Die Achttausender

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Von G. O. Dyhrenfurth

Mit 2 Bildern ( 28, 29St. Gallen, Sektion Uto ) Am 22. Juli begann der Abstieg, am 24. Juli war alles wieder im Basislager vereinigt. Das Wetter verschlechterte sich allmählich, aber ein richtiger Baltoro-Schneesturm trat noch immer nicht ein. Zwei Tage später kamen die bestellten Träger aus Askole, dem obersten baltischen Dorf, für den Abtransport, und am 27. Juli erfolgte der Abmarsch der ganzen Karawane.

Zusammenfassend ist zu sagen: Die Leistung der Amerikaner und ihrer « Tiger » ist hervorragend, der ganze Stil, in dem sie die schwere « Abruzzi-Rippe » bewältigt haben, verdient jedes Lob. Der Erfolg, am K2 eine Höhe von 7925 m erreicht zu haben und bis an die Gipfelpyramide oberhalb der Schulter vorgedrungen zu sein, ist ohne Zweifel grossartig. Und doch empfindet man ein gewisses Bedauern, dass die idealen Verhältnisse im Juli 1938 nicht für einen entscheidenden Schlussangriff ausgenützt wurden. Hätte man wenigstens Camp 7 richtig ausgebaut und dann noch ein kleines Hochlager 8 vorgeschoben, dann wäre es — vielleicht — gegangen! Und was hätte das bedeutet! Chogori ist ja doch « der Berg der Berge », kein anderer auf der ganzen Welt kommt ihm gleich! Ich werde den Gedanken an das Dichterwort nicht los: « Was man von der Minute ausgeschlagen, Gibt keine Ewigkeit zurück. » 1939: Schon das folgende Jahr brachte eine zweite amerikanische Expedition zum K2. Organisator und Leiter war der ausgezeichnete deutsch-amerikanische Bergsteiger Fritz H. Wiessner. Die anderen Teilnehmer waren: Ch. Cranmer, E. Cromwell, J. Durrance, G. C. Sheldon und D. F. Wolfe, als Transportoffizier Lieut. G. S. C. Trench, ferner neun « Tiger » mit ihrem berühmten Sirdar ( Obmann ) Pasang Kikuli, der schon viermal am Kangchendzönga und je einmal am Everest, Nanga Parbat, Nanda Devi und Chomolhari gewesen war.

Am 31. Mai war man am Südfuss des K2, am 14. Juni waren Camp 1 und 2 eingerichtet. Das ungünstige, auch steinschlaggefährdete Camp 3 wurde diesmal nur als Depot verwendet. Die Wetterverhältnisse waren sehr viel ungünstiger als im Vorjahre, die Arbeit wurde wiederholt durch Schneestürme unterbrochen, und erst am 5. Juli konnte Camp 6 bezogen werden.

Cranmer hatte böse Herzbeschwerden, Sheldon musste wegen Frostschäden absteigen, Durrance vertrug die grosse Höhe nicht; drei « Sahibs » waren also ausgefallen. Cromwell und Trench waren mit dem Nachschub bis Camp 2 beschäftigt und stiessen nur ausnahmsweise bis Camp 4 vor. In den entscheidenden Tagen, als Wiessner mit Wolfe und den besten Sherpa-Trägern zum Angriff auf den Gipfel schritt, war auf der ganzen « Abruzzi-Rippe » oberhalb Camp 2 kein Weisser! Der oben, an der Spitze des Sturmtrupps arbeitende Expeditionsleiter war darüber allerdings nicht genau orientiert.

Nachdem Camp 7 ( 7530 m ) wohl ausgestattet war, wurde am 14. Juli ein neues Lager 8 eingerichtet, aber nicht so weit oben, wie man 1938 in Aussicht genommen hatte, sondern bei 7711 m, in der Nähe des « Schulter-gipfels » ( 7740 m ). Wieder einmal gab es eine zweitägige Unterbrechung durch leichten Schneefall. Am 17. Juli erfolgte der weitere Vorstoss, der durch tiefen Schnee ausserordentlich mühsam war. Wolfe musste ins Camp 8 zurückkehren. Wiessner mit einem « Tiger », Pasang Lama, schob ein kleines Hochlager bis an den Fuss der Gipfelpyramide vor; es war Camp 9 ( 7940 m ).

Am 19. Juli schritt Wiessner mit Pasang Lama zum Angriff auf den Gipfel. Auf dem felsigen SE-Grat ging es schwierig hinauf zu einer sehr markanten, steilen, rötlichen Wandstufe ( bei etwa 8180 m ). Hier gab es zwei Möglichkeiten: Querung nach rechts zu einer steilen Schneerinne, die unter dem grossen « Eisnollen » der Ostwand hinaufführt, oder Forcierung der Wand links, westlich, über sehr steilen dunklen Fels. Wiessner entschied sich für links. Diese Kletterei erwies sich als äusserst schwierig. Die Rinne, die hinter dem grossen Pfeiler eingeschnitten ist, hängt streckenweise über. Man musste versuchen, nach links hinaus zu traversieren und den Südgrat zu gewinnen. Dieser Quergang war nur etwa 15 m lang, aber offenbar sehr schwer, und es war bereits 18.30 Uhr. Pasang Lama, der bisher als Zweiter am Seil sehr tapfer mitgemacht hatte, weigerte sich hier und schlug vor, nach Camp 9 zurückzukehren und es am nächsten Tage rechts, auf der NE-Seite, zu versuchen. Nach einigem Hin und Her gab Wiessner schweren Herzens nach. Der höchste erreichte Punkt ist nach seiner Schätzung bei 27 500 ft.8382 m ). Bei einem grossen Abseilmanöver — noch dazu in der Nacht — verfing sich das Seil in den Steigeisen, die Lama auf seinem Rucksack aufgebunden hatte, und riss sie los. Die Eisen gingen verloren — ein folgenschweres Missgeschick. Um 2.30 Uhr in der Nacht war man in Camp 9.

Der 20. Juli wurde zwangsläufig zu einem wohlverdienten Rasttag; das Wetter war sonnig und warm. Am 21. Juli traten Wiessner und Pasang Lama zum zweiten Angriff an, und zwar diesmal auf der NE-Seite des grossen Pfeilers. Irgendwelche Eislawinen waren in den letzten Tagen nicht heruntergekommen; die Wand des Eisnollens war offenbar in guter Verfassung. Von den rötlichen Felsen, wo die beiden Routen sich teilen, brachte eine 120 m lange Traverse über schwierigen, brüchigen Fels zu einem Eiskamin, der den Zugang zum grossen Couloir vermittelte. Auch dort war der Firn stark vereist, und da Lama ja keine Steigeisen mehr hatte, bedeutete das 120 bis 150 m harte Stufenarbeit — und das in einer Meereshöhe von rund 8200 m! Das war an einem Tage nicht zu bewältigen, und am gleichen Tage nochmals die westliche Route anzupacken, dazu war es erst recht zu spät. So mussten sie sich geschlagen geben und ins Lager 9 zurückkehren.

Da die Vorräte erschöpft waren, stiegen sie am nächsten Tage — fast alles in Camp 9 zurücklassend — nach Camp 8 ab, um sich dort neu zu verproviantieren. Wolfe, der hier auf sie gewartet hatte, begrüsste sie mit grosser Freude, berichtete aber die merkwürdige Tatsache, dass in der ganzen Zeit noch niemand aus den unteren Lagern heraufgekommen sei. Daher waren auch in Camp 8 die Vorräte so knapp geworden, dass man sich entschliessen musste, bis Camp 7 hinunterzugehen, wo man ja am 14. Juli ein grösseres Depot zurückgelassen hatte. Bei diesem Abstieg gab es einen kleinen unfreiwilligen Abrutsch, der zwar von Wiessner abgefangen wurde, aber Wolfes Schlafsack kostete. Abends in Camp 7 ankommend, mussten sie zu ihrer Bestürzung feststellen, dass dieses Lager rätselhafterweise evakuiert worden war. Die Reserve-Schlafsäcke, Luftmatratzen, der grösste Teil des Proviants — alles war fortgenommen worden. Mit nur einem Schlafsack und einer Luftmatratze für drei Mann verbrachten sie eine höchst ungemütliche Nacht. Aber noch immer hofften sie, einen dritten Angriff auf den Gipfel machen zu können. Darum blieb Wolfe in Camp 7 zurück, während Wiessner und Pasang Lama nach Lager 6 abstiegen, um den Nachschub von dort aus wieder in Gang zu bringen. Doch nun zeigte sich erst der ganze Umfang der Katastrophe: Auch Camp 6 war geräumt, ebenso Camp 5 und so fort alle Lager bis zu Camp 2 hinunter. Halbtot, mit Frostschäden, physisch und seelisch gebrochen, erreichten sie am 24. Juli das Basislager.

Was war inzwischen geschehen? Wie bereits erwähnt, waren die Sherpas auf der « Abruzzi-Rippe » längere Zeit ganz sich selber überlassen. Einer von ihnen, Tendrup, hatte vom Lager 7 aus oder etwas oberhalb nach Camp 8 hinaufgeschrieen, aber keine Antwort erhalten. Vielleicht war es noch zu weit — oder Wolfe hatte gerade geschlafen. Da wurde dieser Träger von abergläubischer Angst gepackt und war fest davon überzeugt, dass die ganze Spitzengruppe tot sei. Mit dieser Panik steckte er die anderen Sherpas an; keiner von ihnen zweifelte noch an dem Ende von Wiessner, Wolfe und Pasang Lama. Also kam es den Sherpas nur noch darauf an, von der wertvollen Expeditions-Ausrüstung so viel als möglich zu bergen. Sie evakuierten alle Lager auf der « Abruzzi-Rippe » und schleppten hinunter, so viel sie nur tragen konnten. Die Sahibs der Expedition waren inzwischen unten im Basislager bzw. auf dem « Godwin-Austen-Gletscher ». Ein tragisches und zugleich groteskes Missverständnis!

Wiessner und Pasang Lama waren jetzt kampfunfähig, Wolfe lag noch immer einsam oben in Camp 7. Durrance machte nun mit drei Sherpas einen Rettungsversuch, kam aber nur bis Camp 4. Am 29. Juli gelang es jedoch Pasang Kikuli, Pasang Kitar und Phinsoo, bis Lager 7 vorzudringen. Aber Wolfe war bereits ganz apathisch geworden und offenbar nicht mehr fähig, den schwierigen Abstieg zu versuchen. Die drei Sherpas gingen nach Camp 6 zurück. Der 30. Juli brachte Schlechtwetter. Am 31. Juli arbeiteten die treuen Burschen sich nochmals nach Camp 7 hinauf, um Wolfe, wenn irgendmöglich, zum Abstieg zu zwingen. Das ist das Letzte, was man von ihnen weiss. Der Sherpa Tsering, der in Camp 6 geblieben war, kam ins Basislager herunter und berichtete. Daraufhin machte Wiessner, noch sehr schwach und elend, mit zwei Sherpas einen letzten, verzweifelten Rettungsversuch. Aber sie kamen nur bis Camp 2; dann brach ein schwerer dreitägiger Schneesturm herein und zwang sie zum Abstieg. Das war das Ende. Dudley Wolfe und drei der tapfersten Sherpas ruhen am Chogori.

Es ist verständlich, dass diese so tragisch gescheiterte zweite amerikanische K2-Expedition in den Kreisen des Alpine Club und Himalayan Club scharf kritisiert worden ist ( s. die Bibliographie i Nr. 23 ). Für jeden Sachverständigen liegen die Organisationsfehler ja auf der Hand. Die « Tiger » von Darjeeling sind tüchtige Bergsteiger, erstaunlich leistungsfähige Hochträger, tapfere, aufopferungsbereite Kameraden, aber sie sind halt doch bloss grosse Kinder, die man leiten muss und nicht einfach sich selber überlassen darf. Darum hätten natürlich zwei oder drei Sahibs als Transportoffiziere und Etappenkomman- danten auf der « Abruzzi-Rippe » sein sollen. Das war sicher auch von Wiessner so vorgesehen, aber leider nicht durchführbar. Denn unter den Weissen war Fritz Wiessner, der Expeditionsleiter, zugleich der einzige wirklich erstklassige Bergsteiger. Alle anderen Expeditionsteilnehmer waren den Schwierigkeiten des K2, zum Teil auch der grossen Höhe, nicht gewachsen. Ein glänzender Alpinist mit nur einem Sherpa als Gefährten an der Spitze, dahinter ein grosses « Vakuum»—so war die Situation, und damit wurde das an sich schon ungeheuer schwierige Unternehmen fast zum Vabanque-Spiel. Es fehlte die zuverlässige, harmonische Zusammenarbeit einer erprobten Bergsteiger-Mannschaft!

Wie ist diese unglückliche Zusammenstellung der Expedition zu erklären? Das ist nicht schwer zu erraten. Vermutlich lag es an der leidigen Finanzierungsfrage, dem Kernproblem jeder privaten Himalaya-Fahrt. Es gibt nicht viele gute Bergsteiger, die eine derartig teure Expedition selbst finanzieren oder zum mindesten ihren persönlichen Kostenanteil tragen können. Nur eine Organisation wie z.B. das englische Everest-Komitee einerseits oder die Deutsche Himalaya-Stiftung andererseits ist in der Lage, eine Teilnehmerliste nach rein sachlichen Gesichtspunkten, unbeschwert von materiellen Rücksichten, aufzustellen.

i ) Auch in der Bibliographie des K2 beschränke ich mich auf eine Zusammenstellung der wesentlichsten Arbeiten:

1. 1894 Conway, W.M.: Climbing and exploration in the Karakoram-Hiraalayas.

Vol. I, 379 S., Vol. II, 374 S. Fisher-Unwin, London.

2. 1903 Jacot-Guillarmod, J.: Un record dans l' Himalaya. Jahrb. d. S.A.C. 38, S. 212 bis 227.

3. 1904 Jacot-Guillarmod, J.: Six mois dans l' Himalaya, le Karakorum et l' Hindu Kush. Voyages et explorations aux plus hautes montagnes du monde. 363 S. Sandoz, Neuchâtel.

4. 1904 Pfannl, H.: Eine Belagerung des Tschogo-Ri ( K2 ) in der Mustaghkette des Hindukusch. Zeitschr. D. Oe. A. V. 35, S. 88—104.

5. 1911 Filippi, F. De: La Spedizione nel Karakoram e nell' Himalaya occidentale ( 1909 ). Zanichelli, Bologna.

6. 1912 Filippi, F. De: Karakoram and Western Himalaya. An account of the expe- dition of H. R. H. Prince L. A. of Savoy, Duke of the Abruzzi. 481 S. und eine Mappe « Plates and Maps ». Constable, London.

7. 1925 Jacot-Guillarmod, Ch.: Esquisses topographiques du Chogori ou K2 et du Kangchinjunga ( Himalaya ). Bull. Soc. Neuchât. Géogr. 34, S. 34—37.

8. 1929 Mason, K.: Routes in the Western Himalaya, Kashmir, etc. Vol. I. Government of India Press, Calcutta, second edition.

9. 1930 Desio, A.: Geological work of the Italian expedition to the Karakoram. Geogr. J.

15, S. 402—411.

10. 1933 Kurz, M.: Die Erschliessung des Himalaya. « Alpen » IX, Nr. 11 und Sonder- abdruck S. 51—68 ( Stämpfli & Cie., Bern ).

11. 1934 Kurz, M.: Le Problème Himalayen. Etude géographique et historique. « Alpi- nisme » 8 und Sonderabdruck ( Legrand, Melun ). 75 S.

12. 1935 Dyhrenfurth, G. O. und Gefährten: Dämon Himalaya. Bericht der Internationalen Karakoram-Expedition 1934. 117 S., 123 Abb. Benno Schwabe, Basel.

13. 1937 Spoleto, Duca di, e Desio, A.: La Spedizione Geografica Italiana al Karakoram ( 1929 — VII E. F. ). Storia del viaggio e risultati geografici. Bertarelli, Milano/ Roma. 643 S. und eine Mappe mit Karten und Panoramen.

14. 1938 Mason, K.: Karakoram Nomenclature and Karakoram Conference Report.

Geogr. J. 91, S. 123—152 und Him. J. X, S. 86—125.

15. 1938 Shipton, E.: Blank on the map. Hodder & Stoughton, London. 314 S.

16. 1938 Spender, M.: The Shaksgam Expedition, 1937. Him. J. X, S. 22—39.

17. 1939 Dyhrenfurth, G. O.: Baltoro. Ein Himalaya-Buch. 194 S., 202 Abb., 4 Panoramen, 53 Zeichnungen, 1 Kammverlaufkarte, 3 Kartenskizzen. Mit Bibliographie des Karakoram im allgemeinen und des Baltoro-Gebietes im besonderen. Benno Schwabe, Basel.

18. 1939 House, W. P.: K2 — 1938. American Alp. J. III, S. 229—254.

19. 1939 Houston, Ch. S.: The American Karakoram Expedition to K2, 1938. Alp. J.

Nr. 258, S. 54—69.

20. 1939 Houston, Ch. S.: A reconnaissance of K2, 1938. Him. J. XI, S. 114—127.

21. 1939 Wiessner, Fr.: La seconda spedizione del Club Alpino Americano al K2. « Le Alpi » 59, Nr. 2, S. 77—80, Roma.

22. 1940 Cranmer, Ch. and Wiessner, Fr.: The second American Expedition to K2.

American Alp. J. IV, S. 9—19.

23. 1940 Mason, K.: The American expedition to K2, 1939. Editorial Note. Him. J. XII, S. 138—140.

24. 1940 Kurz, M.: Himalaya 1938. « Alpen » XVI, Nr. 2, S. 69—72.

Karten Übersichtskarten S. Bibliographie in G. O. Dyhrenfurth: Baltoro, S. 100. Seitdem neu erschienen:

25. 1940 Karakoram. A new map of the Karakoram with range and peak names approved by the Karakoram Conference 1937. Drawn by F. J. Batchelor under the direction of Prof. Kenneth Mason. Printed in eight colours on engraved surface 22.7 by 20.0 inches. Scale 1:175 000 or 11.8 miles to one inch. Completed in 1939 and published by the Royal Geographical Society, London, 1940. Price 7 s. 6 d.

Spezialkarten:

26. 1911 Negrotto, C. F.: Portion of the Karakoram Range ( Western Himalaya ) 1: 100 000.

Beilage zu Lit. Nr. 5 und 6.

27. 1925 Jacot-Guillarmod, Ch.: Karakorum-Himalaya. Le Chogori ou K2. 1:50 000.

Beilage zu Lit. Nr. 7.

28. 1937 Carta Topografica del territorio visitato dalla Spedizione comandata da S. A. R.

il Duca di Spoleto. 3 Blätter, 1: 75 000. Beilage zu Lit. Nr. 13.

29. 1937 « K2 ». Spedizione Geografica Italiana nel Caracorum ( 1929 ). 1:25 000. Beilage zu Lit. Nr. 13.

30. 1938 Spender, M.: Parts of the Great Karakoram and of the Aghil Mountains.

1: 250 000. Beilage zu Lit. Nr. 15 und 16.

k ) Abbildungen sind in der aufgezählten K2-Literatur in grosser Fülle enthalten. Besonders hingewiesen sei auf: Lit. Nr. 5 und 6, 12, 13 und 17, ferner auf die einzigartige Kollektion von Photographien im Format 30 x40 cm, die man bei Cav. Vittorio Sella ( Biella)1 auch einzeln erwerben kann. Nicht alle Bergfreunde wissen das... und der Chogori ist nach meinem Empfinden der grossartigste Berg der Erde! Einen gewissen Seltenheitswert haben die Aufnahmen von der Shaksgam-Seite in M. Kurz: Himalaya 1937 ( avec report 1936 ), « Alpinisme » 1939, S. 12—24, sowie das Titelbild im « Himalayan Journal » XI ( 1939 ).

l ) Der K2 ist so oft und so gründlich erkundet worden, dass die beste Route jetzt einwandfrei festliegt. NW- und NE-Grat, an die man früher denken konnte, kommen praktisch nicht mehr in Betracht. Heute handelt es sich nur noch um: « Abruzzi-Rippe » — P. 7740 — SE-Grat der Gipfelpyramide. Zum Unterschied vom Mount Everest, der zum grössten Teil ein « leichter Berg » ist und nur in seinen obersten 380 m ernstliche Schwierigkeiten 1 Bzw. bei seinen Erben. « Un grand alpiniste, un grand artiste et au surplus, un homme de cœur vient de mourir. » ( Ch. Gos. ) bietet, ist der K2 von Anfang an ein schwerer Berg mit nur wenigen und ziemlich kurzen leichteren Strecken. Bei Schlechtwetter und ungünstigen Verhältnissen, wie sie im Baltoro-Gebiet so häufig sind, besteht immer die Gefahr, mindestens für einige Zeit abgeschnitten zu werden. Darum müssen die oberen Lager — allen Transportschwierigkeiten zum Trotz — mit Proviant und Ausrüstung sehr gut versehen sein.

Der Steilwandgürtel in der Gipfelpyramide zwischen 8100 und 8400 m, der mir stets bedenklich schien ( vgl. « Baltoro » S. 44/45 ), hat sich in der Tat als ausserordentlich schwierig herausgestellt. Technisch ist wohl der Durchstieg auf der NE-Seite am günstigsten ( natürlich mit Steigeisen !), doch muss dafür der grosse Eisnollen der Ostwand in gutem Zustande sein. Zu manchen Zeiten herrscht hier sehr grosse Eislawinengefahr.

Der Höhenunterschied zwischen Camp 9 der Wiessner-Expedition ( 7940 m ) und dem Gipfel ( 8611 m ) ist noch immer reichlich gross. Ob man aber einen geeigneten Platz für ein Lager 10 finden kann, ist sehr zweifelhaft. Wahrscheinlich muss man also für den Schlussangriff das Risiko tragen, beim Abstieg in die Nacht zu kommen.

Alles in allem — der K2 ist möglich, aber Voraussetzungen des Erfolges sind: gute Organisation und Leitung der Expedition, eine sehr leistungsfähige Mannschaft, tunlichst vier Bergsteiger für die oberen Camps, eine genügende Zahl von erprobten Sherpa-Trägern und... sehr günstige Verhältnisse ( wie 1938 )!

m ) Geologisch ist über den K2 nicht viel zu sagen. Am Südfuss bemerkt man einen nicht sehr ausgedehnten Aufschluss von schwarzen Phylliten mit Chloritschiefern und dunklen Kalkschiefern, die bisher keine Fossilien geliefert haben und als altpaläozoisch aufgefasst werden. Die ganze riesige Pyramide aber besteht aus Granitgneis ( Orthogneis ), und zwar, wie man aus dem Moränenmaterial sieht, im wesentlichen aus einem graugrünen Plagioklas- Quarz-Hornblende-Gneis, dem « Gneis des K2 ». Er streicht NW-SE und fällt mit etwa 30° gegen NE.

Grosse Horizontalschübe sind im Baltoro-Gebiet nicht nachweisbar. Wahrscheinlich sind wir hier in der « Zone Axiale » des ganzen Gebirgs-Systems, also in einer Region starker Zusammenfaltung und Steilstellung, aber ohne ausgesprochene Bewegungstendenz, weder gegen Norden noch gegen Süden. Sehr auffällig ist die gewaltige jugendliche Hebung, die noch in der Gegenwart anhält und für das ganze Gebiet seit der letzten Eiszeit mindestens 1500 m beträgt, für die Zone des K2 offenbar noch wesentlich mehr. Die hebenden Kräfte haben die Oberhand über die Abtragung gewonnen; das Höhenwachstum erfolgt also sehr viel schneller, als die « Denudation » arbeiten kann. Dazu kommt noch, dass der Chogori aus einem schwer verwitternden Baumaterial besteht. So ragt er über seine ganze Umgebung weit empor, « einsam wie ein grosser Gedanke ».

3. a ) Kangchendzönga ( englische Schreibweise: Kangchenjunga ).

b ) Der Name ist tibetisch und aus vier Worten zusammengesetzt: Kangchendzönga = Schnee-gross-Schatzkammer-fünf, d.h. « die fünf Schatzkammern des grossen Schnees », vielleicht nach den fünf Hauptgipfeln der Gruppe, wahrscheinlicher nach den fünf Hauptgletschern so benannt. Für die Aussprache ist zu merken, dass ch natürlich wieder als tsch gesprochen wird. Die Betonung ist schwebend, mit einem leichten Gewicht auf dem ö der dritten Silbe.

c ) Der Kangchendzönga hat fünf Gipfel, die von E nach W gezählt werden; die drei mittleren sind Achttausender:

Südgipfel ( Nr. 28500 m = 27 888 ft., Hauptgipfel ( Nr. 38579 m = 28 146 ft., Westgipfel ( Nr. 4 ) ca. 8500 m = ca. 27 888 ft.

Wahrscheinlich ist diese offizielle Zahl von 28 146 ft. für den Hauptgipfel — ähnlich wie beim Everest — etwas zu niedrig. M. Kurz hat auf seiner Karte ( s. Lit. Nr. 32 ) 8603 m = 28 226 ft. eingesetzt. Jedenfalls ist der Höhenunterschied zwischen dem Chogori und dem Kangchendzönga nur sehr klein.

d ) Grösste bisher erreichte Höhe 7700 m, also rund 900 m unter dem Gipfel.

e ) 27° 41'30 " nördlicher Breite für den Südgipfel, 27° 42'09 " für den Hauptgipfel.

f ) 88° 09'24 " östlicher Länge für den Südgipfel, 88° 09'00 " für den Hauptgipfel.

g ) Ost-Himalaya, Grenzgebiet von Sikkim und Nepal, nahe der Südgrenze von Tibet.

h ) Im ganzen Himalaya-System ist die Kangchendzönga-Gruppe am besten bekannt und am meisten besucht worden, von Bergsteigern, Wissenschaftern und Touristen aller Art. Darum ist es hier ganz besonders notwendig, streng beim Thema zu bleiben und nur die Expeditionen zu nennen, die den Kangchendzönga selbst ernsthaft angegriffen haben.

1905: Das erste Unternehmen, das die Ersteigung des Kangchendzönga zum Ziel hatte, stand unter einem sehr unglücklichen Stern. « Manager » war A. E. Crowley, ein irischer Journalist, der vom Bergsteigen wenig verstand. Die anderen europäischen Teilnehmer waren: ein Italiener, R. de Righi, und drei Schweizer, Dr. Jules Jacot-Guillarmod, Alexis A. Pache und Charles A. Reymond. Die ganze Organisation liess viel zu wünschen übrig, die Reibungen zwischen den Expeditionsmitgliedern wurden höchst unerfreulich.

Man versuchte, den Kangchendzönga vom Yalung-Gletscher, über die SW-Flanke, anzugreifen, und erreichte, eine Reihe von Lagern vorschiebend, etwa 6300 m. Nachdem bereits einer der — ganz ungenügend ausgerüsteten — Kulis desertiert und abgestürzt war, kam es zwischen Camp 6 und 7 zu einem Lawinenunglück. Zusammen mit drei einheimischen Trägern starb Alexis A. Pache den weissen Tod. Auf einer Felsinsel im oberen Yalung-Gletscher ist er begraben. Die Expedition wurde abgebrochen, und man kehrte nach Darjeeling zurück. Man hatte zwar den bisher unbekannten oberen Yalung-Gletscher erkundet, aber mit negativem Resultat, und der Berg hatte seine ersten fünf Opfer gefordert. In Sikkim und Nepal sagte man: « Der Gott des Kangchendzönga hat eine grössere Annäherung an seinen heiligen Thron nicht gestattet. » 1920: Im Herbst waren Harold Raeburn und C. G. Crawford wieder auf der SW-Seite des Kangchendzönga. Es war aber mehr als eine Rekognoszierung aufzufassen, bei der man wieder nur bis etwa 6300 m vordrang. Dann wurde der übergrossen Lawinengefahr wegen der Rückzug angetreten.

1929: In diesem Jahre schritt eine von Paul Bauer organisierte und geleitete deutsche Bergsteigergruppe zum Angriff. Es war eine moderne Grossexpedition, die aus neun sehr leistungsfähigen bayrischen Alpinisten bestand. Man ging vom Zemu-Gletscher aus und arbeitete sich über den « Ostsporn » empor, einen Schnee- und Eisgrat, der in P. 7700 kulminiert und zum Nordgrat ( genauer NNE-Grat ) des Kangchendzönga hinaufzieht. Dieser Ostsporn übertrifft an Schwierigkeit und Länge alles, was man von Eisgraten in den Alpen kennt, bei weitem. Ihn auch für die Träger gangbar zu machen, kostete rund einen Monat. Lager 10 oberhalb der Grattürme lag bei 7020 m und wurde am 2. Oktober eingerichtet. Am 3. Oktober wurde bis 7400 m hinauf vorgespurt. Man glaubte, alle ernstlichen Schwierigkeiten hinter sich zu haben und dem Siege nahe zu sein. Da gab es einen grossen Wettersturz mit fünftägigem Schneefall; mehr als zwei Meter Neuschnee führten fast zur Katastrophe, doch mit Einsatz aller Kräfte gelang schliesslich ein planmässiger Rückzug.

Im gleichen Jahre versuchte E. F. Farmer, ein junger Amerikaner mit nicht viel Bergerfahrung, den Kangchendzönga über seine SW-Front zu bezwingen, und zwar — allein! Er hatte sein tollkühnes Vorhaben streng geheim gehalten, ähnlich wie fünf Jahre später der Einzelgänger M. Wilson am Everest. Seine drei Träger in einem Lager auf dem Yalung-Gletscher zurücklassend, stieg er westlich unter dem Talung-Sattel hinauf... in das grosse weisse Schweigen. Wie sein Ende war, wissen wir nicht. Bei aller Achtung vor jedem entschlossenen Einsatz muss man doch sachlich feststellen: Ein derartiger Versuch hat auch nicht die leisesten Erfolgsaussichten und ist in Wahrheit nicht viel mehr als eine etwas umständliche und romantische Form des Selbstmordes.

1930 war das Jahr der ersten von G. O. Dyhrenfurth organisierten Internationalen Himalaya-Expedition ( « I. H. E. 1930 » ). Sie umfasste 4 Schweizer, 3 Deutsche, 1 Österreicher und 3 Engländer, insgesamt 10 Sahibs und 1 Mem-sahibweisse Frau ):

Frau Hettie Dyhrenfurth wirkte als Expeditions-Sekretärin,Hausfrau und « Etappenkommandant » in den Standlagern, Ingenieur Marcel Kurz ( Neuchâtel ) als Bergsteiger, Topograph und Photograph. Charles Duvanel ( Genf ) war erster Kameramann für den dokumentarischen Film. Prof. Dr. Günter Oskar Dyhrenfurth ( Wassen, Uri ) war Expeditionsleiter, Geologe und Geograph, ausserdem ebenfalls als Bergsteiger, Kameramann und Lichtbildner tätig. Dr. Helmuth Richter ( Breslau ) war Expeditionsarzt. Dipl.Ing. Ulrich Wieland ( Ulm ) war der Meteorologe und, ebenso wie Dipl.Ing. Hermann Hoerlin ( Schwäbisch Hall ), Bergsteiger, Kameramann und Photograph. Der Tiroler Erwin Schneider ( Hall bèi Innsbruck ) war Bergsteiger, geologischer Assistent und Photograph. Berichterstatter für die englische und amerikanische Presse war der bekannte englische Alpinist Frank S. Smythe. In Indien schlossen sich noch zwei Mitglieder des Himalayan Club als Transportoffiziere an, G. Wood Johnson und J. S. Hannah. Trotz der Zugehörigkeit zu verschiedenen Nationen war die Zusammenarbeit gut und harmonisch.

( Fortsetzung folgt )

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