Im Dilemma

Als ich vor den Herbstferien meine Sachen packte, stellte ich mit Schrecken fest: Der geliebte, über 10 Jahre alte Windstopper fällt langsam auseinander. Auch bei der Regenhose lösen sich die Nähte auf. Der Gang ins Geschäft wird unvermeidbar. Nicht, dass ich ungern in Bergsportläden schmökere. Aber die schiere Grösse der Auswahl erschlägt mich zuweilen. Und macht mich nachdenklich.

Im Bergsport gibt es inzwischen ein schwer lösbares Dilemma: Immer mehr Menschen wollen – möglichst gut ausgerüstet und möglichst einsam – in den Bergen unterwegs sein. Der SAC – und auch wir mit dieser Zeitschrift – tragen unseren Teil dazu bei. Und alle anderen, die an diesem Trend verdienen. Das wissen wir. Und stehen zu einem gewissen Teil dazu. Denn für uns gibt es fast nichts Schöneres, als sich auf Gipfeln und in Felswänden zu tummeln.

Nur: Wie viele Menschen vertragen die Berge? Muss man den Zugang auf beliebte Gipfel gar reglementieren? In Chamonix läuft dazu gerade eine äusserst spannende Debatte zum Normalweg auf den Mont Blanc. Die Pro- und Kontra-Argumente finden Sie auf Seite 24.

Auch wenn ich diese Prestigegipfel meide: Ganz auf die Berge verzichten möchte ich nicht. Darum versuche ich so wenig Spuren wie möglich zu hinterlassen. Dazu gehört auch, das eigene Material möglichst lange zu ­benutzen. Und genau darum bringen wir in diesem Heft wieder einen Produktetest, diesmal über Skifelle, ab ­Seite 40. Nicht um euch zum Kauf anzuregen. Sondern um euch Know-How zu vermitteln, damit ihr euer Ma­terial so lange wie möglich benutzen könnt. Oder kompetent entscheiden könnt, wenn ein Neukauf nötig ist.

Übrigens: Mein allererster Windstopper anno 1996 war fast ein Novum auf dem Markt. Die Kapuze schloss so eng um die Ohren, dass kaum ein Lüftchen durchschlüpfen konnte. Meine Rettung, weil mich der Wind rasch ermüdet. Mit dem Windstopper war das kein Thema mehr. Und das alles dank einer raffinierten Entwicklung von Materialspezialisten. Womit wir wieder beim Dilemma wären…