Die Felsdarstellung

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Ein Beitrag zur neuen Landeskarte.

Auf den alten, schweizerisches Gebiet darstellenden Karten, von der römischen Routenkarte bis zum Meyerschen Atlas, dem Vorläufer der Dufourkarte, ist für das Felsgelände keine besondere Zeichnungsart zu finden. Der Masstab war meistens zu klein. Die Gebirge wurden anfänglich seitlich dargestellt mittels dicht aneinander gereihter, einzelner Bergprofile. Später wurden sie von erhöhtem Standpunkt aus mehr oder weniger schematisch nachgebildet, bis schliesslich sich die reine Grundrisszeichnung entwickelte. Die Böschungen, ob felsig oder nicht, wurden mit Schraffen angegeben. Erst die Erstellung der auf genauer geometrischer Grundlage aufgebauten Dufourkarte führte zur Aufstellung von Vorschriften auch für die Felszeichnung. Auf der Karte waren die Felsen und alle unregelmässigen Formen durch Zeichnung darzustellen. In den achtziger und neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde die Felsstrichzeichnung in ihrer künstlerischen Ausführung durch einige Meistertopographen in vorbildlicher Weise ausgebildet, wie die Beispiele auf Tafel II 1 ) zeigen.

Seit der Erfindung des Stereoautographen, vor bald zwanzig Jahren, ist es möglich geworden, die Höhenkurven mit Leichtigkeit und grosser Genauigkeit nun auch im Felsgelände bestimmen zu können 2 ). Diese Tatsache eröffnet der Felsdarstellung neue Möglichkeiten. Für viele technische, wissenschaftliche und auch touristische Zwecke ist es wünschenswert, oft erforderlich, auch innerhalb des Felsgebietes, der Karte die Höhenlagen entnehmen zu können. Dies wird nur durch das Einzeichnen der Horizontalkurven ermöglicht. Bei der Aufstellung der eidgenössischen Vorschriften für die Übersichtspläne im Masstab 1:5000 und 1:10,000 vom Jahre 1919 hat man daher gestattet, die Felsen durch einen grauen Flächenton mit Horizontalkurven wiederzugeben, wie es Bild 6 auf Tafel I zeigt. Dass eine solch formlose Darstellungsweise, die ja den Felsen in seinem bestimmten Charakter nie zum Ausdruck bringen kann, nicht genügt, ist einleuchtend. Es stehen sich heute zwei gegensätzliche Methoden gegenüber, diejenige der bisherigen Felszeichnung, die durch die Darstellungsweise unserer Meister eine künstlerische geworden ist, und die moderne, rein mechanische.

Ich habe nun versucht, die beiden Methoden zu vereinigen, durch eine passende Verbindung von Kurven- und Felsformlinienzeichnung der mehr künstlerischen Darstellungsweise die geometrische Grundlage gebend.

Bilder 1 bis 5, Tafel I, stellen das Matterhorn 1 ) im Masstab 1:50,000 2 ) dar und zeigen die verschiedenen Darstellungsmöglichkeiten eines Felsgipfels. Auf Bild 1 ist das Felsgerippe gezeichnet, d.h. die Felsformlinien, die die Grundlage für jede Felszeichnung bilden sollen und die auch auf der Karte deutlich erkennbar sein müssen. Bild 2 zeigt das Felsgelände einzig durch 20-m-Kurven 3 ) dargestellt. Diese beiden ersten Zeichnungen bilden die Grundelemente der neuen Felsdarstellung und können autographisch den stereoskopischen Bildern entnommen werden. Auf Abbildung 3 sind die Felsformlinien des ersten Bildes durch eine Strichzeichnung ergänzt und plastisch bearbeitet, wie wir sie auf unsern Siegfriedblättern sehen. Zu dieser Ausführung ist zu sagen, dass die Formlinien allein schon den Felsen zu charakterisieren haben und die Strichschattierung der Zeichnung Relief geben soll. Die individuelle Kunst liegt dabei in der Art der Strichführung und wie die Schraffen in die Zwischenräume hineingezeichnet werden. Auf alle Fälle muss sie geordnet sein und sich der geologischen Struktur anpassen. Auf dem vierten Bilde sind nun die Felsformlinien und die Horizontalkurven vereinigt. Wo die Kurven so eng zusammenkommen, dass sie nicht mehr auseinandergehalten werden können, wie bei steilen Wänden, sind sie, mit Ausnahme der Zählkurven ( alle 100 m ) nicht durchgezogen, sondern durch eine Vertikalschraffur ersetzt worden. Um dem Bilde einigermassen Relief zu geben, sind die Kurven im Schatten leicht verstärkt gezeichnet. Bei flachen Felspartien, wo die Kurven sich voneinander entfernen, müsste eine charakteristische Felsschraffur, die etwas feiner gezeichnet ist als die Horizontalkurven, die leeren Flächen ausfüllen, und zwar in der Regel parallel, ausnahmeweise senkrecht zu den Kurven oder gleichgerichtet wie die Gesteinsschicht-linien ( siehe Bild 8 ). Bild 5 zeigt das Felsgerippe nur in Verbindung mit den 100-m-Zählkurven und durch einen Reliefton plastisch zum Ausdruck gebracht. Als weitere Variante könnte die Tonung durch eine Schraffur, wie soeben beschrieben, ersetzt werden. Kleine, einzelstehende Felsen und Felsbändchen sollten dabei immer in Schraffenzeichnung ausgeführt werden.

Die Zeichnungen 6, 7 und 8 der Tafel I veranschaulichen an einem Beispiel aus den Waadtländer Kalkalpen mit abwechslungsreichen Formen das gleiche Problem im Masstab 1:10,000. Bild 6 zeigt die schon genannte, ungenügende Darstellungsweise, wie sie die Instruktion der Landestopographie vorschreibt. Bild 7 entspricht Abbildung 3. Bild 8 zeigt die Ausführung in der kombinierten Darstellungsweise. Wo die Äquidistanz es ermöglicht, wurde eine horizontale, parallele, feine 1 ) Schraffur zwischen die Horizontalkurven gezeichnet, im Schatten leicht verstärkt, aber immer etwas schwächer als die Kurven. Unter Umständen kann diese Zwischenschraffur die Klarheit des Kurvenbildes beeinträchtigen. Da ist die Schraffur ausnahmeweise senkrecht zu den Höhenkurven anzuordnen. Zu dichte Kurvenscharung soll wie bei Bild 4 stets durch eine Vertikalschraffur ersetzt werden, wobei die Zählkurven aber beibehalten werden sollen. Wenn die Charakterisierung der Gesteinsschichten es erfordert, hat die Strichführung denselben zu folgen.

Die neue, hier vorgeführte Art der Felsdarstellung wird sich nicht für alle Massläbe und Äquidistanzen gleichermassen eignen, je nach dem Zweck der Karte. Der Masstab 1:50,000 wird schon eine bedeutende Zeichner- und Stecherfähigkeit voraussetzen müssen. Bild 3 ist ausdrucksvoller als 4. Die Reliefwirkung des letzteren könnte aber durch Beigabe eines Schattentones erhöht werden, wie er öfters schon für die ganze Karte gewünscht wurde. Ein schwacher Schattenton beeinträchtigt keineswegs die Lesbarkeit der engen schwarzen Kurvenzeichnung. Bei sorgfältiger Ausführung ist die Darstellung 4 mit oder ohne Schattenton möglich 2 ). Viel lieber diese Methode als eine mangelhafte 3 ) oder sogar eine unrichtige Zeichnung.

Im Masstab 1:10,000 dürfte die vorgeschlagene Felsdarstellung leicht auszuführen und zweckmässig sein. Die Karte 1:10,000 ist das Quellenwerk für kartographische und wissenschaftliche Zwecke 1 ). Sie ist die Grundlage für alle Karten kleineren Masstabes. Da ist es absolut notwendig, dass die Felszeichnung möglichst unabhängig von der subjektiven Auffassung eines nicht immer geschickten Topographen oder Kartographen sei. Die Felsformlinien und Horizontalkurven werden automatisch im Autographen gezeichnet, und die Ausarbeitung in Schraffen erfolgt nach den aufgestellten Grundsätzen. Gestützt auf diese Darstellungsweise wird ein guter Felszeichner für andere Karten jederzeit das Felsgelände umzuzeichnen ( wie Bild 3 oder 7 ) imstande sein. Das umgekehrte aber ist nicht möglich; niemals wird eine naturgetreuere Wiedergabe aus einer schlechten Felsstrichzeichnung zu holen sein.

Was die Beleuchtungsrichtung anbelangt, so spreche ich mich gegen die unlogische und unnatürliche Nordwestbeleuchtung aus 2 ).

Es bleibt noch zu bemerken, dass die Art der Reproduktion für die Felsdarstellung ganz besonders, wie für die Karte überhaupt, von grösster Wichtigkeit ist. Eine Karte muss angenehm auf den Beschauer wirken. Ihr ästhetischer Wert wird durch die Vervielfältigungsmethode gehoben oder vermindert. Die photomechanischen Reproduktionsmethoden vermögen nicht ein so feines, sauberes und bestimmtes Bild zu erzeugen wie der Stich, insbesondere der Kupferstich. Die Felszeichnungen müssen in meisterhafter Weise gestochen werden, wie es Leuzinger getan hat.

Unser Dufour- und Siegfriedatlas sowie die eidgenössische Schulwandkarte der Schweiz haben allgemein die grösste Bewunderung hervorgerufen. Es ist zu wünschen, dass die Probleme, unter denen die Felsdarstellung für unser Gebirgsland eines der wichtigsten ist, in ebenso vorbildlicher Weise gelöst werden.Ing. W. Blumer.

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