Die Vogelwelt der Alpen

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Von C. A. W. Cuggisberg

( Bern, Sektion Bern ).

Für den Tiergeographen sind hohe Gebirgszüge von ganz besonderem Interesse, da sie die Verbreitung der Tierwelt mannigfach beeinflussen. Ein Kettengebirge von den Ausmassen der Alpen, des Kaukasus oder gar des Himalaya bedeutet für viele Tierarten eine Schranke, die sie gar nicht oder nur an einzelnen Stellen zu überwinden vermögen. Die horizontale Ausbreitung der betreffenden Arten wird aufgehalten oder zum mindesten behindert. Innerhalb des Gebirges selbst können wir mit Hinblick auf Klima und Vegetation eine vertikale Gliederung in verschiedene Zonen feststellen, in denen wir dicht aufeinanderfolgend die Lebensbedingungen weit auseinanderliegender Erdregionen finden. Im Extremfalle ( Kenya, Chimborazo, Himalaya ) gelangt der Reisende im Aufstiege aus der Tropenzone über die subtropische und gemässigte Zone in die Schnee- und Eisregion, in der er eine Umwelt antrifft, die wenigstens teilweise den Polarländern entspricht. Im Gebirge sind somit die Lebensbedingungen viel mannigfaltiger als in einer weiten Ebene. Jede Höhenzone hat bis zu einem gewissen Grade ihre eigene Tierwelt: manche Arten sind ihr eigen, andere finden dort ihre obere oder untere Verbreitungsgrenze, noch andere gehen durch mehrere Zonen hindurch. Gebirge können aber auch « Inseln » sein, auf die sich Tierarten zurückgezogen haben, die während einer früheren, kälteren Erdperiode, während der Eiszeit, das Tiefland bevölkerten. Solche « Reliktformen » haben nun keine Möglichkeit mehr, ihre hochgelegenen Zufluchtsstätten zu verlassen, da sich im Tieflande die Verhältnisse so sehr geändert haben, dass sie ihnen in keiner Weise mehr zusagen. Sie sind ebenso isoliert, als ob sie auf einer Insel im Ozean draussen lebten. Die Reliktformen der Alpen haben alle sehr nahe Verwandte in der DIE VOGELWELT DER ALPEN.

Arktis, woraus zu schliessen ist, dass sie nach Ende der Eiszeit den zurückweichenden Gletschern sowohl in die Höhe, als auch nach Norden folgten.

Die oben geschilderten Verhältnisse gelten auch für die Vogelwelt, obgleich es auf den ersten Blick erscheinen möchte, dass die Vögel dank ihrer grossen Beweglichkeit davon wenig berührt würden.

Es besteht kein Zweifel, dass der Alpenwall für eine Reihe von Vogelarten als Schranke wirkt. Der kurzflüglige Gartenspötter, die Orpheus- grasmücke, das Samtköpfchen und die Bartgrasmücke kommen nur südlich der Alpen vor. Einzig in der Westschweiz, z.B. in der Umgebung von Genf, können diese Arten hie und da beobachtet werden, also in einem Gebiete, das sie durch das Rhonetal zu erreichen vermögen. Vorwiegend südlich der Alpen begegnen wir der Blaumerle und dem Steinrötel. Der letztere ist noch bis ins Wallis gelangt, nördlich der Alpenkette findet er sich in der Schweiz nirgends. Nur im Wallis und in der Westschweiz tritt die gleichfalls südliche Zippammer auf, auch der Verbreitung des Bienenfressers und der Blauracke haben sich die Alpen entgegengestellt. Der Grünspecht und der Haussperling kommen zwar sowohl im Norden wie im Süden der Alpen vor, doch haben sich im Laufe der Zeit beiderseits des Gebirges verschiedene Unterarten herausgebildet.

Die vertikale Verbreitung der Vögel in den Alpen steht in engem Zusammenhange mit den verschiedenen Höhenstufen, deren jede sich von den anderen durch ihre eigene Pflanzenwelt unterscheidet. Aus der Buchenwaldstufe gelangen wir in die Nadelwaldstufe und dann weiter in die alpine Stufe, die sich ihrerseits wieder in die Region der Zwergsträucher, die Alpweideregion und die Felsregion gliedern lässt. An die Felsregion schliesst sich die Schneestufe, die durchaus nicht etwa ohne Leben ist. Hat man doch in der Schneestufe nicht weniger als 399 Tierarten und 285 Blütenpflanzen festgestellt! Die Grenzen zwischen den verschiedenen Stufen liegen nicht überall gleich hoch. In den Walliser Alpen liegen sie beispielsweise höher als in den Nordalpen. Die Grenze des geschlossenen Waldes überschreitet man am Säntis schon bei 1560 m, im Saastal dagegen erst bei 2330 m. Die letzten vereinzelten Bäume stehen am Säntis bei 1725 m, im Wallis bei 2400 m. Selbst in ein und demselben Tale ziehen sich diese Grenzen an Sonn-und Schattseite nicht in gleicher Höhe hin. Jede Höhenstufe hat nun entsprechend der ihr eigentümlichen Vegetation auch ihre charakteristischen Vogelarten. Natürlich ergibt es sich aus der grossen Beweglichkeit der Vögel, dass viele Arten nicht streng an eine Höhenstufe gebunden sind, sondern zuweilen auf ihren Streifzügen weit umherschweifen, obschon sie als Brutgebiet eine bestimmte Stufe bevorzugen. Andere Arten finden sich auch als Brutvögel in verschiedenen Höhenlagen. Wer auf seinen Bergtouren die Augen offen behält, der wird bald einmal herausfinden, welche Arten den einzelnen Regionen eigen sind.

Die Vogelwelt der Buchenwaldstufe ist die Vogelwelt des schweizerischen Mittellandes und fällt somit nicht in den Rahmen dieser Arbeit. Im Aufstieg durch den düsteren Tannenwald hören wir die Rufe verschiedener Meisen-arten, insbesondere das « Die-di, diedi » der Tannenmeise und das « Zisi-gürrr » der überaus zierlichen Haubenmeise. An einem flechtenbehangenen Aste turnt eine kleine, graue Alpenmeise herum. Sie sieht der bekannten Sumpf-meise so ähnlich, dass sie der Laie kaum unterscheiden kann. An ihrer Stimme, einem nasalen « Si si däh », ist sie aber leicht zu erkennen. Aus den Wipfeln ertönt das feine Zirpen des gelbköpfigen Goldhähnchens, von Zeit zu Zeit auch der leise, schwermütige Pfiff eines Gimpels und die metallischen Rufe einiger Erlenzeisige. Eine Schar Fichtenkreuzschnäbel fällt ein. Wie Papageien mit dem Kopfe nach unten hängend, machen sich die roten und grünen Vögel an den Tannzapfen zu schaffen. Ein Waldbaumläufer klettert flink an einem dicken Stamme hinauf. Unser Weg führt über einen Bergbach, der schäumend und brausend dem Tale zustürzt. Auf einem bemoosten Blocke sitzt ein starengrosser Vogel mit schneeweissem Brustlatz, der scharf vom Braun und Grau des übrigen Gefieders absticht. Wenn wir ihn eine Weile beobachten, so sehen wir, wie er nach einigen anmutigen Knixen plötzlich an dem Steine hinunterläuft und im Wasser verschwindet. Es ist die Wasseramsel, der einzige Singvogel, der sich seine Nahrung im Wasser sucht. Sie spaziert ganz unbekümmert auf dem Grunde des Baches dahin und pickt dort Insektenlarven auf. Bis zu 50 Sekunden kann sie es aushalten, ohne an die Oberfläche zu kommen. Etwas weiter oben füttert ein Paar Gebirgsstelzen seine Jungen, die auf einem gestürzten, vom Wasser umspülten Baumstamme hocken. Das gelbe Gefieder von Brust und Bauch und der aschgraue Kopf lassen die Gebirgsstelze mühelos von der gewöhnlichen weissen Bachstelze unterscheiden. Unser Pfad windet sich jetzt durch etwas lichteren Wald, der mit grossen Felsblöcken durchsetzt ist. Aus dem dichten Heidelbeerengestrüpp geht schwirrenden Flügelschlages ein grosser Vogel hoch und fällt auf dem untersten Aste einer Tanne ein. Ein Blick durch das Fernglas verrät uns, dass es ein Haselhahn ist — ein hübscher Kerl mit rostbraun, weiss und schwarz gesprenkeltem Gefieder, mit schwarzem, weiss umsäumtem Kinnbart und mit einer kecken Holle auf dem Kopfe. Einen Augenblick lang äugt er nach uns hin, dann reitet er endgültig ab. An einem einzelstehenden, abgestorbenen Baume arbeitet ein Schwarzspecht. Eifrig klopft er mit dem Schnabel das tote Holz ab, unermüdlich auf der Suche nach Käferlarven. Auch den grossen Buntspecht, den wir aus der Ebene kennen, könnte man hier antreffen, vielleicht gar den seltenen Dreizehenspecht. Wir folgen einer wenig begangenen Wegspur, die uns an den Fuss einer hohen Felswand führt. Ein Steinadler spannt da plötzlich seine Schwingen und streicht majestätisch ab. Ohne einen Flügelschlag segelt er hinaus über das Tal und entschwindet in der Ferne.Vielleicht hat er irgendwo in der Wand seinen Horst, denn entgegen der volkstümlichen Annahme nistet der Adler nicht auf den allerhöchsten Gipfeln, sondern meist in Felswänden, die noch innerhalb der Nadelholzregion liegen. Er war ursprünglich durchaus kein eigentlicher Gebirgsvogel und soll vor 200 Jahren im Mittellande noch recht zahlreich gewesen sein. Die unablässige Verfolgung durch den Menschen drängte diesen königlichen Raubvogel ins Gebirge zurück. Ähnlich verhält es sich mit dem Uhu, der einst weit verbreitet war, heute aber nur noch in einigen ganz entlegenen, dicht bewaldeten Alpentälern vorkommt. Neben DIE VOGELWELT DER ALPEN.

dem Uhu beherbergt der Bergwald zwei weitere Eulenarten, die man nur sehr selten zu Gesicht bekommt: es sind dies der Rauhfusskauz und die Sperlingseule. Beide Arten brüten in Baumhöhlen. Wir haben die Felswand umgangen. Steil geht es empor, aber wir nähern uns offenbar der Baumgrenze. Die Fichte macht hier der Arve Platz, und schon hören wir auch das heisere Gekrächze des Niisshähers, den man in Arvenbeständen immer zahlreich vertreten findet. Der braune, weissgetupfte Vogel nährt sich vorwiegend von Arvennüsschen. Unter Steinen und Wurzeln legt er sich gerne Vorräte von Arvenzapfen an, die er aber in der Regel vergisst. Auf diese Weise spielt er eine wichtige Rolle für die Verbreitung der Arve, denn die versteckten Nüsschen schlagen natürlich in vielen Fällen aus, und nach Jahren breitet über der Vorratskammer des Hähers eine Arve ihre knorrigen Äste.

Endlich haben wir die Waldgrenze erreicht. Bis hierher folgen uns noch bekannte Arten aus der Ebene, wie Zaunkönig und Baumpieper. Ein Charaktervogel der Waldgrenze ist vielerorts die unscheinbare, graubraune Heckenbraunelle. Wenn wir Glück haben, so können wir in dieser Höhenlage Auerhühner oder Birkhühner aufspüren. Die Hähne beider Arten geben im Frühjahr eigenartige Balztänze zum besten. Während der Auerhahn in der Regel auf einer Tanne balzt, « spielen » die Birkhähne auf dem Boden, meist unmittelbar oberhalb der Waldgrenze. Gurgelnde und zischende Laute ausstossend, springen sie hoch und fahren aufeinander los, wobei es meist einige Federn kostet.

Steigen wir durch die Region des Krummholzes, der Zwergsträucher und der einzelstehenden, trotzigen « Wettertannen » weiter, so bekommen wir mit Sicherheit die Ringamsel zu Gesicht. Ihr weisses Brustband leuchtet aus dem dunkeln Gefieder, wenn sie zuoberst auf einer Legföhre sitzt. Es lohnt sich, einmal im Frühjahr den Abend oberhalb der Waldgrenze zu verbringen, um dem Gesänge der vielen Ringamseln zu lauschen — es ist dies ein Konzert von ganz eigenem Reize! In den gleichen Lagen wie die Ringamsel kommen auch der Zitronenzeisig und der zierliche Leinfink vor, welch letzteren man leicht an seiner karminroten Stirne erkennen kann.

Wir haben nun die letzten sturmzerzausten Bäume der Kampfzone hinter uns gelassen und befinden uns in der Region der Alpweiden. Mit scharfem « Izt-izt » fliegt ein grauer Vogel vor uns her, setzt sich auf einen Felsblock, wippt mit dem Schwänze, lässt uns herankommen, um dann abermals « izt-izt-izt » rufend aufzufliegen. Es ist der Wasserpieper, der Charaktervogel der Alpweiden. Er gehört so sehr der mittleren alpinen Stufe an, dass es besser wäre, ihn Bergpieper zu nennen. Wasserpieper heisst er wohl deshalb, weil er im Winter in die Ebene herunterkommt und sich dann vorwiegend an Flüssen und Bächen aufhält. In seinem Brutgebiete aber ist er durchaus nicht an das Wasser gebunden. Wandert man im Frühjahr über eine Alpweide, so sieht man überall Wasserpieper senkrecht emporfliegen, um im Gleitfluge gleich wieder an den Ausgangspunkt zurückzukehren. Dazu lassen sie ihren anspruchslosen Gesang ertönen, der etwa wie « Tie-tie-tie-tie-tie-tititititititi » tönt. Es ist dies ein Balzflug, wie man ihn ähnlich auch beim Baumpieper beobachten kann. Wo die Alpweiden mit Geröll übersät sind, gesellt sich dem Wasserpieper der graue Steinschmätzer bei, ein schön gezeichneter, munterer Vogel, der den Wanderer immer wieder von einem Felsblocke aus mit vielen Bücklingen begrüsst. An solchen Stellen können wir auch etwa auf ein Schneehuhn stossen, das sich flügellahm stellt, um uns von seinen Kücken wegzulocken. Das Schneehuhn, dessen Gefieder im Sommer braun, im Winter aber rein weiss ist, stellt ein Paradebeispiel einer Reliktform dar. Während der Eiszeit war es in den europäischen Tundren allgemein verbreitet. Als die Gletscher sich zurückzogen und die offenen Tundren sich mit Wald bedeckten, folgte das Schneehuhn dem Eise einerseits nach Norden, wo man es heute in Norwegen, Nordschweden und Nordrussland, auf Spitzbergen, Franz-Josefs-Land und Island findet, andererseits hinauf in die Alpen, deren höhere Lagen sozusagen « eiszeitliche Inseln » im gemässigten Mittelleuropa bilden. Auch auf den Pyrenäen kommt das Schneehuhn als Glazialrelikt vor. Eine andere Reliktform ist der Leinfink, der ausser in den Alpen auch im nördlichsten Europa, in Grönland und in anderen arktischen Gebieten zu Hause ist. Ringamsel und Wasserpieper haben ebenfalls nahe Verwandte im Norden. Es scheint aber, dass diese Arten schon vor der Eiszeit von den asiatischen Hochgebirgen her in die Alpen einwanderten. Die Eiszeit trieb sie in die Ebenen hinunter, wo sie nun neben den von Norden hergekommenen arktischen Arten wie Schneehuhn und Leinfink lebten. Nach der Eiszeit folgten Ringamsel und Wasserpieper diesen arktischen Vogelarten sowohl zurück in die Berge wie auch nach Norden. Schneehuhn und Leinfink stiegen in die Berge hinauf, weil sie dort Verhältnisse fanden, die einigermassen denen ihrer arktischen Heimat entsprachen. Wasserpieper und Ringdrossel gelangten nach Norden, weil sich ihnen in der Nähe der Arktis ähnliche Lebensbedingungen boten wie in ihren heimischen Gebirgen. Möglicherweise trifft dies auch für den Nusshäher zu, der gleichfalls in den asiatischen Gebirgen, in den Alpen und im Norden vorkommt.

Doch zurück zu unserer Bergwanderung: In einer Geröllhalde am sonnenbeschienenen Südhange scheuchen wir mehrere Steinhühner auf — graue Vögel mit weisser, schwarz gesäumter Kehle und schwarz-braun-weiss gestreiften Seiten. In den Nordalpen findet man das Steinhuhn nur in der alpinen Stufe; an den heissen, waldlosen Halden mancher Walliser Täler ist es aber viel weiter unten anzutreffen, z.B. in einer Höhe von nur 1000 m an den Abhängen des Visper Tales. Dort sieht man im Frühjahr die Hähne auf Steinhaufen und Mäuerchen stehen, wenn sie ihren schnalzenden Ruf ertönen lassen, den man etwa mit « Tschagg-tscha-tschagg » wiedergeben kann.

Mehr der Felsenregion als den Alpweiden gehört die behäbige Alpenbraunelle oder Flühlerche an, die uns durch ihren hübschen, ganz lerchenartigen Gesang auffällt. Ein charakteristischer Felsenbewohner ist der Alpenmauerläufer. Mit kurzen, zuckenden Schlägen seiner karminroten Flügel huscht er an den Felswänden hinauf, mit seinem langen, dünnen Schnabel alle Felsritzen nach Insekten und Spinnen durchstöbernd. In der Felsregion sind auch Kolkrabe, Alpenkrähe und Alpendohle zu Hause.Von diesen drei Arten ist allerdings nur die Alpendohle ein typischer Bergvogel, Kolkrabe und Alpenkrähe aber finden sich andernorts, z.B. an den felsigen Küsten DIE VOGELWELT DER ALPEN.

der britischen Inseln und der Normandie, auf Meereshöhe. Die rotschnäblige Alpenkrähe ist heute in der Schweiz nahezu ausgerottet. Ein einziger sicherer Brutplatz ist im Kanton Graubünden bekannt, und im Wallis werden von Zeit zu Zeit einige Exemplare gesehen. Die gelbschnäblige Alpendohle ist dagegen sehr häufig und jedem Bergsteiger wohlbekannt. Scharenweise treiben sich die schwarzen Vögel bei den Berghotels und Klubhütten herum und folgen den Touristen bis auf die höchsten Gipfel, um sich an den Überbleibseln des Picknicks gütlich zu tun. Auch zweien uns aus dem Tieflande wohlvertrauten Vogelarten begegnen wir in der Felsregion nicht selten: dem Hausrotschwanz und dem Turmfalken. Beide sind vorwiegend Felsenbewohner, die aber an keine bestimmte Höhenlage gebunden sind und somit von der Ebene bis ins Gebirge hinauf vorkommen.

Auf einem der ersten Schneeflecken trippelt ein graunbrauner Vogel mit auffallenden weissen Flecken auf den Flügeln herum: ein Schneefink. Er ist für die hochalpinen Lagen charakteristisch, brütet unmittelbar am Rande der Schneestufe und geht selbst im Winter nicht tief hinunter. Alpendohle, Schneefink, Alpenmauerläufer und Schneehuhn begeben sich oft weit in die Schneeregion hinauf — man hat Alpendohlen bei 4600 m, Schneefinken bei 3400 m, Alpenmauerläufer bei 3000 m und Schneehühner bei 3600 m beobachtet — sie schreiten aber wohl meist nur unterhalb der « klimatischen Schneegrenze » ( Säntis 2450 m, Monte Rosa 3200 m ) zur Brut.

Es wurde eingangs gezeigt, dass der Alpenwall der Verbreitung verschiedener Vogelarten eine Schranke gesetzt hat. Dies trifft aber mit Bezug auf die alljährlichen Wanderungen nördlich der Alpen vorkommender Zugvögel nicht zu. Wenn auch dem Vogelzug über die Alpen noch eingehende Studien gewidmet werden müssen, so liegt doch schon ein reiches Material vor, das beweist, dass Zugvögel nicht nur die tieferen und durch lange Haupttäler erreichbaren Pässe der Alpenketten, wie z.B. Maloja, St. Gotthard und Grossen St. Bernhard, überfliegen, sondern auch hochgelegene Übergänge wie das Jungfraujoch und den Col de Seiion, um nur zwei Beispiele zu nennen. Zur Frage des Vogelzuges über die Alpen wie auch der vertikalen Verbreitung der Alpenvögel könnten die Mitglieder des Alpenklubs auf ihren Touren wertvolle Beiträge sammeln. Gar manches Problem harrt da noch der Lösung, weil nicht genügend Beobachtungsmaterial vorhanden isti

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