«Mich fasziniert die Herausforderung»

Als Nationaltrainer für den Nachwuchs im Skitourenrennen werde ich oft gefragt: «Warum ist es den Wettkämpfern so wichtig, möglichst schnell den Gipfel zu erreichen?» Es ist nicht unbedingt, um als Erster die Spuren in den Hang zu legen. Auch nicht, um den Sonnenaufgang zu bewundern.

Ich zitiere dazu gerne den Sportpädagogen Dietrich Kurz. Ihm zufolge gibt es für den Menschen sechs ­Gründe, um Sport zu treiben. Erstens fördert er die Gesundheit. Zweitens dient er der menschlichen Beziehungspflege. Drittens ist er ein Ausdrucksmittel und ­erzeugt viertens auch ein Wohlgefühl. Fünftens kann auch eine gewisse Unsicherheit, die charakteristisch für den Bergsport ist, eine Motivation sein. Als sechsten Grund nennt Dietrich Kurz die Herausforderung, die der Sport in seiner leistungsbetonten Form bietet.

Die Herausforderung. Sie fasziniert mich.

Der erste Prüfstein bei der Vorbereitung zu einem Wettkampf ist die Herausforderung mir selbst gegenüber. Werde ich es schaffen, genau die Leistung zu erbringen, die ich mir vorgenommen habe? Einmal losgelegt, besteht die nächste Herausforderung darin, der Konkurrenz zu begegnen. Schaffe ich es, mitzuhalten oder sie sogar hinter mir zu lassen? Nach der Überquerung der Ziellinie steht schon die nächste Herausforderung vor der Türe: Was mache ich beim nächsten Mal besser? Und so beginnt der Kreislauf von vorne.

Mein Ziel erreiche ich nur durch ständige Optimierungsarbeit. Bei diesem Spiel sind wir Wettkämpfer sehr erfinderisch. Ein Gramm weniger hier, ein Gramm weniger da. Ausserdem kommt noch das Material dazu: das Wachs und das Fell des Skis. Wir optimieren sogar unsere Rechtfertigungen, wenn etwas nicht nach Plan funktioniert hat. Die Herausforderung und die Optimierung: Diese zwei Faktoren spornen mich zum Skitourenrennen und zur Nachwuchsförderung in der Nationalmannschaft an. Es geht um die Motivation, sein Bestes zu geben, und um die Lust, sich und andere immer weiter­zu­entwickeln.

Aber am Ende des Tages wird ihnen jeder Wettkämpfer doch nur sagen, dass das Sahnehäubchen die erste Abfahrt im Neuschnee und der Sonnenaufgang seien!

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