vorwiegend aus Graniten und nordostfallenden Granitgneisen aufgebaut, welche die Wurzel der Kath-mandu-Decke 5 darstellen. Die Granite formen zum Teil ganz prachtvolle Gipfel, wie z.B. den namenlosen Pt. 24 150 Fuss ( 7364 m ).

Einige Kilometer nördlich des Larkya-Passes ruht die normale tibetische Sedimentbedeckung mit Formationen von Perm bis Kreide auf dem Manaslu-Granit. Im Larkya Himal sind dieselben äusserst stark verfaltet, mit enggepressten, z.T. steil und sogar rückwärts gestellten Falten. Landschaftsformen und Strukturen erinnern stark an das Säntisgebirge. Die Grenze Kristallin-Sediment verläuft im Gebiet Larkya-Sama, südlich des Buri Gandaki. Sie tritt erst östlich Lho an die nördliche Talseite. Gleichzeitig steigt sie nach Osten rasch in stratigraphisch tiefere Schichtglieder ein, nämlich wiederum in die silurischen Kalke. Interessante und mannigfache Intrusionserscheinungen sind hier an diesem Kontakt zu beobachten.

Es liegt demnach das interessante Phänomen vor, dass eine Granitmasse mit dem Charakter eines Stockes sich in seitlicher Richtung allmählich zu einer Deckenwurzel entwickelt. Eine ähnliche Erscheinung ist auch in den Alpen bekannt, nämlich im Bergeller Granit, der sich ebenfalls ( nach Westen ) mit Ausläufern in die Deckenwurzeln hineinzieht. Während aber die Masse des Bergeller Granits die Schichten, Schubflächen und Deckenscheiden durchschlägt, konnte dies im Granit von Mustang-Manaslu bisher nirgends beobachtet werden. Der Manaslu-Granit macht die Bewegungen alpinen Alters getreulich mit. Wir besitzen somit keine Beweise für das tertiäre Alter dieses Granites ( wie beim Bergeller Granit ). Die Granit intrusion dürfte in die Zeit vor und zu Beginn der Gebirgsbildung des Himalayas zu datieren sein.

In quartärgeologischer Hinsicht ist zu bemerken, dass der Larkya Himal stark vergletschert ist ( was aus der Karte nicht hervorgeht ) und zahlreiche grosse Talgletscher trägt. Alle diese Gletscher sind in starkem Wachstum begriffen. An mehreren Stellen konnte beobachtet werden, wie blankes Eis der Gletscherzungen ältere, von Gras und sogar Legföhren bewachsene Stirnmoränen überfährt.

IV. Die Shisha Pangma-Gruppe Allgemeines. Die Shisha Pangma ( 8013 m ) galt lange Zeit als der « dunkle » Achttausender. Durch ihre. Abgelegenheit hinter drei Gebirgsketten in Tibet trotzte sie lange allen Erkundungsversuchen. Die Britische Everest-Expedition 1924 näherte sich ihr von Osten her bis auf ca. 25 km. Tilman machte 1949 einen energischen Vorstoss von Nepal aus. Er fand den grossen Fehler der Karte des Survey of India, indem sich an Stelle der Verbindung der Langtang-Kette mit dem Jugal Himal das Langtang-Tal weit nach Norden hinaufzieht in einen grossen Gletscherkessel, von dem sich ein grosser Talgletscher nach Süden wälzt. Allein, schlechtes Wetter machten seine Erkundung nicht ertragreich: die Shisha Pangma wurde nicht gefunden.

Unterdessen hatte Peter Aufschnaiter in aller Stille die Nord- und Ostseite der Shisha Pangma kartiert, aber - leider - hierüber gar nichts publiziert. Es blieb dann dem Verfasser vorbehalten, das obere Langtang-Tal und die weitere und nähere Umgebung an der Südseite der Shisha Pangma zu erforschen und im Anschluss daran eine betreffende Kartenskizze und die erste photographische Aufnahme der Shisha Pangma aus der Nähe zu publizieren ( Herbst 1952 ). Es war für den Verfasser auch eine denkwürdige Expedition, nicht DAS GEBIRGE NEPALS nur wegen der reichen Ausbeute, sondern weil es seine erste Expedition ins hohe Gebirge bedeutete, mit einem Camp auf ca. 6000 m Höhe. Bis ins Langtang-Tal wurde der schöne Pilgerweg von Kathmandu über das Gosainkundgebirge gewählt. Am Südende des Tunga-Phu-Gletschers ( wie der grosse Hauptgletscher des oberen Langtang-Tales heisst ) wurde dann in 3900 m das Basislager aufgeschlagen. Für die Träger aus Kathmandu war damit der Endpunkt der Reise erreicht, da sie für das Hochgebirge untauglich sind. Nur mit dem einzigen Sherpa Aila - wobei die Lasten getreulich geteilt wurden - ging es dann den zerrissenen, mühsamen Tunga-Phu-Gletscher hinauf. Am Ende des dritten Tages wurde das höchste Camp, wenig unter der Gletscherlücke zum Nyanang-Gletscher, bei leichtem Schneefall aufgeschlagen. Am folgenden klaren Morgen winkte dann der Lohn für die ausgestandenen Mühen: die Shisha Pangma war in greifbare Nähe gerückt! Es wurde dann noch ein Gipfel an der gegenüberliegenden Talseite bestiegen und das ganze Gebiet kartiert, worüber die Kartenskizze Auskunft gibt.

Den Rückweg wählten wir - im tiefen Neuschnee - über den Gangja La ( 5624 m ) und besuchten dabei im Abstieg die berühmten Sherpadörfer Malemchigaon, Tarke Ghyang und Nurpugang.

Diese Sherpadörfer sind bekannt, weil es dort - wie meine Sherpas sagen - « egg tour ramro tsori » hat, was soviel bedeutet wie « eine Unmenge schöner Mädchen ». Tatsächlich waren und sind diese Dörfer seit Generationen das Reservoir für die zusätzlichen Frauen der « ruling families » in Kathmandu. Dies ist in Nepal durchaus legal, aber eine Frage des Geldbeutels!

Das Langtang-Tal ist heute bekannt für seinen « Rahm-Tilsiter », der dort jeweilen während der Regenzeit aus Yakmilch durch die Schweizer Experten Werner Schulthess und Ernst Siegenthaler im Rahmen des Hilfsprogrammes der UNO hergestellt wird. Im Sommer 1955 weilte Ernst Siegenthaler mit seiner tapferen Frau und dem zweijährigen Söhnchen Peter volle drei Monate im Gletscherdorf Kyangjin Ghyang ( 3800 m ) inmitten tibetischer Bevölkerung, im Zelt und völlig abgeschieden von der Welt ( sieben Tage Fussmarsch zur nächsten Post, zum Arzt oder zu englisch sprechenden Leuten überhaupt )! Eine Pionierleistung im stillen, welche die Taten mancher grossen, geräuschvollen Expedition aufwiegt! Das Langtang-Tal ist in seinem obern Teil eines der schönsten Himalayatäler. Auf den üppigen Wiesen zwischen Qrtm

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TÎÎS2 Langtang-Dorf und Kyangjin Ghyang blühen im Oktober Unmengen von Enzianen, Edelweiss und andern Blumen. Dahinter erhebt sich unglaublich steil die Südwand des Langtang Lining ( 7245 m ). Im Hintergrund des Haupttales, dessen Gletscher Tunga Phu heisst, leuchten noch zahlreiche herrliche, zum Teil namenlose Gipfel. Erst einer davon ( Kang Chumbu ?) ist von Raymond Lambert bestiegen worden. Shisha Pangma DAS GEBIRGE NEPALS Geologie. In geologischer Hinsicht passt die Shisha Pangma nicht zur Reihe der in den vorhergehenden Kapiteln beschriebenen westlichen nepalischen Achttausender. Sie gehört nicht zur Wurzelzone der grossen Überschiebungsdecken. Ihr Bau ist gekennzeichnet durch anti-klinal gelagerte, feinkörnige Paragneise und Glimmerschiefer mit mannigfachen Granitintrusionen.

Antiklinalachse « m^^ SynKiinaiacJiseSchuöl'lachei'V ^ 69SBm ,7/ Soviel aus Photographien von Peter Aufschnaiter zu ersehen ist, erscheinen die tibetischen Sedimente erst am Nordfuss der Shisha Pangma, und zwar lokal rückwärts gefaltet. Nach Westen zeigt die Shisha Pangma-Antiklinale ein starkes axi. fliawahof Decken >. ' " .':./ .i CosamKuna, ales Gefälle, so dass ca. 10 km nördlich Kyirong Dzong der Kri-stallinkern unter die Sedimenthülle taucht.

Südlich an die Shisha Pangma-Antiklinale schliesst sich eine ver- faltete, jedoch im ganzen synklinal Shisha Pangma gelagerte Zone derselben Kristallin-formation an. Nach Westen nehmen die Granite zu, so dass die Pekhu-Kangri-Kette ( östlich Kyirong Dzong ) aus reinen Graniten besteht. Die Synklinalzone südlich der Shisha Pangma-Antiklinalen entspricht strukturell dem Synklinorium von Manangbhot, nur dass hier eben infolge axialer Kulmination die Kristallinbasis an die Oberfläche tritt. Wie dort, bei Manangbhot, schliesst sich auch hier südlich die Wurzelzone der Kathmandu-Decken an, mit ihren steil nord- und nordostfallenden Kristallinformationen im Langtang Himal und Jugal Himal.

Nach Osten entwickelt sich die Shisha Pangma-Antiklinale zur Khumbu-Decke 2: der Menlungtse-Granit entspricht demjenigen des Pekhu Kangri. Es liegt damit eine ganz ähnliche Erscheinung wie beim Manaslu vor, indem aus dem tibetischen Plateau heraus ein Kristallingewölbe auftaucht und sich nach Osten zu einer Deckenwurzel entwickelt.

Im Gebiet von Nawakot-Gosainkund einerseits und Chautara-Ghumthang anderseits erscheinen unter den nordostfallenden Kristallinserien der Kathmandu-Decken die permischen Schiefer und Quarzite und triasischen Dolomite und Kalke der Nawakot-Decken. Einige hundert Meter unterhalb der Einmündung des Langtang Kholas in den Bhote Kosi ist auch das Karbon durch ein zwei Meter mächtiges Kohleflöz vertreten. An selber Stelle tritt eine heisse Quelle zutage, wie üblich in den angeschnittenen Überschiebungszonen in den tiefen Durchbruchstälern.

Die Nawakot-Decken bilden grosse Antiklinalen. Im Gebiet von Nawakot ( im Trisuli-Tal ) streicht die grosse Gosainkund-Antiklinale in Nordostrichtung durch das Gosainkund-Gebirge, mit beträchtlichem Achsengefälle in gleicher Richtung. Die Wurzeln der Kath- mandu-Decken streichen aus diesem Grunde im Tal zwischen Syabrubensi und Rasua Garhi fast Süd-Nord und weichen sehr stark nach Norden zurück. Im Osten, im Flussgebiet des Sun Kosi, ist die strukturelle Anordnung weitgehend symmetrisch. Die Sun-Kosi-Antiklinale streicht vom Unterlauf her in Nordwestrichtung bis Dolalghat, um von dort einen Ast mit Axialgefälle dem Indrawati entlang gegen Pati Bhanjyang abzweigen zu lassen, während die Hauptantiklinale von Dolalghat weiter dem Sun Kosi bis Kodari an der tibetischen Grenze folgt. Dadurch weichen auch im Gebiet des oberen Sun Kosi die Kathmandu-Decken sehr weit nach Norden zurück ( bis Kodari ), während die Wurzeln der Nawakot-Decken ebensoweit nach Norden vordringen. Die Antiklinalwirkung im Nordteil des Sun-Kosi-Gewölbes wird noch durch Nord-Süd verlaufende Querbrüche und Verwerfungen verstärkt. Diese Querstörungen konnten schon 1952 im Gebiet Sailung-Manga Deorali festgestellt werden.

Infolge der nach Norden konvergierenden und tauchenden Antiklinalen entsteht im Verbindungsgrat vom Gosainkundgebirge nach Süden zum Kathmandu-Becken eine tektonische Depression. In dieser sind die Kathmandu-Decken vor der Erosion erhalten geblieben. Sie bilden gleichsam eine ( an schmälster Stelle 15 km breite ) tektonische Brücke von den Deckenwurzeln zu den grossen überschobenen Massen bei Kathmandu. Letztere sind im ganzen synklinal gelagert, wobei jedoch grosse Komplikationen mit lokalen Verfaltungen und Aufschiebungen festzustellen sind. Kathmandu selbst liegt in der axialen Depression dieser Senke. Sowohl nach Westen als auch nach Osten steigt die Achse an, wodurch die Überschiebungsbreiten der Kathmandu-Decken nach den genannten Richtungen rasch abnehmen. Im Westen streichen sie westlich Kandrang Garhi sogar ganz in die Luft aus. Die Nawakot-Decken verbinden sich dort aus dem Gebiet von Nawakot westlich um die Kathmandu-Decken herum mit dem schmalen Band permisch-triasischer Formationen an der südlichen Überschiebungsfront der Kathmandu-Decken.

Nach Osten hingegen setzen sich die Gneise und Granite der Kathmandu-Decken als Band von nur ca. 10 km Breite in der Mahabharat-Kette fort, um sich erst im Räume Kho-tang-Bhojpur über die Mayam Danda wieder mit der Wurzelzone südlich des Solo Khumbu zu verbinden. Von Ghumthang-Chautara bis Aisyalukharka-Jubing erstreckt sich so ein riesiges tektonisches Fenster von 135 km Länge, in welchem unter den überschobenen Kathmandu-Decken die Nawakot-Decken erscheinen. Der Nordrand des tektonischen Fensters ist allerdings komplizierter gestaltet, indem dort infolge axialer Depressionen die Kathmandu-Decken in Form von Halbklippen nach Süden ausgreifen.

Die Wurzelzone der Kathmandu-Decken im Langtang Himal-Jugal Himal bildet einen einheitlichen tektonischen Schubbogen, östlich und westlich begrenzt durch Querantiklinalen und Querbrüche, längs welcher sich jetzt der ( Trisuli-)Bhote Kosi und der Sun Kosi durch die steilgestellten Wurzeln nach Süden zwängen. Auch hier finden sich schon die früher postulierten tektonischen Grundzüge des Himalayas bestätigt: die Aufteilung des Südrandes des tibetischen Plateaus durch alte Querstörungen in Blöcke schon vor der Orogenèse und die Rolle dieser Blöcke als Zentren der späteren tektonischen Schubbogen.

( Schluss folgt )

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