Ich war schon dort … im Winter!

Der Sommer naht, langsam schwindet der Schnee. Nach und nach werden die Wanderwege sichtbar, und ­Murmeltiere und Enziane zeigen sich. Die Berge ­prä­­sentieren sich in einem ganz anderen Licht. Beim Lesen des Tourentipps von François Perraudin auf S. 33 habe ich mich an eine Sommerwanderung zur ­Cabane de l’A Neuve erinnert, während der mir auf­gefallen ist, wie anders es im Winter hier doch ist: Ohne den Schnee sieht der Aufstieg ganz anders aus, und ich versuche mir vorzustellen, dass die riesigen Fels­blöcke noch vor nicht allzu langer Zeit mit Schnee bedeckt ­waren. Durch das Geröllfeld vor mir würde ich im Winter nicht in kleinen, engen Kurven absteigen, sondern in ­langen Gleit­schritten. Ich versuche mich zu erinnern, wo im Winter die Spur verlief, aber so wie ich Thermo­hosen und ­Ski gegen Trinkflasche und ­Wanderschuhe ausgetauscht habe, hat sich auch das Gelände ver­wandelt. Man findet sich kaum zurecht. Zum Glück stehen Dolent und Tour Noir unverrückt an ihrem Platz und ­geben einen Anhaltspunkt.

Nachdem ich bei der Hütte auf dem Felsvorsprung ange­kommen bin, treffe ich wieder diese Mischung aus ­Beständigkeit und Veränderung an. Als wir vor ein paar Wochen hier übernachtet haben, war sie noch un­be­wartet, und alles war in eine prächtige Schneedecke gehüllt. Jetzt empfängt die Wanderer ein köstlicher ­Apfelkuchenduft, und das aus dem Schnee aufgetauchte Toilettenhäuschen unweit der Hütte ersetzt jenes hinter dem Essraum, das alles andere als komfortabel war. Nur die Terrasse bietet den gleichen atemberaubenden Blick zum Galletgrat.

Nach dem herrlichen Winter können wir uns jetzt auf den Sommer freuen! Schon bald ­können wir die Steig­eisen für unsere Sommertouren auspacken, genauso wie François Perraudin auf dem Weg zur Grande Lui. Und man hat die Gelegenheit, bestimmte Orte in einem anderen Licht wiederzuent­decken, während das Echo der ­Wintererinnerungen noch im Kopf nachhallt. Ich wünsche euch allen eine schöne Sommersaison!

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