Weiss-blau-weiss: Wer ist zuständig?

Nicht mehr ganz junge SAC-Mitglieder können sich vielleicht noch an die eidgenössische Volksabstimmung im Februar 1979 erinnern: Damals stimmte die Schweiz mit deutlichem Mehr dem Verfassungsartikel 37quater zu. Unter Ziffer 3 heisst es: «In Erfüllung seiner Aufgaben nimmt der Bund auf Fuss- und Wanderwegnetze Rücksicht und ersetzt Wege, die er aufheben muss.» Und weiter unter Ziffer 4: «Bund und Kantone arbeiten mit privaten Organisationen zusammen.» Hauptziel war es, der zunehmenden Asphaltierung von Wanderwegen durch Forst- und Alpwirtschaftsstrassen Einhalt zu gebieten.

Die gelben und weiss-roten Wanderwege sind längst in die Sachpläne der Kantone aufgenommen. Anders sieht es aber bei den weiss-blau-weiss markierten Routen aus: Erst seit 2005 müssen auch diese aufgenommen werden. Dies ist nicht ganz einfach.

Denn ursprünglich hatte der SAC in Zusammenarbeit mit den Schweizer Wanderwegendie Kategorie der weiss-blau-weissen Alpinen Routen eingeführt, um jene Routen markieren zu können, die klar schwieriger waren als die weiss-rot-weissen Berg-wanderwege. Oft handelte es sich um Hüttenzustiege, mit der Zeit kamen aber auch Hüttenübergänge oder andere hochalpine Routen hinzu. Viele dieser Routen entstanden dank lokalen touristisch motivierten Eigen-initiativen.

Seit 2005 unterliegen nun auch diese Routen der Signalisationsnorm des Bundes und heissen Alpin-wanderwege (Artikel S. 40). Der Name ist erklärungsbedürftig: Auch nach der Umbenennung sind die Routen nicht Wander- oder Bergwege im üblichen Sinne, sondern anspruchsvolle, meist weglose Touren im alpinen Gelände. Sie haben auf der SAC-Wanderskala minde-stens den Schwierigkeitsgrad T4 und verlangen von den Berggängern ein hohes Mass an Selbsteinschätzung und Eigenverantwortung. Weil die Routen aber neu in Richtpläne aufgenommen werden, wirft das Fragen nach der Finanzierung, dem Unterhalt und nicht zuletzt auch nach der Haftung auf. Der SAC steht zurzeit in engem Kontakt mit Kantonen und Fachorganisationen, um auch im High-End-Bereich des Bergwanderns einen Konsens zu finden.

Weiterhin schöne Bergerlebnisse, auch auf weiss-blau-weiss markierten Pfaden.

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