Die Anden-Expedition 1959 des SAC

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VON ROBERT WENCK, BASEL

Bald nach dem zweiten Weltkrieg wurden in verschiedenen Ländern Expeditionen ausgerüstet und in die noch unbestiegenen und unerforschten Gebirge ausgeschickt. In einem wahren Ansturm wurde ein Achttausender nach dem andern im Himalaya erklommen, wurden auch die unermesslich weiten südamerikanischen Anden nach verschiedenen Richtungen durchstreift und viele namhafte Gipfel erstiegen.

Im SAC wurden immer mehr Stimmen laut, die nach einer Beteiligung an ausseralpinen Forschungsaufgaben riefen. Schon 1926 hatte Dr. Ernst Jenny, Redaktor und Ehrenmitglied des SAC, die Mithilfe des SAC bei der Erschliessung fremder Gebirge angeregt, um « den alten Pioniergeist wieder zu entfachen ». Aber erst das CC Neuenburg war dieser Forderung gegenüber positiv eingestellt. Es liess unter Zustimmung der AV 1955 den Zweckparagraphen der Centralstatuten durch einen Zusatz erweitern, der besagt, dass sich der SAC auch mit der Erforschung ausseralpiner Gebiete befassen könne.

Zu diesem Zwecke wurde eine Kommission ernannt, die sich gleich nach der Übergabe des CC an die Sektion Basel im Januar 1956 an die Arbeit machte.

Die Mitglieder dieser Kommission waren sich von Anfang an darüber einig, dass sich der SAC nicht in den Wettstreit um die Ersteigung einer der wenigen verbliebenen Achttausender einschalten konnte. Zu einem derart grossen Unternehmen fehlten ihm sowohl die Mittel als auch die Erfahrung.

Das Projekt einer Anden-Expedition in kleinem Umfange stand damals schon bei Herrn Dr. Rud. Schatz und einigen seiner Freunde in Vorbereitung. Es wurde in der Folge vom CC übernommen als Grundlage einer Expedition des Gesamt-SAC. Zum Leiter wurde Herr Dr. Schatz bestimmt. Der Kern seiner Mannschaft bestand aus einigen Mitgliedern und erprobten Freunden des « Kletterclub Alpstein ». Diesen sieben Teilnehmern - alles SAC-Mitglieder - wurden noch drei tüchtige Bergsteiger aus welschen Sektionen beigegeben, womit der gesamtschweizerische Charakter dieser ersten Auslandexpedition erzielt war.

Die Kommission für ausseralpine Forschungen trat, in Verbindung mit dem CC und dem Initianten, zu mehreren Sitzungen zusammen und ernannte nach Gutheissung des Gesamtplanes verschiedene Arbeitsgruppen, die sich mit den vielerlei Fragen der Organisation und Finanzierung eingehend befassten.

An der Präsidentenkonferenz im Frühjahr 1958 hielten der Centralpräsident, der vorgesehene Leiter Dr. R. Schatz und Herr Prof. Dr. E. Imhof orientierende Referate. Ihre Pläne und Empfehlungen wurden von der Versammlung gutgeheissen. Die AV vom darauffolgenden Herbst nahm das Projekt fast einstimmig an und genehmigte auch den vom CC zur Finanzierung vorgeschlagenen Expeditionsfranken pro Mitglied.

Damit war der Weg frei für die erste Forschungsreise des SAC nach den Peruanischen Anden. Vom Frühling bis im August 1959 weilten unsere deutsch- und welschsprachigen Vertreter, begleitet von einem Arzt und drei Wissenschaftern, in Südamerika.

Da die Expedition 14 Mann stark war, wurde in zwei Gruppen operiert. Es konnten im ganzen 19 Gipfel bestiegen werden, einige davon erstmalig, andere auf neuen oder besonders schwierigen Routen.Die Gesamtkosten beliefen sich auf etwas mehr als Fr. 100000.

zweiten Weltkrieg nicht mehr die Hauptrolle. Nachdem die Touren in den Schweizer Alpen auf eigene Faust oder mit den Sektionen unternommen werden, musste dem Drang nach Neuland Folge geleistet werden. Die Bemühungen in dieser Richtung waren dann auch nicht umsonst, denn die 8- bis lOtägigen Tourenwochen in die Julischen Alpen, ins Dauphiné, Grand-Paradiso, Wilder Kaiser, Mont Blanc usw. fanden überall vollste Beachtung. Das Interesse für diese Veranstaltungen war dermassen gross, dass sie oft zwei- bis dreifach organisiert werden mussten. Nebst diesen Sommertourenwochen erfreuten sich vor allem auch die Frühlingsskiwochen nach der Vanoise, dem Stubai, Ortler und Zillertal eines aussergewöhnlichen Zuspruches.

Mit dem Ausbau des Wintertourenwesens und der Auslandsfahrten ist es dem SAC zweifellos gelungen, eine breite und dankbare Mitgliedschaft für die CC-Veranstaltungen zu gewinnen. Sie sollen in erster Linie als Ergänzung der Programme für die Sektionen dienen, die selbst nicht in der Lage sind, grosse Tourenwochen zu organisieren. Sie erfüllen aber neben der touristischen Aufgabe, dank dem gesamtschweizerischen Charakter, auch den Zweck, Freundschaften aus allen Gauen unseres Landes zu wecken, die sicher im Interesse des Gesamtclubs sein können. « Notwendig erscheint uns auch », so schreibt Max Oechslin, « dass die Tourenwochen nicht nur „ bergtechnisch ", sondern auch „ berggeistig " aufgebaut werden. Wo immer Gelegenheit sich gibt, sei es während der Wanderung oder dann abends im Quartier, sollen durch geeignete Kameraden Orientierungen über Land und Leute, Vegetation und Gesteine, Gletscher und Berge gegeben werden. Denn der Alpinist soll nicht nur das Bergsteigen halten, um einen Gipfel zu gewinnen, sondern auch, um die Bergwelt zu erleben. So sollen Tourenwochen die Vermittlerinnen der Landschaft, der Heimat werden: Stück um Stück unseres Landes sollen sie zeigen, Tal um Tal. Damit im SAC bergtechnisch und berggeistig die Mitglieder auch ausserhalb von Kursen und Vorträgen sich auszubilden vermögen. Die Tourenwochen sind die Praxis der Theorie. » Dieser Rückblick auf das Tourenwesen im SAC während der ersten hundert Jahre soll nur die Entwicklung desselben von 1863 bis 1963 wiedergeben, wobei sich der Leser auch Gedanken darüber zu machen hat, ob wir uns auf dem richtigen Weg befinden und ob dieser noch weiter ausgebaut werden kann. Ohne am Zeitgeschehen vorbeigegangen zu sein, ist es dem SAC als berufener Hüter einer gesunden Tradition aber sicher gelungen, die gesteckten Ideale der Gründer unserer Alpenvereinigung hochzuhalten. Die nächsten 100 Jahre verpflichten uns, das gleiche zu tun! Befolgen wir den einstigen Aufruf des a. CP Pierre Soguel, dann wird es auch in der Zukunft um den SAC nicht schlecht bestellt sein: « Es ist die Hauptaufgabe, ja sogar die Grundlage jedes alpinen Vereins, die Liebe zu den Bergen zu wecken. Um diese Liebe zu pflegen, müssen wir die Berge immer wieder besteigen und durchwandern. Je grosser unsere Anstrengung und Begeisterung ist, um so reicher werden wir durch sie belohnt. Gehören nicht die Tage, die wir in den Bergen verbringen, zu den schönsten unseres Lebens? Deshalb, meine werten Clubkameraden, werdet nie müde, unsere Bergwelt aufzusuchen. » 67

Die Anden-Expedition 1959 des Schweizer Alpenclubs

VON ROBERT WENCK, BASEL Bald nach dem zweiten Weltkrieg wurden in verschiedenen Ländern Expeditionen ausgerüstet und in die noch unbestiegenen und unerforschten Gebirge ausgeschickt. In einem wahren Ansturm wurde ein Achttausender nach dem andern im Himalaya erklommen, wurden auch die unermesslich weiten südamerikanischen Anden nach verschiedenen Richtungen durchstreift und viele namhafte Gipfel erstiegen.

Im SAC wurden immer mehr Stimmen laut, die nach einer Beteiligung an ausseralpinen Forschungsaufgaben riefen. Schon 1926 hatte Dr. Ernst Jenny, Redaktor und Ehrenmitglied des SAC, die Mithilfe des SAC bei der Erschliessung fremder Gebirge angeregt, um « den alten Pioniergeist wieder zu entfachen ». Aber erst das CC Neuenburg war dieser Forderung gegenüber positiv eingestellt. Es Hess unter Zustimmung der AV 1955 den Zweckparagraphen der Centralstatuten durch einen Zusatz erweitern, der besagt, dass sich der SAC auch mit der Erforschung ausseralpiner Gebiete befassen könne.

Zu diesem Zwecke wurde eine Kommission ernannt, die sich gleich nach der Übergabe des CC an die Sektion Basel im Januar 1956 an die Arbeit machte.

Die Mitglieder dieser Kommission waren sich von Anfang an darüber einig, dass sich der SAC nicht in den Wettstreit um die Ersteigung einer der wenigen verbliebenen Achttausender einschalten konnte. Zu einem derart grossen Unternehmen fehlten ihm sowohl die Mittel als auch die Erfahrung.

Das Projekt einer Anden-Expedi ti on in kleinem Umfange stand damals schon bei Herrn Dr. Rud. Schatz und einigen seiner Freunde in Vorbereitung. Es wurde in der Folge vom CC übernommen als Grundlage einer Expedition des Gesamt-SAC. Zum Leiter wurde Herr Dr. Schatz bestimmt. Der Kern seiner Mannschaft bestand aus einigen Mitgliedern und erprobten Freunden des « Kletterclub Alpstein ». Diesen sieben Teilnehmern - alles SAC-Mitglieder - wurden noch drei tüchtige Bergsteiger aus welschen Sektionen beigegeben, womit der gesamtschweizerische Charakter dieser ersten Auslandexpedition erzielt war.

Die Kommission für ausseralpine Forschungen trat, in Verbindung mit dem CC und dem Initianten, zu mehreren Sitzungen zusammen und ernannte nach Gutheissung des Gesamtplanes verschiedene Arbeitsgruppen, die sich mit den vielerlei Fragen der Organisation und Finanzierung eingehend befassten.

An der Präsidentenkonferenz im Frühjahr 1958 hielten der Centralpräsident, der vorgesehene Leiter Dr. R. Schatz und Herr Prof. Dr. E. Imhof orientierende Referate. Ihre Pläne und Empfehlungen wurden von der Versammlung gutgeheissen. Die AV vom darauffolgenden Herbst nahm das Projekt fast einstimmig an und genehmigte auch den vom CC zur Finanzierung vorgeschlagenen Expeditionsfranken pro Mitglied.

Damit war der Weg frei für die erste Forschungsreise des SAC nach den Peruanischen Anden. Vom Frühling bis im August 1959 weilten unsere deutsch- und welschsprachigen Vertreter, begleitet von einem Arzt und drei Wissenschaftern, in Südamerika.

Da die Expedition 14 Mann stark war, wurde in zwei Gruppen operiert. Es konnten im ganzen 19 Gipfel bestiegen werden, einige davon erstmalig, andere auf neuen oder besonders schwierigen Routen.Die Gesamtkosten beliefen sich auf etwas mehr als Fr. 100000.

68 Die Expedition verlief ohne den geringsten Unfall. Die Erfolge sind höher ausgefallen, als erwartet werden konnte. Sie sind das Ergebnis einer sorgfältigen Planung, einer glücklich getroffenen Teilnehmerauswahl und der gewandten und zielstrebigen Führung durch Dr. Schatz. In ihnen manifestiert sich auch der Grundsatz der Solidarität im SAC.

Ein Teil der bergsteigerischen und wissenschaftlichen Erfolge sind im ersten Quartalsheft, Jahrgang 36 der « Alpen », verzeichnet. Das Churer CC hat sich um die literarische und bildmässig schöne Auswertung grosse Verdienste erworben.

Besonderer Dank gebührt auch der Stiftung für alpine Forschungen in Zürich, die uns ihre grosse Erfahrung zugute kommen und uns viel praktische Hilfe angedeihen liess.

Ein wertvoller Ratgeber war uns Prof. Dr. h.c.. E.Imhof. Er übernahm die Auswahl und Betreuung des wissenschaftlichen Teams.

Der SAC darf sich seiner ersten Erfolge der bergsteigerischen Tätigkeit und der wissenschaftlichen Forschung in ausseralpinen Gebirgen von Herzen freuen.

Mögen ihn diese Erfolge zu weiteren Taten ermuntern!

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