Neue Landeskarten

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Von Hans Schälchlin.

Der nachfolgende Artikel möchte die Stellungnahme, die die Kartenkommission des S.A.C. und das C. C. Zürich der Jahre 1929-1931 einnahm, in knapper Weise darstellen und begründen. Die Redaktion des Sektionsblattes « Uto » ersuchte den Verfasser in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Kartenkommission des S.A.C. und Publikationschef im C. C. Zürich um einen Beitrag; er sollte die Besprechung der Kartenfrage in der Sektion Uto einleiten. Die Freunde des Verfassers und andere überzeugte Anhänger der Auffassung des C. C. Zürich traten aber für eine Veröffentlichung dieses Beitrages zur Kartenfrage in unserer Monatsschrift « Die Alpen » ein. Der Verfasser konnte mit dieser Verwendung seines Artikels um so eher einverstanden sein, als das C. C. Baden sich in freundlicher Weise bereit erklärte, zu diesem Zwecke den Textteil der Augustnummer zur Verfügung zu stellen. In der Zwischenzeit erschien das Kartenheft. Dies gab den Anlass, die Arbeit an einigen wenigen Stellen abzuändern und zu ergänzen.

I. Vorgeschichte.

Einberufung einer Kartenkommission.

Das C. C. Zürich der Jahre 1929-1931 übernahm von seinen Vorgängern in Lausanne die Aufgabe, die Interessen des S.A.C. bei der Schaffung einer neuen Landeskarte zu vertreten und zu wahren. Die Zeitschriftenkommission des S.A.C., der die Kartenfrage 1929 zur ersten Besprechung vorgelegt wurde, regte die Einberufung einer besondern Kartenkommission an. Das C. C. folgte der Anregung. Vertreter verschiedener Auffassungen, namhafte Clubkameraden und Angehörige des Lausanner und des Berner C. C. kamen Ende 1929 zur Aussprache über die neue Landeskarte zusammen.

Die Kartenkommission sah sich 3 Hauptvorschlägen gegenüber: ( Ich bezeichne im folgenden die Karten der verschiedenen Masstäbe der Einfachheit halber nach der Anzahl der Zentimeter, durch die 1 km dargestellt wird, also z.B. 1: 50,000 = 2-cm-Karte usw., und verwende in der weitern Behandlung nur noch diese Bezeichnung. ) Die 3 Hauptvorschläge.

a ) Der offizielle Vorschlag der Eidgenössischen Landestopographie ( L+T ) auf Schaffung einer militärischen Einheitskarte im Masstabe 1: 50,000 = 2-cm-Karte.

b ) Die Masstabreihe von Prof. Ed. Imhof, E. T. H.

1: 10,000 = 10-cm-Gemeindeübersichtspläne der Schweizerischen Grundbuchvermessung. 1: 25,000 = 4-cm-Karte. 1: 50,000 = 2-cm-Karte. 1: 100,000 = 1-cm-Karte.

c ) Die Masstabreihe von Werner Lang, Ingenieur der L +T ( Eidgenössische Landestopographie ):

1: 10,000 = 10-cm-Karte, 1: ZZdZ&ls = 3-cm-Karte, 1: 100,000 = 1-cm-Karte.

NEUE LANDESKARTEN.

Haupterwägungen und Stellungnahme der Kartenkommission und des C. C. Zürich.

Schon 1913 hatte sich der S.A.C., zusammen mit andern grossen Verbänden ziviler Kartenbenützer, für eine 4-cm-Karte ( 1: 25,000 ) für das Alpengebiet eingesetzt. Auch heute noch rufen die Bedürfnisse des Bergsteigers nach einer Karte, die mehr bietet als die bisherige 2-cm-Karte. Anderseits dürfen die Kosten einer neuen Landeskarte oder Kartenreihe ein erträgliches Mass nicht übersteigen. Die neue Karte muss innerhalb einer Frist geschaffen werden können, die mindestens für die heutige jüngere Bergsteigergeneration erlebbar ist.

Diese Haupterwägungen veranlassten die Kartenkommission des S.A.C., dem Vorschlag Lang zuzustimmen. Das C. C. Zürich schloss sich der wohlbegründeten Stellungnahme an.

Erste Umfrage in den Sektionen.

Auf Grund der Entschliessung der militärischen Instanzen wurden inzwischen alle weitern Vorarbeiten und Versuche durch die L+T in der Richtung der militärischen Einheitskarte ( 2 cm ) geführt. Die Fachleute innerhalb der Eidgenössischen Landestopographie, die andere Auffassungen vertraten, mussten von nun an naturgemäss in der Öffentlichkeit Zurückhaltung in der Vertretung ihrer Ansicht üben. Wiederholte Anfragen des C. C. Zürich an zuständiger Stelle über den Stand der Vorarbeiten und die Möglichkeit der Mitarbeit des S.A.C. wurden mit dem Hinweis auf die baldige Einberufung einer grossen Kartenkommission beantwortet, in der neben den militärischen Interessen auch diejenigen der zivilen Kartenbenützer zum Ausdruck kommen sollten.

Diese in Aussicht gestellte Einberufung der grossen Kartenkommission drängte zu einer Klärung der Ansichten über die neue Landeskarte innerhalb des S.A.C. Das C. C. Zürich bemühte sich wiederholt, an der für die Veröffentlichung von Kartenproben der L zuständigen Stelle des Eidgenössischen Militärdepartementes die offiziellen Proben und diejenige für eine 3-cm-Karte zur Beilage in « Die Alpen » zu erhalten. Die L+T war aber angeblich durch die Vorarbeiten für die militärische Einheitskarte neben ihren gewöhnlichen Aufgaben derart beansprucht, dass sie nicht in der Lage war, dem Gesuche zu entsprechen. Auch die bereits erstellten fertigen 3-cm-Kartenproben wurden nicht zur Verfügung gestellt.

Wollte das C. C. in jener Zeit die Meinung der Sektionen erfahren, so blieb ihm daher nichts anderes übrig, als auf die im Buchhandel bereits erschienenen Veröffentlichungen und Kartenproben der verschiedensten Massstäbe und auf die Stellungnahme der Kartenkommission hinzuweisen. Die überwiegende Mehrheit aller Sektionen schloss sich im Sommer 1931 ausdrücklich oder stillschweigend der Auffassung der Kartenkommission und des C. C. an.

Absicht der Zeitschriftenkommission auf Herausgabe einer 3-cm-Probekarte.

Die Zeitschriftenkommission war sich bewusst, dass es zu den Aufgaben des S.A.C. gehört, tatkräftig an der Verbesserung der Landeskarten mit- zuarbeiten. Im Herbst 1931 beschloss sie deshalb, aus eigenen Mitteln eine 3-cm-Kartenprobe herauszugeben und der Monatszeitschrift « Die Alpen » beizulegen. Diese Probekarte sollte den Clubkameraden ein selbständiges Urteil gestatten. Auch bei der Herausgabe dieser Karte aus eigenen Mitteln waren wir auf die Mitarbeit der L+T angewiesen; sie musste uns die zu dieser Zeit vorhandenen Unterlagen zur Verfügung stellen.

Herausgabe eines Kartenheftes in « Die Alpen ».

Anfragen bei der L+T und eine Besprechung der Vertreter der C. C. Baden und Zürich im Dezember 1931 ergaben, dass die L+T unsern Wünschen auch in dieser Weise nicht entsprechen konnte. Sie zeitigten aber wenigstens den Erfolg, dass die L+T sich bereit erklärte, ihre offiziellen Kartenproben in einem Kartenheft unserer Monatszeitschrift « Die Alpen » ( Juli 1932 ) zu veröffentlichen. Die Proben der militärischen Einheitskarte sollten durch photomechanische Vergrösserungen ergänzt werden.

Der Stellungnahme der Zeitschriftenkommission im Februar 1932 und den Bemühungen des Publikationschefs im C. C. Baden verdanken wir es ferner, dass neben den vorgesehenen offiziellen Proben der militärischen Einheitskarte und ihren photomechanischen Vergrösserungen auch Proben der 4-cm- und 3-cm-Karten — die letztere allerdings nur in der Form einer Umzeichnung der 2-cm-Karte — beigegeben werden konnten. Die 4-cm- und ganz besonders die 3-cm-Kartenproben des Kartenheftes sind keine endgültigen Ausführungen. Trotzdem vermitteln sie wenigstens annähernd einen Eindruck der Möglichkeiten, die eine Karte in grösserem Masstabe ( 3 cm oder 4 cm ) bieten könnte.

II. Beurteilung der heutigen Lage.

Im folgenden Abschnitt wollen wir unsere Forderungen an die neue Landeskarte und die drei bereits genannten Hauptvorschläge einer kritischen Betrachtung unterziehen. Wir sind dabei zur Beschränkung gezwungen. Das Juliheft unserer Monatszeitschrift « Die Alpen » hat eingehendere Betrachtungen von Kartenfachleuten gebracht; die in Aussicht genommenen Aussprachen in den Sektionsversammlungen geben ferner Gelegenheit zu weitergehenden Besprechungen.

Fachmann und Laie ( Ersteller und Benutzer ).

Wir im S.A.C. müssen uns nun darüber klar werden, wie wir die Karte gebrauchen und was wir von ihr verlangen. Andere Interessentenkreise tun dasselbe. Wir hörten Kartenfachleute schon so überlegen: « Auf Grund der modernen entwickelten technischen Möglichkeiten muss gleichsam die technische Idealkarte geschaffen werden. Dieser Schöpfung gegenüber wird dann der Mensch gestellt, der sich ihr anzupassen hat. Er übernimmt dann ganz einfach die Pflicht, sich so auszubilden, dass er mit dieser neuen Karte bestmöglich zurechtkommt. » Das heisst unseres Erachtens die Anforderungen an den durchschnittlichen Kartenbenützer überspannen. Wir erhielten so, vom technischen Standpunkt aus betrachtet, eine ideale Karte, die aber den Voraussetzungen, wie sie im gewöhnlichen zivilen und militärischen Kartenbenützer liegen, trotz aller « Einführungskurse ins Kartenlesen » nicht entspräche.

Unzulänglichkeit der bisherigen Karten.

Dass der bisherige Siegfriedatlas und die Dufourkarte auf mangelhaften vermessungstechnischen Grundlagen stehen und neuzeitlichen Anforderungen nicht mehr genügen können, ist heute unbestritten. Ein allen zugänglicher einfacher Vergleich eines alten 2-cm-Überdruckes des Gotthardgebietes z.B. mit einem Jüngern Blatt, in dem neue Aufnahmen verwertet wurden, zeigt den Fortschritt in Aufnahme und Darstellung mit aller wünschenswerten Deutlichkeit. ( Siehe auch die Kartenproben in der Abhandlung von Prof. Ed. Imhof: « Unsere Landeskarten ». ) Grundlagen für neue Karten.

Neue und zuverlässige Grundlagen für die Landeskarte gibt die Grundbuchvermessung, eine Folge des Eidgenössischen Zivilgesetzbuches. Sie liefert Gemeindeübersichtspläne im Masstab 1: 5000 oder 1: 10,000. Das moderne photogrammetrische Aufnahmeverfahren liefert weiter vorzügliche Grundlagen für Karten- und Planzwecke. Laut Mitteilung der L+T ist ein grosser Teil des Alpengebietes heute bereits photogrammetrisch aufgenommen ( Berner Oberland, Wallis, Tessin, westlicher Teil von Graubünden, St. Galler Oberland, teilweise auch Glarus und Schwyz ); die Verwertung des gewonnenen Materials dagegen in der Herausgabe der Karten hat bisher mit der Geländeaufnahme nicht Schritt gehalten.

Forderungen des Bergsteigers an die neue Karte.

Die neue Landeskarte muss uns zum naturgetreuen zuverlässigen Begleiter und Führer auf unsern Bergfahrten werden. Sie soll uns, ganz besonders im siedelungsarmen Gebiet, die selbständige Orientierung im Gelände sichern. Wir verlangen deshalb: Naturgetreue Wiedergabe der Geländeform und der Geländebedeckung, weitgehendste Angabe aller Kommunikationen und Siedelungen; einfache und klare Darstellung und Übersichtlichkeit als Voraussetzung zur guten Lesbarkeit. Das in einem Kartenblatt dargestellte Gebiet soll ferner im Umfange nicht zu klein sein, wir sollten nicht zu rasch von einem Blatt ins andere hinüberwandern können, also nicht zu viele Blätter kaufen und mittragen müssen. Alle Tureneinzeichnungen, wie wir sie in den Clubführern des S.A.C. finden oder wie sie aus eigenen Erfahrungen hervorgehen, sollten wir auf den neuen Karten wenigstens bis an die grössern zusammenhängenden Felsmassen heran einzeichnen können. Von keiner Karte, auch nicht von einer grossmasstäblichen ( 3-cm- oder 4-cm-Karten ), können wir verlangen, dass die zusammenhängenden grössern Felsmassen in der Zeichnung so wiedergegeben sind, dass Aufstiegsrouten z.B. darin erkennbar würden.

Die militärische Einheitskarle.

Die verantwortlichen militärischen Instanzen können sich mit den bisherigen Karten nicht mehr begnügen. Unter voller Ausnützung aller verfügbaren Mittel verlangen sie die sofortige Erstellung einer neuen 2-cm-Einheits- karte ( 1: 50,000 ). Diese neue Karte soll den z.T. verschiedenen Bedürfnissen der Infanterie und der Artillerie gleichermassen gerecht werden. Sie ist eine Mittellösung, herausgewachsen aus den zur Annäherung gebrachten ursprünglichen Forderungen der beiden Waffengattungen.

Nach der Orientierung, die uns bisher gegeben wurde, tritt die neue 2-cm-Einheitskarte an die Stelle der bisherigen 4-cm-Karte fürs Flachland, der 2-cm-Karte fürs Gebirge und der 1-cm-Dufourkarte. Diese letztere Karte soll vorläufig in der bisherigen Form noch weiter gedruckt werden; die Erstellung einer neuen 1-cm-Karte gehört also ins unübersehbare Zukunftsland. An eine neue 4-cm-Karte, die dank ihres grössern Masstabes das moderne Aufnahmematerial besser verwerten liesse, denkt heute — wenigstens in der Öffentlichkeit — niemand. Gerade die photomechanischen Vergrösserungen der 2-cm-Karte, welche die L +T als sehr notdürftigen Ersatz offeriert ( Studienblatt der L+T:lc und 2c ), werden durch ihre Unzulänglichkeit einer grossmasstäblichen Karte den Weg bereiten.

Die Proben der neuen militärischen 2-cm-Einheitskarte sind hinsichtlich Genauigkeit und kartographischer Leistung vorzüglich. Gegenüber den bisherigen 2-cm-Siegfriedblättern bedeuten sie einen Fortschritt. Auf verhältnismässig beschränktem Raum drängt sich aber eine solche Fülle von Material zusammen, dass der Eindruck verwirrend ist und uns schwere Bedenken aufsteigen, ob der Durchschnittskartenbenützer — zivil oder militärisch — die neue Karte auch, der Verbesserung entsprechend, auszuwerten imstande sei. Die Kartenproben rufen unwillkürlich dem Wunsch nach Auflockerung, wobei im grössern Raum eventuell sogar noch mehr Tatsachen aus dem vorhandenen photogrammetrischen oder Grundbuchmaterial verwertet werden könnten.

Der Wunsch des Bergsteigers, der schon 1913 durch die Organe des S.A.C. zum Ausdruck gebracht wurde, geht durch diese Karte nicht in Erfüllung. Das vorhandene wertvolle Aufnahmematerial gelangt nur ungenügend zur Verwertung; die Übersichtlichkeit und Lesbarkeit der Karte leidet unter dem Mangel an Raum. Die Überlastung lässt keinen Raum für die Einzeichnungen von Routen z.B., wie sie der Bergsteiger wünscht, oder anderer Art, wie sie das Militär, die zivile Technik, der Wissenschafter notwendigerweise brauchen.

Der Vorschlag der militärischen Kreise gibt uns auch nicht die neue 1-cm-Übersichtskarte, die dem Bedürfnis der vielen Passwanderer unter uns und derjenigen, die sich auf den Gipfeln über die Rundsicht orientieren wollen, vollkommen entspräche.

Die Kartenreihe Imhof.

Eduard Imhof, Lehrer an der E. T. H. und Mitglied der « Kleinen Militärkommission », die zusammen mit der L+T die offiziellen Proben für die militärische Einheitskarte vorbereitete, schlägt, wie bereits erwähnt, folgende Kartenreihe vor: 5 cm, eventuell 4 cm, 2 cm, 1 cm.

Aus seiner Begründung sei das Wesentlichste hervorgehoben: « Die 1-cm-Karte ist die durch den Vorschlag der militärischen Einheitskarte verloren gegangene Übersichtskarte über grössere Gebiete. Die vorgesehene 2-cm- NEUE LANDESKARTEN.

Einheitskarte kann mangels Raum die reichen Ergebnisse der neuen Aufnahmen ( durch Grundbuchvermessung und auf photogrammetrischem Wege ) nur ungenügend wiedergeben. Gibt sie aber dem wachsenden Bedürfnis der Öffentlichkeit nach besserer Auswertung des bereits vorhandenen Materials doch einigermassen nach, so verliert sie an Übersichtlichkeit. Wissenschaftliche Bedürfnisse, vorab die der Geologen, rufen nach einer Karte, die Geländeform, Art und Schichtung möglichst treu wiedergibt. Dies kann durch die militärische Einheitskarte auf keinen Fall geboten werden, durch die 3-cm-Karte nur mangelhaft. Die photographische Vergrösserung der 2-cm-Karte, wie sie durch die L+T angeboten wurde, ist ein untauglicher Ersatz. Die 4-cm-Karte macht die Herausgabe der 10-cm-Karte ( Vorschlag Lang ) zum grössten Teil überflüssig; diese wäre übrigens unrationell und für grosse Teile unkultivierten Gebietes unmöglich, da hier nur photogrammetrische Aufnahmen vorliegen, die für die Auswertung in diesem Masstab nicht mehr genügten. » Sehen wir uns Imhofs Überlegungen näher an: Wissenschaftliche Bedürfnisse sind es in erster Linie, die die Forderung nach der 4-cm-Karte stützen. Wir aber wollen in erster Linie die Ansprüche des Bergsteigers an die neue Karte zum Ausdruck bringen. Würde der Vorschlag Imhof verwirklicht, müssten wir darüber wachen, dass die neue allgemeine 4-cm-Karte, eventuell zu sehr nur wissenschaftlichen Bedürfnissen folgend, nicht zuviel Inhalt bekäme und damit an Leserlichkeit einbüsste. Die mit reicherem Inhalt ausgerüstete Karte müsste naturgemäss rascher veralten; ihre Nachführung erforderte mehr Aufwand. Der Umstand, dass durch die 4-cm-Karte ein gewohntes und einfaches Umrechnungsverhältnis erhalten bliebe, ist nicht gewichtig genug. Wir haben uns schon bei andern komplizierteren Fragen rasch und sicher in neue Verhältnisse hineingefunden. Ein spürbarer Nachteil läge im kleinen Umfang des durch das einzelne Blatt dargestellten Gebietes oder, anders gesagt, in der grossen Kartenfläche eines ausgedehnten Geländeraumes. Für eine längere Bergtur von mehreren Tagen in einem grössern Gebiet würde die Anschaffung der Karten verteuert, und wir müssten viel Papier mittragen.

Die schwersten Bedenken aber gegen den Vorschlag Imhof liegen anderswo. Wir teilen die in weiten Kreisen geäusserte Befürchtung, dass der Vorschlag von Prof. Imhof nicht verwirklicht werden könne mangels genügend verfügbarer Mittel. Er ist, so wurde schon gesagt, « ein Wechsel auf lange Sicht, der mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht eingelöst wird ». Wir verstehen, dass die Verfechter der militärischen Einheitskarte das angebotene Bündnis Imhofs annahmen. Imhof « paktiert » mit ihnen, um durch die militärische Einheitskarte vorerst einmal ein Glied in seiner Masstabreihe zu erhalten. Kann dieses Bündnis aber auf längere Dauer hin halten? Liegt nicht zum mindesten eine Selbsttäuschung vor?

Im ablehnenden Urteil über die neue 2-cm-Einheitskarte ist Imhof mit uns einig: sie sollte zwei Herren zugleich dienen und kann es in Wirklichkeit keinem recht machen. Im Bestreben, im zugewiesenen beschränkten Raum doch etwas von dem reichen Aufnahmematerial zu verwerten, würde sie überladen und unübersichtlich. Die grundsätzliche Zustimmung zur Masstab- reihe Imhofs müsste die endgültige Ausführung der neuen 2-cm-Karte wesentlich beeinflussen: ihr Inhalt würde ärmer, sehr wahrscheinlich müsste auch der bisherige Entscheid über die Äquidistanz in Wiedererwägung gezogen werden. Die neue « Einheitskarte » erhielte dann eine Ausstattung, an der wohl die Vertreter der Spezialwaffen ( Artillerie und Genie ) immer weniger Freude fänden. Die Armee braucht aber in allernächster Zeit dringend neue Karten; sie kann nicht warten, bis nach der langen Erstellungsfrist der 2-cm-Karte die 4-cm-Karte an die Reihe kommt. So verlangt sie eben die vorgesehene militärische Einheitskarte, die aber nicht die 2-cm-Karte des Herrn Imhof ist.

Bei aller Bereitschaft zum Optimismus bringen wir denn in diesem Falle— teilweise auch auf Grund von Erfahrungen, die wir mit andern Interessenten in der Vorgeschichte machen durften — den notwendigen Glauben nicht auf, dass nach der durchgehenden Erstellung der militärischen 2-cm-Einheitskarte wenigstens die nächste Bergsteigergeneration einmal in den Genuss der von Herrn Imhof geforderten 4-cm-Karte käme.

Der Vorschlag Lang.

Werner Lang, Ingenieur in der L+T, schlägt die Masstabreihe 10 cm, 3 cm, 1 cm vor.

Die Hauptvorzüge seines Vorschlages, dem sich, wie bereits erwähnt, die Kartenkommission des S.A.C. und das C. C. Zürich anschlössen, lassen sich kurz so zusammenfassen:

Im Gegensatz zu der militärischen 2-cm-Einheitskarte wird sein Vorschlag den verschiedenen und nur schwer unter einen Hut zu bringenden Bedürfnissen am natürlichsten und einfachsten gerecht. Dem Projekt Imhof gegenüber ist er wirtschaftlicher: sein Kartenwerk lässt sich mit weniger Mitteln und in absehbarerer Zeit durchführen und unterhalten.

Für besondere technische Aufgaben und für geologische, pflanzengeographische und andere wissenschaftliche Zwecke steht der Grundbuchübersichtsplan 1: 5000 oder 1: 10,000 zur Verfügung. Auch der militärische Spezialist wird in besondern Fällen von ihm Gebrauch machen. Nach Mitteilung der Direktion der L+T anlässlich der erwähnten Konferenz vom 4. Dezember 1931 in Bern wird das auf photogrammetrischem Wege gewonnene Aufnahmematerial am Autographen im Masstab 1: 25,000 ausgewertet. Sofern die notwendigen Ergänzungen der Gebiete und Objekte, die im photogrammetrischen Verfahren nicht erfassbar sind, ebenfalls in demselben Massstab erfolgen, könnte die so gewonnene Zwischenredaktion für wissenschaftliche Zwecke verwendet werden, wenn die nächste, die 3-cm-Karte, nicht ausreicht. ( Wir nehmen an, es betreffe dies hauptsächlich die grössern Flächen unkultivierten Bodens im Alpengebiet, wo auch die Grundbuch Vermessung sich mit dem photogrammetrischen Aufnahmeverfahren begnügen muss. ) Für die Veröffentlichung wissenschaftlicher Forschungsergebnisse aber dürfte die 3-cm-Karte vollauf genügen.

Die 3-cm-Karte entspräche somit den Bedürfnissen der Spezialwaffen, ausgedehnter wissenschaftlicher Kreise und ganz besonders denjenigen des NEUE LANDESKARTEN.

Bergsteigers, der anhand der Karte sich im Gelände selbständig zurechtfinden und in der Natur einleben will. 1 km2 Gelände erhielte in ihr 9 cma Kartenfläche; in der 2-cm-Karte dagegen nur 4 cm2.

Auf einer mehr als zweimal grössere Fläche könnte die 3-cm-Karte von Lang das im modernen Aufnahmeverfahren gewonnene Material weit besser auswerten, ohne, wie die Probe der militärischen 2-cm-Einheitskarte, den Eindruck des Überladenseins und der schlechten Lesbarkeit für den Durchschnitts-benützer zu hinterlassen. Anderseits würde die 3-cm-Karte, verglichen z.B. mit einigen Blättern der 4-cm-Karte ( Vorschlag Imhof ), kaum den Eindruck der Leerheit eines zu grossen Kartenraumes aufkommen lassen. Mehr aber und unmittelbarer als alle logische Beweisführung und mehr als Worte überzeugen die bereits ausgeführten 3-cm-Proben der L+T. Wir bedauern nur, dass diejenigen des Kartenheftes des S.A.C. im wesentlichen nur Umzeichnungen der 2-cm-Karte und nicht endgültige 3-cm-Proben sind.

Mit der neuen 1-cm-Karte wird der Vorschlag Lang dem Bedürfnis der Infanterie und der höhern Kommandostellen nach einer Übersichtskarte gerecht. Die Proben dieser neuen Karten, die wir sahen, hinterliessen einen ausgezeichneten Eindruck ( Kurvendarstellung, Schummerung, verschiedene Farbtöne; siehe auch die Publikation von E. Imhof: Unsere Landeskarten, Tafel XII, Gemmi ). Das wäre die ideale Übersichtskarte auch für diejenigen unter uns, die sich mit einfachen Höhenwanderungen begnügen, und für alle, die in der Gipfelrundsicht eine Orientierung wünschen. Wir bedauern, dass das Kartenheft des S.A.C. diese Karten nicht mehr aufnehmen konnte, und hoffen sehr, eine Probe der neuen 1-cm-Karte werde in einer der nächsten Nummern von « Die Alpen » als Beilage erscheinen. Nur unter Einbezug auch dieser Karte kann der ganze Vorschlag Lang richtig verstanden und gewürdigt werden.

Der Haupteinwand gegen den Vorschlag Lang greift den ungewohnten Masstab an. Er appelliert an die natürliche geistige Trägheit des Menschen, der alte Gewohnheiten nur ungern verlässt. Wie einfach ist aber bei ruhiger und sachlicher Prüfung die Umrechnung nach der Formel 1 km = 3 cm. Die Anzahl der auf der Karte gemessenen Zentimeter geteilt durch 3 ergibt die Anzahl der Kilometer im Gelände. Und wem diese Rechnung noch unbequemer erscheint als die bisherige mit 2 und 4, der benütze den Massstab, der jedem Kartenblatt beigedruckt ist, oder die besondern Karten-masstäbe, die z.B. auch heute sogar der militärische Kartenbenützer gebraucht. Dieser Hinweis auf die Umgewöhnung darf nicht zu gewichtig genommen werden.

Ein anderer Einwand, vorläufig bleibe die 3-cm-Karte alleinige Einheitskarte, ist, gemessen an dem grossen Werk der neuen Landeskarten, unstich-haltig. Wie bei der Schaffung der militärischen 2-cm-Einheitskarte bliebe vorläufig die alte verbesserte Dufourkarte Übersichtskarte und Ersatz, bis die neue 1-cm-Karte sie ablöst. Im Gegensatz zur vorgesehenen militärischen Einheitslösung wäre dies nur ein vorübergehender Zustand, und man erhielte auf diesem Wege eine Karte, die modernen Ansprüchen weit mehr gerecht würde.

III. Stellungnahme.

Der Vergleich dieser drei Hauptvorschläge für die neue Landeskarte untereinander — militärische Einheitskarte, Kartenreihe Imhof und Kartenreihe Lang — und die Bezugnahme auf die Ansprüche, die wir an die neue Karte stellen, entschied unsere klare Stellungnahme für den Vorschlag Lang. Er entspricht besser den verschiedenen Bedürfnissen als die militärische 2-cm-Einheitskarte, er ist ausgeglichener und wirtschaftlicher als der Vorschlag Imhof. Die voll ausgeführten Proben der 3-cm- und der neuen 1-cm-Karten, die auch das Kartenheft des S.A.C. nicht enthält, wirken überzeugender als die gedankliche Spekulation. Wir erhalten so die beiden Karten, die unsern heutigen Ansprüchen auf Leistung und Wirtschaftlichkeit in vollem Umfang gerecht werden. Und wir werden — oder dann sicher die nach uns kommende Generation — diese Karte erleben. Wenn wir so klar unsere Stellungnahme zum Ausdruck bringen, dann wissen wir aber auch, dass wir damit die Bedürfnisse anderer Interessenten nicht einfach übersehen; wir sind überzeugt, dass auch die wissenschaftlichen und militärischen Kreise mit uns von dieser Lösung befriedigt sein können.

Auf die einzelnen Fragen wie Kurvendarstellung, Äquidistanz, Schummerung, Farbtöne, Felszeichnung, Belichtung usw. können wir mangels Raum jetzt nicht eintreten. Nur auf eine wichtige Aufgabe sei noch hingewiesen. Im Gebrauch der alten Siegfriedkarten und ganz besonders bei der Schaffung unserer Clubführer stossen wir immer wieder auf die Tatsache, dass die Ortsnamen nur mangelhaft oder direkt unrichtig wiedergegeben sind. Wir bedürfen dringend einer durchgehenden Klärung vieler mit der Ortsnamengebung zusammenhängender Fragen. Hier öffnet sich eine dem S.A.C. würdige Aufgabe: die Bearbeitung, Herausgabe und Weiterführung einer Ortsnamenkunde für das gesamte Gebiet der Alpen und des Jura. Die Zeitschriftenkommission hat bereits der Anregung in vollem Umfang zugestimmt, das C. C. 1929—1931 hat die Aufgabe als dringlich erklärt; hoffen wir, dass es dem C. C. Baden oder den kommenden C. C. des S.A.C. gelingen möge, mit Unterstützung unserer anerkannten schweizerischen Fachleute diese Angelegenheit zu einem guten Ende zu führen. Sie ist besonders wichtig im Zeitpunkt der Neuschaffung unserer Landeskarten.

Ausblick.

Die militärischen Behörden werden bei der Erstellung der neuen Landeskarten ein gewichtiges Wort haben. Kommen ihnen gegenüber die Zivil-interessen überhaupt noch zur Geltung? Sind durch die « Kleine Militärkommission » und die offiziellen Proben der L+T nicht « die Weichen schon endgültig gestellt », so dass die Aussprache in der « Grossen Kartenkommission », in der auch die Zivilverbände sich zu den vorgelegten Kartenproben äussern können, nur platonischen Charakter hätte?

Wir verkennen die Notwendigkeit keineswegs, die Bedürfnisse der Landesverteidigung in allererster Linie und gewichtig mitreden zu lassen. Trotzdem beanspruchen die Äusserungen und Vorschläge zur neuen Landeskarte, die VIII26 NEUE LANDESKARTEN.

aus zivilen Kreisen kommen, das Recht der unvoreingenommenen und ernsthaften Prüfung; besonders dann, wenn sie sich mit den militärischen Interessen zur Deckung bringen lassen.

Nicht nur deshalb, weil die Vertretung des ganzen Volkes die notwendigen Kredite zu bewilligen hat. Die Kriegstüchtigkeit unserer Milizarmee ruht in mehrfacher Hinsicht auch auf der ausserdienstlichen Vorbereitung und Ausbildung. Sollte nun eine neue Landeskarte erstellt werden, die zu einseitig nur die militärischen Bedürfnisse in den Vordergrund rückt, so schafft die Privatinitiative die Karten, die zivilen Zwecken in bester Weise dienen, und diese werden dann vorzugsweise gebraucht. Damit fällt die Gelegenheit der Übung im Gebrauch der militärischen Karten dahin. Das Kader unserer Milizarmee bedarf aber eher einer Förderung in der Kunst des Kartenlesens als einer Hemmung.

Sowohl auf dem Wege über die militärische 2-cm-Einheitskarte als auch über die Verwirklichung des Vorschlages Imhof kommen wir in einen Zustand der Zersplitterung der staatlichen und privaten Mittel für die Neuerstellung und den Verbrauch der Landeskarten. Zur militärischen Einheitskarte müssen auf privatem Wege noch Ergänzungskarten erstellt werden; die Kartenreihe Imhof legt grosse Mittel auf lange Zeit fest und macht den Verbrauch unwirtschaftlich. Der Vorschlag Lang dagegen bringt eine einfache Lösung, die den verschiedensten Bedürfnissen mit wenigen Mitteln gerecht wird. Die neuen 3-cm- und 1-cm-Karten werden von der grossen Menge der Zivilkarten-benützer ihrer Zweckmässigkeit wegen gerne verwendet werden und so einen guten Absatz finden.

Die zivilen Kartenbenützer sehen der weitern Entwicklung der Kartenfrage mit Interesse und gespannter Aufmerksamkeit entgegen. Sollten die Pessimisten unter ihnen recht erhalten, sollten durch die Vorarbeiten und die Art der weitern Entwicklung die « Weichen tatsächlich » schon endgültig gestellt sein, dann muss zum mindesten erwartet werden, dass der privaten Initiative von Seiten der Organe der L+T alle Freiheit und Unterstützung geboten werden, die ihr gestattet, auf Grund des zur Verfügung gestellten offiziellen Aufnahmematerials aus privaten Mitteln die Sonderkarten zu schaffen, die dem zivilen Bedürfnis am ehesten entsprechen.

Der S.A.C. hat durch die Herausgabe von Karten zu allen Zeiten bewiesen, dass er bereit ist, sich tatkräftig für die Verbesserung unserer Landeskarten einzusetzen. Das Interesse für die Kartenfrage, das in diesen entscheidenden Jahren in seinen Reihen sich überall und lebendig Geltung verschaffte, lässt uns hoffen, dass der S.A.C. auch heute und in der Zukunft mit Begeisterung und Kraft dieser seiner Aufgabe nachzukommen weiss.

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