Der Doubs in Legende und Geschichte und Kletterberge in seinem Bereich

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in seinem Bereich

VON MAURICE BRANDT, BIEL

Mit 4 Bildern ( 222, 224, 226/227 ) I Für den Geographen ist der Doubs ein Fluss von 430 km Länge, wovon 72 km in der Schweiz liegen. Auf dem Grunde einer tiefen Schlucht hinfliessend, bildet er auf 43 km eine günstige Grenze zwischen unserem Lande und Frankreich. Die Luftlinie von seiner Quelle bei Mouthe bis zur Mündung in die Saône bei Verdun s. Doubs beträgt nur 100 km. Man kann also sagen, dass er wie die Bewohner seiner Ufer, die Francs-Comtois und die Francs-Montagnards, unentschlossen sei und wenig bestrebt, sein Ziel zu erreichen.

Für die Dichter, von denen besonders J. Baillods hervorragt, ist er « ein Fluss, der mit der Müdigkeit der ganzen Welt beladen ist, ein grosser Fluss von einst mit einer toten Vergangenheit, ein Abwesender, der selbst nicht mehr weiss, dass er da ist, vergessen vom Umsturz der modernen Zeit, ein Fluss, der einfach da bleibt, wenn man schon nichts mehr mit ihm anzufangen weiss ».

Für den Menschen, der bereit ist, aus der Geschichte zu lernen, ist der Doubs der jüngste Beweis dafür, dass der technische Fortschritt mehr als jeder andere Faktor imstande ist, ein einst prospe-rierendes Tal veröden zu lassen. Seinem Lauf entlang, « vom grossen Wasserfall bis zu Beaufonds, gab es im Jahre 1663 33 Räderwerke, welche der Herzogin S.A. de Longueville steuerpflichtig waren », sagt Abr. Robert. Im Jahre 1910 bestanden nur noch die Moulin du Saut ( die Mühle beim Wasserfall ), die Schmiede von La Roche und das Sägewerk von La Rasse. Und nur das letztere besteht heute noch, ist nun aber ausser Betrieb gesetzt worden. Alle andern Bauten sind verschwunden. Manche haben kaum eine Spur zurückgelassen, von anderen sind finstere Ruinen geblieben, wie die von La Roche, die bei niederem Wasserstand des Lac de Moron sichtbar werden.

Für den Kletterer, der den Doubs erst seit kurzer Zeit entdeckt hat, ist er ein unverhoffter Fund, eine einsame Berglandschaft von hinreissender Gewalt, in der die körperliche Anstrengung zum reinsten Vergnügen wird. Den grossen Massen von Raimeux oder von Sommètres ist sie noch vollständig unbekannt Auf all meinen Touren bin ich nie jemandem begegnet.

Die Tête de Calvin Der Fels erinnert trotz seinem strengen Aspekt in nichts an den Genfer Reformator. Er beherrscht einen Arm des Doubsbeckens, bevor es das Hotel du Saut erreicht, und hat den Roc de la Vierge als Gegenüber. Die beiden Berge bilden ein so seltsames Nebeneinander wie Calvin selbst mit der heiligen Jungfrau.

Die Schönheit der Doubsbecken ist berühmt, sie waren das bevorzugte Motiv des Malers l' Eplat-tenier. Die prächtigen, zwischen sonnige Felswände gebetteten kleinen Seen verdanken ihre Entstehung einem Bergrutsch, der einst das Tal verschüttete. Sie bilden die heitere, liebliche Doubs-landschaft, die von den Sonntagstouristen bevorzugt wird. Ein breiter Weg auf halber Höhe des Abhangs führt den Becken entlang und am Fuss der Tête de Calvin vorbei. Aber nur wenige heben den Blick zu diesen schroffen Felsen empor. Knatternde Motorboote mit schweizerischer oder französischer Flagge durchfurchen die Wellen der Seebecken und halten manchmal beim Echo- felsen an, eine Gewohnheit, die aber langsam verschwindet. Der Zwischenhalt war vor allem für die Bootsführer ein Vorwand zum Ausruhen zur Zeit, da sie ihre Passagiere mit Ruderbarken herumfuhren. Die Führer der Motorboote haben den Sinn für Poesie verloren - wenn sie ihn überhaupt einmal besessen haben bei ihrem Ruf, gewinn- und zanksüchtig zu sein. Ein Reglement untersagt den Bootführern heute, sich den Leuten aufzudrängen. Schon 1910 sah sich die Obrigkeit gezwungen, im Dorf eine Grenze zu bestimmen, über die hinaus keine Spaziergänger angesprochen werden durften. Eine Petition an den Conseil général stellte fest, « dass gewisse Personen, die berufsmässig Spaziergänger auf dem Doubs herumführen, auf öffentlichen Wegen, besonders auf dem Bahnhof und in den Dorfstrassen, ihren Beruf in wenig gesitteter Weise ausüben ».

Die paar von den Jägern vergessenen Enten, die sich noch auf dem Wasser der Becken tummeln, ahnen nicht, dass um die Jahrhundertwende ein Schraubendampfer mit 180 Plätzen durch ihre Domäne fuhr. Es war damals der höchstgelegene Wasserspiegel, der von einem Dampfer durchpflügt wurde. Aber unsere « Helvetia » alterte vorzeitig, und nach zwanzig Jahren wurde sie zur Erleichterung der Bootführer abgebaut. Im Herbst, von den leuchtenden Farben der Natur umrahmt, sind die Doubsbecken am schönsten. Im Winter gefrieren sie zuweilen vollständig zu und verwandeln sich in einen prächtigen Eislaufplatz von mehr als 3 km Länge. Dann verschwindet die Landesgrenze; sogar die Zöllner erlauben sich dann, auf Schlittschuhen über die Mitte des Flusses hinauszufahren.

Unsere Tête de Calvin besitzt ihre Legende. Sie reicht ins 13. Jahrhundert zurück: Auf einer Kahnfahrt auf dem Neuenburger See kreuzte ein junges Liebespaar, Amaury und Valentine, das kleine Fahrzeug des Grafen Berthold von Neuenburg. Von der Schönheit des jungen Mädchens beeindruckt, beugt sich der Graf über sein Boot hinaus, um es zu küssen. Das Boot kippt um, und der schöne Prinz fällt ins Wasser. Von Valentine gedrängt, springt Amaury seinem Rivalen zu Hilfe und rettet ihn ans Ufer. Das Herz des Mädchens entbrennt in Liebe zum Grafen; aber dieser ist weit entfernt, ihre Gefühle zu teilen. Bald schon vergisst er Valentine und verlobt sich mit Sybille, der Tochter des Prinzen von Montbéliard. Zu Ehren ihres Besuches veranstaltet er eine Jagd, und bei dieser Jagd wird Sybille von der eifersüchtigen Valentine im Walde erstochen. Die Mörderin wird gefasst und nach Neuchâtel geführt, zusammen mit ihrem Freund Amaury, der sich umsonst anklagt, der Schuldige zu sein. Über Berthold aber schwebt ein Verhängnis: er wird am gleichen Tag mit Valentine sterben. Während jene im Kerker schmachtet, siecht auch der Graf dahin und gibt am 23. März 1241, dem Tag der öffentlichen Hinrichtung Valentines, seinen Geist auf. Der immer noch treue und untröstliche Amaury erbittet sich den toten Körper seiner Geliebten, und irr vor Schmerz zieht er den Bergen zu. Am Ufer des Doubs begräbt er sie und errichtet eine Hütte, in der er sein Leben als Einsiedler beschliesst. Auf dem Grab der beiden wurde dann ein Kreuz errichtet. Nun geschah es eines Tages im Jahre 1530, zur Zeit der Reformation, dass Fischer, die im Doubs fischten, mit Schrecken gewahrten, wie ein himmlisches Feuer das Kreuz entflammte, während der Fels darüber die Form eines Hauptes annahm, des Hauptes Calvins.

Wenige kennen die Legende. Und noch weniger sind es, die den Berg besteigen, obschon der Aufstieg leicht ist: nur eine einzige heikle Stelle, und man hat den Gipfel erreicht. Und der Anmarschweg ist malerisch. Er führt um den Berg herum, bis man den kleinen Sattel erreicht, von dem aus der heikle Schritt zum Gipfel erfolgt. Am besten geht es mit Schulterstand; wenn der Fels nass ist, geht es nicht anders. Als Alleingänger kann man eventuell durch einen geschickten Seilwurf über den Gipfel die schwierige Stelle überwinden. Der Reiz der Tête de Calvin liegt nicht so sehr in der eigentlichen Besteigung als in der Lage des Berges. Er steht da wie ein ins Wasser des Doubs getauchter Schiffsbug. Von seinem Gipfel herab gewahrt man erst das eigenartige Grün dieses Wassers, ein Grün, das die hochstehende Sonne nicht aufzuhellen vermag. Es ist ein dunkles Smaragdgrün, noch dunkler in den Vertiefungen zwischen den moosigen Steinen, wo sich die Forelle versteckt. Man verfolgt mit dem Auge die Streifen, die die Boote im Wasser nachziehen; man wirft Steine, um die Ausbreitung der Wellenkreise zu beobachten.Besonders genussreich ist das Abseilen über 22 m; zum Teil ist der Fels überhängend. Das Ausserordentliche dieser Landschaft wird einem dann am eindrücklichsten, wenn man über ihr in der Luft hängt. Der Ruf der The fusst denn auch auf ihren eleganten Abseilmöglichkeiten. Die eiserne Fahnenstange einer alten Schweizerflagge dient zur Sicherung. Zehn Meter trennen die Tête vom Felsband daneben, ein Zwischenraum, der für eine « Seilbahn » wie geschaffen ist. Für mich ist die Tête de Calvin wie ein von der Vorsehung bestimmter Berg, ein gesegneter Ort, wo ich immer wieder Bergluft atmen kann.

Aiguille de la Mort Das Wasser zögert in den Becken, bevor es sich entschliessen kann, in das Geheimnis des nun tief eingegrabenen Talgrundes einzudringen. Es braucht die entscheidende Tatsache des grossen Wasserfalls, des Saut du Doubs, bis der Fluss bereit ist, nach den sonnigen Hochebenen das Bett in der Tiefe zu wählen. Und nun folgt die lange Aneinanderreihung von Ruinen, von schmerzlichen Erinnerungen, die das darüber hinwegfliessende Wasser nicht aufzuheitern vermag.

Geheimnisvoll ist hier der Doubs und voller Legenden von Abgelaufenem und Verschwun-denem. Vergangene Industrien, Sägereien, Glashütten, Schmieden, von denen niemand mehr genau den einstigen Standort angeben kann! Wasserfassungen und Wehre aus behauenem Stein, eingestürzte Gewölbe, dicke Mauerreste, von Gebüsch überwachsen, das ist alles, was ein Jahrhundert von einer ruhmvollen Vergangenheit übriggelassen hat. Berühmte Namen sind auf der Landkarte verzeichnet. Bauten, die nicht mehr vorhanden sind: die Sägerei und Mühle Du Saut, die Walzwerke von La Roche mit dem Sägewerk von Moron, untergetaucht in den See gleichen Namens. Das Gasthaus Du Châtelot ist noch da, wenn auch fürchterlich alt. Bauten mit Namen wie Forges de la Grande Combe, Moulin Calarne, Moulin Robert, Chez Bonaparte, Les Graviers, Verrerie de la Guêpe, alles sind nur noch Erinnerungen. Der düstere Appell wird unterbrochen beim Maison Monsieur und dem Pavillon des Sonneurs, welche durch die Strasse und den Autoverkehr ( wie auch Biaufond ) vor dem Verschwinden gerettet worden sind. Dann setzt sich die traurige Folge von Namen fort: Verrerie de Blancheroche ( dessen letzter Besitzer die Glashütten von Moutier gegründet hat ), La Rasse, die letzte Sägerei, die vor zwei Jahren noch im Betrieb war, Chez la Marie Joset, Les Gaillots.

Diesen Doubs von einst, der eine Zeit der Berühmtheit hinter sich hat, wir lieben ihn über alles.Sobald die Möglichkeit bestand, auf den Hochebenen Energie zu bekommen, wandte sich der Mensch ab von seinem Termitendasein im tiefen Tal, in das die Sonne während vier Monaten nie hinabzudringen vermag.

Es folgen noch die Ruinen, deren Name auf die Lage unserer Aiguille hinweist: Les Moulins de la Mort, 1893 durch Brand zerstört. Sie lagen in jener blendenden Vergangenheit am Fusse dieser seltsamen Felsnadel, die vom Steilhang der Orgues de la Mort abgetrennt ist. Die Moulins, auf Schweizerboden, lagen den Echelles de la Mort auf französischem Boden gegenüber, als « Bindestrich » von Les Bois zu Charquemont, der einen mehr oder weniger erlaubten Grenzverkehr ermöglichte. Flüchtlinge, Schmuggler und Verbannte wussten die primitiven hölzernen Sprossen der « Echelles » zu schätzen. Seit der Errichtung der Fabrik von Refrain sind die Leitern aus Eisen. Sie zählen 88 Sprossen. Ihr Ruf, dass sie schwindelerregend seien, macht dem Bergsteiger keinen Eindruck. Mit den Zollbeamten spielte man gern Verstecken; denn es war die Zeit, da der Schleichhandel blühte. Besonders das Schmuggeln von Kälbern war einträglich. Es brauchte jedoch starke Schultern für den Transport dieser « Ware ». Mit der Hinterlist von Siouxindianern schnallte man sich falsche Absätze unter die Schuhe, um die Spur unkenntlich zu machen.

Auf der Höhe der Echelles befand sich die Métairie ( Meierei ) de la Mort, wo sich die schöne Aussicht auf eine Schleife des Doubs bietet, der hier von den Anschwemmungen des Couloirs beim Sentier de la Mort aufgehalten wird. Der Standort der Métairie überragt die Moulins. Es liegen jetzt noch ein paar Mühlsteine am Fuss der Steilhänge in der wundervollen Landschaft. Courbet hat sie in einem Gemälde festgehalten, das sich heute im Museum von Besançon befindet. Die früheste Erwähnung der Mühle datiert vom Jahre 1650. In der Revolutionszeit war sie Schauplatz eines Verbrechens. Der Graf von La Roche, der sich zu ihr geflüchtet hatte, wurde meuchlerisch ermordet, weniger seiner politischen Überzeugung als seines Geldes wegen. Mehr als ein Schriftsteller hat diese Gegend als Hintergrund für seine Erzählung gewählt.

Am Hang gegenüber der Meierei von La Mort, liegt Fromont, eines der unzähligen Gehöfte, die der Mensch hier im Stich gelassen hat. Die verlassenen Gebäude stehen da wie vorher; von weitem vermutet niemand, dass es Kadaver sind. Das tote Auge ihrer scheibenlosen Fenster schaut blind auf den verlassenen Obstgarten mit seinen ungepflegten Bäumen, die sich immer noch mit verstreuten Blüten schmücken. Jeden Frühling erblühen sie von neuem, wie wenn sie die Ehre des verlassenen Hauses retten wollten, und im Herbst reifen ein paar bittere Früchte. Im einst blühenden Garten treiben noch einige Rhabarber. Wie traurig stimmt der Anblick dieser verlassenen Höfe, wo Generationen gelebt haben!

Der Zugang zu dieser ganzen Region ist heute kein Problem mehr. Seit die Fabrik in Refrain besteht, ist sie durch eine fahrbare Strasse mit dem Zollposten La Cheminée verbunden, so dass die Aiguille von der französischen Seite her am leichtesten erreichbar ist. Man durchwatet den Doubs oberhalb der Stromschnellen. Bei zu hohem Wasserstand geht man aber vom schweizerischen Les Bois aus über Fromont und gelangt auf dem Fussweg von La Mort zum Fusse der Aiguille. Ich habe die Nadel auf diesem Weg entdeckt. Es war für mich eine phantastische Überraschung, plötzlich am Fusse eines Monoliths zu stehen, wie ihn meine Klettererphantasie nicht zu erträumen gewagt hätte. In der Aufregung des Augenblicks muss sich mein Blick getrübt haben, denn ich betrachtete den Turm als jungfräulich, während ich bei genauerer Untersuchung einige rostige Haken entdeckt hätte. Sogar das diskrete Steinmal auf seinem Gipfel liess mich nicht einen Augenblick an dieser sich unerwartet bietenden Erstbesteigung zweifeln; ich hielt es einfach für einen regelmässig geformten Stein.

So breiten wir also eines Abends nach der Arbeit mit der Unternehmungslust von Eroberern unser Kletterwerkzeug vor den verblüfften Zöllnern aus, welche das Zeug in die zollfreie Kategorie « Camping- und Fischereimaterial » einreihen. Meinen Freund, der mich begleitet, habe ich bereits in das Vergnügen des Abseilens und die Kunst der Herstellung einer « Seilbahn » eingeweiht. Er wird mir bei den Vorarbeiten helfen; denn alles soll sich nach genau vorbereitetem Programm abwickeln. Der Turm ist auf einer Seite in 15 m Höhe von einem breiten Grasband umgürtet, auf dem ein verwegener Baum wächst. Von diesem aus habe ich im Sinn, eine Seilbahn zum Berg, von dem sich die Nadel absetzt, anzubringen. Es ist keine sehr elegante Lösung, aber mit ihrer Hilfe lässt sich eine schwierige Partie des Aufstiegs umgehen. Es scheint mir am wichtigsten, zuerst einmal hinaufzugelangen und dann die Route durch einige « Directissime » zu verbessern. Wir haben eine dünne Schnur mit einem Metallgewicht mitgenommen, um die Verbindung zwischen den beiden Steilwänden herzustellen. Es sind einige vergebliche Versuche nötig, bevor unsere Schleuder hinter dem Baum einhängt. Das Gewicht lässt nun das Seilende hinter dem Strunk wieder herabgleiten, und wir können es vom Fuss des Turmes aus herabziehen. Damit ist unsere Aufgabe für heute abend erledigt. Wir werden morgen mit dem alten Hanfseil meines Freundes Voillat wiederkommen.

In der Dunkelheit waten wir durch den Fluss zurück. In der Stille gluckst das Wasser hörbar zwischen den bemoosten Steinen. Der Schrei einer Eule betont die drückende Einsamkeit. Von den Zöllnern unbemerkt gelangen wir über die Grenze; denn wir schleichen so vorsichtig wie Schmuggler, nur dass wir kein Bündel und kein Kalb mit zusammengebundenen Beinen mitzuschleppen haben.

Der Doubs hat hier die Besonderheit, der Berner Grenze entlang in seiner ganzen Breite zu Frankreich zu gehören, während auf der Neuenburger Strecke die Landesgrenze in seiner Mitte verläuft. Alle Inseln des Doubs gehören zu Frankreich; denn oberhalb Biaufond, das auf der Kantonsgrenze zwischen Bern und Neuenburg liegt, gibt es keine mehr.

Am Abend des folgenden Tages erklären wir dem Zollbeamten unser mehrfaches Überschreiten der Grenze, um keinen unnötigen Verdacht zu erwecken. Unser dickes 13-mm-Seil lässt sich fügsam über die Schlucht führen; es bleibt uns nur noch, dasselbe zu spannen und die beiden Enden zu befestigen - und die « Seilbahn » ist fertig. Nun wird sie ausprobiert. Bei der ersten Querung rutscht eine schlecht angebrachte Schleife am Strunk, und der « Hängemann » sieht seinen Horizont plötzlich um einen Meter gehoben. Vorsichtige Rückkehr zum Ausgangspunkt. Ein Haken in den Strunk geschlagen, und der Zwischenfall kann sich nicht wiederholen. Die Traverse hat mir erlaubt, festzustellen, dass wir nicht die Ersten sind. Die 15 m bis zum Grasband sind mit guten zehn Haken abgesteckt. Vollständig verrostet und zum Teil vom Moos verdeckt, konnten sie aber wohl übersehen werden. Es ist zu spät, um über das Band vorzustossen; die Fortsetzung entpuppt sich als ein Couloir, in das ich mich nicht ohne Hilfe wage. Wir passieren über die Schlucht zurück und lassen das Seil am Ort.

Zwei Tage später finden wir uns, eskortiert von meinen Freunden Voillat, wieder am Fuss unseres Monoliths ein. Die Seilbahn ist rasch passiert, und ich kann mich, durch einen Haken gesichert, durch den erdigen Kamin hinaufarbeiten. In halber Höhe des Turmes gelange ich auf eine Kante unter einer ziemlich ausgesetzten Wand. Der ganze Weg ist mit Haken abgesteckt. Keine Möglichkeit, sich zu irren; es ist die einzig mögliche Aufstiegsroute. Ein kleiner Riss erlaubt uns, horizontal nach der Schluchtseite hinüberzuqueren bis zu einem Kamin, von wo ein sehr heikler Übergang auf einen Grashang führt. Der Rest ist nur noch ein Spiel: zwei Rasendächer, von einem Mäuerchen mit schönen Versteinerungen durchschnitten. Der stolze Turm war einst Teil des Meerbodens!

Der Gipfel bietet nicht sehr viel Platz, aber er genügt bequem für drei Personen neben dem Steinmal. Die Nacht ist unbemerkt eingebrochen; es ist 8 Uhr 30, als wir einer Blechschachtel zuerst Hühnerknochen und dann ein Heft entnehmen, das uns die Namen der « Ersten » enthüllt und diejenigen einiger weiterer Seilschaften. Die Erstbesteigung geschah im Mai 1948 durch S. und W. Mathys mit W. Riesen; dann zwei Besteigungen im Juni 1949 und dann nichts mehr bis heute. Wir sitzen auf unserem luftigen Platz, herrlich allein. Es ist schon dunkel, die Eule stösst ihren unheimlichen Schrei aus. Eine erste Seillänge von 30 m führt uns zum Grasband hinab, von wo uns eine zweite von 15 m zum Fuss des Turmes zurückbringt. Die « Seilbahn » wird eingeholt, der Fluss bei vollständiger Nacht durchwatet, und vor den Scheinwerfern unseres Wagens breiten wir unseren Proviant aus.

Die Nachtinsekten, vom Lichtbündel angezogen, fliegen wie Funken aufleuchtend durch dasselbe hindurch. Welch wundervoller, angenehm warmer Abend, umhüllt vom ganzen Geheimnis des Doubs!... Ich erwarte jeden Augenblick, irgendeinen unwahrscheinlichen Schmuggler zu ertappen. Aber das Wagnis lohnt sich nicht mehr. Es ist wirklich ein Tal des Todes, in dem selbst die geteerte Strasse ein unbestimmbares Gruseln, das es umgibt, nicht zu verscheuchen vermag. Der Fluss strömt einen Geruch von Moos aus und von faulendem Laub, was den Eindruck einer hin-scheidenden Welt noch mehr betont.

Im Juli 1957 habe ich mit Franz Mattern die Aiguille de la Mort wieder aufgesucht. Wir haben sie ohne Seilbahn erstiegen. Die Kletterei in der unteren Partie ist wundervoll, mit wenig Kletterwerkzeug, was den Genuss des Kletterns noch erhöht. Zusammenfassend sei gesagt, dass der Turm nur sehr guten Kletterern vorbehalten bleibt. Die Schwierigkeiten im unteren Teil würden jedenfalls jeden, der seiner nicht wert wäre, schnell ausscheiden. Unser ganzer Aufstieg spielte sich übrigens unter den wachsamen Augen eines Schweizer Zöllners ab. Er war wohl frisch gebacken aus seiner Rekrutenschule zurückgekehrt; denn er übte sich in lächerlichen Listen, versteckt hinter einem Baumstrunk. Ärgerlich darüber, dass wir ihn entdeckt hatten, antwortete er nicht einmal auf unsern fröhlichen Gruss. Hoffentlich ist sein ausserordentlicher Eifer inzwischen von seinen Vorgesetzten gebührend gewürdigt worden!

Aiguille du Refrain Ungefähr einen Kilometer unterhalb der Aiguille de la Mort, aber auf französischem Boden, gibt es ein verkleinertes Gegenstück zu ihr. Diese zweite Nadel verschwindet fast für das Auge in ihrer Umgebung. Vom Fussweg der Côte de Fromont aus ( auf Schweizer Seite ) hat man Mühe, sie überhaupt festzustellen. Nach der Fabrik von Refrain pressen sich die schwarzen Wasser des Doubs, von seiner unterirdischen Reise her noch mehr verdunkelt, tosend gegen zwei kleine Inseln, von denen die eine Ile Mortier heisst. Die zweite gibt ungefähr den Standort der Aiguille du Refrain an. Das von Steinblöcken gesperrte Bett eines ausgetrockneten Baches bildet den Weg zum Fusse des Monoliths. Das Unterholz befremdet durch seinen Mangel an Unterhalt. Welcher Gegensatz zum andern Ufer des Doubs! Sogar die Holzsters sind hier unordentlich aufgeschichtet. Die Baumstrünke sind nicht bodeneben abgesägt. Wie geht der Mensch mit dem Reichtum der Natur um! Ich habe nahezu 20 Ster von halbverfaultem Holz getroffen, um das sich niemand kümmert. Schon während des Krieges von 1914 wurde diese ganze Gegend durch Kahlschläge verwüstet. Man brauchte Holz für die Schützengräben, Das Moderholz bildet einen dichten Teppich. Farne spriessen im Überfluss. Auf mehreren Bäumen schmarotzt die Mistel.

Die Felsnadel ist nur etwa 25 m hoch, aber sehr schwierig zu ersteigen mit ihren beängstigend überhängenden Wänden. Ihr Durchmesser ist am Fuss nur halb so gross wie am Gipfel. Das heisst, ihre Tage sind gezählt, und wer sie besteigen will, darf nicht mehr lange säumen. Der vom Frost zerrklüftete Gipfel ist ein herrlicher Aussichtspunkt mit Blick auf die beiden Inseln und auf die wildesten Schluchten des Doubs, gegen die Ruinen der Charbonnière und gegen La Bouège. Dem Fluss entlang ist kein Weg möglich, die Felsen fallen lotrecht ins Wasser.

Die Legende bezeichnet eine der beiden Inseln als « Schwedengrab », wo die Einwohner von Les Bois ihre getöteten Feinde begraben hätten. Der Dreissigjährige Krieg hatte das ganze Gebiet der Freiberge mit Scharen von Plünderern überschwemmt, welche mordeten und brandschatzten. Ein solcher Trupp wurde von den Einheimischen in seinem Hinterhalt überrascht und ins Jenseits befördert, nicht ohne dass man ihm vorher die letzten Tröstungen der Religion dargereicht hätte. Das ist das Epos von Lacuzon, dessen Andenken bis heute im ganzen Lande lebendig geblieben ist.

Ich hatte mir die Nadel im Frühjahr 1957 vorgenommen, aber der Sommer verfloss über wichtigeren Unternehmungen. Es war November, als wir den ersten Versuch wagten. Ein Rundgang um den Monolith zeigt, dass die vom Berg abgewendete Seite von oben bis unten von Rissen durchzogen ist, die sich wunderbar für eine « künstliche » Besteigung eignen. Mein Freund Mattern - gut mit modernem Kletterwerkzeug ausgerüstet - strahlt schon beim Gedanken daran, « auf Steigbügeln zu leben ». Haken folgt dann auf Haken, ein Holzkeil krönt das Ganze... und dann, einige Meter unter dem Gipfel, kommen wir nicht mehr weiter. Der Fels ist kompakt, nur Bohrstifte könnten uns weiterhelfen. Inzwischen ist es schon Abend geworden. Wir sind entschlossen, am nächsten Samstag wiederzukommen, um den Fuss auf den Gipfel zu setzen.

Wir erscheinen also wieder mit dem kleinen Metallgewicht und der Schnur. Das Spiel scheint schwieriger zu werden als bei der Totennadel. Es handelt sich darum, vom Steilhang aus, von dem die Nadel getrennt ist, die Schleuder über den Gipfel zu werfen und sie auf der Seite gegen den Doubs wieder zu erlangen und dann - eine Arbeit, die höchstes Fingerspitzengefühl verlangt - ein Seil zu ziehen. Bei der grossen Distanz zwischen den beiden Befestigungspunkten der Seilbahn ziehen wir das Nylonseil vor, das leichter als unser gutes altes 13-mm-Hanfseil ist. Beim dritten Versuch ist das Unternehmen von Erfolg gekrönt. Wir haben dabei alle Mühe, uns gegenseitig zu verstehen; denn es gibt keine Sichtverbindung vom einen zum andern. Zwei 30-m-Seile sind nicht zu lang, um die beiden Verankerungspunkte zu verbinden, ein starker Baum unten - ein Haselbusch oben. Die Seile sind so stark als möglich gespannt und hängen trotzdem ausgesprochen durch, als ich zur ersehnten Nadel hinüber wechsle. Als mein Freund nachgekommen ist, stellen wir freudig fest, dass noch keine menschliche Spur auf dem Gipfel vorhanden ist. Wir sind die Ersten, und noch nie haben wir mit so viel Befriedigung das Gipfelzeichen erstellt. An Baumaterial fehlt 's nicht. Der Gipfel ist so zerstückelt, dass kein Haken, den wir nachher zu setzen versuchen, genügend Sicherheit garantiert, um ein Abseilen zu wagen. Also zurück über die Seilbahn und die Seile eingezogen. Die vorgeschrittene Zeit erlaubt uns nicht mehr, die Mauerhaken und den Holzkeil vom letzten Mal wiederzuerlangen. Wir werden wiederkommen.

Auf den Höhen liegt noch Schnee und unten am Fluss herrscht voller Frühling. Die Ufer des Doubs ergrünen oft früher als die Seeufer. Der beträchtliche Höhenunterschied von 500 m erlaubt hier manchmal mitten im Jurawinter einen Spaziergang trockenen Fusses, ein Vorrecht für die, die mit den Fusswegen am Doubs vertraut sind.

Mein Freund Voillat hat sich diesmal zu uns gesellt. Der Fluss wälzt mächtige grüne Wasser. An seinen Steilufern verstreut stehen geruhsam angelnde Fischer, die sich von einem Ufer zum andern unterhalten. Der Südabhang der Nadel liegt in mildem Sonnenschein, der einen schrägen Riss deutlich hervortreten lässt. Aber genau wie auf der andern von uns versuchten Seite hören die Risse unter dem Kopf der Nadel auf. Die Chancen sind sehr unsicher, aber es lohnt sich trotzdem, sie an Ort und Stelle zu beurteilen. F. Mattern macht sich mit Überlegung und Gewissenhaftigkeit und allen zu Gebote stehenden modernen Hilfsmitteln an die Arbeit. Aber vom ersten Sims an, wo er, ohne zu wollen, eine Gesteinspartie loslöst und in den Doubs hinabstürzen sieht, muss er feststellen, dass auf dieser Seite der Fels nicht so gesund ist wie auf der andern. Je weiter er emporsteigt, um so alarmierender wird der Gesang der Kletterhaken. Es ist der Ton, der einem klugen Kletterer deutlich macht, dass er nicht mehr weiter vorstossen darf. Wir packen zusammen und wenden uns andern Zielen zu, Wänden oder Nadeln im Jura. Es wird nicht unser letzter Versuch an der Aiguille du Refrain bleiben, aber wer kann von einem Alpinisten verlangen, dass er mehrere Samstage hintereinander dem selben Ziel opfere, während er in derselben Gegend andere nicht gelöste Aufgaben entdeckt hat. Der Nordhang bleibt mit unseren Haken ausgerüstet bis zur « Sack- gasse » unter ihrem Gipfel, aus der uns die ultramoderne Technik heraushelfen wird... wenn wir einmal Zeit haben.

Weiter unten, zwischen La Goule und Le Theusseret, wäre noch der Arête des Sommètres. Aber dieser hat schon nicht mehr Teil an der Atmosphäre des Doubs. Seine Achse weist in eine andere Richtung. Für den Fluss existiert er nicht. Der Lärm der Stromschnellen von Theusseret versucht die lauten Ausrufe der Kletterer am Grat zu übertönen. Denn dort ist alles zu geräuschvoll, um an der müden Schwere dieses Wassers teilzuhaben. Nein, Les Sommètres gehören nicht mehr zu unserem Fluss, es geht dort zu südländisch zu, zu wenig zurückhaltend.

Ich bin dem ganzen Lauf des Doubs gefolgt, zu Fuss, zu jeder Jahreszeit. Ich sah die rätselhafte Quelle ihrer Höhle entspringen, ich sah im Winter die zu Eis erstarrten Tränen der « Roches pleureuses »; ich sah die Forelle des Theusseret, den aschfarbenen Reiher bei Clair-bief, den Eisvogel bei Les Rosées. Ich kenne St-Ursanne, wo seit dem Mittelalter die Zeit stillgestanden ist. Ich sah den Fluss unterhalb Soubey, von der Schwermut der Schluchten noch nicht ganz frei, aber schon zu einem leisen Lächeln bereit, dessen Geheimnis nicht jeder errät. Ich habe die Stätten der Frömmigkeit aufgesucht, die an seinen Ufern errichtet sind: die Abtei von Montbenoit, von Walliser Mönchen gegründet, die Grottenkapelle von Remont mit ihrem wunder-wirkenden Wasser, die Kapellen von La Bief d' Etoz, von Lorette, die Stiftskirche von St-Ursanne. Ich habe die Feuchtigkeit seiner Grotten gespürt, der Grotten von Le Trésor, La Toffière, Les Faux Monnayeurs ( Falschmünzer ), Le Grenier. Aber immer blieb der Doubs für mich der altvertraute Fluss, den mich meine Mutter lieben gelernt und zu dem wir jedes Jahr wieder hinpilgern. Heute nun ist er von der Technik bedroht. Da und dort hat sie ihm schon ihre Knechtschaft aufgezwungen. Möge man meinem Fluss nicht neuen Zwang antun! Es sind genug der Staudämme und Fabriken in seinem Lauf. La Goule und Biaufond sind heute traurige Kloaken, die Ufer verschlacken bei tiefem Wasserstand. Einzig der Staudamm von Le Châtelot hat zur Schönheit der Landschaft beigetragen. Der Anblick der angeschwollenen Fluten, die sich hier über den Damm stürzen, ist gigantisch. Versuchen wir aber den drohenden neuen Staumauern zwischen Goumois und St-Ursanne auszuweichen! Sollten sich aber die Projekte doch verwirklichen, so vertrauen wir dem Doubs, der wohl imstande ist, alle Spuren des Fortschritts verschwinden zu lassen. Möge die kommende Entwicklung der Technik den Preis der elektrischen Energie noch weiter senken - und der Fluss wird kein Jahrhundert brauchen, um sich vom Menschen und allen seinen Spuren zu befreien. Die Spuren von einst sollten uns daran erinnern, dass man sich weder dem Fortschritt noch dem Fluss entgegenstellen kann. Das Moos hat die Steinquader überwachsen, es wird auch mit dem Beton fertig werden.

( Übersetzung F. Oe. ) II Einer der verkannten Aspekte des Doubstales ist derjenige der mittelalterlichen Burgen. Ist der Oberlauf dieses Flusses an mittelalterlichen Baudenkmälern arm, erinnert dagegen der Unterlauf von La Goule bis St-Hippolyte mit seinen zahlreichen Ruinen an eine prunkvolle Vergangenheit. Oft stehen sie auf einem Felssporn oder einem aufragenden Grat; kein Wunder, dass der Kletterer an ihnen vorbeikommt. Der Bau dieser vielen Schlösser muss bei den Leibeigenen, die gezwungen wurden, sie zu errichten, eine bittere Erinnerung hinterlassen haben. Da die Herren von Neuenburg dort verschiedene Güter besassen, bestanden Bande zwischen dem ganzen Departement Doubs und unserem Lande. Die Grafen von Valangin unterhielten einen regen Verkehr mit der Gegend von Montbéliard, und der Graf René liess ein Haus, das « Maison Monsieur », für das Erheben der Wegegelder in der Nähe von Biaufond errichten. Folgen wir nun dem Lauf des Doubs, beginnend bei Les Sommêtres bis nach Pont de Roide. Unterwegs werde ich alle Spuren der Vergangenheit aufzählen, in deren Nähe ich noch unbegangene Kletterwege entdeckt habe. Sich einem sportlichen Vergnügen hinzugeben an Orten, wo herrschaftliche Familien lebten, Belagerungen aushielten, Schlachten schlugen und dahingingen, hat seinen besonderen Reiz.

Unsere Pilgerfahrt beginnt mit dem Schloss Spiegelberg, auch Mireval genannt. F. Mattern hat dem Grat von Sommêtres, auf dessen Höhe sich die Burg erhob, einen Artikel gewidmet. Die Überreste dieser Burg sind noch sehr gut sichtbar. Im Dreissigjährigen Krieg haben die wilden schwedischen Truppen dem Schloss arg zugesetzt. Während der Revolution von 1793 wurde es dann vollkommen zerstört. Aus der Hand des Bischofs von Basel war es später in diejenige des Herzogs von Neuenburg übergegangen. Aus der Höhe seiner Ruinen geniesst man einen wunderbaren Tief blick auf das Tal.

Die Lage von Spiegelberg war ideal, um ein anderes Schloss weiter flussabwärts am Doubsknie zu überwachen - Franquemont, das den Doubsübergang beherrschte. Die Leute des Herzogs von Burgund nahmen diese Festung im Jahre 1474 ein, was anscheinend den Schweizern missfiel. Im selben Jahre erschien nämlich eine Abteilung von Bernern und Bielern, angeführt von Adam Goti i, vor den Mauern dieser Burg, die nach kurzer Zeit kapitulierte. Es scheint, dass diese Gegend die Bieler anzog, denn 1488 wurde Franquemont neuerdings von einem Abenteurer aus Biel geplündert. Die Schweden brannten es nieder, und der Bischof von Basel ordnete seine Zerstörung durch einen anderen Bieler, den Hauptmann Grosjean, an. Nach einem siebenhundertjährigen Bestehen verschwand damit eine bedeutende Herrschaft, die seinerzeit ihr eigenes Geld geprägt hatte.

In Goumois befindet sich auch die ehrwürdige Brücke, welche im Jahre 1815 Schauplatz eines Kampfes zwischen Royalisten und Soldaten des Kaiserreiches wurde. Einer der letzten Grafen von Montjoie fand dabei den Tod. Weiter flussabwärts befand sich das Schloss Cugny, von dem allerdings keine Spuren übriggeblieben sind und das allem Anschein nach nur ein Jagdsitz gewesen ist.

Aiguilles de Lobchez Kurz vor Soubey erheben sich die Häuser von Lobchez am Ufer des Doubs. Vor der schwedischen Invasion war es ein wichtiges Dorf, das die entmutigten Bewohner jedoch nicht wieder auf bauten. Auf halbem Weg zwischen diesem Weiler und dem Grenzdorf Clairbief ( wo sich ein Restaurant befindet, dessen Kegel auf französischem Boden stehen, während die Spieler ihre Kugel von Schweizer Boden aus schieben ) erheben sich einige Felsnadeln aus dem Wald. Eine von ihnen hat einen charakteristischen Überhang. Im Sommer wird sie von der Vegetation beinahe verdeckt, bevor die Bäume Laub tragen kommt sie besser zur Geltung. So wie es mit den Inkatempeln geschah, drohten Gras und Gebüsch auch diese Felsnadel zu überwuchern; deshalb legte Adrien Voillat schon anlässlich unseres ersten Besuches seine ganze Meisterschaft im Baumfällen mit Haken und Hammer an den Tag. Wir brauchten nämlich für unsere photographischen Aufnahmen ein weiteres Gesichtsfeld, hatten aber keine Holzhackerwerkzeuge zur Verfügung. Die Bergseite der Felsnadel, vorher mit Gras überzogen, ist jetzt, nachdem wir ihr in mehrstündiger Arbeit ein kletterwürdiges Gesicht verliehen haben, nicht mehr schwer zu begehen. Der Pickel erwies sich als sehr nützlich bei der Enthüllung unseres Schatzes von seinem Pflanzenmantel. Die Griffe sind vom Wasser tief eingespült, von solchen Griffen träumt man, wenn man im Schlafe den idealen Felsen besteigt. Auf dem Gipfel haben wir einen Haken eingeschlagen, den man gefälligst dort belassen soll, denn er stellt die einzige Möglichkeit dar, die zwei Dreissigmeterseile zu verankern, die zum Abseilen über den Überhang hinunter notwendig sind.

Von dort oben hat man einen weiten Blick auf die rasch dahinfliessenden Wasser des Doubs, auf die unsere Hydrauliker schon ihr böses Auge geworfen haben. Jedermann, den ich auf diese Nadel geführt habe, wusste diesen Aussichtsplatz zu schätzen, mit Ausnahme meiner 15 Monate alten Tochter, die absolut keine frühreife Neigung für das Bergsteigen zeigte. Sehr wahrscheinlich wird sie von ihrem ersten Abseilen unter Papas Arm kaum eine Erinnerung zurückbehalten. Unmittelbar nebenan befindet sich noch eine zukünftige Felsnadel; es fehlen ihr nur noch ungefähr 100 000 Jahre, um zu einem vollkommenen Obelisk zu werden. Die Spalte, die sie vom Berg abtrennen wird, ist schon angedeutet; lassen wir die Zeit das Übrige besorgen. Die Felsnadeln von Lobchez verdienen es, dass der Doubs-Spaziergänger bei ihnen anhält. Immerhin dürfte ein Kletterfex, der nur körperliche Leistung sucht und nichts von den Freuden der Beschaulichkeit versteht, kaum auf seine Rechnung kommen.

Die Ruine der Burg von St-Ursanne erhebt sich auf einem Grat oberhalb der Stadt. Im Jahre 1637 wurde die Burg vom Grafen de Grancey, Statthalter von Montbéliard, belagert. Seine Truppen schössen von den benachbarten Felsen auf die Festung, die beschädigt wurde. « Die ganze Nacht hindurch dauerte die wütende Schiesserei der Musketen, mit Verlust einiger Soldaten auf beiden Seiten. Der Graf Medavi liess die Wege räumen und Standplätze an den geeigneten Orten für seine Artillerie errichten. Diese Wege waren jedoch so steil, dass die zweihundert Bauern, die die Artillerie hinaufziehen mussten, gezwungen waren, eine Kanone zurückzulassen, um das Gespann der anderen zu verdoppeln. Als diese bei Tagesanbruch an Ort und Stelle gebracht worden war, sandte man einen Unterhändler zu den Belagerten, um sie aufzufordern, sich zu ergeben. Diese jedoch zeigten sich sehr stolz und abweisend und würdigten den Tambour kaum einer Antwort. Da kam Graf von Medavi auf den Gedanken, dass die Burgunder ihnen diese Nacht eine Verstärkung von etwa fünfzig Mann von der anderen Seite des Flusses geschickt haben könnten. Befürchtend, dass noch mehr Verstärkungen eintreffen könnten, liess er sofort seine Kanone donnern. Innert sieben Stunden feuerte sie vierundfünfzig Schuss gegen das Tor der Burg, so dass oberhalb des Zugangweges eine viermannbreite Bresche in die Mauer geschlagen wurde. » Wieder aufgebaut, wurde die Burg 1769 von den französischen Revolutionären zerstört, und ihre Steine dienten zum Bau einer Fabrik.

Nun kommen wir zum Schloss von Montvoie, das von den Leibeigenen des Schlossherrn, Sire de St-Aubin, niedergebrannt wurde, weil sich dieser durch sein Verhalten verhasst gemacht hatte. Neu aufgebaut, wurde es im Jahre 1473 wieder ein Raub der Flammen. Stefan von Hagenbach, der sich für die Enthauptung seines Bruders durch den Scharfrichter rächen wollte ( der Kopf des Hingerichteten ist im Museum von Kolmar ), zog mit seinen Truppen brandschatzend durch die Ajoie und brannte 40 Dörfer nieder. Das Schloss wurde endgültig zerstört während der Französischen Revolution.

Da ist auch das Schloss von Montjoie, das 1653 von einer Armee von 12 000 Franzosen belagert wurde. Es wurde zerstört, aber die Schlosskapelle ist bis auf unsere Tage erhalten geblieben und ist eines Besuches wert. Man hat dort drei übereinanderliegende Grabstätten gefunden. Die Bauern, die diesen Fund machten, sollen ihre ehemaligen Herren aus ihren Steinsärgen herausgenommen und sie an einer Mauer angestellt haben.

Nun ist es höchste Zeit, zu unseren Kletterfreuden zurückzukehren. Die Aiguilles de Sapois, auf halbem Wege zwischen Schloss Montjoie und Schloss de la Roche gelegen, verhelfen uns dazu. Sie haben eine ganz besondere Lage. Als Überbleibsel eines eingestürzten Felsriegels erheben sie sich unvermittelt aus dem Grünen mitten in einem lichten Walde. Der Hauptzacken, ungefähr dreissig Meter hoch, sieht einem aufgestellten Schneidezahn täuschend ähnlich. Der beste Zu- gangsweg ist von oben, durch das Dorf Chamesol, wo man sich der unglaublichen Schmutzigkeit wegen besser nicht länger aufhält. Das Dorf verlassend, geht man in südlicher Richtung bis zum Ufer eines künstlichen Staubeckens, von wo man unter sich die Dent de Sapois erblickt. Sie neigt sich gegen das Tal, als ob sie den Verkehr auf der Strasse von St-Hippolyte nach St-Ursanne beobachten wollte. Um ihre Gestalt besser erfassen zu können, erkletterte ich einen Hochspann-leitungsmast in der Nähe. Weder Steinmann noch Holzstange verunzierten den Gipfel; ein Ziel wie geschaffen zur Einleitung der Klettersaison.

Reichlich erstaunt über die Unmenge von Steinblöcken, die im Walde herumliegen, deponierten wir unsere Säcke am Fuss des Zackens. Mit meinem Freund Adrien Voillat kreisten wir einige Male um unser Objekt, bevor wir unseren Entschluss fassten. Obschon es vermessen ist, hier von Wänden und Gräten zu sprechen, möchten wir doch der Bequemlichkeit halber unseren Aufstiegsweg als « Nordostgrat » bezeichnen. Der unaufhörlich vom Himmel herunterströmende Regen zwang uns, künstliche Mittel anzuwenden. Unser Zacken lässt sich gnädigst ein Dutzend Keile einschlagen, und wir schätzen seine ideal orientierten Risse. Trotz Feuchtigkeit und schwarzer Erde in einigen Griffen geniessen wir unsere Kletterarbeit. Ein Grasband erlaubt uns zusammenzukommen und einen durch die Wolken leuchtenden Sonnenstrahl zu begrüssen, bevor wir die zweite Seillänge in Angriff nehmen. Der Gipfel weist keinerlei menschliche Spuren auf, und die überwundenen Schwierigkeiten geben uns die Überzeugung, dass in einer Gegend, wo die Kletterkunst unbekannt ist, noch niemand unseren Zahn bestiegen hat. Ein rassiges Abseilmanöver führt einen der Beteiligten im Nu zum Ausgangspunkt zurück, während der andere sich noch eine gute halbe Stunde mit dem Einsammeln der Haken abmühen muss, die, vom Wasser angeschwollen, sich einfach nicht mehr herausziehen lassen wollen.

Etwas abseits befinden sich noch zwei weitere Felsnadeln, die durch ihre besondere Form auffallen. Sie gleichen den verwitterten Felsen des Hoggar. Nirgends im Jura sind mir ähnliche Formen begegnet. Der Anmarsch ist ein richtiges Vergnügen, dem man sich mit Freude unterzieht. Einige Einheimische schauten unserer Felsturnerei gleichgültig zu, um dann ihr volles Interesse wieder der Schneckenjagd den Hecken entlang zuzuwenden. Die Franzosen scheinen diese sympathischen Bauchfüssler in rauhen Mengen zu konsumieren. Während unserer Kletterfahrten in dieser Gegend Frankreichs haben wir sehr oft Schneckenjäger angetroffen, die ihre Opfer behende einsackten.

Chandelle de la Roche Kurz vor St-Hippolyte, einem hübschen Städtchen am Zusammenfluss von Dessoubre und Doubs gelegen, bemerkt man rechter Hand eine mächtige gelbe Wand, deren Gleichmässigkeit durch zwei Höhlenvordächer unterbrochen ist. Ein Grat mit schlank aufschiessenden Türmen am Ende der Felszone hatte unser Herz bewegt. Aber an Ort und Stelle angelangt, mussten wir feststellen, dass der Fels sehr brüchig war. Kein einziger fester Griff, die ganze Felsoberfläche ist zersplittert. Eine andere Kletterei ganz in der Nähe bietet immerhin einen Ersatz. Es ist dies die wunderbar schlanke Chandelle de la Roche, die beim Höhleneingang Wache steht. Am Rande der Strasse St-Hippolyte—Montécheroux rühmt eine blaue Tafel die Schönheiten Frankreichs und gibt die Richtung nach Höhle und Schloss de la Roche an. Die Burg, deren Ruine abenteuerlustigen Kletterern zugänglich ist, erhebt sich in einer grossartigen Szenerie. Die gewölbte, 50 Meter hohe Öffnung der Höhle war durch das Schloss abgeschlossen. Die Höhle beginnt mit einem nahezu 100 Meter langen Gang, ein ideales Lebensmittellager. An Ende des Ganges führt ein Stollen hinunter zu der unterirdischen Quelle. Die Schlossbewohner hatten demnach alles, um einer Belagerung zu widerstehen; die Stellung war uneinnehmbar und das Wasser unerschöpflich. Ihnen drohte nicht das Schicksal der Schlossherren von Franquemont, die kapitulieren mussten, weil die Schweden die Wasserzufuhr abgeschnitten hatten. Das Wasser kommt weiter unten wieder zum Vorschein, am Fusse einer Felswand, wo es einst das Wasserrad einer heute zerfallenen Mühle antrieb. Lustige Tuff-Aussinterungen, die wie versteinerte Wasserfälle aussehen, zieren die senkrechten Wände.

Die ältesten Schlossherren, die Grafen de la Roche, erscheinen im zwölften Jahrhundert in der Geschichte. Sie waren die mächtigsten des ganzen Eisgaus, denn sie besassen 40 Dörfer mit den befestigten Städten St-Hippolyte, Châtillon und Maîche. Ihr Schloss war wie ein Adlernest, den Verkehr zwischen Burgund und der Ajoie beherrschend, und die Herren scheinen wenig Skrupel gehabt zu haben, die Reisenden zu erpressen. Im Jahre 1668, bei der Eroberung der Freigrafschaft durch Ludwig XIV. wurde das Schloss dem Erdboden gleichgemacht.

Links vom Höhleneingang steht die Chandelle Wache. Eine angenehme Kletterei über senkrechte Ansätze führt in die Scharte, die sie von der Wand abtrennt. Von hier aus führt ein Drahtseil auf ein breites Band in der Wand, das seinerseits zu einem neuen Drahtseil führt, welches den Zugang zum Rest eines Gewölbes vermittelt. Das Benützen dieser Drahtseile ist nicht empfehlenswert, da ihre Befestigung am Fels nicht zuverlässig ist. Ringsherum fliegen und schreien zahlreiche Falken, die hier nisten. Der Gipfel der Chandelle de la Roche dient diesen Vögeln als Platz, um ihre Beute zu zerreissen, wir fanden dort eine Menge Knochen und Federn. Von der Scharte aus betritt man eine kleine Grotte, die einen sehr guten Platz für Sicherung und Seilmanöver darstellt. Die Besteigung des Monolithen ist nämlich einzig durch einen schwach ausgeprägten Kamin möglich, der nur in seinem untern Teil ohne künstliche Hilfsmittel begehbar ist. Der obere Teil ist leider um so brüchiger, je höher man kommt, und der Erste am Seil hatte grosse Mühe, die Haken einigermassen sicher zu schlagen. Ein Holzkeil und Steigbügel sind fast unentbehrlich, und die Stifte, die wir dort gelassen haben, sind ein nützliches Minimum. Wir wollten sie nicht entfernen, weil das Wiederauffinden der geeigneten Risse schwierig sein dürfte. Die Höhe der Chandelle beträgt 15 m, für die wir mehr als eine Stunde brauchten. Die Nacht brach schon herein, als wir über die brüchigen Felsen vom Gipfel abstiegen auf der Suche nach einem ehrlichen Riss. Einmal mehr stellten wir hier die charakteristischen Merkmale aller jurassischen Felszähne fest: ihr Gipfel zerfällt, was die letzten Meter immer sehr heikel gestaltet. Das Problem besteht weniger im Aufstieg als im nachherigen Abstieg. Wir haben keine menschliche Spur gefunden, und es scheint, wir seien die ersten Menschen gewesen, die diese Vogelstange betreten haben. Der 40 m hohen Wand unter der Scharte wegen ist die Lage der Nadel äusserst exponiert. Unter den Ruinen kann man einen verzierten Balken beobachten, der einen nachdenklich stimmt, besonders wenn man bedenkt, dass er mehr als 400 Jahre alt ist und das ganze Mittelalter miterlebt hat. Vielleicht hat es schon einmal einen Schwärmer gegeben, der damals ausgeführt hat, was wir heute vollbrachten. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Besteigung der Nadel bereits mit Hilfe von Leitern ausgeführt worden ist. Man müsste also genauer sagen, unsere Erstbesteigung sei diejenige der Neuzeit.

Kaum ein eiliger Automobilist wird auf seiner Fahrt von St-Hippolyte nach Beifort je in einem flüchtigen Augenblick den mächtigen Felsturm bemerkt haben, der oberhalb des Dorfes Bief durch eine V-förmige Scharte vom Berge abgetrennt ist. Die Erscheinung dauert nur einen Augenblick, genügt aber doch, um im Herzen des Alpinisten den brennenden Wunsch wachzurufen, sie näher zu sehen. So kam es, dass wir uns mit F. Mattern an einem verschneiten Apriltag in jener Gegend mit unserem Fahrzeug auf einem ausgeregneten Weg ohne Wendemöglichkeit verirrten. Vor einem einsamen Bauernhaus ergriff eine freundliche Bäuerin, die sich mit ihren Hausschuhen geschickt durch den Dreck fand, die Deichsel, und bemühte sich, ihren Wagen wegzuschieben, um uns das Wenden zu ermöglichen. Wir erfuhren, dass unser ersehnter Felsen den Namen « Roche fendue » ( « Gespaltener Fels » ) trage, und dass seine Jungfräulichkeit nicht bewiesen sei. Auf dem gegenüberstehenden Fels habe seinerzeit das Schloss Châtillon gestanden, dessen Ruine von Schweizern bewohnt werde. Je mehr wir durch das Tal hinaufsteigen, um so wilder wird es und endet schliesslich in einer Schlucht. Die « Roche fendue » überragt uns um mehr als 100 m in einem ungewöhnlichen Überhang. Wir umgehen das Hindernis über einer Reihe von buschbesetzten Felsbändern, um schliesslich zum grossen V zu kommen, einer Scharte von einigen Metern Breite, die sich nach oben verengt. Der Wind pfeift durch diese seltsame Stelle. Wir erkennen eine Aufstiegsmöglichkeit am nördlichen Ausgang der Schlucht; es scheint uns jedoch zwecklos zu sein, bei den heutigen Schneeverhältnissen einen Versuch zu unternehmen. Auf unserer Erkundungsfahrt haben wir immerhin einen anderen Anmarschweg von der Strasse von St-Hippolyte nach Châtillon entdeckt. Dieses Dorf, das zur Grafschaft La Roche gehörte, versteckt sich hinter den Ruinen des Schlosses; die Burgmauern bestanden aus riesigen Steinblöcken und hielten jedem Angriff Stand. Unter der Festung hatte man im Fels einen geräumigen Kellerraum ausgehoben, in dem die Bewohner der Gegend Zuflucht fanden. Man könnte auch vom Schloss aus dort hinuntergelangen. Das Bauwerk hatte verschiedene Hintertüren, durch welche die Verteidiger zum Bach hinuntersteigen konnten, um Wasser zu holen. Bei den Felsen hat man Ziegelsteine mit Resten von Bärenknochen gefunden. Es waren die ersten, die Cuvier bekannt wurden.

Hier wütete der schwedische Einbruch besonders schrecklich. Beim Herannahen des Feindes wurden alle Reichtümer der Gegend in der Burg eingeschlossen. Der schwedische Kommandant, dem dies bekannt war, wollte die Festung unbedingt einnehmen, aber all seine Anstrengungen scheiterten dank den Wällen der Zitadelle und dem unbeugsamen Mut der Verteidiger. Weder die immer wiederholten Angriffe noch der Hunger konnten ihrer Beharrlichkeit Abbruch tun. Sie begnügten sich nicht damit, allen Angriffen zu widerstehen. Sie erspähten die feindlichen Stellungen und Bewegungen und fielen dann nachts ganz unerwartet über einzelne Posten her, erschlugen die schlafenden Soldaten und kehrten mit ihrer Beute wieder in die Burg zurück. Eine alte Legende berichtet, dass die Eingeschlossenen angesichts der Unmöglichkeit, länger dem Hunger zu widerstehen, den Feind über ihre hoffnungslose Lage zu täuschen versuchten. Es blieb ihnen nur noch eine einzige Kuh. Sie gaben dieser ihre letzten Scheffel Getreide zu fressen und schlachteten sie. Nachts warfen sie die mit Korn gefüllten Därme über die Wälle. Die Finte hatte Erfolg. Die Schweden glaubten, dass es in der Festung Vieh und Getreide in Hülle und Fülle gebe. In der Meinung, dass sie die Festung, die sie nicht erstürmen konnten, auch nicht aushungern könnten, zogen sie sich am nächsten Tag zurück. Die Festung wurde nach der Eroberung Burgunds durch Ludwig XIV. geschleift.

Der Frühling sieht uns wieder im Land mit Adrien Voillat als dritten Spiessgesellen. Wir folgen dem felsigen Grat, den man von der Strasse nach Châtillon erreicht. An der oberen Öffnung des grossen V, die nur einige Meter beträgt, angelangt, haben wir Mühe, einen vernünftigen Plan aufzustellen. Zuerst erwägen wir die Möglichkeit, einen Baum über die hier zwanzig Meter tiefe Schlucht zu legen. Diese Lösung wird aber sofort als unelegant verworfen. Die Schlucht zu überspringen erscheint uns durchführbar, aber wir sind ja gekommen, um zu klettern, und nicht, um uns in einer Disziplin zu üben, die wir seit dem Tage der Rekrutierung aufgegeben haben. Schliesslich einigen wir uns für Abseilen in die Schlucht und Pendel zur gegenüberliegenden Wand, auf ein kleines Band. Der weitere Weg erscheint wenig ermutigend: einige senkrechte Risse mit Rasen austapeziert. Vier Haken und zwei Steigbügel erlauben die Überschreitung des Hindernisses mit überraschender Leichtigkeit. Als Wegweiser für diejenigen, die Lust haben sollten, unserem Wege zu folgen, haben wir einen Haken steckenlassen. Der geräumige Platz auf dem Gipfel misst in einer Richtung 10 m und bietet viel Platz. Einige halbabgebrannte Baumstämme und ein Pfannenfuss lassen keinerlei Zweifel über die Unberührtheit der Roche fendue aufkommen. Später erfahren wir, dass dieser Fels das bevorzugte Ausflugsziel der Pfadfinder jener Gegend ist, die über die Südseite auf den Gipfel kommen. Wir hatten diese Seite als begehbar, aber uninteressant infolge des dichten Gebüschbestandes angeschaut. Unsere Route ist bestimmt eine Erstbegehung und meiner Ansicht nach die einzige eines Kletterers würdige.

Hiermit endet unsere Erkundung des Doubstales und auch unser Bericht über die Klettermöglichkeiten. Eine solche systematische Erschliessung bedingt auch Fahrten, von denen man mit leeren Händen zurückkommt Unser Wunsch, noch unbegangene Neuwege zu finden, hat uns nicht nur einige Zeit, sondern auch 9 Franken gekostet, Betrag der Busse, die uns von der französischen Strassenpolizei aufgesalzen wurde. Dies ist übrigens das einzige gemischte Andenken, das wir von unseren zahlreichen Wanderungen im Departement Doubs zurückgebracht haben. Die Befriedigung, die uns die Felsen Frankreichs vermittelten, lassen die lächerliche Anschuldigung des Wächters der öffentlichen Ordnung « unbescholtene Leute klettern in Chamonix und nicht im Jura » vergessen.

Der Jura birgt viele unbekannte Klettereien, die leider sehr verstreut liegen. In unserer motorisierten Zeit jedoch dürfte dies kein grosses Hindernis mehr sein. Es gibt noch keinen Juraführer, aber es ist zu hoffen, dass diese teilweise dem Jura gewidmete Nummer der « Alpen » genügend Interesse erwecken werde, um die Veröffentlichung eines Führers des Juras notwendig erscheinen zulassen.Übersetzung N. P.A. )

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