Sind Jäger verantwortungsbewusster als Skitourenfahrer?

Zum Artikel Das Jagdgesetz kommt vors Volk, «Die Alpen» 03/2020

Die unterstützenden Äusserungen von Philippe Wäger im Artikel über die Revision des Jagdgesetzes sind mindestens überraschend. Der SAC-Ressortleiter Umwelt äussert Bedenken über mögliche Einschränkungen beim Bergsport, zu denen das revidierte Gesetz führen könnte. Hingegen spricht er sich ein paar Zeilen weiter deutlich gegen die Jagd auf den Birkhahn und das Schneehuhn aus, die seiner Meinung nach nicht mehr zeitgemäss ist. Diese beiden Positionen sind paradox. Laut Philippe Wäger soll man die eine Aktivität (Jagd) einschränken, nicht aber die andere (Bergsport), ohne die tatsächlichen Auswirkungen der einen oder anderen zu untersuchen? Man darf nicht vergessen, dass (unkontrollierte) Störungen im Winter und der Verlust von Lebensräumen die Hauptursachen für den Rückgang dieser Arten sind. Schneeschuhwanderern und Skifahrern abseits der Pisten ist oft gar nicht bewusst, dass sie sich in einem sensiblen Lebensraum befinden. Die Jäger hingegen jagen nur wenige Tage im Jahr, schränken sich ein und nehmen vor allem an Beobachtungen und Zählungen teil. Das ist unerlässlich, wenn man die Entwicklung der Arten kennen will. Ausserdem investieren die Jagdverbände Zeit und Geld in die Schaffung geeigneter Lebensräume. Ich denke, das muss auch einmal erwähnt werden.

Stellungnahme des SAC

Einschränkungen zugunsten national prioritärer Arten wie des Birkhuhns stossen bei Bergsporttreibenden auf grosse Akzeptanz. Gerade an der oberen Waldgrenze gibt es Konflikte zwischen dieser im Winter störungsempfindlichen Art und Schneesportlern. Deutlich weniger Probleme gibt es mit dem Schneehuhn, das sich oft auf felsigen Kreten und abgeblasenen Kuppen aufhält (die mit Ski gemieden werden) und ein viel weniger ausgeprägtes Fluchtverhalten aufweist. Der Bestand des Birkhuhns ist laut Brutvogelatlas seit 1993–1996 stabil mit regionalen Unterschieden, jener des Schneehuhns abnehmend. Die Zusammenhänge sind komplex, winterliche Störungen sind nur ein Faktor unter vielen – darunter auch die Jagd. Die Haltung des SAC ist konsistent: Wenn Einschränkungen zugunsten dieser Arten erlassen werden, sollen sie konsequenterweise auch nicht mehr bejagt werden. Laut Jagdstatistik werden pro Jahr je ca. 400 bis 500 Birkhähne und Schneehühner geschossen.

Philippe Wäger, Ressortleiter Umwelt und Raumentwicklung