Eine Kundfahrt zum Hindukusch im Sommer 1961

Hinweis: Dieser Artikel ist nur in einer Sprache verfügbar. In der Vergangenheit wurden die Jahresbücher nicht übersetzt.

VON JOSEF RUF, HAMBURG-POPPENBÜTTEL

Mit 6 Bildern ( 79-84 ) An der Hindukusch-Kundfahrt nahmen zwei Mitglieder des Schweizer Alpenclubs, Otto Laudi, Sektion Basel, und Josef Ruf, Leiter der Kundfahrt, Sektion St. Gallen, teil. Diese Tatsache möge Veranlassung sein, dass in den « Die Alpen » ein Bericht über diese Kundfahrt, welche unter der Schirmherrschaft des Deutschen Alpenvereins, Sektion Bremen, stand, erscheint.

Auf der Suche nach geeigneten Teilnehmern dachte ich verständlicherweise an Kameraden gemeinsamer Bergfahrten. So kam es, dass ausser mir als Leiter Dr. med. Liesel Huffmann und Otto Laudi aus der Sektion Hamburg an der Fahrt teilnahmen Empfohlen wurde mir von Goslar Berni Lentge, der Jüngste unter uns. Aus Bremen nahm weiter Trudi Heyser, Hüttenwartin und Jugend-betreuerin der Sektion, an dem Unternehmen teil.

Der Hindukusch erfreut sich eines wachsenden Interesses, nachdem er lange Zeit im Schatten der höheren Himalaya- und Karakorum-Berge lag. Der grösste Teil des Gebirges, welches vom Pamir, « dem Dach der Welt », nach Südwesten zieht, liegt auf afghanischem Gebiet. Der höchste Berg des Hindukusch, der Tirich-Mir, indessen erhebt sich bis zu der stattlichen Höhe von 7700 m im Nordwesten Pakistans.

Hindukusch bedeutet soviel wie « Hindus-Töter », was besagen will, dass sicherlich sehr viele Gläubige, die von Indien zu den Heiligtümern nach Bamyan wallfahrteten und das Gebiet queren mussten, die Strapazen nicht überstanden haben. Schon diese Erläuterung gibt uns den Charakter des Gebirges mit seinen tief eingeschnittenen Flusstälern, seinen Pfaden an den steilen Hängen und seinen reissenden Flüssen wieder.

Die Unwirtlichkeit und geringe Besiedlung mögen auch die Gründe sein, warum der Hindukusch noch als Kleinod für Kundfahrer und erreichbar für « Nichtberufsbergsteiger » übriggeblieben ist.

IRAN iO'äl.

Lage von Afghanistan mit Reiseroute von Mesched ( Iran ) bis Kabul und weiter über Charikar nach Chrunju Bei der Vorbereitung zur Kundfahrt musste ich erkennen, dass nicht sehr viel Geschriebenes über das Gebirge, vor allem wenige geographische Darstellungen, vorhanden waren. Als Unterlagen waren zu erreichen:

1. Die Veröffentlichungen von A. Scheibe, « Hindukusch 1935 », ein Bericht über die wissenschaftlichen Erkundungen vor allem einiger Täler des Hindukusch.

2. Harald Biller, Nürnberg, persönlicher Bericht und Geschriebenes über eine Kundfahrt im Jahre 1959, die in der Ersteigung des Mörsamir ( 6060 m ) gipfelte.

3. Hindukusch-Kundfahrt 1960 von vier Berliner Studenten ( Heine, Winkler, von Hansemann und Hasse ), die den 6600 m hohen Koh-i-Bandakor bestiegen und weitere erfolgreiche Bergfahrten im Pagartal bei Anjuman durchführten. Diese Bergfreunde gaben uns die wertvollsten Anregungen, sowohl was den Weg ins Gebirge betrifft, als auch was die finanziellen Punkte angeht.

4. Weiter war in « Die Alpen » von Kundfahrten durch eine japanische und eine polnische Bergsteigergruppe im Jahre 1960 die Rede. Diese beiden Gruppen erstiegen den 7500 m hohen Noshaq im Grenzgebiet ( Wakhan-Zipfel ).

Mit zwei Fahrzeugen, einem VW-Transporter und einem VW-Pkw starteten wir fünf am 17. Juli 1961 in Bremen zu der langen Reise über den Balkan und Vorderasien, durch die Wüsten Irans und Afghanistans nach Kabul, wo wir genau nach einem Monat, am 18. Juli 1961, eintrafen.

Nach Erledigung der Formalitäten über Aufenthalt und Genehmigung zur Einreise in das begehrte Gebiet, in dem wir tätig sein wollten ( es wurde uns freundlicherweise gestattet, Luftaufnahmen einzusehen, die sich im Minenministerium im Geologischen Institut befinden ), konnte die Reise nach mehr als einer Woche Aufenthalt in Richtung Norden nach Gubahar und dem Panschir-Tal weitergehen.

Beim Aussuchen eines bergsteigerisch interessanten Gebietes war uns der Rat von Herrn Hunger, einem Schweizer Geologen im Dienste der UNO, sehr wertvoll.

Die Karten welche wir erreichen konnten, waren englische im Maßstab 1:1 Million. Wir mussten auf unserem Marsch bald erkennen, dass die Darstellung dieser Karten mit der Wirklichkeit nicht in Einklang zu bringen war ( siehe Kartenskizzen ). Auch in dieser Hinsicht war es wertvoll, die Luftbilder gesehen zu haben. Ohne diese Kenntnis wäre es sicherlich auch schwieriger gewesen, eine Einteilung für die Tagesmärsche vorzunehmen.

Unsere Fahrzeuge waren zusätzlich mit dem in Kabul erstandenen Proviant belastet. An Bord hatten wir auch Mohamed, unseren englischsprechenden Dolmetscher, welcher uns sehr wertvolle Dienste auf der Kundfahrt leistete. Auf dem Wege ins Gebirge hatten wir den Gebietsgouverneur ( Hakim ) von Charikar aufzusuchen, ohne dessen zusätzliche Genehmigung und Unterstützung der Weiterweg nicht möglich ist. Wir bekamen zur Begleitung noch den Finanzsekretär des Hakim mit, der uns ins Gästehaus des Gouverneurs nach Sine brachte. Hier durften wir die Gastfreundschaft des Allakadors ( Assistent des Hakim ), etwa Stellung eines Landrates bei uns, geniessen. Unter einem riesigen Maulbeerbaum im Scheine des Vollmondes und der Stallaternen waren Teppiche ausgebreitet, auf denen wir zu einem köstlichen afghanischen Mahl aus Reis, Hühnerfleisch, Salat, Obst und natürlich dem Tee eingeladen wurden. Der Gastgeber persönlich bediente uns.

Am folgenden Morgen erreichten wir mit den beiden zusätzlichen Begleitpersonen, welche uns zur Betreuung von dem Allakador mitgegeben wurden, das Ende des fahrbaren Weges in Chrunju. Hier musste unser Gepäck Tragtieren aufgeladen werden. Mit einem Tross von 6 Treibern, 2 Dienern des Allakadors, unserem Dolmetscher Mohamed, 5 Pferden und 4 Eseln zogen wir nun am frühen Nachmittag noch kurze Zeit von der Dorfjugend und mit den guten Wünschen des Malik Surap ( Bürgermeister ) begleitet das Panschir-Tal hinauf. Diese Truppe wurde unterwegs zum Anjuman-Pass ( 4225 m ) sogar noch verstärkt durch 4 Bewaffnete, die uns vor Feinden zu schützen hatten. Trotz eifriger Bemühungen waren aber in der Gegend des Passes keine « enemies » zu finden. Dagegen sollte unsere Liesel noch kurz vor dem Pass einen Unfall erleiden. Sie war dabei, ein Kind der Nomaden zu verarzten und wurde von einem grossen Hirtenhund angefallen, der sie in die rechte Wade biss und ihr eine grosse klaffende Wunde beibrachte. Erfreulicherweise stellten sich keine Komplikationen ein. Liesel musste aber fortan hoch zu Ross durch die Täler und Flüsse traben. Man darf nicht erwarten, dass dies ein Vergnügen ist. Trotz bitten, hat sie auf dem Rückweg, als die Wunden wieder verheilt waren, es abgelehnt, jemals wieder ein Ross zu besteigen.

- Unser Weg führte vom Pass hinunter ins Tal des Anjuman-Flusses. Enge Schluchten wechselten mit Siedlungsanlagen ab. Terrassenförmig sind die Felder aus dem kärglich felsigen Boden angelegt und werden künstlich bewässert. Wo das Wasser fehlt, da breitet sich erbarmungslos die Wüste aus. Öfters hatten wir die Talseiten zu wechseln. Fehlten die Brücken, so ging es mutig in die kalten, reissenden Bäche und Flüsse.

In den Ortschaften hatten wir den Maliks unsere Reverenz zu erweisen, wollten wir uns ihr Wohlwollen erhalten.

Unsere Marschleistung am Tage bestimmten zumeist die Esel. Von ihnen hing es ab, wie rasch und ob mit oder ohne Gepäck die Flüsse durchschritten, die Brücken begangen werden konnten. Die Esel sind geduldige Tiere. Man kann ihnen unwahrscheinlich schwere Lasten aufladen. Wenn ihnen aber etwas nicht gefällt, nicht in den Kram passt, so können sie zum Verzweifeln störrisch sein. So kam es auch, dass wir auf dem Anmarsch 11 Tage benötigten, den Rückweg nur mit Pferden in sieben Tagen bewältigten. Zur Ehrenrettung der Esel muss aber gesagt werden, dass uns heimwärts der Weg bekannt war, und wir den Treibern die Rastplätze angeben konnten, während wir uns auf dem Hinweg auf ihr Wissen verlassen mussten, das oftmals von der Bequemlichkeit oder dem Je-länger-je-ergiebiger, geleitet war.

4. 10. 61 R.

F. Flussübergang, Furt B. », Brücke ( h Übernachtungs-Lager, Hinweg », Rückweg ( ...m ) Höhenangabe, fremde Messung m », eigene Messung mit ba- rometrischem Höhenmesser Anmarschweg von Chrunju ( Ende der Fahrstrasse ) bis Tal von Chrebek Anjuman- und Munjon-Fluss fliessen sich entgegen und haben einen fast geradlinigen Verlauf in einem Grabenbruch, der von SW nach NO verläuft. Bei Iskasir treffen sie sich oder besser gesagt, prallen sie aufeinander. Hier gibt es nur eine Zwangsentscheidung. Sie brechen gemeinsam und gewaltsam die nördliche Sperrmauer des Gebirges auf, und in einem tiefen Graben fliessen sie nun brüderlich vereint als Jurm-Fluss nach Norden, dem Oxus entgegen. In den Alpen kenne ich ein ähnliches Flußsystem, das der Dora di veni und der Dora di ferret auf der Südseite des Mt.Blanc-Stockes, die bei Entrèves sich auch einen Durchbruch erzwingen und als Dora Baltea dem Po zuströmen. Der Durchbruch bei Iskasir ist aber doch viel gewaltiger, nicht nur, weil die Berge höher und steiler, sondern auch deshalb, weil die beiden Flüsse wasserreicher sind als die Dora in Italien.

Bald stand wieder eine grosse Frage vor uns. Wir müssen den Munjon-Fluss überqueren. Er ist so mächtig, dass die Eselchen von ihren Lasten befreit werden mussten, sollten wir nicht Gefahr laufen, Gepäck und Esel den Fluss hinabtreiben zu sehen. Es ist ein besonderes Unternehmen, über die brückenlosen Flüsse zu kommen. Mit ihrem wechselnden Wasserstand geben sie stets neue Probleme auf. Bei den ersten Flussübergängen machte es uns Spass, wie die Treiber, hochgeschürzt und am Zaumzeug oder am Schwanz der Pferde hängend, das gegenüberliegende Ufer zu erobern. Doch bald gaben wir diesen Sport auf. Es war für uns doch zu ungewohnt, längere Zeit im eiskalten Wasser zu sein und ausserdem hielten unsere Füsse das Gehen auf den scharfen Steinen nicht aus. Es entschloss sich doch einer nach dem anderen, das Angebot, reitend den Fluss zu queren, anzunehmen. So hatten wir auch vor diesem Flussübergang keine Lust, den starken Mann zu zeigen, und wir überlegten uns schon den Plan, in welcher Weise wir Gepäck und Leute zum andern Ufer befördern könnten.

Wir rätselten noch, wo wohl die günstigste Stelle zum Durchschreiten des Flusses sein könnte, da erschienen bereits Gestalten hoch zu Pferde am anderen Ufer und ritten ohne Zaudern ortskundig in die Fluten. Wir erhielten so wie bei einer Parade vorgeführt, was uns in der Gegenrichtung noch bevorstand. Halb schwimmend, halb gehend, so schien es uns, durchquerten sie die einzelnen mehr oder minder breiten und tiefen Arme des Munjon. Der Allakador von Munjon stellte sich uns mit seinem polizeilichen Schutz und einigen weiteren Herren vor. In seiner Begleitung befand sich auch ein junger Däne, der als Weltenbummler—so erfahren wir—studienhalber auch Munjon kennenlernen wollte. Nur seine Papiere waren nicht ganz vollständig für diesen Besuch. Deshalb begleitete man ihn zurück ins erlaubte Gebiet mit der höflichen Bemerkung, dass sein Wunsch leider nicht erfüllbar sei, weil alle Brücken über den Fluss zerstört seien und somit sein Vorhaben nicht unterstützt werden könne.

Auch wir sollten dem Herrn des Gebietes den Erlaubnisschein vorweisen. Da uns indessen das Betreten von Munjon durch Regierungsschreiben bestätigt, und wir ausserdem den Zweck, als Touristen Berge zu besteigen, bekundeten, so war für uns der Weg in das begehrte Land Munjon frei. Keine Brücke fehlte, wir sollten sogar zum persönlichen Schutz polizeiliche Begleitpersonen mitbekommen Darüber hinaus wurden wir eingeladen, Gäste der Verwaltung zu sein.

Von einer Passhöhe aus erblickten wir die Berge Munjons, ein Teil des Gebietes, welches wir aufsuchen wollten. Manche stolze, schneebedeckte Häupter reckten sich über die braun, oliv bis dunkelrot schimmernden Vorberge. Doch unsere begehrten Ziele waren immer noch nicht dabei. Wie wir später erfahren haben, führen sie hinter den hohen Vorbergen einen wahren Dornröschenschlaf.

Steil geht es nun hinab zu einem Plateau über dem Fluss, der sich kanonartig in dieses eingeschnitten hat. Untrügerische Anzeichen von früherer Besiedlung: abgeteilte Felder, jedoch ohne Bepflanzung, verfallene Lehmhäuser, burgenähnliche Rundbauten zeugten von einer grossen Vergangenheit. Mein hinter mir gehender Pferdeführer sagte ehrfurchtsvoll « Munjon ». Später erfuhren wir, dass hier der Fürst oder König von Munjon seine Residenz gehabt haben soll. Heute ist die ganze Ebene eine Wüste: Dascht-i-Borrisch.

Es lässt sich diese Verwüstung wohl so erklären, dass durch Unwetter oder durch immer Tieferwerden des Flusses für Borrisch die künstliche Bewässerungsanlage unbrauchbar wurde und somit das Leben des blühenden Landes erlosch.

Kurz vor dem « Königsort » bilden zwei grössere Flüsse den Munjon Wir steigen hinab zu dem einen, genannt Borrisch, überschreiten diesen auf einer soliden Brücke und folgen dann dem anderen Flussarm nach Schaharon, dem Hauptort des Munjon-Gebietes. Hier schlugen wir inmitten des Dorfes im Schatten von Weidenbäumen und im Schütze einer Steinum-wallung, doch unter allgemeiner Anteilnahme der Männer und Kinder - die Frauen hatten sich in achtbarer Entfernung auf den Dächern der Häuser aufgehalten - unsere Zelte auf.

Es war doch etwas ungemütlich, so viel Bewunderung zu finden. Deshalb begrüssten wir es sehr, am nächsten Morgen wieder das kurze Stück zur Borrisch-Brücke und dann flussaufwärts in einsamere Gefilde gehen zu können. In zwei Tagen erreichten wir über Tagau und Wolf die kleine Siedlung Rees, am Ende des Rees-Tales, etwa 3500 m hoch gelegen. Diese Alm ist nur im Sommer von einer Familie aus Wolf bewohnt. Schafe-, Ziegen- und Rinderherden finden auf dem ebenen Talboden, der am oberen Teil einen Auenwald besitzt, eine kärgliche Weide. Am Rande des Wäldchens schlugen wir das letzte, mit den Treibern gemeinsame Nachtlager auf.

Diese Nacht sollte nochmals ein besonderes, eindringliches Erlebnis mit unseren Freunden aus dem Panschir-Tal werden. Am Abend entfachten sie mit dem reichlich vorhandenen Weidenholz ein mächtiges Feuer. So dauerte es bis Mitternacht; erst dann trat Ruhe ein - aber nur für kurze Zeit. Da dröhnten Pferdehufe, jagten einige der edlen Tragtiere, die wohl noch nicht müde genug waren, an unseren Köpfen vorbei. Sie hatten sich von ihren « Verankerungen » gelöst, und führten nun blutige Zweikämpfe auf. Das alles wegen einer Stute, denn wir hatten vier Hengste und nur ein weibliches Tier mit uns. Kaum waren die tobenden Rosse eingefangen und eine kurze Beruhigung eingetreten, so fing der Tag zu dämmern an. Das war für unsere Treiber das gewohnte Zeichen zum Aufstehen. Sie entfachten wieder ein Feuer, denn es war in der Höhe ziemlich kühl. Doch bald entstand eine neue Aufregung und Unruhe unter dem Volk oder people, wie Mohamed in englisch zu sagen pflegte. Was war los? Ein Esel war nicht aufzufinden. Trotz eifrigem einstündigem Suchen konnte er nirgends entdeckt werden. Nun war der Auenwald gerade das richtige Gelände, um sich zu verstecken oder zu verirren. Aber auch ein Esel geht nicht verloren. Man fand ihn schlafend in nicht allzu grosser Entfernung friedlich unter einem Weidenbusch.

Hier im Auenwald von Rees war die Ortskenntnis unserer amtlichen Begleiter am Ende. Höher war offensichtlich noch keiner der Polizisten oder Soldaten gekommen, von den Leuten aus Rees gar nicht zu sprechen. So mussten wir selbst unseren Weiterweg finden.

Wir hatten nur die Erinnerung an die Luftaufnahmen als einzige Stütze und wussten, in dieses Seitental mussten wir hinein, wenn wir an den Fuss der begehrten Berge kommen wollten. So galt es, das Labyrinth des Wäldchens mit seinen verschiedenen Flussarmen zu durchqueren, was mit den Tragtieren und Lasten, mit unserer Liesel auf dem Pferd gar nicht so einfach war. Liesel war in steter Gefahr, an den Ästen der Weiden hängenzubleiben. Und nun, wie würde es am Ende der Talsohle weitergehen? Unser Flüsschen Chrebek, das uns zu einem höheren Talboden hinaufleiten sollte, so hatten wir das Bild in der Erinnerung, war so tief eingeschnitten in das felsige Tal und kam so hoch herunter, dass wir nicht neben oder in ihm hinaufsteigen konnten. Der älteste Pferdetreiber gab zu verstehen, dass sie mit den Tieren nicht höher, auch nicht durch die Geröllhänge gehen könnten. Es war den Leuten offensichtlich ungemütlich, uns in ein wegloses Gelände zu folgen. Was blieb uns übrig, wir mussten ein Einsehen haben. Die Tiere wurden entlastet, Hier lagen sie nun, die vielen Säcke und Kartons und warteten, weitertransportiert zu werden. Auch auf dem eigenen Rücken wollten die meisten Treiber das Gepäck nicht tragen - nicht für Geld und gute Worte.

So haben wir die Streikenden entlohnt. Die Willigen, darunter die Eseltreiber, Soldaten und Polizisten, wollten uns hier nicht im Stich lassen. Sie schleppten mit uns gemeinsam noch am gleichen Tage den grössten Teil der Lasten in einem dreistündigen Aufstieg etwa 500 m hinauf. Der Rest wurde am nächsten Morgen nachgeholt.

Wir hatten uns mit unserem Chrebek-Tal und den ausgesuchten Bergzielen nicht getäuscht. Über der Steilstufe öffnete sich das Tal und erst jetzt waren die Bergriesen in einem grossen Rund, Gipfel an Gipfel, zum Teil mit Gletschern und weissen Häuptern zu schauen. Vor uns lag der Talgrund, eine grosse Wiese mit einer Vielzahl verzweigter Bächlein. In der Mitte der Wiese erhob sich ein riesiger Felsklotz, wie von Zyklopenhand als Haus dort hingesetzt. Das war unsere « Felseninsel » und das Hauptquartier 3950 m hoch über dem Meer. Hier gab es kein Diskutieren über Bleibe, hier schlugen wir unsere Zelte auf.

Sofort wurde darangegangen, auf der Nordseite des Felsens ein Steinhaus zu errichten. Das Dach bestand aus zwei Überzelten. Im hintersten Winkel bauten wir eine Kochstelle ein. Aus Weidenstök-ken entstanden Regale, Steine dienten im Innern, wenn es draussen zu ungemütlich war, als Sitzplätze. In zwei Tagen, am 7. August 1961, war unser Bau fertig, in dem wir aufrecht stehen konnten, guten Windschutz und Aufenthalt und vor Feuchtigkeit sichere Unterbringung für Ausrüstung und Esswaren hatten.

So waren wir häuslich eingerichtet und konnten uns den hochtouristischen Neigungen widmen.

Was lag nun näher, als den « Hausberg » zu besteigen, um von hier aus etwas Klarheit über Lage und Höhen der nächsthöheren Berge zu bekommen. Der Aufstieg zu dem etwa 4600 m hohen dreigipfligen Berg vermittelte uns schon einiges über die grundsätzlichen Eigenheiten der Berge des Chrebek-Tales. Loses Gestein machte das Steigen beschwerlich. So fanden wir bald die rationellste Gehweise. Beim Ansteigen muss man grosse Blöcke suchen und beim Abfahren dann in den Rinnen mit kleinen lockeren Steinen. Von dem Gipfel aus hatten wir, wie erhofft, einen Blick zurück in das Tal von Rees. Tief unter uns lag die Alm, die Wände nach Norden waren von einer Steilheit, als könnten sie im Gebiet der « Drei Zinnen » in den Dolomiten sein. Leider zeigten sich die Grate aber nicht so dolomitenhaft fest, sondern waren von der Art « Rühr-mich-nicht-an ». Unser Ratgeber in Kabul, Herr Hunger, hatte uns schon mitgegeben: Wir müssten aber vorsichtig sein, es gäbe viel lockeres Gestein. Dies trifft sicher für die Berge im Chrebek-Tal zu. Einen guten Einblick konnten wir in die Berge des Talschlusses gewinnen.

Wir fassten schon den Plan, als nächstes Ziel einige Gratzacken in der Nähe des grossen Gletschers und unseres höchsten Berges, des « Koh-i-Chrebek » ( Berg von Chrebek ), zu ersteigen. Diese Erkundung ergab Einblicke in die Beschaffenheit der Felsen und des Eises und erlaubte damit, Überlegungen anzustellen, wie wir dem Gipfel des grossen Berges näher kommen können. Ein günstiger Platz für das Hochlager, als Ausgangspunkt zu den « höheren » Unternehmungen, konnte ausfindig gemacht werden.

Einem schneebedeckten Fünftausender wollten wir, gleichzeitig auch zum Training, vor unserem grossen Vorhaben einen Besuch abstatten. Vorsorglich nahmen wir unsere volle Biwak-Ausrüstung mit. Unseren Berechnungen nach konnte der Aufstieg nicht so lange dauern, dass Freilager notwendig gewesen wären, und Schlechtwetter hatten wir kaum zu fürchten. Doch unbeachtet hatten wir den Aufstieg über schier endlose Geröllhalden und Grate mit unberechenbaren Zacken und Blöcken. So kam es, dass wir sowohl im Aufstieg als auch nach Erreichen des etwa 5230 m hohen Gipfels die Nacht im Freien unter den Zeltsäcken bei einigen Grad unter Null verbringen mussten. Auf dem Weg zum Gipfel lernten wir erstmals den Büsserschnee kennen. Wir nannten diesen Berg deshalb « Büsser-Berg ». Sicherlich hat die Form der sommerlichen Schneeoberfläche in den südlichen Regionen nicht nur allein den Namen erhalten nach den höckerförmigen Gestalten, sondern man könnte ihn auch danach deuten, dass das Überwinden einer solchen Schneefläche oftmals ein Bussgang ist.

Flußsystem Anjuman-Munjon nach englischer Karte Nach dieser Fahrt fühlten wir uns reif, an den grossen, hohen Berg zu denken. Das Hochlager mit zwei Zelten wurde über einem Gletschersee in etwa 4500 m Höhe errichtet, Proviant und Bergausrüstung dorthin geschafft. Es war ein romantisches Plätzchen, das wir da ausfindig machen konnten; im wahrsten Sinne photogen zu nennen. Von fern her schaute der 6600 m hohe « Koh-i-Bandakor », den Berliner AV-Freunde 1960 ersteigen konnten, ins Tal von Chrebek. Zu unseren Fussen, umrahmt von Moränenhalden, lag milchig-grün der Gletschersee und über uns bauten sich die Berge mit Höhen über sechstausend Meter in den klaren afghanischen Himmel. Das alles war unberührt und friedlich, wie ich es bisher in den Alpen nicht kennengelernt hatte. Was konnte ein Bergsteigerherz mehr beglücken? Es war in der Tat ein ideales Plätzchen.

Von hier aus stiegen nun am 15. August 1961 wir vier Bergsteiger im Schein der ersten Sonnenstrahlen auf zu dem höchsten der umhegenden Berge. Ein Moränenhang mit grossen und kleinen .'losen Steinen sollte das Mühsame des Anstiegs eröffnen. Die schweren Rucksäcke mit Biwak-, Berg-und Proviantausrüstung, dazu die verdünnte Luft über 5000 m zwang uns oft zum Halten. So erlebten wir auch einen Gletscher, den wir zu queren hatten, mit riesigen pilzförmigen Gletschertischen, versumpften Flächen, tiefeingeschnittenen Wasserrinnen, verdeckten Wassertümpeln und vielen Dingen mehr, die ein wildzerschrundeter Gletscher des Hindukusch dem Bergsteiger zu bieten hat. Die nun folgenden Schneehänge liessen uns etwas rascher an Höhe gewinnen bis ein rundumlaufender Bergschrund den Übergang zum steilen Firn- und Eishang sperrte. Wir mussten ganz nach links ausweichen, denn nur hier sahen wir eine Möglichkeit, ohne Risiko hinüberzukommen Kaum hatten wir alle den Bruch überschritten, da trat auch schon die Frage an uns heran, wo die Nacht verbringen, denn die Sonne war von unserem westlichen Berghang gewichen. In den südlichen Breiten fällt rasch die Dunkelheit ein, das hatten wir inzwischen kennengelernt. Auf dem begrenzenden Felsgrat ebneten wir eine Fläche, die gerade vier Leuten brauchbaren Platz bot. Die Zeltsäcke wurden übergestülpt und so harrten wir der ersten Nacht im Freien entgegen. Sie war nicht besonders unangenehm.

Wir befanden uns auf der Abendseite des Berges, daher konnte uns leider die Frühsonne nicht treffen. Es galt also am Morgen mit steifen Gliedern und in der schattigen Bergflanke sich erst etwas warm zu laufen. Wie man das tun kann, darüber gibt es offensichtlich verschiedene Ansichten. So folgte die eine Partie dem felsigen Grat, während die andere sich mit Stufenschlagen den Aufstieg über den Eishang zum Sattel erzwang. Wir nannten diesen Silbersattel ( ca.5700 m hoch ), weil wir eine gute Übereinstimmung im Aussehen und der Lage mit dem Sattel am Mte. Rosa feststellen konnten. Hier war längst die Sonne mit den belebenden und wärmenden Strahlen erschienen. Da die Uhr bereits die Mittagsstunde anzeigte, unsere Mägen taten dies längst vorher schon, so bedurfte es keiner grossen Worte, um Verständnis für eine ausgedehnte Mittagspause zu finden. Gemeinsam ging es dann den anschliessenden Grat weiter. Obwohl wir zügig vorwärtskamen, so überfiel uns doch schneller als geahnt die Dämmerung. Zum Glück fanden wir gerade noch vor der Dunkelheit eine grosse, waagrechte Platte auf der Südost-Seite des sonst so langen, zackigen Grates. Wir erweiterten das Plätzchen ( ca. 5820 m ), so dass wir halb liegend, halb sitzend unser Biwak mit den Zeltsäcken einrichten konnten.

Der beginnende neue Tag war uns recht angenehm. Die Lage unseres Biwaks war so günstig, dass sehr früh die Sonne unsere Glieder erwärmte. Auch diese Nacht ging einigermassen angenehm vorbei, wenngleich wir mit einer Kälte von etwa -15° C fertigwerden mussten.

Der anscheinend nahe Gipfel und die von uns einzusehende weitere Route veranlassten uns, einige Ausrüstungsgegenstände hier zu deponieren. Leider hinterliessen wir mehr als unbedingt notwendig. In der kommenden Nacht, die wir höher als an dem zweiten Biwakplatz verbringen mussten, hätten wir einiges davon noch gut gebrauchen können.

Vom Biwakplatz aus verfolgten wir noch einige Zeit den Grat und verliessen diesen, als er sich zu einem auffallenden, selbständigen Zacken erhob. Bei der Querung zum muldenförmigen Gletscher trafen wir ein ausgedehntes Feld mit Büsserschnee an. In der steilen Bergflanke war dieser angenehm. Die Höcker hatten nur geringe Höhe, so dass sie willkommene, natürliche Stufen darstellten und somit uns das Schlagen oder Treten von Stufen ersparten. Auf dem Gletscherboden allerdings machten uns die 50 bis 80 cm hohen Büsser viel zu schaffen. Das Vorwärtskommen war viel mühsamer und langsamer, als wir es uns vorstellten. So verging die Zeit im Flug, und wir waren uns bald klar darüber, dass es ohne zusätzliches Biwak nicht abgehen würde.

Vom Gletscher aus gab es zwei Möglichkeiten, den Gipfel zu erreichen, entweder über die steile Gipfelwand, die nach Nordosten zeigte, oder über den mehr nach Norden gerichteten Grat. Wir,, wählten den Anstieg in der Flanke der Gipfel wand und querten dann zum anfänglich felsdurchsetzten und später ausschliesslich schneeigen Grat. Hier liess es sich gut und angenehm steigen, so dass wir rasch Höhe gewannen. Kurz vor dem Gipfel rasteten wir an einem Felskopf, den man auch vom Tal aus von unserer Felseninsel gut ausmachen kann. Gemeinsam ging es dann zum höchsten Punkt mit etwa 6250 m Höhe1, wo wir um 16.45 Uhr am 17. August 1961 standen.

Die Rundsicht, vor allem nach Osten und Süden, war durch Dunst und Bewölkung etwas beeinträchtigt. Dort tobte sich der Monsun noch aus. Wir konnten in nördlicher Richtung drei höhere Flußsystem Anjuman-Munjon nach Ermittlung der Kundfahrt Berge ausmachen. Es musste sich dabei um den Tirich-Mir ( 7700 m ), in Pakistan gelegen, den Noshaq ( 7510 m ) und einen etwa gleich hohen, uns unbekannten Berg handeln. Die letztgenannten Berge gehören zum Grenzkamm bzw. liegen in Afghanistan in dem sogenannten Wakhan-Zipfel. Im Westen, nicht sehr weit von uns, ragt der Koh-i-Bandakor in den Himmel. Alle anderen Berge im Süden scheinen niedriger als unser Berg von Chrebek zu sein.

Die späte Abendstunde mahnte uns, bald an den Abschied zu denken. In den bereits vorhandenen Stufen ging es sicher und flott den Grat und Hang hinunter. Der Büsserschnee indessen liess uns wieder nur mühsam vorwärtskommen. So überfiel uns auf dem Gletscher die Dunkelheit früher als 1 Die Höhen wurden mit barometrischen Höhenmessern ermittelt. Sie gelten somit vorbehaltlich einer späteren exakten, topographischen Messung.

12 Die Alpen - 1962 - Les Alpes gewünscht. Es blieb nichts anderes übrig, als so rasch es ging, eine Mulde im Schnee auszuheben und Mauern aus Büssern zu errichten, um etwas Windschutz in der Nacht zu haben. Bei Temperaturen um -17° C und den etwas verminderten Ausrüstungsstücken war die Nacht nicht so sehr angenehm wie die vorhergegangenen. Wir waren deshalb froh, als um 5 Uhr in der Frühe die ersten Sonnenstrahlen den Gipfelaufbau trafen. Wir schöpften auch Hoffnung, bald in der Sonne zu sein. Es sollte aber noch etwa 2 Stunden dauern, bis wir in den Genuss der wärmenden Strahlen kamen. Noch vor Mittag erreichten wir unseren Biwakplatz Nr.2 im Grataufstieg. Wir kochten hier mit den verfügbaren Dingen auf dem Borde-Benzinkocher, der hier deponiert war, Frühstück und Mittagessen in einem.

Der nun folgende Eishang gab uns wieder Probleme auf. Die Stufen, welche wir mühsam vor drei Tagen geschlagen hatten, waren durch Schmelzwasser unbrauchbar geworden. Das Wasser erschwerte auch das Schlagen neuer Stufen. Ausserdem klagte Otto über gefühllose Füsse. So benötigten wir unsagbar lange Zeit für das Hangstück. Infolge der Steilheit schien es auch geraten, mit besonderer Vorsicht und Sicherung zu gehen. Ursprünglich rechneten wir, rasch über den Eishang zu kommen und noch am Abend im Hochlager zu sein. Doch kurz vor dem Bergschrund überraschte uns aber die Dämmerung, so dass wir eilen mussten, ein brauchbares Biwakgelände auf der nahen Felsrippe ausfindig zu machen.

Wie auf einem Adlerhorst, mit übergestülpten Zeltsäcken, die Füsse im Rucksack, verbrachten wir sitzend die Nacht. Obwohl sie nicht die kälteste war, sollte sie uns allen unangenehmer sein als die vergangenen Biwaks. Otto klagte am Morgen noch mehr über seine Füsse. In der Tat waren sie so stark mitgenommen, dass er den Rückweg nachKabul nicht auf Schusters Rappen, sondern hoch zu Ross zurücklegen musste.

Endlich am 19. August, gegen 19 Uhr, erreichten wir das Hauptlager auf der Felseninsel, nachdem wir einen Teil des Gepäcks im Hochlager über dem Gletschersee deponiert hatten.

Eine Erholungspause tat uns allen gut. Wir assen, tranken und schliefen, so viel es ging. Doch schon nach zwei Tagen regte sich wieder der Geist zu neuem Planen. Ein Blick auf den Kalender überzeugte uns indessen, dass wir unsere bergsteigerische Tätigkeit auf wenige Tage beschränken mussten. So hiess es leider auf weitere Erkundungen und Besteigungen der sicher noch recht interessanten Fünftausender, die in der weiten Runde standen, zu verzichten.

Da wir das Hochlager abzubauen hatten, wollten wir uns doch einen Rundblick von dem « Schwarzen Turm », einem auffallenden Felskegel inmitten des Gletschergewirrs zu Füssen des Koh-i-Chrebek, nicht entgehen lassen. Von hier aus dachten wir, einige Orientierungsmessungen und Panorama-Aufnahmen nachzuholen. Leider hatte der Wettergott diesmal kein Einsehen. Es war einer der wenigen Tage, an denen die Sicht in unserem Tal durch Bewölkung und Dunst behindert sein sollte. Wir stiegen wohl auf den 4850 m hohen Turm, aber von den photographischen Aufnahmen werden wir uns nicht viel versprechen können. Nur Berni als Flechtensammler kam auf seine Kosten.

Inzwischen war Hilfe vom Hauptlager zum Abbau des Hochlagers gekommen. Es war mir etwas wehmütig ums Herz, bedeutete diese Handlung doch den Anfang zum endgültigen Abbrechen unserer Unterkünfte und zum Auszug aus dem Hochtal von Chrebek. Mohamed hatte, wie wir nach Rückkehr ins Hauptlager feststellen konnten, gute Vorarbeit für den Rückmarsch geleistet. Er besorgte fünf Pferde und Treiber aus den nächstliegenden Dörfern. So konnte in einem Rutsch alles noch vorhandene Material auf dem Rücken der Pferde, teils auf dem Buckel der Träger nach dem Wäldchen von Rees transportiert werden.

Über den Rückweg ist nicht viel Neues zu berichten, wenngleich wir auch hier unsere besonderen Erlebnisse hatten. Er führte durch die uns bekannten Gebiete. Unsere Ortskenntnisse kamen uns sehr zustatten. Wir konnten das Tagestempo, die Rast- und Lagerplätze bestimmen, während wir auf dem Herweg auf die Ansicht der Leute angewiesen waren. Auch unser Mohamed hatte sich mehr eingelebt. So verlief der Heimweg fast nach dem Fahrplan, allerdings im afghanischen Sinne. Eine Illustration erhielt die marschierende Truppe durch die zusätzliche Begleitung von zwei Jungrindern. Unser Opa aus Chrunju hatte durch uns so viel Geld verdient, dass er dieses gleich zur Vergrösserung und Veredelung seines Viehbestandes anlegte. Als die beiden Tiere plötzlich da waren und mittrot-teten, interessierten wir uns freilich für die Gäste und konnten von Mohamed diese Aufklärung erhalten. Wir sagten uns alle: Na, wird das gut gehen? Dabei dachten wir an die schwankenden Brücken, die Flussdurchquerungen, die Steilhänge und felsigen Gebirgspfade. Wenngleich die beiden Tiere gelegentlich Seitenwege gingen, so war ich doch erstaunt, mit welcher Ausdauer und Sicherheit sie sich in dem unwirtlichen Gelände bewegten. Beim Queren der Flüsse stiegen sie stets unaufgefordert als erste in das kalte Wasser und kämpften mutig gegen die Fluten an. So kamen wir wohlbehalten mit Mensch und Vieh im Panschir-Tal an.

In Chrunju gab es in der Nacht unter den Maulbeerbäumen einen festlichen Empfang. Mit dem Malik Surap kam ein grosser Teil der Bevölkerung und wollte die Sieger von Chrebek begrüssen. Auch unsere treuen Helfer, die Pferde- und Eseltreiber vom Hinweg waren da. Alle freuten sich über das Wiedersehen und erzälten ihre Erlebnisse.

Unsere Autos waren noch intakt und unversehrt, so dass wir am nächsten Tag talaus und nach Kabul fahren konnten. Auf dem Weg dorthin verabschiedeten wir uns pflichtbewusst von den behördlichen Stellen. In Kabul warteten bereits unsere Freunde und die Herren der Botschaft auf uns. Es war gut, dass wir schon vor Wochen den Rückflug für den 6. September gebucht hatten; sonst hätten wir noch Tage in Kabul sitzen müssen. Auf der anderen Seite standen wir aber unter Zeitdruck, denn es galt noch eine Menge formaler Dinge innerhalb von vier Tagen zu erledigen. Leider mussten wir einiges davon, wie den Rücktransport der restlichen Bergausrüstung, dem deutschen Freund, Herrn Echtermann, bei dem wir wohnten, überlassen.

Über Moskau, Kopenhagen trafen wir fünf Hindukusch-Kundfahrer am 9. September in Hamburg ein. Hier endete die gemeinsame Fahrt.

Feedback