Das Rebloch bei Schangnau

Hinweis: Dieser Artikel ist nur in einer Sprache verfügbar. In der Vergangenheit wurden die Jahresbücher nicht übersetzt.

VON R. HOPF, THUN Mit 1 Plan und 3 Abbildungen im Text Wer als aufmerksamer Beobachter von der Schallenbergstrasse her gegen Schangnau fährt, sieht, wie die Emme einige hundert Meter unterhalb der Holzbrücke in einem schmalen Felsspalt verschwindet. Dort beginnt das Rebloch, durch welches sich die Emme auf einer Strecke von 11/4 km zwischen 50 bis 60 m hohen Nagelfluhwänden hindurchzwängt. Weite und enge Stellen wechseln 250 500 750 1000 m ab, die engen, etwa vier von 50 bis 100 m Länge, müssen durchschwömmen werden. Das kann fluss-auf und -abwärts geschehen, da bei normalem Wasserstand wegen der grossen Tiefe ( mehrere Meter ) die Strömung nicht zu stark ist. Der unterste Engpass, 750 m vom Schluchteingang bei P 830 ( Karte Eggiwil 1:25 000 ) entfernt, ist so schmal, dass die seitlich ausgestreckten Arme beidseits die Felswände berühren. Etwa 40 m senkrecht darüber stossen die Felsen zusammen und bilden die sogenannte Naturbrücke, über die der Wanderweg von der Schallenbergstrasse über Schafschwand nach Schangnau führt.

Im Innern herrscht Dämmerlicht, und nur mit Mühe lässt sich der dort eingekeilte, unter Wasser liegende Baumstamm erkennen, welcher den Füssen Halt verschafft. Das Durchschwimmen dieser Stelle ist etwas vom Reizvollsten und Interessantesten der ganzen Expedition.

Um aber einen umfassenderen Einblick, nicht nur eine partielle Sicht aus der Froschperspektive in die ganze Gegend zu bekommen, empfiehlt sich eine pikantere Begehung, wenn man so sagen darf.

Mit Seilen wohl ausgerüstet, begeben wir uns auf dem Wanderweg vom « Flüegfääl » an der Schallenbergstrasse zur « Naturbrücke », von wo aus sich ein imposanter Einblick schluchtauf- und -abwärts bietet. Das Glockengeläute der Kühe auf den gegenüberliegenden Wiesen vermischt sich mit dem Rauschen der Emme, welche 50 m senkrecht unten in der Tiefe durchmesst. Wir überschreiten die Naturbrücke, folgen aber nicht dem Wanderweg, sondern queren vorsichtig über den hohen Felsen das steile Gehölz flussabwärts bis in die Nähe eines Bäcbleins, welches dort über die Felsen hinausschiesst. Dort ist die geeignete Abseilstelle: ein solider Baum, überdurchschnittlich feste Nagelfluh, gute Kontrollmöglichkeit des Seiles von der Naturbrücke aus und unten eine nicht allzu tiefe Landungsstelle. ( Der Naturbrücke nähere Bäume eignen sich auch zum Abseilen, nur führen sie unter Umständen ins tiefe Wasser, ohne Grund, so dass man gleich vom Seil weg zum Schwimmen kommt ). Die Tiefe des Wassers [da unten ist nicht immer gleich - Kontrollen zu verschiedenen Jahreszeiten und in verschiedenen Jahren ergaben wechselnde Tiefen zwischen 50 und 130 cmdeshalb ist es vorsichtiger, die Kleider vorher wasserdicht in Plastik und Rucksack zu verstauen und in Badehosen abzuseilen.

Begreiflicherweise kommt in diesem Tenue das Ab- seilen im Dülfersitz nicht in Frage! Sehr gut geht es mit Im Rebloch, unterhalb der engsten Stelle. Oben: Die Naturbrücke. Links: Die Abseilstelle 2 Bremsbügelkarabinern, welche mittels eines Metall-ringes nacheinander geschaltet sind. Die Bremswirkung ist mit 8- und 9-mm-Kunstfaserseilen ideal, die Erhitzung auch bei trockenen Seilen massig. Auch das Allainsche Abseilgerät eignet sich bestens, nur ist hier die Erhitzung grosser. Sie kann erheblich vermindert werden durch vorheriges Nassmachen der Seile im nahen Rinnsal. Mühelos und komfortabel gleitet man gemächlich nach unten. Zuerst 5 m schräg, dann senkrecht und die letzten 20 m überhängend. Der Tief blick ins Wasser hinunter ist zunächst fast beängstigend; aber man gewöhnt sich bald daran und geniesst die sich ändernden Aspekte vom ungewohnten, sich nach unten verschiebenden Standpunkt aus.

Unten taucht man ins erfrischende Nass der Emme ( 1965:130 cm Tiefe ) und erreicht schwimmend die Kiesbank auf der anderen Seite. Das Seil lässt sich von hier aus gut nachziehen.

Hier wird die Bergausrüstung in einer sicheren Nische über dem Wasser deponiert, und dann geht 's schwimmend schluchtaufwärts. Es wird sofort tief. Gleich die erste Passage ist atemraubend spannend: in einem engen Spalt - die Arme berühren seitwärts die Felswände - schwimmt man gegen die Strömung im Dämmerlicht. In der Mitte dieser Enge ist ein Baumstamm etwa 50 cm unter dem Wasserspiegel eingeklemmt Bei Müdigkeit bietet er guten Halt oder sogar Stand. Oben weitet sich der Spalt, man bekommt wieder Boden unter den Füssen und kann seitlich auf Kies- und Steinbänken weitergehen - oder stolpern. Ein bizarrer Nagelfluhsporn, von der Nordwand abgespalten, lockt zum Erklettern. Ja, wenn es Kalk oder Granit wäre! Noch drei weitere Engpässe müssen durchschwömmen werden, nur sind sie nicht mehr so schmal wie der unterste, der eine aber um einiges länger. So wird einem, bei allem Genuss, auch wenn das Wasser genügend warm ist, eher kalt; dafür lacht die warme Sonne am oberen Schluchtende! In die Schlucht dringt wohl kein ti Sonnenstrahl, aber glücklicherweise auch keine Bremse!

Sobald man sich aufgewärmt hat, geht es wieder hinunter, diesmal wegen der Strömung merklich schneller. Vorsicht, am Anfang der Schlucht, wegen grossen, glatten, zum Teil im Wasser verborgenen Steinen! Bald sind die Rucksäcke wieder in Sicht. Unterhalb der eigentlichen Schlucht muss oder kann, je nach Wasserstand und Laune, noch zwei- bis dreimal geschwommen werden; nur sind jetzt die Säcke auf dem Rücken etwas unbequem. Erst nach 1 km findet sich ein Ausstieg; bis dahin ist die Emme eben noch von steilen Felsen und Schrofen flankiert, die schwer zu erklettern sind.

Die Landschaft ist aber auch hier sehr schön: sonnenbeschienene Felsen und Hügel! Dort, wo der Chnubelhüttengraben einmündet, folgt man dem Bach auf seiner Westseite über ein Felsband und steigt weiter oben, nach Durchqueren des Baches, auf einem schlechten Fussweg steil hinauf, wobei die abgekühlten Körper wieder warm bekommen.

Vom « Chnubelhütteli » führt ein Fussweg horizontal ostwärts in den Wald hinein, wo er sich zunächst etwas senkt, stellenweise undeutlich wird, dann wieder auf gleicher Höhe bleibt, bis er schliesslich wenige Meter oberhalb der Naturbrücke in den Wanderweg einmündet. Auf der Karte ist dieser Fussweg nur zum Teil eingezeichnet.

Damit haben wir den Ausgangspunkt der Tour erreicht. Diese Wanderung vom Chnubelhütteli über den Felsen der Emme ist überaus lohnend, gibt sie einem doch einen schönen Rückblick auf die ausgeführte Tour. Immer wieder gleitet der Blick durch die Bäume hindurch auf die tief unten rauschende Emme und später auf den Schluchteingang.

Für das ganze Unternehmen genügt ein halber regen- und gewitterfreier Tag im Spätsommer. Die Emme kann gerade bei Gewittern innerhalb weniger Minuten zu einem reissenden Strom an- schwellen, was um so gefährlicher ist, als es keine Ausstiegs- und wenig Ausweichmöglichkeiten gibt.

Als Fussbekleidung eignen sich leichte genagelte Schuhe oder Espadrilles mit Schnürsohlen. Gummiprofile sind unangenehm, weil sie auf den mit Algen überzogenen Steinen nicht gleitsicher sind. Der Höhe der Abseilstelle entsprechend ( 50 m ), sind 100 m Seil vonnöten.

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