Hüttenzauber

Hinweis: Dieser Artikel ist nur in einer Sprache verfügbar. In der Vergangenheit wurden die Jahresbücher nicht übersetzt.

Otto Zumstein, Basel

Über 150 Clubhütten stehen im ganzen Land, jede ein Vermögen wert und liebevoll von den einzelnen Sektionen unterhalten und gepflegt. Jede besitzt ihre eigene Ambiance, ist anders als die andere. Doch etwas haben alle gemeinsam: Man fühlt sich wohl und behaglich darin, und rasch verfliegen hier die Sorgen des Alltags. Mag die Hüttenluft noch so schwer, der Tabaksqualm noch so undurchdringlich sein, egal. Gerne treten wir ein, stellen den Rucksack ab, schlüpfen in die Hüttenschuhe, entledigen uns der feucht am Körper klebenden Kleidungsstücke und bereiten uns das Nachtessen - unwillkürlich fühlen wir uns zu Hause.

Drei Hütten habe ich besonders ins Herz geschlossen. Da steht hoch ob Zermatt die Schönbielhütte. In dichtem Nebel und bei or-kanartigem Schneetreiben biwakierten wir einst anlässlich einer Haute-Route-Überque-rung in Steinwurfweite vor ihrer Türe. Als sich am Morgen der Schleier lichtete, lag das massive Bauwerk da im Glanz der ersten Morgensonne. Wir sprangen aus unseren Schneelöchern - durchfroren wie wir waren - nahmen die Hütte sozusagen im Sturm, brauten Kaffee und wärmten uns. Nach einer Biwaknacht lebt sich 's in einer solchen Unterkunft unglaublich behaglich.

Nicht anders erging es uns ein Jahr später bei der Fridolinshütte hinten im Glarnerland. Spät am Abend waren wir im Abstieg vom Bifertenstock in Nacht und Dunkelheit geraten und sahen keine Möglichkeit mehr, den arg verschrundeten Gletscher, der uns von der Unterkunft trennte, zu überqueren. Jedenfalls blinkten uns die Lichter der nahen Hütte freundlich zu, als wir es uns in einem Schneeloch machten. Der Hüttenwart staunte am nächsten Tag nicht schlecht, als wir um vier Uhr morgens an seine Türe klopften.

Kein Bergsteigerjahr ohne Biwak, könnte man beim Lesen dieser Geschichte ausrufen. Die Cabane des Dix vermochten wir einst auf unserem Wege nach Chamonix nicht zu fin- 178den, weil auf unserem alten Kartenblatt der Neubau nicht eingezeichnet war. Als wir in der Dunkelheit unser Ziel erreichten, stiessen wir bloss noch auf den Betonsockel und den Brunnen. Erst nach gehabter Biwaknacht entdeckten wir die brandneue Hütte hundert Meter höher oben...

Normalerweise benützt man die Hütte nicht als lange Bleibe. Meist kommen wir spät an und gehen frühmorgens wieder weg. Höchstens an Regentagen können wir den Zauber der Hüttenatmosphäre geniessen.

Beim Studium des Hüttenbuches etwa, wo Staunen sich oft mit Schmunzeln mischt, wenn wir lesen, wie die verschiedenen Gäste sich zu verewigen suchen.

Schönbielhütte und Dent d' Hérens

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