Die Oberaaralp

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Am 16. Oktober 1514 kaufte die Gemeinde Törbel von der Gemeinde Guttannen die Oberaaralp « um 850 Pfund Pfennige Berner Münz, mit steg, mit weg, mit wunn, mit weid, mit grund, mit grat, mit mitte, mit lenge, mit zilen und marchen, mit schaden und nutz, och mit der zyflucht und rechsame, so dieselbe alp die ober Ar hatt in der underen Aren zu entwichen in schnews nöten, wie sich das winden mag mit lüten oder mit briefen. Das sy mögent und sellent zollfry fahren über die Grimslen har an den spital und von dannen durch die undren Aren an die oberen Aralp, das sy sollen steg und weg haben. » « Wenn sie Vieh treiben bis über Guttannen hinaus, so sollen sie Zoll zahlen wie die andern im Land Hasle. » Inbegriffen war die hohe und niedere Jagd, mit Ausnahme der Jagd auf Bären und Wölfe, die sich die Verkäuferin für die gnädigen Herren zu Bern vorbehielt. Kauf zeugen waren: Ambrosius Müller, der zyt lantamman, Hans Michel, Venner, Peter Steiger, sekelmeister, Hans Sheist, Uli Brugger, Hans Jaggi, Marti Plansch, Lang Kaspar und ander vil und genug.

Am 1. April 1567 kaufte sodann Törbel das Wegrecht von Obergestelen, Oberwald und Unterwasser « für 70 Kronen Pistolet Walliser Wehrung für ewige Ziten ». Seither wird die Alp alljährlich mit Törblervieh bestossen. Der Alpauftrieb dauert drei Tage. Am ersten Tage geht man mit der Herde bis in den Laxgraben, am zweiten Tag bis in die Mühlematten ( Hohlauinen ) in Obergestelen, am dritten Tag bis in die Alp. An den beiden Zwischenstationen besitzt Törbel Pferche, wo das Vieh über Nacht zusammengehalten werden kann. Auch die Rückreise dauert drei Tage, jedoch werden die Etappen weniger strenge innegehalten, da die « Gommer » gastfreundlich sind und das Vieh auch anderswo nächtigen lassen.

Die Oberaaralp wird hauptsächlich mit Schafen und Rindern bestossen. Auch ein Stier wird aufgetrieben. Früher wurden auch junge Maultiere dort gesommert. « Wenn ein Multi drei Sommer in der Aaralp war, so war es nicht mehr zu überthun », so gut hat die Weide demselben angeschlagen. 1879 weideten noch 15 Rosse auf der Oberaar, jetzt wenige mehr.

1891 betrug der Besatz nach der Alpstatistik 400 Schafe, 10 Maischrinder, 19 jüngere Stiere und 2 Milchkühe. Die Alp hat ein Areal von 350 ha, wovon die Hälfte unproduktiv ist. Die Weidezeit beträgt 65 Tage. Die Oberaaralp besitzt, wie erwähnt, von alters her das Schneefluhrecht auf der Unteraaralp. Durch Errichtung des Stausees an der Grimsel durch die bernischen Kraftwerke wird die Unteraaralp in das neue Seegebiet einbezogen. Schon 1913 fand deshalb ein Vergleich zwischen der Gesellschaft und der Gemeinde Törbel statt, in welchem für das untergehende Zufahrts- und Zufluchtsrecht von der Unternehmung eine Entschädigung von Fr. 4800 zu bezahlen ist; Törbel dagegen räumt ihr das Recht ein, einen Touristenweg über die Oberaaralp am Trübtensee vorbei, dem Nordhang des Siedelhornes entlang, zur Grimselpasshöhe zu führen. Bei diesem Anlass fand zugleich die Grenzbereinigung zwischen der Ober- und Unteraaralp statt.

Wenn man von Törbel aus « das Grüne » in der gegenüber, nördlich des Mattwaldhorns gelegenen « Rosschumme » sieht, so gibt es auch in der Oberaar genug zu fressen, und die Alp kann bezogen werden. Ausser einer einfachen Hirtenhütte und einem kleinen Stall für ein bis zwei Milchkühe ( für den Hirten ) sind keine Hütten in der Oberaar. Es ist aber ein Stall projektiert, der in den Felsen eingebaut werden soll. Der Hirt bekommt für die etwa 10 Wochen dauernde Alpzeit Fr. 300 Lohn und von jedem Rind zwei Pfund Brot, ein halbes Pfund Käse für sich und den Zuhirten. Da die Oberaaralp sehr wildreich ist ( Gemsen, Murmeltiere ), so hat früher mancher Hirte durch die Jagd sich noch einen guten Nebenverdienst erworben. Bei der rauhen, wilden Lage leistet ein fettes « Murmeti » zur Erwärmung des Körpers gute Dienste.

Mancher Törbler hat mit dem auf der Oberaaralp gesömmerten Vieh ein schönes Stück Geld verdient, indem er Schafe und Rinder im Frühjahr vorteilhaft kaufte, diese in die Oberaar zur Sommerung brachte und sie dann später um guten Preis in die Hotels in Gletsch oder im Oberhasli absetzte. Ein Törbler Bauer zeigte einmal auf einer Pilgerfahrt nach Einsiedeln seiner Ehehälfte bei der Durchreise über die Grimsel die Oberaaralp. Der Frau gefiel aber die Alp wegen der Wildheit der Lage gar nicht und äusserte sich deshalb wenig befriedigt; der Mann aber erwiderte: « Was däichst oi, hier hei mer ischi gelbe Vogla ( Goldstücke ) gfange! » Die eingangs erwähnten Emderalpen liegen vorwiegend im Augstbordtal, am östlichen Übergange in das Turtmanntal, teilweise aber am Fusse des Meilich, anschliessend an die Törbler Alp Bifigen. Die Augstbordalp und Pletschen dienen zur Sommerung der Kühe und der früh kalbenden Zeitrinder, die Senntumalp für die Kälber und Maischen und Chummeni als Schafalp. Wegen der hohen und wilden Lage sind die Alpen weniger ertragreich als die Törbler Alpen. Der Besatz beträgt auf Pletschen 46—47 Kühe und Rinder, im Augstbord 66—67 Kühe und 7—8 Zeitrinder, im Senntum 30—40 Kälber und Maischrinder. Die Alpen sind Gemeindeeigentum und « gerandet ». Es darf nicht mehr Vieh aufgetrieben werden, als die « Randung » beträgt; auf jeden Bürger trifft es zwei Kühe. Auf der Schafalp ist der Auftrieb dagegen nicht begrenzt. In den höhern Lagen im Augstbord, auf der Hohfluh, im Rottelli und im innern Telli sowie in der Messweide in Pletschen weiden im Sommer viele hundert Schafe.

Am ergiebigsten von allen Emderalpen ist die Augstbordalp, wo sich fünf Stafel mit Hütten befinden, die abwechselnd mit der umgebenden Weide benützt werden: 1. die Buolehütte 2 Wochen; 2. die Schalbeggeni 2 Wochen; 3. Augstbord 8—10 Tage; 4. Alpkeller 1 Woche; 5. die Suonhütte, wird nur in günstigen Jahren etwa 1 Woche bezogen.

Jahrbuch des Schweizer Alpenclub. 56. Jahrg.

F. G. Siebler.

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