Neue Bergfahrten in den Walliser Alpen

Hinweis: Dieser Artikel ist nur in einer Sprache verfügbar. In der Vergangenheit wurden die Jahresbücher nicht übersetzt.

Der erste Teil dieses Berichtes ist in französischer Sprache im Juniheft erschienen.

Von Marcel Kurz.

Unter diesem Titel fassen wir nicht nur die neuen Türen der letzten Jahre zusammen, sondern auch ältere Fahrten, die überhaupt nie veröffentlicht worden sind und doch eine gewisse Wichtigkeit haben.

Ausser diesen Nachträgen findet man hier auch einige Berichtigungen, die wir besonders denjenigen Lesern empfehlen, die nach neuen Routen auf der Suche sind...

Der letzte unter diesem Titel publizierte Bericht ist in « Die Alpen » von August 1930 erschienen und beschreibt die neuen Türen der Jahre 1928 und 1929. Wie die früheren ist er von Dr. Jenny redigiert. Mit der Fortsetzung wurde ich im September 1936 beauftragt, gerade im Moment, wo mich die Redaktion von drei neuen Bänden des Walliserführers beschäftigte. Daher die Verzögerung, die man entschuldigen möge.

Im Gebiete des Walliserführers III ( Theodulpass-Simplon; 1937 ) wurden die meisten der Routenbeschreibungen von Werner Naef in Schottland ( Aargau ) übersetzt, als Probe für die deutsche Ausgabe dieses neuen Führers. Ich danke ihm an dieser Stelle für seine freundliche Hilfe.

Abkürzungen: AACBJ. = Jahresbericht des Akademischen Alpenclubs Bern; AACZJ. = Jahresbericht des Akademischen Alpenclubs Zürich; AAJ. = American Alpine Journal; AJ. = Alpine Journal; Alpen = Die Alpen ( Organ des S.A.C. ); Alpinisme ( Organ des GHM. = Groupe de Haute Montagne, Paris ); AV. I. = Guide des Alpes Valaisannes, Bd. I ( 1937 ); AV. III. = dito, Bd. III a und III b ( 1937 ); AV. IV. = dito, Bd. IV ( 1920 ); Bull. CAB. = Bulletin du Club Alpin Belge ( von 1935 an RACAB. = Revue d' Alpinisme du C. A. B. ); CAAI. Ann. = Annuario del Club Alpino Accademico Italiano; CI. = Carta Italiana, 1: 25,000; DAZ. = Deutsche Alpen-Zeitung; DÖAVM. = Mitteilungen des Deutschen und Österr. Alpenvereins; DÖAVZ. = Zeitschrift des D. Ö.A.V.; GHM. Ann. = Annuaire du G. H. M.; M J. = Mountaineering Journal; Montagne = La Montagne ( Organ des C.A.F. ); ÖAZ. = österr. Alpenzeitung; RA. = Revue Alpine ( C.A.F. Lyon ); RM. = Rivista Mensile del Club Alpino Italiano; SA. Siegfriedatlas, 1: 50,000; Wf. II = Walliserführer II ( 1932 ).

* Unveröffentlichte neue Schweizer Kote.

Wandfluhhorn, 3595 m. Über die Südwand. Willy Angerer, Heinz Jaquet, Eduard Rainer, am 16. August 1935 ( persönliche Mitteilung ).

Das Wandfluhhorn bricht nach S mit einer ca. 300 m hohen, sehr steilen Felswand zum Stockgletscher ab. Die östliche Begrenzung dieser Wand bildet jene Rippe der Ostwand, die 1912 von den Gebrüdern Mayer mit Dibona und Die Alpen — 1937 — Les Alpes.21 Rizzi begangen wurde ( Wf. II, Route 141 ). Nach links ( Südwest ) setzt sich die Wand in einem bedeutend niedrigeren Abbruch fort, der am Col d' Hérens endet.

Den Durchstieg vermittelt eine etwas rechts der Gipfelfallinie von links nach rechts aufwärts ziehende « Rampe », die auf dem oberen Teil der erwähnten Ostrippe endet. Einstieg knapp oberhalb des Bruches des Stockgletschers, bei dem Firnkegel am Fusse der Rampe. Man quert die Rampe nach rechts bis auf eine Rippe, deren Abbruche man nach links umgeht. Ungefähr 160 m der Rippe nach aufwärts, bis sie sich fast senkrecht aufschwingt. Nun 100 m waagrecht um eine Kante und eine Schlucht nach links auf die hier breite und gut ausgeprägte Rampe, die unter der lotrechten, roten Gipfelwand nach rechts aufwärts auf eine Gratscharte führt. Nach links empor, zunächst 50 m auf dem Grat, dann 120 m in der Eisrinne rechts vom Grat, bis zu einer Scharte des Gipfelgrates. Auf diesem nach rechts und nach 100 m auf den Gipfel des Wandfluhhorns. Kletterzeit 6 Stunden, sehr schwierig.

NB. Für eine Variante der Route Mayer ( 141 des Wf. II ) siehe ÖAZ. 1936, 99; Alpinisme 1936, 223.

Dent Blanche, 4364 m.

Über den Nordnordwestgrat ( vom Col de la Dent Blanche ).

Die erste Begehung ( im Abstieg, durch die Karawane Kropf, 1926 ) ist im Wf. II unter Nr. 150 beschrieben. Die erste Begehung im Aufstieg wurde am 20. Juli 1928 von I. A. Richards und Frau ( früher Miss D. E. Pilley ) mit Joseph Georges ( le Skieur ) und seinem Bruder Antoine vollbracht. Von Bricolla in 16 St. Siehe AJ. XL, 376/377 ( Turenbericht ); XLIII, 276-283 ( ausführliche Beschreibung ).

Über die Nordnordostwand ( sogenannte Nordwand ).

Diese Wand liegt zwischen dem sogenannten Nordgrat ( in Wirklichkeit Nordnordwestgrat ) und dem Viereselsgrat. Sie wurde zuerst am 11. August 1928 von Miss Maud Cairney mit den Gebrüdern Theytaz begangen ( siehe AJ. XL, 377 ).

Eine « bessere », direktere Route wurde am 27./28. August 1932 von Karl Schneider und Franz Singer eröffnet und hier beschrieben ( Alpen, 1933, 135 f. mit Wegzeichnung ). Siehe auch noch: ÖAZ. 1933,177 und 178; AJ. XLIV, 337.

Über die Nordwestwand.

Diese « Wand » liegt zwischen dem sogenannten Nordgrat und dem Ferpèclegrat ( Westgrat ). In Wirklichkeit bildet sie einen fürchterlichen Trichter, wo alle Lawinen heruntersausen. Doch musste sie « gemacht » werden, und so wurde sie am 17. August 1934 von Ludwig Steinauer und Karl Schneider bestiegen und hier beschrieben ( Alpen, 1935, 321 f. mit Wegzeichnung ). Siehe auch: Bergsteiger, 1934 ( XIII ), 97-104; Oktober 1935, 8 ( Bild ); ÖAZ. 1934, 364; 1935, 95/96; RM. 1935, 255; AJ. XLVII, 155; Alpinisme 1936, 223—225.

Über die Südostwand ( vom Schönbühlgletscher aus ).

Diese Wand wurde schon 1874 von der Partie Whitwell begangen und ist im Wf. II unter Nr. 152 als sehr gefährlich beschrieben, so gefährlich, dass sie nur in Klammern angedeutet ist.

Eine « Verbesserung » ( im schlechten Sinne ) wurde unfreiwillig am 13. August 1931 von Karl und Emil Rupilius, Karl Schreiner und A. Hein ausgeführt. Siehe ÖAZ. 1932, 307; RM. 1935, 253/254.

Pointe de Zinal, 3806 m. Über die Westwand. Bernhard Weishan mit Adolf und Hermann Schaller, am 4. Juli 1934 ( persönliche Mitteilung von B. W. ).

Die ca. 500 m hohe, sehr steile und verwitterte Wand ist von verschiedenen Rinnen durchzogen, die steinschlaggefährlich sind.

Von der Schönbühlhütte aus folgt man zuerst dem normalen Weg der Dent Blanche, dann in direkter Richtung auf die Mitte der Westwand, beim « W » von Weisse Fluh im SA. ( 1 ½ St. ). Von ferne sieht man am südlichsten Ende des Firstes der Pointe de Zinal zwei ausgeprägte Zacken, die den Südgipfel der Pointe bilden. Vom südlichsten Zacken zieht ein Couloir bis zum Schönbühlgletscher herunter. Dieses Couloir ist wegen Steinschlaggefahr zu meiden. Man lässt es rechter Hand und steigt in die Wand auf gut gestuften, verwitterten Fels ein. Nun hält man möglichst genau auf die Mitte des langen Firstes zwischen Nord- und Südgipfel zu. Einige schwierige exponierte Stellen in der Wand sind in dem griffigen Fels gut zu überwinden. Jede der von Mitte des Grates herunterziehenden kleinen Rippen kann benützt werden. Den Gipfelgrat erreicht man ungefähr in seiner Mitte.Von da an dem Grate folgend auf den Hauptgipfel. Vom Fusse der Wand je nach den Verhältnissen 2-3 Stunden.

Obcrgabelhorn, 4073 m. Über die Nordostwand. Rudolf Schwarzgruber und Hans Kiener am 30. Juli 1930.

Diese Herren sind so bescheiden, dass sie ihre Route nicht als neu angegeben. Sie kamen zum ersten Male in die Westalpen! Diese Tur wurde direkt von Zermatt ausgeführt mit Rückkehr nach Zermatt über den Arbengrat am gleichen Abend.

Prof. Schwarzgruber schreibt mir folgendes ( siehe auch ÖAZ. 1934, 39—41 ): « Ab Zermatt 040 Uhr. In flottem Tempo zum Triftjoch. Von dort durch eine steile Eisrunse mit Steigeisen abgestiegen, jedoch nicht bis in den flachen Gletscher. Dann steil nach links in den stark geneigten Gletscher ( Glacier de l' Obergabelhorn ) bis zum eigentlichen Fusse der Nordostwand ( eine breite Spalte, die den ganzen Bruch der Breite nach durchreisst, wird turnerisch übersprungen, wodurch wir sehr an Zeit gewinnen ). Der Bergschrund wird links von der Fallirne des Gipfels unschwierig überstiegen. Bei bestem Firn ( unten ) und gutem gepressten Neuschnee grabe ich eine Leiter hinauf [in der ÖAZ. ist die Neigung der Wand als über 50 Grad angegeben]. Wir betreten den Ostgrat etwa zwei Seillängen unter dem Gipfel. Dauer des Durchstieges der Firnwand: 2 St. Die Höhe schätzten wir damals auf 370-400 m. » Zinalrothorn, 4223 m. Über die Ostwand und den Kanzelgrat.

Mit Kanzelgrat bezeichnen wir den oberen felsigen Teil des sogenannten Schneegrates oder Südostgrates, den man sonst vom Trift aus gewöhnlich verfolgt ( Route 326 des Wf. II ). Schneegrat und Kanzelgrat sind also nur zwei anschliessende Stücke desselben Südostgrates, nur ist das obere, felsige Stück viel steiler und schwieriger als der untere Schneegrat. Sie begrenzen die Ostwand, die zum Hohlichtgletscher abfällt. Die Kanzel selbst bildet den Vorgipfel und liegt direkt südlich des höchsten Punktes.

Am 31. Juli 1928 folgten E. R. Blanchet mit Kaspar Mooser dem Schneegrat ( Route 326 ) und seiner unbegangenen Verlängerung, dem Kanzelgrat, fast bis zur Kanzel. Von dort, rechts in die Ostwand, bis zu einer Scharte ganz nahe vom Gipfel ( Alpen, 1929, S. 27 f. ). Die nächste Aufgabe bestand darin, den Schneegrat ganz zu vermeiden und den Kanzelgrat über die Ostwand zu gewinnen — eine Route, die mit derjenigen von G. W. Young ( 329 ) fast symmetrisch wäre und im Süden der Gipfelfallinie läge.

[Übrigens ist die Youngroute am 28. August 1930 von der Partie Blanchet-Mooser wiederholt worden].

Dies wurde zuerst am 14./15. September 1932 von der gleichen Partie versucht und fast vollbracht. Durch falschen Anstieg und eine fast totale Mondfinsternis wurde sie stark verzögert und verleitet. Der Durchstieg lag zu nahe an der Gipfelfallinie. Um 1 Uhr nachts langte sie auf dem Kanzelgrat so erschöpft an, dass sie die Besteigung nicht vollenden konnte. Die genaue Beschreibung dieses abenteuerlichen Versuches findet man im neuen Buche von E. R. Blanchet: « Au bout d' un fil » ( soeben in Editions de France erschienen ). Diese Route ist aber nicht zu empfehlen.

Die leichteste Kombination von Ostwand und Kanzelgrat gelang schliesslich am 28. August 1933 der gleichen Partie mit Träger Richard Pollinger. Die Ostwand verlängert sich im Süden unter dem Schneegrat und beträgt dort etwa */7 ihrer gesamten Höhe im Lot des Gipfels. Dieser Teil kann als südlicher Flügel der Ostwand betrachtet werden. Dort wurde der Bergschrund um 8 Uhr überschritten, also beträchtlich weiter südlich als im Jahre 1932. Herr Blanchet schreibt mir nun wörtlich folgendes:

« Après avoir gravi 50 m de glace enneigée très raide, la cordée s' engagea dans les rochers gris, de structure favorable, faciles.

De 8 h. 30 à 9 h. 15, halte à l' altitude de l' Ober Äschihom ( 3672 m ). ( En 1932, il avait fallu trois heures de plus pour s' élever à cette hauteur ). La grimpée se poursuivit directe sur des rochers étages, en évitant tous les passages enneigés. La paroi se redresse beaucoup. Il eut fallu chercher à traverser vers la droite, plus bas. Quand la caravane se décida, assez haut, à le faire, il fallut recourir à un pendule genre Grand Dru. Puis vient l' escalade directe d' une nervure très raide ( glace enneigée ) de 80 m environ. Puis nouvelle traversée à droite, coupant nervures et couloirs. Descente oblique très délicate à droite. Montée oblique à droite. Puis tout droit dans de bons rochers striés. Arrivée à l' arête de la Kanzel à 12 h. 45, au-dessus du premier gendarme après la fin du Schneegrat.

Cet itinéraire pourrait être amélioré. Il variera selon les circonstances. Après une longue halte, la caravane suivit l' arête ( Kanzelgrat ) selon la ligne de moindre résistance, en se tenant légèrement à gauche ( sauf une exception ). Gneiss très rugueux. Espadrilles utiles. Au-dessous et près de la Kanzel se trouve une petite épaule grise, d' où une vire ( glacée au début ) descend dans la face Est. Presque aussitôt on peut opter entre deux voies: ( a ) s' élever jusqu'à l' arête de faîte, immédiatement à gauche de la Kanzel, ce qui fut fait en 1933 ( escalader 2 ½ m verticaux — énorme enjambée sur une dalle — bloc en surplomb — pas très délicat — dalle raide facileou bien ( b ) faire une longue, splendide incursion dans la face Est et gagner l' arête très près du sommet ( itinéraire de 1928 décrit dans Les Alpes, 1929, 27 sq. ). Cet itinéraire doit être corrigé et complété comme suit, d' après une descente faite le 5 septembre 1933 par la caravane Blanchet-Mooser:

Montée au sommet du Rothorn par la voie ordinaire ( 326 ), la cordée redescendit jusqu' à la Kanzel, la dépassa et, fixant une corde, descendit par la variante ( a ). Longeant alors la vire glacée issue de l' épaule grise sur quelques pas seulement, elle s' éleva ( au delà d' un dièdre saillant peu marqué ) directement sur une hauteur de 20 m. Rochers verticaux, très délités ( beaucoup moins fatigant que la variante de 1928, décrite dans Les Alpes, passant quelques mètres à peine plus à droite et dont le haut comporte la très pénible escalade d' une fissure où furent enfoncées des coins de bois ). Après une dalle triangulaire on trouve à droite la clé de tout ce parcours dans la face Est. Il consiste en une sorte de corniche trois fois interrompue, formée de quatre blocs se succédant horizontalement, enfoncés en partie dans des alvéoles et surplombant la paroi à pic. Se suspendre par les mains, sans appui pour les pieds ( sauf une petite saillie sous le deuxième bloc ) et avancer par balancements de bloc en bloc. Atterrir dans un couloir oblique, dallé, très court. Le gravir, franchir une nervure à droite, s' élever 4 m dans un dièdre rentrant très raide, franchir une autre nervure à droite, gagner en s' élevant facilement ( 12 m ) une encoche de l' arête ( l' avant et non la dernière avant le sommet ). Le second grimpeur ne peut plus, comme en 1928, éviter le passage de suspension aux quatre blocs au moyen d' une traction diagonale décrite dans Les Alpes: un écroulement a creusé un évidement profond impossible à surmonter. » Schallihorn, 3978 m. Über die Südostrippe. Peter Bicknell und Peter Lloyd am 20. August 1935 ( AJ. XLVII, 358 ).

Diese Rippe ( es ist kein eigentlicher Grat ) führt direkt zum höchsten Punkt ( 3978 m ) und nicht zum Nordgipfel ( 3958 m ), wie P. L. es behauptet. Wenn diese Partie zum Nordgipfel angekommen wäre, so hätte sie die Südostrippe gar nicht verfolgt. Es sind 250 m Entfernung zwischen den beiden Gipfeln. Diese ganze Ostseite des Schallihorns ist im SA. überhaupt schlecht dargestellt. Die Südostrippe ist wenig ausgeprägt, fast geradlinig und ganz felsig vom Gipfel aus bis ca. 3250* m ( 3222 m SA. ). Dort bildet sie eine kleine Schneeschulter, die den besten Zugang zum Schalli/och ermöglicht. Weiter unten wird die Felsrippe schmäler und endet in 2900* m Höhe ( siehe Skizze S. 178, AV. II ). Von der Weisshornhütte folgt man Route ( 358 ) bis zur Schulter 3222 ( 3 St. ). Von dort der Rippe nach bis zum Gipfel ( 4V4 St. ). Der Fels ist unten ganz locker, besser ( sogar fest ) in den steilen Aufschwüngen. Diese Aufschwünge ( Lloyd spricht von « Gendarmes » ) wurden aber zuunterst in der Nordseite, zuoberst in der Südseite meistens umgangen. Zu empfehlen ist diese Route nicht, doch musste sie « gemacht » werden.

Inner Barrhorn, 3587 m. Über den ganzen Ostgrat ( vom Distelberg aus ), Walter Flaig, allein, am 21. September 1930.

Im Wf. II, unter Nr. 489, beschreiben wir die jetzt gewöhnliche Route Symons-Lochmatter und fügen bei, es scheine ebenfalls möglich, die Gratkante zu verfolgen, indem man die vier Gendarmen überschreite. Diese Tur wurde von Walter Flaig, allein, am 21. September 1930, bei vielem Neuschnee, starker Vereisung, heftigem Sturm und grosser Kälte durchgeführt. Genaue Beschreibung in der ÖAZ. 1931, 223 und 225 ( siehe auch 1932,141/142 ). Aufstiegszeit von der Topalihütte: 4½ St.

NB. Die Zeitangabe ( 1 St. ) im Wf. II ist selbstverständlich vom Distelberg aus gerechnet, nicht von der Hütte.Von der Hütte aus auf Route 489 braucht man ca. 2 ¼ St.

Matterhorn, 4482 m.

Über die Nordwand. Gebrüder Toni und Franz Schmid, 31. Juli bis 1. August 1931. Siehe ausführliche Beschreibung in Alpen, 1931, 401-408 ( mit Wegzeichnung ). Siehe auch noch über die Nordwand:

a ) Für die ersten Versuche: ÖAZ. 1924, 52; AJ. XXXVI, 156; XLII, 345; RM. 1924, 173; Bergsteiger IX, 425; DAZ. 1929, 302-304; Alpinisme, 1928.

b ) Für die erste Besteigung: A J. XL III,358-360; XLIV, 69-74; ÖAZ. 1931, 250/251; Bergsteiger, IX [266-269]; X, 17/18*; RA. 1931, 145-147; RM. 1931, 531-533; Alpinisme, 1929, 67-69; 1931, 442-445; Montagne 1932, 99-105; DÖAVZ. 1932, 137-147; DAZ. 1932, 5—9.

c ) Für die zweite und dritte Besteigung: ÖAZ. 1935, 203; Alpinisme, 1935, 136 und 170; AJ. XLVII, 363. Für den Versuch Steinauer: Bergsteiger, Oktober 1935, 11/12, und August 1936, 590 f.

Über die Südwand. Enzo Benedetti mit Maurizio Bich und Luigi Carrel, 15. Oktober 1931. Originale ausführliche Beschreibung in RM. 1932, 6-13. Siehe auch noch: ÖAZ. 1932, 132-136; DAZ. 1932, 169-174; Bergsteiger, X, 190; AJ. XLIV, 75-78; Bull. CAB. 1931, 125-134; Montagne 1932, 106-109; RA. 1932, 71—77.

Über die Ostwand. Enzo Benedetti und Giuseppe Mazzotti mit Luigi Carrel, Maurizio Bich und Luciano Carrel, 18./19. September 1932. Ausführliche Beschreibung in Alpen, 1934, 289-298. Siehe auch noch: RM. 1933, 11-21 ( Originalbericht ); AJ. XLIV, 342; XLV, 156; DAZ. 1933, 67-76; Montagne 1933, 175-188 = Bull. CAB. 1933, 5—18.

Man lese überhaupt das schöne Buch von Giuseppe Mazzotti: Grandi imprese sul Cervino ( Mailand 1934 ), das eine angenehme Fortsetzung zu Guido Reys « Matterhorn » bildet ( auch ins Deutsche übersetzt ).

Klein Matterhorn, 3886 m. Über den ganzen Nordwestgrat.

Der obere Teil dieses Grates wurde 1887 von den Gebrüdern Wethered begangen, die vom Theodulpass herkamen. Damals wurde der Grat oberhalb seiner breiten Schneeschulter ( 3762* m ) erreicht. Die erste vollständige Begehung des ganzen Grates fällt zugunsten von Berthie Neuhaus mit Ambros und Oskar Supersaxo, am 27. Juli 1904 ( persönliche Mitteilung von O. S. ).

Diese Route ist im AV. III a ( 1937 ) unter Nr. 63 genau beschrieben.

Schwarzfluli ( 4089 m ) des Breithorns. Variante über den Grenzgrat zum Schwarztor. Alexander Perrig mit Andreas Biner, im Abstieg, am 29. Juli 1925 ( persönliche Mitteilung von A. P. ).

Vom Gipfel der Schwarzfluh hinunter bis zum Anfang der Hauptrinne in der italienischen Felswand ob dem Schwarztorplateau. Dann quert man allmählich nach links ( Südost ) längs der Grenze bis unmittelbar vor einer kleinen Schnee Schulter, die sich in halber Höhe der Felswand in der Verlängerung des Südostgrates befindet. Von dort, durch einen beinahe horizontalen Quergang wieder zurück zur Hauptrinne und an ihrem linken Ufer hinab auf den Schwarz-torfirn ( 2¼ St. ). ( Skizze siehe Seite 255. ) Pollux, 4094 m. Variante zum Nordgrat.

Der Nordgrat von Pollux bildet einen langen Eis- und Schneerücken, der östlich durch die Schallbetterfiuh begrenzt wird und nördlich bei den Schwärzen endet. Dieser Grat weist zwei beträchtliche Erhebungen auf, die im SA. respektiv 3669 und 3336 kotiert sind. Inzwischen liegt ein breiter Schneesattel ( 3294* m ), wo die Schallbetterfiuh am wenigsten hoch ist.

In einem früheren Bericht ( Alpen, 1926, 259 ) ist irrtümlicherweise eine Route beschrieben, die von der Bctempshütte zum Sattel 3294* führt und der Partie Lusy zugeschrieben wurde.

NEUE BERGFAHRTEN IN DEN WALLISER ALPEN.

Breithorn, italienische Seite ( Verra ), vom Südwestgrat des Castors.

Die Variante Perrig ist die letzte rechts. Sie soll Nr. 78 tragen.

Skizze aus dem Walliserführer III ( Ausgabe 1937 ).

Die Partie Marino Lusy mit Adolf Aufdenblatten und Gabriel Zumtaugwald, am 21. Juni 1926, ging von der Betempshütte auf der Zwillingsjochroute bis ca. 3400 m hinauf, wendete sich dann rechts und stieg über ein steiles Couloir zum Nordgrat des Pollux empor. Der Grat wurde im breiten Schneesattel erreicht, der zwischen P. 3669 und dem Gipfel liegt ( persönliche Mitteilung von M. L. ). Für nähere Details siehe AV. Ill a ( 1937 ), S. 102.

Castor, 4230 m. Über den Südwestgrat.

Vom Gipfel des Castors zweigt nach Südwesten, auf italienischem Gebiete, ein mächtiger Grat ab, der im SA. leider nicht mehr eingezeichnet ist. Er besteht zuerst aus Schnee, ausgenommen an der Stelle, wo er von zutage tretenden Felsen durchschnitten wird. Nach diesen Felsen folgt eine breite Schulter, welche manchmal unter dem Namen Colle del Castore ( ca. 3980* m ) überschritten wird.

Unterhalb dieser Schulter stürzt der Grat als mächtiger felsiger Ausläufer ab, der zwei wilde Gletscher trennt: im " Westen der Piccolo Gh. di Verra, im Osten der Gh. del Castore. Letzterer bildet eine wilde Schlucht. Beide Gletscher vereinigen sich tiefer unten, bleiben jedoch vom grossen Verragletscher vollkommen unabhängig.

Der obere Teil dieses Grates ( oberhalb des Colle del Castore ) ist unschwierig und wurde öfters begangen. Der untere, durchwegs felsige Teil ist dagegen viel schwieriger. Über diesen Aufstieg wurde nichts veröffentlicht, obwohl er bisher schon zweimal erzwungen wurde: das erstemal im Jahre 1914 oder 1915 von Carlo Fortina mit Antoine Weif ( Gressoney ), das zweitemal von Antonio Inglese mit Giuseppe Bieler am 3. September 1932, von der oberen Verraalp in 11 St. ( persönliche Mitteilung von G. B. ).

NEUE BERGFAHRTEN IN DEN WALLISER ALPEN.

Nachstehend einige Angaben: Vom Rifugio Mezzalama ( 3004 m ) hinab auf den Piccolo Gh. di Verra und auf diesem wieder empor, indem man eine stark zerklüftete Zone überschreitet. So gelangt man auf das Gletscherplateau, wo der Piccolo Gh. di Verra mit dem Gh. del Castore zusammentrifft. Dieser bildet in seinem unteren Teile einen manchmal schwierig zu überwindenden Eisabbruch. Das rechte ( nördliche ) Ufer ist dem Steinschlag vom grossen Felsausläufer des Castors her ausgesetzt. Man erzwinge den Durchgang auf dem linken Ufer. Höher oben halte man sich an die Gletschermitte und gewinne

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Grenzkamm Castor-Breithorn, Schweizer Seite.

Die Schneekuppe links von der unteren Ziffer 86 ist der P. 3669. Die Variante Lusy ist nicht die Nummer 87. Sie benützt das Schneecouloir in der Falllinie der Schwarzfluh, gerade ob der unteren Nummer 88.

Skizze aus dem Walliserführer III ( Ausgabe 1937 ).

den Südfuss des Felsausläufers. Von hier erklettert man die Felsen auf dem geradesten Wege. Stellenweise sehr schwierig. Der obere Aufschwung wird knapp rechts umgangen. Er trägt einen Steinmann. Von da an besteht der jetzt leichtere Grat grösstenteils aus Schnee: die einzige heikle Stelle ist die Überschreitung der oben erwähnten Felsen, die einige Platten aufweisen.

Variante.Vom Rifugio Mezzalama zum Nordwestfusse des mächtigen Felsausläufers. Einstieg wenig rechts eines dunklen, wasserüberronnenen Couloirs über eine Reihe von ziemlich schweren Platten, welche die Hilfe von Felshaken erfordern. Nach einem Überhang nimmt die Steilheit der Wand ab, sie ist jedoch andauernd dem Steinschlag ausgesetzt bis zu einer Plattform, wo ein geschütztes Biwak bezogen werden kann. Von da quert man nach rechts und gewinnt den Kamm des Ausläufers. Nun folge man diesem schwierigen Kamm, indem man die Grataufschwünge, darunter auch einen senkrechten, gelblichen Turm, rechts umgeht. In der Nähe des Steinmannes ( der vermutlich dem P. 3903 CI. entspricht, stösst man wieder auf die vorige Route.

Ettore Bocca mit G. A. Favre und Ernesto Frachey, 31. August—1. September 1936 ( Mitteilung von E. B. und Gius. Gugliermina ).

Lyskamm, Westgipfel, 4478 m. Über die Westflanke. Giorgio Brunner mit Bernard Biner am 21. März 1929.

Diese Flanke des Lyskamms ist die wildeste und am wenigsten bekannte. Man kann sie am besten studieren, wenn man den Pollux über den Nordgrat besteigt. Vom Vorgipfel ( 4449* m ) fällt eine Schneerippe ab, welche bald einen breiten Rücken bildet und von 4170* m an felsig wird. Dieser ganz geradlinige Rücken verliert sich bei 3600 m in den Firnfeldern des rechten Ufers des Zwillingsgletschers. Diese Westflanke ist also ungefähr 850 m hoch. Zwischen dem Rücken und dem Felikjochplateau ist sie durch einen mächtigen Eisabbruch gesperrt.

Da die im Wf. III ( 1. Ausgabe ) beschriebene Route und die angegebenen Quellen vollständig unverständlich waren, wurde der letzte Überlebende der Partie befragt. Er zeichnete auf einer Photo die im Jahre 1903 begangene Route ein. Diese wich nur unwesentlich von dem zum Felikjoch abfallenden Grenzkamme ab! Da diese Flanke als bereits « gemacht » galt — oder wenigstens als solche beschrieben war —, wurde sie bis zum März 1929 nicht mehr versucht. Im März 1929 waren die Witterungs- und Bergverhältnisse ausnehmend günstig. Bernard Biner, Führerobmann in Zermatt, machte sich diese zunutze, um seinen Turisten mit Ski bis zum Fusse des Rückens zu führen, welcher dann direkt erklettert wurde. So, ohne es zu ahnen, bestieg er den Lyskamm auf einer neuen, richtigen Route!

Von der Betempshütte folgt man der Felikjochroute und gewinnt den Fuss des grossen Felsrückens, welcher zwischen zwei Gletscherbecken in dieser Westflanke am tiefsten hinabreicht. Man überschreitet den Bergschrund und erklettert die Felsen dieses Rückens. Sie sind steil und locker. Der mächtige Eisabbruch, welcher diese Flanke durchzieht und auf den Felsrücken stösst, bleibt rechts liegen. Der Rücken wird steiler. Man erklettert ihn bis zu seinem oberen Ende ( 4170* m ). Von da gewinnt man über steile Schnee- und Eishänge, wobei man sich schwach links der Rippe hält, den Vorgipfel und dann den Westgipfel ( 8 St. ). Siehe RM. 1934, 489 ( Photo mit Wegangabe ) und 491.

Signalkuppe, 4561 m. Über die Nordostflanke von Macugnaga. Jacques Lagarde und Lucien Devies am 17. Juli 1931 ' ).

Von der Alp Pedriola ( 2065 m ) folgt man 2 ½ St. lang der Signaljochroute. ( Lawinengefährdetes Biwak ). Über den Signalgletscher hinauf bis hart an den Fuss der Nordostflanke. Nun rechts ( westlich ) empor über die Hänge des Monte Rosa-Gletschers, über zwei Bergschründe und zu den Felsen des unteren Spornes des grossen Nordostvorbaus, in der Fallirne des scheinbaren Gipfels. Man erklettere eine felsige Runse, welche auf das linke Ufer des Hauptschnee-couloirs dieser Flanke leitet, nahe bei seinem unteren Ende. Man quere dieses Couloir, um die Felsrippe an seinem rechten ( südöstlichen ) Ufer zu gewinnen ( 3 St. ). ( Der Zugang vom Gletscher bis hierher ist andauernd dem Steinschlag ausgesetzt ). Man erklettere diese Rippe oder steige im Couloir selbst emporAlpinisme 1931, 421-425; 1932, 57/58; 1934, 319 und 400; RA. 1932, 31/32; 1934, 57; GHM. Ann. VI, 57; AJ. XLIII, 372/373; RM. 1932, 47; DAZ. 1932, 110-112. Persönliche Mitteilung von L. D.

Die Alpen — 1937 — Les Alpes.22 ( rechtes Ufer ) bis auf den Schneerücken, welcher die Verlängerung dieser Rippe bildet ( 6 St. ).

Auf diesem Schneerücken hinauf bis zu den Felsen des Gipfelaufbaues. Nun quert man schräg nach rechts ( westlich ), ersteigt eine mit Fels und Eis bestandene Runse und gewinnt über einen Schnee- ( resp. Eis- ) Hang den Grenzkamm im Norden des Gipfels. Von da auf einem kurzen Hang zur Regina Margherita-Hütte ( 5¾ St.; also 14% St. vom Biwak aus ).

Diese Tur ist eine der grössten und allerschwierigsten Eisfahrten in den Alpen. Die Route ist leider sehr gefährdet: bis gegen 3400 m ist sie im unteren Teile Eisabbrüchen, im oberen Teile dem Steinschlag ausgesetzt. Ein Biwak in den unteren Felsen des grossen Vorbaues ( bei 3200 m ), jenseits der obenerwähnten Bergschründe, wäre vorzuziehen. Bei Mondschein könnte man auch frühzeitig vom Rifugio Zamboni auf der Alp Pedriola aus aufbrechen.

Variante.Von der Marinellihütte ( 3036 m ) auf Route zur Dufourspitze bis auf die Höhe des Imsengrückens. Man quere, in südlicher Richtung leicht ansteigend, den ganzen oberen Monte Rosa-Gletscher. Jenseits der Fallirne des Colle Gnifetti bei ca. 3900 m über den Bergschrund ( 3 St. ). Auf einem Eishang schräg links hinauf und dann an den Fuss des Felsspornes oberhalb ( nördlich ) der Eiszunge, welche in halber Höhe des grossen Schneecouloirs der oben beschriebenen Route herabhängt ( 2 St. ). Nun gerade hinauf auf diesem Sporn, dessen obere Felsen sehr schwierig sind ( 4 St. ). Die Eiskuppe ist hier unersteigbar. Man gehe der Kuppe entlang nach links ( südlich ), wo man auf die vorhergehende Route trifft. Von der Marinellihütte bis zur Regina Marghe-rita-Hütte 10% St., einschliesslich Rast.

Massimo Magliola und Giuseppe Mosca mit Zaverio Zurbriggen und Cesare Pironi am 24. Juli 1933 ( Alpinisme, 1934, 400; RA. 1934, 57 ).

Nordend, 4612 m. Über das ganze Nordwestbollwerk.

Das Nordwestbollwerk endet bei 3212* m ( 3238 m SA .) in einen mächtigen Sporn, der im Gletscher untertaucht. Von der Betempshütte aus auf der Stockhornpassroute erreicht man den Fuss dieses Spornes in 2-2V2 St.

Links ( östlich ) des Spornes über den Bergschrund. Nun erklettert man einige Felsen und geht auf einem sehr steilen Schnee- und Eishang ( nur ganz massig ausgehöhlt ) empor, dann in einem engen Couloir, welches auf dem Sporn-kamm unmittelbar links ( östlich ) des ersten Turmes ausmündet. Dann folge man in prächtiger Kletterei dem aus schönem rötlichem Gneiss bestehenden Kamme Ein Aufschwung wird rechts in der Südwestflanke umgangen, wie im übrigen die meisten schwierigen Stellen. Die Höhe dieses Aufschwunges trägt ein Signal ( p 3787,4* m ), welches viel leichter von der Südwestseite durch eine Rinne und über ein schräges Band erreicht werden kann. Der Grat weist nachher einige Scharten auf, geht dann in Schnee über und leitet zum oberen Firnfeld, welches bei ca. 4000 m betreten wird ( 3 St. ). Von da zum Gipfel in 2 St.

Dieser Weg wurde uns vom Führer Hugo Lehner angegeben, welcher ihn mit Miss Gladys L. Scott am 22. August 1933 beging. Es scheint darüber nichts veröffentlicht worden zu sein, und es wäre interessant, zu wissen, ob dies ein neuer Weg ist. Lorria ( S. 47 ) gibt eine im Jahre 1885 von Emil Burckhardt mit Christian Jossi und P. Schlegel begangene Variante an, aber er nennt keine Quellen, und seine Beschreibung ist unverständlich.

Variante über den P. 3986. Vom Fusse des vorerwähnten Spornes ( 3238 m ) steige man in der Gletschermulde nach Osten hinauf bis an den Fuss der NEUE BERGFAHRTEN IN DEN WALLISER ALPEN.

Wand östlich von P. 3986 ( von der Betempshütte in 3 ¼ St. ). Nun möglichst gerade empor in gutem Fels und über dem Eisrand bei P. 3986 ( 3934*; 1 ½—2 St. ). Von da über leichten Firn zum Gipfel ( 2 St. ). Die Kletterei ist eissch laggefährdet.

T. Graham Brown mit Alexander Graven und Alfred Aufdenblatten am 14. Juli 1933 ( AJ. XLV, 371/372. ) Stralilhorn, 4191 m. Über die Ostflanke.

Diese beinahe ganz aus Felsen bestehende Flanke gipfelt in der Höhe einer Ostschulter ( ca. 4140* m ), welche mit dem Hauptgipfel durch einen kurzen Die unbestiegene Ostwand des Strahlhorns.

Route 362 bezeichnet den Versuch von Blanchet anno 1935. Die feinpunktierte ( unnumerierte ) Linie entspricht dem Abstieg Blanchet 1936.

Skizze aus dem Walliserführer III ( Ausgabe 1937 ).

Grat verbunden ist. Die Gesamthöhe beträgt ca. 760 m. Die Wand besteht aus drei Schichten von grünem Schiefer, von denen die unterste die charakteristischste und mächtigste ist. Diese Schicht erhebt sich als hohe düstere Wand und ist begrenzt oben durch ein breites, auf etwa 3900 m laufendes Band, unten durch den Firn, welcher bis 3376* m hinaufreicht. Diese untere düstere Wand ist ganz und gar unerstiegen, und es besteht kein direkter Weg in der Ostflanke. Unterhalb dieser Wand liegt ein kleiner Nebengletscher des Schwarzenberggletschers. Die oberen Firnfelder dieser beiden Gletscher sind durch eine Fluh getrennt. Diese ist die nordöstliche Verlängerung der Felswand, welche die tiefste Einsenkung ( 3537* m ) des Schwarzberg-Weisstor im Osten begrenzt.

Auf dieser Seite sind bisher drei mehr oder weniger umständliche Wege begangen worden, welche das Problem der Ostflanke nicht lösen. Die ideale Anstiegslinie beginnt bei P. 3376* m und geht in der Wand direkt empor. Diese ist ausserordentlich steil und wahrscheinlich auch sehr schwierig, wenngleich der Fels ziemlich fest zu sein scheint. Die Route würde dann das Schneeband bei 3900 m schneiden und gerade auf die Schulter ( ca. 4140* m ) hinaufführen und von dort zum höchsten Gipfel.

Die Route Donkin ( 1883 ) ist in AV. III b unter Nr. 361 genau beschrieben.

Die zweite Route führt rechts ( nördlich ) an der grossen Wand vorbei und erreicht den Nordostgipfelgrat wie folgt ( Nr. 362 ):

Von Mattmark auf der gewöhnlichen Route des Schwarzberg-Weisstors bis an den Fuss des obenerwähnten kleinen Nebengletschers. Dieser Gletscher bildet zwei zerklüftete ( einige Eistürme ), durch eine Felsinsel ( 3056* m ) getrennte Zungen. Man lässt beide Zungen links liegen und benützt die Felsen des Nordufers, um den Gletscherfirn zu gewinnen. Über diesen in westlicher Richtung hinauf zum Fusse eines grossen Schneecouloirs. Dieses Couloir zieht sich nach Nordnordwest in der Richtung der Kuppe 3898 * m des Nordostgrates empor. Es wird von Steinschlag bestrichen. Die Zeichnung im SA. ist ungenau. Nun über den Bergschrund und dann entweder im Couloir selbst hinauf oder über die Felsrippe an seinem linken ( östlichen ) Ufer. Dann wendet man sich nach links und folgt einem von rechts nach links ansteigenden Bande ( Fortsetzung des grossen Bandes, welches bei 3900 m oberhalb der düsteren Felswand aufhört ). Von der Stelle, wo das Band sich verbreitert und ganz in Schnee ( Eis ) übergeht, wendet man sich nach rechts und steigt gerade empor über eine Felsrippe bis zum Fusse eines schrägen Bandes, welches von links nach rechts ansteigt. Diesem Bande folgt man bis oberhalb der Felsen. Nun stufenhackend über einen sehr steilen ( 60° ) Schnee- oder Eishang und durch die Gwächte auf den Nordostgrat. Von Mattmark in 14 St.

Diese Route wurde im August 1935 von E. R. Blanchet mit Oskar Supersaxo begangen. Die Besteigung wurde nicht zu Ende geführt ( persönliche Mitteilung ).

Am 26. August 1936 endlich stieg E. R. Blanchet mit Kaspar Mooser von der Ostschulter ( ca. 4140* m ) in der oberen, sehr steilen und brüchigen Felswand auf das nördliche Ende des grossen Bandes hinab. Dieser Abstieg geschah ohne Abseilen in schrägen Kaminen, über Bänder und in einer Rinne. Diese Partie traf auf die vorstehend geschilderte Route und verfolgte sie im grossen und ganzen bis auf den Schwarzenberggletscher. Vom Gipfel bis auf den Gletscher 6 St. ( persönliche Mitteilung ).

Egginerhorn, 3377 m.

I. Über den Ostgrat. Hubert und Odilo Mengis mit einem Führer aus Eisten, im Abstieg, im Sommer 1912 x ); E. R. Blanchet, allein, im Aufstieg, im Sommer 1921 ( persönliche Mitteilungen ).

Vom Plattje auf dem Britanniahüttenweg bis zum « Heidenfriedhof » ( 2764* m; l½ St. ). Nun nach rechts über Rasen und Geröll an den Fuss ( 2830* m ) des Grates und auf diesem weiter bis zum Gipfel ( 2 St. ). Der Grat besteht im unteren Teile aus grossen losen Blöcken, während die Kletterei In Fee wird dieser Abstieg von 1912 bezweifelt.

weiter oben anregender und sogar interessant wird. Die festen Felsen bilden zwei ziemlich schwierige Absätze, die man direkt erklettern kann.

II. Über die Nordwestflanke. E. R. Blanchet mit Kaspar Mooser am 14. August 1933.

Siehe: AJ. XLV, 383; Alpinisme 1934, 429. Diese direkte Route ist in AV. III b, S. 346 unter Nummer 438 beschrieben und auf der Skizze S. 347 angegeben.

Alphubel ( Nordgipfel, 4116* m ). Über die Nordwand. E. R. Blanchet mit Kaspar Mooser am 2. August 1930.

Siehe ausführliche Beschreibung in Alpen, 1931, 35-38. Für die Richtigstellung der Topographie siehe AV. III b, S. 356, 364 und Skizze S. 363.

Lenzspitze, 4300 m. Über die Nordnordostwand.

Diese Wand aus Schnee und Eis ist das charakteristische Merkmal der Lenzspitze.Von weitem glänzt sie manchmal wie ein Spiegel. Der Höhenunterschied zwischen Bergschrund und Gipfel beträgt 490 m und nicht 800 m, wie man früher behauptete. Ihre mittlere Neigung ist 50°.

Die erste Partie ( Dietrich von Bethmann-Hollweg mit Oskar und Otmar Supersaxo am 7. Juli 1911 ) versuchte die Felsstreifen links ( östlich ) des Schneehanges zu benützen. Sie wurde durch glatte Platten zurückgewiesen und wich daher nach rechts aus, stiess dann aber auf Eis, welches 8 Stunden Stufenarbeit erforderte. Oskar Supersaxo schlägt für diese Wand den Namen Drei-eselswand vor ( im Gegensatz zum Viereselsgrat ).

Dieser Aufstieg wurde am 20. Juli 1933 durch Hans Frei f allein wiederholt ( persönliche Mitteilung; siehe auch AJ. XLVII, 153/154; Alpinisme 1935, 97 und 103 ). Dieser junge Alleingänger stieg mit Steigeisen in 2 Stunden vom Bergschrund bis zum Gipfel, in einer ganz geraden Linie, parallel zu der der Vorgänger. Es ist kaum wahrscheinlich, dass diese prächtige Leistung je übertroffen wird! Für nähere Angaben, siehe AV. III b, Route 533.

Nadelborn, 4334 m. Direkt über die Südwestflanke. Ludwig Gelpke, allein, 1918 ( persönliche Mitteilung ).

Vom Festijoch quer über den Hohberggletscher an den Fuss des teilweise aus Schnee bestehenden Couloirs links ( nordwestlich ) der GipfelfallinieSt. ). Über den Bergschrund bei ca. 3850* m hinüber, dann auf dem Schuttkegel und schliesslich im Couloir selbst hinauf. Nun steige man in den steilen Felsen direkt bis zum Fusse des Nadellochshinauf. Die Durchkletterung der obersten, senkrechten Wand erscheint unmöglich. Man wende sich dann nach rechts ( südlich ) und gewinne die Felsrippe, welche vom ersten Gratturm rechts ( südöstlich ) des Gipfels herabstreicht. Über diese Rippe hinauf und weiter bis zum Gipfel.

Klein Dürrenhorn, 3889* m. Über die Westflanke. Ludwig Gelpke und Samuel Wittwer, im Juli 1918 ( persönliche Mitteilung ).

Von Randa folgt man der Galenpassroute bis zu den hügeligen Moränen namens Guglen ( fälschlich Dürrenfad im SA. ). Dann über Schutt zum Dürren-gletscher ( ohne Namen im SA. ). Diesen Gletscher betritt man von Süden her und überschreitet ihn nach Nordost bis zum Fuss eines grossen Schneecouloirs inDas Nadelloch ist vom Festijoch aus gut sichtbar ( siehe z.B. die Postkarte Nr. 7661 von Gyger ). Es liegt direkt unter dem Gipfel, ca. 10 m nordwestlich vom höchsten Punkt.

der Fallirne des Dürrenjochs. Man bleibt aber immer rechts von diesem Couloir und steigt fast gerade empor über Schneehänge, lose Felsen und schliesslich über eine Felswand zum Gipfel ( von den Guglen in 3 St. ).

Balfrin NW, 3789* m. Über den Südweslsporn.

Vom Nordwestgipfel des Balfrinhorns fällt ein mächtiger Sporn nach Südwest ab, der bei 3400 m im Riedgletscher untertaucht, um weiter unten als Felsband wieder zu erscheinen, welches die beiden oberen Abbruche dieses Gletschers trennt. Dieser Sporn bildet die nördliche Begrenzung der Balfrin-Südwestflanke. Er ist sicherlich schon von Gemsjägern begangen worden. Die erste bekannte turistische Besteigung ist diejenige von Conrad Beck und Max Besson am 17. Juli 1935 ( persönliche Mitteilung von C. B. ).

Von der Bordierhütte ( 2886* m ) auf der gewöhnlichen Windjochroute bis oberhalb des oberen Eisabbruches ( 2 Std. ). Der Fuss des Sporns wird südlich umgangen, worauf man seine Grathöhe über einen rutschigen Geröllhang gewinnt. Der Grat selbst besteht aus festen, gut kletterbaren Felsen. In seinem oberen Teil wird er schmäler, kann dann aber südlich umgangen werden ( 1 ¼ St. ).

Gross Bigerhorn, 3623 m. über den Nordnordostsporn und die Nordnordostflanke. Conrad Beck und Max Besson am 24. Juli 1936 ( persönliche Mitteilung von C. B. ).

Dieser Sporn trennt den Hauptgletscher des Balfrin von seinem westlichen Arm. Sein Fuss liegt bei 2978 m und gleicht einer grossen dreieckigen Felsinsel. In der Höhe verengert sich der Sporn in eine Felsrippe, welche unter der Eiskuppe des Gipfels verschwindet.

Von der Bordierhütte überschreitet man das Gässi ( 3042* m ) zum Ferrich-gletscher hinab und um den Fuss ( 2744 * m ) des Nordostzweiges des Nordnordwestgrates herum ( Steinschlag selbst frühmorgens ). Dann gewinnt man über den Balfringletscher den Fuss ( 2978 m; 2984* m ) des Spornes ( 2¼ St. ).

Steile Platten, welche am Einstieg die ersten Schwierigkeiten bilden, werden rechts umgangen. Nun klettert man auf dem Gràtkamm des Sporns und seiner Verlängerung gerade empor. Im unteren Teile sind die Felsen fest, im oberen dagegen lose. Man folge der Felsrippe, bis man die grossen Spalten, welche sich zur Rechten im Westarm des Balfringletschers öffnen, hinter sich gelassen hat ( 1 ½ St. ). Dann quert man nach rechts, überschreitet den Bergschrund und steigt auf einem steilen Schneehang gerade zum Gipfel empor ( 1 St. ).

Weissmies, 4031 m. Über die Westflanke. Marino Lusy mit Adolf Aufdenblatten und Gabriel Zumtaugwald am 16. Juni 1926 ( persönliche Mitteilung ). ( Diese Tur wurde am 28. Juli 1928 von E. R. Blanchet mit Oskar Supersaxo und Kaspar Mooser bei ihrer West-Nordostüberschreitung wiederholt ).

Diese Flanke ist im SA. schlecht dargestellt. Die Felsen, welche an den Nordgrat grenzen, streichen viel weiter nach Süden; sie sind durch den Absturz des Eispanzers blossgelegt worden. Die kürzeste Entfernung zwischen dem Südwestgrat ( sogen. Triftgrat ) und dem Eisbruch der Westflanke beträgt nur 300 m. Dieser Weg ist also eigentlich nichts anderes als eine einfache Variante der gewöhnlichen Route.

Von der Weissmieshütte gewinnt man wie gewöhnlich die obere Mulde des Triftgletschers ( Mellig Gletscher, SA. ). Nun auf einem steilen Schneehang empor, zwischen einigen Eisblöcken hindurch ( unmittelbar rechts des grossen

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