Die Gletscher der Schweizer Alpen im Jahr 1982/83

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Auszug aus dem 104. Bericht der Gletscherkommission der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft ( GK/SNG ) Peter Kasser, GK/SNG, und Markus Aellen, GK/SNG und Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie ( VAW ) an der ETH Zürich Witterungs- und Schneeverhältnisse im Jahr 1982/83 Die Beschreibung der klimatischen Verhältnisse stützt sich auf die in Fussnote 1 angegebenen Quellen. Der Witterungsverlauf vom September 1982 bis Oktober 1983 ist in der Abbildung 1 auf den Seiten 206 bis 209 graphisch dargestellt mit den Tagesmitteln der Lufttemperatur von Zürich SMA, Locarno-Monti und Jungfraujoch sowie mit der täglichen Höhenlage der Nullgradisotherme um 13 Uhr über Payerne. Die Abweichungen dieser Werte von den eingezeichneten langjährigen Mittelwerten2 charakterisieren das BeFür Klimadaten stehen die täglichen ( Wetterberichte ), die monatlichen ( Witterungsberichte ), die Quartalshefte mit den ( Ergebnissen der täglichen Niederschlagsmessungen ) und das Jahrbuch ( Annalem der Schweizerischen Meteorologischen Anstalt ( SMA ) zur Verfügung. Aus den langjährigen Messreihen ermittelte Vergleichswerte zu den Messergebnissen des Berichtsjahrs sind in den Heften ( Klimatologie der Schweiz ) ( Beihefte zu den Annalen ) der SMA zu finden. Die Abflussdaten sind dem ( Hydrologischen Jahrbuch ) der Landeshydrologie im Bundesamt für Umweltschutz entnommen. Die Daten über die Schneedecke in Tabelle 4 wurden am gemeinsamen Netz des eislf und der VAW wie auch an den Stationen Gütsch, Säntis und Saas Almagell der SMA gemessen. Über ( Schnee und Lawinen im Winter 1982/83 ) berichtet P. Föhn ( eislf ).

2 Für die Stationen Zürich SMA, Locarno-Monti und Jungfraujoch, die zum automatischen Beobachtungsnetz ( anetz ) der SMA gehören, sind die Temperaturmittelwerte der Referenzperioden 1901/60 ( Zürich, Locarno ) und 1938/60 ( Jungfraujoch ) den veränderten Messbedingungen angepasst worden.

Einleitung Das Beobachtungsnetz der GK/SNG zur Bestimmung der jährlichen Längenänderung der Gletscher umfasst im Berichtsjahr 1982/83 dieselben 120 Gletscherenden wie in den Vorjahren. Die VAW organisiert und bearbeitet die Messungen, die durch 9 kantonale Forstdienste an 82 Gletschern, durch 7 private Mitarbeiter an 15 Gletschern, durch 2 Kraftwerkgesellschaften an 4 Gletschern, durch das Eidgenössische Institut für Schnee- und Lawinenforschung ( EISLF ) an 1 Gletscher sowie durch ihre eigenen Mitarbeiter an 18 Gletschern im Felde oder anhand von Luftbildern ausgeführt werden. Die zahlreichen Vermessungsflüge verdanken wir dem Bundesamt für Landestopographie ( L + T ) und der Eidgenössischen Vermessungsdirektion ( V+D ). Die Untersuchungen des Massenhaushalts der Gletscher Aletsch, Gries ( Aegina ), Limmern, Plattalva und Suvretta gehören zum langfristigen Forschungsprogramm der VAW.

Tabelle 1 Summe der positiven Tagesmittel der Lufttemperatur von Mai bis September der Jahre 1981 bis 19831 Station Meereshöhe in Metern Tempe 1981 ìratursumme in Grad Ce 1982 IsiuS 1983 a ) Messstationen Gütsch2 2287 810 998 1040 Säntis2 2490 589 782 813 Weissfluhjoch2 2690 552 710 707 Jungfraujoch ( Sphinx)2 3580 92 98 143 Payerne ( 700 mb)3 3100 287 347 415 München ( 700 mb)3 3100 251 315 366 Mailand ( 700 mb)3 3100 401 518 564 b ) Extrapolationen für Firngebiete Clariden4 2700 498 643 731 Clariden4 2900 369 482 579 Suvretta5 2750 494 646 650 Jungfraufirn ( P 3)6 3350 178 187 220 Berechnet und zusammengestellt durch H. Siegenthaler, vaw Automatisch registrierende Station ab 1981 ( Säntis ab 1978 ). Die Werte ab 1981 ( Säntis ab 1978 ) sind mit den Werten der früheren Jahre nur näherungsweise vergleichbar.

Temperaturmessungen in der freien Atmosphäre durch Radiosondierungen. Durch G. Gensler, sma, berechnete Werte, gemittelt aus den Ergebnissen im Niveau 700 Millibar ( etwa 3100 m ü. M. ) der Sondenaufstiege um 0 und um 12 Uhr Weltzeit.

Schätzwerte, reduziert nach den Messungen auf Gütsch. Schätzwerte, reduziert nach den Messungen auf Weissfluhjoch. Schätzwerte, reduziert nach den Messungen auf Jungfraujoch.

richtsjahr. Ergänzend sind die täglichen Niederschlagsmengen von Zürich SMA, Locarno-Monti, Säntis und Sitten eingetragen.

Der September 1982 gehörte im ganzen schweizerischen Alpengebiet noch zur Ablationsperiode der Gletscher. Verglichen mit den langjährigen Mittelwerten war es überall sehr warm. Am geringsten war der Wärmeüberschuss im sehr niederschlagsreichen Tessin, wo in einzelnen Stationen die Regenfälle von drei Tagen ( 5., 6. und 26.9 .) allein bis zu 90 Prozent der Monatssumme brachten. Diese übertraf den Normalwert stellenweise um mehr als das Zweieinhalbfache. Die Zone grossen Niederschlags erstreckte sich vom Tessin nordwärts über das Bündner Oberland bis zu einer Linie von Göschenen nach Linthal und Weisstannen. Das Berner Oberland dagegen war zu trocken und in den übrigen Gebieten wichen die Niederschläge nur wenig von den Normalwerten ab. Am 26. September wurden die Alpen bis unter 2500 Metern Meereshöhe vorübergehend eingeschneit. Am 30. September brachte eine rasch von West nach Ost ziehende Tiefdruckrinne verbreitet Niederschläge, wobei die Schneefallgrenze gegen 2000 Meter absank. Am 1. Oktober wurde auf dem Säntis ( 2490 m ü. M. ) der Beginn der permanenten Winterschneedecke gemessen, am 5. Oktober auch auf Weissfluhjoch ( 2540 m ). Gütsch ( 2287 m ) aperte am 1. November nochmals aus. In einem umfangreichen Tief über Mitteleuropa gab es vom 6. bis 8. Oktober verbreitete, stellenweise auch ergiebige Niederschläge, die am 6. nördlich der Alpen bis gegen 500, südlich der Alpen bis gegen 800 Meter Meereshöhe als Schnee fielen. Der Monat Oktober als Ganzes war auf der Alpennordseite zu warm, im Tessin deutlich zu kalt bei ungefähr normalen Temperaturen in den inneralpinen Gebieten und im Engadin. Dem Nord-Süd-Gefälle der Temperaturen stand ein West-Ost-Gefälle der Niederschläge gegenüber. Westlich des Haslitals, des Goms 194Tabelle 2 Lageänderung der Gletscherenden 1980/81 bis 1982/83 Zusammenfassung Klassen Anzahl Gletscher und Prozentanteil der Klassen 1980/81 1981/82 Anzahl Prozent Anzahl Prozent 1982/83 Anzahl Prozent Beobachtungsnetz 120 120 120 nicht beobachtet 19 9 91 beobachtet 101 111 111 Resultat unsicher 2 2 22 Stichprobe 99 100.0 109 100.0 109 100.0 im Vorstoss 52 52.5 45 41.3 463 42.2 stationär 5 5.1 6 5.5 6 "

5.5 im Rückzug 42 42.4 58 53.2 575 52.3 Mittlere Längenänderung + 0.74 Meter -0.37 Meter -1.58 Meter Anzahl Werte 78 83 966 Bemerkungen: den verschiedenen Klassen sind folgende, durch ihre Nummer aus Tabelle 5 bezeichnete Gletscher zugeordnet:

1 46 75100108110112113115116.

2 49 118.

3 28 1011 13 15 16 18 19 20 23 25 26 27 28 30 33 37 38 40 41 42 43 53 54 57 59 60 61 64 68 69 70 71 73 77 78 80 89 93 99 101 103 104 107 109.

4 1 729 47 63 120.

5 3456912141721 222431 32343536394445485051 52555658626566677274767981 828384858687889091 92 9495 9697 98 102 105 106 111 114 117 119.

6 Für die Berechnung der mittleren Längenänderung sind 13 Gletscher nicht berücksichtigt worden aus folgenden Gründen: -durch künstlichen See beeinflusst: 3 50.

-Wertfür 2 Jahre: 7.

-Wert für 3 Jahre: 72 76 117.

-Wert für 4 Jahre: 30.

-Wert für 5 Jahre: 14.

- keine oder ungefähre Zahlenangabe: 55 56 58 64 107.

und der Vispertäler überschritten die Niederschläge den Normalwert beträchtlich, in den genannten Tälern und weiter östlich wichen sie meistenorts nur wenig davon ab. Der No-vembermonat war in den gesamten Schweizer Alpen um etwa anderthalb bis drei Grad zu warm. Die Niederschläge waren nur im Tessin wesentlich grösser als normal. Im Berner Oberland und in der Zentralschweiz war es stellenweise viel zu trocken. Die dauernde Winterschneedecke vermochte nur zögernd und stufenweise vordringend bis in die Täler hinunter Fuss zu fassen. Mit einer zyklonalen Süd- bis Südwestlage wurden vom 7. bis 10. November Gütsch und vier Schneemessstationen der Alpensüdseite dauernd eingeschneit ( vergleiche Tabelle 4 ). Die Tiefdrucklage vom 13. bis 15. November brachte am letzten Tag beidseits der Alpen einzelne Schneefälle bis in die Niederungen. Dieser Kälteeinbruch ist in den Temperaturkurven der Abbildung 1 ebenso deutlich erkennbar wie in der Kurve der Nullgradisotherme, die in Payerne erstmals auf den Boden absinkt. Von den 35 Stationen der Tabelle 4 sind in diesen Tagen 14 dauernd eingeschneit worden. Mit der zyklonalen Westlage vom 16. bis 18. November erhielten 5 weitere, im inneralpinen Bereich gelegene Stationen die bleibende Schneedecke. Im Dezember lagen die mittleren Monatstemperaturen in den Alpentälern um 1 bis 2 Grad über dem langjährigen Durchschnitt, in den Höhenstationen wichen sie wenig von der Norm ab. Die Dezemberniederschläge, die überall zur Hauptsache zwischen Tabelle 3 Jährliche Massenänderung einiger Gletscher, von 1980/81 bis 1982/83 Gletscher Haushaltsjahr oder Messperiode vom bis Gletscherfläche km2 jährliche Masserie gesamt'B* 10« m3 Eis inderung spezifisch2 b kg/m2 Gleichgewichts- linie m ü. M.

Gries 29.9.80 24.9.81 6.3253 - 1.634 - 232 2940 24.9.81 23.9.82 6.3216.176 - 879 3030 23.9.82 23.9.83 6.3205 - 3.862 - 550 3000 Aletsch 1.10.80 30.9.81 128.146 + 181.73 + 1276 28577 1.10.81 30.9.82 128.118 + 49.27 + 346 29497 1.10.82 30.9.83 127.869 + 21.2214910 29547 Limmern 1.9.80 1.9.81 2.52 "

- 0.311 - 111 2730 1.9.81 30.8.82 2.52 "

- 1.820 - 649 2860 30.8.82 31.8.83 2.52 "

- 2.252 - 803 2925 Plattalva 1.9.81 1.9.80 30.8.82 1.9.81 0.86 "

0.860.235 - 0.173 - 246 - 181 2870 2825 30.8.82 31.8.83 0.86 "

- 0.524 - 549 2940 Suvretta 14.9.80 12.9.81 3.1512 + 1.220 + 348 2675 12.9.81 11.9.82 3.15 2 - 0.737 - 211 2790 11.9.82 10.9.83 3.1512 - 1.915 - 547 2905'Gesamter Zuwachs oder Abtrag, berechnet für Aletsch aus der hydrologischen Bilanz des Einzugsgebietes Massa/Blat-ten bei Naters, für die übrigen Gletscher nach Zonen gleicher Massenänderung mit einer angenommenen Dichte des Eises von 0.9 g/cm3.

2 Gleichmässig über den Gletscher verteilter Zuwachs oder Abtrag. Der Eismenge 1 kg/m2 entspricht eine Wassersäule von 1 Millimeter Höhe.

3 Geschätzte Fläche für den 1. November 1981.

4 Geschätzte Fläche für den 1. Oktober 1982.

5 Geschätzte Fläche für den 27. September 1983. B Geschätzte Fläche für den 19. September 1981.

7 Aus den Pegelmessungen auf dem Jungfraufirn interpolierte Werte.

ä Geschätzte Fläche für den 30. August 1982.

ä Geschätzte Fläche für den 21. September 1983.

3 Vorlauf ige Werte.

1 Flächen vom 15. September 1977.

1 Fläche vom 12. September 1973.

dem 7. und 20. Dezember fielen, zeigten ein ähnliches West-Ost-Gefälle wie die Oktober-niederschläge, mit dem Unterschied, dass sich die niederschlagsreiche Zone im Dezember in der Zentral- und Ostschweiz von Nordwesten her näher an den Alpenrand heranschob. Mit einer zyklonalen Südwest- bis Westlage setzte sich vom 6. bis 12. Dezember der Winter mit wenigen Ausnahmen auch in den tiefergelegenen Stationen der Tabelle 4 endgültig fest. Im Tessin waren die letzten 10 Tage des Monats niederschlagsfrei. Der Januar 1983 war in den Schweizer Alpen überall sehr viel wärmer als normal und - abgesehen von den Höhenstationen - auf der Alpennordseite und im Tessin auch reich an Sonnenschein. Die Niederschläge vom 13. bis 16. Januar brachten vor allem der Alpennordseite, den inneralpinen Gebieten und dem Engadin einen beträchtlichen Schneezuwachs. In diesen Tagen erfasste die definitive Winterschneedecke auch die übrigen tiefgelegenen Schneemessstationen ausser Poschiavo. Die regionale Verteilung der Monatssummen der Niederschläge und ihrer Abweichung von den langjährigen Mittelwerten ist teilweise geprägt von Nordstaulagen. Sie zeigt relativ grosse Werte in einer Zone, die sich von den Tabelle 4 Daten über die Schneedecke im Winter 1982/83 Station Höhe m ü. M.

Periode mit permanenter Schneedecke erster letzter Dauer Tag Tag Tage Grösste Schneehöhe Betrag Datum cm Grösster Wasserwert der Schneedecke Betrag Datum mm Leysin 1250 14.1.

21.3.

67 102 8.2.

201 1.3.

Grindelwald Bort 1570 15.11.

29.4.

166 133 7.2.

388 1.3.

Mürren 1670 15.11.

26.4.

163 109 10.2.

291 1.3.+ 1.4.

Grimsel 1970 14.11.

25.6.

224 340 13.4.

Stoos 1290 11.12.

23.4.

134 136 7.2.

615 15.4.

Andermatt 1440 16.11.

6.5.

172 155 4.2.+ 2.3.

443 18.3.

Trübsee 1800 14.11.

9.6.

208 234 7.4.

827 15.4.

Gütsch 2287 9.11.

1.7.

235 290 25.4.

Schwägalp 1290 18.12.

23.4.

127 146 8.2.

355 1.3.

Braunwald 1320 11.12.

6.5.

147 172 7.2.

509 1.4.

Malbun 1600 14.11.

22.4.

160 100 6.2.

294 2.3.

Säntis 2500 1.10.

28.7.

301 580 16.4.

Ulrichen 1345 16.11.

28.4.

164 135 2.3.

340 15.2.

Montana 1470 11.12.

19.4.

130 130 6.2.

301 1.3.

Zermatt 1610 16.11.

22.4.

158 101 1.2.

257 1.4.

Bourg-St-Pierre 1650 11.12.

19.4.

130 93 10.2.

259 1.3.

Saas Almagell 1667 16.11.

25.4.

161 94 7.4.

Mauvoisin 1800 14.11.

19.5.

187 192 6.2.

593 15.4.

Klosters EW 1200 14.11.

30.4.

168 140 22723.1.

387 14.3.

Davos Fluelastrasse 1560 14.11.

27.4.

165 131 1.3.

372 1.3.

Zervreila 1735 14.11.

14.5.

182 120 4.4.

383 15.4.

Arosa 1818 14.11.

12.5.

180 115 4.2.

369 15.4.

Weissfluhjoch 2540 5.10.

17.7.

286 290 24.5.

1125 1.6.

Ftan 1710 14.11.

9.4.

147 102 17.1.

214 2.3.

La Drossa 1710 10.11.

29.4.

171 104 1.2.

244 1.3.

Samedan 1710 14.11.

15.4.

153 70 17.1.

Pontresina 1840 18.11.

14.4.

148 78 17.1.

Bernina Diavolezza 2090 10.11.

30.5.

202 154 5.4.

Ambri 1000 31.1.

11.3.

40 42 11.2.

Bosco Gurin 1510 15.11.

21.5.

188 135 14.2.

104 1.4.

San Bernardino Dorf 1630 8.11.

14.5.

188 110 18.12.

265 5.4.

Simplon Hospiz 2000 14.11.

8.6.

207 175 7.4.

Poschiavo 1014 6.2.

20.2.

15 20 16.1.

Santa Maria 1400 9.12.

22.3.

104 50 16.1.

93 15.2.

Maloja 1810 8.11.

20.5.

194 142 17.1.

386 19.4.

Tabelle 5 Längenänderung der Gletscher in den Schweizer Alpen 1982/83 Nr. a ) Gletscher Kt.

Längenänderung in Metern 1981/82 1982/83 c ) c ) Höhe m ü. M.

1983 Messdatum Tag, Monat 1981 1982 1983 Einzugsgebiet der Rhone ( II ) 1e Rhone VS - 4.6 - 0.7 2124 20. 9.

21. 8.

14. 9 2 Mutt vs + 19 + 11.0 2590 19. 9.

22. 8.

19. 8.

3« Gries ( Aegina ) vs - 13.6 - 2.1 238281 1.11.

1.10.

27. 9.

. 4 Fiescher vs - 8 - 10.0 1663.6 20. 9.

9.10.

22. 9.

5« Grosser Aletsch vs - 12 - 95 1510.781 19. 9.

30. 8.

21. 9.

106 Mittelaletsch vs - 11.4 - 12.6 — 20. 9.

5.11.

21. 9.

6 Oberaletsch vs - 11.5 - 7.7 2139.1 17. 9.

2.10.

6.11.

7e Kaltwasser vs sn - 0.52a 2640 25. 9.

1.11.

22. 9.

8 Tälliboden vs - 12.9 + 10.5 2629.0 29. 9.

29. 9.

30. 9.

9 Ofental vs - 28.02a - 25.3 2631.0 29. 9.

29. 9.

30. 9.

10 Schwarzberg vs + 7.6 + 3.6 2648.9 30. 9.

1.10.

28. 9.

11e Allalin vs + 25.6 + 1.4 2184.2 8.10.

28.10.

7.10.

12 Kessjen vs - 59.32a - 1.0 2852.5 3.10.

28. 9.

27. 9.

13« Fee ( Nordzunge ) vs + 64.6 + 49.6 1938.0 8.10.

4.11.

11.10.

14 Gorner vs — X - 93.25a 2068 8.10.

13. 9.

7.10.

15e Zmutt vs o — u + 1 2241 12. 8.

15. 9.

18. 8.

16« Findelen vs + 48.1 + 18.0 2482.1 14.10.

22.10.

7.10.

107e Bis vs + X + X 2000 ca.

8.10.

29. 9.

19. 9.

17 Ried vs - 20.1 - 7.5 2053.6 28. 9.

2.10.

1.10.

18e Lang vs + 23 + 16 2020 17. 9.

17. 9.

27. 9.

19 Turtmann ( West ) vs - 1.5 + 18.5 2262 25. 9.

24. 9.

12.10.

20 e Brunegg ( Turtm.Ost ) vs + 0.4 + 12 2452 25. 9.

24. 9.

12.10.

21 Bella Tola vs - 0.5 - 3.0 — 22. 9.

14. 9.

28. 9.

22 Zinal vs - 22.0 - 40.3 2030 6.10.

1.10.

2.10.

23 Moming vs + X + 7.5 2370 6.10.

1.10.

2.10.

24 Moiry vs + 17.2 - 7.2 — 26. 9.

25. 9.

28. 9.

25 Ferpècle vs + 10.2 + 21 — 16.10.

26. 9.

15.10.

26 Mont Miné vs 0 + 1 1965 ca.

16.10.

25. 9.

15.10.

27 Arolla ( Mt. Collon ) vs + 8.4 + 10.6 — 21.10.

25. 9.

15.10.

28 Tsidjiore Nouve vs + 25 + 38 — 21.10.

12.10.

15.10.

29 Cheillon vs - 7.9 - 0.9 2625 4.10.

3.10.

29. 9.

30« En Darrey vs sn + 74a 247564 3.10.

2.10.

24. 9.

31 Grand Désert vs - 24 - 18.7 280064 25. 9.

25. 9.

9.

32 Mont Fort ( Tortin ) vs - 8.3 - 1.4 274067 23. 9.

25. 9.

9.

33 Tsanfleuron vs _ 42a + 6 — n 25. 9.

27. 9.

34« Otemma vs - 71.52a - 35 2430 ca.

n 30. 9.

24. 9.

35« Mont Durand vs - 202a - 6 2290 "

n 29. 9.

25. 9.

36« Breney vs - 252a - 29 257582 n 29. 9.

24. 9.

37 e Giétro vs + 4.0 + 8.7 2480 ca.

20.10.

20. 9.

23. 9.

38« Corbassière vs + 4 + 14 2180 2. 9.

31. 8.

31. 8.

39 Valsorey vs + 1.0 - 17.0 2395 9.10.

18.10.

8. 9.

40 Tseudet vs + 2.0 + 20.0 2423 9.10.

18.10.

8. 9.

41« Boveyre vs + 3.0 + 10.0 2597.5 9.10.

18.10.

8. 9.

42« Saleina vs + 17.0 + 14.0 1699 9.10.

18.10.

8. 9.

108 Orny vs _J_ y 53 n — n 18. 8 n 43 Trient vs + 15 + 9 1758 8. 9.

21.10.

12. 8.

a ) Gletscher Kt.

b ) Längenänderun in Metern 1981/82 e ) g 1982/83 c ) Höhe m Ü. M.

25. 9.

29. 9.

45 = Grand Plan Névé VD - 1.6 - 21.020.10.

25. 9.

29. 9.

46 Martinets VD n nn n n 47 e Sex Rouge VD - 10.0 + 0.517.10.

1.10.

25. 9.

48 = Prapio VD + 2.0 - 44.318.10.

7.10.

25. 9.

49 = Pierredar VD — X sn8.10.

9. 9.

15. 9.

Einzugsgebiet der Aare ( la ) 50e Oberaar BE - 1.5 - 24.4 2302.7 8.10.

11. 8.

15. 9.

51e Unteraar BE - 12.4 - 26.6 1909.5 8.10.

11. 8.

15. 9.

52 Gauli BE 0 - 12 2220 9.10.

11.10.

30. 9.

53 = Stein BE + 20 + 40 1934 4.10.

16. 9.

30. 9.

54= Steinlimmi BE 0 + 1 2092 4.10.

16. 9.

30. 9.

55 = Trift BE + X — X — 18. 9.

9. 9.

19. 9.

56 = Rosenlaui BE + X — X — 8.10.

30. 8.

23. 9.

57 = Oberer Grindelwald BE + 65 + 35.5 1225 ca.

3.11.

11.10.

5.11.

58 = Unterer Grindelwald BE - 60 ca.

- 65 ca.

1085 ca.

8.10.

9. 9.

15. 8.

59 = Eiger BE + 14.3 + 9.1 2115 10. 9.

16. 9.

29. 9.

60 = Tschingel BE + 10.9 + 5.0 2267 11. 9.

17. 9.

30. 9.

61 = Gamchi BE + 7.3 + 2.0 1990 19. 9.

2.10.

28. 9.

109 = Alpetli ( Kanderfirn ) BE + 2.5 + 1.9 2250 17. 9.

17. 9.

15. 9.

110 Lötschberg BE n n — n n n 62 = Schwarz VS - 14.5 - 2 2215 21. 9.

17. 9.

6. 9.

63 = Lämmern VS - 4.7 + 0.3 2520 22. 9.

17. 9.

7. 9.

64 = Blümlisalp BE + 6 ca.

+ 7 ca.

219780 8.10.

2. 9.

18. 8.

111 = Ammerten BE - 3.6 - 2.6 2345 20. 9.

19. 9.

25. 9.

65 = Rätzli BE - 30.5 - 21.7 2370 6.11.

17. 9.

27. 9.

112 Dungel BE n n — n n n 113 Gelten BE n n — n n n Einzugsgebiet der Reuss ( Ib ) 66 e Tiefen UR + 2 - 6.0 249067 6.10.

9. 9.

21. 9.

67 = Sankt Anna UR - 4.22a - 4.4 2592 "

n 13. 9.

14. 9.

68 = Kehlen UR + 42.42a + 12.0 2080 n 15. 9.

21. 9.

69 = Rotfirn ( Nord ) UR + 36.52a + 10.2 2031 n 15. 9.

20. 9 70 = Damma UR + 13.2 + 32.0 2044 64 25. 9.

15. 9.

21. 9.

71e Wallenbur UR + 3 + 13.0 2234 8.10.

14. 9.

22V27.9.

72 e Brunni UR n - 503a — n n 27.10.

73 = Hüfi UR + 10 + 14.0 1640 18. 9.

17. 9.

23. 9.

74= Griess UR - 15.4 -11.0 2217 20.10.

14. 9.

15. 9.

75 76 = Firnalpeli Griessen OW OW + 1.0 n n - 14.13a18.10. 18. 9.

19. 9. n n 29. 9.

Einzugsgebiet der Limmat ( Ic ) 77 e Biferten GL + 7 + 9 1888.5 18. 9.

3. 9.

5. 9.

78e Limmern GL - 3.8 + 2.8 — 27. 8.

26. 8.

25. 8.

114 = Plattalva GL - 9.1 - 2.0 — 29. 8.

30. 8.

27. 8.

79 = Sulz GL - 9.7 - 4.1 1788 4. 9.

29. 9.

10.10.

80 = Glärnisch GL - 10.5 + 7 2293 5.10.

20.10.

9. 9.

81 = Pizol SG - 10.4 - 37.0 2550 18. 9.

14. 9.

21. 9.

N° a ) Gletscher Kt.

b ) Längenänderun in Metern 1981/82 e ) g 1982/83 e ) Höhe m ü. M.

1983 d ) Messdatum Tag, Monat 1981 1982 1983 Einzugsgebiet des Rheins ( Id ) 82 Lavaz GR - 11 - 30 18.

9.

15. 9.

22. 9.

83« Punteglias GR - 39 - 11 2350 9./10.

10.

1.10.

30. 9.

84« Lenta GR - 10.7 - 16.7 2290 8.

10.

30.10.

29. 9.

85 e Vorab GR - 8.0 - 8.1 — 21.

9.

10. 9.

8. 9.

86« Paradies GR - 20.4 - 19.8 2389 1.

10.

23. 9.

7.10.

87« Suretta GR + 3.6 - 30.7 2213 11.

9.

9. 9.

14. 9.

115 Scaletta GR n n — n I n n 88« Porchabella GR - 10.0 - 3.0 2642 5.

10.

17. 9.

20. 9.

89« Verstankla GR - 5 + 6 2390 31.

8.

5. 9.

28. 8.

90« Suvretta GR - 3.9 - 3.0 2429.2 11.

9.

13. 9.

14. 9.

91« Sardona SG - 1.2 - 3.3 2500 17.

9.

9. 9.

20. 9.

Einzugsgebiet des Inns ( V ) 92« Roseg GR + 13.2 - 6.8 2175 19.

8.

21.10.

14.10.

93« Tschierva GR + 29.2 + 5.1 2140 19.

8.

21.10.

14.10.

94 Morteratsch GR - 2.2 - 10 2000 18.

8.

18.10.

13.10.

95 e Calderas GR - 8.8 - 10 2720 9.

9.

3.11.

10.10.

96« Tiatscha GR + 33 - 5 2500 2.

10.

19. 9.

1.10.

97 e Sesvenna GR - 5.1 - 2.8 2800 18.

9.

11. 9.

19. 8.

98« Lischana GR - 25.0 - 1.4 2745 12.

9.

18. 9.

7. 9.

Einzugsgebiet der Adda ( IV ) 99« Cambrena GR + 1.52a + 3.9 2519 ca.

?

20.09.

18. 9.

100 Palü GR n n — 10.

11.

n n 101e Paradisino ( Campo ) GR - 21.82a + 11 2800 ca.

n 9. 9.

25. 9.

102« Forno GR - 28.5 - 13.5 2225 2.

9.

20.10.

19.10.

116 Albigna GR n n — n n n Einzugsgebiet des Tessins ( III ) 120« Corno TI — X + 0.6 2570 n 5. 8.

31. 8.

117« Valleggia TI — X - 10.53a 2420 n 13. 9.

23. 8.

118« Val Torta TI — X sn 2520 n 13. 9.

23. 8.

103« Bresciana TI - 9.4 + 21.0 2725 17.

9.

22. 9.

15. 9.

119« Cavagnoli TI - 16.7 - 3.5 2560 15.

9.

15. 9.

21. 9.

104« Basòdino TI + 0.8 + 14 2520 14.

9.

14. 9.

20. 9.

105« Rossboden VS + 5.0 - 10.7 1950 24.

9.

21. 9.

26. 9.

Abkürzungen:

+ im Vorstoss st stationär — im Rückzug n nicht beobachtet sn eingeschneit x Betrag nicht beziffert Allgemeine Bemerkungen a In Tabelle 2 und in Abbildung 3 dieses Berichts sind die Gletscher mit ihrer Nummer aus dieser Tabelle bezeichnet.

b Liegt ein Gletscher auf dem Gebiet mehr als eines Kantons, ist der Kanton angegeben, in dem sich das beobachtete Zungenende befindet.

c Gilt die Angabe für ein mehrjähriges Intervall, ist die Anzahl der Jahre folgenderweise angezeigt: — 13.63a = Rückzug um 13.6 Metern in 3 Jahren.

d Ist die Höhenkote des Gletscherendes oder des Gletschertors nicht im Berichtsjahr bestimmt worden, wird das Jahr der Messung folgenderweise angeben: 222067 = Meereshöhe 2220 Meter, gemessen im Jahre 1967.

e Eine Bemerkung mit der Nummer dieses Gletschers wird im vollständigen 104. Bericht der Gletscherkommission enthalten sein.

? unsicheres Ergebnis ca. ungefährer Wert Der Gornersee entwässert sich seit einigen Jahren oberirdisch. Ein erratischer Block und seine eingedrückte Eisunterlage überspannen als Naturbrücke die tief eingeschnittene schmale Eisschlucht des Ab-flussgerinnes ( Aufnahme: 4. September 1983 ) Vorderer Teil des Seebeckens am Zu-sammenf luss von Grenzgletscher ( vorn ) und Gornergletscher. Infolge des tiefen Wasserstandes hat sich der See in den letzten Jahren nicht mehr subglazial entleert ( vgl. Abb. 109-113 des 100. Gletscherbe-richtes im QH IV/80 ( DIE ALPEN>.

Photo Markus Aellen Rosenlauigletscher am 18. August 1983. Der östliche Teil des Gletschers stösst als kompakte Zunge mit auf gewölbter Stirn durch den Talgrund vor. Der stark zerspaltene westliche Teil ( rechts im Bild ) liegt als dünner Eisschild auf glattgeschliffenen Buckeln und abschüssigen Platten aus Kalkfels am Fusse des Wellhorns. Nach rutschungsartigem raschem und weitem Vorstossen in den Jahren 1980 und 1981 ist er bereits wieder auf den Stand von 1978 zurückgeschmolzen Lütschinentälern und dem Obergoms ostwärts über Gotthardgebiet, Glarnerland und Mittelbünden ins Unterengadin erstreckt. Von dieser Kernzone aus gab es im Süden zum sehr trockenen Sottoceneri hin ein stärkeres Niederschlagsgefälle als im Norden und Westen zu Gebieten mit normalen Werten.

Der überall zu kalte, in Mittelbünden, im Engadin und im Tessin auch zu trockene Februar beendete die Folge der zu warmen Monate, die in mancher Region der Alpennordseite neun Monate umfasste. Im März war es überall wiederum zu warm und ausserhalb des Tessins meistenorts auch zu trocken. Im April übertrafen die Niederschläge den Normalwert an den meisten Stationen deutlich, im Tessin sogar sehr stark, bei Temperaturen, die im Tessin zu kalt, im Wallis ungefähr normal und in den übrigen Gebieten zu warm waren. Im Mai, der überall relativ zu kalt war, fielen an den meisten Stationen grössere Niederschlagsmengen als die grössten je in einem Mai der Vergleichsperiode 1901 /60 gemessenen Monatssummen. Dabei fiel an vielen Messstationen auf Meereshöhen um 1600 Meter an mehr als der Hälfte der zahlreichen Niederschlagstage noch Schnee. Im Gegensatz dazu war der Juni - von normalen Temperaturen im Engadin abgesehen - überall zu warm und je nach Gebiet deutlich bis beträchtlich zu trocken. Noch gegensätzlicher zum Mai war der Juli. In diesem Monat wurden überall bei relativ viel Sonnenschein extrem kleine Niederschlagsmengen und aussergewöhnlich hohe Temperaturen gemessen. Das Temperaturmittel lag an den meisten Stationen um 4 bis 6 Grad über dem Normalwert. Dementsprechend lieferten die Gletschergebiete auf Kosten der Gletschersubstanz ungewöhnlich grosse Schmelzwassermengen. Auch in den Sommer- und Herbstmonaten August bis Oktober war es, wie Abbildung 1 zeigt, deutlich wärmer als im langjährigen Durchschnitt. Die Niederschlagsmengen im August waren in der Zentralschweiz grösser als normal, auf der übrigen Alpennordseite ungefähr normal und in den anderen Gebieten kleiner als normal. Im September erhielten alle Gebiete der Schweizer Alpen überdurchschnittlich viel Nieder- schlag. Weil der überall zu trockene Oktober warm und relativ reich an Sonnenschein war, ging die Ablationsperiode des Sommers 1983 mit diesem Monat noch nicht zu Ende. Stationen über 1600 bis 2000 Metern Meereshöhe wurden in den mittleren Dekaden der Monate September und Oktober zwar leicht angeschneit, doch überdauerten diese Schneedecken jeweils nur kurze Zeit. Der Winter 1983/84 kam spät und - im Gegensatz zum Vorjahr -für alle Höhenstufen gleichzeitig. Dieser plötzliche und vollständige Wintereinbruch erfolgte mit der zyklonalen Südwest- bis Westlage vom 25. bis 27. November 1983.

Für die Jahresniederschlagssummen von Oktober 1982 bis September 1983 und für die mittleren Sommertemperaturen von Mai bis September 1983 ist die regionale Verteilung der Abweichungen von den Normalwerten in Abbildung 2 auf Seite 213 wie in den vorangehenden Berichten graphisch dargestellt. Messwerte, die mit positiver oder negativer Abweichung vom Normalwert je einmal innerhalb von 4 Jahren vorkommen, werden als normal bezeichnet. Sie finden sich in den mit Null angeschriebenen Feldern der Abbildung. Die stark abweichenden Werte der Klassen +1 und — 1 treten durchschnittlich einmal innerhalb von 4 bis 12 Jahren auf, die sehr stark abweichenden Werte der Klassen +2 und -2 seltener als einmal in 12 Jahren. Abbildung 2a zeigt für die Jahresperiode Oktober 1982 bis September 1983 eine Zone stark unterdurchschnittlicher Niederschlagsmengen, die sich von den Föhngebieten der Innerschweiz westwärts über Interlaken, ostwärts über Glarus und Ebnat ausdehnt. Sie ist allseitig umschlossen von Gebieten mit normalen Niederschlagsmengen, die überleiten zu Regionen mit stark bis sehr stark überdurchschnittlichen Werten. In den Feldern mit normalem Niederschlag liegen die Gebirgsgegenden von Oberhasli und Oberwallis, das Grenzgebiet zwischen Bündner Oberland und Glarnerland wie auch Mittelbünden bis zum Prätigau. Sehr grosse Niederschlagsmengen fielen in den Waadtländer und in den westlichen Berner Alpen, ferner in nördlichen Teilen des Tessins, im Misox und in Vals. Die relativen Sommertemperaturen, dargestellt in Abbildung 2b, sind mit einem Nord-Süd-Gefälle ähnlich verteilt wie im Vorjahr. Sehr viel wärmer als normal war es nördlich einer Linie, die vom Rhonetal im Mittelwallis über Grimsel und Gotthard zum oberen Prätigau verläuft. In der südlichen, allgemein zu warmen Zone sind einige Inseln eingezeichnet, wo es wie in Visp normal warm oder wie in Zermatt und auf dem Corvatsch viel zu warm war.

Über ( Schnee und Lawinen im Winter 1982/83 ) berichtet P. Föhn ( E/SLF ) wie folgt:

Im Berichtswinter 1982/83 wurden in den Schweizer Alpen 126 Personen, ausnahmslos Touristen, von Lawinen erfasst. Bei der Arbeit, in Gebäuden oder auf Verkehrswegen wurde niemand verschüttet. In 35 Unfallereignissen verloren 26 Menschen ihr Leben, eine überaus grosse Zahl von 50 Personen erlitten Verletzungen und weitere 50 kamen nach teilweiser Verschüttung mit dem Schrecken davon. Von den Lawinenopfern verunglückten 19 auf Bergtouren mit Ski, 1 beim Bergsteigen ohne Ski und 6 als Skifahrer auf Abfahrtsvarianten ausserhalb markierter Skipisten. Die Gesamtzahl von 26 Lawinentoten entspricht dem langjährigen Mittel seit dem Winter 1940/41. ) Gletscherchronik a ) Tätigkeit und besondere Ereignisse Die Erhebungen der Gletscherkommission über den Stand und die Veränderungen der Gletscher in den Schweizer Alpen in der 104. Berichtsperiode sind im Herbst 1983 im üblichen Umfang und im allgemeinen bei günstigen Bedingungen für die Messungen am Boden wie auch für die Beobachtungen aus der Luft durchgeführt worden. Die ausserordentlich intensive Schmelzung im Hochsommer hat die Schnee- und Firnlagen, die in den vorangehenden Jahren manches hochgelegene Gletscherende verbargen, nur im Tessin nicht restlos abgeräumt. Von einzelnen schuttbedeckten Gletscherzungen abgesehen, lagen die Gletschergrenzen klar zutage. Die frühen, zumeist aber wenig ergiebigen Schneefälle im September und Oktober erwiesen sich für die Messungen im Gelände weniger hinderlich als in einzelnen Fällen für die Auswertung der Luftbilder. Die meisten Begehungen haben vor dem grösseren Schneefall von Mitte Oktober stattgefunden. Von der ungewohnten, durch die besonderen Wetter- und Schneeverhältnisse gebotenen Möglichkeit, den Gletscher noch im Spätherbst bei guten Weg- und Messbedingungen Muttgletscher. Ansicht von der Furkastrasse am 19. August 1983 zu besuchen, musste kaum Gebrauch gemacht werden. Von den 120 Gletschern des Beobachtungsnetzes sind im Berichtsjahr 111 beobachtet worden, indem 102 am Boden besucht und 51 im Luftbild erfasst wurden. Von den 9 im Herbst 1983 nicht beobachteten Gletschern werden 7 in mehrjährigem Turnus nur aus der Luft aufgenommen. Sie liegen alle ausserhalb des Aufnahmebereichs der Vermessungsflüge, die im Berichtsjahr über Gletschern durchgeführt worden sind. Für 109 Gletscher ist die Längenänderung seit der letzten Messung bekannt. Sie ist in 99 Fällen durch die Messungen am Objekt und in 7 Fällen anhand der Luftbilder quantitativ, in 3 Fällen anhand der Luftbilder qualitativ bestimmt worden. Zwei Beobachtungen führten zu kei- nem schlüssigen Ergebnis. Im einen Fall fehlen Vergleichswerte zu den im Gelände ausgeführten Messungen, weil die früher benutzte, in den vorangehenden Jahren eingeschneite Messbasis noch nicht ausgeapert ist. Im andern Fall liess sich der von Neuschnee überdeckte Gletscherrand auf dem neuen Luftbild nicht genau festlegen.

Zum guten Ergebnis des 104. Berichtsjahres haben beigetragen mit 73 Meldungen die Mitarbeiter der kantonalen Forstdienste Wallis ( 24 ), Waadt ( 4 ), Bern ( 10 ), Uri ( 9 ), Obwalden ( 1 ), Glarus ( 1 ), St. Gallen ( 2 ), Graubünden ( 16 ) und Tessin ( 6 ), mit 15 Meldungen die privaten Mitarbeiter P. Mercier ( 4 ), J.L. Blanc ( 3 ), H. und V. Boss ( 2 ), W. Wild und A. Godenzi ( je 2 ) sowie R. Zimmermann und E. Hodel ( je 1 ), mit 4 Meldungen die Kraftwerke Mauvoisin und Oberhasli ( je 2 ) sowie mit 19 Meldungen für 12 am Boden gemessene und 7 nach Luftbildern bewertete Gletscher die Mitarbeiter der Abteilung für Glaziologie der VAW. In verdankenswerter Weise sind uns auch die Ergebnisse der luftphotogrammetrischen Auswertungen wiederum zur Verfügung gestellt worden. Die Auswertungen sind wie bisher bei 2 Gletschern für die Kraftwerke Oberhasli durch das Vermessungsbüro A. Flotron in Meiringen, bei 1 Gletscher für die Kraftwerke Mauvoisin durch das Vermessungsbüro H. Leupin in Bern und bei 1 Gletscher für die VAW durch deren Mitarbeiter W. Schmi'd am Autographen des Geodätischen Instituts der ETH Zürich ausgeführt worden. Das Bundesamt für Landestopographie ( L + T ) und die Eidgenössische Vermessungsdirektion ( v+d ) haben uns erneut grosszügig unterstützt mit zahlreichen Vermessungsflügen, die sie in jährlicher Wiederholung über 37 Gletschern und in mehrjährigem Turnus über 29 Gletschern durchgeführt haben. Dabei ist eine etwa gleich grosse Zahl von Gletschern zusätzlich im Luftbild erfasst worden. Die jährlich wiederholten Aufnahmen dienen in erster Linie den Erhebungen der Arbeitsgruppe für gefährliche Gletscher ( in 20 Fällen ) und der GK/SNG ( in 11 Fällen ) sowie den Untersuchungen der VAW im Auftrag von Dritten ( in 6 Fällen ). Die übrigen Flüge sind für die Erhebungen der GK/SNG über 25 Gletschern und für Forschungsprojekte der VAW über 4 Gletschern durchgeführt worden3.

an der Zunge des Oberen Grindelwaldgletschers. Der Zeiger des Kryokinemeters ( Eisbewe-gungsmessers ) wird jeden Morgen auf Null zurückgestellt. Er zeigt die Länge der Strecke an, die das Mess-kabel, das beim Eingang der Glet-schergrotte im Eis verankert ist, im Laufe des Tages zurückgelegt hat: rund 2 cm bis 16 Uhr am Tag der Aufnahme ( 21. September 1983 ). Im Frühsommer sind Tageswerte bis gegen 30 cm beobachtet worden 3 Die Gletscherkommission dankt allen Beobachtern, allen übrigen Mitarbeitern und Institutionen, die grösstenteils regelmässig und zum Teil seit vielen Jahren zu unseren Erhebungen und Untersuchungen beitragen. Personelle Änderungen im Kreis der Beobachter oder anderweitigen Mitarbeiter sind uns ausser den im letzten Bericht gemeldeten aus der 104. Berichtsperiode nicht bekannt. Auf Jahresende 1983 ist Herr F. Juvalta, Kreisförster in Bergün, altershalber von seinem Amt zurückgetreten. Ihm verdanken wir nicht nur die Messungen am Porchabellagletscher, die er seit 1964 mit grosser Hingabe versieht, sondern auch die Messungen, die er in seinem früheren Forstkreis am Paradies- und Surettagletscher von 1958 bis 1963 und stellvertretend auch 1968 mit derselben Sorgfalt durchgeführt hat. Wir verdanken ihm ausserdem eine reichhaltige und interessante Dokumentation über die von ihm betreuten Gletscher, die erst zu einem geringen Teil in unseren Jahrbüchern zur Geltung gekommen ist. Wir begrüssen seinen Amtsnachfolger, Herrn Kreisförster Chr. Barandun, Bergün, im Kreise der Gletscherbeobachter und freuen uns, dass er für die Gletschermessungen auf die weitere Mithilfe seines Vorgängers zählen darf. Auf weitere personelle Änderungen, die nach dem Jahreswechsel vollzogen worden sind, soll im nächsten Gletscherbericht eingegangen werden.

Abbildung 1 Witterung 1982/83 an einigen automatischen Stationen der SMA ( ANETZ ) a ) Zürich SMA 556 m ü. M.

Lufttemperatur Tagesmittel °C angepasster Mittelwert 1901/60 Niederschlag Tagesmenge mm -

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Sept.

Okt.

Den Erhebungen der Gletscherkommission über den jährlichen Stand und die Veränderungen der Gletscher in den Schweizer Alpen steht im Sinne einer Landesaufnahme ein gewisser Selbstzweck zu. Dieser ist jedoch den von Anfang an weiter gesteckten Zielen der seit mehr als hundert Jahren betriebenen systematischen Beobachtungen untergeordnet. Ein übergeordnetes Ziel ist die weltweite Erfassung der Gletscherveränderungen in ihren Beziehungen zu globalen Klimaveränderun- 100 50 gen, um über das Verständnis der Zusammenhänge zwischen den heutigen Klima- und Gletscherveränderungen Erklärungen zu finden für die Klima- und Gletscherschwankungen der Vergangenheit oder auch Grundlagen zu schaffen für eine brauchbare Vorhersage der künftigen Entwicklung. Im Bestreben, die weltweiten Zusammenhänge in den heutigen Gletscherveränderungen zu erfassen, ist bereits 1894 eine internationale Gletscherkommission gegründet worden, die u.a. von 1895 an in periodischen Berichten die Ergebnisse der Gletscherbeobachtungen aus den verschiedenen Ländern und Erdteilen zusammen- b ) Locarno-Monti 366 m ü.M. Lufttemperatur Tagesmittel °C angepasster Mittelwert 1901/60 Niederschlag Tagesmenge mm

1

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Sept.

Okt.

gefasst hat. Ihre Nachfolgerin, die Internationale Kommission für Schnee und Eis ( ICSI ) der Internationalen Vereinigung für wissenschaftliche Hydrologie ( IASH ), hat diese Arbeit einem 1967 gegründeten permanenten Dienst, dem Permanent Service on the Fluctuations of Glaciers ( PSFG ), als Hauptaufgabe zugewiesen, mit Peter Kasser, Zürich, als erstem Direktor. Nach dem vorzeitigen Tod des Nachfolgers Fritz Müller, Zürich, der den PSFG von 1976 bis 1980 leitete, blieb die Stelle unbesetzt, bis 1983 Wilfried Haeberli, Zürich, als neuer Direktor eingesetzt wurde. Damit ist der PSFG vom 10C 50 Geographischen Institut der ETHZ an die VAW zurückgekehrt, wo er seinen Sitz bis 1976 hatte.

Bei der wachsenden Zahl und der zunehmenden Vielfalt der gegenwärtig in der Schweiz laufenden glaziologischen Untersuchungen im Zusammenhang mit praktischen Problemen oder für die wissenschaftliche Forschung, die neuerdings vermehrt auch im Be- c ) Jungfraujoch 3580 m ü.M. Lufttemperatur Tagesmittel °C angepasster Mittelwert 1938/60 Sept. Okt. Nov. Dez. Jan. Feb. März April Mai Juni Juli Aug. Sept. Okt.

d ) Payerne 490 m ü.M.

Höhe der Nullgradisotherme um 13 Uhr 5000 Sept. Okt. Nov. Dez. Jan. Feb. Marz April reich der reinen Theorie vorangetrieben wird, kann im Rahmen dieses Berichts nicht auf jedes einzelne Projekt näher eingetreten werden. Von den im letzten oder in früheren Berichten skizzierten Untersuchungen sind namentlich die vom Geographischen Institut der ETH Zürich seit 1979 am Rhonegletscher und im Einzugsgebiet der Rhone oberhalb Gletsch betriebenen glaziologischen, hydrologischen und klimatologischen Studien abgeschlossen 4 Muller, H. ( 1984 ): Zum Strahlungshaushalt im Alpenraum. Diss. ETHZ. Mitteilungen der VAW Nr. 71.

m ü. M.

worden. Die Ergebnisse werden derzeit zu verschiedenen Dissertationen verarbeitet. Eine ergänzende Studie dazu bilden die Strahlungsmessungen, die ein Doktorand der Abteilung für Hydrologie der VAW während des ganzen Sommers 1983 auf dem Muttgletscher durchgeführt hat4. Die Abteilung für Hydrologie, die durch die Beschaffung und Bearbeitung eines grossen Teils der Daten über die Winterschneedecke in Tabelle 4 unserer Gletscherberichte seit Jahren namhaft zur Arbeit e ) Säntis 2490 m ü.M.

Niederschlag Tagesmenge mm 1

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Okt T der GK/SNG beiträgt, ist im September 1983 von der VAW an das Geographische Institut der ETHZ abgetreten worden.

Durch sein ausserordentlich kräftiges Vorstossen im Winter 1982/83 hat der Obere Grindelwaldgletscher das Interesse eines grossen Publikums wie auch von Presse, Radio und Fernsehen auf sich gezogen. Den zahlreichen Besuchern der traditionellen Eisgrotte, die von Hand mit den in Grindelwald eigens zu diesem Zweck entwickelten besonderen Eisäxten, sogenannten , in die Stirn der IOC 5C 10C 50 Gletscherzunge eingehauen wird, ist während des ganzen Sommers mittels einer ( Gletscheruhr ) der tägliche Vorschub des Eises sichtbar vor Augen geführt worden. Gegen Ende des Sommers machte auch der Untere Grindelwaldgletscher auf sich aufmerksam durch zwei Wasserausbrüche, die keinen grossen Schaden verursachten, aber durch die grosse Menge des mitgeführten, im Staubecken von Burglauenen aufgeschwemmten Eises auffielen. Sie stehen vermutlich in direktem Zusammenhang mit beträchtlichen Eisstürzen, die kurz vorher vom Kallifirn durch die Runse der auf das Zungenende des Unteren Grindelwaldgletschers und in die da-vorliegende abgegangen waren ( vergleiche hiezu Abb. 160 bis 163 des 101. Gletscherberichts in ( DIE ALPEN>, QH IV/81 ).

Über weitere Gletscherstürze und Eislawinen im Berichtsjahr macht J. Alean, VAW, folgende Angaben:

5. September 1982: Vorfeld des Oberen Grindelwaldgletschers ( 1 Toter ); 6. November 1982: Trümmletental unterhalb Giessengletscher ( 1 Toter ); I. Mai 1983: Nordflanke des Aletschhorns ( 1 Toter ); 12. Mai 1983: Morteratschgletscher ( 3 Tote ); 15. Juni 1983: Nordflanke des Piz Roseg ( 3 Tote ); 19. September 1983: Vorfeld des Rosenlauigletschers ( 1 Toter ).

Eine Zusammenstellung von Unfällen und Schadenereignissen, die seit dem 16. Jahrhundert durch Eislawinenniedergänge verursacht wurden, ist in meiner Dissertationsarbeit enthalten 5. Die Arbeit enthält auch verschiedene Kartenskizzen und Photographien von Eislawinen aller Grössenordnungen zwischen Eisabbrüchen von einigen Kubikmetern bis zu Eislawinen von mehr als 10 Millionen Kubikmetern aus den Alpen und aus Alaska.

5 Alean, J. ( 1984 ): Untersuchungen über Entstehungsbedingungen und Reichweiten von Eislawinen. Diss. ethz Nr. 7589. Mitteilungen der VAW Nr. 74.

Abb. 1-4: Eislawinen am Balmhorngletscher 1 Balmhorngletscher am 9. August 1983. Nach ersten Lawinenabgängen ist der Gletscher oberhalb der Abbruchfront in der Bildmitte noch wenig zerspalten ( vgl. Abb. 2 und 3 ). Die unterste der drei Terrassenstufen am östlichen Gletscherrand ist durch die frisch geschütteten Sturzkegel erst teilweise aufgefüllt ( vgl. Abb. 4 ) Besonders bemerkenswert war die Eislawi-nenaktivität im Herbst 1983 am Balmhorngletscher aus einer Anrisszone in 2800 Metern Meereshöhe und ebenso am Fletschhorngletscher aus einer Anrisszone in 3200 Metern. Beim Fletschhorngletscher stürzten innert mehrerer Wochen im September und Oktober rund 600000 Kubikmeter Eis ab, vermutlich eher in zahlreichen kleineren Stürzen als in einer einzelnen Grosslawine.

Im Rahmen der erwähnten Dissertation sind durch das Personal der Hochalpinen Forschungsstation Jungfraujoch bei guter Sicht täglich Aufnahmen vom Hängegletscher an der Südflanke des Mönchs gemacht worden6.

6 Den Herren S. Baumann und F. Gabriel sei auch an dieser Stelle für ihre Mithilfe gedankt.

2 Östlicher Teil der Abbruchfront am 16. August 1983. Dahinter nischenförmige, durch die Bögen der Abrissspalten gewölbeähnlich umgrenzte Anrisszone, die durch ein unregelmässiges Netz frisch aufgebrochener Spalten zerteilt ist 3 Vergleichsaufnahme zu Abb. 2, vom 29. August 1983, mit fortgeschrittener Zertrümmerung des Eises in der Anrissnische

Deren Auswertung zeigte, dass dieser hochgelegene Hängegletscher an seiner Abbruchfront in 3600 bis 3700 Metern Meereshöhe in allen Jahreszeiten etwa gleich viele Eislawinen erzeugte.Von den 62 im Laufe eines Jahres erfassten Lawinenabgängen erreichte der grösste eine Kubatur von 60000 Kubikmetern und 40 wiesen eine Kubatur zwischen 3000 und 30000 Kubikmetern auf. Im Unterschied zu diesem Gletschertyp mit ziemlich gleichmässig über das ganze Jahr verteilter Lawinentätigkeit erzeugen Gletscher einer anderen Art ihre Lawinen vor allem in den Monaten Juli bis Oktober. Über Einzelheiten der Entstehungsbedingungen und Reichweiten von Eislawinen, die für den Bergsteiger von Interesse sind, soll in einer besonderen Publikation in dieser Zeitschrift ausführlicher berichtet werden. ) Die Lawinentätigkeit des Balmhorngletschers gab Anlass zu intensiven Beobachtungen und Messungen der Fliessgeschwindigkeiten des Gletschers im Anrissgebiet. Sie ergaben wichtige Aufschlüsse über die Verfor-mungs- und Bruchmechanismen steiler Gletscher. In erster Linie aber dienten sie dem praktischen Zweck, eine gefährliche Beschleunigung im Anrissgebiet frühzeitig zu erkennen, damit die Filmequipe, die im Gasterntal im Ablagerungsbereich der in früheren Jahren beobachteten Grosslawinen mit Dreharbeiten beschäftigt war, vor einem möglichen grossen Absturz gewarnt werden konnte. Die Beobachtungen und Messungen sind durch die VAW ausgeführt worden.

b ) Massenänderung einiger Gletscher In Tabelle 3 sind für einige Gletscher die Massenänderungen während der letzten drei Jahre angegeben. Sie sind durch die VAW für die Gletscher Gries ( Aegina ), Limmern, Plattalva und Suvretta aus glaziologischen Messungen direkt bestimmt, für die Gletscher des Aletschgebiets gesamthaft aus dem Wasserhaushalt des Einzugsgebietes der Massa abgeleitet worden. Die gesamte Massenänderung gibt die Vermehrung oder Verminderung der Eismenge während der Messperiode an. Die spezifische Massenänderung entspricht der Dicke der Schicht, die sich aus dem als Wasser gleichmässig über den ganzen Gletscher verteilten Massenzuwachs oder -abtrag ergäbe. Als spezifische Werte sind die Massenhaushaltszahlen der verschiedenen Gletscher direkt vergleichbar.

Die allgemeine Verminderung der Gletschermasse in den Schweizer Alpen während des Berichtsjahrs entspricht nach der ausserordentlichen Wärme des Sommers den Erwartungen, abgesehen vom Ausmass, das verhältnismässig wenig von normalen Werten abweicht. Dies dürfte in erster Linie auf die Wit-terungs- und Schneeverhältnisse im Mai zurückzuführen sein, der normalerweise wegen der beginnenden Schneeschmelze nur wenig Massenzuwachs bringt. Im Berichtsjahr dagegen ist die Winterschneedecke auf den Gletschern im Frühlingsmonat Mai stellenweise um mehrere Meter angewachsen, weit mehr 4 Die Sturzkegel am östlichen Gletscherrand, am 29. August 1983, mit aufgefüllter unterster Terrassenstufe im Vordergrund. Die Sturzbahn der Eislawine ist durch das Anwachsen der Sturzkegel geglättet worden ( vgl. Abb. 1 ) Abbildung 2 Abweichungen der Jahresniederschläge 1982/83 und der Sommertemperaturen 1983 vom Zentralwert der Bezugsperiode 1901/60 a ) Jahresniederschläge Summe der Niederschläge vom 1. Oktober 1982 bis 30. September 1983 Wertung der Klassen:

KlasseJahresniederschlag + 2sehr gross + 1gross 0normal — 1klein — 2sehr klein als in jedem der vorangehenden Wintermonate. Das Ergebnis der Massenbilanzen ist weitgehend geprägt durch das Zusammenspiel der extrem gegensätzlichen Monate Mai und Juli, da die übrigen Monate allgemein weniger von der Norm abwichen. Im Aletschgebiet haben die fast ausschliesslich als Schnee, Firn oder Eis gespeicherten Wasserreserven gemäss den aus berechnetem Niederschlag, angenommener Verdunstung und gemessenem Abfluss aufgestellten Bilanzen seit 1976 in allen Jahren mehr oder weniger zugenommen. Dazu ist zu bemerken, dass dieses Gebiet in den letzten Jahren stets in den relativ niederschlagsreichen Zonen lag, da ihm offensichtlich von Süden wie von Norden reichlich Niederschlag zugeführt worden ist. Der Abfluss dagegen erreichte erst in den letzten drei Haushaltsjahren wieder das Mittelmass der nunmehr 60 Jahre umfassenden Messperiode, nachdem er von 1976/77 bis 1979/80 stets deutlich darunter geblieben war.

Im Talbereich der Aaregletscher hat nach den luftphotogrammetrischen Vermessungen von A. Flotron die Eismenge von Mitte August bj Sommertemperaturen Durchschnittliche Lufttemperatur vom 1. Mai bis 30. September 1983 Wertung der Klassen:

KlasseSommertemperatur + 2sehr warm + 1warm 0normal -1kalt -2sehr kalt 1982 bis Mitte September 1983 um 20,5 Millionen Kubikmeter abgenommen. Diese Abnahme entspricht einer mittleren Senkung der Gletscheroberfläche im vermessenen Bereich um 1,4 Meter. Ein beträchtlicher Anteil dieses Schwundes entfällt auf den Sommer 1982, der etwa sechs Wochen über das Vermessungs-datum hinaus andauerte. In den zwei Jahren vom Herbst 1981 bis zum Herbst 1983 hat sich die Eismenge um rund 8 Millionen Kubikmeter vermindert, d.h. etwa um den Betrag eines durchschnittlichen Jahres der Vergleichsperiode 1969/83.

c ) Lageänderung der Gletscherenden Die Ergebnisse der Beobachtungen am Netz der Gletscherkommission sind in Tabelle 2 für die letzten drei Jahre zusammengefasst, in Tabelle 5 für die letzten zwei Jahre und in Abbildung 3 für das Berichtsjahr ausführlich dargestellt. In Abbildung 4 sind die Hauptergebnisse der 93 Jahre umfassenden Messperiode seit 1890 zusammengestellt.

Das Ergebnis der Zungenmessungen im Berichtsjahr lässt für die Interpretation einen gewissen Spielraum offen. In den gleich grossen Stichproben von 1982 und 1983 haben sich die Anzahl und der Anteil der vorstossenden, sta- Abbildung 3 Die Gletscher der Schweizer Alpen Lageänderung der Zungenenden 1983 Legende:

Vorstoss stationär Rückzug unbestimmt nicht beobachtet tionären oder schwindenden Gletscher gesamthaft nicht oder nur unbedeutend verändert. Demnach hat sich die seit 1978 nachlassende Vorstosstendenz im Berichtsjahr eher wieder erholt als weiter abgeschwächt. Betrachten wir die mittlere Längenänderung als massgebende Grösse, schliessen wir auf ein weiteres Nachlassen der Vorstosstendenz, wenn nicht gar auf den Beginn einer Schwundtendenz. Die Massenhaushaltszahlen der Tabelle 3 zeigen abnehmendes Wachstum bei Aletsch, nachlassenden Schwund bei Gries und zunehmenden Schwund bei den übrigen Haushaltsgletschern an. Als weiteres Kriterium kann die Fliessgeschwindigkeit des Eises beigezogen werden, die wiederum auf einer ganzen Anzahl von Gletschern gemessen worden ist. Sie zeigt im Zungenbereich der Gletscher wie im Vorjahr eine deutliche Verlangsamung an, ist aber noch nicht so klein wie vor der Beschleunigungsphase von 1977 bis 1980. Als Anzeichen nachlassender Vorstosstendenz gedeutet, entspricht sie etwa dem Mittel aller vorgängig erwähnten Interpretationsmöglichkeiten. In den verschiedenen Regionen haben sich bei teilweise gegen-läufigen Änderungen die Anteile der vorstossenden oder schwindenden Gletscher in den jeweiligen Stichproben seit dem Vorjahr im allgemeinen dem praktisch unveränderten Landesdurchschnitt angenähert. Nur auf der Alpensüdseite mit 4 schwindenden von 9 beobachteten und im Rhonegebiet mit 21 schwindenden von 49 beobachteten waren weniger als die Hälfte der erfassten Gletscher Abbildung 4 Lageänderung der Gletscherenden in den Schweizer Alpen 1890/91-1982/83 Anzahl Gletscher im Vorstoss und im Rückzug in Prozent der Gesamtzahl der beobachteten Gletscher 2J5 im Schwinden. Mit je einem von 10 bzw. 7 beobachteten Gletschern lag der Anteil dervor-stossenden Gletscher nur in den bündnerischen Einzugsgebieten von Rhein und Inn deutlich unter dem Landesdurchschnitt.

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