Grand Teton National Park (USA)

Hinweis: Dieser Artikel ist nur in einer Sprache verfügbar. In der Vergangenheit wurden die Jahresbücher nicht übersetzt.

Richard Hertach ( Text ) und Peter Weibel, Bern ( Photos ) John Herold kleidet sich immer noch wie ein « Mountain Man>, wie hier die Pioniere genannt wurden. Von der Filmindustrie wurde er schon zweimal als Statist engagiert Der des Yellowstone National Park Auf seinem langen, verschlungenen Weg nach Westen durchfliesst der Snake River ( der ) eine ganze Reihe aussergewöhnlicher Landschaften. Bald zwängt er sich durch tiefe Schluchten, bald verliert er sich in weiten Ebenen. Wasserfälle von gewaltiger Höhe wechseln mit Abschnitten von majestätischer Ruhe, kaum berührte Idylle mit von Menschenhand angelegten Stauseen. Das Quellgebiet des Snake River liegt zwischen zwei der schönsten Nationalparks von Nordamerika: dem Yellowstone und dem Grand Teton National Park.

Mit seiner alpinen Welt im Westen, seiner Fluss- und Seenlandschaft im Zentrum und seinen Ebenen im Osten bietet der Grand Teton National Park jedem, der sich die Zeit nimmt und abseits der Strasse einen Halt einschaltet oder gar eine Wanderung durch die Wildnis unternimmt, unvergessliche Eindrücke von atemberaubender Schönheit und zugleich von einer Stille und Naturnähe, wie sie der moderne Stadtbewohner nur noch selten antrifft. Es ist zwar möglich, auf dem Rockefeiler Parkway innerhalb weniger Stunden den Park zu durchfahren, allenfalls in einem der Visitor Centers eine Informationsschrift in Empfang zu nehmen, um dann gleich nach Norden zum

Landschaft, Tier- und Pflanzenwelt Allgegenwärtig, den Blick stets von neuem auf sich ziehend, erstreckt sich vor den Augen des Besuchers die gewaltige Kette der Tetons, deren höchster Gipfel 4197 m erreicht. Dieser Gebirgszug setzt sich nach Norden fort mit meist über 3000 Meter hohen Gipfeln, die voneinander durch tief eingekerbte Täler getrennt sind. Das Tal am Fusse der schroff abfallenden Kette gleicht hingegen mehr einer lieblichen weiten Ebene, durch die der Snake River in sanften Mäandern dahinfliesst.

Mindestens drei Eiszeiten haben in den letzten 200000 Jahren die Landschaft geformt. Das Gebiet wurde von riesigen Gletschern bedeckt, deren langsam nachstossende Eismassen allmählich das Tal ausebneten. Nach ihrem Rückzug hinterliessen sie ihre Spuren in Form von Moränen, erratischen Blöcken und Sturm über den Teton-bergen und dem Jackson Lake, dem grössten See im Grand Teton National Park Seen. Fast alle Seen im Park sind somit glazialen Ursprungs, befinden sich demnach meist am Ausgang eines Seitentales und werden durch den dieses Tal entwässernden Bach gespeist.

Eine Ausnahme bildet der grösste der Seen, der Jackson Lake. Obwohl ebenfalls ein Gletschersee, erhält er sein Wasser zum Grossteil vom Snake River, der auch den Abfluss bildet. Der Jackson Lake weist eine weitere Besonderheit auf: Seit 1917 ist er durch einen Damm gestaut, um Wasser für die Bewässerung von Farmen im benachbarten Idaho zu gewinnen.

Die eiszeitlichen Klimaveränderungen haben natürlich auch den Aufbau des Bodens von Jackson Hole, wie das Tal wegen seiner Abgeschlossenheit genannt wird, geprägt: Grobkiesiges Grundmoränenmaterial wechselt mit zwischeneiszeitlichen, feinstkörnigen Löss-Ablagerungen, deren Mächtigkeit sich zwischen wenigen Zentimetern und mehreren Metern bewegt. Dabei sind die groben Kiese der oberen Schichten der Talsohle stellenweise derart durchlässig, dass sie nur wenig Wasser zurückhalten. Bei Regenfällen versickert der Niederschlag deshalb sofort oder An der Moose Entrance Station nimmt ein Tourist einige Broschüren über den Park in Empfang.

Tief verschneit liegt das Snake River Tal vor dem Grand Teton ( hinten links ).

Er ist 4197 m hoch und hat dem Park den Namen gegeben.

fliesst seitwärts ab. Nur wenige Arten von sehr genügsamen Gräsern und Kräutern ( z.B. Salbei ) gedeihen auf diesem kargen Untergrund. Hingegen wachsen auf den feinkörnigeren Böden der Moränenhügel, die das Wasser besser zurückbehalten, Nadelhölzer, und entlang den Flussufern begegnet man Laubbäumen wie Espen, Erlen und Weiden. Insgesamt haben etwa 700 Pflanzenarten im Park ihre Heimat gefunden.

Auch die Tierwelt ist gut vertreten. Wer sich Zeit und Musse nimmt, wird Gross-Säuger, darunter den Elch, den Wapitihirsch, die Pronghorn-Antilope, Rehe, Dickhornschafe und vielleicht sogar einen Puma zu Gesicht bekommen. Ebenso trifft man auf zahlreiche Kleintiere wie Hasen, Dachse, Wiesel und Marder, Stachelschweine, Eichhörnchen, Mäuse und Vögel. Reges Leben herrscht in den Flüssen und Seen. Berühmt ist der Snake River für seine ( Cutthroat Trouts>, eine Forel-lenart, die nicht nur die Sportfischer anlockt, sondern auch dem Otter und dem Weisskopf-seeadler als willkommene Beute dient.

Der Mensch als Störfaktor Diese vielfältigen Lebensformen bildeten einst ein ausgewogenes Ökosystem, in das dann der moderne Mensch mit seinen Platzan-sprüchen, seinen Strassen, Häusern und Zäunen einige Unordnung gebracht hat. Erst heute gelingt es mit viel Aufwand, das gefährdete Gleichgewicht in diesem Gebiet wieder einigermassen stabil zu halten. Die dabei auf- 149 tretenden Probleme lassen sich besonders deutlich am Beispiel des Wapitihirsches zeigen. In früheren Jahrhunderten durchwanderten die im südlichen Yellowstone und im nördlichen Teton National Park beheimateten Herden jeden Herbst Jackson Hole Richtung Süden. Wegen seiner tieferen Lage fällt dort während des Winters weniger Schnee, und die Tiere gelangen leichter an ihr Futter. Nun aber wurde dieser für das Überleben entscheidende Zugang zu einem grossen Teil der südlicheren Weidegründe durch die Gründung und Entwicklung der Stadt Jackson versperrt. Die mehr als zehntausend Wapitis sahen sich am Weiterziehen gehindert und damit in einem für sie ungünstigen Gebiet blockiert. Das hat angesichts der anfänglich sehr harten Winter für viele den Tod bedeutet. Um diese Tiertra-gödie zu stoppen, wurde im Jahr 1912 nördlich von Jackson ein geschütztes Revier eingerichtet, das Jackson Hole National Elk Refuge. Hier werden die Wapitis nun soweit notwendig mit alfa/fa pellets, einem Granulat aus dem Gras der Luzerne, gefüttert. Durch diese künstliche Fütterung hat man jedoch die natürliche Regulation der Herdengrösse weitgehend ausgeschaltet, so dass die Bestände immer mehr anzusteigen begannen. Um eine unkontrollierte Entwicklung zu vermeiden, musste die Population künstlich in Grenzen gehalten werden. Seit 1950 ist deshalb in beschränktem Rahmen die Jagd auf diese Tiere erlaubt.

Die ersten Einwanderer Als Anfang des 19. Jahrhunderts die ersten Weissen ins Tal kamen, war es nahezu unberührt. Vor ihnen hatten nur die Ureinwohner, Indianer verschiedener Stämme wie Shoshone, Crow und Blackfeet, übersömmert. Für die vorwiegend nomadisch lebenden Indianer waren die Winter hier bereits zu hart, während in den anderen Jahreszeiten die Natur den Sammlern und Jägern reichlich Nahrung bot.

Nach der Überlieferung gilt John Colter als erster Weisser, der Jackson Hole betrat. Er war Mitglied jener denkwürdigen Expedition von Lewis und Clark, die 1807 im Auftrag der Missouri Fur Trade Company von St. Louis bis zum Pazifik vorstiess. Auf dem Rückweg, den Colter allein angetreten hatte, durchquerte er im Winter 1807/08 das ganze Gebiet des heutigen Nationalparks.

Nach ihm kamen Abenteurer und Pelzjäger; Namen wie Jedediah Smith, William Sublette, Kit Carson und David Jackson - nach letzterem wurde das Tal benannt - tauchten auf.

Die Biber waren bald einmal nahezu ausgerottet, so dass ein Aufenthalt nun nicht mehr lohnte. Da auch keine besonderen Bodenschätze entdeckt wurden, kehrte wieder Ruhe ein, und Jackson Hole geriet trotz verschiedener Forschungsexpeditionen, die die Gegend durchquerten, in Vergessenheit. Nur die Indianer verbrachten nach wie vor ihre Sommer im Tal.

Alpinistische Erschliessung Mit einer dieser Expeditionen - Hayden 1872 - begann eine Jahrzehnte dauernde Auseinandersetzung um die Erstbesteigung des höchsten Gipfels, des Grand Teton, und der Name wurde wieder bekannt. Nach Haydens Bericht haben zwei Teilnehmer, Stevenson und Langford, den Gipfel erreicht. Trotzdem galt lange Zeit William D. Owen als Erstbesteiger, der nach vielen missglückten Versuchen 1898 die Besteigung schaffte und vehement die Leistungen Stevensons bestritt, was schliesslich sogar in einer im Fels eingelassenen Gedenktafel seinen Niederschlag fand.

Die Siedler kommen Im Jahre 1884 kam der erste homesteader, John Holland, um sich hier niederzulassen. Von da an nahm die Bevölkerung langsam und stetig zu, wobei sich - neben den Siedlern -auch bald zwielichtige Gestalten einfanden, die einige Unruhe ins Land brachten ( noch um die Jahrhundertwende wurden zwei Viehdiebe standrechtlich erschossen ). Eine bewegte Zeit hatte begonnen, die des ( Wilden Westens ). Heute gehört Jackson zu den traditionsreichsten Orten des Old West, woran der ( Shoot Out>, ein während der Touristensaison allabendlich aufgeführtes Schauspiel, erinnert.

Die meisten Siedler waren Viehzüchter, die infolge des rauhen Klimas und der anfänglich schlechten Verbindungswege ein hartes Dasein führten. Orte wie Jackson und Moran entstanden. Die Gründung des Parks liess aber auf sich warten. Ein wesentlicher Grund hierfür war die schon 1872 erfolgte Proklamation des Yellowstone National Park, dessen geo-thermale Aktivitäten die Aufmerksamkeit der Besucher fesselte und damit die wesentlich kleinere und touristisch kaum erschlossene Welt des Jackson Hole übersehen liessen. Nur so lässt sich erklären, dass die Tetons bei der Gründung des Yellowstone nicht gleich miteinbezogen wurden.

Gründung und Ausbau des Grand Teton National Park 1929 aber war es soweit. Etwas südlich des Yellowstone wurde der Grand Teton National Park errichtet, der jedoch vorerst nur aus der Gebirgskette selbst und einigen Seen bestand. In diesem beschränkten Umfang war der Park aber jenen, die sich vehement für ihn eingesetzt hatten, zu klein. Nach ihrem Dafürhalten sollte der Gebietsteil, von dem aus die Schönheit der Teton Range erst richtig zur Geltung kommt - das Tal des Snake River -, ebenfalls zum Park gehören. Um diese Fragen entspann sich unter den Bewohnern alsbald ein regelrechter Streit. Die Befürworter glaubten an den kulturellen und wirtschaftlichen Stolz führt eine Kanadagans ihre Jungen spazieren Aufschwung, den ein vergrösserter Park mit sich bringen würde, während die Gegner einen übermässigen Bevölkerungszuwachs mit allen seinen Konsequenzen befürchteten. Es blieb schliesslich zwei Männern vorbehalten, die entscheidende Wende in diesem Konflikt herbeizuführen: Horace Albright, damals Superintendent des Yellowstone National Park, und dem Milliardär John D. Rockefeller Jr.

1926 bereiste Rockefeller in Begleitung von Albright während zwölf Tagen das Yel-lowstone-Gebiet und die Tetons. Die Schönheit der Gegend hinterliess in ihm einen starken Eindruck. Schon im folgenden Jahr begann er - durch die Snake River Land Company - in Jackson Hole Privatland aufzukaufen. In der Folge schenkte er das gesamte erworbene Land der Nation als Teil des Grand Teton National Park. Diese grosszügige Geste wurde allerdings von vielen missverstanden.

um so mehr, als Rockefellers Name später mit der Company und ihren Geschäften in Verbindung gebracht wurde und man sofort versteckte Vereinbarungen zwischen Staat und Kapital witterte. Angesichts zahlreicher Widerstände verstrich noch viel Zeit, bis der ursprüngliche kleine Park mit den vorerst als National Monument zusammengefassten Gebieten aus den Donationen Rockefellers und weiterem Privatland im Jahre 1950 unter dem Namen Grand Teton National Park vereinigt werden konnte. Inzwischen hat die Entwicklung den Bemühungen jener Recht gegeben, die sich für den Park in der heutigen Form eingesetzt haben.

Die einzigartigen landschaftlichen Schönheiten und der Reichtum der Tierwelt blieben nicht unbemerkt. Das Interesse am Park wuchs, worauf erfinderische Ranchers ihre Farmen als Dude Ranches, Ferien- und Ver-gnügungsfarmen, einzurichten und zu betreiben begannen. Damit hatte die Stunde des Tourismus geschlagen. Heute werden jährlich bereits drei Millionen Besucher registriert; dies bei zunehmender Tendenz.

Natur oder Ferienparadies?

Der Park bietet alles, was der Feriengast benötigt. Auch demjenigen, der nicht nur die Natur erwandern will, stehen unzählige Möglichkeiten offen, seine Freizeit gemäss seinen persönlichen Bedürfnissen, zu gestalten ( dazu gehören u.a. Bergsteigen, Fischen, Wassersport, Reiten und Jagen ). Einige Gegebenhei- ten des Parks sind mit unseren landläufigen Vorstellungen eines Nationalparks allerdings nur schwer vereinbar. So gibt es künstlich gestaute Seen, einen kontrollierten Flusslauf, Fischzuchten und die Jagd. Daneben finden sich ein Flugplatz, eine Autostrasse und viele weitere Zeugnisse menschlicher Zivilisation, die die Infrastruktur eines Erholungsgebietes mit sich bringt.

Das Hauptproblem besteht jedoch wohl darin, dass eben durch den zunehmenden Touristenstrom eines der Wesensmerkmale des Parks verlorenzugehen droht: Die hier herrschende Ruhe und die Ferne von jedem städtischen Leben - kurz, seine natürliche Ursprünglichkeit.

Allerdings wird ein Nationalpark stets auch vom Menschen für den Menschen geschaffen. Je nachhaltiger deshalb die Wirkung ist und der echte Nutzen, der aus einem Besuch gezogen werden kann, desto besser erfüllt der Park seinen Zweck. Nur darf das nicht dazu führen, dass ein solcher Park zum reinen Konsumgut oder zur blossen Reiseattraktion wird, die man sich nur zum Ziel erkoren hat, weil man sie . Hier muss sicher ein Umdenken stattfinden! Der Grand Teton National Park muss erlebt werden in seiner ganzen Vielfalt, seiner Grösse und seiner Schönheit. Er soll den Menschen wieder jenen Bereich näherbringen, der ihm fremd geworden ist: der Natur.

Im Herbst wandern die Wapitihirsche in tiefere Regionen. Wegen der geringeren Schneeauflage ist es dort einfacher, das Futter hervor-zuscharren.

Feedback