Protokoll der 36. Generalversammlung

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der

der 36. Generalversammlung des Schweizer Alpenclub Sonntag:, den 1. Oktober 1916 in der Anla der UniTersität in Genf. "

Um 9]/4 Uhr eröffnet der Festpräsident, Herr Ing. A. Bernoud, mit einem warmen und der Zeit angepaßten Begrüßungswort die ca. 500 Mitglieder und Gäste zählende Versammlung. Er heißt die trotz der düstern Zeiten aus allen Gauen des Schweizerlandes zahlreich herbeigeeilten Klubisten herzlich " willkommen. ObBchon sich kein einziger Berg innert unserer Kantonsgrenzen erhebt, hatte Genf schon dreimal die Ehre, Versammlungsort zu sein. An Stelle der Berge hat uns die Mutter Natur aber viel Wasser gegeben: die durch den Léman gebändigte Rhone und die ungestüme Arve, und wie sich diese beiden ungleichen Gesellen zu einem stolzen Strome vereinigen, so muß sich in unserm Vaterland auch Deutsch und Welsch zu einem kraftvollen Ganzen verschmelzen. Die von der gestrigen Delegiertenversammlung angenommene klubistische und nationale Woche wird berufen sein, in unserer schönen Vereinigung die Freundschaftsbande enger zu knüpfen; aber auch sonst sollen sich die Klubisten, wo immer in den Bergen sie sich begegnen mögen, die Bruderhand schütteln. Die Kälte und Zurückhaltung unter uns, die leider mit dem Wachstum des Vereins sich entwickeln will, muß verschwinden und die alte Herzlichkeit vergangener Zeiten soll wieder aufleben.

Hierauf erhält Herr Zentralpräsident Dr. A.J.anggen das Wort zur Erstattung des Geschäftsberichtes. In freiem Vortrage gibt er in prägnanten Zügen ein lebendiges Bild Ober die leider durch den Krieg gehemmt gewesene, aber doch fruchtbare Tätigkeit des abtretenden Z. K., flicht da und dort Wünsche ein und dankt den Sektionen für ihre opferfreudige Mitarbeit. Wenn auch nicht die Zahl, sondern der Geist, der unter den Mitgliedern herrscht, für die Lebenskraft eines Vereins ausschlaggebend ist, so ist doch mit Genugtuung festzustellen, daß unser Mitgliederbestand trotz dem Kriege nur unerheblich zurückgegangen ist. Die Zahl der Sektionen hat sich sogar um ein neues, lebenskräftiges Glied vermehrt. So erfreulich dies ist, muß doch davor gewarnt werden, aus Eigenbrödelei Sektionen gründen zu wollen; die Erfahrung hat gezeigt, daß solche Gebilde schon bei der Geburt den Todeskeim in sich tragen. Das Vereinsvermögen ist aus Gründen, die in den Jahresberichten niedergelegt sind, zurückgegangen; eine Tatsache, die sich jene Sektionen, die da glauben, die Zentralkasse sei wie ein Faß, dessen Boden nie erreicht werden kann, immer vor Augen halten wollen.Hervorzuheben ist vor allem die Tätigkeit im Hüttenwesen. 9 neue Hütten konnten während unserer Amtsperiode eingeweiht werden, und dieser Geschäftszweig hat nunmehr Formen angenommen, die das Bedürfnis nach einem ständigen „ Hüttenwart11 mehr und mehr fühlbar machen. Das neue Reglement Chronik.

hat schon jetzt gute Früchte getragen und wird bei Eintritt normaler Zeiten die gehegten Erwartungen vollauf erfüllen. An die Klubisten aber ergeht die Bitte: „ Haltet Ordnung im eigenen Haus !"

Die Jugendorganisationen haben, wenn auch die obligatorische Einführung dieser Institution abgelehnt worden ist, in den- meisten Stadtsektionen schon Wurzel gefaßt. Den Landsektionen hingegen stellen sich viele Schwierigkeiten in den Weg. Für die Bergführer wurde tief in den Beutel gegriffen und auch für das alpine Rettungswesen brachten wir große Opfer. Die beiden in Arbeit stehenden Klubführer schreiten rüstig vorwärts 5 an eine große und schöne Aufgabe aber, die Vereinigung von Jahrbuch und Echo des Alpes zu einer einzigen, zweisprachigen Publikation, wagten wir noch nicht heranzutreten. Unsere Statuten bedürfen noch der Anpassung an die neuen Landesgesetze. Wir dürfen uns aber nicht allzusehr von einem ungesunden Doktrinarismus leiten lassen; wichtiger ist der Geist, in dem unser Hausgesetz interpretiert wird. Die Unfallversicherung, unser größtes Sorgenkind, hat nun endlich ihre Erledigung gefunden. Als gute Demokraten werden wir uns den gestrigen Beschlüssen fügen und niemals mehr soll es vorkommen, daß durch eine solche Frage beinahe ein Riß in unserm Gebäude entsteht.

Die erste Pflicht jedes Vereins und jedes einzelnen aber ist heutzutage, das Vaterland zu stützen, und dem S.A.C. vor allem wird es obliegen, Bande, die jetzt zerrissen sind, später wieder zusammenzuschließen.

Dieser Geschäftsbericht wird mit reichem Applaus und ohne Diskussion genehmigt.

Hierauf nimmt die Versammlung mit Beifall die Mitteilung über die Wahl des neuen Vorortes und des neuen Zentralpräsidenten entgegen. Herr Bernoud dankt mit markigen Worten für das Vertrauen, das man der Sektion Genf entgegenbringt, und der abtretende Zentralpräsident wünscht ihm Glück im neuen Amte.

Statutengemäß muß für 1919 eine Festsektion bestimmt werden. Da sich keine Sektion gemeldet hat, wird dem Zentralkomitee die der Generalversammlung zustehende Kompetenz übertragen, zu gegebener Zeit von sich aus eine Wahl zu treffen.

Nach der Abwicklung der geschäftlichen Traktanden hielt Herr Professor Emil Chaix einen durch treffliche Lichtbilder erläuterten, lehrreichen Vortrag über den Aufbau und die geologischen Veränderungen des Genfer Rhonebeckens. Der Vortragende, der in charmanter Weise von der Warte eines „ Augenzeugen " sprach, erntete großen Beifall.

Schluß der Sitzung um 11 Uhr.

Genf, den 1. Oktober 1916.

Ber Präsident der Generalversammlung: A. Bernoud.

Ber Sekretär der Generalversammlung: J. Michel.

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