Das Gebirge Nepals

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Von Toni Hagen

Mit 3 Bildern ( 165-167 ) und 4 Skizzen ( Kathmandu und Lenzerheide ) VII. Die Makalu-Gruppe Die Makalu-Gruppe schliesst sich südöstlich an die! Everest-Lhotse-Gruppe an. Der Gipfel des Makalu selbst ( 8515 m ) ist eine der stolzesten [Berggestalten des Himalaya. Der zweite markante Hochgipfel dieser Gruppe ist der Chomp Lönzo ( 7815 m ), der sich nördlich dem Makalu vorlagert. Die Makalu-Gruppe wurde schon in den Jahren 1951 und 1952 von britischen Expeditionen unter Leitung von E. Shipton ausgiebig erkundet, wobei durch Aufteilung der ganzen Expedition in kleine, selbständig arbeitende Gruppen die ganze weitere Umgebung planmässig erforscht werden konnte. Eine Reihe stolzer, bisher unbekannter Siebentausender und Sechstausender wurde dabei bestiegen » Die Erforschung dieses Gebietes wurde 1954 ergänzt durch eine Neuseeländische Expedition ( Leitung E. Hillary ), eine amerikanische und eine französische ( wobei der Chomo Lönzo bestiegen wurde ). Die Besteigung des Makalu durch die französische Expedition 1955 unter Leitung von J. Franco bildete dann die Krönung der Erschliessung dieses Gebietes. Beiden französischen Expeditionen hatte sich der französische Geologe P. Bordet angeschlossen und dabei wertvolle wissenschaftliche Arbeit geleistet.

Der Verfasser beging die Gebiete um den Makalu irr Winter 1954/55 und im Herbst 1955. Für die geologische Beschreibung der Gebiete des K*rma Chu wurden die Aufnahmen von L.R. Wager benutzt.

Der Makalu liegt an der nepalisch-tibetischen Grenze. Er ist über den Pethangtse ( 6735 m ) mit dem Lhotse ( 8545 m ) verbunden. Seine Südflanke wird durch den Barun Khola entwässert, während das geologische Längstal des Karma Chu sich nördlich an den Grenzkamm anschliesst. Beide genannten Flüsse münden nur 30 km südöstlich des Makalu- gipfels ( 8515 m ) in den Arun, dessen Höhe bei Lamobagar Gola nur etwa 1300 m beträgt. Die Ostflanke der Makalu-Gruppe besitzt demnach Höhendifferenzen und Abstürze, wie sie im Himalaya kaum überboten werden. Der Arun ist einer der grössten Flüsse des Himalaya und ein typischer Durchbruchsfluss. Seine Quellflüsse liegen an der Nordflanke des Himalaya zwischen Everest und Kangchendzönga und sammeln sich im weiten ( geologisch bedingten ) Sedimentbecken von Shekar Dzong und Tingkye Dzong. In einer gewaltigen Schlucht durchbricht der Arun hierauf die Hauptkette des Himalaya zwischen Makalu und Kangchendzönga. Es führt zwar ein wichtiger Handelsweg von Tibet durch die Arunschlucht nach Nepal und nach Indien hinunter, doch qie Wegverhältnisse spotten jeder Beschreibung. Halbzerfallene Hängebrücken bis zu 100 m Spannweite, hergestellt nur aus Bambusseilen, sowie halsbrecherische Holzgerüste an den senkrechten Felsflanken sind zu passieren.

Manche der Seitentäler in der Arunschlucht sind total unpassierbar. Auch das Baruntal ( der Zugang zum Makalu ) bildet im untersten Teil eine schaurige Schlucht, deren Flanken mit Urwald bedeckt sind. Die Entdeckung eines Zugange zum oberen, moränenbedeckten, flacheren Talteil ist der ersten englischen Expedition unter E. Shipton zu verdanken. Der Weg führt von Nun-Sedua am Arun zunächst in das südlich benachbarte Seitental, und erst hierauf über einen Pass von 4300 m ins Barun. Alle späteren Expeditionen - und auch der Verfasser - haben sich dieses Zuganges bedient.

Südlich an die Makalu-Gruppe schliesst sich noch ein weites Gebiet mit schönen Hochgipfeln an, von denen der bedeutendste die Chamlang ( 1324 m ) zu nennen ist. Zahlreiche dieser Gipfel sind von den englischen und französischen Expeditionen bestiegen worden, obschon die Zugänge namentlich von Süden her, durch die äusserst wilden, unbewohnten Iswa-Chhoyang- und Sangkhua-Khola-Täler schwierig sind; vergleichbar etwa mit der von der schweizerischen Dhaulagiri-Expedition ( 1953 ) forcierten Mayangdi-Schlucht.

In geologischer Hinsicht war die letzte Expedition in das Gebiet des Makalu dadurch besonders wertvoll, als von den zahlreichen erstiegenen hohen Gipfeln an der tibetischen Grenze östlich des Makalu eine umfassende Übersicht über die gesamten Gebiete nördlich der Everest-Gruppe und im Nordteil des Aruntales erlangt werden konnte. Dies brachte einerseits die Lösung mancher Probleme im Bau des Mount Everest, andererseits die Erklärung über das merkwürdige Durchbruchstal des Aran durch die Hauptkette.

Geologie Das weitere Gebiet um die Makalu-Gruppe wird tektonisch durch die bedeutende Arun-Querantiklinale beherrscht, welche in Südsüdwest-Nordnordost-Richtung streicht, also praktisch senkrecht zum normalen geologischen Westnordwest-Ostsüdost-Streichen des Himalaya. Es ist erstaunlich, dass L.R. Wager, der das Aran tal 1936 untersuchte, dieses Phänomen nicht beobachtet hat. Als weiteres strukturelles Hauptelement ist die Längssynklinale des Karma Chu ( nördlich von Everest-Chomo Lönzo ) zu betrachten. Die tektonischen Einheiten sind weitgehend diesen Strukturen angepasst, d.h. die Arun-Querantiklinale ist spät-alpinen Datums und hat die schon vorher überschobenen Decken miterfasst. Wir können von oben nach unten die folgenden tektonischen Einheiten ausscheiden: Die Everest-Schuppe ( vgl. « Die Alpen », Juli 1956 ) stellt eine oberste, sekundäre Schuppe dar, deren basale Überschiebungsfläche - wie in der Ostwand des Mount Everest zu sehen ist - vom Südcol nach Norden in die Tiefe fällt. Sie enthält im Kern Granite. Die Chomo-Lönzo-Schuppe ist im Pass zwischen Makalu und Chomo Lönzo überschoben, was an Verfaltungen und Diskor-danzen in den dunkeln Paraserien gut zu sehen ist. Vom genannten Pass streicht die basale Überschiebungsfläche der Chomo-Lönzo-Schuppe östlich um den Chomo-Lönzo-Gipfel herum und hernach durch dessen Nordwand in das Gletscherbecken von Kangshung. Der Granit der Chomo-Lönzo-Schuppe erweist sich als identisch mit dem Nuptse-Granit. Die dunkle Parasene des Lhotse mit den hangenden Everestkalken ist ihm aufgelagert. Die Basis der gemeinsamen Nuptse-Chomo-Lönzo-Schuppe bildet eine Mulde, deren Achse vom Chomo Lönzo steil nach Westnordwesten fällt. Diese Synklinale ist eine südliche Teil-synklinale der schon oben genannten Karma-Chu-Synklinale. Im Lhotse und im Pethangtse zeigen sich am Südrand der Nuptse-Chomo-Lönzo-Schuppe Verfaltungen und Scharniere, wodurch die dunkeln Paraserien nach Süden ziemlich weit ausgreifen, bis in den Hintergrund und südlich des Gletscherkessels von Imja. Das In-die-Tiefe-Streichen der Paraserien wird noch verstärkt durch eine axiale Depression östlich des Lhotse ( ähnlich wie die Nuptse-Synklinale ).

Die Makalu-Schuppe baut den Gipfel des Makalu ( 8515 m ) auf. Sie besteht vorwiegend aus Granit, was der Verfasser schon anlässlich seiner ausgedehnten Vermessungsflüge im Jahre 1950 festgestellt hatte. Nach P. Bordet wäre der Makalu-Granit tertiären Alters, da er an gewissen Stellen direkt über die nächsttiefere Serie überschoben worden ist. Der Überschiebungscharakter der Makalu-Schuppe verliert sich nach Westen. Nördlich der Chamlang sind noch einige tektonische Störungen festzustellen. Es scheint, dass die Verfaltungen in der Taweche, aber auch schon die Verscheerungen an der Südflanke des Cho Oyu, die westlichen Anfänge der Makalu-Schuppe darstellen. Besonders deutlich ist die Überschiebung der Makalu-Schuppe in der Ostwand von Makalu-Chomo Lönzo. Nach Nordwesten Chamlang 732

Nawakot Decken ( N )

20 Km

Kathmandu Decken ( KB )

Khumbu Decken ( Ku ) u. Tibetische Lone

. Dolomite ( Trias ) G/anzsch/efer Quarzite Augengneisse PrêkarbonisoiP. Ka//re a. Quarzite vorwiegend Parakristallin Injekfions - Mischgneisse vorwiegend Orthokrtstallin KalkeIvorwiegend Parakristallin Parakristallin mit Infrusionen vorwiegend Granite Augengneisse Schubjâche — VerwerfungAbb. 1. Drei geologische Profile durch die Makalu-Gruppe verwandelt sich die Schuppe in eine Kristallin-Antiklinale ( die neben Graniten grosse Mengen von grobklastischen Augengneisen enthält ), welche axial nach Westnordwesten unter die tibetischen Sedimente taucht. Die Erscheinung von starken Facieswechseln innerhalb einzelner tektonischer Einheiten in Streichrichtung ist typisch für die kristallinen Decken des Nepal-Himalayas. Nicht nur die Makalu-Schuppe, auch fast alle übrigen Schuppen und Decken enthalten bei ihrem ersten Auftauchen von Nordwesten her vorwiegend Granite, deren tertiäre Deutung durchaus möglich ( jedoch bisher noch nicht erwiesen ) ist. Gegen Südosten, also in Streichrichtung, entwickeln sich diese Granite meist zu Augengneisen, denen teilweise der Charakter von Migmaltiten, teilweise der Charakter von Injektionsmischgneisen zugeschrieben werden muss. Doch über diese Probleme streiten sich die Petrographen selbst in den Alpen noch! Im Himalaya erschweren diese seitlichen Übergänge vor allem die Altersbestimmung der Intrusionen. Was am einen Ende der Decke möglicherweise als tertiärer Granit gedeutet werden kann, ist am anderen Ende bestimmt als voralpine Intrusion zu bezeichnen. Vielleicht gibt die detaillierte Ausarbeitung des bisher gesammelten riesigen Feldmaterials dereinst Auskunft über diese für die Himalaya-Geologie sehr wichtigen Fragen.

Liegend zur Makalu-Schuppe findet sich die Sakyetang-Schuppe, welche hauptsächlich östlich der Makalu-Gruppe gut ausgebildet ist. Der Grundriss dieser Schuppe besitzt zufolge der Karma-Chu-Synklinale eine Bogenform. Alle genannten Schuppen sind als Rückenschuppen der Khumbu-Decke Nr. 3 zu betrachten. Deren basale Schubfläche konnte im Kumbhakarna Himal besonders deutlich festgestellt werden mit einer grossen, tektonisierten Serie von Kalken, Kalksilikatfelsen, Paragneisen und Glimmerschiefern. Gegen Kharta Shika zu öffnet sich diese Schubfläche zu einer breiten Mulde mit tibetischen Sedimenten. Der Hauptstamm der Khumbu-Decke Nr. 3 taucht westlich Kharta Shika als Kristallingewölbe in nordwestlicher Richtung unter die tibetischen Sedimente. Damit ist erwiesen, dass die Kalke zwischen Khumbu-Decke Nr. 2 und 3 nicht etwa nur normale stratigraphische Einlagerungen im Kristallin darstellen, sondern dass sie zwei verschiedene tektonische Zonen ( im Norden ) und Stockwerke ( im Süden ) trennen.

Die liegende Khumbu-Decke Nr. 2 holt zufolge der Arun-Antiklinalen weit nach Norden in die Gebirgsgruppe des Nyönno Ri ( 6748 m ) aus und setzt sich östlich des Arun mit Süd-Streichen fort. Für weitere Details sowie für die tieferen Decken südlich der Makalu-Gruppe sei auf die beigegebene Karte und die Profile verwiesen.

VIII. Die Kangchendzönga-Gruppe Am 25. Mai 1955 wurde der Kangchendzönga ( 8585 m ) als sechster Achttausender der Erde von der Neuseeländisch-Britischen Expedition unter Leitung von Charles Evans zweimal bestiegen. Diese Besteigung ist die bisher wohl stolzeste Leistung im Himalaya, dürfte doch der Kangchendzönga weitaus der schwierigste aller Achttausender sein.

Vor Evans gingen neun grössere Expeditionen den Berg an. Manche mussten unter dramatischen Umständen abgebrochen werden. Alle versuchten sich an Graten, während Evans den direkten Aufstieg durch die Südflanke aus dem Yalungtal wählte. Eine Route, die an Steilheit fast mit den bekannten Wänden der Schweizer Alpen sich messen kann, dazu aber in einer Höhe um 8000 m!

Infolge der zahlreichen Expeditionen ist der Kangchendzönga einer der bekanntesten Achttausender. Durch seine Lage an der Nepal-Sikkim-Grenze war seine östliche Sikkim-seite schon seit langem für die Touristen geöffnet. Aber auch die nepalische Regierung machte von ihrem sonst kategorisch abweisenden Verhalten für den Kangchendzönga eine Ausnahme DAS GEBIRGE NEPALS und bewilligte zwei grösseren Expeditionen die Erkundung der Westseite des Kangchendzönga, nämlich der Expedition Dyhrenfurth 1930 und der Expedition Lohner-Sutter 1949. Den vielen Expeditionen sind die Unterlagen für die schöne topographische Sikkim-Karte zu verdanken, welche die Schweizerische Stiftung für Alpine Forschungen herausgegeben hat. Der Verfasser erforschte das Gebiet des Kangchendzönga im Herbst und Winter 1955/56.

Der Kangchendzönga ist - topogra- 1'Se.dimentz.one ) I i IjIHH'M!

.'Mi11Uli'phisch gesehen - Massenerhebung. Dies und die relativ hohe Lage des gesamten Vorgeländes bis fast an den Rand der Gangesebene lassen ihn bedeutend weniger imposant erscheinen als etwa Annapurna und Dhaulagiri. Bekannt ist seine Schönheit von Darjeeling aus.

Als Ausgangspunkt für eine Expedition ist Darjeeling ideal gelegen. Nirgends sonst kann man mit einem modernen Verkehrsmittel in solche Höhe hinauf gelangen. Das Anmarschgelände ist infolge der hohen Lage freilich äusserst menschen-arm. An der Westseite beispielsweise ist das von Tibetern bewohnte Dorf Ghunsa ( 3600 m ) in einem Umkreis von gegen 40 km die einzige grössere Siedlung.

Der Kangchendzönga liegt südlich der Wasserscheide zwischen Nepal und Tibet ( im Gegensatz zu Cho Oyu, Everest und Makalu ). Die Längsausdehnung der Gruppe des Kangchendzönga ist Nord- ì Synklinalachse mit AchsengefalleAnllklinalachse mit Achsengefélle Abb. 2. Tektbnische Kartenskizze von Ostnepal Süd gerichtet, was ebenfalls im Gegensatz steht zu der Gliederung sämtlicher übriger nepalischer Achttausender. Vom Kangchendzönga zieht ein relativ hoher Grat nach Süden - die Singalila-Kette - und verbindet sich mit der Mahabharat-Kette im äusseren Himalaya. Neben den beiden Hauptgipfeln von 8585 m und 8476 m sind als schöne Gebirgsformen zu erwähnen: die Twins ( 7350 m ) im Norden; Talung ( 7349 m ), Kabru ( 7338 m ) und Ratang ( 6579 m ) jm Süden; der Siniolchu ( 6887 m ) im Osten und der Jannu ( 7710 m ) im Westen; der letztere ist einer der schönsten Himalayagipfel. Seine z.T. überhängende Nordwand zum 4000 m hoch gelegenen Jannu-Gletscher hinunter sucht Ihresgleichen im Himalaya.

Nach allen vier Himmelsrichtungen ergiessen sich Vom Kangchendzönga grosse Talgletscher, welche Längen bis über 20 km erreichen.

Geologie Der Kangchendzönga ist vom geologischen Standpunkt aus der eintönigste aller nepalischen Achttausender. Er liegt nicht in der Wurzelzone der grossen Decken, sondern ca. 30 km weit südlich davon. Dadurch haben die tibetischen Sedimente keinen Anteil mehr an seinem Bau. Petrographisch herrscht eine grosse Eintönigkeit in den Kristallin- serien von vorwiegend Orthogneis- und Granitcharakter vor. Seine ausserordentliche Höhe wird hauptsächlich durch Hebung « en bloc » bedingt, welche durch eine West-Ost verlaufende Antiklinale noch verstärkt ist. Der Kangchendzönga weicht also in dieser Hinsicht ab vom Bau aller übrigen Achttausender, welche durchwegs die steilgestellten Wurzeln der Decken oder deren unmittelbar nördlich anschliessenden Rückenschuppen darstellen.

Es konnten zwei tektonische Einheiten im Kangchendzönga-Gebiet ausgeschieden werden, nämlich die liegende Lumbasumba-Zone und die überschobene Kangchendzönga-Decke. Die Lumbasumba-Zone besteht hauptsächlich aus Graniten, welche nach oben in Granitgneise und sehr schöne Augengneise übergehen. Diese sind im oberen Teil zunehmend von geringmächtigen Lagen von biotitreichen Paragneisen, Biotitchloritschiefern, Granatglimmerschiefern und Hornblendegarbenschiefern in Bänke aufgeteilt. In der Schubflächenzone sind die Glimmerschiefer besonders angereichert. Kalkschürf linge konnten südlich des Yalung-Gletschers und weiter westlich im Yangma-Tal festgestellt werden. Die Lagerung ist in der Lumbasumba-Zone ebenmässig; Verfaltungen treten nur an der Westseite der Kangchendzönga-Gruppe, westlich des Sinelapchu, auf. Die überschobene Kang-chendzönga-Decke dagegen ist an der Basis stark verfaltet, so dass die Überschiebung teilweise sogar diskordant wird. In der Südwand des Kangchendzönga ist insbesondere eine nach Osten gerichtete Stirnfalte sichtbar.

Die Kangchendzönga-Decke besteht aus Augengneisen und Granitgneisen an der Basis; aus massigen Graniten in den oberen Teilen, z.B. im Jannu. Die Schichtlagerung ist durch einzelne dunkle Paragesteinseinschlüsse erkennbar. Die Lagerung der Decken und ihrer Schichten im Kangchendzönga ist relativ flach und einfach. Sie wird beherrscht durch die schon erwähnte, flache West-Ost verlaufende Längsantiklinale und die stärker ausgeprägte Nord-Süd verlaufende Quersynklinale. Die Achse der letzteren streicht vom Jongsang Peak ( 7459 m ) durch den Ginsang-Gletscher nach Süden, traversiert den Kang-chendzönga-Grat zwischen Hauptgipfel und Kangbachen und zieht dann in einigen hundert Meter Entfernung vom rechten Ufer des Yalung-Gletschers nach Südwesten. Wir müssen die überraschende Feststellung machen, dass auch der Kangchendzönga, obschon nicht in der Wurzelzone befindlich, in einer Längsdepression liegt. Also auch hier verhält sich das Relief entgegengesetzt zur geologischen Struktur, wie bei allen anderen nepalischen Achttausendern. Jannu im Westen und Kangchendzönga-Ostgipfel bilden gleichsam die Eckpfeiler an der Flanke der Quersynklinalen.

Die Überschiebungsfläche der Kangchendzönga-Decke reicht am Ostgipfel und an dessen Ostflanke am höchsten, nämlich bis zur Achttausendergrenze.Von dort zieht sie sich beidseits nach Westen hinunter gegen den Kangchendzönga-Gletscher einerseits und gegen den Yalung-Gletscher andererseits. Im Ghunsa-Tal steigt sie wieder flach Westen, entsprechend der Westflanke der Quersynklinalen. Der Gipfelgrat des Kangchendzönga samt seinem Nordwest- und Südwestgrate bildet daher eine tektonische Klippe. Deren Grundriss entspricht infolge der relativ flachen Lagerung und der tief eingeschnittenen Täler weitgehend der topographischen Gliederung, indem die Grate von der überschobenen Kangchendzönga-Decke gebaut werden, während in den Tälern die liegende Lumbasumba-Zone aufgeschlossen ist. Dasselbe gilt auch im Süden, im Grat des Kabro, sowie im Norden, gegen die Twins, Nepal Peak, Tent Peak und Pyramid Peak. An der Ostflanke konnte der Verlauf der Kang-chendzönga-Deckenüberschiebung nicht mehr beobachtet werden, da die Sikkimseite ausserhalb des Untersuchungsgebietes liegt.

Am Jongsang Peak ( 7470 m ), 28 km nördlich des Kangchendzönga, trägt die Kang-chendzönga-Decke die tibetischen Sedimente. Dort ist auch ihre nordfallende Wurzel zu Profi Siwalik Kette Langling Ganges EbenefniÉfflilniiiniinS Eklapa.. .X-. _.v,..

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l Kalke 1 Quarzite Schub/ëche MmAulochlhonisGrundgebìrgeIIQrfhokrlslallln Abb. 3. Drei geologische Profile vom Kangchendzönga zur Gangesebene WNW ESE Abb. 4. Zwei geologische Längsprofile vom Mount Everest zum Kangchendzönga ( Legende siehe Abb. 3 ) suchen. Da die Untersuchungen sich nur auf nepalisches Territorium beschränken mussten, konnte der wahre Charakter der Lumbasumba-Zone nicht ermittelt werden. Im Querprofil betrachtet bildet die Lumbasumba-Zone ein Gewölbe, dessen Südteil nach Süden mässig ( ca. 10 km ) über die Khumbu-Decke Nr. 3 überschoben ist. In den beigegebenen Profilen wurde dieses Gewölbe als autochthon, d.h. die betreffenden Formationen als an Ort und Stelle entstanden, gedeutet. Es wäre jedoch nicht ausgeschlossen, dass die liegende Khumbu-Decke 3 und die tieferen tektonischen Elemente weit nach Norden bis unter die Kangchen-dzönga-Gruppe greifen, wodurch dann der Grossteil der Lumbasumba-Zone Decken-charakter annehmen würde. Der Schlüssel zur Klärung der tatsächlichen Verhältnisse liegt zweifellos in Sikkim, wo durch axialen Anstieg die tieferen Elemente an die Oberfläche treten dürften.

Die Kangchendzönga-Decke selbst stellt auch noch einige Probleme: Ihre Wurzel im Jongsang Peak ist mit 1500 m ausserordentlich geringmächtig. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Lumbasumba-Zone und Kangchendzönga-Decke in der Wurzelzone eine einzige stratigraphische Schichtfolge bilden, deren oberstes Paket, über den Kalken ( Devon oder Perm ?), als Gleitbrett über die tieferen Schichtglieder nach Süden gefahren ist. Ähnliche « Gleitbrett-Tektonik » kennen wir ja auch in den Alpen! Auf alle Fälle bietet eine stratigraphische Gliederung der einförmigen granitreichen Kristallinserien grosse Schwierigkeiten.

Der Nordwestteil der Lumbasumba-Zone und damit auch ihre Streichrichtung dreht stark nach Norden ab, während hier die Schubrichtung gleichzeitig nach Westen gerichtet ist. Ihr Nordende taucht als nach Westen überkippte Kristallin-Antiklinale nach Norden ( gegen Tashirakha ) unter die tibetische Sedimentzone. Der liegende und der hangende Kalkzug vereinigen sich bei Tashirakha und öffnen sich zu einer weiten Sedimentmulde ( vgl. beiliegende tektonische Karte ). Der liegende Kalkzug gehört zur Khumbu-Decke Nr. 3. Nördlich Topke Gola ist er ca. 200 m mächtig und enthält viele Echinodermen und andere kleine, noch nicht bestimmte Fossilien ( Lias ?), Er ist dort auch von schönem Dolomit unterlagert, welcher vermutlich der Trias zuzuschreiben ist. Der Granit ist bis in diese Kalke intrudiert, also in bedeutend höhere Schichtglieder als weiter westlich, wo z.B. im Everest nur prä-karbonische Formationen von den Intrusionen erfasst worden sind. Räumlich betrachtet könnte man die granitreiche Lumbasumba-Zone mit der Makalu-Schuppe, die Kangchen-dzönga-Decke mit der Chomo-Lönzo-Schuppe vergleichen. Eine direkte Verbindung hat jedoch auch früher, vor der Ausräumung des Aruntales, wohl kaum bestanden, da Makalu und Kangchendzönga ganz verschiedenen tektonischen Bogen angehören.

Nach Südsüdosten streicht die Khumbu-Decke 3 bis in das Gebiet von Darjeeling. Die nächsttiefere Khumbu-Decke ( Nr. 2 ) greift in der Aran-Antiklinalen ebenfalls weit nach Norden und streicht nach Süden sogar bis zur Main Boundary Thrust an der Siwalikzone, längs welcher sie auf einer Breite von mindestens 60 km ( bis zur indischen Grenze südlich Darjeeling ) die Deckenfront bildet. Die grosse Mächtigkeit erklärt sich durch tektonische Anhäufung an der Deckenstirn.

Die Khumbu-Decke Nr. 1 greift ebenfalls vom nördlichen Teil des Aruntales bis zur Siwalikkette östlich Dharan. Ihre Strukturen streichen in schiefem Winkel an die Siwalik-formationen, und 35 km östlich Dharan endet sie unter der Khumbu-Decke Nr. 2. Der Beweis für das tatsächliche Ostende der Khumbu-Decke Nr. 1 kann auch weiter nördlich, im Mittellauf des Tamurtales, beobachtet werden. Im Gebiet von Angbung erscheint nämlich in einem ca. 40 km langen tektonischen Fenster eine Serie von Phylliten, Quarziten, Chloritschiefern und Konglomeratgneisen, welche wahrscheinlich dem Karbon zugeschrieben werden müssen. Diese Deutung wird auch erhärtet durch neuerliche Entdeckung von fossil- belegtem Karbon im Rangit-Tal in Sikkim, durch den « Geological survey of India ». Der Ostrand dieses tektonischen Fensters ( Zone von Angbung ) wird durch eine Nord-Süd verlaufende Verwerfung gebildet. An dieser endet die Khunjibu-Decke 1.

Auch die tieferen Decken, nämlich Kathmandu-Decken und Nawakot-Decken, finden ihr Ostende im Gebiet von Dharan, immer mit schiefem Streichen zur tertiären Siwalik-Zone.

Die Nawakot-Decken ( freilich mit etwas anders gearteten Schichtfolgen als in Zentralnepal ) erscheinen auch als tektonisches Fenster bei Dumlingtar im Aruntal.

Bei Dharan selbst fehlen die Siwalikformationen. Sie sind möglicherweise von den Nawakot-Decken als Reliefüberschiebung überfahren wofden. Dieses ganze Gebiet zeichnet sich aus durch jüngste Krustenbewegungen, was durch die Überschiebung der tertiären Si-walik-Formation über das rezente Ganges-Alluvium einige Kilometer östlich Dharan erwiesen ist.

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