III. Elfter Geschäftsbericht des Centralcomité

Hinweis: Dieser Artikel ist nur in einer Sprache verfügbar. In der Vergangenheit wurden die Jahresbücher nicht übersetzt.

des

Centralcomité des Schweizer Alpenclub.

Vom i. Januar bis 31. December i874.

I. Vereinsbestand. Ende 1873 zählte der Yerein 7 Ehrenmitglieder und 1737 Mitglieder in 18 Sektionen; Ende 1874 dagegen 7 Ehrenmitglieder und 1998 Mitglieder in 19 Sektionen. Die Sektion Appenzell hat sich aufgelöst, dagegen haben sich in den Kantonen Aargau und Bern zwei neue Sektionen gebildet: Zofingen und Blümlisalp ( Thun ).

Mitgliederzahl. Mitgliederzalil. Sektionen.1873.1874.

1. Aargau ( Aarau )... 2629

â-. » ( Zofingen ). .25

3. Appenzell A. Rh. ( Sentis ) 6566

4.I. Rh.... 7

5. Base1100110 '

6. Bern146156

7. » ( Oberland )... 7963

Uebertrag 423449 Mitgliederzahl.

Mitgliederzahl.

Sektionen.

Uebertrag

8. Bern ( Blümlisalp )..

9. Freiburg ( Moléson ).

10. Genf 237

11. Glarus ( Tödi )...

12. Graubünden ( Rhätia ).

13. Luzern ( Pilatus )..

14. St. Gallen

15. » ( Toggenburg )

16. » ( Alvier )..

17. Tessin

18. Waadt ( Diablerets ).

19. Wallis ( Monte Rosa ).

20. Zürich ( Uto ). Einzelmitglieder

1873.

1874.

423

449

36

96

93

237

293

112

132

100

108

69

75

122

124

22

26

15

19

50

45

188

21.7

98

129

203

239

2

3

17371998

II. Finanzen. Auf 31. December 1873 war der Bestand des Vereinsvermögens Fr. 26,014. 74 ( siehe 11. Jahresrechnung am Schlüsse des Jahrbuches ) und a,uf 31. December 1874 Fr. 23,892. 83, also Rückschlag im Jahr 1874 Fr. 2121. 91. Die Einnahmen des Jahres 1874 betrugen Fr. 11,276. 15 und die Ausgaben Fr. 13,398. 06. Die Rechnung für das Jahr 1874 wurde den Herren Staatsrath Chauvet in Genf und Professor Morf in Lausanne vorgelegt und von denselben ( nach 9 der Statuten ) vorläufig gutgeheissen.

Der Rückschlag erklärt sich aus folgenden Verhältnissen: unter den Einnahmen fehlt der Ertrag des Jahrbuches, weil angesichts der Mehrausgaben für Band IX der Ertrag von Band VIII nicht eincassirt wurde;

auf den Hütten- und " Wegebau wurde das Doppelte und auf die Herstellung von Karten das Dreifache des Betrages des Vorjahres verwendet; die Rechnung für den Druck des Gletscherbuches ging erst in diesem Jahre ein. Besonders beruhigend wird dieser Rückschlag auf die Feinde der Kapitalansamm-lung wirken und im allgemeinen mag daraus geschlossen werden, dass an der Hand der Herisauerbeschlüsse ( Bd. 9, pag. 589 und 590 ) die Einnahmen des Vereins zu verausgaben sind, ohne dass man sich in kostspielige Unternehmungen einlässt; eine reichlichere Unterstützung der Weg- und Hüttenbauten, sowie eine sorgfältigere wissenschaftliche und künstlerische Ausstattung des Jahrbuches reichen hin, um den Kapital-zuwachs zu hemmen.

Der Imfangerfond beträgt auf 31. December 1874 Fr. 1481. 95 und hat sich seit letzter Rechnung um Fr. 66. 50 vermehrt.

III. Jahrbuch. Für die Herstellung des 8. Bandes waren noch die Beschlüsse von Zürich massgebend, hingegen für den 9. Band traten die Beschlüsse von Herisau in Kraft. Für den 8. Band betrugen die Mehrkosten nur Fr. 165. 35, hingegen für den 9. Band stiegen die Mehrkosten auf Fr. 3868. 80. Vom 8. Bande wurde die ganze Auflage bis auf 54 Exemplare verkauft und dadurch ein Ertrag von Fr, 1079 erzielt; eine nachträgliche Abrechnung über den 7. Band, von dem keine Exemplare mehr vorräthig sind, lieferte einen Ertrag von Fr. 159. 50, so dass in den Einnahmen des Jahres 1874 eigentlich Fr. 1238.

50 als Ertrag der Jahrbücher erscheinen sollten. Allein mit Bücksicht auf die grossen Auslagen für den 9. Band wurde dieser Ertrag auf das Jahr 1875 übertragen, um dann mit dem Resultat des 9. Bandes verrechnet zu werden, lieber die Ausstattung des 9. Bandes haben wir nur anerkennende Urtheile vernommen, woraus wir schliessen, der Mehraufwand für die Herstellung sei richtig angelegt.

Ueber das « Echo des Alpes, publication des sections romandes du club alpin suisse », für welches die Centralkasse einen jährlichen Beitrag von Fr. 1000 liefert, entnehmen wir dem Jahresbericht der Redaktionskommission Folgendes: Yor 10 Jahren erschien die erste Lieferung des Echo des Alpes. Anfänglich in 80 Exemplaren für die Mitglieder der Sektion Genf gedruckt, erreicht dasselbe gegenwärtig eine Auflage von 1100 Exemplaren, von welchen 763 an die Mitglieder der vier romanischen Sektionen ( Grenf, Waadt, Wallis, Freiburg ) und 337 an Abonnenten abgegeben werden. Der erste Jahrgang ( 1865 ) zählte 72 Druckseiten, der letzte ( 1874 ) dagegen 308 Druckseiten nebst 2 Musikbeilagen, 3 Photographien und 1 Karte. Einnahmen und Ausgaben balanciren sich mit Fr. 3300.

IV. Excursionskarten. Für die Herstellung der Karten haben wir uns stets des freundlichsten Entgegenkommens von Seiten des eidgenössischen Stabs-"büreaus zu erfreuen. Die schöne Karte des Bündneroberlandes liegt diesem Bande bei und für die Karte von Obwalden und Uri sind die Revisionsarbeiten ab- Zähringer.

geschlossen, so dass das Erscheinen derselben mit Sicherheit im Juni 1875 erwartet werden kann.

Y. Itinerarium. Das treffliche Itinerar für das Bündneroberland, verfasst von Herrn Forstinspektor Coaz in St. Gallen, ist allen Sektionen rechtzeitig zur Verfügung gestellt worden. Die Bearbeitung des Itinerars für 1875 war ursprünglich von Herrn Prof. Rütimeyer in Basel übernommen worden, allein verschiedene Umstände veranlassten denselben, zum Bedauern des Centralcomités, auf diese Arbeit zu verzichten, und mit freundlicher Bereitwilligkeit trat an seine Stelle Herr Dr. Christ in Basel, der alpen-kundige i Verfasser des schönen Buches: « Ob dem Kernwald. Schilderungen aus Obwaldens Natur und Volk, von H. Christ. Basel 1869, Georg's Verlag. » Die Arbeit liegt in deutscher und französischer Sprache vollendet vor und wird den Sektionen im Frühjahr 1875 zugestellt werden. Für das Itinerar 1876 ist zur Zeit ein Bearbeiter noch nicht bestimmt.

VI. Fortschrittsmedaille. Durch Vermittlung des Generalkommissariats in Winterthur, Herrn Oberst Rieter, ist uns die im letzten Jahresberichte erwähnte Medaille zugekommen. Dieselbe trägt auf der einen Seite das Bildniss des Kaisers Franz Joseph und auf der andern Seite die allegorische Darstellung einer Preisvertheilung. Die begleitende Urkunde, auf welcher Avers und Revers der Medaille in die Randverzierun- gen aufgenommen sind, enthält folgenden Text:

YIRIBUS ÜNITIS.

Weltausstellung 1873 in Wien.

Die internationale Jury

hat dem SCHWEIZERISCHEN ALPENCLUB

die

Fortscliritts-Medaille zuerkannt.

Der Präsident

der kaiserlichen Ausstellungskommission:

Erzh. Rainer.

Wien den 18. August 1875.

Der Generaldirektor: Schwarz-Sennborn.

Medaille und Diplom werden in unserem Archiv ( in Zürich ) aufbewahrt.

VII. Clubhütten. Zu den im letzten Berichte aufgezählten Clubhütten ist die " von der Sektion Oberland erbaute am Gruggigletscher hinzugekommen. Grünhornhütte und Pavillon Dollfuss sind einer umfassenden Reparatur unterworfen worden. Von den projektirten Bauten kamen nicht zur Ausführung: Die Hütte im Gliemsthal, die Hütte auf dem Alvier, die Hütten am Stockje und am Otemmagletscher; die Sektion Diablerets scheint ihre Hütte am Fusse der Diablerets aufgeben zu wollen.

Wenn im letzten Berichte die Hütte am Matterhorn unter denjenigen aufgezählt wurde, welche ohne Mitwirkung des S.A.C. entstanden, so beruht das insofern auf einem Irrthum, als der Bau unter Mitwirkung der Sektion Monterosa, jedoch ohne Betheiligung des Centralcomités, ausgeführt wurde. Diese Hütte bedarf einer gründlichen Reparatur und da die Centralkasse sich beim Bau nicht betheiligte, so wird sie die Kosten der Reparatur übernehmen. Einige der nicht ausgeführten Projekte sollen im Jahr 1875 zur Ausführung kommen, so namentlich die Hütte auf dem Alvier. Neue Projekte sind uns nicht bekannt.

Yerzeichniss der 14 bestehenden Clubhütten:

1. Gesammtverein: Pavillon Dollfuss.

2. Sektion Rhätia: Hütten am Silvretta- und am Zaport-

gletscher.

3. Sektionen Sentis und Toggenbürg: Hütte auf Thier-

wiesen.

4. Sektion Tödi: Hütten am Grünhorn und in der

Firnplanke.

5. Sektion Pilatus: Hütte auf Hüfiälpeli.

6. Sektion Bern: Hütten am Thältistock, am Wetter-

horn, am Mönch, im Roththal.

7. Sektion Oberland: Hütte am Guggigletscher.

8. Sektion Monte Rosa: Hütten am Matterhorn und

am Mountet.

VIII. Führerwe-seii. In Bezug auf die schweizerischen Führer ist dem letztjährigen Berichte nichts nachzutragen, hingegen in Bezug auf die Chamounix- Führer haben wir einen weitern Schritt gethan.

Der Präsident der Sektion Genf, Herr H. de Saussure, der die Verhältnisse in Chamounix genau kennt, machte uns den Vorschlag, das Schreiben an das französische Ministerium durch ein Schreiben an den Präfekten von Hochsavoyen, Herrn Peloux in Annecy, zu unter^ stützen. In diesem Schreiben wurde der Präfekt ersucht, eine Klassifikation der Führer nach folgenden drei Kategorien vorzunehmen:

1. Führer für die grossen Expeditionen ( Montblanc,

Col du Géant etc. ).

2. Führer für die gewöhnlichen Besteigungen ( Buet,

Jardin etc. ).

3. Führer für einfache Spaziergänge ( Brévent, Croix

de Fléchère, Prarion, Montanvert- etc. ).

So viel uns bekannt geworden, ist eine ganz neue Führerordnung in Chamounix eingeführt, durch welche insbesondere den Führern die Wahl ihres Chefs entzogen ist. Den Wünschen des Alpenclubs scheint bei dieser Gelegenheit möglichst Rechnung getragen worden zu sein. Um dem Herrn Präfekten von Hochsavoyen eine kleine Anerkennung für sein freundliches Entgegenkommen zu bieten, liessen wir demselben durch Herrn II. de Saussure unser letztes Jahrbuch überreichen. Wenn sich die Führerverhältnisse in Chamounix besser gestalten, so fällt das Verdienst der Initiative dem Herrn H. de Saussure und das Verdienst der Ausführung dem Herrn Präfekt Peloux in Annecy zu.

IX. Gletscherbuch. Nachdem ein systematisches Verzeichniss der Gletscher angefertigt, sollte nach de,i 606Zähringer.

Ansichten der Gletscherkommission irgend ein Gletscher speziell bearbeitet werden, zunächst durch Feststellung seines gegenwärtigen Zustandes und sodann durch genaue Verfolgung der eintretenden Veränderungen. Man wählte den Rhonegletscher und übertrug die topographische Aufnahme im'Massstab 1: 5000 dem durch seine Arbeiten für das eidg. Stabsbüreau vortheilhaft bekannten Ingenieur Ph. Gösset in Bern. Das Centralcomité eröffnete der Gletscherkommission einen Kredit von Fr. 3000 und auf den Bericht des Herrn Gösset, dass dieser Kredit für das Jahr 1874 nicht ausreiche, erhöhte die Abgeordneten-Versammlung in Sitten denselben auf Fr. 6000. So weit die Arbeiten bis jetzt gediehen sind, werden sie von allen Sachkennern ausnehmend gerühmt, allein in Betreff des Eigenthumsrechtes und der Bestreitung der Kosten haben sich Differenzen erhoben, welche nur die nächste Abge-. ordneten-Versammlung ausgleichen kann.

X. Verhältniss zu den auswärtigen Alpenvereinen. Unsere Verbindungen mit auswärtigen Vereinen werden immer zahlreicher und die neu entstehenden Vereine sind nicht ausschliesslich Alpenvereine. So hat sich in Krakau ein Tatra-Verein gebildet, der die Aufmerksamkeit hatte, nicht nur Herrn Prof. Desor in Neuenburg, sondern auch den gegenwärtigen Centralpräsidenten zum Ehrenmitglied zu ernennen. Unser Tauschverkehr hat nun folgenden Umfang: Deutscher und österreichischer Alpenverein 50 Exemplare, italienischer Alpenclub 33 Exemplare, englischer Alpenclub 1 Exemplar, französischer Alpenclub 1 Exemplar, steirischer Gebirgsverein 1 Exem- plar, Touristenclub in Wien 1 Exemplar, Tatra-Verein in Krakau 1 Exemplar.

Vom französischen Alpenclub ist die Anregung ausgegangen, die Ausstellung der geographischen Gesellschaft in Paris durch alle Alpenvereine gemeinsam zu " beschicken. Wir haben uns bereit erklärt, uns durch Einsendung unserer 10 Jahrbücher mit Beilagen zu betheiligen.

Feedback