Von Visp nach Zeneggen

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Der Aufstieg. Schlüsseläcker. Albenmatte. Oberalben. Albenwald. Lonzagesellschaft. Helbrigäcker. Asbestgruben. Zenstadlen.

Zum Aufstieg in die Vispertaler Sonnenberge benützen wir den Weg von Visp nach Zeneggen. Zunächst überschreitet man, die Landstrasse talabwärts verfolgend, die gedeckte, hölzerne Brücke über die Vispach, steigt gleich nachher links den steinigen Saumweg zwischen einigen Hütten durch die « hohle Gasse » bergan in ein Rebgelände, die « Schlüsseläcker » geheissen. Wie schon der Name sagt, war früher daselbst Ackerland. Dasselbe ist dann aber im Verlaufe der Jahrzehnte in Rebland umgewandelt worden. Im Jahre 1902 wurde der letzte Acker mit Reben bepflanzt. Man fand bei der Umarbeitung des Bodens in der Erde noch eine Pflugschar und eine alte « Schitplatte » ( runde Steinplatte von einem Stadel ), die an die frühere Kultur erinnern. Bei der Schlacht von Visp im Jahre 1388 fand am Mannenmittwoch die Auslese der Savoyer Ritter hier ihren Tod; der Stadel, in welchem die Feinde schliefen, wurde in der Nacht von den Walliser Patrioten in Brand gesteckt.

Über steinige, öde Grashalden erreicht man nach einer Viertelstunde den lichten Kiefernwald, wo im Vorsommer der Kiefernspinner sein Zerstörungswerk ausübt und an den Zweigen bis kopfgrosse Raupennester spinnt. An warmen Tagen ist es auf diesem staubigen Pfade heiss « wie in einer Bratpfanne ». Allmählich werden die Waldbäume zahlreicher, und je höher wir kommen, um so geschlossener und kräftiger wird der Kiefernwald, der bald einigen Schatten F. G. Stebler.

gewährt. Der Kiefer gesellt sich mehr und mehr die Birke bei, und als Unterholz spielt der Wacholder eine Rolle, an sonnigen Stellen auch der Sevistrauch ( Juniperus Sabina L. ), der die heisse Luft mit seinem durchdringenden Geruch erfüllt. In etwa einer Stunde von Visp erreichen wir bei 992 m die halbzerfallene Kapelle in der Albenmatte, wo wir unsern Durst an einer nebenan entspringenden Quelle stillen können. Die Aussicht hat sich wesentlich erweitert. Vor uns liegt das ganze Baltschiedertal mit den Vorbergen der Bietschhornkette.Vom sonnigen Hang schauen einige dunkle Bergdörfer mit ihren schmucken Kirchen zu uns herüber ' ). Einige Minuten abseits vom Wege gegen Albenried liegt der Hof « in der Oberalben », eine uralte Niederlassung der Burgschaft Visp.

An Stelle des mühsamen Saumweges ist von Visp aus eine Wagenstrasse über die Schlüsseläcker in die Oberalben und weiter westlich nach Birchen, Unterbäch und Eischoll geplant, wodurch der Zugang zu den Berggemeinden wesentlich erleichtert würde.

Wenn der Weg oberhalb Visp anfänglich steil, rauh und schattenlos war, so wird er von der Albenmatte an angenehmer. Von Visp bis zur Albenkapelle führt er in westlicher Richtung, um sich hier in scharfem Winkel nach Südosten zu wenden. Bald treten wir in den geschlossenen Hochwald, der dem Wanderer Schutz vor den heissen Sonnenstrahlen gewährt. Eine gute Viertelstunde oberhalb der Albenmatte steht am Wege in einer Felsennische eine zweite Kapelle, die Albenwaldkapelle, wo der fromme Wanderer ein Gebet verrichtet. Sie wurde von den Bergbewohnern errichtet, steht aber noch auf dem Gebiet der Gemeinde Visp. Wenige Minuten höher hat man auf einem Felsenvorsprung einen schönen Rückblick nach dem Ausgangspunkt unserer Reise.

Tief unten am Ausgang des Vispertales liegt die alte Burgschaft mit den zwei Kirchen, während nebenan in der Rhoneebene draussen in den letzten Jahren eine neue Fabrikstadt erstanden ist. Es sind die Werke der Lonzagesellschaft, die durch die Turbinen im Ackersand, etwa l¾ Stunden hinterhalb Visp, betrieben werden. Anfänglich befasste sich die Fabrik vorzugsweise mit der Herstellung von Kalziumkarbid, Ferrosilizium und Karbosilizium. In neuerer Zeit werden daselbst aus Kalziumkarbid synthetische Produkte hergestellt, besonders Metaldehyd, ein Brennstoff, der als Ersatz für Sprit dient und unter dem Namen « Meta » in den Handel kommt.

Weiter ansteigend kommen nach einer Viertelstunde die fruchtbaren Hel-brigäcker, die man auch von der Lötschbergbahn aus beobachten kann. Wir sind damit zugleich auch in das Gebiet der Gemeinde Zeneggen gelangt. Das Gestein besteht hier aus Kalk. Ein zerfallener Kalkofen rechts am Wege lehrt, dass hier ehedem Kalk gebrannt wurde. Heute muss der gebrannte Kalk zum Bauen mühsam vom Tale auf den Berg heraufgeschafft werden.

Im lichten Wald blüht am Wege mit reizenden, rosaroten Schmetterlingsblüten die rundblätterige Hauhechel ( Ononis rotundifolia ). Nach einer weitern Viertelstunde erreichen wir links und rechts am Wege die Bergflachsgruben « auf der Höhe », in welchen während des Weltkrieges von der Eternitgesellschaft Niederurnen Bergflachs ( Asbest ) ausgebeutet wurde. Nun tritt man in das Kultur-gelände. Am Wege rechts liegt ein grosser, zwei Meter langer, länglicher Granitblock. Die Sage erzählt von demselben, dass es ein Engelszahn sei.

* ) Stebler, F. G. Sonnige Halden am Lötschberg. Bern 1914.

Die Vispertaler Sonnenberge.

In einem grossen Kampf zwischen den Engeln des Himmels wurde ein auf-rührerischer Engel vom Erzengel Michael gegen die Hölle hinuntergeschleudert, fiel aber auf die Erde und brach sich einen Backenzahn aus, der nun als Wahrzeichen auf der Erde steht. Der Stein hat einen hellen, metallischen Klang, wenn man mit einem Eisenhammer dar- auf schlägt.

In demselben Acker liegen noch zwei erratische Serpentinblöcke, die in der Gletscherperiode auf dem Eis vom Allalin hergebracht wurden. Wenige Minuten oberhalb erreichen wir den ersten Weiler der Gemeinde Zeneggen, Zenstadlen ( Fig. 2 ) mit etwa 4—5 Wohnhäusern und den zugehörigen Ställen, Scheunen, Stadeln und Speichern. Von der Höhe herab grüsst die schmucke Kirche von Zeneggen mit dem Gemeindehaus und der daneben stehenden, alten Kapelle ( Fig. 3 ). Den Blick rückwärts wendend, ragt im Norden die stolze Pyramide des Bietschhorns kühn in die Luft, und im Hintergrunde des Baltschiedertales grüsst das Breithorn, dem der Baltschiederfirn vorgelagert ist.

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