Die Hochalpen

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Die Törbler Alpen. Nutzungsrecht. Alp Moos. Alpbesetzung. Der Kampf der Ringkühe. Der Breitenmattbotz. Die Alpentladung. Die Bekränzung der Ringkühe. Besatz. Alte Lärchen. Arven. Sennhütten und Stafel. Ferriche. Weidebetrieb. B i f i g en a l p. Sennerei. Schottenrechnung. Das Telli. Die O b e r a a r a l p. Die Emderalpen.

Törbel und Emd besitzen über den Voralpen ausgedehnte, im Gemeindebezirk befindliche Hochalpen — Törbel die Moosalp, die Alp Bifigen und die Rinderalp im Telli, Emd die Augstbordalp, das Senntum, Pletschen und Chummeni. Zeneggen dagegen hat auf seinem Territorium keine Hochalpen; dafür haben einige Bauern daselbst Alprechte im Nanztal, im Ginanz und seit einem Jahre auch auf dem Simplon. Der Anteil der Zenegger Bauern an der Niederstenalp im Nanz war ehedem so gross, dass die Milch der Egger Kühe in einem besondern Senntum verkäset wurde, und noch heute heisst eines der beiden Senntümer in der Niedersten das « Egger Senntum ». Auch Törbel hat ausserhalb der Gemeinde seit mehr als 400 Jahren im Kanton Bern eine Alp, die Oberaaralp an der Grimsel.

Von den Törbler Alpen werden die Alp Moos und Bifigen mit Kühen bestossen. Im Törbeltäli ( im « Telli » ) weiden die Rinder und auf der Oberaaralp meist Schafe und einige Rinder.

Jeder Bürger ist berechtigt, das gewinterte Vieh unentgeltlich oder gegen geringes Entgelt auf diesen Alpen zu sommern. Dieser Grundsatz bringt die Gefahr mit sich, dass die Alp überstossen wird, denn der Ertrag der Alp richtet sich nicht nach dem Bürgeretat, sondern nach dem Futterertrag. Ausser den Kühen weiden auf Moos und Bifigen die seit dem vorhergehenden Herbst geborenen Kälber sowie die trächtigen Zeitrinder, die bis Neujahr kalben sollen. Jährlinge ( Maischrinder ) und Zeitrinder, die erst nach Neujahr werfen, kommen ins Telli oder in die Oberaaralp. Das « Krautgeld » beträgt für ein Rind auf den Kuhalpen Fr. 5, für ein Kalb Fr. 1; die Kühe bezahlen nichts, denn die Sennen und Hirten leben von der Milch. Nur wenn einer mehr als sechs Kühe auftreibt, so muss er auch von den Milchkühen eine geringe Abgabe entrichten. Dagegen ist für jede Kuh ein Pfund Brot und ein Viertelpfund Käse für das Alppersonal und zum Salzen des Käses ein Napf Salz zu liefern. Für das Melken der Milchkühe bezahlt der Eigentümer Fr. 3 für den Sommer für jede Kuh. Dieses Geld bekommt diejenige Person, die das Melken besorgt. Die Besitzer vereinbaren sich im voraus mit einem Alpknecht oder einer Melkerin. Die gleiche Person melkt den ganzen Sommer immer dieselben Kühe, morgens und abends bis 25 Stück. Der Melker und die Melkerin erhalten im Herbst noch ein Trinkgeld und werden meist noch bewirtet. Man überträgt das Melken am liebsten den Hirten, weil man glaubt, dass diese dann den ihnen anvertrauten Kühe auf der Weide besonderes Augenmerk zuwenden.

Vor dem Alpauftrieb findet im Gemeindehaus die Alprechnung statt, wo jeder Bürger sein Vieh anzumelden und die Holztessle ( Pfarrtessle ) vorzuweisen hat. Jeder Tesselmann ( Familie ) ist nämlich verpflichtet, dem Pfarrer einen « Saum » ( Maultierladung ) Holz zu liefern. Als Bescheinigung, dass er dieser Pflicht nachgekommen ist, erhält er vom Pfarrherr bei der Ablieferung eine Holztessle. Kann der Viehbesitzer keine solche Tessle vorweisen, so muss er bei der Alprechnung drei Franken hinterlegen, die er erst zurückerhält, wenn er die Tessle vorweist. Bei der Alprechnung wird das Vieh auf die beiden Alpen Moos und Bifigen im Verhältnis von 2:1 verteilt, d.h. auf die Moosalp kommt doppelt soviel Vieh als auf Bifigen. In der Regel sommern die Geteilen ihr Vieh auf der Alp, wo ihre Voralp in der Nähe liegt.

Die Alpbesetzung ( Fig. 34 ) findet Ende Juni statt. Jeder treibt das angemeldete Vieh einzeln auf den Besammlungsplatz. Für die Alp Moos ist es der « Trichelboden », ein schöner, gefahrloser, in einer Mulde gelegener Stafel, unmittelbar ob den Voralpen. Hier kommt sämtliches Vieh zusammen. Die Tiere aus den verschiedenen Ställen sind einander noch fremd und stehen sich anfänglich feindlich gegenüber. Die Rauflustigen stossen sich mit den Hörnern. Die Angegriffenen wehren sich, und so entsteht über den ganzen Stafel ein bewegter Kampf. Die rabiatem Tiere stossen einer ihr im Wege stehenden Nachbarin in den Bauch; diese setzt sich zur Wehre, kehrt den Kopf um, und so geraten sie mit den Hörnern aneinander. Die Schwächern weichen allmählich aus und ziehen sich zurück; die Stärkern aber kämpfen immer heftiger und werden wütend. Aber noch ist es unentschieden, welches die Stärkste ist. Schliesslich sind es nur noch zwei, die im Kampf bleiben, alle andern haben sich zurückgezogen. Rasend stemmen die beiden Rivalinnen ihre Köpfe gegeneinander, verstellen mit den Beinen und kämpfen, dass die Erde erdröhnt, bis schliesslich die Schwächere ausweicht. Der Kampf ist entschieden, ein « Hallo » geht durch die Zuschauermenge. Das Schauspiel ist zu Ende. Man nennt dieses Ringen der Kühe das « Stechen ». Dasselbe dauert oft mehrere Stunden. Das zahlreich anwesende Publikum verfolgt 10 F. G. Stebler.

das Gefecht mit grossem Interesse, oft mit solchem Eifer, dass sogar die Eigentümer der kämpfenden Tiere hintereinander geraten. Die Siegerin heisst die « Ringkuh », von ringen, kämpfen; sie bleibt während des ganzen Sommers Führerin der Herde. Der Besitzer ist stolz auf ihren Besitz, und mancher würde viel Geld geben, wenn seine Kuh Meister geblieben wäre. Es gibt viele solche Ringkuh-fanatiker; man sagt ihnen in Törbel scherzweise « Stechnohlen » ( Nohl = Narr ). Praktischen Wert hat jedoch dieses Kämpfen nicht, denn man hält die Kühe wegen der Milch, nicht zum Ringen. Gar häufig sind die Ringkühe schlechte Milchkühe, die vom Besitzer einzig aus Ehrgeiz gehalten werden, auch wenn sie wenig oder keinen Ertrag geben. Berühmt als Kämpferinnen sind die Eringer-

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kühe ( aus dem Eringertal ), dunkelrote, kleine, gedrungene Tiere mit kräftiger Vorhand; man nennt sie hier « welsche Kühli », zum Unterschied der Fleck-und Braunviehkühe. Oft gehen unter diesen ganz unscheinbare, kleine, hässliche Kühlein siegreich aus dem Kampfe hervor.

Wenn die Schlacht vorbei ist, wird vom Pfarrer ein Gebet verrichtet und Alp und Vieh gesegnet. Hernach wird die ganze Herde auf den « Stand », eine hochgelegene Weide, « zum Stützen » getrieben und abends zum Melken auf die Breitenmatte, wo das Vieh in einem Ferrich über Nacht bleibt, wenn es inzwischen nicht Reissaus nimmt.

Ein Alpenbotz verursacht nämlich nicht selten um Mitternacht in der Breitenmatt unter dem Vieh einen Aufruhr. Schon seit mehr als hundert Jahren haust der Bösewicht daselbst und beunruhigt die Tiere. Besonders im Kännelferrich ist es um Mitternacht nicht geheuer. Wenn der Botz sein Wesen treibt, so wird das Vieh aufrührerisch. Die Tiere überspringen in der Angst die Mauern, brechen die stärksten Stangen und stürmen wie rasend in die Nacht hinaus, bis an entfernte Orte, und müssen andern Tags zusammengesucht werden.

Die Vispertaler Sonnenberge.

II Ein Hirte, der seinerzeit bei einer solchen Episode zugegen war, erzählte: « Die Hirten hörten mitten in der Nacht eine Stimme: „ Buob, Hoop !" Sie erkundigten sich in der auf der andern Seite gelegenen Sennhütte, ob jemand gerufen hätte. Die Sennen hatten es nicht getan, hatten den Ruf aber ebenfalls gehört und glaubten, er komme von den Hirten. Es war der Breitenmattbotz. Auf einmal trat Unruhe unter das Vieh im Ferrich, die Tiere durchbrachen die Latten, und die ganze Herde rannte wie besessen in die Nacht hinaus. » Fast alle Jahre kommt dies unheimliche Schauspiel vor, meist in der dritten Nacht, ohne dass man sich den Vorfall erklären kann und ohne dass man den Botzen je gesehen hat. Vielleicht fühlt sich einmal ein beherzter Klubist veranlasst, der Sache an Ort und Stelle auf die Spur zu kommen.

Bei der Alpentladung wird die Ringkuh von dem Hirt bekränzt, mit einem glänzenden Spiegel an der Stirne, umgeben von einem Blumenkranz. Um die Brust trägt die Siegerin einen mit Blumen geschmückten Gurt und an der Schwanzwurzel eine Rose. Die Ringkuh wird deshalb auch als « Blumkuh » bezeichnet. So zieht der Hirt im Herbst mit der Herde, die Siegerin voran, im Dorfe ein, bewundert von der Menge. Am Abend werden die Alpknechte von dem glücklichen Ringkuhbesitzer mit Bratkäse und Wein bewirtet, und der Hirt bekommt noch ein Geschenk.

In den letzten Jahren hat man begonnen, auch diejenige Kuh zu bekränzen, die über den Sommer die meiste Milch gab — die « Meisterkuh » —, was eher einen praktischen Sinn hat als der Ringkuhsport. Es gibt Meisterkühe, die über einen Zentner Käse beziehen.

In Birchen werden fünf der stärksten Kühe bekränzt, entsprechend der Zahl der Gemeinderäte, und bei der Alpentladung vorangeführt; man sagt ihnen « der Rat ».

Den Namen hat die Moosalp von einem bei der Hütte des Moosstafels gelegenen Moor. Auf der Alp weiden im Sommer rund 250 Stück Vieh, darunter etwa 160 Kühe und je 40 Rinder und Kälber. Sie liegt auf dem Bergrücken zwischen Birchen, Zeneggen und Törbel. Die höchsten Punkte sind im Westen der Walker ( 2602 m ), im Osten der Goldbiel ( 2145 m ). Das Gesamtareal der Alp beträgt rund 750 ha, davon je 230 Weide und Wald, 40 ha Ried und 150 ha unproduktiv. Wald und Weide sind nicht ausgeschieden, und oft hält es schwer, zu sagen, was Wald und was Weide ist. Die WTeideplätze sind in den tiefern Lagen mit Wald eingerahmt, der bis zur Höhe des Goldbiels emporsteigt. Die herrschenden Bäume sind die Lärche und die Arve. Auf den WTeidestafeln werden dieselben 12 F. G. Stehler.

tunlichst geschont, weil sie dem Vieh Schutz gewähren. Man sieht Exemplare von Lärchen ( Fig. 33 und 35 ), die den Naturfreund in Staunen setzen, Stämme von seltenem Umfange, deren Kronen im Verlauf der Jahrhunderte vom Sturm und Wetter bis auf wenige Reste zerzaust und gebrochen sind, Riesen, denen man den Zahn der Zeit ansieht. Aber heute noch trotzen sie der Gewalt der Natur. Viele dieser Baumriesen haben schon an der Wiege der alten schweizerischen Eidgenossenschaft gestanden. Ich zählte an einer solchen vom Sturme gefällten Lärche 449 Jahrringe, und diese war kaum eine der ältesten. Kein Tourist, der in die Gegend kommt, sollte es versäumen, sich diese Zeugen aus alter Zeit anzusehen. Bei klarem, warmem Wetter ist das Bild, das sich dem Zuschauer an schönen Sonntagnachmittagen z.B. auf dem Plattistafel bietet, wenn starker Besuch aus dem Dorfe da ist, überwältigend schön. Vor uns das bewegte Leben der bunten Herde mit dem zahlreichen Volke, umrahmt von den Jahrhunderte alten Lärchen, im Hintergrund im Süden das gross- artige Gebirgspanorama der Mischabel ( s. Tafel Seite 48 ). An der Nordseite grenzt die Alp Moos an die Birchner-alpen, die beim obersten Stafel in Unterrat ( 2192 m ) bis zur Höhe der Moosalp heraufreichen. An Stelle der Lärche tritt hier hauptsächlich die Arve als Schutzbaum auf. An Alter und Ehrwürdigk'eit trifft man auch hier Bäume, die den Lärchen der Moosalp nicht nachstehen, dieselben viel- leicht noch übertreffen. Eine alte, wohl eine Stunde lange, halbzerfallene und teilweise von Alpenrosen und Wacholder überwachsene Alpenmauer markiert die Grenze der beiden Alpen.

P. Sig. Furrer erwähnt diese Mauer in seiner Wallisergeschichte mit folgenden Worten: « Merkwürdig ist hier noch die lange Grenzmauer zwischen den Alpen von Törbel und Birchen, wo die Grenzen schon vor sechsthalb hundert Jahren sind abgemarket und für alle Zeiten durch unverwüstbaren Markstein undisputierlich gemacht worden. » Die Alp Moos hat fünf verschiedene Stafel. Auf jedem Stafel befindet sich eine Sennhütte mit Sennereieinrichtung zur Bereitung von Fettkäse; im Stafel auf der Breitenmatt sind sogar zwei Hütten, die abwechselnd alle zwei Jahre benützt werden. Die Sennhütten ( Fig. 33, 36, 37 ) sind überall ganz einfache Bauten, bestehend aus einem einzigen viereckigen Raum; die altern Hütten sind aus Holz, die neuern als Trockenmauerwerk. Auf dem Moosstafel und auf Bifigen befindet sich an die Sennerei angebaut eine Stube zur Unterkunft der Knechte und Melkerinnen. Auf den übrigen Stafeln sind in den Sennhütten an der Hinterwand auf Steinpritschen Strohlager für das Personal eingerichtet. Diese Hütten werden Die Vispertaler Sonnenberge.

jeweilen bezogen, wenn das Vieh auf dem umgebenden in folgender Reihenfolge:

Name und Meereshöhe des StafelsWeidezeit 1. Breitenmatt2080 m1 Woche 2. Hannig1926 m1 » 3. Plattistein2000 m2 Wochen 4. Teiffenboden2000 m1 Woche 5. Moos2100 m4 Wochen Wenn die zu den Stafeln gehörenden Weideplätze abgeweidet sind, so wird der Betrieb auf den folgenden verlegt, die Alpgeräte mitsamt den Käsekesseln werden auf den Alpstier verladen und weiter gesäumt ( « gerobet », « Robete » ).

Die Breitenmatt und der Hannig waren früher Voralpen und im Besitz von Privaten, sind dann aber von der Gemeinde angekauft und zu der Alp geschlagen worden, weil der Vieh- stand immer zahlreicher und die Alpbestossung immer grösser wurde. Die Alpstube auf der Alp Moos stand ehedem neben der Hütte im Hannig. ( Der im Oberwallis verbreitete Name « Hannig » kommt von « härmen » = sammeln, Streue sammeln, Holz sammeln ). Die Breitenmatt war ehedem ständig bewohnt und ist erst mit dem Rückgang der Kultur in hohen Lagen verlassen worden.

Ställe sind nirgends vorhanden. An deren Stelle befinden sich in der Nähe der Hütten, durch hohe Waldbäume geschützt, mit Trockenmauern eingefriedete Pferche ( « Fer ri che » ), in welchen das Vieh über Nacht gehalten wird.

Die Breitenmatt hat 3 Ferriche ( Kännelferrich, Salitemeli, unterer Ferrich ).

Der Hannig »2 » ( Wolfsgrubenferrich [Fig. 38], Trichelbodenferrieh ).

Der Plattistein »1 Ferrich ( Griffelferrich ).

Der Teiffenboden »1 » Der Moosstafel »3 Ferriche ( Moosferrich, Moospletsehen, Hölzerne ).

Die vielen Ferriche hat man zum Zwecke der gleichmässigen Düngerverteilung.

Am Morgen nach dem Melken wird das Vieh auf die entferntem Weideplätze getrieben, « ins Morgenbrot ». Haben die Tiere hier genug gefressen, so tut man bei warmem Wetter « stotzen », d.h. die Herde wird an hochgelegene, zügige Stellen geführt, wo das Ungeziefer weniger lästig ist, weil das Vieh sonst « bieset »: es springt wie besessen herum, um sich der Plage zu erwehren. Nach dem Stotzen kommen die Tiere gegen Abend wieder auf die Weide « zum Abendbrot », um gegen fünf Uhr zum Melken zu der Sennhütte getrieben zu werden. Nach dem Melken geht die Herde in « d' Ottava », in eine gute Weide zum Nachtessen, und bei Eintritt der Nacht in den Ferrich. Nach St. Magdalena tut man nicht mehr « stotzen », sondern das Vieh wird über Tag ständig auf der Tagweide gehütet.

Jeder Weidebezirk hat seinen bestimmten Namen; sie heissen: Moosboden, Mooshubel, Mossenge, Rigetschgraben, Chalte Brunnen, Gross Läger, Wartbiel, F. G. Stebler.

Fig. 38. Wolfsgrubenferrich auf der Moosalp. ( Links neben der grossen Lärche eine verfallene Wolfsgrube. ) Schwarzer Tschuggen, Melchbodmen, Unter- und Oberarb, Walkerhalde. Zwisch-bach, Telli, Hölzernen, Brünstiger Biel, Schwendimatten, Stotzend Läger, Neue Dole, Mischi, Uf den Bielen, Moosmatte, Gmeine Wasmä, Sennhüttjeni, Hannig-läger, Hannigschluacht, s'chli Läger, Hohnegge, Galtacher, d' Hinse, d'Schatza. Rossweid, Goldbiel, Stand, Standplatten, Standbieltji, Bonnigersee, Breitenmattsee, Blindseewji, Innere und Äussere Lische, Räckholdere, Palmboden.

Das Vieh steht unter Leitung eines Hirten, dem ein Zuhirt und im Vorsommer noch ein Helfer zur Seite stehen. Dem Hirt liegt die Aufgabe ob, die Weide möglichst rationell und gleichmässig zu nutzen. Ausser dem Hirten amten auf der Moosalp zwei Sennen, zwei Melkerinnen und ein Wäger. Mit welcher Liebe die alten Sennen oft an der Alp hängen, geht daraus hervor, dass der Vater des jetzigen Posthalters während 43 Jahren bis zu seinem Tode Senne in Bifigen war. Im Winter besorgte er das Amt des Schullehrers.

Der Besatz auf der Alp Bifigen beträgt nur die Hälfte der Moosalp. Sie liegt an der rechten Seite des Tellibaches oberhalb der Voralpen Im Holz und auf der Batt, grenzt im Süden an die Emder Alp Pletschen und steigt ob dem Schönenbiel bis an den Meilich. Sie hat einen Flächeninhalt von rund 300 Hektar, davon 180 ha Weide, 60 ha Wald und 60 ha unproduktiv.

Die Alp hat vier Stafel mit den zugehörigen Hütten, die zwischen 1800 und 2000 m gelegen sind. Am höchsten liegt die Hohfluh ( Fig. 39 ), am niedrigsten Kaufgut und Bifigen, dazwischen die Salzgeba ( Fig. 40 ). Beim Alpauftrieb bleibt das Vieh zunächst eine Woche in der Salzgeba, kommt dann je zwei Wochen ins Kaufgut und auf die Hohfluh und zum Schluss etwa vier Wochen nach Bifigen.

Der Name Bifigen. Zen Bifigen, kommt von « Bifig », worunter man ein abgegrenztes oder abgezäuntes Stück Land versteht.

Die Vispertaler Sonnenberge.

Das Kaufgut war ehedem eine private Voralp und ist vor noch nicht hundert Jahren von der Gemeinde zugekauft worden, weil die Alp für das im Dorfe gewinterte Vieh nicht mehr hinreichte. Der 1875, 70 Jahre alt, verstorbene Peter Joseph Karlen wurde hier geboren. Man sieht noch die Grundmauern der Hütte; die Stube selbst steht heute auf dem Bifigenstafel und dient den Alpknechten als Wohn-und Schlafraum.

Wie bei der Moosalp, spielt sich auch auf Bifigen bei der Alpbesetzung « auf der Pletschen » ein Ringkampf unter den Kühen ab. Die Siegerin wird bei der Alpentladung ebenfalls bekränzt und festlich ins Dorf eingeführt. Auch auf Bifigen finden sich bei jedem Stafel 1-2 Ferriche, beim Bifigenstafel sogar deren vier. Der Alpbetrieb und die Einrichtungen sind die nämlichen wie auf der Moosalp.Die Milch auf den beiden Alpen Bifigen und Moos wird zu halbweichem Fettkäse verarbeitet. Der Ertrag beträgt auf der Alp Moos in normalen Jahren 2700, auf Bifigen 1750 kg Käse.

Da auf der Alp Moos über 140 Milchkühe weiden, so wäre das Senntum zum Betriebe der üblichen Alpsennerei zu gross. Es sind deshalb in jeder Sennhütte zwei Senntümer eingerichtet, das eine wird das grössere, das andere das kleinere Senntum genannt, jedes mit der Hälfte der Kühe; die Zuteilung der Kühe auf die einzelnen Senntümer geschieht nach altem Herkommen. Man sieht deshalb in der im Betriebe stehenden Sennhütte der Alp Moos je zwei Käsekessel, der für das grössere Senntum auf der rechten Seite, der für das kleinere auf der linken Seite; dahinter sind an der Seitenwand auch zwei verschiedene « Pressel », für jedes Senntum einen. Alle Sennereigeräte sind doppelt vorhanden, und für jedes Senntum ist ein besonderer Senne angestellt.

Sofort nach dem Melken kommt die Milch in das Kessi und wird mit « Chas-leb » ( Lab ) zum Gerinnen gebracht. Die « Fangele » ( geronnene Milch ) wird hernach erwärmt und mit dem Käsbrecher verrührt. Dann wird der Käse mit dem Käsetuch herausgenommen und in den Käsereif ( « Jerb » ) gebracht, mit einem Deckel zugedeckt und auf dem « Pressel » ( Käsebank ) mit einem Ladstein beschwert, damit die Käsmilch abgeht. Später wird der Käse noch zwei- bis dreimal im Käsetuch mit dem Jerb gewendet, gesalzen und schliesslich in den Käsekeller gebracht, wo er noch zwei bis drei Wochen täglich gewendet und gesalzen wird. Wenn der Käse in den Keller kommt, wird er gewogen und das Gewicht in Bauernzahlen auf der Jerbseite des Käses aufgetragen. Das Frisch-gewicht ist bei der Käseverteilung im Herbst massgebend. Die gelblichgrüne Flüssigkeit, die im Kessel zurückbleibt, nachdem der19S0 m> mit uietschhorn.

F. G. Siebter.

Käse heraus ist, heisst « Käsmilch » ( Chesmilch ). Vier Mass werden täglich für diejenigen Alpgenossen auf die Seite getan, welche die Schote beziehen. Sie ist als durststillendes Nahrungsmittel sehr geschätzt. Die im Kessel zurückbleibende Käsmilch wird mit « Achis » ( saurer Schotte ) versetzt und bis zum Sieden erwärmt. Dann sondert sich der « Scheidel » ( Zieger ) ab, der in viereckige, mit kleinen Löchern versehene Formen ( « Fischeli » ) gebracht und zum Abtropfen auf den Presse! gestellt wird. Wenn der Scheidel fest genug ist, wird er aus der Form genommen und zum Trocknen im Speicher ob dem Käsekeller versorgt. Der Rückstand im Käsekessel, nachdem auch der Zieger heraus ist, ist die « Schotte », eine helle, gelblichgrüne Flüssigkeit, deren Nährwert nun nicht mehr gross ist. Sie dient als Schweinefutter und wird unter die Alpgeteilen im Verhältnis der Anzahl der Milchkühe verteilt, in der Weise, dass es je auf 1/i sämtlicher Milchkühe jede Woche je einen Tag Schotte trifft. Zu diesem Zwecke wird am Tage der Alpbesetzung, wenn alle Alpgenossen beisammen sind, die Schotten-rechnung vorgenommen.

Jeder Genosse bringt eine Tessle mit, auf welcher auf einer Seite sein Hauszeichen oder seine Initialen eingeschnitten oder mit dem « Brand » eingebrannt, auf der andern Seite die Anzahl seiner Milchkühe durch Kerben angegeben sind. Die Zahl der Kühe von jedem Senntum wird addiert und mit 7 dividiert; angenommen, es seien im Senntum 72 Milchkühe, so trifft es auf fünf Tage der Woche je 10 Kühe, auf zwei Tage deren je 11. Sämtliche Tesslen werden in dieser Zahl auf sieben Häufchen verteilt. In fünf Häufchen kommen also je 10 und in zwei Häufchen je 11 Milchkühe. Dann werden mit 1—7 numerierte Zettel in einem Hute gemischt und durch das Los entschieden, in welcher Reihenfolge die Geteilen die Schotte beziehen können. Los Nr. 1 kommt am ersten Tag nach der Alpbesetzung an die Reihe; Los Nr. 2 am zweiten Tag usf. Wenn der Kehr um ist, so fängt er wieder vorn an. Am ersten Tag gehört die Schotte dem Alpvogt. Zur Kontrolle werden die Tesslen in der durch das Los entschiedenen Reihenfolge an eine Schnur gezogen, zuerst die Tesslen von Losnummer 1. Zwischen jedem Los macht man in der Schnur einen dicken Knoten; zwischen je zwei Knoten sind also fünfmal je 10 Hicke und je zweimal 11 Hicke, entsprechend je 10 resp. 11 Kühen.

Die Geteilen holen die Schotte mit Saumtieren oder auf Schlitten von der Alp oder tragen sie in Brenten ab. Zugleich erhalten sie das zugehörige Quantum Käsmilch. Einzelne Geteilen tauschen die Schotte unter sich ab, damit sie diese nur alle 2—3 Wochen holen müssen und dafür ein entsprechend grösseres Quantum erhalten. Es gibt sogar Geteilen mit nur einer Kuh, die die Schotte infolge Ab-tausch während des ganzen Sommers nur einmal beziehen.

Im Vorsommer werden in jedem Senntum des Morgens zwei und des Abends zwei Käse gemacht; auf der Alp Moos also täglich vier, auf Bifigen z"wei Käse; von St. Magdalena an wird nur je einer fabriziert. Um zu wissen, welchen Anteil jeder Genosse im Herbst an Käse und Zieger hat, wird die Milch der Kühe jedes Die Vispertaler Sonnenberge.

( Übergang ins Ginanztal. 18. Juli 1920. ) Einzelnen gewogen und notiert. Für diese Arbeit ist ein Wäger angestellt. Noch vor dreissig Jahren wurde die Milch der Kühe während des Sommers nur einmal gemessen ( nach Mass und Löffel ) zu St. Magdalenen ( 22. Juli ) und nach dem Milchquantum an diesem Tage der Käse im Herbst verteilt. Jetzt hat man das Tagmass. Im Herbst vor der Alpentladung wird das Milchquantum der Kühe für den ganzen Sommer von jedem Geteilen addiert. Ebenso wird das Gewicht des Käses und des Ziegers zusammengezählt und schliesslich berechnet, wieviel Pfund Käse und Zieger jeder für sein Milchquantum erhält. Für die Kapuziner in Sitten wird, altem Brauche gemäss, von jedem Senntum ein « Pfarrkäse » auf die Seite gelegt. Am Tage der Alpentladung werden diese Produkte abgeholt ( 1920 wurden auf der Alp Moos 228 Käse gemacht ). Bei diesem Anlass wird je das zweite Jahr für jedes Senntum durch Handmehr durch die Geteilen ein Alpvogt für die nächsten zwei Jahre gewählt. Diesem liegt die Verwaltung des Senntums ob. Er dingt die Alpknechte, sorgt für das Lab und die notwendigen Geräte, er ordnet im Frühjahr und im Herbst die notwendigen Räumungsarbeiten an. Für jede Kuh hat ein Genosse einen Tag Gemeindewerk zu leisten. Der Käse und der Zieger, der in den einzelnen Sennhütten bereitet wird, wird täglich in den auf dem Moosstafel und im Bifigstafel befindlichen Käsekeller ( Fig. 36 ) gesäumt, zu welchem Zwecke ein Maultier gedingt ist. Für Herbeischaffung von Holz wird der Alpstier benützt Die Maischrinder und die nach Neujahr kalbenden Zeitrinder werden in Törbel ins Telli ( Fig. 41 ) getrieben, wo sich die Weide bis auf die höchsten Grate erstreckt. Im Hochsommer ist es an schönen Tagen hier oben paradiesisch schön. Kein Wunder, wenn der Josapp, ein alter Hirte vom Telli, schwärmte, er habe in dieser Bergeinsamkeit die himmlische Musik gehört.

Im Sommer 1921 weideten 37 Rinder im Telli; dazu kamen noch einige invalide Schafe, die den weiten Weg auf die Schafalp nicht zurückzulegen vermochten. Während die Rinder sich mehr in den tiefern Lagen halten, weiden die Schafe bis auf die höchsten Grate des Augstbordhornes und des Meilich.

Die Rinder stehen unter Aufsicht des Rinderhirten. Seine primitive Unterkunftshütte liegt auf der Bifigenalp hoch oben am Südabhang des Meilich. Die Milch zu seiner Verpflegung bezieht er bis zum St. Magdalenentag von der Alp Moos, nachher von Bifigen.

Der Hirt erhält für die zweimonatliche Alpzeit Fr. 300. Hieraus muss er aber die Kosten eines zudienenden Knaben, etwa Fr. 70, bestreiten und ausserdem jedem Senntum für die Milch für den Sommer je Fr. 5 bezahlen., Die Kosten des Hirten werden auf die Anzahl Rinder verteilt. Sie betrugen 1921 Fr. 6. 85 per Stück. Ausserdem mussten für den Hirten zu Anfang der Alpzeit zwei Pfund Brot und ein halbes Pfund Käse geliefert werden.

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