Urteil über einen Mann von gestern

Zu den zwei Artikeln über Louis Agassiz, «Die Alpen» 09/2016

Angesichts der Absicht, Louis Agassiz seine Ehrenmitgliedschaft im SAC abzuerkennen, und in Anbetracht der Tatsache, dass die Leute, die ihm diesen Titel verliehen haben, ihn kannten und um seine Karriere wussten, schlage ich vor, nach dem Prinzip der Gleichberechtigung alle Mitglieder aus der Erinnerung unseres Clubs zu streichen, die bei der Verleihung dieses Ehrentitels mitgemacht haben, einschliesslich des damaligen SAC-Präsidenten. Das Gleiche gilt rückwirkend auch für den Rektor der Académie de Neuchâtel (damals noch nicht Universität) und für die Professoren, welche seine Doktorarbeit angenommen haben.

Es stimmt, dass Agassiz nicht nur an Studien der Naturkunde, der Botanik, der Geologie, der Glaziologie oder der Zoologie arbeitete, sondern 1854 auch, zusammen mit Josiah Clark Nott, ­George Robins Gliddon, William Usher und Henry Stuart Patterson, bei der Publikation einer bedeutenden ethnologischen Studie mit dem Titel Types of Mankind dabei war. Die Schrift hatte grossen Erfolg. Es folgte 1857 Indigenous Races of the Earth. Diese Werke trugen dazu bei, dass der Rassismus eine Abstützung bekam, die man damals als wissenschaftlich beurteilte. Aber bitte hört auf mit dieser Hexenjagd, welche die Denkart auf der Welt zur Zeit der Publikation nicht mit einbezieht; der SAC wird daraus nicht gestärkt hervorgehen! Als Alpen-Club sollten wir uns auf die Beiträge von Louis Agassiz beschränken, die mit den Bergen zu tun haben, auf seine Forschungsarbeit im Zusammenhang mit dem SAC, und uns nicht mit seinem ideologischen Weg befassen, der nur ihn etwas angeht. Wer sind wir, dass wir 143 Jahre nach seinem Tod ein Urteil über den Mann sprechen dürfen, einen Mann aus einer ganz anderen Zeit ...?

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