Temperaturbeobachtungen vom Grossen St. Bernhard (2478 m), vorwiegend der Sommermonate 1816-1965

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Ernst Ambühl, Liebefeld-Bern

Wir möchten in dieser Arbeit den Bergfreund einmal auf besondere Art mit dem kurzen alpinen Sommer bekannt machen und dabei ein klimato-logisches Kapitel herausgreifen. Spezielle Berücksichtigung finden die Temperaturen der Sommermonate, während andere meteorologische Elemente lediglich tangiert werden.

Die Wetterstation auf dem Grossen St. Bernhard ( 2478 m; Passhöhe = 2469 m ), welche mit ihren Aufzeichnungen bis auf das Jahr 1817 zurückgeht, liefert uns dabei in ganz hervorragender Weise das gewünschte Material, wie man es sonst von gar keiner andern Örtlichkeit weder in-ner- noch ausserhalb unseres Landes über einen so langen Zeitraum erhalten könnte. Es sei in diesem Zusammenhang erwähnt, dass wohl Genf und Basel als erste Schweizer Städte schon seit 1753 bzw. 1755 meteorologische Beobachtungen anstellten, jedoch rief erst 1863 die Schweizerische Naturforschende Gesellschaft ein Beobachtungsnetz von 87 Stationen ins Leben, welches 1881 der Meteorologischen Zentralanstalt unterstellt wurde.

Im Herbst 1882 wurde die Station auf dem Säntis ( 2500 m ) eröffnet; ab 1922 erhob man im Berghaus Jungfraujoch ( 3454 m ) Beobachtungen, welche seit 1938 auf der Sphinx ( 3576 m ) angemessenen Abständen. Unterlässt Du es aber und machst einen grandiosen Verhauer, dann winkt dir vielleicht das grosse Glück. Denn soviel steht fest: 28 Steinböcke hätten wir am ( immerhin manchmal von Menschen begangenen ) richtigen Septimerpass nicht zu sehen bekommen.

fortgesetzt werden. Die meteorologischen Resultate vom Weissfluhjoch ( 2667 m ) veröffentlicht man seit 1947 in den Annalen der Meteorologischen Zentralanstalt. Damit sind alle alpinen und hochalpinen Beobachtungsposten in unserm Lande erwähnt worden, welche noch höher als der Grosse St. Bernhard liegen. Der Vollständigkeit halber sei noch auf das knapp auf italienischem Boden stehende Observatorium Plateau Rosa ( Testa grigia ) auf 3488 Meter, eine 1954 ins Leben gerufene sog. synoptische Station, hingewiesen.

Nach diesen einleitenden Bemerkungen möchten wir nun näher auf unser Thema eintreten und zunächst das Rad der Zeit um mehr als anderthalb Jahrhunderte zurückdrehen.

Am 14. September 1967 mittags waren es genau 150 Jahre, seit mit den regelmässigen meteorologischen Beobachtungen auf dem Grossen St. Bernhard, ausgeführt durch die Patres des Hospizes, begonnen wurde.

Der Genfer Professor Marc Auguste Pictet ( 1752-182 5 ), der Nachfolger Horace Bénédicte de Saussures ( 1740-1799 ), war der Initiant der Unternehmung, und er verstand es auch, sie erfolgreich fortzusetzen.

Seiner Darstellung « Notice sur un établissement météorologique récemment formé au Cou- vent du Grand-Saint-Bernard » ( Bibliothèque universelle; sciences et arts 1817, tome 6, p. 106-115 ) entnehmen wir die Begründung, warum in jener Höhe eine meteorologische Station zu errichten sei: « Mais ces observations journalières n' ont lieu pour l' ordinaire que dans les couches inférieures de l' atmosphère qui reposent sur les lieux habités; elles ne se rapportent guère qu' à deux cordonnées horizontales de latitude et de longitude, et l' influence de la troisième, de la cordonnée verticale, ne peut être exactement apréciée dans les petites différences de hauteur. Aussi n' est pas encore bien orienté sur la loi du décroissement de la chaleur de bas en haut. » « Aber », führt Pictet weiter an, « wo in Europa könnten Leute gefunden werden, welche das ganze Jahr nahe der Schneegrenze leben und die, wenn hinreichend instruiert, geneigt wären, mit der notwendigen Präzision und Regelmässigkeit gewünschte Beobachtungen anzustellen? » Pictet beantwortet die Frage selbst, indem er auf das 2469 Meter hohe Hospiz des Grossen St. Bernhards zeigt, welches sich in 87 Kilometer Luftlinie SE von Genf befindet.

Es wird in der genannten Arbeit darauf hingewiesen, dass bereits zwei Anläufe gemacht worden seien, auf jener Höhe eine meteorologische Station zu errichten. Einmal sei es die Akademie von Turin gewesen, ein anderes Mal die « Société siégeante » von Aarau. Nach Pictet sind aber keine meteorologischen Resultate vor dem Beginn der Reihe ab 1817 vorhanden gewesen. Es ist ihm auch nicht bekannt, warum die Bemühungen ohne Erfolg geblieben waren.

Demgegenüber hält H. B. de Saussure in seinen « Voyages dans les Alpes » fest - er besuchte den Grossen St.Bernhard 1774 und 1778 -, dass ein Mönch meteorologische Beobachtungen mit Instrumenten anstelle, welche von der Bernischen Ökonomischen Gesellschaft dorthin geschickt worden seien, « et ces observations ont été régulièrement importées dans les mémoires, imprimées de cette société ». Bekräftigt wird das Gesagte dadurch, dass ein anderer Geistlicher des Hospi- zes, der Botaniker Joseph Laurent Murith ( i742-i8i6),ein gebürtiger Freiburger und einer der Mitbegründer der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft ( 1815 ) in Genf, am 31. August 1779 mit den beiden Gemsjägern Moret und Genoud aus Bourg-St-Pierre den vom Hospiz sichtbaren, 3734 Meter hohen Mont Vélan bestiegen hat. Dabei wurde ein Barometer mitgenommen, damit man aus gleichzeitigen Ablesungen hier und beim Hospiz die Höhendifferenz bestimmen konnte. Nebenbei darf erwähnt werden, dass mit dieser Tour der erste Hochalpengipfel ( ein Berg über 3500 m ) in der Schweiz erstmals verbürgt erstiegen wurde.

Meine Nachforschungen in der Stadtbibliothek Bern, wo die Akten der Ökonomischen Gesellschaft aufbewahrt werden, sowie eine Nachfrage beim Hospiz blieben indessen leider negativ, was die früheren meteorologischen Beobachtungen anbetrifft.

Pictet liess sich in Genf bei Gourdon die nötigen Instrumente, Barometer, Thermometer ( Réaumur-Teilung ) und Hygrometer, herstellen, die er näher beschreibt.

Am 12. September 1817 machte er sich mit drei Begleitern per Post auf den Weg, und am Abend erreichten sie Martigny. Um 6 Uhr morgens des folgenden Tages wurde die Reise fortgesetzt, in Liddes eine anderthalbstündige Mittagsrast eingeschaltet und das Hospiz hierauf um 5 Uhr abends erreicht. Pictet rühmt das schöne Reisewetter und die gastfreundliche Aufnahme im Hospiz.

Noch am nämlichen Abend bestimmte man nach einem kurzen Spaziergang in der Umgebung den zukünftigen Standort der Instrumente. Der Professor wurde im besondern darauf aufmerksam gemacht, dass der Niederschlagsamm-ler des hohen im Winter zu erwartenden Schnees wegen im 2. Stock des Gebäudes aufgestellt werden müsse.

Am frühen Morgen des 14. September wurde alles installiert. Man besichtigte die geologische und mineralogische Sammlung, worauf man be- reits um 8 Uhr wieder aufbrach. Übernachtet wurde nochmals in Martigny, und am nächsten Abend erreichte man nach viertägiger Abwesenheit wieder Genf..

Am 14. September 181J, um 2 Uhr nachmittags, wurde mit den Beobachtungen auf dem Hospiz begonnen. Die Morgenablesungen erfolgten im Zeitpunkt des astronomischen Sonnenaufgangs. Pictet ordnete dies deshalb so an, weil man in Genf seit 22 Jahren ebenfalls diese beiden Termine innehatte, um so in der Folge streng vergleichbare Werte aus beiden Örtlichkeiten zu erhalten. Es war somit Pictet, welcher das System korre-spondierender Beobachtungen gründete. Diese harmonische Doppelreihe war denn auch die einzige in unserm Lande ( und in weitern Teilen des Auslandes ), da die verschiedenen damals schon bestehenden meteorologischen Stationen vielfach voneinander abweichende Beobachtungszeiten aufweisen. Pictet ordnete an, dass die Originalaufzeichnungen das Hospiz nicht verlassen dürften und stets monatlich Kopien nach Genf geschickt werden sollten.

In den Annalen der Schweizerischen meteorologischen Zentralanstalt, Jahrgang 1957, wurden die verschiedenen von mir zusammengestellten Beobachtungszeiten vom Anbeginn der Grossen-St.Bernhard-Reihe abgedruckt. Von 1851 bis November 1883 stellte man pro Tag 9 Ablesungen in zweistündigen Intervallen von 6 Uhr bis 22 Uhr an. Vom Dezember 1883 bis September 1900 machte man von 7 Uhr bis 22 Uhr noch 6 Beobachtungen, die sich in Abständen von drei Stunden folgten.

Aus diesen beiden Reihen und mittels graphischer Darstellungen berechnete ich für jeden Monat des Jahres die stündlichen Mittel über den ganzen Tag. Damit war es möglich, jede Ablesungskombination der Temperatur - und es gab namentlich in den ersten 35 Jahren meh-rereeinheitlich auf das sog. Vierer-Mittel der Temperatur ( 7.30 Uhr + 13-30 Uhr -f-2 X 21.30 Uhr: 4 ) zu bringen. Speziell sei erwähnt, dass die während vieler Jahre aufrecht- erhaltene Ablesungszeit « lever du soleil » dem astronomischen Sonnenaufgang entspricht. Auch dieser sich stets verändernde Wert wurde monatsweise auf 7.30 Uhr reduziert.

Die durchgehende Homogenität dieser ausserordentlich langen Reihe darf bestätigt werden. Es wurde lediglich auf den i. Oktober goo eine andere Thermometeraufstellung vorgenommen, und im Nachsommer 1925, als wegen Umbauten die Beobachtungen kurze Zeit aussetzten, konnte am ig.September wieder eine der ersten ähnliche Aufstellung gewählt werden.

Es darf weiter erwähnt werden, dass über den Pass meist eine gewisse Windbewegung vorherrscht ( die Kalmen = Windstillen spielen in vielen Jahren eine sehr untergeordnete Rolle ), so dass auch eine etwas veränderte Beobach-tungsörtlichkeit keine wesentlich anderen Resultate zeitigen dürfte.

Die von mir erhaltenen Werte wurden der Schweizerischen Meteorologischen Zentralanstalt zur Verfügung gestellt, dort kontrolliert und gelangten im Beiheft G der « Annalen » i960 auf S. 17fr. zum Abdruck. Im « Klima der Schweiz » sind auf S. 24/25 lediglich ab 1851-1900 die « wahren Mittel » veröffentlicht worden.

Die beiden fehlenden Jahre 1816 und 1817, bis September für den Grossen St. Bernhard, wurden nach der ebenfalls bearbeiteten Reihe von Genf ergänzt, so dass ich bis 1965 150 Jahre Beobachtung verarbeiten konnte. Mit 1816 wurde damit auch der kälteste Sommer seit 1750 miteinbezogen.

Die Tagesmittel während des Sommers liegen ab 1900 ( I. Oktober ) bis 1965 über diesen Zeitraum vor. Da im g.Jahrhundert, wie schon dargelegt, andere Beobachtungszeiten - vor allem mehr als dreivorgenommen wurden, wäre das Ermitteln der Durchschnitte über weitere 85 Jahre — wenn auch nur der Sommermonate — eine zu zeitraubende Arbeit gewesen. Ich beschränkte mich deshalb auf die Berechnung der Mittagsmittel, die für den gesamten Zeit- raum ( i 816-1965 ) vorliegen, wobei alle nicht auf 13.30 Uhr MEZ fallenden Ablesungen auf diesen Termin reduziert wurden.

Um nun aber der Abhandlung doch noch den nötigen und wünschenswert umfassenden Charakter zu geben, seien vorerst die Monatsmittel über das gesamte Jahr dargestellt.

Es lag natürlich im weitern nahe, mit der in 226 Kilometer in NE-Richtung liegenden Station Säntis auf 2500 Metern Höhe, also nur 22 Meter über dem Grossen St. Bernhard, Verglei- Grosser St. Bernhai d ( 2478 m ) 1901-1965 Säntis ( 2500 m ) 7-3O I3-3O 21.30 M 7-30 I3-3O 21.30 M -8,9 — 7,5 -8,7 -8,5 I — 9,2 —8,0 —9,o —8,8 -9.4 -7,2 — 9,o -8,7 II -9,6 —8,0 —9,3 —9,o -7,8 —4,9 — 7,o -6,7 III — 7,5 -5,6 — 7,4 — 7,o —4,7 — 2,0 —4,2 -3,8 IV -4,8 — 3,° —5,o —4,4 — O,2 2,5 0,0 0,6 V —0,2 1,8 -0,6 0,1 3,4 6,3 3,5 4,2 VI 2,9 5,o 2,5 3,2 5,9 9,1 6,2 6,9 VII 4,8 7,o 4,6 5,2 5,8 9,2 6,3 6,9

Vili

4,6 6,9 4,5 5,1 3,2 5,9 3,7 4,1 IX 2,6 4,8 2,6 3,1 — 1,2 1,2 -0,6 -0,3 X — 1,2

— 1,1 —0,7 -5,4 —3,7 — 5,0 -4,8 XI — 5,3 —3,9 — 5,2 —4,9 -7,8 -6,6 -7,6 — 7,4 XII — 7,7 -6,7 7>7 — 7,4 — 2,2 0,2 -i,9

Jahr

-2,6 —0,8 — 2,6 —2,1 Während für den Grossen St. Bernhard keine weiteren Bemerkungen nötig sind, muss beim Säntis, dessen Jahresmittel um 0,6 Grad tiefer liegt, darauf hingewiesen werden, dass die Morgenablesungen, namentlich im Frühsommer, etwas zu hoch ausgefallen sind gegenüber den Resultaten des Abendtermins.

Der August zeigt mit 1,8 Grad den grössten positiven Unterschied des Monatsmittels, während es am Mittag auf dem Grossen St. Bernhard im Durchschnitt sogar um 2,3 Grad wär- che anzustellen. Die dortigen Beobachtungen begannen am 1. September 1882. Die Tagesmittel des Sommers wurden ebenfalls für den Zeitraum 1901—1965 berechnet, während die durchschnittlichen Mittagsergebnisse bis auf den Be-obachtungsbeginn ausgedehnt worden sind, so dass interessante Vergleiche mit dem Grossen St. Bernhard zustande kamen.

Die Monatsdurchschnitte und die dazugehörenden Terminmittel beider Stationen zeigen folgende Resultate ( °G ):

mer wird. Der Dezember ist beiderorts gleich temperiert.

Im November und Dezember resultiert am Morgen nur eine um o, 1 Grad tiefere Temperatur auf dem Grossen St. Bernhard, während zur gleichen Tageszeit im Mai und Oktober auf beiden Stationen gleich hohe Werte erzielt werden.

Der Einfluss des mediterranen Klimas kommt auf dem Grossen St. Bernhard insofern zum Ausdruck, als der vom Winter zum Sommer ständig grösser werdende Wärmeunterschied gegenüber dem Säntis im Mai ( allgemein grössere Niederschläge ) einen Rückschlag erlebt. Die Monatsmittel vom Grossen St. Bernhard während verschiedener Zeitintervalle sind die folgenden ( oC ):

i8i6 -1850 1851 -1900 1901'95° 1816 -1965

I

II

III

IV

V

VI

VII

Vili

IX

X

XI

XII

-9,0 -8,1 -6,8 -3,4 4,5 6,i 6,0 3,2 -0,7 -4,6 -7,2 -8,6 -8,3 -7,2 -3,5 0,2 3,8 6,5 6,4 3,9 -0,7 -5,1 -7,9 8,4 —8,6 8,5 -8,4 6,7 — 6:9 3,8 -3,6 0,6 o,7 4,2 4,2 6,8 7.0 4,1 -0,3 -4,9 -7,7 6,6 6,6 3,9 -o,5 -4,9 -7,5 Jahr1,5 —1,7 —1,5 —1,5 Ein Vergleich der beiden halben Jahrhunderte zeigt einen deutlichen Temperaturanstieg in den meisten Monaten, namentlich im August. Kälter sind nur der Februar und der April geworden.

Fahren wir mit unsern Vergleichen weiter: Die Rekorde der Jahresmittel auf dem Grossen St. Bernhard sind die folgenden ( °C ):

—3,3 18600,1 1822 — 3,0 1816,18530,0 1947 — 2,6 18510,1 1949, 1961 Auf dem Säntis: 1864-1965 —3,6 1879 —0,7 1920 Auf unserer Station überschritt somit nur ein einziges Jahr knapp die o-Grad-Grenze. Weitere hier nicht aufgezählte warme Jahre sind neben 1921 noch 1948 und einige in der zeitlichen Nachbarschaft, woraus hervorgeht, dass die Mitte unseres Jahrhunderts besonders wet-terbegünstigt war.

Die Sommermonate zeigen folgende Extremwerte ( °C ):

Juni Juli 1,1 8,7 7,5 7-2 1884 1871 1933 1822 2,8 3,2 3,2 10,3 1816 1833 1860 1928 1846 10,0 10,0 September August 2,8 1829 3,° 1896 3,i 1845 —0,9 —0,4 1912 1931 0,5 1851, 1856, 1952 9,8 9,7 9,6 1911 1944 1879, 1962 8,4 8,2 1895 1834 7,4 1865, 1961 und die wärmsten Sommermonate:

Die kältesten Sommermonate waren:

-0,9 -0,4 °,5 o,5 1912 IX 1931 IX 1884 VI 1851 IX 1856 IX, 1952 IX 10,3 10,0 10,0 9,9 9,8 1928 VII 1950 VII 1952 VII 1947 VII 1911 Vili Der kälteste Sommermonat auf dem Säntis war: 1912 IX3,3 Grad. Grösste Wärme wiesen auf ( °C ):

9,3 8,7 8,5 8,5 8,2 1944 VIII 1952 VII 1928 VII 1932 Vili 1950 VII Wir bemerken die Tendenz des zeitlichen Näherrückens dieser « grossen » Monate.

Die Besserstellung vom Grossen St. Bernhard im Sommer dokumentiert sich dadurch, dass nur 2 Septembermonate einen Mittelwert unter o Grad innerhalb von 150 Jahren aufweisen, während es auf dem höchsten Alpstein nur seit 1864 schon 8 gab, davon 5 im September.

Die Sommer selbst, hier als die vier wärmsten Monate Juni bis September aufgefasst, zeigen im Schnitt als tiefsttempe- und als wärmste rierte Vertreter:

Repräsentanten 1816 1 1947 1912 1928 1829 \ 1911 1860 1 1950 1833 1949, Überblickt man all diese Zahlen, so erkennt man deutlich, dass namentlich der Juli, der August und die Sommer ihre Spitzenleistungen in unserm Säkulum vollbrachten, und zwar vor allem in den Jahren 1947, 1949 und 1950, neben 1911 und 1928.

Richten wir nun den Blick auf die beiden Kurvendarstellungen als Ganzes, ohne uns zunächst in Einzelheiten zu verlieren. Eigentlich sollte man glauben, dass sich in einem Schnitt über 150 Jahre eine viel ruhigere Linie ergeben würde und nicht so ein Zickzackgebirge ( S. 98 ). Was heisst das? Ganz offenbar wollen sich bestimmte Kalendertage - nicht alle - mit ihren auch gemittelten Wärmeverhältnissen nicht « brav » auf einer theoretischen und schön geschwungenen Linie ( Sinus-Kurve ), sondern da und dort in deutlicher Abweichung zu ihr anordnen lassen.

Achtung! Eine deutliche Spitze der Kurve nach oben oder nach unten bietet deshalb noch lange keine Gewähr für eine ausserordentliche entsprechende Einzeltemperatur. Wir können höchstens, wie schon gesagt, von einer Tendenz sprechen. In einem bestimmten Jahre kann sich das betreffende Ereignis um Tage verschieben oder auch gar nicht erscheinen.

Wir wollen uns nun den beiden Darstellungen der Sommertemperaturmittel auf dem Grossen St. Bernhard zuwenden. Einmal sind es die Mittagsdurchschnitte des Zeitraumes i8i6-ig6$ vom 31. Mai bis 1. Oktober, dann die Tagesmittel von igoi bis ig6j des gleichen Jahresabschnittes.

Ein Punkt der erstgenannten Figur erfasst somit 150 Einzelbeobachtungen - alle auf MEZ 13.30 Uhr reduziert. Die andere Zeichnung vereinigt pro Punkt 4 X 65 = 260 Ablesungen. Gleichwohl will es scheinen, dass gerade diese Darstellung eher die unruhigere ist. Wir sehen die Ursache darin, dass für sie wohl mehr Einzelwerte zusammengetragen worden sind, die aber - je 4 pro Tag - gleichwohl nur 65 Jahre vertreten. Doch haben beide Figuren viel Gemeinsames, was naturgemäss in der teilweisen Belegung des nämlichen Zeitabschnittes seine Ursache hat.

Wir können aber festhalten:

Im Juni - bei an sich sehr markantem Wär-meanstieg - machen sich auf beiden Tabellen die zwei Monsuneinbrüche mit deutlichem Tempera-turrückschlag nach dem g. und einem unbedeutenderen, auf den längsten Tag folgend, bemerkbar. Beim Säntis sind diese Rückläufigkeiten noch deutlicher.

Nach einer nicht grossen Gegenbewegung zu Julibeginn wird eine erste grosse Wärmespitze am 6. erreicht. Das absolute Maximum seit 1882 auf dem Säntis mit 20,5 Grad fällt auf den 6.Juli 1957, und igß Grad wurden am 5. Juli des gleichen Jahres auf dem Grossen St. Bernhard um 13.30 Uhr abgelesen.

Unmittelbar nach dem genannten Kalendertag zeichnet sich ein erneuter markanter Rückfall bis zum 10. bzw. 9. ab, gefolgt von einem Wiederanstieg, welcher im Durschnitt auf den 14. fällt. Damit wird erstmals die 9,5-Grad-Grenze oder ein Tagesmittel von fast 7,5 Grad erreicht. Eine kurze, aber um so bemerkenswertere und hartnäckig bleibende Abkühlung fällt auf den 16. Juli.

Da die Temperaturverhältnisse als Einzel-grössen wie als Mittel über viel weitere Regio- nen gleichmässiger verlaufen als z.B. die Niederschläge, kann die erwähnte Erscheinung auch für Bern festgehalten werden. Der 16.Juli wurde hier seit mehr als ioo Jahren noch nie zum wärmsten Tag des Monats, geschweige denn des Jahres, erkoren. Wenn man die altern, bis auf 1760 zurückreichenden Reihen von Bern - es fehlen nur einige wenige Jahre - durchgeht, so konnte sich der betreffende Tag dort ebenfalls noch nie als wärmster des Jahres eintragen lassen. Mit diesen Feststellungen sei aber, wie schon gesagt, keinesfalls eine Wetterprognose verbunden.

Mit dem 18.Juli ( durchschnittlich wärmster Tag in Lugano: 1901-1950 = 1 g.Juli ) wird auf dem Grossen St. Bernhard eine neue Spitze erreicht, die in der längeren Reihe den 2.Rang einnimmt, im Tagesmittel 1901-1950 aber dem 26.Juli ( welcher auf dem Säntis als wärmster Tag des nämlichen Zeitraumes gilt ) den Vorrang lassen muss.

Mit einigen deutlichen Rückschlägen gegenüber den Vortagen wird in beiden Kurven mit dem i.August das Temperaturmaximum des Sommers eingenommen. In der langen Reihe gehen die Mittagsdurchschnitte wie an keinem andern Tag deutlich über 10 Grad, während die Tagesmittel dieses Jahrhunderts nur an diesem einzigen Datum gerade die 8-Grad-Grenze passieren.

Die nächsten Maxima liegen bereits tiefer. Wählt man für die Betrachtung aber den Zeitabschnitt 1901-1950, so kommt der 9. August an Wärme unserm Bundesfeiertag recht nahe. Eine weitere markante Stellung nimmt bei den Mittagsmitteln der 14. August ein. Damit treten die drei wärmsten Tage in einer Zeitspanne von rund 4 Wochen auf. Die Wärmevorstösse des Azorenhochs beschränken sich - auch als Regelwert betrachtet — nicht nur in der Bildung einer einzigen Spitze, sondern treten in einer zeitlich zu beachtenden Breite auf. Was die Teilminima und -maxima anbetrifft, so treten sie gerne auch bei Zugrundelegen der Betrachtung von ver- schiedenen Zeitabschnitten am gleichen Kalendertag auf, nur sind dabei oft quantitative Unterschiede festzustellen.

Nach dem 14. August folgt bei beiden Kurven ein markanter Abfall, der aber mit dem nächsten Wärmeeintritt wieder mehr als wettgemacht wird. Die neue Kulmination wird am 18. August erreicht.

Die eben erwähnte Depression: Auch hier sei analog zum 16.Juli ein Vergleich mit der Station Bern erlaubt. Der i 17.August liegt dort wärmemässig im Durchschnitt deutlich unter den Spitzen des 14. und 18. Er kommt aber, was Anzahl helle Tage anbetrifft, in den ersten Rang der gesamten über ioo Jahre reichenden Beobachtungszeit. Damit ist auch hier gezeigt worden, dass mit dem Heranziehen einer Temperaturreihe, also eines einzigen meteorologischen Elementes, nur mit der grössten Vorsicht eine Wetterprognose ausgesprochen werden darf.

Das daraufhin eintretende, ausserordentlich deutliche Abgleiten der Kurven in tiefere Tem-peraturbereiche wird erst nach dem 23. bzw. 22. August aufgefangen. Eine aus dem Tirolstammende Wetterregel sagt:

Schaut über die Berge St. Bartholome ( 24. August ), sieht er schon den ersten Schnee.

In der Tat wird das sehr bescheidene Schneehöhenminimum aus vielen Jahren beim Pegel 5 auf dem Jungfraufirn auf rund 3600 Meter bereits am 18. und i g. August ermittelt. Die durchschnittlichen, allerdings sehr kleinen Schneehöhen auf dem Säntis ( der sich in einigen Belangen bereits hochalpiner als der Grosse St.Bernhard « gebärdet » ) steigen nach dem kleinsten Wert vom 2i.August wieder an. Davon später noch mehr unter dem Titel Som-merschneeverhältnisse.

Der nochmalige Temperaturanstieg bis zum 29. August ist vor allem für den kürzern zur Darstellung gelangten Zeitabschnitt beispiellos. Hier wird am eben genannten Tage bis auf rund' /io Grad wieder die Spitze des 18. erreicht. Nach dem Abstieg zum 22. August ist dieses Rückfluten der Sommerwärme allen untersuchten Stationen des Landes gemein. In der über 100 Jahre alten Beobachtungsreihe von Andermatt z.B. ist immer noch die Ablesung vom 28. August 1865 mit 28,7 Grad von 13 Uhr die höchste.

Der nachfolgende Abstieg wird durch die relativ warmen Tage vor dem to. September erheblich gebremst, wobei das gute Resultat des 9. bei den Tagesmitteln 1901-1950 beim Säntis noch markanter zum Ausdruck kommt. Hierauf folgt ein rapider Fall bis zum 14., der dann nochmals einem Wärmevorstoss bis zum 17. und 18. Platz machen muss. Das ist das vielfach schöne Bettags-wetter ( in der Schweiz ist der Bettag der 3. Septembersonntag; er tritt also zwischen dem 15. und 21. auf ). Es darf auch hier auf einen weitern Zusammenhang mit Bern hingewiesen werden. Diesmal betrifft es den Luftdruck, der hier als neues in die Betrachtung gestelltes Element beweist, dass Angaben einer Station - auch die Durchschnitte - Gültigkeit für noch weitere Gebiete als z.B. die Temperaturen aufweisen.

Die höchsten Tagesdurchschnitte des Luftdruckes von 1901 bis 1970 des ganzen Jahres werden vom i 16., 17., 7. und B. September in dieser Reihenfolge eingenommen, während sich der 23. Januar ( kältester Tag in Bern ) an 5. Stelle einschiebt. Der 22.g. ist ein neuer Tiefpunkt, der in der kürzeren Reihe bereits tiefer temperiert ist als der t. Juni. Bei den Mittagstemperaturen ist es erst der 27. September. Nach dem Sommertief-punkt vom 30. erfolgt eine bescheidene Wärmezunahme in den ersten Oktobertagen. Da aber das allgemeine Fallen der Kurven bald maximale Ausmasse annimmt, müsste schon ein ganz ausserordentlicher Wärmeeinbruch kommen, um ein nochmaliges deutlich spürbares Wiederansteigen der Temperatur zur Geltung zu bringen. Diese Eigenschaft besitzt aber der Oktober nicht mehr.

Zum Abschluss seien die tiefsten und die höchsten Werte der beiden Darstellungen in Zahlen festgehalten ( °C ):

Grosser St. Bernhard, Sommer- Temperaturmittel 13.30 Uhr, i8i6-ig6j Minima Maxima 3.52 30. Sept.

10,21 i.Aug ( 3,82 i.Okt. ) 9,98 18. Juli 4.21 26. Sept.

9.89 i4.Aug 4.25 28. Sept.

9>82 19. Juli 4.43 27. Sept.

9.72 2.Aug 4.43 25. Sept.

9,7i 2 o.Juli Unterschied der Extreme = 6,69 Grad.

Grosser St. Bernhard, Sommer- Temperaturtagesmittel Minima Maxima i,73 30. Sept.

8,06 i.Aug 1,74 29. Sept.

7,97 26.Juli i,93 28. Sept.

7,89 27-Juli ( i,99 i.Okt. ) 7.85 11. Aug 2,22 27. Sept.

7,84 5A"g 2,29 26. Sept.

7.77 9-Aug Unterschied der Extreme = 6,33 Grad.

Damit wir uns aber nicht in zu viele Einzelwerte verlieren, sollen die 5 kältesten bzw. die 5 wärmsten aufeinanderfolgenden Tage festgehalten werden ( °C ):

Für die Mittagsmittel: 4,19 26. Sept. bis Für die Tagesmittel:

1,98 26. Sept. bis 30. Sept.

7,42 25.JUIÌ bis 29J11IÌ 9.78 30. Sept. i.Aug. bis 5-Aug.

Wir erwarten somit die wärmste Ende Juli bis erste Augusttage.

des Jahres Der Vergleich mit den Sommer-Höchst- und -Tiefstwerten der Station Säntis kann sich auf die folgenden Angaben beschränken ( °C ):

Säntis, Temperaturmittel 13.30 Uhr, i88i-ig6j Minima Maxima 3,00 29. Sept.

8,17 26. Juli 3,03 30. Sept.

7,76 10. Aug.

3,16 26. Sept.

7,76 2 2. Juli 3,16 28. Sept.

Unterschied der Extreme = 5,17 Grad.

Säntis, Temperaturtagesmittel, igoi-ig6j MinimaMaxima 1,37 29. Sept. i,37 i-Okt. 1,42 27. Sept.

6,28 26. Juli 6,25 i.Aug. 6,21 9. Aug.

Unterschied der Extreme = 4,91 Grad Wiederum seien die 5 kältesten bzw. wärmsten aufeinanderfolgenden Tage für den Säntis angeführt ( oC ):

26.Sept. bis 30. Sept. = 1,50 im Minimum und 2g.Juli bis 2. Aug. = 5,76 im Maximum.

Aus diesen Zahlen ergibt sich im entsprechenden Vergleich zum Grossen St. Bernhard ein Unterschied zum Säntis von 0,48 bzw. 2,51 Grad.

Auch hier dokumentiert sich der Wärmevor-sprung auf dem Grossen St. Bernhard im quantitativ ähnlichen Ausmass, wie er schon anlässlich der Gegenüberstellung der Termin- und Tagesmittel der einzelnen Monate festgehalten werden konnte: grösser im Hochsommer, kleiner werdend im Herbst.

TIEFSTE UND HOCHSTESOMMER-TEMPERATUREN ( Dazu Nennung der Winterminima ) Die Minima und Maxima der üblichen Terminablesungen können einheitlich nur bis Dezember 1883 zurückverfolgt werden. Von dort an treten beispielsweise die Maxima zufolge der geänderten Ablesungszeiten vorzugsweise um 12 Uhr oder um 14 Uhr, seltener um 16 Uhr auf. Sie auf 13.30 Uhr MEZ zu reduzieren ist bei Einzelablesungen nicht zulässig, es sei denn, man wolle sich mit reichlich unsicheren Angaben begnügen.

Die Sommerminima liegen um 6 Uhr im allgemeinen sicher tiefer als diejenigen um 7 Uhr ( 7.30 Uhr MEZ ). An dieser Stelle soll eine Reihe von Termin-Minima und -Maxima vom gesamten Beobachtungsbereich für die Sommermonate wiedergegeben werden.

Die Konsultation der Ergebnisse der Mini-mum- und Maximum-Thermometer führte ebenfalls nicht zum gewünschten Ziel, die extremen Werte der Temperatur einheitlich über 150 Jahre kennenzulernen. Immer wieder setzten diese Beobachtungen aus, meist aber nicht gleichzeitig. Vielfach wurden die Aufzeichnungen auf einen Monatsbeginn wieder aufgenommen. Wie viele Thermometer dabei in dieser langen Zeit verwendet wurden und ob sie mit demjenigen für die Terminablesungen übereinstimmten, entzieht sich meiner Kenntnis. Hinweise wurden nie gefunden.

Es dürfte interessieren, dass das erste Mini-mum-Thermometer am 25. Februar 1824 seine Funktion aufnahm. Für die Maxima begannen die Aufzeichnungen am 4.Januar 1826. Leider wurden die Beobachtungen am Maximum-Thermometer Ende 1937 sistiert; dagegen sind die Minima bis auf den heutigen Tag aufgezeichnet worden, allerdings wiederum mit gelegentlichen Unterbrüchen.

Es seien zunächst die tiefsten und höchsten Terminwerte des Jahres der gesamten Reihe und anschliessend die entsprechenden Zahlen der Sommermonate von Juni bis September wiedergegeben ( °C ). Tabelle siehe Seite 102.

Die Werte sind, wie schon ausgeführt, nicht überall zu den nämlichen Zeiten erhoben worden. So wurden z.B. Ende der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts die ersten Ablesungen Äusserste Terminablesungen vom Grossen St. Bernhard i8ij-igjo ab 1884:7.30, 13.30 und 21.30 Uhr ) Jahr —30,0 14. Febr. ig2g 20,6 3.Juli i85g ( 16 Uhr29,6 i8.Dez. 1927 20,4 23.Aug. 1944 -'.29,5 13. Febr. 1929 20,2 28. Aug. 1865 ( 14 Uhr ) -27,4 I. Jan. 1905 20,2 29-Juli 1947 —27>4 14. Febr. 1940 20,1 i.Juli 1952 Juni —10,0 j.Juni 182g ( Min. )'9,i 22. Juni 1822 ( 14 Uhr9,9 28.Juni 1830 ( Min. ) 18,8 28Juni 1818 ( 14 Uhr9,o I. Juni 1873 ( 6 Uhr ) 18,6 27. Juni 1947 Juli 6,0 5.Juli 1833 ( Min. ) 6.022. Juli 1833 ( Min. ) 5.19. Juli 1900 August 7,52g. Aug. 1826 ( Min ) 7,023. Aug. 1818 ( S. ) 6,319.Aug. 1830 ( Min. ) 5,727. Aug. 1896 September11,0 24. Sept.

—10,8 30. Sept. 1843 ( S.9,9 26. Sept. 1830 ( Min. ) Min. = Minimum-Thermometer S. = Sonnenaufgang erst um 9 Uhr gemacht; dazu kam allerdings noch die Ablesung des Minimum-Thermome-ters. Dass um 7.30 Uhr dann ein anderes Resultat erhalten worden wäre, dürfte klar sein.

An sehr heissen Sommertagen ist das Erreichen der höchsten Wärme erst nach 13.30 Uhr wahrscheinlich. Wenn wir daraufhin unsere Tabelle mit den Maxima überprüfen, resultieren für den heute gebräuchlichen Ablesungster-min von 13.30 Uhr MEZ nur noch 3 über 20 Grad hinausreichende Werte in den behandelten 150 Jahren. Am 3.Juli 1859 wurden nämlich um 14 Uhr erst 18,1 Grad abgelesen. Somit 20,6 3. Juli 185g ( 16 Uhr ) 20,2 29.Juli 1947 19,8 27.JUH 1872 ( 14 Uhr ) und 5.Juli 1957 20,4 23. Aug.

20.228. Aug. 1865 ( 14 Uhr ) 19.35. Aug. 1821 ( 14 Uhr ) 17.4 8. Sept. ig66 17,2 4. Sept. 1911 16,8 3. Sept. 1911 fallen die Rekordwerte auf die Jahre 1944, 1947 und 1952.

Im Juni war es um 7.30 Uhr noch nie —10 Grad, und im September ging die Temperatur erst zweimal unter diesen Wert. Wir wollen, wenn auch mit allen Vorbehalten, hier ebenfalls für die Sommermonate die vorhandenen Resultate für die Minima und Maxima bekanntgeben.

Da während der vieziger Jahre unseres Jahrhunderts und bis heute keine Ablesungen vom Maximum-Thermometer vorliegen, ist die damals wahrscheinlich in Erscheinung getretene Rekordwärme leider nicht erfasst worden.

Absolute Minima und Maxima für den Grossen St.Bernhard ( °C ) ( aus dem Zeitraum 1826-1970 für die Minima, bis 1937 für die Maxima ) —30,0 20. Jan. 1827 22,8 10. Aug. ig2$ -30,0 14. Febr. 1929 21,5 14. Aug. 1923 -29,8 2.Jan. 1905 21,3 i.Aug. 1826 — 29,6 18.Dez. 1927 21,3 17. Aug. 1892 — 29,5 13. Febr. 1929 21,1 22. Aug. 1898 Juni —10,0 7. Juni 182g 19,3 5. Juni 186g — 9,9 28. Juni 1830 19,1 i5.Juni 1837 — 9,5 I. Juni 1852 18,4 18. Juni 1847 und 15. Juni 1852 Juli —6,8 11. Juli i8j6 2o,g 3. Juli 185g —6,0 5. Juli 1853 20,2 27-Juli 1872 -6,0 22.Juli 1853 20,2 19. Juli 1898 August —7,5 2g. Aug. 1826 22,8 10. Aug. ig27,1 19. Aug. 1831 21,5 14.Aug. 1923 -6,8 21,3 i.Aug. 1826 und 17. Aug. 1892 September —11,6 30. Sept. 1843 18,7 6. Sept. i8g8 — 11,0 24. Sept. 1931 18,2 7. Sept. 1900 — 11,0 29. Sept. 1936 18,1 3. Sept. 1911 Wir dürfen nach den gemachten Angaben immerhin festhalten, dass es wenig wahrscheinlich sein wird, auf dem Grossen St. Bernhard im Juni Temperaturen unter —10 Grad anzutreffen, und dass im Juli und August das Thermometer kaum unter —7 bzw.7,5 Grad fallen wird. Im September wurden erst dreimal —11 Grad und weniger registriert.

Anderseits überschritt die Quecksilbersäule weder im Juni noch im September in diesem Zeitraum von 150 Jahren die 20-Grad-Grenze. Auch im Juli und August wird diese Schwelle nur knapp überschritten.

Man darf wohl anführen, dass in der alpinen Region auf 2500 Meter in der SW-Schweiz eine Tem- peratur von 22,5 Grad die äusserste Wärmeleistung darstellt ( 10. August 1923 = 22,8 Grad: absolutes Maximum ).

Man würde gerne die entsprechenden Werte vom Säntis aufführen, jedoch ergaben Thermo-meteraufstellungen vor 1894 nicht ohne weiteres brauchbare Einzelresultate. Seit 1961 treten zudem die Sommerminima in verschärfter Form auf, da sie in anderer Weise erhoben werden. Wir wollen aber gleichwohl eine Gegenüberstellung der extremen Jahreswerte der beiden Stationen vornehmen, und zwar einerseits der Terminablesungen und anderseits der freien Minima und Maxima ( °C ).

Termin-Minima und -Maxima für Grossen St. Bernhard und Säntis je die ganze Beobachtungsreihe Grosser St. Bernhard 30.014. Febr. 1929 -29,618.Dez. 1927 -29,513.Febr. 1929 -27,4 i.Jan. 1905 -27,414. Febr. 1940 20,63. Juli 1859 ( 16 Uhr ) 20,423. Aug. 1944 20,228. Aug. 1865 ( 14 Uhr ) 20,229. Juli 1947 20.1i.Juli 1952 Absolute Minima und Maxima für Grossen St. Bernhard und Säntis, je die ganze vorhandene Reihe Grosser St. Bernhard —30,0 20. Jan. 1827 —30,0 — 29,8 — 29,6 /^.Februar 1929 2.Jan. 1905 18.Dez. 1927 — 29,5 10. Aug. 1923 14. Aug. 1923 i.Aug. 1826 17. Aug. 1892 22. Aug. 1898 22,8 21,5 21,3 21,3 21,1 Überblicken wir den eben gemachten Vergleich, so fällt in erster Linie auf, dass in dieser Gruppe Rekordwerte oft beiderorts mit gleichem oder fast gleichem Datum genannt werden. Dabei liegen die Angaben vom Säntis stets unter den Temperaturen vom Grossen St. Bernhard, und zwar im gleichen Rahmen wie die entsprechenden Monatsmittel.

Es ist im weitern kein Zufall, dass vor allem der 13. und 14. Februar recht oft mit extremen Kältegraden belegt werden. Die beiden Tage Säntis —3I>5 i.Jan. 1905 — 30,414. Febr. 1940 — 30,3 2. Febr. 1956 —29,813.Febr. 1940 — 29,5i7.Dez. 1927 20,0 19,4 18,6 18,6 18,6 6. Juli 1957 2. Juli 1952 10. Aug. 1923 3-Juli !952 7-Juli 1957 Säntis -32i.Jan. 1905 -31,9 2.Jan. 1905 -30,414. Febr. 1940 -30,32. Febr. 1956 -30,118.Dez. 1927 und 13.Febr. 1929 20,56. Juli 1957 19,42.Juli 1952 19,25. Juli 1952 19,113.Aug. 1966 19,017. Aug. 1892 19,07. Juli 1957 sind denn auch die Zeitpunkte, wo zugleich die langjährigen Mittel bei diesen Stationen und vor allem auf dem Jungfraujoch am tiefsten sinken. Zusammenfassend sei festgestellt, dass die Tiefst-grenze von —30 Grad auf Gipfeln und Pässen um 2500 Meter Höhe sehr selten erreicht wird. Ausserordentlich selten wird die Luft dieser Regionen im Osten des Landes im Sommer auf 20 Grad erwärmt, während die genannte Temperatur im Westen, wenn auch hier reichlich selten, doch gelegentlich beobachtet werden kann.

Sneffels- Ostgrat im ersten Sonnenlicht, vom Yankee Boy Basin aus gesehen 2Aufstieg vom Yankee Boy Basin. Rechts hinten der Stony Mountain

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