Eisbiwak am Galenstock

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VON W. K. RIEBEN, EVERETT, WASH., USA

Mit 1 Bild ( 93 ) Der Sommer 1963 war eine nasse Angelegenheit sowohl an der nordwestlichen Pazifikküste wie auch in den Schweizer Alpen. Im August traf man in den Strassen Zermatts lauter besorgte Bergsteiger, die Hörnlihütte und das Belvédère am Matterhorn wurden zu einem Sammelplatz enttäuschter Alpinisten. Als ich an einem Freitagmittag von dort fortging, war das Matterhorn von tiefen Wolken umhüllt. Ob ich wollte oder nicht, mir drängte sich ein Vergleich mit einer auf ein Begräbnis wartenden Gesellschaft auf. Fünf Tage vorher verliessen fünf Italiener die Hütte, um die Matterhornnordwand zu besteigen. Sie wurden vom Unwetter, dem grössten Feind der Nord-wandbesteigungen, überrascht und, wenn ich nicht irre, hat man seitdem von dieser Mannschaft nichts mehr gehört. So war die finstere aber realistische Einschätzung der Lage am Matterhorn, als ich schliesslich verzichtete. Das war mein zweiter misslungener Versuch.

Neben der Tragödie am Matterhorn hatte das schlechte Wetter mehrere alpine Katastrophen verursacht. Bis zu meiner Rückkehr blieb mir nur noch eine Woche übrig für Besteigungen auf den Schweizer Gletschern. Vier Tage vor meinem Abflug in Kloten lösten sich die Wolken auf und die lang ersehnte Sonne zeigte sich wieder. Einige gutgezielte Telefonanrufe - und schon hatte ich einen Haslitaler Bergführer verpflichtet. Am gleichen Tag trafen wir uns um vier Uhr in Meiringen. Was konnte man unternehmen in der kurzen, uns zur Verfügung stehenden Zeit, vorausgesetzt, dass die Wetterbesserung andauern werde?

Alle die üblichen Grossbesteigungen im Oberhasli und im Grimsel-Furkagebiet konnten nicht in Frage kommen. Die meisten Routen, die bei guten Sommerverhältnissen über apre Grate und schneefreie Felswände begangen werden können, waren mit einer dichten Schnee- und Eisschicht bedeckt. Zwei Möglichkeiten, obschon beide fraglich, blieben offen: das Sustenhorn und der Galenstock. Wir entschlossen uns für den Galenstock. Der Führer packte seine sieben Sachen zusammen, und schon waren wir unterwegs Richtung Guttannen und Grimselpass. Als wir am Grimselsee vorbei und über den grossen Staudamm fuhren, war das Wetter schön.

Am Grinselpass machten wir eine kurze Rast und plauderten mit einem für seinen originellen Charakter in der ganzen Schweiz bekannten siebzigjährigen Oberhaslibergbauer, dessen schöne Gesichtszüge und langer Bart mich in Bewunderung versetzten.

12 Die Alpen- 1965- Les Alpes177 Die Strecke von der Grimsel bis zum Furkapass ist so gut bekannt, dass es keinen Sinn hat, davon zu sprechen. Das Dorf Gletsch ist vor vielen Jahren in dem klassischen Werk der französischen Literatur « Tartarin dans les Alpes » von Alphonse Daudet sehr humoristisch beschrieben worden. Seitdem hat der elektrische « Glacier-Express » Brig—Disentis die vier- bis sechsspännigen Kutschen ersetzt. Auch der Verkehr ist nun sehr rege. Die grösste Änderung bedeutet jedoch der Rückgang des Rhonegletschers. Etwas Ähnliches kann man im Nordwesten der Vereinigten Staaten beobachten, am Mt. Rainier. Für viele von uns bietet dieser malerische und mächtige Gletscher mit seinem Zusammenschrumpfen einen traurigen Anblick. Die Tatsache, dass das gleiche mit den meisten Alpengletschern sowie auch an der nördlichen Pazifikküste geschieht, ist nur ein schwacher Trost.

Ohne anzuhalten fuhren wir über den Furkapass und einige Kilometer hinunter auf der anderen Seite bis zum kleinen Weiler Tiefenbach. Hier bogen wir ab und fuhren während 5-10 Minuten über einen steinigen Seitenweg, der für die Erschliessung der Lawinenverbaue ob Realp gebaut wurde. Dann hiess es den Wagen parkieren, die Bergschuhe schnüren, den Rucksack mit der ganzen Ausrüstung, Seil und Steigeisen schultern, den Pickel in die Hand fassen und uns gemütlich auf den Weg zur Albert Heim-Hütte machen. In etwas mehr als einer Stunde erreichten wir eine der schönsten SAC-Hütten. Sie trägt den Namen des berühmten Zürcher Geologen und Gletscherforschers. Seine Werke gehören zu den Klassikern der Wissenschaft, und das lange Leben des Autors ( 1849-1937 ) beweist, dass Bergsteigen vielleicht einer der wichtigsten Faktoren der Langlebigkeit ist. Es erhält nämlich das Herz jung!

Von der Albert Heim-Hütte hat man eine wunderbare Aussicht auf das Gletscherhorn, den Winterstock, den Siedeingletscher sowie den Galenstock, diesen stattlichen Berg mit einem breiten, sichelähnlichen eisbedeckten Gipfel, der eine Höhe von 3581 m, beinahe die Höhe des Fudschi-jamas, erreicht! In der Abenddämmerung eines Sommertages bietet der Galenstock einen eindrucksvollen Anblick und überrascht durch seine Grosse und seinen steilen Flanken. Er ist durch mächtige Gletscher auf der Westseite und verräterische Wächten auf der Südostseite gekennzeichnet. Seine steile Südostkante fällt gegen das Büelenhorn ab ( Sidelenhorn ).

Wir trafen in der Hütte einen jungen Studenten, der uns informierte, dass wegen des drei Wochen andauernden schlechten Wetters nur sehr wenige Bergsteiger die Hütte besucht hätten. Enttäuscht von den schlechten Aussichten eines Sommers war der amtierende Hüttenwart nach Hause zurückgekehrt.

Am nächsten Tag standen wir um 2 Uhr in der Früh auf, nahmen ein warmes Frühstück ein und verliessen um 3.10 Uhr die Hütte. Dieser sehr frühe Aufbruch war vor allem durch den vielen Schnee und das unsichere Wetter begründet. Unter einem glänzenden Sternhimmel lenkten wirunsere Schritte nach der Südwestwand des Sidelenstocks über den obersten Teil des Sidelengletschers. Hier, auf dem immer steiler werdenden Teil des Gletschers, fanden wir tiefen Neuschnee. Die ganze Tour machte den Eindruck einer Winterbesteigung, leider aber ohne Ski, welche auf dem Galenstock schwer verwendbar sind. Der Bergschrund war von grossen Schneemassen fast überdeckt. Wir kamen langsam vorwärts und steuerten zum Couloir, das zum tiefsten Teil des Grates führt. Über eine steile und steinige Rinne in der Südostseite des Grates erreichten wir schliesslich einen Punkt, von dem aus sich eine Aussicht auf den obersten Teil des Tiefengletschers auftat. Dieser Teil ist für die von den Strahlern im letzten Jahrhundert gefundenen wunderbaren Bergkristalle bekannt. Einige märchenhafte Gruppen von diesen Kristallen befinden sich im Berner Naturhistorischen Museum.

Während einer kurzen Rast, für einen zweiten Imbiss, demonstrierte mir mein Führer den « letzten Schrei der Kochtechnik »: einen Kochapparat mit Meta, der am Eispickel befestigt werden kannDann nahmen wir die « Pièce de résistance » der ganzen Besteigung in Angriff- leider nicht das einzige, wie sich in der Folge zeigen wird: - die lange und steile Eiswand in der Südostseite des Galenstocks. Der steilste Teil, meistens aus blankem Eis, schien mir sehr abweisend. Ich staunte, dass eine so steile Wand unter diesen Verhältnissen bestiegen werden kann. Mein Führer aber, ein Vertreter der guten Klasse von Eisgängern, zeigte mir, wie man es anpacken muss. Das Geheimnis besteht, neben tief eingehackten Stufen, in einer schon in der ganzen Welt angewandten, aber von ihm gemachten Erfindung, dem « Schweizer Eisschraubhaken ». Wie ich erfuhr, machte er diese Erfindung während seiner Tätigkeit als Instruktor der Gebirgstruppen: er bohrte den Zapfenzieher seines Taschenmessers ins Eis und dieser hielt fest! In der Folge entwickelte sich die Eisschraube in verschiedenen Formen. Diejenigen, die wir gebrauchten, waren lange, schlanke Ösenschraub-haken, in die man leicht einen Karabiner einführen kann, um das Seil daran zu befestigen. Wir verwendeten auch einige kurze und schlanke ösenschraubhaken mit exzentrischem Handgriff, die wie im Haushalt gebrauchte Bohrer aussahen. Zu meiner Überraschung können diese Schrauben in weniger als einer Minute ins blanke Eis eingedreht werden. Die Haltfähigkeit dieser speziellen Haken ist verblüffend, hängt jedoch auch von der Beschaffenheit des Eises ab. In den besten Verhältnissen können nicht weniger als 6 Mann an einem solchen Haken hängen.

Während wir uns durch diese technischen Hilfsmittel gesichert in der exponierten Strecke der Wand herumschlugen, bemerkten wir einen uns beunruhigenden Wetterumschlag. Vom Westen her zogen grosse Wolken heran, und es erhob sich ein eiskalter Wind. Da der Gipfel in Sicht war, waren wir beide einig, trotz den an diesem 20. August herrschenden Witterungsverhältnissen weiter zu steigen. Nach einem harten Kampf, während dem der Führer unzählige Stufen schlug, erreichten wir das Ende der Eiswand. Was ich bei meinen früheren Besteigungen nicht gewagt hätte, war jetzt unter der Leitung eines bewährten Bergführers und mit Hilfe seiner Eisschraubhaken, gelungen. Nun waren wir in den Felsen des höchsten Gratteils, die meistens mit einer tiefen Schneeschicht bedeckt waren. Doch bald liess die Steilheit des Grates etwas nach. Nach einem halbstündigen Ringen mit den Schwierigkeiten, kurz nach 11 Uhr, näherten wir uns dem Gipfel des Galenstocks. Das Wetter war miserabel: dichter Nebel und Wolken, heftiger Wind mit Riesel und beinahe keine Sicht. Angesichts der offensichtlichen Gefahr schlug ich vor, über unsre Aufstiegsroute in die Albert Heim-Hütte abzusteigen. Mein Vorschlag wurde aber freundlich abgewiesen mit dem Argument, der Abstieg zum Rhonegletscher und weiter zu Furka-Belvédère würde etwa zwei Stunden weniger in Anspruch nehmen und dazu noch leichter sein. In den folgenden 4-5 Stunden kam der Führer jedoch der schlechten Sicht wegen von der Abstiegsroute ab. Stunden später gerieten wir auf einen falschen und unbegehbaren Grat, der sich plötzlich und unerwartet in steilen Eiswänden und hoffnungslosen Abstürzen verlor. Beidseitig von diesem Grat schienen die Felsen fast senkrecht auf einen tief unten liegenden Gletscher abzustürzen. Zuerst versuchten wir, den Grat systematisch zu erkunden; die Wolken boten aber keine Lücke, die uns eine Möglichkeit gegeben hätte, uns zu orientieren und festzustellen, wo wir uns befanden und ob wir uns gegen den Rhonegletscher oder den Sidelengletscher richteten. Schliesslich mussten wir feststellen, dass wir uns, ohne Kompass oder Merkpunkt, beim Abstieg vom Gipfel völlig verirrt hatten.

Es war gegen 16.30 Uhr, als der Führer in Verzweiflung geriet und ausrief: « Wir sind verloren! » « Geben Sie nicht auf », erwiderte ich, « wir können die Nacht hier in den Felsen verbringen. Suchen wir eine Grotte oder einen überhängenden Felsen! » - Das wollten wir tun, aber konnten nichts Passendes finden, und es blieb uns nichts anderes übrig, als über den gleichen Grat, der gar nicht zum Rhonegletscher hinunterführte, wieder bis zum Gipfel aufzusteigen. Schon mehr als 14 Stunden waren wir unterwegs auf einer anfänglich schönen, aber dann immer heikler werdenden Kletterei!

Wir waren uns dessen bewusst, dass es sehr schwer sein würde, zu dieser späten Stunde den Galenstock zu erreichen. Dank der Anstrengungen des Führers, der Stufe um Stufe ins blankgefegte Eis schlug, erreichten wir den Gipfel wieder. Meine vorübergehende Erschöpfung wich einem allmählichen Optimismus, und ich fand meine Energie wieder, als ich sah, wie der Führer mit unbehand-schuhten Händen in den Eishang die Stufen schlug. Nach einem mühsamen Steigen, das einem eigentlichen Kampf ums Leben glich, standen wir abends um halbsieben Uhr auf dem Galenstock, wo uns dichter Nebel und ein eiskalter Wind empfingen. Ohne anzuhalten, begannen wir sofort den Abstieg über den Felsgrat, über den wir aufgestiegen waren. Obschon teilweise mit Pulverschnee gefüllt, waren die Stufen, die wir am Morgen gehackt hatten, an einigen Stellen noch sichtbar. Zuerst marschierten wir zusammen, dann erreichten wir den steilen Eishang und stiegen mit Eishakensicherung ab. Oh Wunder! Die Verhältnisse in der Wand erwiesen sich als ideal für einen schnellen Abstieg. Unsre Geschwindigkeit überraschte sogar den Führer. Eine Stunde später erreichten wir den unteren Teil des Südostgrates. Eine breite Schneewächte fällt steil in den nordöstlichen Teil des Sidelengletschers ab. Wir vereinigten Hast und Vorsicht, um nicht in eine schneebedeckte Spalte zu geraten oder mit einer Wächte abzubrechen. Die Sicht wurde immer schlechter. Es war das frühe Ende eines Sommertages unter Winterbedingungen. Dank einer letzten Anstrengung überquerten wir den waagrechten Teil des Grates, der vom Galenstock zum Sidelenstock führt. Mit grösster Raschheit hatten wir das beinahe Unmögliche vollbracht. Zweimal in einem Tag hatten wir den Galenstock bestiegen und uns aus einer anscheinend hoffnungslosen Lage herausgebracht. Wir rutschten das Schneecouloir hinunter. Als wir den Gletscher beim Bergschrund erreichten, zeigte meine Armbanduhr 20.10 Uhr!

Wir dachten, das Schlimmste sei hinter uns, wir seien gerettet. Aber die Illusion dauerte nicht lange. Als der Führer seine Lampe einschalten wollte, verweigerte diese ihren Dienst. Es erwies sich, dass die beiden Reservebatterien in seinem Rucksack auch kaputt waren. Denn oft genug summieren sich die Unannehmlichkeiten! Sollten wir einen nächtlichen Abstieg über den steilen Gletscher, im dichten Nebel und dazu noch ohne Licht wagen, oder uns zu einem unerwarteten Biwak unter winterlichen Verhältnissen auf ungefähr 3000 m Höhe auf dem Gletscher entschliessenDas Risiko eines nächtlichen Abstiegs ohne Licht über den stark zerschrundeten Gletscher, wo die Spalten unter einer dicken Schicht von Neuschnee lagen, war viel zu gross. Obschon man unter normalen Verhältnissen in etwa zwei Stunden die Albert Heim-Hütte hätte erreichen können, waren wir gar nicht sicher, dass es uns gelingen würde, sie unter den gegebenen Bedingungen in der Nacht zu finden.

Schliesslich richteten wir uns in einer Spalte, am Band der Felswand ein. Die Spalte war teilweise mit einer Schneebrücke bedeckt. Mit meinem Pickel schnitt ich einige Schneeziegel aus, und es gelang mir, den Eingang unserer seltsamen Eisunterkunft, den « Spalten-Iglu Swiss Style Modell 1963 » teilweise zu decken. Mein Rucksack diente als Matratze. Mein Führer lieh mir liebenswürdigerweise warme Unterwäsche, denn es fehlte in meiner Ausrüstung das nötige Material für einen Eisbiwak. Schlafsack, warme Unterwäsche und Pullover hatte ich der Gewichtbeschränkungen im Luftverkehr opfern müssen. Die ganze Nacht zitterte ich wie ein Blatt ( ein Verteidigungsmechanis-mus des menschlichen Körpers gegen extremen Wärmeverlustkein Wunder bei der unpassenden Bekleidung, der Müdigkeit und dem uns fast auf allen Seiten umgebenden Blankeis! Um Mitternacht fragte mich der Führer, ob ich daran sei, die Flinte ins Korn zu werfen. Ich antwortete: « Nie! Aber lassen Sie uns mit ihrem „ Eis-Pickel-Koch-Apparat " etwas Warmes zubereiten! ». So tat er! Und nach jeder Tasse war ich wieder einmal überzeugt, dass Teetrinken seine guten Seiten habe. Die Nacht zog sich unendlich in die Länge. Unser Eiskeller war viel zu kalt, um den Schlaf finden zu können. Meine Füsse « rasteten » auf blankem Eis. Ein Bein begann gefühllos zu werden, und ich musste es warmreiben. Es war die längste, miserabelste und denkwürdigste Gebirgsnacht meines Lebens! Sogar der Führer musste zugeben, dass er noch kein so unfreundliches Eisbiwak habe durchsitzen müssen. Die Stunden schienen kein Ende nehmen zu wollen. Um 4 Uhr schauten wir nach dem Wetter aus. Es war ebenso schlecht wie in der Nacht, und zudem war es noch ganz dunkel.

Gegen 6 Uhr war die Operation « Eisbiwak Galenstock » zu Ende, und es begann eine neue Etappe unseres Abenteuers, der Abstieg über den eingenebelten Sidelengletscher. Aber wir hatten eine der schwersten Prüfungen überstanden, die ein Bergsteiger erleben kann, bevor er erfriert. Trotzdem waren wir guter Laune und in guter Form. Während aller den verhängnisvollen Stunden herrschte zwischen uns die beste Eintracht. Der gemeinsame Kampf gegen die von einem Wetterumschlag verursachte grosse Gefahr war etwas Eigenartiges! Kurz vor 8 Uhr erreichten wir die Albert Heim-Hütte, einige Minuten vor der Ankunft des ersten Mitglieds einer Rettungskolonne der Sektion Oberhasli des SAC. Wir freuten uns alle über das Ende unsres Abenteuers. Der junge Student aus der Hütte wurde sofort nach Tiefenbach abgeordnet, um telephonisch zu melden, dass wir beide wohlbehalten waren.

Hier begegnete ich zum ersten Male dem Schweizer Bergführer Hilty von Allmen, dem ersten Ersteiger des Matterhorns über die Nordwand. Er war in der Nacht zur Hütte aufgestiegen, um nach uns umzuschauen. Er fand uns nicht und wusste schon, dass wir irgendwo auf dem Weg vom Galenstock zum Rhonegletscher waren. Um Mitternacht kehrte er nach Tiefenbach zurück, bot die Oberhasli Rettungsmannschaft auf und benachrichtigte den Gletscherpiloten Geiger. Dann stieg er wieder auf, mit der Rettungsausrüstung. Einige Stunden später waren wir zurück bei unsren Wagen, wo Familie und Freunde schon auf uns warteten. Dann versammelte sich die ganze Ober-hasli-Rettungsmannschaft. Ein Teil war schon über den Rhonegletscher hinaufgestiegen. Dank der Funkausrüstung konnten die Leute rechtzeitig zurückgerufen werden. Zu der 20 Mann starken Rettungsmannschaft gehörten bekannte Bergsteiger und Bergführer. Alle, vom Führer, Tierarzt und Arzt bis zum Verwalter und Angestellten hatten ihre tägliche Beschäftigung verlassen, um uns zu Hilfe zu eilen.

Bei unserm Zusammentreffen zu Belvédère-Furka wurden nur wenige Worte gesprochen. Aber man war sich nahe. Kameradschaft während der 17 Stunden der Besteigung und der endlosen Nacht im Eisbiwak, dann der Einsatz der BergkameradenWir schienen unbeschädigt davon gekommen zu sein.

Mit der Zeit, der Entfernung und der wertvollen menschlichen Fähigkeit, zu vergessen und zu verzeihen, wird das Eisbiwak auf dem Sidelengletscher allmählich etwas weniger eisig, und goldne Striche kommen zum Vorschein. Es nimmt als wertvolle Erfahrung die ihm zukommende Stellung in meiner langen Bergsteigerkarriere ein, die sich über die ganze Erdkugel von der Küste vom Puget Sound und dem Mount Rainier in Nordamerika bis zum Fudschijama in Japan und von Nepal bis zu den stolzesten Gipfeln der Schweizer Alpen erstreckt!

( Übersetzung aus dem Englischen von Nina Pfister )

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