Unfallvermeidung kommt vor schneller Rettung

Zum Artikel «Kein LVS-Training ohne medizinische Ausbildung», «Die Alpen» 02/2019

Unter dem Zwischentitel Offene Ohren beim SAC wird die Stellungnahme des SAC beschrieben. Was mir dabei etwas zu kurz kommt, ist die Lawinenprävention. Man muss unbedingt die Sensibilität für Lawinenniedergänge schärfen. Man geht einfach nicht in ein möglicherweise gefährdetes Gebiet – auch wenn flächendeckend keine Warnung vor grosser Lawinengefahr ausgegeben wird. Der konkrete Ort, der konkrete Hang ist massgebend, nicht nur die offizielle Gefährdung durch Lawinenniedergänge im Grossraum. Aufgrund meiner Erfahrung wird beim SAC zu stark die reine LVS-Ausbildung gepflegt. Das verkommt meistens fast zu einer Spielerei mit den verschiedenen Geräten und Techniken. Die konkrete Organisation nach einem Lawinenniedergang, die Überwachung des Geländes, das Arbeiten mit Sondierstangen und die Erste Hilfe beim Auffinden von Verschütteten kommen eigentlich nie zur Sprache. Jeder Tourengänger hat eine Schaufel und eine Sondierstange im Gepäck. Es sollte aber natürlich auch jeder wissen, wie diese Geräte im Ernstfall einzusetzen sind. Die Organisation auf dem Platz ist nicht ganz unwichtig und wird kaum besprochen, geschweige denn geübt! Jedem müsste klar werden, dass ein Lawinenniedergang mit Verschütteten für eine Skitourengruppe von sieben bis acht Personen eine sehr, sehr heikle Sache ist. Zu stark wird die Meinung vertreten, das Mitführen des (eingeschalteten) LVS-Gerätes sei Garant genug. Eine Kollegin sagte auf einer Skitour nicht ganz zu Unrecht, LVS heisse eigentlich Leichenverschüttetensuchgerät. Unfallvermeidung kommt vor schneller Rettung.

Stellungnahme des SAC

Der SAC-Zentralverband bietet eine Vielzahl an Ausbildungskursen an. In allen Kursen hat die Unfallprävention einen sehr hohen Stellenwert. In den Lawinenausbildungskursen werden deshalb die Tourenplanung und ihre Umsetzung im Gelände von Grund auf gelernt. Es werden dabei Strategien vermittelt, um die Gefahren einer Lawinenauslösung möglichst gering zu halten. Auch der Ernstfall wird in den Grundausbildungskursen gezielt geübt: Es werden Lawinenunfallszenarien rekonstruiert und mit allen erforderlichen Mitteln gelöst. Für die SAC-Tourenleiterausbildung sind ein vorgängiger Erste-Hilfe-Kurs und ein Lawinenkurs obligatorisch. Mehr unter www.sac-cas.ch/de/ausbildung-und-wissen/kurse.

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