Victor Wildhaber

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Von Jakob Hauser.

Jeder, der die Berge und die Kunst liebt, wird mit dankbarer Freude der so glücklich gelungenen ersten schweizerischen alpinen Kunstausstellung von 1933 gedenken, durch welche das C. C. des S.A.C. so überzeugend für beide Gebiete werbend eingetreten ist. Jene Schau wurde zu einer Generalübersicht über die heimische Bergmalerei, die erstaunlich reich und eifervoll sich entfaltet und der ja auch die « Alpen » manch eine sichtbare Würdigung widmen.

Das nebenstehend reproduzierte Gemälde « Sexmor » fand sich ebenfalls an jener Ausstellung vor. Es stammt von Victor Wildhaber, der seine Klause in Stäfa am Zürichsee aufgeschlagen hat, von dessen Atelierfenster aus der Blick weit in die St. Galler und die Glarner Alpen hinüberschweift. Ein bescheidener Berg in alpinistischem Sinn, ein zerklüfteter Felsobelisk in den Flumser Bergen, hoch über dem Walensee. Aber gerade die Art, wie Victor Wildhaber ihn erfasst hat, zeigt eindringlichst, dass auch die kleine, aller Gigantik ferne Landschaft hoch über dem Tiefland zu einem eindrucksvollen Bergerlebnis führen kann, wenn man nur das Auge und die Seele dafür hat, das heimliche Wesen der Berge in allen Dingen zu erfassen und zu erlauschen. Das wundervolle Spiel von Licht und Schatten, die bezaubernde Patina der wettergetroffenen und doch immer wieder vom Sonnenglast geküssten Felsen, das Brodeln und Raunen der Nebelwolken, die geheimnisvollen Tiefen und drüben die verbindende Kette der Churfirsten dies alles bekundet still und mit der Andacht der Talferne die Erhabenheit der Bergwunder, nach welcher Victor Wildhaber als Alpinist, Mensch und Maler auf kleinen und hohen, einfachen und gefahrvollen Fahrten strebt.

Wohl hat er in Florenz, Rom und Paris studiert, aber trotz den Erfolgen im Auslande ist er zum malenden Verkünder unserer Heimatberge geworden. Wochenlang zieht er über unsere Alpen, im Sommer und im Herbst, wenn der Winter sein Gleissen zaubert oder wenn das Erwachen des Frühlings beglückende Kontraste schafft. Wenige Gipfel nur sind es wohl, die er nicht erklommen hat, und selbst auf die anstrengendsten Viertausender schleppt er sein Malzeug, die « eiserne Ration » seines Rucksacks mit. Durch diese Verbundenheit, durch schönstes Erleben, aber auch durch mancherlei Gefahr, hat er die Berge in ihrem letzten Wesen und Sein verstehen gelernt und lieben dazu, und aus dieser Freundschaft zur Urnatur heraus schafft er und bringt er das Hohelied der grossen Erhabenheit und Einsamkeit herab ins Tiefland zu den Menschen, um ihnen in seinen Bildern davon zu erzählen und Freude zu geben.

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