Reife Feigen und Wasserrillen

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eife

und Wasserrillen

Felix Mauerhofer, Nussbaumen

Kletterabenteuer im Velebitgebirge, Jugoslawien Erster Felskontakt Am Horizont streichen die ersten Strahlen der Sonne über die Inseln, das Meer glänzt wie ein riesiger Spiegel im Morgenlicht. Voller Erwartung werden die Kletterutensilien in den Rucksack gepackt und der Weg zur Velikaschlucht eingeschlagen. Wieder schlucken wir den Staub der Strasse, fahren an einem halbzerfallenen Dorf vorbei, feilschen mit dem Parkwächter und suchen für die vier Räder etwas Schatten. Ein zartes Bimmeln dringt an unsere Ohren, ob da wohl noch irgendwelche Tiere Futter in dieser kargen Landschaft suchen? Nein, ein paar Esel, beladen mit Brennholz und begleitet von schwarzvermummten Frauen, kommen den steinigen Weg herunter.

Denselben Weg wählen auch wir, um zum Fuss der Anica-Kuk-Wand zu kommen. Steil erhebt sich die noch nicht von der Sonne berührte Wand vor uns. Nach einigem Hin und Her finden wir schliesslich den Einstieg zur . Wir brennen nach der Freiheit, die uns der Fels gibt. Endlich der Blechkiste entflohen, scheinen die Kletterschuhe Flügel zu bekommen. Die ersten Seillängen sind noch etwas mit Gras durchsetzt, aber danach wird der Fels immer kompakter und damit der Genuss grösser. Die Jugoslawen haben tatsächlich mit Eisenstiften gespart - es lebe der Erfinder der Klemmgeräte! Am Ausstieg scheint uns die Sonne entgegen. Adler fliegen an den Wänden entlang und verschwinden dann gemächlich in der Ferne. Beim Abstieg droht uns der scharfe Karst die Schuhsohlen aufzuschlitzen. Ein Sturz in die- 115 Nach Paklenika Zahllos sind die Kurven, eine reiht sich an die andere - der Velebit steht im Dunst, und das blaue Meer spiegelt die Sonne. Wie lange soll das noch dauern, wann werden unsere Finger das feuchte Steuerrad mit dem rauhen Fels tauschen können? Rijeka liegt schon lange hinter uns, das Ortsschild von Senj entschwindet im Rückspiegel. Die Berge werden immer wilder und verbergen ihre Gipfel im Nebel. Wir wollen nur noch einen Namen auf den jugoslawischen Ortsschildern lesen - Stari-grad-Paklenica - das Ende der Kurven. Zwischen Pinien und dem verkarsteten Ufer werden die Häute des Zeltes aufgespannt, und erst einmal wird mit einem Bad im Meer der Strassenstaub abgespült. Auf der Karte suchen wir im letzten Abendlicht den Weg ins Kletterparadies Paklenica.

sem Gelände wäre fatal. Uns Hungrige und Verschwitzte führt der Weg zurück, zum Eingang der Velikaschlucht. Dort befinden sich unzählige kurze Routen - ein Klettergarten für die Unbeugsamen. Heute aber lockt das salzige Nass mehr als die Vertikale. So wird die Taucherbrille aufgeschnallt und den Fischen in die Augen geguckt.

Elefantenbauch mit scharfer Haut Elefanten sind grau und haben eine dicke Haut, meistens sind sie in Afrika oder Indien anzutreffen. Doch der Bauch eines solchen Tiers steht wie hingetöpfert am rechten Rand der Anica Kuk; über 200 Meter massiver Kalk- fels, von breiten Wasserrillen durchzogen. Die Westwand liegt noch im Schatten, doch die tschechischen Kletterer sind bereits eifrig am Diskutieren und spornen ihre kletternden Kollegen an. Hilfsbereit erklären sie uns mit Händen und Füssen die schönsten Routen, denn Führermaterial über dieses Gebiet ist nur spärlich vorhanden. heisst unsere erste Versuchung am Bauch, und Träume können manchmal wahr werden. Das Wasser hat hier die kunstvollsten Formen aus dem Gestein gewaschen. Der dritte Stand in dieser Route befindet sich in einem mannstiefen Erosionsloch - man glaubt sich in einer Röhre zu befinden.

Inzwischen beginnt die Sonne den Fels zu erhitzen, und die Kletterer verziehen sich zum Klettergarten am Beginn der Schlucht. Klettern, klettern: Überhänge, Risse, Kamine und natürlich Wasserrillen und nochmals Wasserrillen. Das ist das Angebot, und man hat die Qual der Wahl. Den Schmächtigen wie den Muskulösen halten die magischen Zahlen der Schwierigkeiten wundervolle Aufgaben bereit. Auf dass die Zähne knirschen und die Finger klammern.

Doch Feigen schmecken besser Wieder lockt der Elefantenbauch, und der Blick sucht auf dem Anmarsch die Feigenbäume, die dem Hungrigen den Mund feuchten und den Magen füllen. Doch vom Feigen-essen wollen wir vorerst noch nichts wissen. Links am Klettergurt die Keile, rechts die Friends und dazwischen die Schlingen. Das Herz jauchzt vor Freude, und die Angst ist Auf den Hügelkuppen thronen oft kleine, aber wuchtig wirkende Kirchen Stimmungsvolle Atmosphäre an der jugoslawischen Küste ausgeflogen. Die prächtigen Linien, die die Erstbegeher durch diese Wand gezogen haben, lassen sich kaum mit uns bekannten Routen vergleichen. Das Verlangen nach Zugaben drängt sich sofort auf. Deshalb fallen dann auch bald Routennamen wie , ; dies so lange, bis sich plötzlich das Bedürfnis nach Feigen wieder meldet. Die Haut an den Fingern sehnt sich ebenfalls nach etwas Ruhe, und so stolpern wir das Geröll hinunter zu den Bäumen mit den köstlichen reifen Feigen.

Wenn nicht der Fels, dann die Landschaft Heute lassen wir für einmal den Fels dort, wo er ist, und lenken unsere Schritte aus der Velikaschlucht hinaus zum hinteren Teil des Paklenica-Nationalparks, Hier wird das sonst dominante Grau zunehmend von urwaldarti-gen Wäldern überdacht, und ein lieblicher Bach schlängelt sich durchs weite Tal. Droben bei den Felsen öffnet sich der Eingang der Mantija-Pec-Grotte. Herrlich umfängt uns die Kühle des Erdinnern, und die Strahlen der Stirnlampen streichen über die Sintergebilde. Lange hat hier der fallende Tropfen gebaut: stockwerkhohe, aufstrebende Stalagmiten, von der Decke hängende Stalaktiten und als besondere Überraschung riesige Sinterseen. Leider haben Batterien aber nur eine kurze Lebensdauer, und so stolpern wir, noch befangen von den Eindrücken einer fremdartigen Welt, an das gleissende Sonnenlicht zurück. Der Rundblick hier oben vermittelt ein typisches Bild von Dalmatien. Wir stehen im Herzen des Velebit, zu unseren Fussen ein saftig grünes Tal. Der Blick schweift zuerst gegen Süden über die bebauten Ebenen, dann zum Meer und schliesslich gegen den Horizont hin zu den vielen Inseln des Kornati-Archipels. Sollten die Arme vom Klettern einmal zu stark ermüdet sein, wartet Dalmatien mit zahlreichen Kunstschätzen und Naturschönheiten auf. In Sibenik glaubt man sich in einem Stadtteil von Venedig zu befinden. In Zadar können faszinierende Bauwerke bewundert werden, und das Rauschen der Krka-Wasser- Am Elefantenbauch. Die Sonne beginnt die Felsen zu streifen; bald wird es warm werden.

fälle dröhnt noch lange in den Ohren. Auch die jugoslawische Küche sollte man nicht verschmähen. Wohl sind die Namen oft schwer auszusprechen, dafür munden die Speisen trefflich und verleihen neue Kraft und ( Auftrieb ).

Inhalt 121 Peter Donatsch, Mastrils ( GR ) Zweimal Rheinwaldhorn 129 Claude und Yves Remy, Jaman Hard Rock am Mähren 141 Willy Auf der Maur, Seewen ( sz ) Wyss Wändli - Weg der Erinnerungen 150 Ruedi Horber, Niederscherli ( be ) Skitour auf den

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Erscheinungsweise Monatsbulletin in der zweiten Monatshälfte, Quartalsheft in der zweiten Hälfte des letzten Quartalsmonats.

Umschlagbild:

Blick auf die Torre ( oder Aguja ) Innominata ( 2501 m ) beim Zustieg zur Aguja Poincenot ( Patagonien ) Photo: Daniel H. Anker 167 Nicole Lachat, La Chaux-de-Fonds Geheimnisvolle und bezaubernde Welt der Flechten 174 Mike Schwitter, Oberwil ( ag ) Steinschlag von unten - im Sturm am Fitz Roy ( Patagonien ) Preis Abonnementspreise ( Nichtmitglieder ) für Monatsbulletin und Quartalsheft zusammen ( separates Abonnement nicht möglich ): Schweiz, jährlich Fr. 42., Ausland, jährlich Fr. 58..

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