Hautes Routes

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Mit 2 Bildern ( 209, 210Von Max Oechslin

Der Name « Haute Route » ist für den Bergsteiger zu einem Begriff geworden. Er zeichnet fürs erste die Hochpässe, die aus dem Mont-Blanc-Gebiet zu den Zermatter Bergen hinüberführen, aus dem Tal von Chamonix über den Col d' Argentière ins Val Ferret, zwischen den Felstürmen und Felsbastionen des Tour Noir und des Mont Dolent; über den Col des Planards in das sagenumwobene Val d' Entremont nach Bourg-St-Pierre, diesem altehrwürdigen Bergdorf am ereignisreichen Passweg des St. Bernhard; dann das Valsorey hinauf, am Grand Combin vorbei über den Col de Sonadon nach Chermontane, mitten im Gletscherkessel des hintern Val de Bagne; weiter über den Glacier d' Otemma zum Col d' Oren hinauf und hinab nach Prarayé im italienischen Valpelline und über den Untern Tza-de-Tza-Gletscher zum Col de Valpelline und ins Zermattertal hinüber, oder vom Glacier d' Otemma auf dem direkten Weg über den Col des Points d' Oren zum Col de l' Evêque, den obern Arollafirn zum Col du Mont Brulé querend und über die Gletscherterrasse des Glacier de Tza zum Col de Valpelline und hinab über Die Alpen - 1946 - Les Alpes27 den Stockjegletscher und den Zmuttgletscher nach Zermatt, längs dieser einzigartigen Route am Fuss der Dent d' Hérens und des Matterhorns! Von Zermatt aus sind die Wege, die nach dem Saasertal über die Gletscherwelt der Dom-Monte-Rosa-Berge führen, zahlreich: Gornergletscher-Schwarzen-berg-Weisstor-Schwarzenberggletscher nach Mattmark, Gornergletscher oder Findelengletscher -Adlerpass -Allalin - Saas-Fee oder Täsch-Alphubeljoch-Saas-Fee.

Im Jahre 1861 wurde diese Haute Route von Mitgliedern des britischen « Alpine Club » zum erstenmal begangen, als sommerliche Hochfahrt. Im Januar 1903 waren es vier Männer aus Chamonix: Dr. Payot, J. Coutet, A. Simond und J. Ravanel, welche es erstmals wagten, mit Ski und Schneereifen die Haute Route zu begehen; im Februar des gleichen Jahres folgten Dr. Helbling, F. Reichert und Anatole Pellaud. Im Jahre 1908 gelang es M. Beaugard mit J. und E. Ravanel in drei Tagen von Chamonix nach Zermatt zu gelangen bei hochwinterlichem Januarwetter. 1911 folgten Begehungen von F. F. Roget und Marcel Kurz mit den Brüdern M. und J. Crettex, L. Murisier und L. Theytaz. Die Seilschaften wurden immer zahlreicher, welche die Haute Route begingen und dabei prächtige Gipfelbesteigungen mit einflochten. Heute ist sie zu einer Skifahrerroute geworden! Möge sie nicht zu einer Piste werden! Denn die Walliser Haute Route führt durch die Gipfel- und Gletscherlandschaft der Drei- und Viertausender mit all deren besondern Schönheiten, aber auch all deren besondern Gefahren. Ein Wetterumschlag wirkt sich in dieser Region viel schärfer und gefahrvoller aus als in den Talgebieten, wo noch Gebüsch und Wald oder menschliche Siedelungen zu treffen sind. Wer aber das Glück hat, im strahlenden Sonnenschein diese Haute Route zu begehen, der geniesst eine Hochwelt, die gleich einer kleinen Himalaya-Fahrt bewertet werden darf. ( Man lese und beschaue André Rochs Buch über « die Gipfelwelt der Haute Route zwischen Mont Blanc und Saas-Fee » !).

Im Verlauf des letzten Jahrzehntes haben sich auch in andern Gebieten unserer Alpen Hochwege ergeben, die wir als Haute Route bezeichnen dürfen. Da ist einmal die Berner-Oberland-Haute-Route, die in Adelboden oder Leuk begonnen werden kann und durch Wildstrubel- und Gemmigebiet nach Kandersteg oder Leukerbad führt. Von Kandersteg steigt man durch das Gasterental und über den Lötschenpass ins Lötschental, von Leukerbad aus über den Ferdenpass oder die Gitzifurgge ins Lötschental, von dem aus der Weg über die Lötschenlücke ins Firn- und Gletschergebiet des Aletsch führt. Zahlreich sind die Hochgipfel, die hier zu winterlicher Begehung einladen: Mittaghorn, Ebnefluh, Kranzberg, Jungfrau, Mönch, Fiescherhörner, Aletschhorn und wie sie alle heissen. Die winterlichen Bergsteiger kennen ja fast keine Grenzen mehr! Von der Konkordiahütte, diesem C. Haus inmitten einer einzigartigen Gletscher- und Bergwelt, führt der Weg über die Grünhornlücke zum Fiescherfirn und Galmifirn, über das Oberaarjoch zum Oberaargletscher oder über das Studerjoch zum Unteraargletscher und ins Grimselpassgebiet. Auch ist ein Anschluss an den Unteraargletscher über den Lauteraarfirn und den Lauteraarsattel zum Grindelwaldfirn möglich, von wo über Rosenegg zum Gauligletscher und Urbachtal oder über Renfenjoch zum Urbachtal oder nordwärts nach Rosenlaui gelangt werden kann.

Ostwärts schliessen die Gotthard-Haute-Route und die Innerschweizer Haute Route an, die allerdings nicht mehr im Bereich von Viertausendern liegen, aber nicht minder reich an winterlichen Schönheiten sind. Die Fahrt von der Grimsel über Nägelisgrätli zur Furka, über Tierberg, Muttengletscher, Leckipass, Wyttenwassergletscher zur Rotondohütte, dann über Piz Lucendro und Fibbia zum Gotthardpass, über den Sellapass und die Hänge der Wildmatt zum Maigelspass und über den Passo Pian Bornengo oder direkt über Passo la Rossa zur Cadlimohütte und hinaus nach Sta. Maria auf dem Lukmanier bietet nicht nur auf der Route selbst schönste Hochgebirgslandschaft, sondern auch Gelegenheit zu prächtigsten Gipfelbesteigungen, wie: Dammastock, Galenstock, Leckihorn, Pizzo Rotondo, Pizzo Centrale, Piz Blass und andere. Auch ein Anmarsch vom Simplonpass her ist möglich über Monte Leone, Alpe Veglia, Ritterpass, Binn, Ofenhorn, Hohsandgletscher, Griespass, Nufenenpass und das Bedrettotal hinaus nach Airolo, von wo der Anschluss zur Gotthardroute geiunden werden kann. Schon um die Jahrhundertwende wurden weite Strecken dieser Gotthardroute von den Fortwächtern befahren, als die Ski bei der Truppe noch wenig Beachtung fanden!

Etwas mühsamer und gefahrvoller ist die Route, die von der Grimsel über das Nägelisgrätli zum Rhonegletscher führt, über diesen hinauf zur Triftlimmi, über den Triftkessel zu den Tierbergen und zur Tierberglihütte, über den Steingletscher zum Sustenpass hinüber ins Meiental und Urnerland. Dammastockgruppe und Sustenhorngebiet bieten prächtige Gipfelbesteigungen. Aus dem Urnerland ergeben sich verschiedene Möglichkeiten, die Innerschweizer Haute Route durch das Hüfi-Tödigebiet ins Glarnerland fortzusetzen oder vom Gotthardpass aus über Andermatt und Oberalp Anschluss zu finden an die Glarner Route: Oberalp, Rueras, Val Milar, Mittel-platte, Etzlihütte, ein an Naturschönheiten reicher Weg; dann weiter über Krüzlipass, oberes Strimtal zur Aultlücke und auf den Brunnifirn, wobei die Besteigung des Oberalpstockes leicht eingeschaltet werden kann, Cavardirashütte, Cavreintal, Cavreinerlücke und Hüfifirn, wo der Anschluss an die Clariden- und Tödiroute gefunden wird.

Sicher werden wir auch ostwärts im Gebiet der Bündner Berge Hautes Routes treffen, die zu begehen genussreichste Skiwanderungen ergeben. Seien es Wege in der Adulagruppe, die in die Täler und auf die Höhen dieser Rheinwaldberge führen, seien es Wege im Oberengadin, wo der Bernina ja just die Viertausendergrenze erreicht, oder Wege zwischen Julier-Albula-Flüela. Übergänge ergeben sich überall, die auch im Winter bezwungen werden können. Allerdings wird da die Vorsicht noch im vermehrten Masse als im Sommer den Bergsteiger begleiten müssen, weil er im Winter noch weit mehr trachten muss, ein Bergwanderer zu sein, um nicht zum Rennfahrer zu werden.

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