Schwarze Schafe im SAC?

Zum Artikel «Was tun mit einem unliebsamen Ehrenmitglied?», «Die Alpen» 09/2016

Was, wenn sich in einer Familie ein Mitglied als «schwarzes Schaf» erweist? Glücklicherweise trug mein Cousin zweiten Grades einen anderen Namen. Dennoch beschäftigte mich das Wissen, dass er nach dem Krieg einige Jahre in Gefangenschaft war, allerdings nicht als Soldat, der auf dem Kampffeld war. Auch nach längerer Forschung, nach ­einer durchgearbeiteten Reihe einschlägiger Literatur konnte ich keine Erklärung finden. Wie kam es, dass der Sohn eines Hochschullehrers in der Schweiz während des Zweiten Weltkrieges als SS-Standartenführer im Reichssicherheitshauptamt A einem Heinrich Himmler zudiente? Die Familie verschwieg es, wollte es irgendwie nicht wahrhaben. Ich war ihm in jungen Jahren begegnet. Verstehen kann ich seine Handlungsweise nicht. Einige Erklärungen fand ich wohl. In meiner Familiengeschichte bleibt er aufgeführt, als «schwarzes Schaf». Verleugnen oder verschweigen bringt meines Erachtens nichts. Jeder, der diese Geschichte liest, urteilt selber.

Agassiz wurde im SAC für seine Verdienste in der Glaziologie geehrt. Dass er ein übler Rassist gewesen sei, wird heute wieder aufgegriffen. Gab es keine anderen Rassisten im SAC? Was ändert es am Lauf der Dinge, wenn wir Nachgeborenen mit heutigen Moralvorstellungen Geschehenes theoretisch rückgängig machen wollen? Lassen wir dies. Verheimlichen wir aber nichts. So wie wir es am Berg gewohnt sind. Da hilft keine Moralpredigt und keine Diskus­sion, aber ein klarer Blick auf die Situation, ein festes Zupacken. Vielleicht lernen wir von früheren Fehlern – von eigenen und von anderen. Korrigieren können wir sie nicht. Wer hat schon eine ausgelöste Lawine zurückgehalten?

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