II. Berner Alpen

Hinweis: Dieser Artikel ist nur in einer Sprache verfügbar. In der Vergangenheit wurden die Jahresbücher nicht übersetzt.

Zusammengestellt von Ernst Jenny 1 ). ( Fortsetzung. )

Berner Alpen.

Brcitlauihorn, 3663 m. Über die Nordwestwand. D. Chervet und M. Etienne. 26. Juli 1928.

Ausgangspunkt Fafleralp. Bei Gletscheralp die Lonza überschreiten und einem Weglein folgend am Ostrand des Schuttkegels des Inneren Lauibaches empor. Nahe am oberen Ende des Kegels über Lawinenresten über den Bach und durch Erlen und Alpenrosenbüsche ( Wegspuren ) zur grossen Moräne zwischen Innerem und Äusserem Lauibach. In etwa 2300 m Höhe nach links ( E ) zum Lauibachgletscher, den man in der Fallirne unter P. 2669 betritt ( 140 Uhr ) ( Umweg bedingt durch die stark angeschwollenen Gletscherbäche im Jahr 1928 ). Über den Gletscher zum Punkt 2669 ( 50 Min. ). Vom Punkt 2669 zieht sich ein Felsrücken in südöstlicher Richtung hinauf. Dieser und die folgende Wand dienen zum Aufstieg. Man gewinnt den Rücken durch ein Couloir rechts mit anschliessender Traverse nach links. ( Steinschlagspuren. ) Dann leichter Aufstieg über brüchige Felsen bis zu einem Felssattel ( 2940 m ), wo sich der Rücken in einer roten Felswand verliert ( Steinmann, 1 Stunde ). Von hier über ein Band nach links bis zum östlichen Rand dieser Wandstufe, wo man wenige Meter vom Eis entfernt über steile, aber feste, gutgestufte Felsen hinaufklettert.

Nach 25 Minuten zweiter Felssattel. Von da an sind die Felsen ein Stück weit brüchig, bis zu einem auffallenden Gesteinswechsel; ein weisser und ziemlich fester Granit kommt zum Vorschein. In etwa 3400 m Höhe endigt die Wand in einen nach links verlaufenden Schneegrat, der durch ein tiefes, nach Westen abfallendes Couloir von der Hauptmasse des Berges getrennt ist ( Die Schulter, 1 3/4 Stunde ). Man verfolgt diesen Grat, zwei aufgesetzte grosse Felstürme überkletternd. Nach dem zweiten Turm tritt ein Eisgrat auf, der nach rechts umbiegt und sich bei der Mündung des erwähnten Couloirs in der annähernd senkrechten Schlusswand verliert ( 3/4 Stunde ).

Ein heikler Quergang über ein 30 cm breites, erdiges Bändchen nach links und ein anschliessender Aufstieg über steile und griffarme Felsen führen zu einem Grat, der, von Fafleralp aus gesehen, scheinbar direkt vom Gipfel in die Wand hinabfällt. Man betritt ihn an der Stelle, wo er ein etwa 2—3 m langes wagrechtes Schneesättelchen bildet, bevor er senkrecht zum grossen Eishang hinabstürzt ( Die Nase, 50 Minuten ). Über den steilen, grossblockigen Grat zum Vorgipfel ( 1 Stunde 5 Minuten ) und über oder etwas unterhalb des Westgrates ( Baltschiederseite ) zum Gipfel ( 25 Minuten ).

Bis zur Schulter, mittelschwer, dann sehr schwierig. Gehzeit der ersten Partie: 8 Stunden 20 Minuten. Unter Umständen steinschlaggefährlich. Mitteilung von D. Chervet.

Breithorn - Breitlauihorn aus dem Äusser Faflertal.

Gisighorn, 3182 m. Über den Nordgrat. H. Booth und R. A. Fanshawe mit Führer Theodor Biner. 20. Juli 1928.

Die beste Route ist fast immer längs dem Kamm des Rückens, weil dort die Felsen am besten sind. Da der Rücken aber selten überschritten wird, muss man an einer oder zwei Stellen loser Felsen wegen sehr aufpassen. Vom Gisigpass wird der Grat kurze Zeit verfolgt. Der erste Turm nicht weit vom Pass wird erklettert, indem man eine Traverse in die Westflanke macht, von wo man seine Spitze erreicht. Der zweite Turm wird mehr oder weniger über seine Kante oder gerade auf der Ostseite derselben gewonnen. Von diesem Punkt werden der Rücken oder die Felsen der Ostflanke nahe demselben verfolgt zu einem ersten Gipfel. Von hier kann der Grat mit weniger Schwierigkeit benutzt werden bis zum Einschnitt am Kopf des grossen Couloirs, das die Ostflanke durchreisst. Der Abstieg in die Scharte ist etwas unangenehm, der direkte Aufstieg an der entgegengesetzten Seite ohne Seilhilfe von oben sogar unmöglich. Man vermeide, im Couloir ab- und in der Ostwand anzusteigen, wie es eine englische Partie 1924 praktizierte; die Felsen dieser Seite sind schlecht. Man traversiere von der Scharte zu einigen auffallenden steilen und lose scheinenden Felstrümmern in der Westflanke. Wenn sie erstiegen sind, wird es möglich, wieder nach links zu traversieren und den Rücken ohne besondere Schwierigkeiten zu gewinnen. Von hier wird der Grat zum höchsten Punkt ( ohne Quote im T. A. ) verfolgt. Es ist nicht viel Unterschied in der Höhe zwischen dem ersten Gipfel und dem höchsten Punkt, der halbwegs zwischen dem grossen Couloir und P. 3182 gelegen ist. Diese letzte Graterhebung, P. 3182, wird vom höchsten Punkt in einer halben Stunde erreicht. 6 Stunden vom Gisigpass bis zum höchsten Punkt. Mitteilung von H. Booth.

P. 3131 ( 3127 m n. K. ).

Dies ist der äusserste Gipfelpunkt im Weisshornostgrate, nach Süden, Westen und Osten in schroffen Felswänden abstürzend, im Osten vom Oberaletschgletscher und im Norden von dem unbenannten, vom Weisshorn ostwärts abfliessenden Gletscher bespült.

R. Carrupt, Ing. Top ., mit B. Jaggi, G. Clausen und L. Walpen, Messgehilfen, 2. September 1927.

Von der Oberaletschhütte nordwärts den Gletscher querend an Moränen-punkt 2807 vorbei um das Fussgestell von P. 3131 herum, dann über die Trümmerhalden am südlichen Ufer des unbenannten Seitengletschers, um dessen Absturz zu vermeiden, und über das Eis an den Nordfuss des Gipfels ( 1 1/2 Stunden von der Hütte ).

Von dort klettert man entweder direkt über eine sehr steile, plattige Wand ziemlich schwierig zur steilen Firnhaube und über dieselbe direkt zum Gipfel empor oder ( leichter ) man steigt westwärts längs der Nordwand soweit hinauf, bis nach Überwindung des oft sehr breiten Bergschrundes die Nordwand an ihrer niedrigsten Stelle durch ein schräges Band erstiegen werden kann. Zuletzt in sanftem Anstieg über den verfirnten Westgrat zum Signalgipfel ( zirka 21/2 Stunden von der Hütte ). Mitteilung von Hans Dübi, Top. Ing.

Schienhorn, 3807 m. Über den ganzen Südwestgrat im Aufstieg. M. Pallis und D. Hall mit Führer A. Michaud. 29. Juni 1929.

Die Partie war um 1 Uhr morgens von der Oberaletschhütte aufgebrochen Richtung Beichpass, bog aber vorher nordwärts ab, an P. 2798 rechts vorbei, und bestieg dann, westwärts haltend, den zwischen die Punkte 3252 und 3254 des Beichgrates eingebetteten Gletscherarm bis an den Fuss des Grates, traversierte südöstlich hart an P. 3254 vorbei und beging hierauf über Schnee und Felsen ohne Schwierigkeit den ganzen Südwestgrat bis auf P. 3670 ( 5 Stunden von der Hütte ). Bei P. 3670 bricht der Grat plötzlich ab in eine 40—50 m tiefe Scharte. Der Fels derselben ist ganz schlecht, brüchig; eine zirka 8 m hohe Platte nötigte zum Abseilen. Immer auf dem Grat absteigend, kam die Partie in die Scharte vor einen kleinen Felsturm aus losem Gestein, der sie nötigte, rechts ( östlich ) in einem kleinen Couloir abzusteigen und ein Stück abzuseilen, bis eine Traversierung nach links und der Wiederanstieg zum Grate ( ein kleines Stück von der Scharte entfernt wurde er wieder gewonnen ) möglich wurde, offenbar auf dem Abstiegswege der frühern Partien. Die Wand bot eine sehr schöne, mittelschwere Kletterei in guten Felsen ( 3 Stunden vom P. 3670 ). Der folgende, im Abstieg schon begangene Grat gab noch viel zu schaffen; er ist streckenweise sehr schmal und stark zerrissen; die Felspartien waren durch giftige Gwächten unterbrochen. Vom letzten Aufschwung zirka 3700 m führte ein steiler Firngrat zu P. 3790 und von da ein letztes schmales Gratstück zum Gipfel ( 21/2 Stunden. Total 10 1/2 Stunden von der Hütte ). Die Partie stieg vom P. 3790 weg auf dem gebräuchlichen Wege über die Südflanke zum Beichfirn ab.

Die Schwierigkeiten dieser Route mögen bei bessern Schneeverhältnissen ( weniger Schnee ) geringere sein; aber die Überwindung der Scharte bei P. 3760 wird stets ein hartes Stück bleiben. Mitteilung von A. Michaud.

Distelhorn, 3748 m. Über den Nordwest- und Nordgrat. Ester della Valle di Casanova und Gigetta Matricardi, Amedeo Sarfatti und Aldo Bonacossa. 24. August 1923.

Von der Fafleralp auf dem Weg zur Lötschenlücke bis ungefähr 2500 m. Dann den Langgletscher zu seinem südlichen Rande ( Schründe !) und an den Fuss der Bergwand, wo die Kurve 2670 die Felsen berührt. Ein kleiner, felsiger Vorsprung wurde zu den auf der Karte eingezeichneten Schneeflecken erstiegen; dann wandte sich die Partie leicht nach rechts ( Süden ) und folgte lange einer Felsrippe, die sie verliess, um nach und nach gegen links anzusteigen, indem sie von einer Rippe zur andern überging, bis sie auf den stärker ausgeprägten Nordgrat gelangte, der seinen Ursprung nahe dem P. 2775 im Langgletscher hat. Sie folgte diesem nun, bis sie über einen kurzen Eis- oder Schneehang auf einer gut ausgesprochenen Schneeschulter den Nordostgrat und damit die über denselben übliche Route nahe dem nordöstlichen Gipfel erreichte ( 4 Stunden zirka ). Die Felsen sind leicht, aber oft ermüdend wegen loser Steine, ausgenommen im Schlussstück, wo sie fester und interessanter werden.

Die nämlichen begingen am 29. August 1923 das Gratstück von der Sattellücke 3374 ( Kote und Namensstandort im Siegfriedatlas sind unrichtig ) bis zu der Depression P. 3449, zwischen Sattelhorn und Distelhorn gelegen.

Dieser Grat ist ein Fels- und Schneegrat, der leicht und interessant zu begehen ist. In der Mitte trägt er eine Gruppe spitzer Grattürme, die man leicht auf der Lötschentaler Seite umgehen kann ( zirka 2 Stunden von P. 3374, Sattellücke, bis P. 3549 ).

Die Tur, die sich mit der Besteigung des Sattel- oder Distelhornes verbinden lässt, wird am besten von der Oberaletschhütte aus unternommen. Mitteilung von A. Bonacossa.

Sattelhorn, 3745 m. Über die Südwestflanke. R. G. Smith, J. W. und H. Booth. 2. September 1926.

Die Partie erstieg die weite Schneekehle, die vom obern Teile des Südwestgrates sich absenkt und zwischen Sattellücke und P. 3087 im Oberaletschfirn sich verliert. Da sie vereist war, erkletterte man die ganz faulen Felsen zur Rechten, bis das Couloir sich verengte. Dann wurde dasselbe auf die andere Seite gekreuzt, wo die Felsen noch schlechter waren. Nachdem einige schwierige Platten von gesunden Felsen erklettert waren, erreichte die Partie den schneeigen Teil des Südwestgrates nahe dem Gipfel und vollendete die Besteigung auf diesem Wege.

Im Abstieg hielt sie sich auf dem Nordhang des Südwestgrates und geriet allzuweit auf die Lötschentalerseite, so dass die leichten Hänge oberhalb der Sattellücke nur mittels eines unangenehmen Querganges über verrottete Felsen erreicht werden konnten. Mitteilung von H. Booth und Alpine Journal 1927.

Aletschhorn, 4182 m. Über die Westsüdwestflanke. Miss Rosamond Botsford und Aldo Bonacossa. 31. August oder 1. September 1913.

Von der Oberaletschhütte aus ging die Partie auf dem Wege zum Sattel zwischen Aletschhorn und Klein Aletschhorn bis in die Mitte zwischen P. 3252 und P. 3467. Sie stieg dann die Gletscherbucht hinan zwischen Westnordwest-und Südwestgrat. Ein gewaltiger Schrund, welcher den Gletscher zwischen P. 3467 und dem Südwestgrat zerschnitt, wurde in den Hängen des Südwestgrates unter Gefahr von Eisbrüchen umgangen und hierauf die von Steinschlag gefährdete Wand angegriffen ( 4 Stunden von der Hütte ). Es mussten wenig ausgeprägte Felsrippen, die oft vereist sein mögen, in schlechtem Gestein an kleinen Griffen erklettert werden. Sicherung war nicht immer möglich. Hoch oben erreichte die Partie endlich einen kleinen Seitengrat, der etwas leichter zum Südwestgrate führte, über den in 10 Minuten der Gipfel gewonnen wurde. Nicht empfehlenswerte Route. Eintrag im Hüttenbuch und Mitteilung von A. Bonacossa.

Über die Südostwand. E. R. Blanchet mit Kaspar Mooser und Linus Pollinger. 29. August 1929.

Die felsige Südostwand wurde annähernd in der Gipfelfallinie angepackt. Den ersten, sehr steil aufgerichteten Felsen wich man für einen Augenblick aus, indem man eine verschneite Eiszunge, die den untern Teil einer Kehle ausfüllte, hinanstieg. Ein Bergschrund wies die Karawane zu den Felsen zur Linken. Ihre Erkletterung ( sehr steil !) wurde erleichtert durch Längsrisse. Diese Stelle ist kurz. Hierauf kam ein schräger Aufstieg nach links; zwei kleine Kehlen werden geschnitten — bis zu einer Rippe, die sich wieder nach rechts hinaufzieht. Im Drittel der Wandhöhe bäumt sich diese anfänglich leichte Rippe wieder auf. Nach 20 Metern senkrechter Kletterei muss man die Rippe verlassen und durch einen sehr heikein und interessanten Abstieg schräg links hinunter in ein Couloir hinüberqueren, dem man alsdann sehr steil und über glatte Platten folgt. Höher oben, weniger steil, verzweigt sich die Kehle in zwei gleichlaufende Äste; man benutzt den Ast zur Rechten, um dann, nach rechts sich ziehend, die Rippe wieder zu erreichen. Vor der Vereinigung der Rippe mit dem Ostgrat wendet man sich links, um in einem spitzen Winkel den Ostgrat zu gewinnen, dem man zum Gipfel folgt ( bei gutem Schnee in einer Viertelstunde; die Partie benötigte hierzu, stufenhauend, 45 Minuten, im ganzen 4 1/2 Stunden vom Fusse der Wand bis zum Gipfel ). Im untern Teil der Wand besteht anhaltend grosse Steinschlaggefahr. Die Felsen sind anfänglich hell und sehr fest, hernach dunkel und sehr lose, dann gesund und körnig, glatt und abgeschliffen im letzten Couloir. Es bestehen keine ausserordentlichen Schwierigkeiten; öfters sind leichte Stellen. Die Partie verliess das Hotel Jungfrau am Eggishorn nachts 1215 Uhr und erreichte den Gipfel nachmittags 2 Uhr. Es ist vorteilhaft, vom P. 2651 am Ostufer des Mittelaletschgletschers, wo man biwakieren kann, einen grossen Bogen nach rechts zu beschreiben, um den Fuss der Südostwand zu erreichen; man erspart sich so den zeitraubenden Durchstieg von Schründen und Gletscherbrüchen, der bei direktem Anstieg unvermeidlich ist. Mitteilung von E. R. Blanchet.

Über Südostwand und Ostgrat. James W. Alexander mit Oskar Supersaxo. 30. August 1928.

Die Partie war nach einem Biwak nahe P. 2651 vielen und ungünstigen Neuschnees wegen erst spät an den Fuss der Wand gekommen ( zirka 250 m weiter östlich als die Partie Blanchet ) und musste aus demselben Grunde auf den direkten Anstieg zum Gipfel verzichten. So stieg sie denn rechts der grossen, gut ausgeprägten Rippe über gute Felsen und Schneehalden hinauf, ohne grossen Schwierigkeiten zu begegnen. Bevor der Ostgrat erreicht werden konnte, musste unter einer drohenden Eiswächte durch eine sehr schwere, vereiste, fast senkrechte, mit einigen Griffen versehene, zirka 25 m hohe Felswand geklettert werden. Das Ausputzen der Griffe erforderte viel Zeit und Arbeit. Nachher ging es leicht über Schnee und Gletscher, zuletzt über den leichten, mit Schnee und Felsen abwechselnden Ostgrat zum Gipfel ( 5 3/4A Stunden vom Fuss der Wand ). Man rechne normal 8—9 Stunden vom Biwakplatz. Sehr schön. Mitteilung von O. Supersaxo.

Aletschhorn-Nordwandwege 1. Middlemore mit Joh. Jaun und Chr. Lauener, 1873.

2. Roch und Truog, 1929.

3. Farrar mit Daniel Maquinaz und Kederbacher ( Grill ) im Abstieg, 1903. Gleichzeitig Eaton mit Abr. Müller und S. Ogi.

4. Drioer mit Gottfried und Christian Bohren, 1902.

5. Blanchet mit Adolf Rubi und Kaspar Mooser, 1925 im Aufstieg ( oben nach rechts ); Ryan mit Gabriel Lochmatter ( 1913 ?) im Abstieg ( oben nach links ).

Über die Nordwand. J. und T. Driver mit Gottfried und Christian Bohren. 28. Juli 1902.

Die Partie stieg von P. 3090 ( direkt am Nordfusse des Aletschhorngipfels gelegen ) erst über Schnee, dann über Felsen ziemlich genau südlich zu den vom Vorgipfel sich senkenden Schneehängen empor und gewann den Gipfel schliesslich auf dem von Norden üblichen Wege. Mitteilung von G. Bohren.

Über die Nordwand. A. Roch und G. Truog. 21. Mai 1929.

Skidepot auf dem Aletschfirn, in der Fallirne der Haslerrippe. Wir steigen in der Mitte der westlich davon liegenden breiten Mulde an bis zum ersten grossen Abbruch. Dieser wird auf seiner westlichen Seite weniger hoch. Über eine Schneebrücke kommen wir an den Abbruch heran und mit Hilfe einiger Stufen mehr rechts haltend über das erste sehr steile Stück hinauf. Über eine zirka 55 Grad geneigte Schneefläche, die oben wieder durch einen hohen Querriegel abgeschlossen wird, werden wir weiter nach rechts gedrängt, in der Richtung auf die obersten Felsen westlich unseres Anstieges zu. Auf diesem Felsen sitzt eine von weitem sichtbare Eisnase. Bis auf wenige Meter kommen wir an das aufgesetzte Grätchen zu, wenden uns dort durch die steile Spalte — wir stecken bergseits bis zur Brust im Schnee — etwas mehr links ( östlich ) und erreichen so den oberen Rand des Abbruches. Von hier weg wird der Gletscher etwas flacher. Wir kreuzen zwischen den grossen Spalten weiter, halten auf den Grat zu, den wir mit einigen Stufen am Fusse des Vorgipfels erreichen. Vom Grat weg über die gewöhnliche Route zum Gipfel. Abstieg auf dem gleichen Wege. 34. Jahresbericht des A.A.C.Z.rich, 1929.

XIII. Fusshorn, 3106 m ( Aletschgebiet ). Variante über eine Südwestrippe und erster Abstieg über die Nordwand. M. Baer und A. Gassmann. 8. August 1929. Auf der Route Young ( vgl. die Fusshörnermonographie von Oskar Hug in « Die Alpen », 1929 ) bis auf die Trennungskante von Couloir 1 und 2. Von hier steigt man etwa 1/2 Seillänge über plattige Felsen ab und quert dann Couloir 2 horizontal auf einem bequemen Bändchen, das auf der Höhe von Rippe 2 abbricht. Nun in sehr schwieriger und exponierter Kletterei über ein senkrechtes Wändchen hinauf auf die eigentliche 2. Rippe. Wenige und etwas unzuverlässige Griffe. Man folgt der Rippe in teilweise schwieriger und heikler Kletterei bis auf den Hauptgrat und Gipfel.

Vom Gipfel nördlich durch einen überhängenden Riss etwa 10 m auf ein Trümmerfeld hinab. Über dieses absteigend bis an sein unteres Ende. Nun in einer grossen Doppelschleife durch die senkrechte Wand hinab. Zuerst gerade hinab, dann Quergang nach Osten, wieder gerade hinab. Dann Quergang über eine glatte Platte nach Westen zurück, um eine Ecke herum auf eine schmale Leiste und durch einen Riss direkt in die Scharte. Schwierige Kletterei. Fels zum Teil etwas brüchig.

Glatte Wand ( Gastlosen ). Erste Durchkletterung der nordöstlichen Plattenwand. H. Walker und Tony Betschart. Juni 1924. « Die Alpen », 1928, S. 368.

Mittagfluh, 1879 m ( Simmental ). Erster Abstieg durch die Südwestwand. M. Baer und A. Gassmann. 19. Mai 1929.

Sehr schwieriger und exponierter Abstieg. Klettertechnisch hoch interessant, hat praktisch aber keine Bedeutung.

Giebelplatte ( oder Katerspitz, Kandersteg ). Erste Ersteigung über die Nordostwand. Ad. Fleuti und A. Gassmann. 21. Mai 1929.

Man folgt dem normalen Wege durch die grosse Schlucht bis ungefähr in die Hälfte. Dann nach links hinauf über sehr steile und heikle Schrofen auf ein brüchiges Grätchen, das unangenehm und schwierig an die Gipfelwand führt. Nun gerade in die Höhe, dann schräg nach links hinaus und zuletzt wieder rechts hinauf zu einem kleinen Tännchen. Endlich über die äusserst brüchige Ostkante zum Gipfel. Überaus schwierig und heikel, teilweise überhängend. Die spärlichen Griffe brechen sehr leicht aus. Sollte nicht wiederholt werden.

Daubenhorn, 2952 m ( Gemmi ). Erste Ersteigung über den Nordostgrat. W. Feit-knecht, allein. 15. Juli 1928.

Etwas westlich der Gemmipasshöhe betritt man die Nordflanke und steigt über Schutt und Bänder zum Grat hinauf, indem man sich oberhalb der nach Leukerbad abfallenden Abstürze hält. Der Grat ist im untern Teil nicht sehr steil und ziemlich breit. Weiter oben wird er schmaler. In etwa zwei Drittel der Höhe schwingt sich ein annähernd senkrechter und mehrere Seillängen hoher Absatz auf, den man in der Nordwand, wenige Meter von der Gratkante entfernt, erklettert. Diese Stelle ist steil, aber gutgriffig. Dann wird der Grat wieder flacher. Unterhalb des Gipfels trifft man wieder auf einen steilen und plattigen Aufschwung. Man erklettert ihn direkt in der Fallirne und gelangt wenige Meter nördlich des Signals auf den Gipfelgrat. Zeiten: Gemmigipfel 2 Stunden 20 Minuten, wovon 1 Stunde für die Kletterei vom Fusse des grossen Gratabsturzes.

Dieser Aufstieg ist der kürzeste von der Gemmi auf das Daubenhorn und bietet grossartige Tiefblicke. 23. Jahresbericht des A.A.C.B.ern, 1928.

Klein Doldenhorn, 3474 m. Erste Durchsteigung der Nordostwand. Carl Bosshard, Jean Ryser und Fritz Hofer. 29. Juni 1930.

Von der Doldenhornhütte folgt man dem normalen Weg über Spitzstein und Leiterilühli zum Gross Doldenhorn. Etwa 100 m nach dem Leiterflühli schwenkt man nach rechts ab, um an die Eisflanke zu gelangen. In 6stündiger Hackarbeit über diese hinauf. Mitteilung von C. Bosshard.

Klein Doldenhorn vom Leiterflühli aus.

Gspaltenhorn, 3442 m. Versuch Ostwand. Neuer Aufstieg zur Büttlassenlücke. Walter Amstutz und Gottlieb Michel. 9. September 1928.

Von der Kilchbalm ( Sefinental ) erreichten wir den Fuss des deutlich von der Gspaltenhornostwand hervortretenden Felssporns, für den wir die Bezeichnung « Kilchbalmgrat » vorschlagen. Ein Quergang über abschüssige Grasbänder führte zu den plattigen Ausläufern dieses Grates. Von hier stiegen wir in teilweise schwieriger Kletterei und Überwindung eines Überhanges geradlinig an, bis wir einen kleinen Felszahn erreichten. Schwierige Felsen hinderten uns am Weitergehen, weshalb wir wieder etwas abstiegen und in einer Traverse Richtung Hirtligletscher die Schwierigkeiten umgingen. In teilweise exponierter Kletterei erreichten wir wieder den Grat, der hier von einer Schneekuppe gekrönt ist. Wir folgten seinem Rücken und erreichten, nach rechts haltend, die Büttlassenlücke über die obersten Hänge des Hirtligletschers. Die direkte Erkletterung des Grates ist möglich, aber nur mit Kletterschuhen, die uns fehlten. Wegen Schlechtwetter und Neuschnee verzichteten wir auf den Gipfel. 23. Jahresbericht des A.A.C.B.ern, 1928.

Grosshorn, 3765 m. Erste Winterbesteigung. D. Chervet, Adolf Fleuti, K. M. Oesterle und W. Siegfried. 24. Februar 1929.

Von Fafleralp über Gletscherstaffel stets dem Talboden folgend bis P. 1980. Von dort in nordöstlicher Richtung dem Bach des Jägigletschers entlang, bis man nördlich der rechten Seitenmoräne des Langgletschers über anfangs sehr steile Hänge « In der Anen » gewinnen kann. Dann über immer steiler werdende Hänge zum Anenfirn hinauf, den man im kleinen Sattel zwischen der Ostwand des Jägiknubels und der auch im Topographischen Atlas deutlich erkennbaren hier beginnenden Seitenmoräne betritt. Skidepot am Ostfuss der Jägilücke etwa auf 3060 m Höhe. Es folgt ein kurzer, sehr steiler Aufstieg in die Jägilücke. Dann über lange Firnhänge, die sich endlich zum letzten Grat aufschwingen. Dieser ist sehr schmal, fällt bald in eine kleine Scharte ab und zieht sich zuletzt als kühne Firnschneide zum Vorgipfel hinauf. Ein kurzes, fast ebenes Gratstück leitet zum Gipfel.

Diese Fahrt darf nur bei guten und ganz sichern Verhältnissen unternommen werden. 24. Jahresbericht des A.A.C.B.ern, 1929.

Ebnefluh, 3964 m. Erster Aufstieg über den ganzen Südsüdostgrat. D. Chervet und M. Etienne. 23. Juli 1928.

Der alte Dübi-Coolidgeführer durch die Berner Alpen ( Band II, S. 60 ) bezeichnet den Südostgrat als Route der Erstbesteiger. T. W. Murray-Browne mit Peter Bohren und Peter Schlegel, 27. August 1868. Aus dem Originalbericht im Alpine Journal ( Band IV, S. 156 ) ist jedoch zu entnehmen, dass die Partie, von Konkordia herkommend, rund um den Felssporn 3190 m herumging und sich « in Richtung auf das Mittaghorn » zu hielt. Dieser wesentliche Satz fehlt im Dübi. Dann wandten sie sich allmählich nach rechts ( Nordosten ) und erreichten, indem sie den Hängen des Südostgrates folgten, über leichte, nirgends sehr steile Hänge die Grathöhe wenige hundert Meter weit vom Gipfel entfernt. Die Partie benutzte also zuletzt sehr wahrscheinlich den jetzt üblichen Weg von der Steigerhütte her und betrat den eigentlichen Südostgrat erst zwischen P. 3932 und dem Gipfel.

Die erste bekannte Begehung des ganzen Grates wurde ausgeführt von P. Knecht, Ingenieur der Landestopographie, mit seinen beiden Gehilfen S. Rittler und J. Rieder, am 4. September 1926. Sie erreichten P. 3713, wo sie Messungen auszuführen hatten, von P. 3932 her. Rückkehr zur Steigerhütte unter Begehung des untern Teiles des Grates.

Von P. 3713 aus zieht ein Nebengrat über die Punkte 3377 und 3107 nach Ostsüdost. Am 20. August 1926 gingen J. Krummenacher und H. Werlen von der Steigerhütte aus mit Ski am Punkt 3190 vorbei bis zu einem Schneesattel zwischen P. 3713 und 3377 ( Skidepot ) und erreichten P. 3713 über diesen schneeigen Grat. Nach Aufstellung eines trigonometrischen Signals kehrten sie auf demselben Weg zum Skidepot zurück und fuhren zum Gletscherhornfirn hinunter.

D. Chervet ( A.A.C.B. ) und M. Etienne ( S.A.C. und G. H. M. ) verliessen am 23. Juli 1928 die Steigerhütte um 830 Uhr und folgten für kurze Zeit der grossen Strasse nach der Konkordiahütte. Dann bogen sie nach Norden ab und stiegen durch ein leichtes Schnee- und Geröllcouloir zu dem Sattel zwischen dem ersten und dem zweiten Felsturm des Südsüdostgrates hinauf ( 935 Uhr bis 956 Uhr ). Über gebrochene Felsen etwas links unterhalb des Grates zum zweiten Turm ( 1025 Uhr ), dann dem Grat folgend über einen dritten, wenig ausgesprochenen Gipfel und einen Schneehang zum Punkt 3713 ( 1150 Uhr ). Ein allmählich steiler werdender Eis- oder Schneegrat führte über P. 3932 zum Gipfel ( 1320 Uhr ). Obschon dieser Aufstieg keine besonderen Schwierigkeiten bietet, ist er doch sicher der interessanteste, der von Süden her auf die Ebnefluh führt.

Neuer Abstieg vom Lauteraarhorn auf den Schreckfirn.

Wenn man von der Konkordiahütte herkommt, wäre eine Kombination der Route Krummenacher mit der zuletzt beschriebenen zweifellos interessanter als der übliche Aufstieg über Gletscherhornfirn und Nordostgrat und jedenfalls nicht wesentlich länger. D. Chervet im 23. Jahresbericht des A.A.C.B.ern, 1928.

Silberhorn, 3705 m. Erster Abstieg auf dem Nordwest-Silberhornweg. W. Amstutz und Tom de Lépiney. 21. Juli 1929.

Vom Gipfel mit Steigeisen über den Nordwestgrat hinab bis zu den ersten Felsen, ohne eine Stufe zu schlagen. Dann folgt man stets dem Grat, nur in einzelnen Fällen etwas nach Osten ausweichend. Eine einzige Stelle bietet nennenswerte Schwierigkeiten. Auch hier weicht man in die Ostflanke aus. Eine freie Erkletterung in Nagelschuhen auch im Abstieg ist aber gut möglich. Der Grat kann im allgemeinen als leicht bezeichnet werden. Nur sind die Felsen sehr brüchig und verlangen stete Aufmerksamkeit. Im untern Drittel verläset man den Grat und quert ohne Schwierigkeiten auf die Rotbrettlücke zu. Die Traverse führt fast vollständig über stein- und eisschlagsichere Bänder. Es scheint dies der von Philpott und Hornby im Aufstieg eingeschlagene Weg zu sein.

Äusserst lohnende Fahrt. Das unangenehmste Stück ist der Abstieg vom Schwarzmönch nach Stechelberg oder Wengernalp. Das Wegsuchen im Abstieg ist ausserordentlich schwierig.

Zeiten: Jungfraujoch ab 405 Uhr, Rottalsattel 6 Uhr, Jungfrau 710 Uhr, Silberlücke 910 Uhr, Silberhorn 10'° Uhr, erste Felsen 11 Uhr, unteres Drittel 1320 Uhr, Rotbrettlücke 1350 Uhr, Schwarzmönch 1450 Uhr. W. Amstutz im 24. Jahresbericht des A.A.C.B.ern, 1929.

Lauteraarhorn, 4043 m. Neuer Abstieg auf den Schreckfirn. Hans Winterberger, Otto Brügger und Gottlieb Michel. 14. Juli 1929. Beschreibung in « Die Alpen », 1930, S. 81.

Finsteraarhorn-Ostwand.

Finsteraarhorn, 4275 m. Erster Aufstieg über den Ostnordostgrat. Otto Brügger und Hans Winterberger mit Führer Hans Kohler ( Niklausens ). 29. September 1929.Beschreibung in « Die Alpen », 1930, S. 82.

Erste Begehung des ganzen Südostgrates von der Gemslücke an. Hans Pfändler mit Führern Fritz Suter und Gottfried Bohren. 9. August 1923. Diese Mitteilung erhielt die Schriftleitung am 15. Juli 1930. Pfändler hat über seine Begehung des Südostgrates nie etwas bekannt gegeben. Daher mussten Oskar Hug und O. P. Schwarz — vgl. « Die Alpen », 1930, S. 241 — annehmen, ihre Begehung vom 4. August 1927 sei die erste über den genannten Grat.

Wetterhorn, 3705 m. Erstbesteigung über den Südwestgrat. S. Uramatsu mit Führern Emil Steuri und Samuel Brawand. 24. August 1928.

Morgens 356 Uhr verliessen wir die Glecksteinhütte. Bis Gutzgletscher wurde der Route Wetterhorn-Nordgrat gefolgt. Auf genanntem Gletscher scharf rechts in die Platten der Nordflanke zum ersten Absatz des Südwestgrates. Erster Turm etwas links umgangen. Zweiter Turm direkt erklettert ( sehr schwierig ), dann dem Grat folgend zum letzten Bollwerk; dies etwas in der Nordwand durch eine Rinne überwunden. Dann kurzer Abstieg über ein Eisgrätchen in ein kleines Sättelchen und direkt zum Gipfel ( 13 Uhr ). Zeit: 9 Stunden 5 Minuten. Die Tur ist schwierig und viel lose Felsen gebieten Vorsicht. Die schwierigsten Stellen weisen glücklicherweise den besten Fels auf. Mitteilung von S. Brawand.Fortsetzung folgt. )

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