Luftmatratze war einmal

Lienz, 1988. Mit aller Kraft ziehe ich die Leinen hoch und renne los. Hinter mir hebt sich langsam und zäh ein rechteckiges Stoffkissen, nach zehn Metern steht es schliesslich über mir. Ein Gleitschirm, einer der allerersten. Noch zwei, drei Meter – endlich sind die Füsse in der Luft. Ich schwebe! Nur etwa drei Meter über dem ­Boden, aber immerhin. Nach 40 Metern endet der Flug schon wieder.

Mein Vater hatte mich mit einem Gleitschirmkurs zu den gemeinsamen Familienferien ins Osttirol gelockt. Aber dahinter stand ein grösserer Plan: Er hatte die Vision, dass ich dereinst steilste Wände hochklettern und dann runterfliegen könnte.

Das Ding, das mich damals in der Luft hielt, wog sicher an die 15 Kilogramm. Nicht wirklich für schwerere Kletterrouten geeignet.

Weder er noch ich hätten gedacht, dass es noch ganze 25 Jahre dauern sollte, bis endlich die ersten nur noch etwa drei Kilogramm leichten Schirme genau das möglich machen würden.

Umso mehr freue ich mich, euch in diesem Heft auf ­Seite 60 den ersten kombinierten Kletter-Flug-Touren­tipp in der Geschichte der Zeitschrift «Die Alpen» ­vorstellen zu können. Dafür muss man nicht Extremkletterin sein und auch kein Vollprofi im Gleitschirm­fliegen. Leider aber etwas Geld haben. Dennoch: Für alle, die mit Knieproblemen kämpfen, tun sich neue Welten auf.

Ich habe dann übrigens mit dem Luftmatratzenfliegen nicht mehr weitergemacht. Es war mir nicht geheuer. Aber wenn ich so dem Urs Lötscher zusehe ...

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