Walter Krebs - ein Bergmaler

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Mit 2 Bildern.Von Max Oechslin.

Als ich diesem Berner Oberläilder Walter Krebs zum erstenmal begegnete, wie er da an einem Winterabend in einer niedern Gaststube des Schächentales unter den Bauern sass, vor sich ein Glas Roten und den Stumpen im Mund, wusste ich nicht, wer er war. Aber er schien mir ein sonderlicher Kauz zu sein. Und als mir der Gastwirt sagte: « Er isch en Maler, weischt en Künschtler », da drängte es mich, ihn näher kennen zu lernen. Und da erfuhr ich, dass er zu Hilterfingen bei Thun seine Klause hat, im März-frühling der Jahrhundertwende 1900 zur Welt kam und seinen eigenen Weg ging. Mag sein, dass ihn die Kunstkritiker verneinen und einen Handwerker nennen. Uns Bergsteigern aber schildert er Berge und Menschen, wie sie sind: voll Härte und Grosse, voll Feinheit und Schönheit. So wie die Berge einfach nichts Alltägliches sind, so scheint mir auch Walter Krebs kein Maler zu sein, der einer Jury ruft, die ihm die Bilder kritisieren und bewerten möge. Er hat bei keinem Lehrmeister gelernt. Er ist ein Maler aus Leidenschaft und Drang und ist in allem Schaffen ein Suchender geblieben. Einem innern Fordern gehorchend, durchschritt er die Bildergalerien und schaute und suchte nach den grossen Malern und ihrem Geben. Er hielt vor den alten Meistern und lauschte ihrem Erzählen, als müsse er in den Bildern eines Lucas Cranach oder Nikiaus Manuel Deutsch die damalige Zeit reden hören, und er hält vor den Bildern Ferdinand Hodlers und sieht in ihnen eine sich immer wieder erneuernde Wucht der Gestaltungskraft. Und er pilgert durch die Natur und ist in den Bergen geblieben, wo er die Grosse und Schönheit unserer Felstürme und Kuppen, der Schluchten und Täler erkennt und festzuhalten sucht, als müsse er seinem Erleben feste Form geben. Es gehört zur Eigenart Walter Krebs ', dass er neben dem Pinsel zugespitzte Zweige und Vogelfedern verwendet um die Farben auf der Leinwand auf Holz oder auf Karton aufzutragen. Seine Berglandschaften sind voll der Mystik des aufbauenden Gebirges; seine « Engelhörner » gleichen einer Gralsburg, und sein « Schächentaler » wird zu einem dokumentarischen Bild eines Nachkommen der Eidgenossen, die auf dem Rütli den Schweizerbund gründeten. Der Berg türmt sich aus Platten und Blöcken in den Himmel hinein, aus dem die Nebel wie eine segnende Hand über die Erde greifen. Der Rock des Schächentalers ist Hemd und Kutte zugleich und ist wie ein Panzer, aus dem dieser Kopf herauswächst, der vor sich hinsinnt, als wolle er zeigen, wie auch der Gebirgler einer Lebensphilosophie nachdenkt.

Walter Krebs malt schlicht und einfach, verständlich für uns Laien. Und das gefällt mir an ihm und an seinen Bildern.

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