Karl Anneler: Strickende Lötschentalerin

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Dieser Nummer der « Alpen » legen wir wieder ein Kunstblatt bei, nach dem Gemälde Karl Annelers: « Strickende Lötschentalerin ». Den Beschauer des Bildes wird es interessieren, über den Kunstmaler Anneler etwas zu vernehmen. Wir haben ihn in einem Briefe gefragt, wie er zum Maler alpiner Landschaft und Menschen wurde, und da antwortete er uns: « Aus Freude, weil ich musste! Nie haben mich die Berge enttäuscht, immer waren sie mir eine Quelle starker, grosser Erlebnisse und für meine Augen frohe, schöne Feste! » — Und dann erzählt er in Kürze, dass er 1886 in Bern geboren sei, dass der Schulweg ihn täglich über die « Grosse Schanze » führte, von der aus er in weiter Ferne die Berner Alpen sah, voll Sehnsucht, sie einmal von der Nähe schauen zu dürfen. Aber erst viele Jahre später, als er mitten in der Lehrzeit steckte, habe er die Wanderungen in die Voralpen und bis zum Stockhorn unternehmen dürfen, wo er die Landschaftsmalerei versuchte. « Schon in frühester Jugend leitete uns Kinder unsere kunstbegabte Mutter zum Zeichnen und Malen an », schreibt Anneler. Was Wunder, dass da der Künstler frühzeitig geweckt wurde und die Oberhand gewann! Der Bernerzeit folgte die weitere Ausbildung in « Koburg im waldgrünen Thü-ringerland und an der Münchener Akademie. Wenn es mit dem Heimweh gar arg wurde, » meint Anneler, « erstieg ich oft die eine Kuppel der Frauen-türme, um nach den lieben Bergen auszuschauen. » Und dann kam die Heimkehr und die für den Kunstmaler Karl Anneler so bedeutungsvolle erste Wanderung ins Lötschental. Eine der vielen Bergfahrten führte ihn von Kandersteg durchs Gasterental und über den Lötschenpass ins Lötschental. Im strömenden Regen erreichte er abends Blatten. Und dann: « Früh am andern Morgen heller Sonnenschein! Welche Pracht ringsum! Ja, das war es, was ich gesucht seit Jahren. Diese grosse, schöne Harmonie von Dorf, Menschen und strahlender Bergwelt, alles überflutet von leuchtender Berg-sonne.Welches Glück, als Maler da oben zu schaffen! Kurzem Aufenthalte folgte bald ein längerer, und dann blieb ich ständig im Tal. Ganz zog es mich in seinen Bann. Misstrauisch ward ich erst von den Einheimischen gemustert dann aber fassten sie Zutrauen zum fremden Maler. Auch meine Schwester zog nach wohlbestandenem Hochschulstudium zu mir herauf. Fern vom Stadtgetriebe schufen wir in jahrelangem Schaffen und Forschen unsere Landes- und Volkskunde ,Lötschen ', die 1917 im Druck erschien. » Karl Anneler hat aber nicht nur im Lötschental gemalt. Das Massiv von Eiger, Mönch und Jungfrau oder die Einsamkeit am Bachalpsee wurden ihm ebenso lieb. « Diese Einsamkeit, die mir so viel geworden und ohne die ich mir mein Schaffen gar nicht mehr denken könnte. » So ist Karl Anneler nicht nur Kunstmaler, sondern ein alpiner Maler geworden, den die Berge und deren Menschen immer wieder locken und zwingen, « Pinsel und Palette zu ergreifen, um all das Schöne festzuhalten ». Und dass er schlicht und getreu das Geschaute festhält, ohne philosophisches Suchen, das lässt ihn uns nahe sein und seine Bilder freudig betrachten und gemessen.M Oe Die Alpen — 1942 — Les Alpes.16

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