Erhalt der Kulturlandschaft

«Der Preis der Landschaft,Durch Walserland» und «Es braucht eine Trendwende», «Die Alpen» 09/2015

Vor 500 Jahren galt Rimella als reichste Gemeinde im Val Sesia. 12 Notare hatten hier ihren Sitz, wogegen es bloss 45 Notare im ganzen Piemont gab. Während die Unteilbarkeit des Hofes, wie man sie auf der Alpennordseite kennt, die Grundlage für den Wirtschaftserfolg legte, forderte der staatliche Zwang zur italienischen Realteilung den Beginn einer fortdauernden Negativspirale mit Güterzerstückelung und Investitionsstau. Rimmen/Rima war dank Spezialisierung nach Köpfen im 19. Jahrhundert die reichste Gemeinde Italiens, diese Gebiete waren früher nicht «rückständig», sie wurden politisch dazu gemacht. Die erfolgten Rückschlüsse sind falsch, nicht das Geld macht den Unterschied zur Schweiz aus, nicht die Frage, ob man sich die «bäuerliche Landschaft noch leisten kann». Das ist eine dümmlich-einfältige Frage von Leuten, die der Volkskultur entwischt sind und keinerlei praktische Fachkenntnisse vorweisen können. Das Hauptproblem ist die italienische Politik und ihre realitätsfremden Gesetze. Bätzing irrt, in Italien sind die Alpen bereits als Spielball urbaner Vorstellungen verunstaltet oder sich selbst überlassen. Eine Trendwende muss sein, aber nicht mit faden Vorschlägen, ohne das Hauptproblem zu nennen: Die Entwicklung geht bewusst zulasten ethnischer Minderheiten im Piemont und deren Kultur (Waldenser, Okzitaner, Französisch- und Alemannischsprachige), da nützen EU-Förderprogramme rein gar nichts. Seit Jahrzehnten liegt die Region in einer volkswirtschaftlichen Negativspirale, es gibt keine Innovationen. Die staatlichen Vorschriften sind Ideenkiller und Blockierer jeglicher Selbstinitiative sowie zur Zumutung für die letzten Landwirte und Helfer geworden.

Der Bergfreund sollte hier nicht nur «durchhuschen», warum z.B. nicht drei Mal in Rimella übernachten und die Gegend näher erfahren?

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