Ostalpine Bergsteigerleistungen 1957

Hinweis: Dieser Artikel ist nur in einer Sprache verfügbar. In der Vergangenheit wurden die Jahresbücher nicht übersetzt.

MIT NACHTRÄGEN VON HANS HANKE, SALZBURG

So wie in unserem vorjährigen Bericht wollen wir auch diesmal zunächst mit erfolgreichen Fahrten in aussereuropäische Berggebiete beginnen.

Himalaya Auch das Jahr 1957 brachte den österreichischen Bergsteigern einen Achttausender ein. Am 9. Juni gelang es sämtlichen Teilnehmern der Expedition des Österreichischen Alpenvereins, und zwar Markus Schmuck ( Expeditionsleiter ), Hermann Buhl, Fritz Wintersteller und Kurt Diemberger, den Gipfel des 8047 m hohen Broad Peak zu erreichen. Es war dies der viertletzte Achttausender im Himalaya, in welchem von österreichischen Bergsteigern bekanntlich noch der Nanga Parbat ( H. Buhl ), der Cho Oyu ( Dr. H. Tichy und Kameraden ) und der Gasherbrum II ( Ing. Morawec ) erstiegen worden sind. Anschliessend daran gelang M. Schmuck und F. Wintersteller die Erstersteigung eines 7450 m hohen, noch unbekannten Hauptgipfels der Savoia-Gruppe, wobei auf grosse Strecken hindurch Ski benutzt wurden. Beim Versuch, einen weiteren Siebentausender, und zwar die über 7000 m hohe Chogolisa, zu ersteigen, der von Buhl und Diemberger unternommen wurde, stürzte Buhl durch Wächtenbruch tödlich ab.

Anden Eine Expedition des Österreichischen Alpenvereins führte im Sommer 1957 neuerlich eine Anden-Kundfahrt durch. Unter Leitung von Dr. H. Klier gelang es den Bergsteigern Toni Egger, Sigi Jungmeier, Herbert Raditschnig und Erich Krenmay die letzten beiden Sechstausender der Cordillera Huayhuash, und zwar den Jirishhanca ( 6126 m ) und El Toro ( 6121 m ), die zu den wildesten Bergen der Neuen Welt zählen, erstmals zu besteigen. Ausserdem wurden nicht weniger als 12 Gipfel zwischen 5400 und 5700 m erstmalig bestiegen, darunter in der Cordillera Huayhuash der Cerro, Nevado Alcay, Jirishhanca chico und Trapezio und in der Cordillera Raura der Nevado de Santa Rosa.

Nördliche Ostalpen Ammergauer Berge Geiselstein, direkte Nordwand. Den beiden Augsburger Bergsteigern Walter Siebert und Hugo Abele gelang am 22. Dezember 1957 die erste Winterbegehung dieser äusserst schwierigen ( VI ) Wand.

Rhätikon Kanzelkopf. Erste Besteigung über die Südkante durch Rudolf Reif, Dr. Robert und Lilly Weber am 6. August 1957. Ausgangspunkt Douglas-Hütte. Schwierigkeitsgrad III, Kletterzeit l½ Stunden.

Grosser Drusenturm, direkte Südwand. Erstbegehung am 28./29. September 1957 durch Seth Abderhalden und Peter Diener vom Kletterklub Alpstein. Wandhöhe 500 m, Schwierigkeitsgrad VI, reine Kletterzeit 17 Stunden.

Scheienwand. Erstbegehung dieser mehrfach von sehr guten Seilschaften aus der Schweiz, Österreich und Deutschland versuchten Wand durch die Schweizer Peter Diener und Max Niedermann in der Zeit vom 9. bis 11. Juni 1957, Wandhöhe 350 m, reine Kletterzeit 26 Stunden.

Mieminger Berge Westliche Grießspitze, direkte Nordwand. Erstbegehung dieser Route durch Gerhard Griensteidl und Manfred Eiberweiser von der Jungmannschaft der Sektion Bayerland ( DAV ) am 22. September 1957. Wandhöhe 450 m, Schwierigkeitsgrad IV, zwei Stellen V, Gehzeit 7 Stunden.

Wetterstein Scharnitzspitze-Südwestkante. Am 28. und 29. Dezember 1956 konnten die beiden Nürnberger Bergsteiger H. Baumgartner und Dieter Zelnöfer die erste Winterbegehung dieser Kante durchführen. Sie mussten im oberen Teil der Kante bei -25° biwakieren.

Schüsselkarspitze-Ostwand. Zweite Winterbegehung dieser berühmten Wand durch die Innsbrucker Gottfried Potisk ( ÖAV-Jungmannschaft ) und Gernot Wersin ( Akademischer Alpenclub Innsbruck ), Kletterzeit 6 Stunden.

Schüsselkarspitze-Südostwand. Zweite Winterbegehung dieser äusserst schwierigen Wand ( VI ) durch Herbert Raditschnig und Walter Larcher ( « Karwendler » Innsbruck ) in einem Tag.

Jungfernkarkopf-Nordwand. Erste Winterbegehung am 9./10. Februar 1957 durch Georg Maier ( Ulm ) und Karl Simon ( Garmisch-Partenkirchen ). Wandhöhe 1100 m, Kletterzeit 13 Stunden.

Schönangerspitze-Nordwand. Erste Winterbegehung am 23./24. März 1957 durch Georg Maier und Hannes Niederberger. Wandhöhe 700 m, Kletterzeit 11 Stunden.

Riffelkopf-Südostwand. Zweite Winterersteigung durch Kurt Abele und Helmut Dummler, Augsburg.

Wilder Kaiser Fleischbank-Ostwand. Am 19. und 20. Juli gelang der Seilschaft Hias Noichl ( St. Johann/Tirol ) und Hans Wörndl ( Sektion Bayerland ) die erste Durchkletterung der direkten Fleischbank-Ost-wand. Die Route führt durch die senkrechte, 320 m hohe Plattenflucht zwischen dem Dülferweg und der Südost-Verschneidung. Bis in die halbe Wandhöhe äusserst schwierig, oberste Grenze.

Berchtesgadener Kalkalpen Kleines Grundübelhom, direkter Südpfeiler. Erste Begehung am 1. November 1957 durch Peter Hillebrand und Stephan Kellerbauer. Wandhöhe 300 m, Schwierigkeitsgrade stellenweise bis VI, Kletterzeit 5½ Stunden.

Nördliche Alpeltalköpfe-Göllstock. Erste Begehung der Nordwand am 5. September 1954 durch Toni Glas und Stephan Kellerbauer. Wandhöhe 300 m, durchwegs überall schwierig, Kletterzeit 6½ Stunden.

Tennengebirge Grosses Fieberhorn-Südwestkante. Den beiden ÖAV-Bergsteigern Herbert Mooslechner und Alois Delago aus Bischofshof en ( Salzburg ) gelang die erste Winterbegehung dieser sehr schwierigen Kante. Infolge schlechten Wetters war dreimaliges Biwakieren notwendig. Reine Kletterzeit 10 Stunden.

Dachstein Däumling-Ostkante. Ende Dezember 1957 glückte den Bergsteigern Siegfried Löw, Salzburg, und Jörg Lehne, Rosenheim, die erste Winterbegehung der Däumling-Ostkante im Gosaukamm. Schwierigkeitsgrad VI+, 1 Biwak.

Totes Gebirge Stubwiesgipfel ( Warscheneckstock ). Am 31. Mai erfolgte die erste Ersteigung über die unmittelbare Südwand durch Reinhold Götz und Fritz Haas. Wandhöhe 250 m, Schwierigkeitsgrad VI+, Kletterzeit 9XA Stunden.

Kleiner und Grosser Priel. Zweite Winterbegehung des Grates vom Kleinen zum Grossen Priel am 27. Dezember 1957 durch Hans Pilz, Gerhard Werner und Hans Wiener. Gehzeit von Gipfel zu Gipfel 13 M: Stunden.

Ennstaler Alpen Kleiner und Grosser Pyhrgas ( Haller Mauern ). Am 21. Dezember 1957 wurde der Grat vom Kleinen zum Grossen Pyhrgas durch die Seilschaft Fritz Haas und Josef Schiefer, Bad Hall O.Ö ., zum ersten Mal im Winter begangen. Gehzeit 7 Stunden.

Gesäuse Hochtor. Am 26. Juli 1956 begingen Hubert Peterka und Ferdinand Martin einen neuen Anstieg über die Südostwand, die « Steinkarwand ». Der neue Weg führt zwischen Südostschlucht und Steinkargrat direkt zum Gipfel. Felshöhe 400 m, teilweise sehr schwierige Kletterei ( schwieriger als die benachbarte Südostschlucht ). Kletterzeit 3 Stunden.

Zentrale Ostalpen Stubaier Alpen Goldkappel ( Tribulaun-Gruppe ). Am 15. März 1957 gelang F. Meozzi und G. Franco Fava die erste Winterbesteigung dieses Felsgipfels. Zum Pflerscherjoch mit Ski 1 Stunde.Von dort über den Grat mit Umgehung eines Überhanges zum Gipfel. 3 Stunden.

Glocknergruppe Eiskögele-Kastengrat. Am 20. Januar 1957 überstiegen die jungen Bergsteiger Hans Kutsch und Erich Eder den Kastengrat zum ersten Mal im Winter. Gehzeit 11 Stunden.

Südliche Ostalpen Karnische Alpen Varmost-Südwand. Erste Begehung am 4. März 1957 durch L. Coradazzi. Schwierigkeitsgrad III bis IV, Kletterzeit 2½ Stunden.

Dolomiten Dreischusterspitze- Westwand. Erste Winterbegehung durch die Mitglieder der Sektion Innichen des AV Südtirol, Josef Holzer und Karl Winkler. Kletterzeit 8 Stunden.

Paternkofel-Nordwand. Erste Begehung durch Anton Reiter und Willi ZellerJungmannschaft Bayerland ) am 30. Juli 1956. Schwierigkeitsgrad VI bis VI+, Kletterzeit 7 Stunden.

Kleine Zinne. Erste Ersteigung über die Vorgipfel-Südwand durch Toni Egger ( Lienz ) und Hans Sauschek am 13. und 14. Juli 1955. Felshöhe 350 m. Schwierigkeitsgrad VI, Kletterzeit 15 Stunden.

Cima dei Preti ( Durannogruppe ). Erste Winterbesteigung am 1. Dezember 1957 durch C. Corrado, G. Falconio und O. Piazza.

Torrione Fabio Pacherini ( Pramaggiore ). Erste Durchsteigung der Nordwand durch B. Bali, C. Leban, U. Pacifico, Bianca di Beaco und S. Dalla Porta Xidias ( Triest ) am 22. September 1957. Wandhöhe 250 m, Schwierigkeitsgrad IV.

Punta del Mus. Erstbesteigung der Nordwand durch C. Leban und M. Bobig ( Triest ) am 2. Juli 1957. Schwierigkeitsgrad IV bis V, Kletterzeit 1 ½ Stunden.

Torre da Lago ( Civetta ). Erstdurchsteigung der Ostwand durch F. Alletto und P. Consiglio am 27. Juli 1957. Wandhöhe 300 m, Schwierigkeitsgrad IV bis V, Kletterzeit 4 Stunden.

Torre Venezia ( neue Route ) durch die Westwand begangen am 30. Juli 1957 durch G. Livanos und Frau. Wandhöhe 250 m, Gehzeit 6 Stunden.

Cima dei Bureloni ( Pala ). Erste Winterbegehung der Südwestkante durch Quinto Scalet und P. De Lazzer am 3. Februar 1957. Kantenhöhe 400 m, Gesamtgehzeit 14 Stunden.

Cima Malloggi ( Pala ). Erstbegehung durch M. Gadenz und C. Depaoli am 4. November 1957, Wandhöhe 400 m.

Gran Cappuccio am Cimone della Pala. Erstbegehung durch Donato Zeni, Antonio Rizzi und Antonio Gross. Schwierigkeitsgrad V bis VI, Kletterzeit 6 Stunden.

Kleine Tschierspitze ( Puezgruppe ). Erste Begehung der Südwand durch R. Balzarmi und E. Stuff-lesser am 25. August 1957, Wandhöhe 135 m, Schwierigkeitsgrad IV, mit einigen Stellen V.

Punta Emma ( Vajolett ). Neuer Weg durch die Ostwand durch G. de Franceschi und D. Zeni am 25./26. Juni 1957, Wandhöhe 300 m, Schwierigkeitsgrad VI, reine Kletterzeit 10 Stunden.

Torre Edoardo ( Rosengarten ). Erste Begehung der Nordkante durch T. Pederiva und R.M.eier am B. Juli 1957. Wandhöhe 280 m, Schwierigkeitsgrad VI ( Einstieg IV ), Kletterzeit 8 ½ Stunden.

Furchetta. Erstbegehung der direkten Südwand durch L. Moroder und V. Malsiner ( Gröden ). Wandhöhe 250 m, Schwierigkeitsgrad V bis VI, Kletterzeit 9 Stunden.

Piz Gralba ( Sellagruppe ). Erstersteigung der Westkante durch Hubert Peterka und Otto Oberdorfer am 27. August 1956.

Ortlergruppe Thurwiesetspitze. Erste Ersteigung des Nordwestgrates am 6. September 1957 durch C. Mauri und G. Pirovano. 600 m Höhe, Schwierigkeiten wechselnd, Kletterzeit 5 Stunden.

14 Die Alpen - 1958 - Les Alpes209

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